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I 13. Houten. -
inben.
Mai.
* ntag nach Ostern. ' I 7: Messe; fiommu- an; 9: Hochamt mit t; 14: Christenlehre : Messe mit Predigt. I [t; 20: Dortrag und | Erstlommunion der [ ochamt und Predigt; e, Ansprache, Weihe, t igen. 17.30: Bortrog i; Hochamt mit Pre- | it mit Predigt.
toi.
mst für hie AiiM.
Konstanze.
Vornan von Karl Heinz Voigt. Irheber-Nechtsschutz Verlag Oskar Meister. Werdau. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Lr verstummte. Konstanzes Antlitz flöhte ihm Schrecken ein. So hatte er sie noch nie gesehen. Sic stand ganz ruhig da mit herabhängenden Armen, aber etwaS war in diesem Antlitz, das ihn erschauern lieh. »Das ist der Mick einer Wahnsinnigen," dachte er.
Hierauf gebe ich dir ferne Antwort, Lothar, 'aätc sie mit eisiger Stimme, die alles Warf erfrieren lieh. „Hier siehst du selbst, wie wenig du ■ncinc Seele fennst. — Lebe wohl, Lothar! Es darf nicht mehr sein"
Konstanze verlreh daS Zmirner. Sie horte noch, Die er ihr etwas in bittendem Tone nachrief. Sann ging sie hinüber ins Fremdenzimmer und chloh Die Tür hinter sich zu.
Es war ihr, wie sie den Schlüssel herumgedreht hatte, als ergriffe ein schleimiges Gespenst Deich von ihr. .Sol" dachte sie, „nun ist der Ab- grunb überbrückt, auf dessen Grunde stürzende Aiesbäche lauem, um dich au verschlingen."
Einen Moment lang lauschte sie noch an der tür. — Ein Grab war dieses Haus. — Eine teinernc Gruft. „Gut eingerichtet mit allem Komfort aber dennoch eine Gruft," dachte Konstanze -mit'Entsetzen. Sie fröstelte. Dieses Zimmer war -nicht geheizt. Wann hatten hier die letzten Gäste gewohnt? Dor einem Jahr etwa, Lothar liebte lie Geselligkeit nicht. Was liebte Lothar überhaupt, wie? — Seine Arbeit, sonst wohl nichts.
Jagende Gedanken kreisten in Konstanzes Hirn. Einer gewann schließlich die Oberhand. Wo sollte fte hin? — Irgendeinen Platz auf der ganzen Veiten Welt muhte der Mensch doch haben, einen Äuhepunkt, einen Pol, von dem aus ihn das Schicksal weitertreiben toqrbe. — Ihre Eltern natürlich! — Selbstverständlich ihre Eltern! — Es gab mit einem Male für Konstanze nichts Selbstverständlicheres, als dah sie zu ihren Eltern muhte. Die würden sie verstehen. — Das Chaos ihrer Gedanken wurde zuweilen blitzartig erhellt. Wann ging wohl der beste Zug morgen nach München? — Ach! Konstanze fühlte eine zwingende Müdigkeit. Dur nicht denken! Dur einen Moment lang die Funktion des GehimS ausschalten. Eie sah da und blickte in verlorene 'Seiten. „Irgendwo kriechen Wesen um mich herum," fühlte Konstanze in dumpfem Brüten. Sesichter grinsten aus den Ecken des Zimmer?. Zum Fenster herein blickte eine Fratze. — „Du hist frei“, rief eine Stimme dicht an ihrem Ohr, „frei, Konstanze 1" — Eie hob den Kopf. Es war eine Gebärde, alS neige sie ihr Ohr einer sühen Melodie, einem Sirenengesang, der trotz aller «Süße Schmerzen verursachte. — Konstanze warf den Kops in den Macken und schaute zur Decke. „Ia", sagte sie zu dem unbekannten grauen Wesen an ihrer Seite, „ich bin frei, siehst du. Ich habe die Untoürbigtcit dieser Che abgestreift. Ich kann mich wieder selber achten. Bin ich nicht reich, wie?" Die Stimme kicherte. „Ich tausche nun mit keiner Königin mehr," flüsterte Konstanze. „Was kann mir noch geschehen? Habe ich noch etwas anderes zu verlieren als meinen Stolz."
Konstanze fuhr zusammen. Hatte sie geträumt?
In dieser Stunde gab es Wichtigeres, als zu träumen. — Wachen, wachen um Gottes willen! Mit klaren Gedanken daS Letzte ordnen und dann fort aus diesem GesängniS, daS beinahe ihre Seele verschlungen hätte. Konstanze fürchtete sich vor diesem Hause. Sie erhob sich. Die wenigen Sachen, die ihr Eigentum bildeten, waren schnell verpackt. Dazu war morgen vormittag noch Zeit. Es galt vielmehr alles, was sie an ihren Mann band, zu vernichten.
Sie schloß das hohe Dertiko auf, in dem sie ihre Briefschaften und sonstigen kleinen Andenken an ihre Mädchenzeit verwahrt hielt. Das erste, waS ihr in die Hände fiel, war ein Bündel Briefe an ihren Mann aus der Brautzeit, schön verschnürt zu zierlichem Paket.
