bet Dirigent Bernhard v. Dülvw ernannt worden. Herr v. Schubert wird die Geschäfte des Staatssekretärs seinem Rachsolgcr In der zweiten Hälfte des 3unl übergeben.
Wie sieht die Volkspartei zur Lage?
Minister Scholz über die notwendigen Reformen.
Münster, 2. Juni. Auf der Parteitagung des Wahlkreisverbandes Westfalen-Aord der Deutschen Dolkspartet hielt der Parteiführer Reichsminister a. D. Dr. Scholz eine Rede, in der er zunächst betonte, das; die Austenpolitik zu einem Abschluß der Haager Vereinbarungen gelangt sei. Die Befreiung des deutschen Gebiets von den Besatznngstruppen werde in diesem Monat noch erreicht. Damit sei wieder der freie« deutsche Staat geschaffen, der Voraussetzung für die innerpolitischen Aufgaben sei. Dr. Scholz wandte sich sodann den aktuellen Fragen der Innenpolitik zu. Zur Finanzpolitik erklärte er, cs gelte, heute endgültig einen Strich unter die Mißwirtschaft der letzten Jahre zu ziehen. Immer mehr versiegten die Steuerquellen. Der Staat sei bis andenRanddesDankerotts gekommen. Um neue Ordnung in die Finanzen -u bringen und wieder den Steuerertrag ausreichend zu machen, bedürfe es einer Entlastung der Wirtschaft und des gewerblichen M i t t e l st a n d e s. Die Arbeitslosigkeit, die dem Reich starke finanzielle Verpflichtungen auferlcge, habe den Etat über den Haufen geworfen. Eine Reformder Arbeitslosenversicherung sei daher die Voraussetzung für die Ausgleichung des R e i ch s e t a t s. Gemeinsam müßte das ganze deutsche Volk helfen, die Krise zu überwinden. Aus diefer Erkenntnis sei der Plan eines Rot - o p f e r s aller Festbesoldeten entstanden. Die Agrarhilfe, mit deren Durchführung das Kabinett jetzt beginnen werde, sei die wichtigste Aufgabe. Richt allein die wirtschaftlichen, sondern auch die nationalen Interessen verpflichteten, mit allen OTittctn dem deutfchen O ste n zu helfen. Die Durchführung der Agrarhilfe sei ein praktisches Beispiel für die Rotwendigkeit einer Reichs res orm. Die Personalunion zwischen Reich und Preußen sei der erste Schritt auf diesem Wege. Die Vorschläge deS Bundes für Erneuerung deS Reiches würden die Grundlage abgeben. Das Kabinett aber werde mit radikalen Vorschlägen vor die deutsche Oeffent- lichkeit treten müssen, um nach dem Vorbild der Industrie auch eine Rationalisierung der Verwaltung zu erreichen. Der dezentralisierte Einheitsstaat sei das Ziel dieser Bestrebungen.
Im Vordergrund deS politischen Interesses hätten in den letzten Tagen die Bemühungen um die Schaffung einer staatspolitischen Kette gestanden. Der Versuch sei gescheitert an dem Widerstand der Demokraten und der Dolkskonservativen, während die Wirtschaftspartei zu einer Vereinigung bereit gewesen sei. Der Reichskanzler wisse um diese Destre- buqgen und billige sie, da sie keine Spitze gegen das Zentrum enthielten. Der günstige Augenblick, einen Block gegen die Sozialdemokratie zu bilden, dürfe nicht ungenutzt vor- übergehen. Die Volkspartei sei nach wie vor bereit, der neuen Entwicklung im bürgerlichen Lager die Selbständigkeit der eigenen Partei zu opfern in der Erwartung, daß auch die anderen Gruppen nicht vor diesem entscheidenden Schritt zurückschrecken würden.
Das Danziger Ehepaar freigelaffen.
Weiterer Nebergrisf an der danzig- polnischen Grenze.
