Nr. 128 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, Z. Zuni 1950
Etatsberatung im Gießener Kreistag.
Oie Stelle eines Kreisrechnungsrevisors abgelehnt. - Belebung der Wirtschaft durch Beaünstiauna der Bautätigkeit. - 3000 Mark Zuschuß zum Gießener Stadttheater.
Der Kreistag deS KreifeS Gießen trat, gestern unter dein Dorsitz des Ober» regierungsrotS Ritzel im Reglerungsgebaube zu. Gießen zur diesjährigen ordentlichen Sitzung zusammen. Anwesend waren sämtliche 3Q Kreistagsmitglieder.
Oiensteinweisung.
Der Dorsitzende sührte zunächst den neuen Kreistagsabgeordneten Herrn. Schiefer st ein, Lich, als Dachfolger des verstorbenen Mitglieds Schätz, Lollar, in das Amt ein und verpflich- tete ihn.
Oie Rechnung für das Hj. 1928.
Die Rechnung für 1928 schließt wie folgt ab- Detricbsrcchnung 719 606,25 Mk. Einnahme, 709 987,27 Mk. Ausgabe, mithin 9618,98 Mk. Rest. Vermögensrechnung 246 893,56 Mk. Einnahme, 38 258,19 Mk. Ausgabe, mithin 208 635,37 Mark barer Rest.
Rach dem Derwaltungsbericht hat der Kreis- ausschuß im Kalenderjahr 1928 in 24 Sitzungen im ganzen 212 Gegenstände erledigt.
Die Rechnungsablage und der Verwaltungsbericht wurden genehmigt.
Oer Voranschlag für 1930
3m Mittelpunkt der Beratungen stand die Feststellung des Voranschlags des Kreises Gießen für dasRj. 1 9 30; in Verbindung damit: a) Anstellung eines Kreisrechnungsrevisors, b) Ausnahme eines Kapitals zur Gewährung von Daudarlehen, c) Festsetzung der vorläufigen Ausschlagssähe für die Kreisumlagen und die Kreis - Sondergebäudesteuer für 1930.
Oberregierungsrat Rihel
leitete die Voranschlagsberatung mit einer Rede ein, in der er sagte:
Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1930 schließt in der Abteilung für den Betrieb in Einnahme und Ausgabe mit 813 779,— RM„ in der Abteilung für dos Vermögen mit 227 258,— RM., im ganzen mit 1 041 037,— RM. ab. Der Abschluß des vorjährigen Etats wies eine Endsumme von 1003 260,— RM. auf. Die Verschiebung in den einzelnen Kapiteln gegenüber dem Vorjahr ist aus den >inzelansätzen ersichtlich.
Rach dem Wegfall des Kreisstrahenwescns und seit der Errichtung von Dezirksfürsorge- stellen bei den Kreisämt.-rn ist auch im Kreise Gießen
das Schwergewicht auf der Ausgabeseite in dem wohlsahrtsetal
zu erblicken. Die Gesamtausgabe in Kapitel VII des Voranschlags: „Wohllahrtswesen und Gesundheitswesen einschließlich Erwerbslosen» und Wohnungsfürsorge" beträgt 536 095,— RM., das sind 65,88 Prozent des Betriebsvor- a n s ch l a o s. Don diesen 536 095,— RM. entfallen allem 524 382. - RM. auf den Sondervor- onschlag, der die Leistungen des Kreiswohlfahrtsamts, der Fürsorge im Rahmen der Rcichsfürsorgcvcrordnuna des Jugendamtes, der Jugendfürsorge, des Gesundheitstresens und die Beiträge für gemeinnützige Zwecke umfaßt. Damit nimmt der Sondervoranschlag 97,82 Prozent der Gesamtsumme des Kap. VI1 für fich in Anspruch.
Der Etat für 1930 enthält einen Ansatz von 84 817 Mark für Gehalte, das sind 10,42 o. H. der Endsumme des Bctriebsvoranfchlags. Für Ruhe- geholte sind in dem Voranschlag 15 048 Mk. = 1,84 v. ch. vorgesehen.
Von den nach Absetzung des Kap. VII verbleibenden Ausgaben entfallen auf
a) allgemeine Kreisangelegenheiten o. ch.
