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Nr. 7Y Zweites Blatt
Gietzeqgr Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 3. April 1930
Sorgenschwere Tage in Washington.
Oie Regierung des Präsidenten Hoover vor unvorhergesehenen Schwierigkelten.-Geschästsdepression, Zollpolitik und prohibitionszank.
Don unserem A. G./Beridfoterftatier.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Reuy 0 rk, April 1930.
Präsident Herbert Hoover hat sein erstes Jahr im Amt als Oberhaupt der Negierung der Dereinigten Staaten hinter sich. Der Jahrestag ist von der amerikanischen Presse in auSgiebiger Weile zu Rück, und Ausblicken wahrgcnommen worden. Auch seine parteipolitischen Gegner haben ihm Gerechtigleit zuteil werden lassen, und an Kundgebungen deS DerlrauenS und Woh.wollens hat eS nicht geichU. Aber |do|t seine aufrichtig- ftcn Bewunderer und Anhänger machen lein Hehl daraus, daß in Washington nicht alles so glatt verlausen ist, wie man bei Hoovers Amtsantritt erwartet hatte. Der Sicgcswagen des Triumphators ächzt und stöhnt bedenklich. Wohl hat noch jeder neue Präsident sich un- erwarteten Schwierigkeiten und Hindernissen gegenüber gesehen, aber um Hoover scheinen sie sich geradezu gehaust zu haben, und niemand scheint fd recht zu wissen, wie sie sich aus dem Wege räumen liehen.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem ihm nicht aus dem Sihungssaale des Senats recht lieblose Worte entgeoengesch.eudert werden. Das neu- gegründete ,,Publizitäts-Bureau" der demokratischen Partei in Washington feuert unausgesetzt Breitseiten ins republikanische Lager, und daL Weihe Haus ist die besondere Zie.scheibe. Die seit einem Jahre in Arbeit befindliche Zoll- Vorlage nähert sich im Senat dem Stadium, in dem sie zum Ausgleich der Meinungsverschiedenheiten dem Komerenzausfchusfe der beiden Häuser des Kongresses überwiesen werden kann. Ihr endgültiges Schicksal ist ebenso zweifelhaft wie ihre schließliche Fassung. Aber welche Gestalt sie auch annehmen mag, fo wird die Re- gierung kaum darauf stolz sein, wird sie niemals alle davon berührten Interessen zufriedenstellen. De LondonerFlottenkonferenzhat man sich in Washington sicher ganz anders vorgestellt. Allerdings pflegt über derartigen weltbedeutenden Zusammenkünften sich gerade in dem Moment die Sonne zu zeigen, wo das Gewölk am schwärzesten ist. und es ist möglich, dah dies freundliche Geschick auch der Fünsmächtelonserenz beschieden sein wird, wenn man es in wohlunterrichteten Kreisen auch kaum erwartet und diverse ..Sachverständige" und Zeitungskorre- spondenten sich bereits auf den Heimweg gemacht haben.
Man kann auch nicht behaupten, dah die hiesige Presse nur Worte des Lobes für „unseren Harry", wie Staatssekretär Slimsons Neuyorker Freunde den Chef der amerikanischen Delegation zu nennen belieben, hätten. Im Gegenteil, man wirft ihm vor, er sei nicht kräftig genug aufgetreten, vor allem habe er es nicht im selben Maß« wie die Engländer und die Franzosen verstanden, mit d?r in London vertretenen amerikanischen Presse in Fühlung zu treten, d c ihm ohnehin mit einer gewissen Voreingenommenheit, um nicht zu sagen Feindseligkeit, gegen- überstand.
