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Nr. 79 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)

Donnerstag, 3. April 1950

Abstand von dem Kühler angebracht waren. Als er rücklichtslos auf den Wagen -uschritt, wandte dieser plötzlich um und verschwand In der Dunkelheit.

Peter zögerte. Wenn dies eine Gefahr in sich schloß, konnte sie ebensogut ihm als auch Daphne Olroyd gelten. Dieser Gedanke beunruhigte ihn sehr. Dis jetzt nahm die Dedrohung keine feste Form an, aber der Wagen war ihnen vom Re­staurant aus gefolgt, und er war sicher, daß der dunkle- Mann mit dem schwarzen Dort, der in der Ecke saß und sich scheinbar nur um seine Zeitung kümmerte, sie überbrachte.

Sollte er umkehren und Daphne warnen? Aber diese Absicht gab er sofort wieder auf, er durfte sie auf keinen Fall beunruhigen. Was sollte er machen? Er konnte sich doch nicht bis morgen früh auf die Treppenstufen ihres Hauses setzen? Das Außergewöhnliche seiner Lage kam ihm zum Dewußtsein, die Slimmung von Schauer­romanen hatte ihn ergriffen. 3n seiner Phan­tasie tauchten allerhand teuflische Verschwörun­gen von düsteren und geheimnisvollen Gesell- lchasten auf, aber gegen wen sollten sie sich richten? Gegen ein junges Mädchen, deren einzige Schuld es war, daß sie sich als Sekretärin eines Gelehrten betätigte und dieselbe Stellung vor­her bei einem Finanzmann zweifelhaften RufeS bekleidet hatte?

Der kleine Wagen war vollständig aus seinem Gesichtsfeld verschwunden und auch, als er jetzt wieder zurücksuhr, bekam er den Mann mit dem schwarzen Dart nicht mehr zu sehen, der sich so für ihn interessiert hatte.

Er hielt vor dem Restaurant und fragte den Besitzer aus, den er seit langer Zeit kannte. Zu seinem Erstaunen erhielt er volle Auskunft Über den Fremden.

Er ist ein Privatdetektiv, der bei der Firma Stebbings angestellt ist. Ich kenne seinen Hamen nicht, es mag auch Stebbings selbst sein. Er war schon öfter hier, da er aber gewöhnlich einen meiner Gäste beobachtet, freue ich mich gerade nicht sehr über seinen Besuch.

Ein schwerer Stein fiel Peter vom Herzen. Privatdetektive sind im allgemeinen ungefähr­liche Geschöpfe und beeinträchtigen das Wohl­befinden der Leute nicht, die sie beobachten. Be­sonders in England, wo solche Spione keine Macht haben, sondern im Gegenteil von der ordentlichen Polizei verachtet werden, sind ihrer Tätigkeit größere Schranken gesetzt als in Amerika.

Er machte sich mit leichterem Herzen auf den Weg zum Orpheum.

Miß Slla Creed war eben auf der Bühne, als er ankam, und er muhte in dem zugigen 'Bor- raum warten, bis eine ihrer Ankleidefrauen kam und ihn aufforderte, näherzutreten. Slla sah

In Behandlung bei Zeileis.

Don Eberhard Buchner.

Der .Fall Zeilei« und die .Wunder­kuren" von Gallspach beschäftigen seit ge­raumer Zeit das Interesse einer breiten Oessentlichkeit aus daS lebhaftestem wir glauben daher die folgenden Aussührun- gen eines emstzunehmenden und der Sen­sationsmache unverdächtigen AutorS unse­rem Leserkreise nicht vorenthalten zu sollen. Wir können uns jedoch, da für den Laien ohne eigenen Augenschein eine objektive Beurtellung der Angelegenheit unmöglich sein dürste - unter Verzicht auf eine selbständige Stellungnahme, mit den Darlegungen de» Verfasser- nicht identi­fizieren.