26 845 Mk. = 9,67
b) Polizeiwesen 27 380 Mk. =9M
c) Schulwesen 5675 Mk. = 2,05
d) Kunst und Wissenschost 7400 Mk. - 2,67
e) Bau Verwaltung 16 478 Mk. = 5,93
ch Allgemeine Förderung der Wirtschaft
5325 Mk. - 1,92
g) Anstalten und Einrichtungen gemein- nütziger Art 17 730 Mk. -- 5,30
. Von den Einnahmen entfallen
a) auf Rcichssteueranteil« 91 310 Mk. - 11,22
b) aus Kreissteuern 220 840 Mk. = 27,10
c) auf Entnahme aus dem Restestock
1. für Betriebsmittel 70 000 Mk.
2. zum Ausgleich des.Elats 74 000 Mk.
144 000 Mk. -- 17,69
d) auf Ersatzleistungen insbesondere aus Kap. VII (Wohlfahrtspflege. D. Red.) 328 122 Mk. = 40,32
Das Vermögen des Kreises be
trägt 233 183 Mk.
Die Schulden des Kreises betragen 101 508 Mk.
Mithin ist das Vermögen des Kreises mit 43,53 v. ch. belastet.
Von dem Vermögen entfallen o. ch.
auf Immobilien und Mobilien 71 224 Mk. = 30,55 auf Fonds, Wertpapiere, Geschäftsanteile und Aktien 161959 Mk. - 69,45
Die Wirtschaftslage im Kreis Gießen ist ungünstig. Wenn auch zugegeben werden muß, daß die Wirtschaftkrife in dem hiesigen Bezirk den Umfang noch nicht erreicht hat, der in anderen Bezirken des Landes Helfen festzustellen ist, so sind doch Anzeichen dafür vorhan- tum, daß eine
erhebliche Meilerverschlechlerung der derzeitigen Wirtschaftslage unabwendbar erscheint, wenn es nicht gelingt, auf den verschiedensten Wegen eine Belebung des Wirtschaftslebens herbeizuführen.
Die Zahl der Erwerbslosen im Baugewerbe ist nach wie vor sehr groß, die Loge in der Zigarrenindustrie hat sich in den letzten Monaten weiterhin verschlechtert, auch in den übrigen Berufen, insbesondere im Bergbau, ist eine starke Arbeitslosigkeit zu beobachten. Die heutige Zahl der E r w e r b s l o s e n ist im Kreise Gießen auf etwa 2000 zu schätzen, ohne die zahlreichen sog. Wohlfahrtserwerbslosen, die ausschließlich von den Gemeinden zu betreuen sind. Die Lasten, die einzelnen Gemeinden hieraus erwachsen, sind derart bedeutend, daß sie ohne die Erschütterung der Kreditfähigkeit der Gemeinden und ohne eine unerträgliche Anziehung der Steuerschraube auf die Dauer nicht fortgesetzt werden können.
Der Fürsorgeetat des Kreises, der in hohem Umfang infolge der Ausübung gesetzlicher Verpflichtungen zwangsläufiger Ratur ist, spiegelt in seinen einzelnen Ansätzen gleichfalls die soziale Rot unserer Tage wider. Die Fürsorge- maßnahmen sind in keiner Weise übertrieben. Eine Senkung des Fürsorgeetats kann erst dann erreicht werden, wenn eine allgemeine Besserung der Wirtschafts- und Soziallage unseres Volkes eingetreten sein wird.
Auf die Möglichkeit, die (Einnahmeseile des Sozialetats und damit des Kreishaushallsplans durch eine stärkere Belastung der Gemeinden zu verbessern, ist in dem vorliegenden Voranschlag im Interesse der Gemeinden nicht zurückgegriffen worden.
Trotzdem sind die dem Bezirksfürsorgeverband auferlegten Mehrkosten infolge Erhöhung des Pflegegcldsahes in den staatlichen Heil- und Pflegeanstalten in dem Etat enthalten.
Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1930 ist nach den Grundsätzen der Vorsicht und größtmöglicher Sparsamkeit auf» gestellt. Die Kreisverwaltung ließ sich allerdings
Einsamer Fuchsbau.
Von Edmund Scharein.
Wo der lockere Waldboden steinig wird iinb der Hochwald allerlei Jungwuchs duldet, steigt das Gelände jählings empor. 3n vielen Windungen zieht sich ein schmaler Pfad bergan. Höher und höher führt er, bis er sich schließlich im Buschwerk verliert. Hier tritt keines Menschen Fuß das Gras nieder, hier stört keines Menschen Stimme die Waldeinsamkeit. Denn wer es bis zur halben Höhe des Berges gebracht hat, dem hat das sperrige Geäst schon Mühe genug bereitet. Und wer sich dennoch weiter vorwagt, den strafen Dornen und spitziges Gestein, und allerlei Gerank legt ihm lästige Fußangeln.
