Nr. 155 Zweites Blatt
Beamtenhilfe.
11ns seht aus unserem Leserkreise folgende Zuschrift zu:
Unter den von der Reichsregierung vorgesehenen Mahnahmen zur Deckung des Fehlbe- trags erwähnt der Reichs?inanzminister Dietrich an erster Stelle die Reichshilfe der Beamten des öffentlichen Dienstes. Diese Reichshilfe wird von der Beamtenschaft als ein Eingriff in wohlerworbene Rechte angesehen, da keine gleichmäßige Besteuerung aller Volks- stände mit gleichem oder besserem Einkommen vorgesehen ist. Auf der anderen Seite wird sich die Beamtenschaft aber in dieser Stunde der Rot auch nicht ihrer Pflicht dem ganzen Volke gegenüber entziehen.
Die größte Rot unseres Vaterlandes ist augenblicklich die Arbeitslosigkeit. Wer diese beseitigen hilft, der dient am besten unserem Volke.
Da verdient ein Vorschlag des verdienten Leiters des Heimstättenamts der Deutschen Beamtenschaft und der Beamtenbausparkasse, Johannes L u b a h n , Beachtung, der in glücklicher Weise Beymtenhilfe und Linderung der Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot miteinander verknüpft.
Lubahn schlägt vor, daß sämtliche Beamten bis auf weiteres auf einen Teil ihres Gehaltes in Höhe von insgesamt etwa 150 Mlil. Mk. verzichten. Dieser Betrag soll zur Errichtung von Heimstätten dienen, die durchschnittlich 16 000 Mk. kosten sollen. Die Finanzierung der einzelnen Heimstätte geschieht durch eine erste Hypothek in Höhe von durchschnittlich 6000 Mk. und durch einen Betrag von rund 10 000 Mk. aus Mitteln der „Beamtenhilfe". Ilm die Tragbarkeit der Lasten herbeizuführen, sollen die 10 000 Mk. nur mit etwa 3 Prozent Verzinsung eingesetzt werden.
Für 150 Millionen Mk. können dann 15 000 Heimstätten errichtet werden.
Wir nehmen an, daß von den 16 000 Mk. Kosten durchschnittlich 14 000 Mk. auf den Dau und 2000 Mk. auf den Boden entfallen. In den 14 000 Mk. befinden sich etwa 80 bis 85 Prozent Arbeitslöhne, wenn wir nicht nur die Löhne für die Bauarbeiter, die unmittelbar an dem Bau beteiligt sind (diese nehmen etwa 40 bis 45 Prozent der Baukosten in Anspruch), einbeziehen, sondern auch den Arbeitsverdienst einschließen, der in den Baumaterialien steckt. In den 80 bis 85 Prozent sind also auch die Löhne der Arbeiter für Gewinnung von Kohle, Eisen usw., die für die Zurichtung der Baumaterialien benötigt werden, eingeschlossen. Von den rund 14 000 Mk. entfallen also 11 000 Mk. auf Arbeiterlöhne. Sehen wir den monatlichen Durchschnittslohn eines Arbeiters auf 200 Mk., dann würden durch den Dau einer Heimstätte etwa 55 Arbeiter einen Monat lang Deschästi- gung finden oder 9 Arbeiter ein halbes Iahr. Dei 15 000 Heimstätten würden 135 000 Arbeiter ■ein halbes Iahr lang Arbeit und Lohn erhalten.
Da die 15 000 Heimstätten ohne jede öffentliche Hilfe, also auch ohne Hauszinssteuer-Hypotheken, errichtet würden, wird allein durch diese Hilfe der Deamten das Heer der Arbeitslosen um 135 000 herabgesetzt.
Wenn der arbeitslose Bauarbeiter monatlich 80 Mk. Arbeitslosenunterstützung erhält, würden durch die Hilfe der Deamten 135 000 X 6 (Monate) X 80 Mk. — 64 800 000 Mk. gespart werden. Also um 64 800 000 Mk. werden die Reichsausgaben entlastet.