Das Darnicderliegen des Geschäfts in den Vereinigten Staaten und die damit zusammenhängende Erwerbslosiakeit, über die allerdings zuverlässige statistische Ziffern nicht vorliegen, das Pech, ihr*? die von hem Präsidenten mit der Heilung Gebrechen der Landwirtschaft betraute Farmbehörde mit dem Preissturz auf dem Weizenmarkt hatte, der Verlust der Macht über die Vertreter seiner eigenen Partei im Kongresse sind einige der weiteren Momente, die Herrn Hoover Sorgen machen. Wenn man überhaupt die Geschäftsdepression einem Präsidenten auch nur teilweise zur Laft legen könnte, so wäre dies nicht Hoover, sondern s e i n Amtsvorgänger. Aber Hoover ist es, der die Verantwortung auf sich zu nchinen hat, genau so wie er den Lorbeer erhalten hatte, wäre cs — auch ganz ohne fein Zutun — anders gekommen. Coolid-
ges Gegner muhten die Erfahrung machen, dah man nach keiner Erklärung für gute Zeiten sucht, sondern sie freudig unbesehen hinnimmt, und jetzt ist es an Hoovers Freunden zu erfahren, dah schlechte Zeiten sich ebensowenig wegerklären, ebenfowechg entschul- oigen lassen.
Der Zwiespalt unter den Republikanern im Kongreß und die Gegnerschaft gewisser Senatoren batten im Weißen Hause als Guthaben verbucht und entsprechend ausgewertet werden können, hätte nicht das Prosperitäts-Faß plötzlich den Boden verloren, und wäre nicht der Kampf um die Prohibition neu und heftiger denn je zuvor aufg '.odert. Aber die Geschäftsleute und die Erregung wegen der Trinkfrage haben sich von den „konstruktiven Maßnahmen" des Präsidenten nicht im erwarteten Maße heben bzw. beschwichtigen lafsen. Es ist kein Geheimnis, daß Hoover von der Aufnahme, die seine Bemühungen und das Herausheben der Prohibition aus der Partnpolitik und die gesetzverfchärfenden Anregungen seiner Justizreform Kommission gesunden haben, alles andere als entzückt ist, wenn man sich auch nur schwer erklären kann, daß er anderes erwartet haben sollte. Offenbar ging er von der Voraussetzung aus, daß ihm, dem mit einer überwältigenden Mehrheit „trockener" Stimmen Gewählten und auf die Durchführung der Prohibition Verpflichteten alle Wege frei lägen, um während seines ersten Amtstermins die Theorie gründlich auf die Probe zu stellen, dah die Erzwingung der Trockenheitsgesetze durch deren Verschärfung und durch Beschaffung des nötigen Apparates möglich wäre, um dann im Lauf seiner erwarteten zweiten vier Jahre die zuvor gewonnene Erfahrung in etwaigen Vorschlägen zur Aenderung dieser Gesetze zum Ausdruck zu bringen.
Aber es tarn anders. Die Massen sind zu einer Attacke vorgegangen, die an Etohkrast alles bisherige Sturmlausen gegen die Prohibition in den Schatten stellt. Und diese Demonstration, die eindrucksvollste seit Inkrafttreten des Do'.stead - Gesetzes — eindrucksvoll nicht nur durch die Ehrlichkeit der Argumente, sondern namentlich durch das hohe Ansehen, dessen sich die für eine vernünftige Lösung des Problems cintretenden Männer in der Oeffent- lichkeit erfreuen — diese eindrucksvolle Kundgebung hat die Kreise des Präsidenten und seiner „Unentwegten" bedenklich gestört. Dazu ist in linem seit Urzeiten republikanischen Kongreh- distrikte im Staate Massachuse'.t , dem Heimatsdistrikte des früheren Präsidenten Coolidge, ein „nasser" Demokrat mit einer starken Mehrheit ins Unterhaus des Kongresses gewählt worden. In Reuyork, Rew Jersey und verschiedenen anderen der am stärksten bevölkerten Staaten mag im Herbst bei den Kongrehwählen ähnliches passieren, und die Prohibition'gegner in beiden Häusern des Kapitols rechnen bereits auf erhebliche Verstärkung ihreb Reihen.
Der Kampf um den Alkohol wird während der ganzen gegenwärtigen und der nächsten Kon- grehtagung nicht zur Ruhe kommen. Man wird Herrn Hoover keinen Waffenstillstand zur beschaulichen Erwägung des ..edlen Experiments" (wie er die seit nunmehr zehn Jahren im Gang befindliche Trockenlegung des Landes nannte) bewilligen. Man scheint im Kapitol auch herzlich wenig geneigt, die von seiner Justizreform- Kommission gemachten Empsehlungen zur erfolg» reicheren Erzwingung der Beso'gunz dieses Ge- setes ohne weiteres gutzuheihen. Und der Präsident hat wenigstens seinen Freunden gegenüber sich keine sonderliche Mühe gegeben, seinen Aer- gcr darob zu verheimlichen.
