Ausgabe 
3.11.1930
 
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Das am 8.September von der Hamburger Polizeibehörde erlassene allgemeine Ver­bot der nationalisoziali stischen Par- teiunisorm ist jetzt vom Hamburger Senat nachgeprüft worden. Der Senat kam zu der älcber- zeugung. daß auch heute noch die Gefahr von Störungen der öffentlichen Ordnung besteht, wenn den Angehörigen radikaler Parteien das Tragen von Uniformen wieder gestattet wird. Er hat des­halb das Uniformverbot bestätigt.

Der Oberpräsident hat den Antrag der NSDAP., gegen den Berliner Oberbürgermeister Boß wegen erst später bekanntgewordener Dienstwidrigkellen ein neues Disziplinarverfahren einzu­leiten, ab gelehnt. Die Ermittlungen über die Lorwürfe, die gegen Böß im Untersuchungsausschuß erhoben worden seien, hätten ihn nicht zur Ein­leitung eines neuen Verfahrens bestimmen können. Da mit dem 1. November die Pensionierung von Böß vollzogen ist, liegt jetzt ein Disziplinaroer- fahren nicht m»hr im Bereich der Möglichkeit.

Vei den M u n i z i P a l w a h l e n in Eng­land und Wales zeigt sich aus dem Ergebnis aus rund 80 großen Städten, daß dje Ar­beiterpartei beträchtlich verloren hat. Die Konservativen haben 79 Sitze gewonnen und 10 Sitze verloren, dieLiberalen gewannen 9 und verloren 17 Sitze, die Ar­beiterpartei gewann 27 und verlor 92 Sitze, die Unabhängigen gewannen 24 und verloren 20 Sitze.

Aus aller Welt.

Aus der Reichslagsbibliokhek gestohlen.

Der Direktor der Reichstagsbibliothek, Dr. Fi­scher, erklärte über einen sensationellen Einbruch in die Reichstagsbibliothek: Bereits am 24. Oktober, als man das Bildmaterial für ein Werk über den Reichstag zusammenstellen wollte, entdeckten die Bibliothekbeamten, daß aus einem einfachen eisernen Schrank, der durch ein einfaches Schloß gesichert war. das wertvollste Stück der Reichstagsbibliothek, die Berfassungs- urkunde vom 2 8. März 1 8 4 8, entwen - d e t worden war. Wann der Diebstahl ausgeführt ist, läßt sich nicht mehr ermitteln, weil man seit dem November 1929 die Urkunde nicht mehr kon­trolliert hatte. Das Dokument stellt ein Unikum aus der deutschen Geschichte dar. Unter dem gedruck­ten Text der 48er Reichsverfassung befinden sich die Originalunterschriften sämtlicher Abge­ordneter der Nationalversammlung der Paulskirche. Die Urkunde ist auf Pergament gedruckt, der Ein­band besteht aus rotem Leder; auf der Vorderseite befindet sich ein Adler in Silber. Ihr literarischer Sammlerwert läßt sich nur schwer angeben, dürfte ober nicht unter 100000 Mark liegen. Zu­gleich mit der Berfassungsurkunde hat der Dieb aus dem eisernen Schrank Karikaturen von 1 8 4 8 entwendet, ferner die einzige Repro­duktion des wertvollen Verfassungsdokumentes, außerdem ein Exemplar der Sittengeschichte des Weltkrieges von Magnus Hirschfeld und drei Bände Bilderlexikon der Erotik", herausgegeben vom Institut für Sexualforschung in Wien. Der Schrank ist offenbar mit einem einfachen Dietrich geöffnet und nach vollbrachter Tat säuberlich wieder ver­schlossen worden.

Eine Tolenstadl

aus der Bronzezeit in Apulien aufgefunden.

Sn der Umgebung von Tarent in Apulien, wo seit einiger Zeit archäologische Ausgrabungen vorgenommen werden, ist in der Gemeinde Chiazzoda eine Totenstatt aus der Bronze­zeit gesunden worden. Diese Relropolis, die auf das 7. Sahrhundert v. Ehr. zurückgeführt wird, soll noch dem Urteil Sachverständiger mehrere Sahrhunderte hindurch als Begräbnis­stätte gedient haben. Eine große Anzahl keramischer Gefäße sind bei den Arbeiten ans Tageslicht gefördert worden. Man hofft durch die Funde neue Aufschlüsse über die bisher un­geklärte Vorgeschichte von Apulien zu erlangen.

August Tragens

zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt.