Die Deamtcnhilfe soll durch die gehaltzahlenden Dienststellen vom Gehalt der Deamten ab-
Oie Sünde
-er Senate Mercandin.
Vornan von Fred Nelins.
10. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Sie überwerten scheinbar diese Dinge des Erlebens, lieber Doktor. Schicksalhaft ist alles, wenn Eie wollen, jedes Staubatom, das wir in unsere Lunge atmen — oder nichts. Alles liegt an dem Standpunkt. Was wissen wir von unferm Dasein, von den Dingen, die wir Schicksal nennen? Wir sind in diese Unbegreiflichkeit hineingestellt wie Kinder."
Griebenow schloß die Augen. Plötzlich hob er seinen Kopf.
„Dennoch---" sagte er. „Schicksal kann
die Frau sein, die man liebt, lind Schicksal kann der Mann sein, den man haßt."
„Und was geht das mich in diesem Falle an?“ fragte Renate.
„Gar nichts, selbstverständlich."
Der Reiherbrunnen sang. Die Augenlider wurden schwer. Griebenow empfand, wie alle seine Pulse klopften. Die Stirne wurde feucht. Soll ich es ihr lagen ...? dachte er. Soll ich es ihr sagen?
Roch immer stützte sie den Kopf in ihre aus- gestreckten Hände. Ihr Blick hing an dem seinen. Sie spürte, daß er etwas sagen wollte und nicht konnte. Ein mattes Lächeln ... gütig ... hilflos ... rührend ... irrte über ihre Lippen.
„Also warum reden Sie darüber?"
Eine jähe Welle Blut stieg Griebenow ins Hirn. Langsam, jede Silbe scharf betonend, sagte er: „Weil ich mich vor Ihnen schäme und von dieser Scham erlösen möchte."
Sie hob die Hand zu einer warnenden und resignierten Geste.
„Rein ... um Gottes willen nicht."
„Doch. Ich muß darüber reden", sagte er. „Ich habe das Gefühl, als ob Sie mehr von diesen Dingen wüßten, als Sie zugestehen wollen. Mehr, als ich verstehe. Sie Lennen Ihren Mann. Was wollte er von mir? Warum trat er damals in mein Leben. Warum--?" Er hielt inne.
Frau Mercandin war aufgestanden. Ihr Kleid verfing sich in der Falte eines Sessels. Sie bückte sich, um es zu ordnen. Griebenow stieg jähe Röte ins Gesicht. Hals und Frauenschultern lagen für Sekunden frei. An dem Racken sah er ein paar häßlich unterlaufene Flecke. Herrgott, sind das Würgemale ...? dachte Griebenow. lind im nächsten Atemzuge: nein, nein ...! Das ist unmöglich. Welch ein Unsinn!
Im Begriff sich aufzurichten, trafen sich die Augen von Frau Mercandin mit denen Griebe
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
gezogen und über die behördlichen Zentralstellen der von den Beamtenspihenorganifationen getragenen Beamtenbausparkasse zugeführt werden. Diese wird solchen Beamten aus den angesammelten Mitteln sofortige Darlehen gewähren, die bei ihr auf Grund des Deamtenheim- stättengesetzes sich zum Bausparen verpflichtet haben. Die Deamtenbausparkasse wird nach Ablauf von 10 Iahren den behördlichen Zentralstellen die aus der Hilfe der Beamten stammenden Mittel zwecks Zurückgabe an die Beamten, bzw. deren Hinterbliebenen zurückzahlen. Die ordnungsmäßige Tilgung der Beträge wird durch das gesetzliche Gehaltsabtretungsversahren der Beamtenbausparkasse verbürgt. Die Beamtenbausparkasse wird die Verzinsung der Heimstät- ten-Darlehen aus der „Deamtenhilfe" wesentlich zur Streckung der Mittel und zur Verzinsung eines nach zehn Iahren etwa aufzunehmenden lleberbrückungskredites verwenden.
Für die Beamten ist also die „Beamtenhilfe" kein verlorener Posten, sondern sie erhalten nach
nows. Plötzlich trat sie dicht an ihn heran und reichte ähm die Hand.
