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Nr. 205 Erstes Matt

180. Jahrgang

Mittwoch, 5. September 1950

(Erlittet lögli^, nafter Sonntag, und Frierlag» Beilagen:

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Die Scholle Keeati>Bt)Ufl«prels:

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Der Keuervorhang.

Die war das doch mit den verschwunde­nen Frank-Milliarden au- der ftan- zdsifchen Staatskasse? Wohl wurde im Parla­ment nach ihnen gefragt, aber die Herren Depu­tierten beruhigten sich sehr schnell, als ihnen in dunklen Redewendungen etwas über den Der- wendpngszwcck mitgeteilt wurde: Die Regie­rung hatte leider nicht umhin gekonnt, daS aus fchwer erkämpften Reparationszahlungen ge­wonnene Geld für die Sicherheit Frank­reich» anzulegcn. Der Schuh der Ostgrenze kostet viel: er hat noch mehr gekostet, als das Parlament in den Vorjahren in seltener Ein­mütigkeit bewilligt hatte. "216er dafür können jetzt die Franzosen auch mit einem prima Ber- teidigungsfystem gegen die gesährlichen Deut­schen und die Italiener aufwarten: sehr gern wird den Herren Abgeordneten etwas da­von gezeigt.

Die französische Regierung hat Recht. Wa­ste an der Grenze nach Deutschland aufgebaut hat, verdient die restlose Bewunderung aller Sicherheilsfc.natiker. Erst im Jahre 1934 sollte dos umfangreiche Werk vollendet werden, aber dank der unermüdlichen Pflichttreue der wohl auch um ihre Sicherheit bangenden französischen Arbeitskräfte und dank der regelmäßig fliehenden deutschen Reparations­zahlungen konnte der Hauptteil des groh- artigen Abwehrbollwerks schon jetzt soweit ^ge­fördert werden, dast zu Beginn de» kommen­den IahreS alle» fertig fein wird. Frank­reich» Sicherung gegen einen deutschenLieber- fair wurde in amerikanischem Tempo betrieben, obwohl die bisher bestehenden Einrichtungen schon Io gefördert waren, dah sie al» Verstoß gegen die geltenden Abrüstungsbestimmungen gewertet werden dursten. Aber übeldenkend« Menschen, die daraus Folgerungen ziehen, fin­den sich ersreulicherweise nicht.

Der Schützengraben wurde in Permanenz er­klärt, b i c ganze Grenze entlang zog man ein System von Befestigungen, nach den modernsten Methoden der KriegStechnik. In gröberen Abständen eine Anzahl oder Hn- zohl? von schwer betonierten, so gut wie unzerstörbaren FortS au» der Zertrümme­rung de» Fort» Douaumont haben die Fran­zosen etwa» gelernt, die mit weittragenden Geschützen ausgerüstet sind. Zwischen diesen star­ken Befestigung-Punkten eine Reihe mittelfchwercr Unter ft änbe, gleichiallS auef Beton erbaut und geeignet, eine erhebliche Zahl von Schnell­feuergeschützen zu montieren, ilnb um da- System auch bis ins letzte zu verfolgen und durchzuführen, um die Schützengrabentaktik de» Weltkrieges auch hier erfolgreich in den Abwehr- und Derteibi- gungSbienst einznfpannen. würben befonbere Stützpunkte für Spezialtruppen geschaffen die sehr schnell besetzt werden können Alle möglichen wichtigen Kriegsmaterialien, vor allem aber Maschinengewehre, lagern dort, bereit, im Augenblicke der Mobilmachung in Tätigkeit zu treten. Dazu gesellt sich schließlich eine Anlage von unterirdischen 'Serbin- dungsgängen, von einem Stützpunkt zum anderen, sorgfältig bombenfest und einsturzsicher gemacht der ideale Schützengraben längs der Grenze nirgend» unterbrochen, ist fertig; mit Telephon. Telegraph und elektrischem Licht aus­gerüstet.