Zeileis Gallspach - noch vor ein paar Mona­ten hätten die wenigsten mit diesem Hamen etwa« anzusangen gewußt, heute sind sie in aller Munde Das Wunder von Gallspach hat sich, nicht zum geringsten Teil infolge der scharfen An­griffe auS dem ärztlichen Lager, mit Windes­eile herumgesprochen, und der Zudrang zu dem Wunderheiler Valentin Zeileis wächst la­winenartig von Tag zu Tag. 3m Januar wurde da« neue große Institut in Gallspach eingewecht ein herrlicher Bau, der Millionen ackostet hat und heute fragen sich die Mitarbeiter von Zeilei« bereit« ängstlich: wird eS den Ansturm, der Im Sommer zu erwarten steht, auch bewäl­tigen können?

Für un«, die diese Sorge nicht zu kümmern braucht, ist die andere Frage wichtiger: waS hat c« mit dem Wundermann von Gallspach überhaupt für eine Bewandtnis? Ist Zellei« ein Scharlatan oder ist er ein Genie? Sind die Hunderttausende, die bisher nach Gallspach pil­gerten. atme betörte Harren oder liegt der Irr­tum vielmehr aus der anderen Seite, bei den Vertretern der Schulwissenschaft, die ja von je­her konservativ gewesen ist und oft genug be­deutsamen umwälzenden Heucrungcn Hemmnisse über Hemmnisse in den Weg gelegt hat? Ist Gallspach eine Tagessensation, die morgen oder übermorgen auS unserem Weltbild wieder ver­schwinden wird oder ist dort eine neue Therapie geboren worden, der die Zukunft gehört?

Wer die Verhältnisse an Ort und Stelle stu­diert hat, toirö sich der Schwierigkeit einer Ant­wort aus diese Frage bewußt sein und nur mit einer gewissen Scheu an die Auseinandersetzung berantreten. EineS sei vorweggenommen. An der Tatsache, daß sich in Gallspach nicht nur ge­legentlich. sondern sagen wir ruhig alle Tage Heilungen ereignen, ist nicht zu zweifeln. Aller­dings sehen sie zumeist anders aus, als sich kri­tikloser Wunderglaube so etwas vorzustellen pflegt. Man humpelt nicht als Lahmer hin, um nach der ersten Bestrahlung beglückt die Krücken wegzuwerfen und als Gesunder dem Behand­lungsraum zu entschreiten. Hein, mit Hexerei hat die Methode von ZeileiS nicht daS mindeste au tun. Die meisten Patienten müssen viel Ge­duld aufwenden, außerdem auch viel Zeit und viel Geld. Hundert, zweihundert Bestrahlungen bilden keine Seltenheit, und ich kenne Fälle, in denen 800, ja 1000 und noch mehr nötig waren, um einen Erfolg zu erzielen. Ein österreichischer Kaufmann erzählte mir, daß er auf einem Auge völlig blind (®rüner Star) nach Gallspach ge­kommen sei. Elf Monate dauerte die erste Kur, und zur Zeit ist er zum zweiten Male Dort, auch diesmal schon wieder seit Monaten, dafür

Die aefiederle Schlange.

Roman von (kdqar Wallace

15 ^ortleflunQ Wodib'ud verboten

Plötzlich hielt er inne und schaute wieder an ihr vorbei.

»Heiliger Josaphat," sagte er leise.

«Was gibt es denn wieder?"

Er bereute, daß er sie beunruhigt hatte.

Es tut mir leid. Warum sprechen wir auch über die Ricks. Ich möchte nur wissen, wie ich dazu komme? Aber merkwürdig, wie alles stimmt sogar diese«!"

Er nahm das kleine, rote Etikett und prüfte es aufS neue interessiert.

Kann ich das wohl behalten? Es wird mir Glück bringen," sagte er und steckte es einfach in seine Brieftasche, ohne ihre Erlaubnis ab- zuwarten.

Aber wie in aller Welt kann das stimmen?" fragte sie verwirrt.

Sines Tages werde ich Ihnen alles erzählen," sagte er ganz feierlich.Ich wundere mich nur, wer Whiakers ist."