„Ich habe Sie vorhin Mögen, Doktor Griebenow. Ich weih alles. Rein, Sie brauchen sich trotzdem nicht zu schämen. Denn ich kenne oder ahne die Zusammenhänge, lind ich kenne--“
Sie brach ab. Sie machte ein paar Schritte nach dem Teetisch, blickte nach der Uhr im Rebenzimmer. Sie war bleich und lächelte. Ein sonderbares, gefrorenes Lächeln.
Die Falten an dem Kelim, der die Tür zum Rebenraum deckte, schlugen auseinander.
Griebenow hob seinen Kopf. Er sah sich um.
Vor ihm stand Professor Mercandin. Dessen leicht gedämpfte, aber spottgefärbte Stimme sagte: „Welch unverhoffte Freude, Doktor Griebenow!"
Mit demselben Atemzuge beherrschte Mercandin die Atmosphäre, den Raum, die Menschen und die Gegenstände. Ein rätselhafter Strom ging von ihm aus und schlang sich fühlbar um die beiden andern. Dei dem höhnisch überlegenen Lächeln, das um seine Lippen zuckte, gab es fortan keinen andern Gedanken ... keine andern Empfindungen als die eine: Mercandin.
„Ich wollte dir bei einer Tasse Tee Gesellschaft leisten", sagte er zu seiner Frau. „Rur fünf Minuten. Danach muß ich wieder fort. Ich nehme an, Kollege, daß Sie nichts dagegen haben."
Sonderbarerweise fing sein Herz vor diesem höhnisch amüsierten Duck wiederum zu pochen an.
„Weiht du, wie das kam ...?“ begann Frau Mercandin, zu ihrem Manne gewandt. „Der Herr Doktor hatte einen Schwächeanfall auf der Straße. Ich kam vorbei und habe ihn hierher gebracht."
„In der Tat, das ist bedenklich. Höchst bedenklich. Einen Schwächeanfall auf der Straße ...I Haben Sie sich einmal untersuchen lassen? Was ergibt der klinische Defund?"
„Ich leide unter einer rätselhaften Krankheit", sagte Griebenow. „Kürzlich suggerierte mir ein Schurke, daß er selbst der Ehrenmann und ich der Schurke sei. Seit jener Zeit steht alles um mich köpf. Ich bin nun von dem Wahn besessen, daß die Bäche in der Welt den Berg hinauf- anftatt heruntersliehen und daß Ethik und Moral auf feiten derer seien, die am besten lügen und betrügen können."
Der Professor strich mit seiner ausgestreckten Rechten über Stirn und Schläfen.
„Run, das ist noch kein Symptom, Kollege. Zwischen Schein und Wahrheit zieht sich eine so unscheinbare, dünne Trennungslinie, daß sie ein menschliches Gehirn kaum erfassen kann. Die Erkenntnis dessen ist uralt. Bekanntlich hatte sie Pilatus schon vor mehr als neunzehnhundert Iahren."
einer bestimmten Zeit den für die Hilfe abgetretenen Betrag wieder zurück.
Vorteile der Hilfe der Beamten:
1. Keine zwangsmäßige Kürzung des Gehalts. Die wohlerworbenen Rechte der Beamten bleiben bestehen.
2. Beschäftigung eines großen Teils der Arbeitslosen.
3. Wesentliche Senkung der Reichsausgaben für die Arbeitslosen.
4. Der gekürzte Gehaltsteil wird den Beamten nach einer bestimmten Zeit zurück- gezahlt.
Die „Deamtenhilfe" würde eine sozialeTat bedeuten. Die Einschaltung der „Deamtenbau- sparkasse" ist nur notwendig, um die Gehaltsabzüge im Wege des gesetzlichen Gehaltsabtretungsverfahrens zu sichern. Die bauwirtschaftliche Detreuung verbleibt der freien Wirtschaft, den Daugenossenschasten und den Wohnungsfür- sorgegesellschaften. 2. C.
