Ausgabe 
3.4.1930
 
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sind, von denen jede für sich abgeschlossen ist. Mu. Hergültig cmsgestckttet sind die Desinfektionseinrich. lungen.

25 Zähre (5 nst-Ludwig-Schule Bad-Nau?cim.

/ Bad > Nauheim, 30. März. Die 25- Iahrseier der Ernst-Ludwig-Schule lObcrrenischulc und Re.ormrealgymnasium i.E.) begann gestern abend Im Sprudel-Hotel mit einer Wiedersehensfeier der ehemaligen Schü­ler und Lehrer der Anstalt. Oberstudiendirektor Dr. 2)1 o l z entbot herzliche Grüste, an die sich eine reichhaltige Festfolge anschlost. Heute morgen fand dann in der Turnhalle der Ernst-Ludwig- Schule der eigentliche F e st a k t statt, zu dem ehe­malige Lehrer und Schüler, Behördenvertreter und sonstige geladene (Aaste in großer Zahl er­schienen waren. An die Begrüßungsworte von Oberstudiendirektor Dr. M o I z schlossen sich zahl­reiche (Jlückwunschansprachen an. Es sprachen Bürgermeister Dr. A h l für die Stadtverwaltung, Pfarrer K n o d t für die evangelische Kirchen- gemeinde, Beigeordneter Kissel für die katho­lische Kirchengeineinde. Qltebgermelfter Emil Ro - s c ii t b a l für die israelitische Religionsgemein- schast, Rektor Staubach für die Bolks- und die Berufsschule. Sanitätsrat Dr. Hahn für die Aerztevereinigung. Oberstudiendirektor Dr. Binzel für die Weidig-Oberrealschule Butzbach, Studienrat Freitag. Gießen, für den hessischen Philologenverein. Oberstudiendirektor Alten- d o r s, Giesten. für den Reichsbund der höheren Beamten. Boni Kultusministerium und anderen Stellen waren herzlich gehaltene Glückwunsch- schreiben eingebauten. 3n seiner tiefgehenden F e st r e d e gab Oberstudiendirektor Dr. 211 o 1 5 zunächst einen lurzen Abrist des Werdegangs der Anstalt, die als höhere Bürgerschule gegründet wurde und sich in kurzer Zeit zur Realschule und weiter zur Bollanstalt entwickelte. Herzlich gedachte Dr. M 0 l z der Berdienste, die der ver­storbene Bürgermeister Dr. Kayser und die beiden ersten Leiter der Schule, der verstorbene

Professor Dr. Karl Zimmer und Oberstudien- T direktor Reuter (jetzt in Friedberg), um den Ausstieg der Anstalt gehabt haben. 3n beacht­lichen Gedankengängen sprach der Redner dann von den Qlufgaben der höheren Schulen im Staate und von den Zielen der neuzeitlichen Schulresorm. Festliche musikalische Darbietungen des Schüler­chors und des Schülerorchesters umrahmten die Ansprachen und trugen ebenfalls zum eindrucks­vollen Berlauf des Festaktes bei. Der Nach­mittag brachte auf der Schulbühne der Anstalt eine tresfliche Wiedergabe des vieraktigen Schau­spielsFräulein von Seigliöre" von Iules Sandeau.

Enttäuschung

im Friedberger Verkehrsverein.

25621. Friedberg. 2. 2lpril. In der Hauptversammlung des hiesigen Verkehrs- Vereins, die dieser Tage stattfand, kam in dem Iahresbericht zum Ausdruck, das) im letzten Iahre die allgemeine wirtschaftliche Notlage -die Arbeit des Vereins stark hemmte. Namentlich das L i ch t f e st an den drei Sonn­tagen vor Weihnachten bedeutete eine große En11äuschun g. Nicht nur wurde der bean­tragte städtische Zuschuß abgelehnt, es sind jetzt auch noch von Stadt und Staat etwa 2 0 0 0 211 ar I für Str 0 mk 0 sten und Steuern a n g e f 0 r d e r t worden, die, wenn sie nicht erlassen werden, den Weiterbe st and des Vereins gefährde n. Geklagt wurde ferner über die geringe Mitgliederzahl, die durch ver­stärkte Werbearbeit gehoben werden soll. Der Verein wird gemeinsam mit der Stadtverwal­tung Bad-Nauheim und der dortigen Bad- und .(Kurverwaltung die Herausgabe eines Werkes des Friedberger Schriftstellers Albert H. R a u s ch über Friedberg. Bad-Nauheim und die Wetterau finanzieren. Im übrigen kam zum Ausdruck, daß der Verein in Anbetracht seiner schlechten sinanziellen Lage an die Aus­führung großer Pläne nicht Herangehen

I könne.

in Gießen.