Auch der Umstand, daß man im Senat vier volle Tage lang über den von Hoover zum Rachfolger Ta t'- als Doti ender Richter des Bundes- Obergerichts ernannten CH. Evans Hughes hergefallcn ist und ihn einer geradezu beispiellos schonungslosen Kritik unterzogen hat.
trug nicht zur Aufheiterung des über dem Weihen Hause sich wölbenden grauen Himmels bei.
Kurzum, der erste Jahrestag der Regierung Hoover stand so sehr unter dem Eindruck der Unsicherheit, der ungelösten oder kaum halb gelösten Probleme, der Polemik, des Experimentierens, dah man sich ebensowenig ein klares Urteil über die verflossenen zwölf Monate bilden wie irgendeine Prognose für die kommenden ausstellen könnte. Das darf aber den Blick dafür nicht trüben, dah in Washington heute doch e i n wesentlich anderer ©ei ft herrscht, als während der letzten acht Jahre, dah hn Weihen Hause ein Mann sitzt, der Wissen und Können mehr schätzt und achtet als den Dollar, ein Mann, der sein Haus auf einer sicheren, zuverlässigen Grundmauer bauen will. Und gerade darauf sind die sich ihm entgegevstellenden Schwierigkeiten vor allem anderen zurückzuführen. Unter Männern von Intelligenz und Beschlagenheit ist Hoover zu Hause. Mit Gleichgesinnten vermag er sich zu verständigen. Richt aber mit den Parteipolitikern von Beruf, den vom Vorurteil befangenen Parteigängern. Ihre Sprache ist ihm fremd. Diesem Umstande mag man es zuschreiben, dah Herbert Hoover letzten Juni daraus verzichtete, die Führerschaft der konservativen Republikaner zu übernehmen und sie an einer seinen Wünschen entgegengesetzten durchgreifenden Reugestaltung des Zolltarifs zu verhindern. Dies Versäumnis führte zur Bildung der Koalition forlschrittlicher Republikaner im Senate mit den Demokraten, derzu'o ge ihm bei den Herbstwahlen so etwas wie eine politische Katastrophe droht.
Was die auswärtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten anbetrifft, kann man füglich auch nicht in Abrede stellen, dah ein Wandel eingetrct?n ist. Hoovers Echwierigk iten sind innerpolitischen Char.'ktcrs; sie sind darauf zurückzuführen,. dah er die parteipolitischen Drahtzieher nicht unter dem Daumen hat. Und wenn heute das Schicksal der Londoner Äon»' ferenz gefährdet ist. so darf man nicht außer acht lassen, dah der Einigung wenigstens bis zu einem gewissen Grade die Besorgnis entgegen- steht, die man im Weihen Hause wegen der im Kongreh zu erwartenden Opposition gegen ,zu weitgehende Verpflichtungen" hat. Eine Besorg- nis, die überflüssig wäre, wenn Hoover wirklich Führer seiner Partei wäre.
Der Kanastunnel.
Don unserem Korrespondenten.
London, März 1933.
Cs mögen jetzt etwa sechs Jahre her sein, da befaßte man sich in England schon einmal sehr ernsthaft mit der Frage, ob es lohnend und nützlich fei, den schon vor Jahrzehnten angeregten Bau eines Kanaltunnels zwischen Dover und Calais in Angriff zu nehmen. Amtliche Kommissionen wurden in Bewegung gesetzt, um die Durchführbarkeit dieses Projektes zu prüfen, Berechnungen wurden an- gestellt, zwischen London und Paris fand ein reger Meinungsaustausch statt, der aber ganz plötzlich abgebrochen werden mußte, weil sich der britische Ausschuß für nationale Verteidigung aus Gründen der nationalen Sicherheit mit dem Kanaltunnelbau nicht einverstanden erklärt hatte. Diese Stellungnahme erregte damals allgemeines Kopf- schütteln auch in England selbst, weil man sich mit Recht sagte, daß der Tunnel im Falle der Kriegsgefahr sehr rasch unbrauchbar gemacht werden könnte. Außerdem wurde mit Recht daraus hingewiesen, daß die französischen Lang- rohrgeschütze und die französischen Bombengeschwader dem englischen Jnselreich viel gefährlicher werden können als die unter dem Aermellanal hinwcglausende Verbindung mit dem Festland.