Berlin, 3. Juni. (Eigene Mildung.) Das Danziger Ehepaar Schneider, das am Donnerstag auf einem Ausflug in die Olivaer Wälder a u f polnischem Gebiet verhaftet wurde, ist, wie die „Germania" meldet, auS der Haft entlassen worden und nach Danzig $ u - rückgekchrt. Das Ehepaar wurde am Frertag früh nach Karthaus übergeführt und in das dortige Gefängnis eingeliefert. Am Samstag wurde das Ehepaar dem Gericht vorgeführt, wo die Danziger Pässe geprüft wurden. Der Richter sprach das Ehepaar frei und legte die Kosten der polnischen Staatskasse auf. Die „D. A. Z." meldet einen weiteren polnischen Llebergrifs an der danzig-polnischen Grenze. Er ereignete sich gestern nachmittag in dem gleichen Grenzabschnitt Oliva, in dem das Ehepaar Schneider verhaftet wurde, und betrifft erneut harmlose Danziger Spaziergänger. Die beiden in Danzig beschäftigten Hausangestellten Gerda Stein und Marianne Gorczinski wurden von der polnischen Grenzpolizei beschuldigt, sie hätten auf einem verbotenen Waldweg die polnische Grenze überschritten. Die beiden Mädchen wurden wie im Falle Schneider auf die polnische Grenzwache in Mattern gebracht und in das polnische Gerichtsgcfängnis nach Karthaus übergeführt, obwohl beide noch gestern abend durch Ausweise bei der polnischen Grenzpolizei legi tim tert worden waren, die ihre Arbeitgeber vorlegten. Beide sind heute nachmittag vom Karthauser Gericht freigelassen worden.
Konflikt um ör. Günther.
Die Jeiiner Studentenschaft gegen Rektor und Senat.
Jena, 2. Juni. (TU.) Der Vorstand der Jenaer Studentenschaft teilt mit: Der Einspruch von Rektor und Senat der Universität Jena gegen d i e Berufung Dr. Günthers auf den Lehrstuhl für Sozialanthropologie an die Universität Jena beruht aus einem Beschluß des kleinen und nicht des großen Senats. Der Vorstand der Jenaer Studentenschaft stellt fest, daß das thüringische Volksbil- dungsministcrium bei der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ein Gutachten über Dr. Günther angefordert hat. Die Fakultät hat In ihrem Gutachten über Dr. Günther betont, daß eine VorlesungSberech- tigung für Dr. Günther zu befürworten sei. Weiterhin hat Professor Dr. Plate, Direktor des Phhlitischen MusemnS In Jena, der berufen st s Fachmann aus dem Gebiet der Ver-
Urteil im Zeileisprozeß.
Professor Lazarus freigefprocheu. - Oie Klage des Gatljpacher Wunderdoktors abgewiesen.
Berlin, 2. Juni. (WTD.) Im Zeileis-Pro- zeß "wurde heute das Urteil gefällt. Die Klage Zeileis gegen Professor Lazarus wurde kostenpflichtig abgewiesen.
In der Urteilsbegründung heißt es u. a.: In der Sache war davon aus^ugehen, daß die von den Klägern angestrengte Unterlassungsklage nur noch einen doppelten Inhalt hatte, und zwar lediglich, die Behauptungen zu unterlassen, daß Professor Lazarus daS Verfahren der Kläger in (9 all- spach ft u bi er t und sich in den Zeileis-Insti- tuten in München der Behandlung nach dem Zeilers-Verf ähren ausgesetzt habe und in dem einen an ihm, dem bisher Gesunden, ein Lungenspitzenkatarrh und eine Colangitis, in dem anderen eine Rücken marklrankheit festge- stellt worden sei. Die Klage stützte sich insbesondere auf zwei Vorträge von Professor Lazarus in der Berliner Medizinischen Gesellschaft und außerdem auf einen Rundfunkvortrag. Die Kläger fühlten sich durch diese Vorträge in ihrer Ehre gekränkt und beruflich geschädigt.