AuS Anlas! des zehnjährigen Beste - Yens der Hessischen Heilstätte für Nervenkranke z u G i e st e n fand am Milt- wochvormittag in der Anstalt eine bewußt schlichte Morgenfeier statt, die erhebend verlief.

Eingeleitet wurde die Feier durch einen von Herrn Karl Kurt Wagner (Sohn des ver­storbenen früheren Leiters der Heilstätte, Geh. Medizinalrat Dr. Wagner) verfaßten und vor­getragenen D 0 r s p r u ch , der bei den Besuchern der Veranstaltung einen tiefgehenden Eindruck hinterliest. ES folgte dann ein stimmungsvoller Mufikvortrag von Mitgliedern unserer Militär­kapelle (Ave verum corpus von Mozart), woraus der derzeitige Leiter der Heilstätte

Meöiz nalrat Dr. Bausch

nach einer kurzen Begrüßung der Besucher eine der Bedeutung des Tages angepaßte An­sprache hielt. Er führte dabei u. a. folgen­des aus:

Am 1. April 1920 wurde der frühere Oberarzt an der Landes°Heil° und Pflegeanstalt in Gie­ßen, Medizinalrat Dr. Wagner, zum leiten­den 'Arzt der Hess. Heilstätte für 2tcr- venkranke in Gießen ernannt. Mit dieser Ernennung war die Heilstätte als selbständige staatliche Heilstätte ins Leben getreten. Der Bolksstaat Hessen und die Stadt Gießen hatten -ihre Krankenanstalten um eine vermehrt.

Wie ihr leitender 2lrzt. war auch die Heil- t Hätte aus der ihr benachbarten Heil- und Pflege- _ anstatt hervorgegangen. Sie stellte gleichsam eine * Fortsetzung des während des Krieges in der Heil- und Pflegeanstalt vorhandenen Lazaret­tes für nervös-erkrankte Kriegsteilnehmer dar.

Bei den vorher gepflogenen Verhandlungen, wie es in der Niederschrift heißt: ..Betreffend Er­richtung einer Abteilung für Nervenkranke bei der Landes-Heis- und Pflegeanstalt in Gießen" herrschte Ucbcreinftimmung darüber, daß die 21 b- teilun 1 für Nervenkranke nur noch Verwaltung^' -technisch mit der Landes-Heil- und Pflegeanstalt zusammenhängen soll. Dies sollte in der Be­zeichnung gewahrt werden: ..Hess. Heilstätte für Nervenkranke Gießen, Licher Straße 106, lei en- der Arzt 21led.-Rat Dr. Wagner." Die 21laß- nahme einer völligen Trennung von der Heil- imd Pflegeanstalt erschien schon mit Rücksicht auf das anders geartete Krankenmaterial geboten. Wer, wie wir, die außerordentliche Empfindlich­keit und Empfindsamkeit des in der Hauptsache in der Heilstätte zur Behandlung kommenden Psychoneurotikers tag'ich zu beobachten Gelegen­heit hgt. wer dessen 2lngst kennt, geisteskrank zu werden, und wer immer wieder sehen muß, wie der Nervöse unter der Nachbarschaft von Geisteskranken leidet, kann nur einer völligen, auch räumlichen Trennung einer Nervenheil­anstalt von der Irrenanstalt das Wort reden. Hier setzte bereits die unermüdliche Arbeit des bisher noch an der Landes-Heil- und Pflege­anstalt tätigen Oberarztes und späteren leitenden Arztes der neuen Heilstätte, Med.-Rat Dr. W a g n e r. um das Zustandekommen des neuen Institutes ein. An Hand seiner im Nerven­lazarett erzielten Erfolge konnte er immer wieder auf die Notwendigkeit besonderer Behandlung und gesonderter Unterbringung der Nervösen Hinweisen. 21 uf ein von anderen Gesichtspunkten aus berechtigtes Streben des Psychiaters nach einer organischen Verbundenheit der Hell- und Pslegeanstalt mit der Heilstätte konnte er mit einer ganzen Reihe von Gegengründen antwor­ten. So wurde es schließlich sein Verdienst, wenn die Heilstätte losgelöst und unabhängig von der benachbarten Irrenanstalt zustande kam.