Inzwischen ist man aber dem Projekt wieder etwas nähergetreten: namentlich die Regic- ruttg Macdonald hat es begeistert aufgegriffen. Für ihre Haltung sind aber weniger Verkehrs» politische Gründe maßgebend gewesen. Vielmehr
ist cs die ungeheure Arbeitslosigkeit, die sie veranlaßte, sich mit der Frage des Tunnelbaues zu beschäftigen. Cie ist sich in ihrer Gesamtheit auch schon darüber schlüssig geworden, daß der Tunnel zu bauen ist. Der Bau selbst wird allerdings nur einer geringen Anzahl von Arbeitern Lohn und Brot geben. Man hofft aber, daß die sechshundert Millionen Mark, die in das Projekt hineingesteckt werden sollen, zu einer Ankurbelung der englischen Wirtschaft führen und auf diese Weise die Arbeitslosigkeit, die der Arbeiterregierung ernste Kopfschmerzen bereitet und ihr schon merk'iche Sympathieverluste eingebracht hat, sichtbar mildern werden. Hinzu kommt, dah nach Fertigstellung des Tunnels, der eine Bauzeit von etwa vier Jahren in Anspruch nehmen wird, eine Schnellverbindung mit dem Kontinent geschaffen ist, die ficherlich auch von Vorteilen für die Wirtschaft Großbritanniens begleitet fein wird.
Auch die gesamte englische Oeffentlichkeit ist mit dem Dau einverstanden. Sie hat längst eingesehcn, daß England davon nur profitieren kann. Dennoch machen sich bereits allerlei Widerstände geltend. Sie sind im Augenblick jedoch nicht militärischer Ratur. Es sind vielmehr d i c Luftverkehrs- und Schiffahrt-- Unternehmungen, die gegen das Projekt Sturm laufen, weil es auf der Hand liegt, daß nach der Fertigstellung des Baues die Reisenden nur noch die durch den Kanaltunnel fahrenden Schnellzüge benutzen und auf die Unbequemlichkeiten einer Luft- oder Seereise mit Freuden verzichten werden. Das letzte Wort hat aber wieder der Ausschuß für die nationale Verteidigung zu sprechen. Kommt er zu einer Ablehnung. dann wird der Kanaltunnel auch bis aus werteres nur ein schöner Traum bleiben.
Oberbeff en.
Som Sad'Äauhümer Krantenhausbau.
Inbetriebnahme des Jfolierhaufcs.
4 Bad-Nauheim, 2. April. Ein neues, zeitgemäßes 51 ranken Haus ist für unsere Stabt und bas Bad eine bringende Notwendigkeit, die seit Jahren immer wieder nachdrücklich betont w.rd. Das von der Spezialfirma Mohr & Weidner (Berlin) bearbeitete Projekt erfordert einen Aufwand von rund 1 Vi Millionen Mark. Da Mittel für den Gesamtbau noch nicht zur Versüaung stehen, wurde vom Stadtrat im Juli 1927 die Aus- f.ihrung eines Teiles des Gesamtprojekts, die Erbauung eines Jsolierhauses, beschlossen. Der Bau, dessen Kosten rund 300 000 Mark betragen, wurde im vergangenen Herbst sertiggestellt und kann jetzt in Betrieb genommen werden. Eine einfache Eröffnungsfeier fand heute nachmittag statt. Bürgermeister Dr. Ahl, der sich um die Losung des Projektes besondere Verdienste er- worben hat, konnte Gäste in größerer Zahl begrüßen, darunter Ministerialrat Dr. Schrohe vom hessischen Ministerium des Innern und der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, Ministerialrat Dr. Meller vom hessischen Finanzministerium, Kreisbirektor R e ch t h i e n , Obcrmebizinalrat Dr. Nebel (Friebberg), Mebizinalrat Dr. Häsling (Friebberg), Prof. Dr. Weber von der Bad- unb Kurverwaltung, Vertreter ber hiesigen Kurheime unb ber Aerzteschaft. Anschließend sprach Bürgermeister Dr. A h l über die Notwendigkeit der Gr- rid»kng des Krankenhausneubaus, dessen erste Etappe