So wird denn der Kegel von jedermann gemieden. Keine Pilz- und Beerensammler suchen ihn auf. und für die Holzfäller gibt es hier nichts zu tim. Aber einer hat hier oben feine Felsenburg, Reineke, der rote Buschläufer.
Auf halber Höhe. Lückkger wird der Wald und lichter, spärlicher der Pflanzenwuchs, je weiter es bergan geht. Der Farn verabschiedet sich, letzter Hasenklee lacht mir zu, letzte Anemonen grüßen. Allerlei Aufschlag kämpft zwischen steinigem Geröll mit den Dornen. Auch die Vögel bleiben zurück. Rur den Steinschmätzer rührt die Oede nicht an. Bald flattert er vor mir, dicht über dem Gewirr von matten und glitzerndem Gestein; bald singt er von verdecktem Standort. 3mmer ist er mein Begleiter, bis der Gipfel erreicht ist.
Der Gipfel im Sonnenlicht. Vielleicht liegt es an der hellen Sonne, daß hier alles ein wenig freundlicher anmutet. Da ist sogar ein grüner Fleck an hellem Sandplatz. Einige Birken, winzige Abbilder derer, die da von unten herauf- schimmern, umsäumen ihn. Und ganz ohne Leben ist der Kegel auch nicht. Ueber verwitterte Steinblöcke huscht eine flinke Eidechse, und über den heißen Sand eilen blitzende Käferchen.
Eine alte Wetterfichte reckt ihre breite Krone über der Felsenburg Malepartus. Da ist nun nicht viel zu sehen. Zunächst. Aber wenn die Sonne hinter Wolken verschwindet, da treten sie hervor, die Spuren auf losem Sande, diese zier
lichen Abdrücke, die die Anwesenheit der 3ung- füchse verraten. Aber eine ist da — die ist größer als alle andern, die der alten Fähe, der Mutter. Aus dem Bau führt sie heraus, führt mitten ins Dickicht hinein. Das ist günstig: die Alte ist also nicht zu Hause. Die ist jetzt fast ständig unterwegs. Galt ihr Besuch gestern dem Bauernhof, wo die Henne so stattliche Kücken führt, so beschleicht sie heute vielleicht das Fo fanengelege und bricht morgen wohl in Mümmelmanns Kinderstube ein. Immer, immer ist sie unterwegs, um Fraß zu beschaffen für das allzeit hungrige Geheck.
Die Sonne ist noch immer verdeckt. Der Blick geht vorbei an dem Durcheinander der kleinen Spuren über den Kegel hinweg. Düsterer ist jetzt alles. Aus dem rissigen Stamm der alten Wet- tersichte treten die Stacheläste drohend heraus. Dürftiger noch erscheinen die Dirken in ihrem schiefen Wuchs; Zerrgebilde der Pflanzenwelt. Das Gekräut zwischen all dem Geröll sieht so kraus und verdrossen aus. Und des 6tein- schmätzers Lied ist eine schalkhafte Weise, kraus wie die Umgebung dieses Vogels.
Auf einmal wird es wieder hell. Unten im Hochwald leuchtet es auf. Ein Streifen nach dem andern tritt ins Licht der Sonne. Ein Dompfaff lockt, ein Goldhähnchen zirpt mit dünnem Ton. Don fernher ruft ein Kuckuck.
Aus einem Findling hocke ich im dichten Buschwerk. Kühl ist es hier oben, obsthon die Sonne auf Sand und Gestein brennt. Der Wind, der nur schwach über den Berg zieht, ist günstig. Da kann es glüden, die Fähe in ihrem heimlichen Treiben zu belauschen.
So vergeht eine Viertelstunde mit Warten und noch eine. Hin und her gehen die Blicke. Aber nichts zeigt sich. Rur einmal strich ein Hühnerhabicht über den Gipfel. Im letzten Augenblick bekam mich der Freibeuter zu Gesicht, warf sich hastig herum und stob mit Entsetzen ab. Ab und zu schallt von unten herauf das Klopfen des Spechts, der in den Taimen jenseits der Schlucht feinem Tagwerk mit gewohnter Emsigkeit nachgeht. Das ist alles.