„Trotzdem, trotzdem ... Sehen Sie, da ist ein böser Rest. Die Fähigkeit des Rückerinnerns ist sehr stark getrübt. Ich vergesse alles. Irgendeine Lücke klafft in meinem Hirn, die sich nicht mehr überbrüden läßt. Es muß da ein Erlebnis geben, das in diese Lücke fällt. Scheinbar ist es jener Vorfall mit dem Manne, der mir damals suggerierte, daß er selbst der Ehrenmann und ich der Schurke fei. Es ist mir heute völlig unbegreiflich, dah ich damals nicht die Polizei in Kenntnis fetzte und den Mann verhaften lieh. Wenn ich daran denke, werde ich von einem fürchterlichen Schwindelanfall heimgefucht. In meinem Schädel scheint ein Kerl mit Doppelfohlen hin und her zu gehen. Vor meinen Augen tanzen Fliegen."
„Das ist alles?" lachte Mercandin. „Das alte Wechselspiel gehemmter und gelöster Hirnfunktionen! In sechs Tagen ist die Welt geschaffen worden. Alles war schon fix und fertig, aber in der Eile hatte man das Hirn vergessen. In der großen Schöpfungsküche ist es nie ganz gar geworden. Sehen Sie, mein Freund, das hängt uns an. Die Weisheit geht seither auf Stützen des Marasmus. Der Turnierplatz des Gehirns ist leer, aber in den Boxpalästen ist kein Stuhl zu kriegen."
Frau Mercandin sah auf ihre Armbanduhr. Danach wandte sie nervös den Kopf zur Seite. Plötzlich stand sie auf.
„Mein Gott, es ist nach sechs. Ich muh gehen", sagte sie.
„Willst du uns schon jetzt allein lassen?"
„3a. Ich habe drauhen etwas zu besorgen." Sie wandte sich zu Griebenow. Dieser war aufgesprungen. Ich müßte lange fort sein, dachte er. Er verneigte sich und kühte die ifjm bargebotene Hand.
„Heißen Dank für alle Ihre große Güte, meine gnädige Frau."
Der matte Abglanz eines Frauenlächelns. „Ilm nichts, Herr Doktor. Ich kann nur hoffen, dah Sie bald wieder einmal den Weg hierher zu einer Plauderstunde finden."
„Darum möchte ich auch meinerseits gebeten haben", sagte Mercandin. „Ueberhaupt ... darf ich Sie zehn Minuten lang allein sprechen?"
Griebenow stand starr. Sein Gesicht vereiste.
„Ich habe leider keine Zeit mehr, Herr Professor."
„Immerhin ... ich bitte sehr, Herr Doktor Griebenow. Ich stelle Ihnen nachher meinen Wagen zur Verfügung." Er wandte sich zu seiner Frau. „Guten Abend, Rena. Also gehe." Er küßte ihre Hcmd. Danach fuhren die gelösten Finger über ihr Gesicht. Zärtlich in der Geste, dennoch so, als ob sie sich um ihre Kehle krallen wollten.
Deide Herren sahen an dem Rauchtisch.
Der Professor warf wie bei dem ersten Zusammentreffen den Deckel der Imporlküste zu.
Donnerstag, 5. Juli 1950
" 1 ■■■"■ 1 " ■
glieder (Obcrhessen: 18 Bezirke, 349 Vereine unb 19 614 Mitglieder). Eine starke Zunahme weist Rheinhessen auf, wo die Tätigkeit immer mehr ausgenommen werden konnte. Den schwierigen Verhältnissen Rechnung tragend, wurden auch im Berichtsjahre für notleidend.' Mitglieder durch den Verband, nachdem die Vereine in allen Fällen satzungsgemäß Vorunter st ützungen gewährt hatten, größere Geldbeträge gezahlt, so 9410 Mark für allgemeine Unterstützungen, 4852 Mark an Be- teranenzulage und Weihnachsspende, zu Ostern 1929 an 297 Waisenkinder, darunter an 142 Kinder, deren Väter im Kriege gefallen waren, Konfirmandenbeihilfen von je 10 Mark.