Der vom Schwurgericht Neustrelitz zum Tode verurteilte Landarbeiter August Nogens ist auf Be­schluß des Staatsministeriums zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Nogens ift be­kanntlich als Mörder des kleinen Ewald Nogens ver­urteilt worden.

Oer neue Kdtot der Darmstädter Technischen Hochschule.

wsn.^ D a r m st a d t, 1. Rov. Sn Anwesenheit des Staatspräsidenten Dr. Adelung, des Snnenministers L e u s ch n e r und des Ober­bürgermeisters Müller fand heute in der Otto- Berndt-Halle die feierliche Rektoratstiber- g a b e an den neuen Vektor der Technischen Hoch­schule, Prof. Dr. Wöhler, statt.

Die Amtsgerichtsfrage

in Bad-Nauheim und Zriedberg.

WSR. Bad-Rauheim, 1. Rov. Wie zu­verlässig mitgeteilt werden kann, wird von der hessischen Regierung an eine Zusammen­legung der Amtsgerichte Bad-Rau­heim und Friedberg nicht mehr ge­dacht. Der Weiterbestand beider Gerichte kann als durchaus gesichert bezeichnet werden.

Bürger- und Biersteuer in Wetzlar und Zulda.

WSR. Wetzlar, 1. Rov. Die hiesige Stadt­verordnetenversammlung be'chästigte sich unter dem Vorsitz des 1. Beigeordneten B a n- g e r t mit der Einführung neuer Steuern auf Grund der Rotverordnung. Beigeordneter Dr. Bangert gab dazu eine eingehende Be­gründung. Die Stadt Wetzlar hat aus dem Sahre 1929 einen Fehlbetrag von 2 5 2 0 0 0 M r., der durch Anleihe gedeckt wer­den soll. Auch im laufenden Rechnungs­jahr wird mit einem Fehlbetrag von 2 5 0 0 0 0 Ri k. gerechnet. Das voraussichtliche Ergebnis derStieger ft euer in Wetzlar dürfte 45 000 Mk. betragen. Aus der B i er­st e u e r werden rund 7000 Ml. erwartet. Die Abstimmung ergab die Annahme der Bürger­steuer, sowie der Diersteuer unter der Voraus­setzung. daß es gelingt, mit der Brauereiver­einigung einen höheren Pauschalsah zu verein­baren, der das aus der Biersteuer erwartete Aufkommen ohne einen Bierpreisaufschlag ge­währleistet.

WER. Fulda, 1. Rov. Die Stadtoer - vrduetenverjammlung bat die Einfüh­

rung der Bürger st euer und die Erhöhung der Biersteuer beschlossen. Die Einführung dieser neuen Steuern war notwendig geworden, um die im Wohlfahrtswesen entstehenden Mehr­ausgaben $u decken. Die Höhe der Dürger- fteuer soll sich nach den Sätzen der Ausführungs­bestimmungen richten, die Preußen zu der Rot­verordnung des Reichspräsidenten geben wird. Man erwartet aus der Bürgersteuer ein Aufkom­men von 70 000 Mk.,' aus der erhöhten Ge­meindebiersteuer ein solches von 20 000 Mk.

Ein Giaaiskommissar für Frankfurt?

WSR. Frankfurt a. M.. 2. Rov. Rach einet Pressemitteilung hat sich Stadtkämmerer A s ch dahin ausgesprochen, daß bei einer Verwei­gerung der Deckung des vom Magistrat vorgelegten Rachtragsetats durch die Stadtverordnetenversammlung die Ernennung eines Staatskommissars vom Magistrat beim Regierungspräsidenten beantragt werde. Durch diesen werde dann die entsprechende Deckung angeordnet.

Sparverfügung

des Kasseler Oberbürgermeisters.

WSR. Kassel, 1. Rov. Sm Anschluß an seine früheren Sparverfügungen hat der Ober­bürgermeister neuerdings angeordnet, daß die städtischen D i e n st st e l l e n im dritten Vierteljahr nur 2 0 Prozent der in den Haushaltsplan für 1 9 30 eingestell­ten Mittel verwenden dürfen. Eine Hebcr- schreitung der freigegebenen Teilbeträge darf unter keinen Umständen erfolgen. Für das vierte Vierteljahr hat sich der Oberbürgermeister die Verfügung über den freizugebenden Betrag Vor­behalten.

(Starfenburg.