Die 2Tottoenbigtcit einer räumlichen Trennung der Nervösen von den Geisteskranken mag auch mit der Grund gewesen fein, neben der der Be­handlung Nervöser und Geisteskranker dienenden Klinik eine besondere Nervenheilanstalt zu er­richten. Ebensowenig wie für die Heil- und Pslegeanstalt sollte aber der Klinik dadurch eine Konkurrenz geschaffen werden, wie vielleicht man­cher 2lußenstehende, von irrigen Doraussehungen ausgehend, annahm. Die Qlufgaben der Klinik bestehen neben der Behandlung der ihr ange­führten Kranken in erster Linie in Forschung und rlnterricht. und diese lassen eine Belastung, wie sie Die langdauernde, häufig sich über Iahre erstreckende Pflege der meist chronisch erkrank­ten Irren und die mitunter monatelang dau­ernde Erkrankung eines Nervenkranken bedeutet, nicht zu. Auch wäre den Zwecken der Klinik mit Den fast nur auS Psychoneurofen bestehendem

Krankenmaterial einer Heilstätte nicht gedient. Somit kann bei den augenblicklich in Gießen vor­handenen drei staatlichen Instituten: Stlinif, Heil- und Pslegeanstalt und Nervenhellstätte nur von einer praktischen Arbeitsteilung ge­redet werden.

In der Heilstätte muß vor allem auf eine tech­nisch und klinisch vollendete therapeutische Ein­richtung Wert gelegt werden, die freilich nie­mals die seelische und individuelle Behandlung durch den Arzt ganz ersetzen kann. Der Psncho- neurotiker bedarf dringend des Arztes seines Vertrauens, Der ihm Führer und Erzieher zur neuen Lebenstüchtigkeit fein soll. Daneben soll Dann alles geschehen, was ihm körperliche und nervöse Kräftigung bringen' kann. Der Losung solcher 2lufgaben standen meinem verehrten Vor­gänger im Amte, gleichsam Dem Gründer der Heilstätte, ebenso wie mir, immer wieder Schwie­rigkeiten im Wege, die durch die Oertllchkelt und Die Anlage der ursprünglich den Zwecken Der Heil- und Pslegeanstalt dienenden, der Heil­stätte bei ihrer Gründung überlassenen beiden Gebäude bedingt waren. Trotz aller Fürsorge des Staates in bezug auf Verbesserung und Ergänzung Des Inventars im Verlaufe von zehn Iahren Des Besteheirs Der Heilstätte konnte Den Gebäuden nicht der ursprüngliche Charakter ge­nommen werden. Den Nervösen und Angespann'» ten verlangt es N4- Ruhe, Beschaulichkeit- und manchmal, wenn, auch in krankhafter Welse, nach Weltabgewandtheit. Das Ideal feiner -Un­terbringung wird daher stets das Einzelzimmer bzw. 1- bis 2-Bettenzimmer fein. 'Sie Gebäude Der Heilstätte bekunden aber genau so wie die Gebäude Der Heil- unD Pflegeanstalt das Prin­zip des Wachsaales, den auch das sogenannte Dlon-re8tr.iint-System Der Irrenplage nicht ent­behren kann. (Nach diesem von französischen Aerz- ten zu Anfang de'- vorigen -Jahrhunderts inau­gurierten System soll Den Kranken möglichst viel Freiheit gewährt werden, ohne Daß Dabei Die Gewalt über sie verloren geht, weil jeder Zwang der Heilung hinderlich ist.)

Der Zwang der Verhältnisse nötigte, sich mit dem als Provisorium zu betrachtenden Zustande abzusinden. Dennoch aber wurde Nütz.iches und Segensreiches geleistet. Wenn man bedenkt, unter welchen schwierigen Verhältnissen Dr. Wagner in Der Inflationszeit bei recht primitiver Ein­richtung zu arbeiten gezwungen war, wie er jahrelang ohne Assistenten, unter Verzicht auf Urlaub. Dem von 30 Betten bei Der Gründung der Heilstätte auf mittlerweile 65 Betten ange­wachsenem Institut vorstand, dann wird man seine Erfolge doppelt zu würdigen wissen. 'Auf der Hygieneausstellung in Düsseldorf im Iahre 1926 konnte er durch Aushang und Bilder eine größere Öffentlichkeit daraus Hinweisen, daß von den in Den Iahren 1924 und 1925 erfolgten fast 1000 Ausnahmen etwa 75 Proz. arbeitsfähig ent­lassen und Daß sich Die restlichen 25 Proz. im wesentlichen nur aus unheilbar Organisch-Ner­vösen unD schwer Degeneratlven, zum Teil mit Einschlägen von Seelenstörung zusammensehen.