Das Versichernngswesen mit den Der- tragsgesellschaften für Feuer, Unfall, Haftpflicht, Einbruch, Diebstahl, Lebensversicherung, Kranken- Versicherung, Hagel usw. wurde weiterhin ausgebaut, da es den einzelnen Mitgliedern wesentliche Vorteile bietet, wie auch die Rückvergütungen an den Verband und anteilmäßig an die Vereine je zur Hälfte eine starke finanzielle Stütze darstellen. Für die bestehenden Verbandsstiftungen ist die Auf- Wertung beendet, wobei für alle Stiftungen die Wohlfahrtsrente genehmigt wurde.
Die Verbandszeitschrift „Hessischer Kamerad" konnte ohne Störung geliefert werden. Sie ist ein unentbehrliches Bindeglied in allen Derbands- angelegenheiten geworden. Neben dem offiziellen Hassia-Abzeichen wurde eine kleine Hassia-Nabel geschaffen. Bei dem 3. Deutschen Reichskriegertag in München war die Hassia durch 260 Mitglieder mit 60 Fahnen vertreten. Die
Jahresabrechnung
zeigt fast bei allen Konten in Einnahme unb Ausgabe größere Beträge als im Vorjahre, was erkennen läßt, daß der Verband nicht nur gewachsen, sondern daß auch die Tätigkeit auf allen Gebieten größer geworden ist. Den Einnahmen von 197 150,44 Mark stehen 188 897,63 Mark Ausgaben gegenüber, so daß ein Ueberschuß von 8252,81 Mark verbleibt. Das Derbandsoermögen beträgt (ohne Stiftungen) 132 040 Mark.
Der am 15. Juni 1930 in Alsfeld abgehaltene Derbandstag hatte die Aufgabe, die im abgelaufenen Verbandsjahr geleistete Arbeit in Einzelberichten der Sachreferenten in Ergänzung des Jahresberichts entgegenzunehmen.
11. Bundestag des Hessischen Beamtenbundes.
WSR. Iugenheim a. b. D, 29. Iuni. Der H e s s i s ch e Beamtenbund, der über 30 000 Beamte umfaßt, hielt hier seinen U.DundeS- t a g ab. Rach einem Referat bes Vorsitzenden Dr. C l a h wurde folgende Kundgebung einstimmig angenommen: „Der Hessische Deamten- bunb nimmt den Kampf auf, der um die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Stellung deS Berufsbeamtentums auf der ganzen Linie entbrannt ist. Er verwirft: Kürzung des Erholungsurlaubs, Kürzung der Rechte und der Bezüge der Wartestandsbeamten unb Pensionäre, Erhöhung ber Altersgrenze für die Ruhestands- versehung, Entlassung der weiblichen Beamten im Falle der Verheiratung ohne Gewährung einer angemessenen Abfindungssumme, Besol- dungssperrgesetz, Anstellungssperre, Besörde- rungssperre und mechanischen Abbau, Kürzung der Kinderzuschläge über das 16. Lebensjahr hinaus.
Der Bund verwirft ferner eine Senkung des Realeinkommens, weil durch Verminderung der Arbeitseinkommen der Beamten, Angestellten unb Arbeiter bie Krise nur verschärft unb bie Wirtschaft nicht belebt wird. Er fordert, um das Hebel an der Wurzel zu
Er knipste die Zigarre ab. Danach setzte er das Feuerzeug in Brand unb reichte es Griebenow hinüber.
Dann sagte er: „Ich wollte Sie schon Immer etwas fragen, lieber Doktor. Aber leiber waren Sie bis heute unauffindbar."
Griebenow blies blaue Ringel der Zigarre von den Lippen.
„So, so."
„Wie ich höre, haben Sie ganz plötzlich Ihre Stellung bei Geheimrat Reugereuth verlassen. Das tut mir leib."
Griebenow fuhr kurz herum unb sah dem andern ins Gesicht mit einem feindlich bösen und verkrampften Lächeln.
„Anscheinend sind Sie guter Laune. Herr Professor."
„Ratürlich. Da ich endlich einmal das Vergnügen habe. Sie in meiner Wohnung zu begrüßen."