Die angebliche Behauptung von Professor Lazarus, das Verfahren von Zeileis in Gallspach studiert au haben, ergebe zwar keine Ehrverletzung, fte sei aber geeignet, Rachteile für den Erwerb und das Fortkommen der Kläger herbeizuführen. Das Gericht kommt zu dem Ergebnis, daß Professor Lazarus die hier zu unterlassende Behauptung garnicht aufgestellt, sondern sich darauf beschränkt habe, unter A n - aabe der Quellen, aus denen er fein Wissen geschöpft habe, die Behandlungsmethoden als ihm bekannt zu bezeichnen. Dabet habe er ausdrücklich betont, daß ihm der l Z u t r i t t zu dem Behandlungsraum in Gallspach ।
teils verwehrt worden sei. Es must daher zum Ausdruck gebracht werden, daß seine Kenntnis nicht auf eigenen Wahrnehmungen im Behandlungsraum beruhen. Letzten Endes sei die Entscheidung von der Frage abhängig, was unter „Studium des Verfahrens zu verstehen sei. Verwendung des Begriffes in diesem Sinne wird um so weniger zu beanstanden fein, als Professor Lazarus die erforderlichen Fachkenntnisse besitze und aus Mitteilungen anderer sofort auf das Verfahren selbst schließen könne. Wenn weiterhin beachtet werde, daß er an Ort und Stelle die äußere Gestaltung des Betriebes beobachtet habe, so lasse sich die so gewonnene Erfahrung eines Facharztes gleichfalls dem Begriff des Studiums unterordnen. Was die Behauptung des Professors Lazarus angehe, daß er in den Zeileisinstituten München nach dem Zeileis-Verfahrcn falsch diagnostiziert worden sei, so erweise sich auch hier ein Unterlassungsanspruch der Kläger als unberechtigt. Professor Lazarus habe keinem Menschen gesagt, daß beide Institute Zweigstellen des Hauptinstituts in Gallspach seien, sondern er habe ausdrücklich darauf hin- gewiesen, daß diese Institute von Schülern von Zeileis geleitet würden. Damit entfalle der Klageanspruch der Kläger; denn Professor Lazarus habe Zeileis mit diesen Instituten wirtschaftlich nicht identifiziert. Die Kläger müßten sich die aus einer falschen Diagnose ihrer Schüler gezogenen Schlußfolgerungen über ihr ganzes Behandlungsverfahren gefallen lassen. Die Klage sei hiernach abzuweisen gewesen, ohne daß in eine Erörterung des Wertes ober Unwertes des Zeileisschen Verfahrens einzutreten war.
Oie Kölner Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafisgesellschast.
Selbsthilfe und Staatshilfe.
Es ist gut, daß die regelmäßigen Wanderausstellungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft bei ihrem nun zum dritten Male beendeten Rundgang durch die deutschen Gaue Gelegenheit geben, sich über den Stand der landwirtschaftlichen Selbsthilfe und ihr Verhältnis zur Staatshilfe zu unterrichten. Man hört doch auch heute immer noch einmal die Behauptung, daß die Landwirtschaft in der Selbsthilfe versage. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ist seit 45 Jahren als die Organisation der Selbsthilfe des landwirtschaftlichen Berufsstandes tätig. So muß man eigentlich auf ihren Veranstaltungen den Erfolg und die Möglichkeiten der Selbsthilfe feststellen können. Und man kann es besonders auf den Wanderausstellungen. Gerade die eindrucksvolle Schau dieses Jahres in K ö l n führt sogar zu dem Optimismus, daß die Landwirtschaft in allen wesentlichen Punkten bie Selbsthilfe b l s zur äußersten Grenze ausge nutzt hat. Diese Grenze ist aber burch bie Rentabilität gezogen; und wir wissen, baß bie künstlich hochgezüchtete Überproduktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Ausland die Rentabilität gerade auch so intensiver Produktionszweige wie der Milchwirtschaft, des Gartenbaues und der Geflügelzucht beeinträchtigt.