21 od) im gleichen Iahr, am 1. Iuli 1926, schieb Dr. Wagner infolge Erreichens Der für Staats­beamte festgesetzten Altersgrenze aus dem Dienst Der Heilstätte aus. Wie schwer es ihm war, Das ihm liebgewordene Amt anderen zu über­lassen, wissen Die zu erzählen, die damals mit ihm zusammen arbeiten durften. Sein zäher, fester Wille im Erreichen des einmal als richtig Erkannten, sein unermüdlicher (Äser und unver- sieglich erscheinende Arbeitskraft im Dienste Der Heilstätte werden uns allen, soweit wir seine Mitarbeiter waren, ein Vorbild bleiben. Wir glauben das Andenken dieses inzwischen aus rastloser Tätigkeit durch Den Tod abgerufenen hervorragenden Mannes, des Gründers unserer Heilstätte, am besten dadurch zu ehren. Daß wir im ©arten Der Heilstätte am Tage ihres 10jährigen Bestehens als ..25 a g n e r e l ch e" seine Arbeit gleichsam IcbcnDig werden lassen. Möge Der gestern gepflanzte Baum, ein Sinn- bilD knorrigen und wetterfesten Wechstums, allen noch in Der Heilstätte Heilung Suchenden, den 2lerzten und Dem Personal eine Erinnerung und ein Mahner fein an Die Kampfnatur des Gründers und ersten leitenden Arztes Der Heil­stätte: Albert Wagner. Wir. Die ein gün­stiges Geschick bestimmt hat, auf seinem Posten zu stehen, wollen geloben, unS alle Zeit dankbar seiner zu erinnern, ihm nachzueifern, sein Werk zu mehren und zu fordern zum Wohle und Segen unserer Kranken.

Die guten Heil-Ergebnisse unseres Instituts verdanken wir neben der allzeit kollegialen ärztlichen Mitarbeit Der HinGabe und dem Fleiß des Personals, nicht zuletzt auch der regen Aln- terstühung und Dein großen ©ntgegenlommbn in allen lebenswichtigen Fragen der Heilstätte auch unserer vorgefetzten Behörde, Dem Ministerium deS Innern In Darmstadt. Durch eine stets Verständnis bekundende Verwaltung wurde Der Ausbau des Institutes soweit als möglich be­werkstelligt, daß es heute als eine Volksheil­stätte für Nervöse, die über sämtliche ärztlich anerkannte Kurmittel verfügt, auch mit größe­ren, gleichartigen Anstalten unseres Vaterlan­des gut konkurrieren kann. Wir können Der Regierung unD dem Staat nur dankbar sein für das, was in diesen 10 Iahren des Bestehens der Heilstätte bei Der örtlichen und räumlichen Gebundenheit geschehen ist. Erst recht muß Die Fürsorge anerkannt werden, wenn man Die finanziellen Schwierigkeiten berücksichtigt, Die Volk und Staat zur Zeit besonders in ihren sozialen Aufgaben hemmen. Sie sind 'es auch, Die das gekennzeichnete Proviforium einer nur teilweisen Loslösung Der Heilstätte von Der Heil- unD Pflegeanstalt noch nicht beenDen ließen. Möge eine balDigc Besserung unserer politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in nicht allzuferner

Zukunft es erlauben, Daß die Heilstätte aus dev räumlichen Enge des jetzigen Provisoriums her- auskommt in Den vergangenen Sommerhalb­jahren mußten zahlreiche Ausnahmegesuche we­gen ilcberfüllung Der Heilstätte bei nunmehr 80 Betten wochenlang ihrer (SrleDigung harren-, daß sie aus Der Nachbarschaft Der Heil- unD Pslegeanstalt verschwindet und im eigenen, nur Den Charakter Des Nervensanatoriums tragen- Dcn Gebäude in schöner und gesunder Gegend mit möglichst waldreicher Umgebung Den ihr ge­stellten Aufgaben gerecht wirb.