Und wieder sagte Griebenow: „So, so ... Ich bin gerührt. Sind Sie gekommen, um mir das zu sagen?"
„In der Tat. Sie haben recht, Kollege. Und ich wollte etwas Selbstverständliches betonen, um von vornherein ein Mißverständnis auszuschlie- ßen. Rämlich, dah sich neulich abend zwar mit dem Geheimrat Reugereuth gesprochen habe. Aber nicht von Ihnen. Selbstverständlich nicht ein Wort von Ihnen."
Griebenow sah in die Luft. Sollte---?
dachte er. Sollte wirklich---? Sollte ich
womöglich einer blöden Angstpsychose meine Existenz geopfert haben?
Eine kleine Pause war. Beide starrten in das Zimmer. Der eine trostlos grübelnd, ber anbere mit dem flackernden unb rätselhaften Ausdruck in den Augen.
„Haben Sie immer noch Verdacht, Kollege? Ich glaube eigentlich, dah mein Wort genügen sollte. Aber wenn Sie wollen--will ich Sie
mit Reugereuth verbinden."
„Rein, nein. Das erübrigt sich." Griebenow warf die Zigarre in die Schale. Er dachte, das ist nun zu spät. Der.Würfel ist gefallen. Vielleicht ist es gut so. Es kam alles, wie es kommen muhte. Bestimmung ... Schicksal ...
Er schwieg. Cs wurde still. Die Zeit verrauschte. Wie in einem Märchen sah man. Bunte Lichter glänzten in geheimnisvollen Farbentönen aus den Ecken. Schwere Düfte hingen in ber Luft. Der golbene Brunnen fang. Aus ber Ferne klangen hier und da Geräusche. Ein zerfetzter Ruf, manchmal schrille Hupentöne eines Autos. Aber wesenlose Weite lag auf diesen Tönen wie ein ferner müder Klang.
Langsam drehte Griebenow den Kopf zu Mercandin herum unb sah ihm ins Gesicht. Ein Hochmut, der das Blut gerinnen machte, lag auf seinen Zügen. (Fortsetzung folgt)
SieKnegerkamekadschast„tzassia"imMreic>29
(D lieber die Tätigkeit der Kriegerkamerad- I schäft „H assi a", Landesverband Hessen bes | Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser" im Jahre 1929 gibt der jetzt vorliegende, sorgfältig aus- gearbeitete, 50 Druckseiten umfassende Jahresbericht Aufschluß. Der segensreichen Arbeit für die Kriegsopfer, die von dem Verband ber Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen der Krieger- kameradschaft „Hassia" geleistet wird, ist darin ein besonderer umfangreicher Abschnitt gewidmet. Aus dem reichhaltigen Inhalt sei folgendes unter Be- rücksichtigung der heimatlichen Provinz Oberhessen mitgeteilt:
Die schweren Jahre der Nachkriegszeit haben es mit sich gebracht, daß die verantwortlichen Leiter des Verbandes ihr wichtigstes Augenmerk auf den
Ausbau der Wohlfahrlseinrichtungen gelegt haben. Insbesondere galt es, alle, die durch den großen Krieg geschädigt worden sind, mit Rat unb Tat zu unterstützen. Darüber hinaus erstreckte sich die Fürsorge au fdie Altveteranen, Altrentner, Unfall-, Invalidenrentner, sowie deren Witwen und Waisen. Die ständig wachsende Zahl der durch den Hassia- verband zu Betreuenden machte es notwendig, die bereits früher geschaffene Sonderorganisa- t i o n im Verbände wesentlich zu verstärken. Neben dem hauptamtlichen Geschäftsführer mit dem Sitze in Darmstadt wurden in den Hauptstädten der drei hessischen Provinzen Fürsorgestellen unterhalten, bie mit je einem hauptamtlichen Fürsorgeleiter unb ben erforderlichen Hilfskräften besetzt sind. Die Leiter der Provinzstellen sind bie Vertreter vor bem Hessischen Versorgungsgericht bzw. dessen Spruchkammern. (Kammer II der Provinz Oberhessen in Gießen.) Die Zahl der zu Betreuenden ist wiederum gestiegen unb belief sich auf 15 886 Personen, gegenüber bem Vorjahre ein Mehr von 1450 (Oberhessen 5323 + 1023).