Immerhin haben die eindrucksvollen Erzeugnisab- teilungen der Ausstellung bewiesen, daß in der Erzeugung nach Menge und Qualität der in der Kriegs- und Inflationszeit gewonnene Vorspruna des Auslandes voll e i n g e'h o l t ist, daß vielfach unsere Landwirtschaft sogar wieder vorbildlich ge- worden ist, wie es gerade die Urteile ausländischer Besucher aus agrarischen Musterstaaten bezeugen. Auch in der Verpackung und Aufmachung gibt es keinen Unterschied mehr zuungunsten der deutschen Landwirtschaft. Zum Teil hapert es aller- dings noch in der Absatzorganisation; und das ist wichtig, weil nur die modern st en Absatzmethoden eine ausreichende Verwertung der Er- Aeugung sicherstellen. Doch hier ist eben einer der Grenzfälle, wo die Selbsthilfe allem unter den heutigen schwierigen Verhältnissen nach zehn Jahren einer wenig weitsichtigen Agrarpolitik nicht aus- reicht. Daher sind ja auch jetzt im Reichsernährungs- Ministerium die weiteren markttechnischen Gesetz- entwürfe ausgearbeitet worden, die in einem all- §emcincn Standardisierungsgesetz als iahmenaesetz gipfeln, in dessen Schutz bann die landwirtschaftliche Selbstverwaltung die Standardbewegung und die Marktorganisationen zu einem gewissen Abschluß bringen kann.
Immerhin auch heute schon bleibt für bie Verbrauchcrschaft bie Mahnung, sich von bem Vorurteil ber angeblich besseren Austandware frei 'zu machen, wie bie Landwirtschaft ja in einer Art Selbsthilfe auch bafür Sorge getragen hat, baß sie nicht mehr auf auslänbische Maschinen angewiesen ist, wenn sie etwas Brauchbares im Betrieb haben will. Die D. L. G. hat mit ihren Prüfungen unb Ausstellungswettbewerben bie Landmaschine ninbu st rie von ihrer Zersplitterung abgebracht unb soweit zur Rormung unb Typung auch ber Ersatzteile veranlaßt, baß jetzt nur selten noch eine Spezialmaschine des Auslanbes besser ist als ein beutsches Gerät.
Wenn ber überaus zahlreiche Besuch aus fast allen europäischen Staaten und aus ben meisten amerikanischen unb asiatischen ßänbem auch ber deutschen Industrie zugute kommt, so kann sie sich für bie Exportwerbung bei ber Lanbwirtschaft bebauten. Die D. L. G.-Ausstellungen, bie für bie nächsten Jahre in H a n n v v e r unb M a n n- heim vorgesehen sinb, während bie üblichen Herbstversammlungen biesmal in Stettin unb In Darmstabt ftattfinben, find landwirtschaft- llche Standardausstellungen für bie ganze Welt geworben, gerabe weil es sich nicht um reine Verkaufsmessen handelt, sondern weil durch bie Art ber Prüfungen unb Kontrollen bie Reklame» tüchtigkeit ber einzelnen Firmen in die zweite ßinle gerückt ist.
Günstiger Abschluß.
Reger Besuch aus allen Teilen der Welt.