Oer Aueklang der Feierstunde.

Im Anschluß an Diese Ansprache wurden eine Reihe Lichtbilder gezeigt, welche Die Zahl Der in Den verflossenen Iahren zur Entlassung gekommenen Patienten und Die erzielten Heil­erfolge in bester Weise veranschaulichten. Es folgte dann ein Gesangsvortrag, Dargeboten von Patienten Der Anstalt, sowie eine weitere musi­kalische Darbietung Der Militärmufiker (Marsch aus dem Konzertstück op. 79 von C. M. v. We­ber), womit Die Veranstaltung ihren Abschluß fanD.

Der Feier folgte eine eingehende Besichtigung der Heilstätte.

Kassechausbefitzer-ragung in Gießen.

Gestern fand hier im RestaurantHindenburg" die diesjährige Tagung des Verbandes der Kaffee Hausbesitzer Hessens statt.

Der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen, Julius K örncr, eröffnete die Verhandlungen mit einer Begrüßung der Teilnehmer und Der Vertreter der Behörden namens Der hiesigen Ortsgruppe unD übertrug Dann die Leitung der Tagung dem Vor­sitzenden Des Hess. LandesverbanDes, P. Tischler- Darmstadt. Dieser hieß die Vertreter der Provin­zialdirektion, des Kreisamtes, des Polizeiamts, des Gewerbeaufsichtsamts und der Handelskammer, so­wie der Gastwirte-Innung namens Des Verbandes willkommen.

Hierauf hielt Verbandsdirektor G e i st h a r d t - Berlin einen Vortrag über:

Das gastronomische Gewerbe im Spiegel der Rcichsfinanzreform und des Gaststättengefehes."

Der Redner besprach zunächst die derzeitige wirt­schaftliche Lage, die sich auch im Kaffeehausgewerbe ungünstig auswirke. Er kam dann auf die unge­heuren Steuerlasten zu sprechen und,stellte fest, daß das Kaffeehausgewerbe steuerlich wesentlich stärker herangezogen werde, als die übrigen Berufsstände. Er forderte weitgehende Ausgabensenkung und größte Sparsamkeit in der Verwaltung. Weiter verlangte der Redner zum Zwecke der Gesundung der deutschen Wirtschaft eine durchgreifende Finanz­reform, die sich u. a. erstrecke auf die Beseitigung aller Steuern, deren Erhebungskosten in keinem Verhältnis zum Steuerertrag stehen, auf eine reichs­gesetzliche Bestimmung, daß die Verbrauchssteuern grundsätzlich nur vom Reiche erhoben werden dür­fen, ferner forderte er die Beseitigung der In­dustriebelastung und der damit verbundenen Auf­bringungslast, Beseitigung der Hauszinssteuer, Be­seitigung der Realsteuern, reichsgesetzliche Begren­zung aller sonstigen SlUidersteuern (Vergnügungs­steuer usw.), Beseitiguikg der steuerlichen Bevor­zugung der öffentlichen Hand, der sog. gemein­nützigen Betriebe, der Konsumvereine, der '-Beamtem Wirtschaftsbetriebe und ähnlicher Unternehmungen, Staffelung der Umsatzsteuer, Ersatz Der Realsteuern durch reichgesetzlich beschränkte Zuschläge zur Ein­kommensteuer, verbunden mit der Herabsetzung der Einkommensteuersreigrenze, Erfass der Hauszins­steuer, soweit die öffentliche Finanzierung des Wohnungsbaues als notwendig erscheint, durch eine Wohnhausabgabe in Form eines Sonderzuschlags zur Einkommensteuek. Der Redner kam dann auf Die erneute Belastung durch indirekte Steuern zu sprechen und sprach in bezug auf das Tabaksteuer­gesetz die Befürchtung aus. Daß eine Monopoli­sierung zu. erwarten sei. Bezüglich der Vergnügungs­steuer vertrat der Redner die Auffassung, daß dieses Gesetz dringend der Abänderung bedürfe. Wegen der Polizeistunde wies der Redner Darauf hin, Daß Die Verhältnisse in Preußen wesentlich besser seien als in Hessen. Zum Schankstättengesetz, das augen­blicklich Dem Reichstag zur Beratung vorliegt, be­merkte Der Redner, daß Die Abstinenzfrage eine Er­ziehungsfrage sei, sie könne nicht Durch Gesetze ge­regelt werden. Im übrigen sei der Umsatz an alko­holfreien Getränken ganz erheblich gestiegen, gegen­über einer verhältnismäßig geringen Steigerung Des Bierumfatzes. Der Redner besprach dann noch Die einzelnen Bestimmungen Des Gaststättengesetzes, Das bereits in zweiter Lesung im Reichstagsaus- schuß eine wesentliche Aenderung erfahren habe, und stellte fest, Daß Das Gesetz, obwohl an sich über­flüssig, in feiner jetzigen Fassung erträglich sei.