nun erreicht sei. Ministerialrat Dr. S ch r 0 h e sprach für die hessische Regierung, dabei feiner Freude darüber Ausdruck gebend, daß mit der Inbetriebnahme des Jsolierhauses der erste Schritt zur Verbesserung der Krankenhausverhältnisse der Bade, stabt getan sei. Dr. Haeberlin, ber Chefarzt des hiesigen Krankenhauses, gab sachkundige Erläuterungen über den Zweck unb bie Einrichtung des Baus. Die anschließende Besichtigung hinterließ ben Ein- bruck, baß bie Stabt einen Bau geschaffen hat, ber allen s2lnforberungen ber Neuzeit genügen dürfte. Das Jsolierhaus, bas in gesundester Lage am Rande bes Hochwaldes erstanden ist, enthält 20 Betten für Jnfektionskranke, welche Zahl auf 28 erhöht werben kann, unb 10 Betten rür Lungenleidende. Das Haus ist so eingerichtet, baß vier Abteilungen vorhanbcn
Gießener Giadttheater
Wtacomo Puccini: „Maddmc Butterfly"
Im Spielplan unserer Opernbühnen nimmt Puccini s ..Madame Butterfly" eine ganz besonders bevorzugte Stellung ein: und obwohl sie nun schon über zwei Jahrzehnte dem Revertoire eingegliedert wurde, hat sie noch nichts von jener starken Wirkung, die sie seinerzeit auf die Musikwelt, Musike.'. Sänger und Theaterbesucher ausübte, cingcbüfjt.
Richt zum wenigsten - mstg das im Text 6c-' gründet sein, der durch die Gegenüberstellung nüchterner, amerilanird)er Lebensauffassung mit dem traumhaft-primitiven, naiven T ärchenerloben einer hingeoungsvollen Frauenseele Prol lerne berührt, die in ihrer Gegensätzlichkeit auch die heutige Zeit in gleicher Weife wie früher noch zu fesseln vermögen. '
Gerade im Gegensatz zu der in unserer modernsten Oper stark entfachten Sensationslust, tritt hier das Allgemein-Menschliche mit seiner ethischen Auswirkung in den Vordergrund: es ist nicht bloßes Theatergelchehen, das schon oft behandelte Motive immer wieder variiert, sondern ein unbedingt einmaliger Fall der Charakterentwicklung eines an ich primitiven, aber in seinem Innern unverfälschten Menschen, der durch die Verkettung widriger Umstände zu einem Helden erwächst, der sein Letztes, sein Leben für feine Ehre einzusehen imstande ist.
Das gleiche Recht, das die abendländische Gesellschaftsordnung für sich in Anspruch nimmt, will die rechtlose, käufliche Geisha Cho-Cho-San, ..genannt Butterfly", auch für sich gellend machen: für Linkerton ist es nur eine Scheinehe, für sie aber ein Bund für immer mit allen daraus erwachsenden Verpflichtungen und Folgerungen: Dieser doppelten Moralauffassung muß sie zum Opfer fallen. Durch die Liebe ist sie dem Lin» lerton in ebenbürtige, menschliche Rähr gekommen, und die Verkennung ihrer ursprünglichen rechtlichen Stellung wird ihr Sintergang. Für Linkerton ist es eine Episode, die er zwar später bereut, als er die Tragweite und die Folgen seines derzeitigen Handelns einsieht. Wenn er auch dem Kinde, das beiden beschieden war, in seiner rechtmäßigen amerikanischen Gattin eine neue Mutter geben will, so hat er dennoch das Ehrgefühl der Butterfly unterschätzk, das noch
stark in den japanischen Anschauungen wurzelt. Ihr angeborncr adliger Sinn läßt sie diese Kränkung nicht überleben, und mit demselben Messer, das einst der Mikado ihrem Vater übersandte, damit dieser seinem Geben damit ein Ende mache, gibt sie sich den Tod und folgt so dem Spruche, der auf der Klinge des Messers eingeriht ist: ..Ehrenvoll sterbe, wer nicht länger mehr leben kann in Ehre."