Köln, 1. Juni. (Tel.-Un.) Die Große Landwirt- schastliche Wanderausstellung der Deutschen Land- Wirtschaftsgesellschaft hat am Sonntagabend ihre Pforten geschlossen. Noch am letzten Tage war der Besuch der Ausstellung außerordentlich gut und die Besucherzahl dürste wohl die des Samstag mit rund 59 000 übertroffen haben. Trotz der überaus schwierigen wirtschaftlichen Lage waren während der Ausstellungstage die Bauern aus der Rheinprovinz vom Niederrhein bis zur Eifel und darüber hinaus auch aus den westfälischen Gebieten und den übrigen Teilen des deutschen Vaterlandes in sehr stattlicher Zahl erschienen. Außerdem haben sich alle vom Reiche abgetrennten deutschen Stämme in Köln ein Stelldichein gegeben. Besonders fiel wahrend sämt- lieber Ausstellungstage die große Anzahl der El- saß-Lothringer auf. Ebenfalls sehr stark traten als Einzelbesucher und in Gruppen die Saarländer in Erscheinung. Aus Eupen- M a l - m e d y waren neben vielen Einzelbesuchern über 500 Frauen und Männer In geschlossenem Zuge eingetroffen. Aus Oesterreich weilten auf dem Ausstellungsgelände außer vielen Landwirten Ver- treter des Bundesministeriums und der Agrarbehör- den und Landesämter verschiedener Länder. Aus dem deutschen Gebiet Polens nxiren die Westpol. nische Landwirtschafts-Gesellschaft und der Landwirtschaftliche Zentralverband eingetroffen, aus ber Tschechoslowakei Vertreter der Gesck)äfts- ftellcn ber Deutschen Lanb> unb Forstwirtschaft unb ber Deutschen Landwirtschaftlichen Akademie unb bcS Kulturrates für Böhmen. Aber barüber hinaus besuchten aus bem ganzen europäischen Auslande, aus Rorb- unb Sübamerika unb sogar aus Japan unb Siam teils größere Reisegesellschaften, teils kleinere Stublenkomitees bie Ausstellung. Das geschäftliche Ergebnis ber Ausstellung war für bie Deutsche Landwirt- schafts-Gesellschaft wie für bie Aussteller zu- friebenftelicnb. Sehr gut war allgemein bie Rach frage nach beutschen Mol kerei- maschinenunb -Anlagen, bie einen starken Absatz auch nach bem Auslande verbuchen können. Für bie beutschen Großbestel- lungs - und Erntemaschinen und in ben Dichzuchtabteilungen haben eine Reihe ausländischer Regierungen unb öffentlicher Körperschaften beträchtliche Bestellungen gemacht. Auch bie Düngerkonzerne sind mit ihrem Werbungserfolg zufrieden.
erbungslehre unb Rassenforschung, ein Gutachten abgegeben, bas bei ber Beurteilung ber hervorragenben wissenschaftlichen Eigenschaften Dr. Günthers Bezug nimmt auf andere führende Fachgelehrte auf bem Gebiete ber Rassenforschung. Die Berufung Dr. Günthers ist nicht erfolgt, ohne bie mathematisch-naturwisfen- schastliche Fakultät zu befragen. Der Vorstand der Jenaer Stubentenschaft hat von sich auö bas thüringische Staatsministerium zur Berufung Dr. Günthers beglückwünscht. Die Errichtung eines Lehrstuhls für Sozialanthropologie an ber Universität Jena bcbcutct für bie Jenaer Stubentenschaft eine kulturelle Tat, ber In ber Nachkriegszeit kaum etwas Gleichwertiges an bie Seite zu stellen ist.
Durch Anschlag am schwarzen Brett gibt ber Rektor, Professor Dr. Heuhi, folgendes bekannt: Der Vorstand ber Jenaer Stubentenschaft hat sich in bie zwischen dem thüringischen Volks»
bllbungsministerlum unb ber Universität schwe- benben Differenzen eingemengt, inbem er anläßlich ber Berufung bes Herrn Dr. Günther zum ordentlichen Professor der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten an bas Staatsministerium unb Herrn Dr. Güntber Glückwunschschreiben geschickt unb in der Presse veröffentlicht hat. Damit hat er öffentlich gegen Rektor und Senat Stellung genommen. Gegen bie Urheber dieses überaus ungewöhnlichen Schrittes werben bie nach bem Gesetz für die Studierenden gebotenen Mittel angetoenbet werden.