„Man sollte derlei Zeugen nie aufheben," dachte Konstanze, indem sie das Bändchen löste und den ersten Bries entfaltete.
Sie überflog mit raschen Blicken die Zeilen. Ihre Stirne faltete sich. Uebcrau« zärtlich klang dieser Brief nicht. Eine glückstrahlende Braut sprach nicht aus diesen Zeilen. Schon die Anrede: „Lieber Lothar!" — Es folgten Erörterungen über ein Buch, das er ihr zum Lesen gegeben und das sie nun hier gewissermaßen rezensiert hatte. — Lächerlich! — Fort! — Sie legte den Dries zu den anderen. — Dann kamen verschiedene Drief- schasten. Aus ihrer Pensionszeit in Genf an ihre Freundinnen. - - Landschaftsschilderungen. — Poetische Ergüsse an ihre Lieblingsfreundin Martina. Was zuckt dein Herz, Konstanze, wenn du an Martina denkst, wie? — Ia, die sah das Leben wohl anders, als sie. .. CB riefe aus London an ihre Eltern. — Ah! Welch schöne Zeiten! Borbei, vorbei! — Hier! Heber Konstanzes Wangen glitt ein roter Schein. — Don PeterS Hand. — Mühende Wiesen tauchten auf. Ein Duft nach Korn hing in der Luft. Ein rauschender Wald. Sommerlust ... Ein weißes Kleid neben einem braungebrannten Iüngling mit flatterndem Lok- kenhaar ... Konstanze schloß die Augen ... Ein Deet mit rotem Mohn, irgendwo in einem Garten. — Der Mohn brannte in sengender Sonnenglut' das fühlte Konstanze ... Oder war das ihr Herz? Konnte sie die Begriffe nicht auseinanderhalten? — Es war wohl auch einerlei ober dasselbe? Was weih man in solchen Stunden des sehnsüchtigen Träumens, wie? — Die Bilder versanken. Andere stiegen empor. Schneeflockentanz, eine spiegelnde Fläche. Man glitt dahin — mit ihm. Vorüber! — Darüber I — Eine Melodie erklang, ein Walzer. Man schwebte himmelan, immer höher — man stürzte. Ia. Konstanze erschrak, je höher man stieg, desto tiefer stürzte man. Dielleicht stieg man überhaupt stets nur, um zu stürmen.
©ic kramte das ganze Schränkchen aus. „Alles dies muh aus der Welt", sagte sie. „Ich werde nichts zurücklassen von alledem, alS ein Häufchen Asche."
Es war wirklich eisigkalt in diesem Zimmer. Sie fror. Da — was war denn? Konstanze starrte entsetzt zur Tür. Wurde nicht die Klinke gan- leise heruntergedruckt? Sollte Lothar ...
„Was ist?" rief sie und ihre Stimme klang wie die eines geängstigten Dögelchens.
„Ich bitte dich, mache auf, Konstanze", sagte Lothar von draußen in ruhigem Tone. „Ich muh mit dir sprechen."
„Olein", entgegnete sie, „ich bitte dich, quäle mich nicht. Ich bin müde." —
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Neuanmeldungen vor Beginn der Unterrichtsstunde.
„Qlun wird er die Tür einbrechen", dachte Konstanze, aber nichts von alledem geschah. Sie hörte, tote sich seine Schritte entfernten.
Da fiel eine namenlose Traurigkeit über Konstanze.
„Die letzte Dacht", dachte sie, „die letzte Dacht... Derzeihe mir, Gott im Himmel, dah ich ihm daS antue. Ich will Lothar bitten, mir zu verzeihen."
Sie setzte sich an den Schreibtisch. Ihre Feder glitt über das Papier, hastig, wie gehetzt. Es wurde eine seitenlange Erklärung. Diesen Brief zerriß sie. Auch den zweiten. Er würde sie ja doch nicht verstehen. Endlich schrieb sie:
„Lothar! Ich fühle, daß unsere Ehe keine Ehe ist. Mit Worten kann ich das alles nicht ausdrücken. Dur mein Gefühl, das mich nicht trügt, befiehlt mir, mich von Dir zu trennen. Verzeihe mir und denke nicht schlecht von mir. Ich wünsche Dir alles Glück im Leben. Konstanze!"
Diesen Brief lieh sie kuvertiert auf dem Tisch liegen.
„Dun ist wohl alles getan", sagte sich Konstanze und erhob sich schwerfällig und zum Sterben müde. Sie verlöschte das elektrische Licht. Das Zimmer lag in jäher Finsternis. Sie trat zum Fenster. Dort hinten, wo das nimmermüde, nächtliche Berlin grollte, war ein Abglanz der lichterfüllten Stadt am Himmel. Dot lohte das Firmament dort wie im schaurigen Dämmcrschein einer Feuersbrunst. Konstanze sah zum Himmel empor. Mildtätige Sterne flackerten dort im ewigen Geheimnis. Mit schwarzen Schwingen senkte sich eine rätselhafte Wehmut über sie.