Als sie sich erhoben, stand auch der bärtige Mann auf und folgte ihnen ins Vestibül. Hier verschwand er. Peter rief ein Auto an, und als sie fortsuhren, gestand er sich, daß er Gewisfens­bille habe.

Die ganze Zeit über habe ich Sie veranlaßt, Ihren früheren Ehes zu verraten," sagte er fast reuevoll,und das ist eigentlich nicht richtig. Es ist mir peinlich, aber es ist daS erste Mal, daß sich mein Gewissen ernstlich meldet."

Aber Ich habe doch gar nichts von Mr Crewe gesagt," entgegnete sie erstaunt.Habe ich denn rgend etwas erzählt, was Sie noch nicht wußten?"

Eigentlich haben Die mir nichts mitgete.lt, waS ch nicht auch aus anderen Quellen hätte er- ahren können," antwortete er vorsichtig.

Er '(baute über seine Schulter durch das kleine Fenster in der Rückwand des Wagens.

Sie haben sich nun schon dreimal umgesehen, 'eitbem wir das Restaurant verlassen haben," warf sie ihm vor. .Was gibt es denn da draußen?"

Es sieht so aus als ob wir Rebel bekommen, und ich wollte nur wissen, ob er sich »nfammen- zieht," lautete seine lahme Entschuldigung

Er wartete in der Eingangshalle, bis er hörte, daß sie ihre Türe schloß. Dann ging er auf die Straße zurück. Das kleine, geschlossene Auto, das seinem Wagen vom Restaurant aus gefolgt war, hielt ungefähr fünfzig Meter die Straße hinunter und war an die Bordschwelle heran- gefafjren. Es war an den halb abgeblendeten Lichtem leicht zu erkennen, die in ziemlich großem

ober hat er fein Augenlicht in vollem Umfangt wiedergewonnen und daS erblindete Auge sieht heute oesser und schärfer als da« gesunde, das ihm durch Kurzsichtigkeit zu schaffen macht.

Schon dieser Fall zeigt zur Genüge, daß daS Rätsel von Gallspach mit dem Zauberwort ^Suggestion" nicht zu lösen ist. Selbstverständlich spielt auch in Gallfpach die Suggestion irgendwie ihre Rollt. Gibt es überhaupt eine Heilbehand­lung ohne Suggestion? Ich glaube nicht. Denn auch da« beraQigcnbe Wort de« Heilers ist be­reits al« Suggestion aufzufassen und alS solche erweist es sich ost genug viel wirksamer al« alle Pillen und Heiltränke, die unS die Apotheke liefern kann. Daß sich die Kraft der Suggestion steigert, sobald sich Menschenmassen zusarnmen- jinben wie in Gallspach, 1000, 2700 Kranke an icbem Tag. zu jeher Behanblung, liegt vollend« auf bet Hand. Heilungsberichte wandern von Mund zu Mund, einer steckt den andern mit seiner Hoffnung, seiner Zuversicht, seinem Hei­lungsglauben an, und auf diese Weise wird von vornherein der Suggestionswirkung, die bei der Behandlung vom Arzt direkt ausgeht, am besten vorgearbeitet. Aber der gewisienhoste Beob­achter wird -ugeben müssen, daß diese Möglich­keiten von Zeilei« durchaus nicht übermäßig in Anspruch genommen werden. Eie sind vorhanden nun gut. Sie unterstützen vielleicht hier und da den Erfolg, aber neben ihnen müssen noch fianz andere, realere Heilfaktoren am Werke ein. Um sich davon zu überzeugen, braucht man übrigens nur festzuslellen, daß nervöse und hyste­rische Leiden, die in erster Linie der Suggestion zugänglich sind, In Gallspach durchaus nicht domi­nierend hervortreten. Als Zeilei« seine Praxis eröffnete, verlangte er von feinen Patienten eine ärztliche Bescheinigung, die den betreffen­den Fall für unheilbar erklärte. Von dieser Forderung ist er natürlich heute längst abge­gangen, aber noch immer besteht ein Großteil feiner Patienten aus Kranken, die von Arzt zu Arzt gewandert sind und von der Schul­medizin nicht geheilt ober gar aufgegeben wur­den. Der Menschheit ganzer Iammer saßt einen an, wenn man diese Aermsten der Armen mustert. Lahme, die im Wagen angefahren wer­den, bemitleidenswerte Krüppel, zum Skelett ab­gemagerte Iammergestalten, 3i t r. r, Epileptiker, Besessene" und die vielen Blinden, die bei jedem Patientenschub, einander die Hand rei­chend, den Dortrab bilden...