'Als nächster Redner sprach Dann Kafseehaus- besitzer Schmitz-DarmstaDt über

Die Einstellung des Kaffeehausgewerbes zur Finanz- und Steuerreform".

Der Redner wies vor allem Darauf hin, Daß Das Kafseehausgewerbe viel Personal beschäf­tige, außerdem auch viel Kapital investiere. Des­halb solle man cttoaS vorsichtiger mit Der Steuer­belastung Dieses Gewerbes sein, Damit es existenz­fähig erhalten bleibe. Er besprach Dann Die Auswirkung Der Erhöhung der Verbrauchssteuern unD bezeichnete einen -Umbau Des Derzeitigen Steuersystems als unbeDingt notwendig. Seine Ausführungen in Dieser Hinsicht Decken sich mit Den Darlegungen Des ersten Vortragenden. Der Redner beschäftigte sich weiter mit Der Feier- abendstunde. deren baldige Beseitigung dringend notwendig sei, kritisierte das LlrkunDenstempel- geseh, dessen Gebühren in Hessen wesentlich' höher seien, als in anderen Ländern, um zum Schluß noch das Backverbot, das er für undurchführbar hält, einer eingehenden Besprechung zu unter­ließen. *

Im Anschluß hieran sprach VerbanDsdirektor Gei st Hardt - Berlin noch über

Die Tonseherfrage", bezüglich Deren eine gesetzliche Regelung bean­tragt sei. Er schilderte Den Verlauf und Den derzeitigen Stand Der Verhandlungen und sprach Die Hoffnung aus, Daß Die Angelegenheit bald eine zufriedenstellenDe Lösung finDe.

Die Aussprache.

In Der anschließenden Aussprache erörterte* Herr Döring- Darmstadt das Konzessionsver­fahren: er wünschte, Daß mehr Wert auf das -Urteil Der Berufsorganisationen gelegt werde. Regierungsrat Dr. Braun- Gießen (Kreisamt) wies Darauf hin, Daß seitens der Behörden Den ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen des Gewerbes weitgehend Rechnung getragen werde. Cs sei allerdings bedauerlich, Daß die Gewerbe­treibenden in Den maßgebenden Körperschaften zu gering vertreten seien. Er erläuterte dann die Stellungnahme Der Behörde zur Konzession.: ° frage und brachte zum Schluß zum Aufdruck, daß ohne Gesundung des Mittelstandes keine Gesundung der Wirtschaft möglich sei. Regie- rungsrat Wolf-Gießen (Polizeiamt) wies dar­auf hin, daß Die Polizeiämter für eine völlige Aufhebung der Polizeistunde eingetreten seien, aber das Hessische Ministerium habe die Polizeistunde auf 1 Uhr festgesetzt. Bezüglich des Urkundenstempels sei das Polizeiamt an die ge­setzlichen Bestimmungen gebunden, allerdings seien Die Gebühren im Verhältnis zu Preußen hoch. Er äußerte sich dann noch zu dem Backverbot und dem Konzessionsverfahren und wies Darauf hin, Daß die Durchführung Der gesetzlichen Be­stimmungen bisher beim Kaffeehausgewerbe ohne Schwierigkeiten möglich gewesen sei. Gewerberat Dr. Meyer- Gießen (Gewerbe-Aufsichtsamt) kam zu der gleichen Feststellung und betonte, Daß bei dem Backverbot die vorhandenen Aus­nahmebestimmungen nach Möglichkeit angewandt würden. Kaufmann Noll, Gießen, als Ver­treter der Handelskammer, erwähnte, daß diese stets für Die Interessen des gesamten Gastwirts­gewerbes eingetreten sei. Der Vertreter der hie­sigen Gastwirteinnung, H. Schmitz, wies auf Mängel im Konzessionsverfahren hin, während Die übrigen Redner zu Den Ausführungen der Referenten weiter Stellung nahmen.