Einige Zahlen zeigen ben Umfang ber geleisteten Arbeit. Es wurden vorbereitet und vertreten beim Hessischen Versorgungsgericht unb Oberoersicherungsamt Darmstadt 1965 (-1-433) Fälle in 1976 ober monatlich 165 Terminen (Oberhessen 392 Fälle; +186) ober monatlich 33, beim Reichsver- sorgungsgericht in Berlin unb Reichsversicherungs- amt in Berlin 520 (+ 269) ober monatlich 43 Fälle. Am 1. Januar 1930 schwebten aus bem Bereich ber KK. Hassia unerlebigte Fälle: Beim Hessischen Dersorgungsgericht unb Hessischen Der- sicherungsamt 1141 (Oberhessen, Kammer II 183), beim Reichsversorgungsgericht unb Reichsversiche- rungsamt 622 Fälle. Die Mehrbelastung bedingte
im Laufe bes Jahres bie Einstellung eines zwei- t e n Fürsorgeleiters für Starkenburg, sowie mehrerer Hilfskräfte.
Im Sieblungswesen machte sich gegen das Vorjahr die außerordentliche Geldknappheit bei Gewährung von Kapitalabfindungen zeitweise empfindlich bemerkbar. Doch konnte immerhin mit Hilfe der Wohnungsfürsorgegesellschaft für Hessen, ber bie ßanbesgruppe als Gesellschafter angehört, für etwa 50 Mitglieber Neuwohnungen er- richtet werden. Aus ben Reihen ber Versorgungsberechtigten wirken Vertreter als Beisitzer bei allen für bie Belange ber Kriegsbeschädigten tätigen Behörden, Slemter unb Gerichten. Eingedenk des Grundsatzes „Einer für alle, alle für einen" trug die Kriegerkameradschaft „Hassia" sämtliche Kosten, die bie Fürsorgetätigkeit ber ßanbesgruppe benötigte. Die Beratung, Bearbeitung unb Vertretung aller auftommenben Angelegenheiten erfolgt für bie Mitglieber ber „Hassia" kostenlos. Die zur Erleichterung bes Verkehrs mit ben Fürsorgeleitern an allen größeren Plätzen eingerichteten Sprechtage würben burchschnittlich sehr gut besucht unb daher im Interesse ber auf dem Lanbe wohnenben Kameraben vermehrt. In Oberhessen werben Sprechtage in Friebberg, Büdingen, Schotten unb Alsfelb wöchentlich abgehalten. Daneben finb bie Fürsorgestellen (Oberhefsen: Gießen) bauernb für Auskunfterteilung und Beratung besetzt. Der erste Vorsitzende der ßanbesgruppe gehört bem geschäftsführenden Präsi- bium ber KK. Hassia an, woburch dauernd enge Verbindung gewahrt wird. Die sachliche Arbeit ber ßanbesgruppe finbet volle Anerkennung bei ben staatlichen Behörden und ben Gerichten. Zur Erhaltung bes Dersorgungsamtes in Mainz setzte sich ber ßanbesgeschäftsführer im Verein mit je einem Vertreter bes Reichsbunbes und des Zentralver- banbes persönlich beim Reichsarbeitsminister in Berlin ein. Die Bemühungen waren erfolgreich.
Don der Kriegerkameradschaft „Hassia" selbst würben
die Jugendbewegung und das Kleinkaliber.
, schiehwesen
besonders gefördert. Es bestanden am Ende des Jahres 55Iugendgruppen und 66 Schießabteilungen mit 1386 Schützen. Der ßandesjugendleiter und der ßandesschießleiter gehören dem Präsidium an. Diese beiden Gebiete werden auch im neuen Jahre insonderheit gepflegt. Die „Hassia" umfaßte, 1929 in 38 Bezirken und 765 Vereinen, ohne die Mitglieder der Jugend- unb Schützenabteilungen, 55 572 Mit-