Mit geringen Ausnahmen werden alle Pa­tienten in Gallspach in gleicher Weise behandelt. Sie werden dreimal am Tag mit Hochfrequenz und je einmal mit Röntgen- und Heliumlicht bestrahlt. Hochsrequenzströme werden bekanntlich seit d'A r s o n v a l zu therapeutischen Zwecken verwendet. Aber noch nirgends hat man dabei mit so enormen Spannungen gearbeitet wie In Gallspach (600 000 Volt). Liegt das Geheimnis der Erfolge von Zeileis in dieser märchenhaft anmutenöcn Ziffer? Oder liegt es in der Ver­bindung der Hochfrequenz mit Röntgen- und Heliumbestrahlung? Oder eine dritte Möglich­keit In dem Zusatz von Radiumsalzen, bie in die Elektroden eingebaut sind? Eine offene Frage, die erst dann (und vielleicht auch bann noch nicht einmal) gelöst werden kann, wenn Zeileis der Fachwifsenschaft eine genaue Rachprüfung seiner Apparate gestattet. Dis dahin wird man im Dunkeln tappen und sich mit der Versicherung dtzs einzigen bekannten Wissenschaftlers, der als

restlo«Eingeweihter" gelten kann und in Gall­spach umfangreiche Versuche durchführen durfte. Prozessor v. Wendt«, Helsinafors. begnügen muffen, daß die Behandlung, so wie fie nun einmal In Gallspach üblich Ist, zu einer beträcht­lichen Grundzellen- oder Mefenchyrnaktivierung führt. Da« will also besagen, daß die Abwehr-

. des Körper« gegenüber der Äranljcit sehr erheblich gestärkt werden und eine normale Ar- beil«Iclftung nicht mehr ober nur noch mangel­haft funktionierender Zellverbände wieder in bie Wege geleitet wirb. AuS bleier Wirkung würde eS sich zwanglos erklären lassen, daß die Gall­spach Methode nicht nur für eine bestimmte Krankheitsgruppe, sondern unter ilmflänben für die alleroerfchiedensten Leiden in Betracht kommen kann.

Trotzdem wirb fie al« Universal mittel kaum gelten dürfen und in vielen Fällen versagen müssen, und hier fetzen bie schweren Bedenken ein, die auch der von dem Wert von Gallspach an sich überzeugte Beurteiler nicht ganz unter­drücken kann. Während sonst Heilmethoden, die in solch ausgedehntem Umfang zur Anwendung kommen, in ihrer Auswirkung, in dem Grade und der Begrenzung ihrer Anwendbarkeit einiger­maßen bekannt sind, erscheint Gallspach vor­läufig als ein Experiment. Die Wissenschaft kann solche Erpcrimente selbstverständlich nicht ent­behren, und über den Wert eines jeden Heil­mittels kann erst seine praktische Erprobung volle Klarheit schassen. Ungewöhnlich aber ist, daß ein Experiment dieser Art in so gigantischem Aus­maß, b. h. gleich an Hunderttausend von Kranken unternommen wird. Daß Gallspach Krankheiten heilen kann, steht für mich außer Frage. Aber welche Fälle werden geheilt, und wo versagt die Methode?