Oie deutschen Minderheiten in Europa
Im Zusammenhang mit der letzten Rede des Reichsaußenministers Dr. Curttus in Stuttgart, in der er sich mit dem Minderheitenproblem befaßte, dürfte eine tabellarische Ueberucht von Interesse sein, ' bie einen Ucberblick über die deutschen Minderheiten
in Europa gibt. Danach zahlt man seht in der Tschechoslowakei 3 217 885 Deutsche, in U n . garn 551211, in Südslawien 513 472, in Rumänien 715 902, in Polen 1053824, in Italien, also vornehmlich Südtirol, 195 650, in Frankreich, hauptsächlich Elsaß - Lothringen, 1 634,230, in Belgien 98 45ch wovon auf Eupen» Malmedi), 49 494 entfallen, in Dänemark 40 172, in Litauen, ohne Memelgebiet, 29 132, im M e - melgeblet 71781, in Lettland 70964, in Estland 18 319 und im europäischen Rußland 910 594 Deutsche.
„Graf Zeppelin" zum Rückflug gestartet.
Eckener will in üsijStnndcn in Sevilla sein*
£ a f e 0 u t ff, 2. Juni. (MTB. ’3w(fpriid).) „Graf Zeppelin- ist um 21.12 Ahr Oftnormaljeif g e ff a r l e L Er überflog 7leuyork um 21.58 Osfnormalzeif. Er beschrieb bei seiner Fahrt über der Stadt, von Sirenen begrüßt und Scheinwerfern umspielt, eine lange Schleife über Manhattan und bog dann zur unteren Stadt und weiter nach Brooklyn ab, rasch in der nicht sehr klaren Mondnacht verschwindend, hunderttausende verfolgten auf den Straften und von den Fenstern den weg des Luftschiffes, das, niedrig und langsam fliegend, sich zwischen Wolkenkratzern durchzuwinden schien. Am 1.15 Ahr Oftnormaljeit überflog es Nantucket-Feuerschiff, den fetzten Auftenposten Amerikas im Atlantik, der etwa 344 Kilometer von Neuyork entfernt ist. wie von Bord gefunkt wird, schlägt das Luftschiff östlichen Kurs ein.
Kurz vor dem Abflug des „Graf Zeppelin- erklärte Dr. Eckener Pressevertretern, er hoffe, daß im herbst 1931 ein fünftägiger Dienst von beiden Seifen des Atlantischen Ozeans mit drei Zeppelinluftschisfen für je 24 Passagiere und 20 Tonnen Fracht und Post eröffnet werden könne. Drei Luftschiffe seien für einen solchen Dienst unerläßlich. Aus dem jetzigen Rückflug des „Graf Zeppelin" rechnete Dr. Eckener damit, bei Verfolgung des mittleren Kurses und möglichster Ausnutzung des Windes in 50 Stunden Sevilla zu erreichen. Zu der von der hiesigen Presse als wichtig betrachteten Frage der Ergänzung des Alkoholvorrats des Luftschiffes bemerkte Dr. Eckener, mit Hilfe der Bundesregierung fei eine kleine Ergänzung des Alkoholvorrats f ü r medizinische Zwecke vorgenommen worden.
Aus aller Welt.
Ein Ehrenmal für die Ostafrikanischen Kolonialkrieger.