Ob bei der ersten Besichtigung dieser Anlagen den Deputierten wirklich alle» durch den Krieg-minister Maginot gezeigt wurde? Da- ist kaum anzunehmen, ileberrafdiungen für die kriegslüsterne Ration der Deutschen, die begierig ist, mit Eichenknüppeln aus deutschen Wäldern gegen das Bollwerk anzurennen, wird sich Herr Maginot wohl Vorbehalten haben. Ein Feuervor- bang kann nach der Fertigstellung der Anlagen über die Grenze nach Deutschland gelegt werden, er wird noch seine Bervollkommnung durch be­sondere technische Maßnahmen, durch Gas- und TodeSstrahlen erfahren, wie sie vernichtender nicht einmal in der Zeit des Weltkriegs vorhanden waren. Diese hundert Kilometer lang zieht sich im Ernstfall eine feurige Grenze, die der toll­kühnste Angreifer nicht überrennen kann. Aber Deutschland darf wenigstens das kostspielige Sichc- rungsseuerwerk bezahlen....

Krieg, Schiedsgerichtsbarkeit und Kirche.

ShexbS (Schwees, 2. Sept. (WTB.) Der Oekumenische Rat für praktische» Christentum hat seine Aussprache über da- Problem Krieg und Schiedsgerichtsbarkeit fort­gesetzt. Den Ausgangspunkt bildete eine Entschlie­ßung, die der Weltbund für internatio­nale Freundschaftsarbeit der Kir­chen im Borjahre in Avignon angenommen hat Die Entschließung ruft die Kirchen in aller Welt auf, in nicht mihzuverstehender Weise zu er­klären, dah sie weder einen Krieg be­günstigen. noch in irgendeiner Weise ihre Beihilfe zu einem Kriege geben wallen, bei dem ihr eigenes Land ein in gutem Glauben gemachtes Anerbieten zurück- gew lesen hat, die Streitfrage durch Schiedsspruch zu entscheiden. 5>cr Oelume- nische Rat stellte sich in einem einstimmigen Be­schluß grundsätzlich hinter diesen Aufrul. Die Entschließung von Avignon spricht u. a die Lieberzeugung aus, dah die Zeit kommen muh, in der die bestehenden Verträge im Interesse des Frieden- revidiert werden müssen.

Der Reichskanzler gegen die Miesmacher.

Brüning fordert Verstauen zur deutschen Wirtschaft als erfte Voraussetzung für eine Behebung der Arbeitslosigkeit.

Aachen, 2. SepL (WIB.) 3n einer Versamm­lung der Zentrumsportei sprach Reichskanzler Dr. Brüning. Der Reichskanzler besprach die Ar­beitslosenversicherung und sagte u. a.: Wenn die Rotverordnung des Reichspräsidenten nicht gekommen wäre, dann wären die Unter­stützungen im Spätherbst gar nicht mehr auszu­zahlen gewesen. Dos gleiche trifft für die Wohl- sahrtsuaterstühungen zu. Wir haben den wagen, der schon in den Abgrund hinelnzusousen drohte, im letzten Augenblick noch einmal zum Stehen gebracht, in dem wir die Mittel be- reilstellten, um überhaupt die Zahlungsoerpslich- hingen des Reich», der Länder und der Gemeinden zu erfüllen. Denn wir auch die Beamten zu einem Mitopfer im allgemeinen Opfer ausgesordert und herangezogen haben, so haben wir damit nicht gegen die Beamten gearbeitet. In Zeiten schwerster Rot, w o a l l e » u n s i ch e r ist, wo Hunderttausende und Millionen nicht wissen, was in den nächsten Wochen und Monaten aus ihnen werden kann, darf man wohl ein Opfer auch von denen fordern, die für ihre Zukunft gesichert sind. Die Reichsregierung Hot deshalb Schluß gemacht mit der Tendenz, unangenehme Dinge aufzuschieben. Denn die Aufschiebung de» Rotwendigsten kann dis Vertrauenskrise nur vergröhern. Aber e» gibt ja Leute, die ein In­teresse daran haben, diese Vertrauenskrise Immer weiter zu schüren, und die deshalb von Mllliordendesizilen de» Reiche» reden. Da» ist do» Ungeheuerlichste, wo» man sich im Wahl­kampf überhaupt leisten kann. Man erschüttert damit nicht nur den Glauben de» heimischen Kapitol» In die deutsche Wirtschaft, so dah grafte und kleine Ersparnisse ihre Flucht in» Au»lond nehmen, son­dern man erschüttert auch do» ver­trauen de» Au»lande» und de» gesamten Weltgeldmarkte» in die Stabilität der deutschen Wirtschaft. Riemand trägt mehr zur Steigerung unserer Arbeitslosigkeit bei, als wer derartige Dftan- lasien, Ueberlreibungen und berouftle Falschmel­dungen in den Wahlkampf wirst. Rach der Rede, die oft von lebhaftem Beifall unterbrochen wurde, brachte die Versammlung dem Kanzler stürmische Kundgebungen dar. 3m Lause der Rocht kehrte der Reichskanzler, der in Aachen seine westdeutschlond- reise obschloft, nach Berlin zurück.