Dies« Bedenken werden sich noch verschärfen für den, der der Dallspacher Diagnose kein Ver­trauen schenkt. Zellei« diagnostiziert vermlttvls einer mit Galen gefüllten Röhre, die ihm unter Einwirkung de» Hochfrequenzstrom« durch be­stimmte Licht- und Fardennuancen Sitz und Art de« Leiden« genau verraten soll. Rur Sekunden dauert die Untersuchung, und obwohl jeder okkulte Einschlag von Zellei« geleua- n e t wird, wirkt diese Form der Diagnose tm höchsten Grade rätselvoll und mystisch. Au« Er­fahrung kann ich bezeugen, daß viele der Dia­gnosen durchaus präzis und zuverlässig au«- faLen. Andere sind offenbare Versager In den meisten Fällen hat da« praktisch nicht« zu lagen; denn die Behandlung würde sich bei andrer Dia­gnose doch nicht ändern. Trotzdem ober sind Fälle denkbar, in denen eine solche Fehldiagnose schwere Folgen haben kann, und wenn jetzt in Wien, wie- die Zeitungen melden, verschiedene Vchadenersah-Prozesse gegen Zel­lei« angestrengt werden, b an bett es sich wohl In der Hauptsache um derartige Tatbestände.

Au« diesem und vielen anderen Gründen wäre es ernsthast zu wünschen, daß daS Dallspacher Problem noch jeder Richtung hin und mit größte« Beschleunigung der Atmosphäre de« Rätselhasten, Mystischen vollständig und endgültig enthoben würde. Daß hier eine neue bedeutsame Therapie daS Licht der Welt erblickt hall kann nach den positiven Erfolgen kaum noch bezweifelt werden. Aber gerade deshalb kann Zeilei«, so scheint mir, getrost auf den Dei- geschmack des Geheimnisvollen, auf den Reiz e« mysti'chen Wunderzaubers verzichten. Er wird durch einen solchen Verzicht gewiß nicht verlieren, sondern der Dache, der er sein Leben verschrieben hat, einen großen Dienst leisten.

9er Voranschlag der Provinz Sverheffen für 1930

Der Vorsitzende des Prooinzlaltagev der Provinz Oberhessen, Prooinzialdireltor Graes, hat jetzt den Mitgliedern des Provinzial» tags den vom Provinzialausschuß angenommenen Voranschlag über bie Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen für das Rechnungsjahr 1 9 30 zugehen las» fen, mit dem sich der Provinzialtag in feiner orbent» liehen Tagung am 12. April beschäftigen wird.

Der Voranschlag weist gegenüber dem Vorjahre eine bedeutende Herabsetzung der Ab» schlußzisfern auf. Die Betriebsrech­nung, die im vorigen Jahre in Einnahme und Ausgabe mit je 5 597 473 Mark abschioß, stellt sich für das Rechnungsjahr 1930 insgesamt in Einnahme und Ausgabe auf je 3 773 716 Mark. Dic !ß er» Mögensrechnung, die im Vorjahre sich auf je 862 701 Mark in Einnahme und Ausgabe belief, schließt für das Rechnungsjahr 1930 in Einnahme und Ausgabe mit je 872 699 Mark ab. Die End» summe des Gesamtooranfchlags, also die Ziffern der Detriebs- und der Dermögensrcch- nung, stellt sich (gegenüber dem vorigen Jahre mit je 6 460 174 Mark in Einnahme und Ausgabe) für 1930 auf je 4 646 415 Mark in Einnahme und Aus» gäbe. Das Weniger gegenüber dem Vorjahre allerdings hervorgerufen durch weit geringere Auf­wendungen für b.m Straßenbau als im Vorjahre beläuft sich mithin für das Rechnungsjahr 1930 auf 1813 759 Mark.

Im einzelnen ist folgendes aus dem neuen Dor» anfchlag zu berichten:

Betriebsrechnung.