211 s Ort der nächsten Verbandstagung wurde Mainz bestimmt.

Gemeinöerai in Wieseck.

£ Wieseck, 2. April. Gestern abend fand eine Sitzung des Gemein dcrats statt. 23or Beginn der Sitzung stellte Gemeinderat Erb Den Antrag, als weiteren Punkt der Tages­ordnung über die Erbauung Des Zwölf- w 0 h n u n g s h a u s e s zu verhanDeln, währenD Gemeinderat Seibert die für Wieseck drin­gendste Frage Der Wasserversorgung be­sprochen haben will. Als erster Punkt Der Tagesordnung wurde Die Polizeiverord­nung zur Kanalisierung beraten unD genehmigt. Anschließend wurde die Orts- sahung über Die Erhebung einer Kanal­benutzungsgebühr beraten unD ebenfalls genehmigt. Heber Die Festsetzung Der Ka­na l g e b ü h r e n lagen zwei Anträge vor. Ge­meinderat Benner erklärte seinen 2lntrag, Der Dahingeht, Daß Die Kanalgebühren 40 v. H. Des Wassergeldes betragen sollen, während Der An­trag Seibert lautet, daß für jeden Quadrat­meter Liegenschaft ein Pfennig, dazu für jedes Tausend deS Steuerwerkes der Gebäude 50 Pf. erhoben werden sollen. Beide Anträge wurden längere Zeit besprochen und Dabei gegenseitig Berechnungsbeispiele gezeigt. So ergibt bei An- wenDung der Erhebung: art nach dem Antrag Benner, daß von jeder Familie die Kanalgebüh- ton Direkt erhoben werden. Es ergibt sich aber hieraus Die Möglichleit, Daß wesentlich kleinere Grundstücke, Die mit mehreren Mietern beseht sinD, viel mehr Kanalbenutzung ^gebühren be­zahlen müssen, als Anwesen, Die größer sind und nur von einer Familie bewohnt werden, wofür aber Die Gemeinde für die Herstellung

des Kanales größere Mittel auswenden mußte. Nach dem 2(ntrag Seibert bedingt Die Große Der Hof reite Die Kanalgröße und somit die Hohe Der Gebühren. Die Gebührenunterschiede bewegen sich nach Antrag Benner für das.einzelne Anwesen zwischen 3,20 Mark bis 64 Mark und nach Be­rechnung Seibert zwischen 3,50 Mark und 29 Mk. Dor der Abstimmung, die man geheim vor­zunehmen beantragte, änderte 23 e n n c r seinen Antrag dahingehend, daß die Höchstgebühr für das 2lnwesen 40 Mark nicht übersteigen Darf. Die Abstimmung ergab Die Annahme des An­trages Benner mit 10 gegen 6 Stimmen. 1 Der Einwendung des Philipp Lotz gegen Den Ortsbauplan in der Alten-Dusecker Straße, wonach an seinem Neubau der Vor­garten mit 5 Meter vorgesehen war, wurde vom Gemeinderat insoweit entsprochen, daß eine Breite des Vorgartens von 3 Meter einstimmig gutgeheißen wurde. Die Mieter in Den G e - in ein d ehä ufern Der Philofophenstraße hatten gegen Die vorjährige Regelung Der Miete Einspruch erhoben. Dazu beantragte ©c- meinDerat Erb, nur einen Zuschlag von 25 Proz. zu berechnen. Dem wurde zugestimmt, jedoch er­klärte Bürgermeister S ch 0 m b e r. Daß er diesen Beschluß aussehen werde. lieber die Errich­tung des Schwimmbades hatten verschie­dene Kommissionsfitzungen stattgefunden, und es waren alle ®emeinDcD:rir:ter zu Der Heber- Beugung gekommen, daß es unter Don derzeiti­gen Verhältnissen nicht möglich ist, weder Dem einen, noch Dem anderen Plan zuzustimmen. Diese Angelegenheit soll bis zu einem günsti­geren Zeitpunkt zurückgestellt werden. Kleber Lie BaocZelegen heil an Der Lahnfollcn