In Eisenach fand das Treffen der Deutsch-Ostasri- faner statt. Ungefähr 800 ehemalige Deutsch-Ostafri- kaner hatten sich zur Wiedersehensfeier eingefunden. Der Festredner, Major R u ck t e s ch e 11, der ehemalige Adjutant Lettow-Vorbecks, richtete die Forderung an die Welt, den ehemaligen deutschen Kolonialbesitz Deutschland zurückzugeben, da das deutsche Volk diesen Besitz zum Leben brauche. Auf dem Kommers sprachen u. a. General von L e t t o iv - Vordeck und Exzellenz Schnee. Beide erläuterten die Notwendigkeit kolonialen Besitzes für Deutschlands Zukunft. Bei der Gefallencn-Gedenk- feier am Sonntag hielt Pfarrer Delius, früher Tanga, die Gedenkrede. Vierzehn Kränze wurden niedergelegt. In der Nähe der Wartburg soll ein Ehrenmal errichtet werden.
vom deutschen verbände der Sozialbeamtinnen.
In Köln yielt der Deutsche Verband der Sozialbeamtinnen seine zehnte Hauptversammlung ab, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Frau Regierungsrat Dr. Marta Hehnacher (Dresden) über „Beruf und Menschentum" stand. Im Vordergrund der Beratungen stand der Vortrag von Frau Dr. Else Ulich-Deil (Dresden). Die Rednerin führte u. a. aus, fünf Millionen! von den 15 Millionen verheirateten Frauen seien berufstätig. Alle diese Frauen, von denen ber größte Teil Mutter sind, arbeiteten für zwei Drittel bes Männerlohnes. Dagegen müßte die Frau ankämpfen, zumal zu befürchten sei, daß bei der fortschreitenden Rationalisierung der Mann von der Frau aus dem Erwerbsleben verdrängt werde. Die Berufstätigkeit der Mutter fördere nicht den Zerfall der FanHlie, sondern gestalte sie nur um und steigere die mütterlichen Kräfte in der Frau. Gegen diese Auffassung sprach sich Frau Dr. Gudula Kall-Düsseldorf aus. Der Zerfall der Familie sei durch die Berufstätigkeit der Mutter bereits eingetreten und müßte weiter fortschreiten. Die Rednerin verlangte weitgehende Umstellung der Familienfürsorge und die Einrichtung von Sexual- und Eheberatungsstellen sowie die Steigerung der Erholungsfürsorge für die Mütter.
Internationale kochkunstausstellung in Zürich.
Die internationale Ausstellung für Kochkunst wurde durch Bundespräsident Musi eröffnet. An dem Cröffnungsbankett nahm u. a. teil: der deutsche Generalkonsul in Zürich, Heilbron. Dem Ehrenausschuß gehört auch der deutsche Gesandte in Bern, Dr. Müller, an. Die Ausstellung umfaßt u. a. ein deutsches, ein französisches, ein italienisches, ein österreichisches, ein Schweizer und ein chinesisches Spezialrestau- rant. Sie wird vier Wochen dauern. Während dieser Zeit finden zahlreiche Wettbewerbe auf bem Gebiete der Kochkunst statt. Präsident des Organisationskomittees ist der Züricher Hotelier Kracht. Ehrenmitglieder sind u. a. P a fixer , Direktor des Internationalen VerbandeS der Köche in Frankfurt a. QIL, Charles Fuchs, Baden - Baden, der erste Vorsitzende des Internationalen Verbandes der Köche, Generaldirektor Gottlob, Frankfurt a. M., Reichstagsabgeordneter Hamp e, Berlin, Alexander Intra, Duisburg, Dr. Knapmann Generalsekretär des Reichsverbandes der Deutschen Hotels und Restaurants in Düsseldorf, Kommerzienrat Georg Koschenhaschen, Erfurt. Rotte, Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Hotels in Hannover.
vom Blitz getötet
In Blatnitz bei Pilsen schlug bei einem heftigen Gewitter ber Blitz in einen Baurn, unter dem mehrere Personen Schutz vor bem Unwetter gesucht hatten. Vier von diesen Personen, zwei SOläbdjen unb ein junger Mann, wurden aus ber Stelle getötet, drei weitere verletzt. Boa ben Verletzten ist inzwischen noch ein öjöhriges Mädchen gestoro-n, zwei der Lrrletzten ringen mit dem Tode, _