Allgemeine Verwaltung: die Einnahmen für 1930 find auf 8728 (im Vorjahre 3500 Mark)

veranschlagt. Die Ausgaben find für 1930 auf 117 250 Mark (im Vorjahre 107 000 Mark) bered)» net. Für Besoldungen, Ruhegehälter und Dersichc» rungsbeiträge sind einige Erhöhungen in Ansatz ge­bracht, ebenso auch eine wesentliche Steigerung für das Dienstgebäude, dagegen ist ein erheblicher Po­sten für Kosten der Provinziastagswahien und ein gewisser Betrag für Tagesgelber, Reisekosten ufnx weniger eingestellt worden.

Polizeiwesen: Der Titel weist keine Ein­nahmen auf und erfordert wiederum, wie im Vor­jahre eine Ausgabe von 500 Mark, die an das Un« terfuchungsamt für Infektionskrankheiten zu lei­sten ist.

Kunst und Wissenschaft: Auch hier sind keine Einnahmen verzeichnet, die Ausgaben in Höhe von 9700 Mark (im Vorjahre 9500 Mark) sind nur unwesentlich höher. Die Mehraufwendung von 200 Mark ist für Kunstsammlungen, Museen, Archive, Büchereien, Lesehallen usw. vestimmt.

Bauwesen (Provinzstraßen): In diesem Titel sind die Einnahmen für 1930 mit 1 786 300 Mk. (Im Vorjahre 3 666 800 Ml.) verzeichnet. Während die Einnahmen für Ver­waltungskosten mit 300 Mk., für allgemeine Unterhaltungskosten für B- und l)-Straßen mit 378 000 Mk. und für Daumpflanzungen mit 63 000 Mk. gegenüber dem Vorjahre unverändert geblieben find, haben sich die Einnahmen für

-Straßen von 150 000 Mk. im Vorjahre auf 140 000 Mk. für 1930 und für besondere Her­stellungen auf O-Straßen von 3 000 000 Mk. im Vorjahre auf 1 200 000 Mk. für 1930 verringert. Für den Reu- und Umbau von Provinzstraßen und Drücken, für den im Vorjahre 42 500 Mk. Einnahmen bestanden, ist im neuen Rechnung«»

alt und matt aus und drückte es auch mit den ersten Worten aus, die fie an ihn richtete.

Eine Matinee und eine schlaflose Rächt wegen des armen Mr. Farmer ich bin halb tot," sagte fie.Geben Sie Mr. Dewin etwa« zu trinken."

Sie erwähnte den Mord nicht mehr, bis ihre beiden Zofen den Raum verlassen hatten.

Mr. Dewin, ich möchte Sie um einen Gefallen bitten." Sie drehte ihren Stuhl soweit herum, daß sie ihm direkt inS Gesicht sah.Der arme 3oe hatte einen Privatschlüssel von mir, und wie mir Mr. Crewe erzählt, ist er in 3hre Hände gekommen. Würden Sie ihn mir nicht zurück- geben ?"

Peter war auf« äußerste erstaunt.

Ach, meinen Sie den Schlüssel in der Leder- tasche? Ich war neugierig, wem er gehören konnte. 3a, Miß Olroyd hat ihn mir gegeben. Ich überlegte bereits, daß ich ihn der Polizei hätte übergeben müssen. Ich hätte das auch getan, nur wurde er mir in der Rächt von einem verwegenen Einbrecher gestohlen"

Gestohlen?" Ihre Stimme klang scharf und ungläubig.

3a, er wurde gestohlen," log Peter seelen­ruhig.Don einem Mann, der meinen Rock mitnahm. Der Schlüssel war in der Tasche. 3ch möchte nur wissen, ob ihm In der Eile der Schlüssel auS der Tasche gefallen ist. Der Wann hatte wirklich Elle, wie Sie wahrscheinlich wissen werden"

Einen Augenblick lang kam es ihr zum De» wußtsein, daß er sie mit diesen Worten gewisser­maßen anklagte.

Warum sollte ich denn daS wissen?"

Vielleicht haben Sie es in der Zeitung ge­lesen," sagte Peter, der sehr wohl wußte, daß das unmöglich war.