Das Reich fördert die Siedlung.

Die zuständigen Stellen der Reichsregierung be­schäftigen sich wie wir bereits melden kannten, mit den Möglichkeiten, die innerdeutsche Siedlung zu nerbeffern und auszubauen. Für die landwirtschaftliche Siedlung in den dünn be­völkerten Gebieten, also die eigentliche Ostsied - lung sind seit 1926, wa das Reich zum ersten­mal größere Beträge in systematischer Arbeit zur

Verfügung stellte, im Ganzen etwa 170 Millionen aufgebracht worden. Während f» 1926 nur rund 9 Millionen waren, die bas Reich für die Bauern- ficblung gezahlt Hot, stieg die Summe im folgenden Jahr mit einem großen Sprung aus 56 Millionen, hielt sich 1928 auf 40 und erreichte im vergangenen Jahr wiederum rund 5" Millionen. Roch den bis- her vorliegenden Ergebnissen ist anzunehmen, daß trotz der Flnonznot vom Reich im laufenden Jahr mindesten» 52 Millionen ausge­wendet werden, so haft dann Ende 1930 für die Bauernsiedlung praktisch 213 Millionen zur Aus­zahlung kommen würden. Die bis Ende 1929 feit 1926 besiedelte Fläche beträgt 158 000 Hektar, mit 6165 Siedlerstellen.

Zu dieser Bauernftcblung kommt dann noch die landwirtschaftliche Siedlung auf Oed-, Moor- und Neuland, wofür das Reich ebenfalls be­trächtliche Summen ausgibt. Einschließlich 1930 dürften hier feit 1926 etwa 14 Millionen aufgebracht worden sein. Bis Ende des vergangenen Jahres war bei Oedlandsiedlung eine Fläche von 18 996 Hektar mit 1821 Siedlerstellen kultiviert worden.

Schließlich kommt al» dritte große Aktion noch di» Förderung desBaues von Landardei- terwohn ungen hinzu, für die im laufenden Jahr vom Reich ein Betrag von 25 Millionen als Darlehen vergeben wird. Rach dem Stand vom 1. Juli d I. sind |eit dem Jahre 1921 von Reich und Ländern zusammen insgesamt 57 648 Land­arbeiterwohnungen gefördert worden.

Gin Wahlmanöver.

Berlin, 2. Sept (WTB. Amtlich.) Rach einer Rotiz in der Rr. 9b der Deamtenk^re- spondenz vom 23. August 1930 soll hx Regie­rungskreisen eine Vorlage über Herabsetzung der Besoldung-dezüge der Beam­ten in der Form eines neuen Beamtenbefol- dungsgesetzes fertiggestellt sein mit dem Ziele, die Beamtenbesoldung-bezüge auf den ungefäh­ren Stand vorn Jahre 1926 herabzusetzen. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ent­spricht diese Behauptung in keiner Weise den Tatsachen: sie ift ein Wahl- manöver.

Erste Ersetze des Reichswohnungsbauproammms

Berlin, 2. Sept. (Iel.-Un.) Amtlich wird mit- geteilt: Die Länder und Gemeinden haben aus den Hauszinssteucrmitteln bisher hauptsächlich den Bau von Wohnungen von 60 bis 80 Quadratmetern Wohnfläche gefördert, also von Wohnungen, die, einschließlich Küche, drei bis vier Raume haben. Jetzt fehlt es vielfach an Wohnungen, die k l e i- n e r find und deren Miete auch für die leistungs­schwacheren Schichten der Bevölkerung noch t r a g b a r ist. Zudem zwingen die schwierigen Wirt- ichaftsverhältniss« zu Einschränkungen der Wohnungsbedllrfnisfe. Deswegen hat sich das Reich die Förderung solcher Klein­wohnungen zur besonderen Aufgabe gestellt. Bei der praktischen Durchführung des Wohnungs­bauprogramms zeigt sich immer mehr, daß auch zahlreiche Bauherren und Gemeinden, in richtiger Erkenntnis dieser Verhältnisse, sich selbst schon a u f einen kleineren Wohnungstyp um- gestellt haben.