Plötzlich bleibt der Blick an den 3ung6irien hängen, deren zartgrüne Blätter in pendelnd« Bewegung geraten sind, ilnb dabei stehen die
von dem Gedanken leiten, daß angesichts der derzeitigen Verhältnisse gewisse Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftslebens und zur Erhaltung des Kulturstandes in dem hiesigen Bezirk nicht unterbleiben dürften. Da der Etat ohne Steuererhöhung ab» fchließt, darf erwartet werden, daß er auch in denjenigen Ansätzen die Zustimmung des Kreistages finden wird, die nicht unbedingt in dem Etat enthalten fein müssen, die aber wesentlich dazu beitragen sollen, die derzeitige Krise im 3ntcreffc der Gesundung der deutschen Volkswirtschaft zu überwinden und den Kulturstand in unserem Volke mindestens auf der jetzigen Höhe zu erhalten.
Oie Anträge zum Voranschlag.
25 kommunistische Anträge abgelchnt.
3m Anschluß an seine insormatorischen Darlegungen gab Oberregierungsrat Ritzel die Anträge zum Doranschlag aus den Parteien bekannt. (Heber den Verlaus der Aussprache werden wir noch näher berichten. D. Red.) Das kommunistische Kreistagsmitglied Lepper (Gießen) hatte 25 Anträge und eine Deklamation eingereicht. Oberregierungsrat Ritzel bemerkte, die Kosten für die Verwirklichung der 25 kommunistischen Anträge würden nach einer vorläufigen Berechnung mindestens einen Mehraufwand von 1517500 Mark bedingen; der Antragsteller habe nur einen Antrag nicht vorgelegt, nämlich den, woher das Geld für seine Anträge genommen werden solle. Oberregierungsrat Ritzel empfahl, diese Anträge wegen ihrer Hndurchführbarkeit abzulehnen, was denn auch im Verlaufe der Beratung stets mit allen Stimmen gegen die des Kommunisten Lepper geschah.
Der Posten des Kreisrechnungsrevisor» abgelehnt.
Weiter lag ein Antrag der Landbund- Fraktion vor, den angeforderten Posten des Kreisrechnungsrevisors nicht zu bewilligen und die dafür in den Voranschlag eingestellten Mittel zu ftreidjen. Dieser Antrag fand die Unterstützung der gesamten bürgerlichen Abgeordneten, während die sozialdemokratische Fraktion sich für die Bewilligung der Stelle einsetzte. Der Landbund-Antrag auf Ablehnung des Postens wurde nach langer Debatte mit 18 gegen 13 Stimmen angenommen und damit auch die Mittel gestrichen.
kein Abstrich an den Postgebühren.
Ein deutsch - v o l k s p a r te i l i che r Antrag, die Aufwendungen für Porto, Telegramm» und Fernsprechgebühren beim Kapitel „ Allgemeine Verwaltung" von der veranschlagten Höhe von 800 Mark wieder auf den vorjährigen Betrag von 500 Mark herabzusetzen, wurde mit 14 gegen 13 Stimmen ab- ge le hn t.
Die Daukontrolleurstelle wieder gestrichen.
Ein Antrag des Landbundes, die im Voranschlag vorgesehenen Mittel in Höhe von 2000 Mark, für den Posten eines Daukvn- trolleurs, die bereits in den Voranschlägen der letzten 3ahre enthalten waren, aber stets abgelehnt wurden, auch jetzt wieder zu streichen, wurde mit den 17 Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen. Oberregierungsrat Ritzel teilte hierzu mit, der Minister für Arbeit und Wirtschaft bestehe darauf, daß diese auf gesetzlicher Vorschrift beruhende Position geschaffen werde, so daß wohl mit Zwangsetatisierung des Postens zu rechnen fei.
Gleiche Beihilfen für die Freiwillige Sanfäte- kolonne und den Arbeiier-Samariler-Bund.
Ein deutsch-volksparteilicher Antrag schlägt vor, die Zuschüsse an die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und an den Arbeiter-Samariter b u n d insgesamt von 150 Mark auf 500 Mark zu erhöhen und davon der Freiwilligen Sanitätskolonne 400 Mark und dem Arbeiter- Samariter-Bund 100 Mark zu gewähren; dieser
Stämmchen doch ganz im Windschutz. Und durch die Tännchen, die munter bergan klettern, unbekümmert um Dorn und Gestein, geht auch eine leichte Erschütterung. — Was ist's? Das Auge sucht vergeblich, will gerade weg von der Stelle, als es etwas Lebendes erkennt, einen Kopf... Reinekes Kopf. Emporgerichtet sind die graubraunen Gehöre. In grünlichem Glanz leuchten die Seher, die den Dau suchen, die Stätte des Mutterglücks. Alles ist Wachsamkeit an diesem Waldtier, diesem Bergbewohner. Aber dann legt sich sein Argwohn. Vertraut schnürt der Fuchs dem Felsenbau zu, im Fang ein Rebhuhn, verschwindet einen Augenblick in einer Senke. Als er wieder zum Vorschein kommt, sind fünf muntere Iungsüchse um ihn. Aber da kommt noch einer mit hocherhobener Lunte, und dann noch einer, den das lockere Erdreich des engen Daus stark gepudert hat. Mit ein paar ungestümen Sätzen sind die beiden RwHzügler bei den andern, die sich, zu einem Knäuel geballt, um die Deute balgen. Aber bald kommt Ordnung in den wirren Haufen. Jeder der Kleinen hat sein Teil an der Mahlzeit, ist mit sich beschäftigt. Einstweilen. Federn wirbeln, Knochen knacken.