WSR. D a nm st a d t, 2. Rov. Heute abend wurde im Hauptbahnhof in Darmstadt der Ober­postschaffner Ritter aus Groh-Zimmern, der Ende der 40er Sahre steht, beim Passieren eines Gleises von einem Zuge erfaßt und überfahren. Ritter, der anscheinend infolge des Sturmes den herankommenden Zug nicht bemerkt hatte, wurde auf der Stelle ge­tötet.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Felix Berber f.

Im Alter oon 59 Jahren ft a r b am Sonntag in München an den Folgen einer schweren Angino- erfranfung Akademieprofessor Felix Berber, der als Geiger einen Weltruf genoß. Bereits mit neun Jahren trat er zum ersten Male öffentlich auf und erregte schon damals die Aufmerksamkeit der Musik­welt. Berber war insbesondere ein überragender Beethooen-Spieler. Zahlreiche moderne Komponisten haben ihm ihre Werke gewidmet, so Psitzner Sil- cher und Schillings. Er brachte auch zahlreiche Ur­aufführungen mit großem Erfolg heraus. Er war der erste Geiger, der u. a. für Reger eingetreten ist. Professor Berber galt unbestritten für einen der bedeutendsten Geiger seiner Zeit überhaupt. Noch vor 14 Tagen hatte er ein Beethooen-Konzert ge­geben und ungeheuren Erfolg geerntet. Er starb nach neuntägigem Krankenlager.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage

Die gestern westlich der britischen Inseln gelegene Störung Hat sich infolge stärkerer Temperaturgegen­sätze zu einem Sturmwirbel mit starkem Baro­metergefälle entwickelt, dessen Kern übet der Nord­see Luftdruck oon unter 730 mm zeigt. Die Witterung ganz Deutschlands wird von ihm beherrscht, d. h. windiges, zum Teil stürmisches Wetter mit Nieder­schlägen herrscht vor. Sehr rasch werden die Winde von r-üdwesten über Westen nach Nordwesten um- drehen und entsprechend der Luftzufuhr aus höheren Breiten Temperaturrückgang bringen. Dabei führt der Kaltlufteinbruch vorerst zu unbeständigem, je­doch schon aufklarendem Wetter. Mit den vorüber­ziehenden Böenwolken treten Schauer auf. Ebenso rasch wie der Luftdruckfall eingesetzt hat, wird das Barometer wieder steigend Tendenz zeigen und mit dem höheren Druck eine Beruhigung bringen, wenn auch kein beständiges Wetter vorauszusehen ift.

Aussichten für Dienstag. Bei anfäng­lich lebhafter, später abflauender nordwestlicher Luftbewegung, wechselnde Bewölkung mit Auf­klaren, kühler, zunächst noch Regenschauer.

Aussichtenftir Mittwoch. Regnerisches, aber noch kein beständiges Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 2. November: mittags 10,5 Grad Celsius, abends 10,6 ®raö; am 3. November: morgens 9,5 Grad. Maximum 12,4 Grad, Minimum 9,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. November, abends 9,6 Grad: am 3. November: morgens 8,4 Grad Celsius. Niederschläge: 4,4 mm.

SonnenjcheinLauer eine Stunde.

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'*' Orient

Wir zeigen Ihnen heute kein Bild aus unseren deutschen Fabriken. Diese Anlage steht vielmehr fern im Orient; denn unser Kampf gegen den Ta­bakstaub beginnt schon im Heimatland der Haus Neuer­burg - Zigaretten. In den Ausfuhrhäfen des kostbaren Macedonentabaks : Cavalla, Saloniki und Piräus, haben wir unseren Manipulations­häusern neuerdings ganz mo­derne Entstaubungs-Anlagen gegeben, die den Tabakstaub entfernen, bevor die Fermen­tation der Blätter beginnt. Gerade von dieser Vorsorge bei dem wichtigen Gärungs- Prozeß des Tabakserhoffen wir eine noch nie dagewesene Steigerung der Qualität un­serer Zigaretten. Jetzt sind erstmalig die so behandelten Ballen in unseren Fabriken verarbeitet worden. Handelt es sich zunächst auch nur um Teilmengen, so wird Ihnen eine Rauchprobe doch schon bestätigen, was die gründ­liche Entstaubung desTabaks für Ihre Zigarette bedeutet.

IBfiflÜÄ llEUERBm

OVERSTOLZ

5 PF.

RAVENKLAUi

6 PF.

staubfrei

schmecken niemals bitter!

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kJie können unsere Angaben nachprüfen: Wenn Sie durch eine HAUS NEUERBURG- Zigarette blasen - ehe sie brennt so wer­den Sie keine Spur von Staub bemerken.