Diese Wahrnehmung hat der zum Reichskom­missar bestellte Ministerialrat Dr. Imhoff bei seinen, in rascher Folge fortgesetzten Besprechungen mit den Ländern immer wieder gemacht. Mindestens die Hälft«, teilweise sogar bis zu Zweidritteln der geplanten Wohnungsbauten werden unter 45 Qua- bratmetern Wohnfläche enthalten. Die Baupro­gramm« der Länder werden im nächsten Jahre allgemein dieser Entwicklung Rech­nung tragen müssen.

Di« eigentlichen Bauarbeiten haben bei vielen Bauten bereits begonnen, und werden jetzt zunehmend rascher einsetzen. Roch vor dem Winter werden fast sämtliche Wohnungen im Rohbau fertiggestellt fein können, wenn

da» Herbstwetter nur einigermaßen günstig ist. Für die Wintermonate wird dann der Innenbau er­wünschte Arbeitsgelegenheit bieten.

Raturgemäß sind ziffernmäßige Angaben über die Au-wirkung des WohnungSbaupro- ? ramme» auf dem Arbeit-markt noch nicht mög- ich, da hierbei ja auch die Tatsache zu bewerten wäre, daß infolge des Bauprogramme» viel- fach Entlassungen von Arbeitskräften ver­mieden worden lind und werden, die ohne diese zusätzliche Arbeitsbeschaffung tm gegentoärti* ficn Zeitpunkt he» Ablaufes der Daufoifon frag» os eingetreten wären. Die Wirkung des Bau­programmes auf den Arbeitsmarkt äußert sich demnach nicht nur in Reueinstellungen von Ar­beitskräften, sondern ebenso stark in der Bei­behaltung bereits in Beschäftigung stehender Arbeitskräfte. Ziffernmäßige Angaben dieser Art find auch darum schwierig, weil die in der viel­gestaltigen Baustoffindustrie beschäftigten Arbeiter selbstverständlich hinzugerechnet werden müßten.

AIS weiteren Erfolg de» Wohnungsbaupro­grammes konnte der Reichskommifsar fcftfteilen, daß die strengen Forderungen hinsichtlich der Daukostengestaltung fast überall nicht nur die sonst bei Erteilung großer Aufträge ein­tretende Prei-steigemng verhindert, sondern die bereit» im Ansatz befindliche Rergung zur Senkung der Baukosten verstärkt ha­ben. Die erste Rate der Reich-mittel sott im September an die Länder ausgezahlt werden« Die weiteren Zahlungen erfolgen nach Maßgabe des Daufortfchritt».

Die tage auf dem ArdeitSm rkt.

Berlin, 2. Sept. Die AuSeinanderfehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern neh­men jetzt einen Umfang an, der für die nächste Zeit unerfreuliche Entwicklungen be­fürchten läßt. In der Berlin er Meta 11 - i n d u st r i e unb im Ruhr» ohlenberg- b o u sind zwei Brennpunkte des ArbeitskampfeS entftanben. Die Arbeitgeber stehen auf dem Standpunkte, eine Herbseyung der all­gemein en Unkosten hcrbeiführen zu wol­len. weil sonst weitere Entlassungen wegen der Schrumpfung des Arbeitsprozesses unvermeidlich sind. Die Arbeitnehmer wehren sich gegen die Lohn- und Gehaltsherabsetzungen und sind nur zu Verhandlungen bereit, wenn ihnen die Gewähr dafür geboten wird, daß nicht doch noch Entlassungen größeren Umfange» statt­finden. Diele Garantie wollen die meisten Arbeit­geberverbände aber angesichts der katastrophalen Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage nicht ohne weiteres geben. Auch die sozialdemokratisch re­gierte Berliner Derkehrsgelellschaft droht mit Massenentlassungen. wenn die Arbeiterschaft sich nicht bereit erklärt, ihre Zustimmung zur Ein­führung von zwei Feierschichten im Monat zu geben.