Aber allgemach kommt Unruhe über die Gesellschaft, Futterneid, giftiges Keckern, scheele Dlicke. Zwei zerren an den spärlichen Resten eines Flügels, bis die Sehnen nachgeben und jeder ein Stück behält. Zwei andere versuchen, sich einen Knochen streitig zu machen. Da kommt der dritte und spielt den Schiedsrichter. Und die beiden Streiter haben das Nachsehen.
Die Mahlzeit ist beendet, die geschwisterliche Einigkeit wieder hergestellt. Hm die Mutter liegen die Iungsüchse im heißen Sande. Einer hat sich den Rücken der Alten zum Tummelplatz erwählt, verliert bei einer Dewegung das Gleichgewicht und fällt kopfüber in den Weichen Sand, rafft sich empor, und das Spiel beginnt aufs neue. Zwei raufen miteinander am Boden. Bald ist der eine oben, bald der andere. Ein kecker Dorsche macht in drolligen Sprüngen Jagd auf einen Schmetterling. Rur einer kann sich von seinem Dissen nicht trennen. Abseits am Gestein liegt er nach Hundeart und beschäftigt sich mit einem Knochen. Hnd habet ist der längst frei von allen .Fletschteilen. ein Rebhuhn —
das ist gar zu wenig für eine siebenköpfige Familie.
Vom halben Berg her tönt Gekreisch: der Häher meldet. Sofort ist die Fähe auf den Läufen. Windend geht der Kopf hin und her. Reglos verharren die Kleinen. Das anmutige Familienbild ist hin. Ich verwünsche den bunten Schreihals da unten und seine Wachsamkeit, wie im vorigen Sommer, als er mir den roten Dock vergrämte. Mißtrauisch äugt die Fähe nach meinem Versteck hinüber. Wenn jetzt der Wind kriselt, ist das ©fciel verloren... Da fällt ein Schatten auf den Sand: ein Dussard streicht schwerfällig über den Derg. Die Fähe ist beruhigt. Lang wirft sie sich in den Sand, räkelt sich wohlig. Hm sie herum tummelt sich die kleine Gesellschaft. Ein munterer Iungrüde probt feine Kräfte an den freiliegenden Wurzeln der alten Wetterfichte. Da kommt einer hinzu und packt ihn an der Lunte. Hnd es gibt eine kleine Auseinandersetzung.
Eine ganze Weile noch geht das muntere Spiel. Dis ihm die Mutter ein Ende macht und die lustige Gesellschaft zu Bau gefahren ist, in das Dunkel ihres Höhlenversteckes.
Der Tummelplatz ist verödet. Federn, einige Röhrenknochen — das ist alles, was noch an das lustige Leben erinnert. Durch baS schwarze Geäst her alten Wetterfichte geht leise der Wind. Ihr ist dies Spiel nichts neues. Manches Jahr hat sie es gesehen. Schon damals, als der Wald am Fuße des Berges noch wilder war, als hier oben noch der Kuder sein Schreckensregiment ausübte. 2Iber der Findling, auf dem ich fitze, den hier einst ein Gletscher absehte, in grauer Vorzeit, — der hat noch mehr gesehen im Lauf her Jahrtausende.
Hochschulnachn'chien.
Zur Wiederbesetzuna eines Lehrstuhles der Mathematik an der Unioerfttät Leipzig ist ein Ruf an den Professor Dr. B. L. van der Waerden an der Universität Groningen (Holland) ergangen.
Amtlich wird die Ernennung des ordentlichen Professors Dr. Erich Caspar von der Hniversi- tät Freiburg i.Dr. zum ordentlichen Professor der mittelalterlichen Geschichte an der Hniperfitäi Berlin bestätigt.