Offensichtlich war das eine Erklärung, die fie am wenigsten erwartet hatte, denn fie war eine Minute vollkommen ruhig.

.Aber es ist doch merkwürdig, daß Die ihn in Ihre Rocktasche steckten", begann sie wieder.

Das stimmt, das ist sehr seltsam", sagte Peter höflich. .Ich hätte ihn eigentlich in meinen Schuh stecken sollen. Ich traae nämlich gewöhnlich meine Schlüssel so herum.

Ella Creed sah chn mißtrauisch und zweifelnd an, denn sie hatte keinen Sinn für Humor.

.Es ist einfach fürchterlich", sagte sie dann. .Ich meine, daß der Schlüsse! verloren ist ..."

.Ach, war es der Schlüssel zu Ihrem Schmuck­kasten?" fragte Peter schmeichlerisch. .Oder zu dem Schrank, in dem Sie Ihre gefieberte Schlange auf heben?"

Sie fprang auf.

.Was zum Teufel wollen Sie damit sagen?" fragte sie.Gefiederte Schlange? Wa« soll da« heißen, Dewin? Wissen Sie, was ich mir eigent­

lich denke?" Anklagend zeigte sie mit dem Finger auf ihn. .Das Ganze ist überhaupt nur ein Trick, den ihr ZeitungSleute erfunden Habti"

Manchmal war Ella Creed ziemlich leicht zu durchschauen, und Peter hätte daraus schwören mögen, daß sie ihm jetzt nicht« vormachte.

.Hören Sie mich einmal an, Miß Creed", sagte er ernst. .Die gefieberte Schlange ist weder eine Erfindung noch ein Märchen. Die Zeitungen kennen ja viele Methoden, um ihre Unternehmun­gen anzukündigen aber die Ermordung eine« DarbesiherS gehört nicht dazu. Haben Sie wirk­lich niemals von der gefieberten Schlange ge­hört, ehe Sie diese Karte erhielten?^

.RiemalSl"

.Auch Farmer nicht?"

.Er hat wirklich nichts davon gewußtl Sie waren doch gleich darauf hier, als ich die Karte erhielt. Gefieberte Schlangen! DaS ist doch alle« Unsinn! Ich möchte nur wissen, wer hinter der ganzen Geschichte steckt! Die Leute sollten doch endlich wissen, daß sie mich nicht ins DockS- horn jagen können! Wenn die Kerle auf Geld aus sind, bann erzählen Sie ihnen doch, daß meine Iuwelen auf der Dank verwahrt werden, auch wenn fie meinen Deldschrank ein duhend- mal aus brechen"

.Ach so, man hat auch bei Ihnen eingebrochen", sagte Peter schnelll .Haben sie denn außer den unechten Smaragden noch etwas gestohlen?"

Sie wurde gewahr, daß sie zuviel gesagt hatte und wollte darüber Weggehen, aber er war hart­näckig.

.Run ja," sagte sie zögernd, .e« stimmt schon sie sind in« Haus gekommen, aber sie haben nichts genommen, was irgendwie Wert hätte."

Ihre Absicht, daS Gesprächsthema möglichst schnell au ändern, überzeugte Peter, daß sie ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte. Was mochte sie ihm verbergen?

.Sie haben Ihnen also doch etwa« weggenom­men", bestand er.

Draußen wurde an die Tür geklopft, Ella wurde dringend für die Dühne verlangt.

.Ich muh mich schleunigst umziehen"

.Was hat man Ihnen genommen? fragt« Peter.

.Einen Ring", erwiderte sie ärgerlich. .Ein wertlose« Ding, für da« man keine fünf Pfund bezahlt." .

.Wa« war das denn für ein Ring etwa ein Trauring?"

.Trauring" Sie hielt inne. Gr hätte nicht herausfordernder fragen können, wenn er alle« gewußt hätte. .GS war ein Siegelring, ein ganz altes Ding, daS ich schon viele Iah« hatte. Aber nun machen Sie, daß Sie fort* kommen!"

(Fortsetzung folgt)