Die Schwierigkeit deS Problems beruht darin, daß die Arbeiterschaft nicht in eine Minderung ihres Reallohnes willigen will. Degen die da­mit verbundene rückgängige Bewegung der Kaufkraft lassen sich Tn der Tat auch ge­wichtig« Bedenken geltend machen. Aber der Kem der Schwierigkeiten liegt darin, daß d i e Preise nicht in dem Maße nachgeben wollen, wie es an sich der weltwirtschaftlichen Lage und dem Sinken der Rohstvfspreife entspräche. Ein ausreichende» Sinken der Prell« wird bei uns verhindertdurchdieHöhe der öffent­lichen Lasten, die die Lebenshaltung immer noch viel teurer machen, als es sachlich notwendig wäre. Jeder Betrieb hat wegen der gestiege­nen Mieten, wegen der Erhöhung der Steuern und Soziallasten sowie der

Tarife für Licht und Kraft mit höheren Unkosten zu rechnen und kann deshalb feine ®e- stehungSprelle nicht genügend herabsetzen. Der Arbeitnehmer wird gleichfalls durch die steuerlichen und sozialen Lasten unb durch die hohen Tarife empfindlich in Mitleidenschaft gezogen. Statt der jetzt so oft versprochenen ©entung der öffentlichen Lasten haben wir in den vergangenen Monaten eine weitere Steigerung in Kauf nehmen müssen, ja die Gemeinden werden im kommenden Winter mit neuen Steuererhöhungen aufwarten, um ihre sozialen Lasten tragen zu können. Die Schwierigkeiten, die sich hier auf türmen, sind also von der Seite der Wirtschaft und des Arbeits­vertrages her nicht zu lösen. Sie werden sich ständig vermehren, so lange nicht mit der Senkung der öffentlichen Lasten wirklich ernst gemacht wird. Mit Wahlversprechungen ist es bei dieser Schicksalsfrage der Wirtschaft nicht getan.

OieArbeitsbank" tritt in Aktion.

Tie Crgonificrung der Arbeitsbeschaffung.

Wie wir von unterrichteter Seite Horen, Hal die vor wenigen Wochen gegründete .Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbei­ten" chre Tätigkeit bereits auf genommen. Die Dank, die zum großen Teil auf den bisher in der wertschaffenden Arbeitslosenfür­sorge investierten Geldern beruht, die auf diese Weise mobilisiert werden sollen, vergibt ihre Gelder für öffentlich-rechtliche Unternehmungen, die gemeinnützigen Charakter haben. Ihre Grün­dung steht in engem Zusammenhang mit der Ini­tiative des Reiches im Rahmen deS zu­sätzlichen Arbeitsbeschaffung» pro- g r a m m». Der Kreditauslchuh der Dank ist bereits zur praktischen Arbeit zusammengetreten und es liegen auch schon eine ganze Reche von Anträgen auf Darlchnsgcwährung zum Zweck produktiver Arbeiten vor. Sobald sich ein erster Ueberblid über die Inanspruchnahme der Dank

ermöglicht, werden die zuständigen Stellen di« Öffentlichkeit über die ersten Ergebnisse unter* richten, waS wahrscheinlich schon in der nächsten Zeit geschehen wird Die praktische Organisation der Deutschen Gesellschaft für öffentlich« Arbeiten ist vollständig fertigggcftellt. Wie weiter ver­lautet. find auch Anleiheverhandlungen mit dem Ausland in einem günstigen Sta­dium und nahezu vor dem Abschluß. SS handelt sich um ein mehrmonatiges Programm für RotstandSarbeiten, da» mit etwa 50 Millionen finanziert werden soll. Di« Durch­führung erfolgt in Verbindung mit den Landes­regierungen und den Landesarbeitsämtern.

Oie Auswanderersperre der Llebersee.

Folgen der rLirtschaftskrifiö in den Rohproduslionsländern.

Im Laufe des letzten Jahres bat sich immer deutlicher die Tendenz gezeigt, dag die Auswan­dererländer der llebersee ihre Aufnahme­willigkeit gegenüber den Zugereisten aus Europa einschränken. Amerika hat die neue Ouolenregelunq getroffen, die das deutsche .Kontingent auf die Hälfte heradsetzte. Die kann- dische Regierung teilt neuerdings mit, daß für Zuwanderer aus Europa die Einreise gesperrt werden müsse, so daß durch diese beiden Maß­nahmen der riesige nordamerikanische Kontinent außerordentlich verschlechterte Auswanderungsmög- lieft feiten für die Deutschen bietet. Aber auch in an­deren Ländern machen sich ähnliche Tendenzen ge(- tend, die vor allem mit dem Preissturz auf den internationalen Rohstoffmärkten Zusammenhängen, und die sich zunächst in einer Aufnahmeunfähigkeit des betreffen­den überseeischen Arbeitsmarktes äußert, ohkn« daß entsprechende Regierungsmaßnoh. men parallel erlassen zu werden brauchen. So wird Z. B. aus Riederländisch-Indien berichtet, daß der dortige Preisrückgang der Hauptprodukte