Antrag wurde im Verlaufe her Aussprache dahin abgeändert, 350 Mark bzw. 150 Mark zu geben. Ein sozialdemokratischer Antrag empfahl Halbierung der Summe, also jeder Kolonne 250 Mark zu geben, nachdem ein demokratischer Antrag auf 300 Mark bzw. 200 Mark zurück- aezogen worden war. Bei der Abstimmung über Den volksparteilichen Antrag 350 bzw. 150 Mk. standen sich die Stimmen 13:13 gegenüber, ebenso beim sozialdemokratischen Antrag 250 bzw. 250 Mark. Bei dieser Stimmengleichheit gab die Stimme deS Vorsitzenden den Ausschlag, der sich sür den sozialdemokratischen Antrag auf 250 Mark an die Freiw. Sanitats- kolonne und 250 Mark an den Arbeiter-Sam-?- riter-Bund entschied.
(Eine Baudarlehen Kommission.
Der Aufnahme eines Kapitals von 100 CvD Mark zur G e w.ä hr ung von Daudarlehen wurde zugestimmt mit der Maßgabe, daß über die Verteilung der Gelder die Kreisverwaltung entscheidet nach Anhörung einer Kommission, die aus den Kreistagsabgeordneten Klein - Klein-Linden (Landbund), Schelm- Lollar (D. Volksp.) und Schmidt - Gießen (Wirtsch. Dgg.) besteht. Die sozialdemokratische Fraktion hatte ihre Mitwirkung in dieser Kommission ab gelehnt, die sie sür ungesetzlich hält, während Oberregierungsrat Ritzel keine Bedenken gegen die Anhörung einer solchen Kommission hat. Die Kommission soll ohne Tagegelder und Reisekosten-Vergütung arbeiten.
(Ein Protest an die Regierung.
Zu der Frage der staatlichen Baudarlehen wurde die nachstehende sozialdemokratische Entschließung mit allen Stimmen gegen die Stimmen des kommunistischen Mitglieds angenommen;
Laut Mitteilung der Kreisverwaltung Gießen werden dem hiesigen Kreis aus Staatsmitteln nur 160 000 Mark für Gewährung von Bauzuschüssen zur Verfügung gestellt. Demgegenüber erhalten andere Kreise gleicher Struktur weit höhere Mittel. Der heute versammelte Kreistag deS Kreises Gießen nimmt mit Befremden von der knappen Zuteilung an den Kreis Gießen Kenntnis und ist der Auffassung, daß sich diese Zuteilung gegenüber anderen Kreisen in keiner Weise rechtfertigt. Rach den gemachten Feststellungen werden die Mittel im Kreise Gießen in gleichem Maße und ebenso nottoenhlg gebraucht, wie in anderen Kreisen. Durch die knappe Zuteilung kann nur ein ganz geringer Prozentsatz der Daulustigen befriedigt werden. Begreiflicherweise hat diese Maßnahme eine tiefe Mißstimmung hervorgerufen. Der Kreistag des Kreises Gießen protestiert daher gegen diese geringe Zuteilung seitens des Staatsministeriums. Er beauftragt die Kreisverwaltung, sofort Schritte zu unternehmen, damit eine entsprechend höhere Zuteilung erfolgt.
500 Mark Beihilfe für die Volkshochschule Gießen.
Ein Antrag deS Landbundes, die Erhöhung des Zuschusses an die Volkshochschule Gießen von 100 Mark auf 500 Mark abzulehnen, wurde mit Mehrheit a b gelehnt und damit der Zuschuß von 500 Mark bewilligt.
3000 Mark Zuschuß an da» Sladtthealer Gießen.
Mit Mehrheit abgelehnt wurde auch ein Antrag deS LandbundeS, den Zuschuß -um Gießener Stadttheater in Höhe von 3000 Mark zu streichen. Der Antrag der Kreis- verwaltung auf Gewährung dieses Zuschusses wurde mit 19 Stimmen gegen die Stimmen der Landbundfraktion und des Kommunisten angenommen. Gleichzeitig wurde auf deutsch- volksparteilichen Antrag beschlossen, von einer Einmaligkeit dieser Zuschuhleistung abzusehen und alljährlich über einen gleichen Zuschuß des Kreises zu entscheiden.
Die kosten her landwirtschaftlichen Schulen.
Ein Landbund - Antrag auf Heranziehung der Stadt Gießen zu den Kosten der landwirtschaftlichen Schulen