„Was ist das Leben?" fragte sich Konstanze. — „Das Leben ist wohl stets so, wie wir es sehen, nicht wahr?"
Sie lieh die Micke über den nahen Horizont schweifen und sann nach über das, was die Ferne ihr zutragen toerße.
„Dielleicht ist es urewiges Geheimnis der Welt", dachte sie, „den Sternen nachzublicken. — Dielleicht ist es immer so gewesen und wird stets so fein. — Dielleicht stehen immer Frauen am Fenster und sehen in die Weite einem Etwas nach, das sie nicht mit Damen nennen können."
llnb wie sie so die Vergänglichkeit des irdischen Daseins erfühlte, lösten sich plötzlich Tränen aus ihren Augen und ergossen sich über ihre bleichen Wangen.
Arme Konstanze — tröste dich! Es weinten wohl in dieser Stunde hunderte von armen einsamen Frauen um ein erhofftes und nicht erfülltes Glück.
Eine Stunde gebar die andere. Konstanze stand am Fenster und schaute in die rätselvolle Dacht. — Diese Dacht geht^vorüber, siehst du, und dann kam der Tag und über Tag und Dacht war sie schon in München bei ihren Eltern und dann und dann ---
„Dun ist es Zeit, daß ich etwas ruhe", empfand Konstanze und rührte sich nicht vom Fleck.
Sie stand noch am Fenster, als der graue Schleier des Morgens langsam über die Dächer stieg.
2.
„Was wird das neue Dasein mir bringen?" fragte sich Konstanze und blickte zum Fenster des dahinbrausenden Zuges hinaus. —
So fliegt das Leben vorbei, wie draußen die Landschaft! Es war ein seltsames Gefühl in Konstanze, gemischt aus Zuversicht und Zweifel.
Sie nahm es als einen glücklichen Anfang ihreä neuen Lebens, dah Lothar heute früh nicht nochmals einen Dorstoß unternommen, sie umzustimmen. — Dielleicht hatte er auch gedacht, sie werde sich in letzter Sekunde noch alles anders überlegen.
Dun lag Berlin schon weit hinter ihr. Eie sah nach der tlhr. Es war die Zeit, in bet Lothar nach Hause kam. — Konstanze fühlte einen Stich in der Brust, er kam in sein leeret Haus. — Er wird es verwinden. Lothar ist nicht der Mann, der sich lange mit Problemen aufhält. — Aber wozu dieses Zurückdenken? — Man sollte nie rückwärts sehen, immer vorwärts und dort vor ihr lag München. — Ihr Elternhaus. — Doch wenige Stunden Bahnfahrt und man konnte an die Brust der Mutter stürzen, in die Arme des DaterS. Die Eltern würden sie verstehen. Dort würde sich alles erhellen. Freilich. was dann folgen sollte, war für Konstanze vorläufig ein Dätsel. Es würde sich alles entwickeln, nicht wahr? Wozu denken? Wir Menschen lenken doch nicht das Geschick. — — —
Don dem Münchener Bahnhöfe aus nahm Konstanze ein Auto. „Dach der Lerchenfelder Straße!" Sie fröstelte, die nächtliche Bahnfahrt hatte sie ermattet. Es war noch früh am Morgen. Die ersten Arbeiterzüge ergossen wie alltäglich unübersehbares Menschenmaterial aus den Dororten in die Stadt. Die Straßenbahnen waren gedrängt voll. Das Hasten begann wie jeden Tag. Das Iagen nach Geld war gestern, es ist heute, würde morgen fein, übermorgen und immer, immer. Man hatte keine Zeit zu verlieren. Eine Minute war Gold, und Gold bedeutete Brot, und Brot war Leben. Gin harter Rhythmus, ein gleicher Rhythmus, derselbe Takt jahraus, jahrein.
Konstanzes Herz klopfte stürmischer, je näher der Wagen dem Englischen Garten kam. Der- schlafene Hausknechte standen in den Türen Dor einem Hotel hielt eine Droschke, der ein dicker, behäbiger Herr entstieg. Ein Schupomann machte an einer Straßenkreuzung seine typischen Arm- betoegungen, den immer lebhafter werdenden Verkehr zu regeln. —
Konstanze gewahrte das alles mit einer trägen, mechanischen Gehimtätigkeit.
Die Gegend wurde ruhiger. Schon sah man hinter den vornehmen Dillen, die verschlafen durch den Februarnebel blinzelten, die ersten kahlen Baumkronen des Englischen Gartens.
Da hielt der Wagen vor dem Haus ihrer Eltern.
Die Fenster blinkten stumm und kalt in der frischen Luft dieses Morgens. Im tiefen Frieden schien das Elternhaus zu liegen.
Konstanze mußte mehrmals Ringeln, ehe man ihr öffnete.
Das Mädchen trat ganz erschrocken einen Schritt zurück. „Gnädige grau!?“
Konstanze vermied es, dem Mädchen inS Gesicht zu sehen.
„Guten Tag, Hanne! — Schlafen meine Eltern noch?"
„Die Herrschaften haben bereits gefrühstückt."
„Papa war stets ein Frühaufsteher", dachte Konstanze und trat in den Salon.
(Fortsetzung folgt.)
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