Die Anregung zu dem Werke empfing Puccini in London durch das Butterfly-Drama, das David D e l a s c 0 nach einer Rovelle von John Luther Cong geschaffen hatte. Dieselben Textdichter, die schon vorher die Oper ^Bohöme" bearbeitet hatten, liehen in dem Libretto die eigenartige, märchenhaft-idyllische, japanische Ephäre bildhaft toerben. Die ursprüngliche drei- aktige Fassung des Textbuches wurde auf Puc- cinis Anregung hin auf zwei Akte beschränkt: als sie aber in dieser Form gelegentlich der Uraufführung in der Scala ostentativ vom Publikum abgelehnt wurde, nahm Puccini in engster Fühlung mit den Librettisten eine Umarbeitung in der jetzt vorliegenden dreiaktigen Form vor.
Puccini ist durchaus ein echter Theatermusiker: der ,absoluten" Musik blieb sein Schaffen fern. Er selber bekennt von sich, daß ihm „nie auch nur eine Zeile ohne den Anlaß einer ihn unmittelbar berührenden theatralischen Sensation einfiele.“ Die Errungenschaften seiner Vorgänger, zumal des älteren Verdi und auch Richard Wagners, sind auf seinen Stil nicht ohne Einfluß geblieben. Eins aber war ihm ganz besonders gegeben, die grundlegende Stimmung einer Situation in einer scharf ausgeprägten melodischen Linie eimufan- gen. Seine musikalischen Symbole sind überaus treffend und charakeristisch bezeichnend, mit einer ganz besonderen Liebe nimmt er sich der ornamentalen Illustrierung einzelner kleiner Züge an.
Im Mittelpunkt der Butterfly-Musik steht die Titelheldin, die ja auch, abgesehen von wenigen Szenen, ständig an dem Bühnengeschehen aktiv beteiligt ist, ein nicht zu unterschätzender Kunstgriff der Textdichter. Die Charakterentwicklung der Butterfly erschließt sich erst völlig durch die »>er Musik möglichen seelischen Einblicke: jene beiden Welten, die sich in der Handlung ab- spiegeln, finden in der Musik ihr getreues ®egen- bild: einmal, indem der Komponist der abendländischen Musik folgt, zum andern, indem er
alles, was auf die ostasiatische Sphäre hinweist, durch ganz besondere Mittel der Harmonik und typische Jnstrumentalfarben charakterisiert. Aehn- lich wie er später in feiner „Turandot" an originale chinesische Melodien an knüpft, so verwebt er hier japanisches melodisches Originalgut in die Partitur. Dabei ist es besonders erstaunlich, zu beobachten, wie er jenes fremde Material organisch einzuschmelzen vermag.
Das exotische Gepräge, das man gelegentlich der ersten Aufführung des Merkes als ganz besonders reizvoll, vielleicht durch seine damalige Reuheit, erkannte, ist nach den (Snttoidlungen, durch die die neuere Musik in den letzten beiden Jahrzehnten hindurchgegangen ist, vielleicht als solches für uns etwas verblaßt: als Ausdruckswert dagegen ist die durch überaus starke Anwendung alterierter Akkorde und besonderer Klangmischungen genährte Musik unserem heutigen Musitempfinden bedeutens nähergckommen, und was man damals als äußeres Milieukolorit ansah, ist für uns heute ein musikalischer Mert geworden. So wird die Butterfly-Partitur gewiß jeder Zcitentwicklung etwas zu geben vermögen, und damit wäre ihre Lebenskraft gewährleistet. —
Die Aufführung durch die Kräfte des Mainzer Stadttheaters wahrte im Bildhaften Der Szene, in der Darstellung und im Musikalischen ein wohl abgewogenes Gleichgewicht und bot fo eine sehr anzuerkennende, einh-eitlich-r Leistung. Die Titelpartie fand in Hermine Dippel eine nahezu ideale Verkörperung. Sie ließ das Buttcrfly-Drama in allen feinen Phasen sich erschließen, im Glück der hingehenden Liebe, in der auf unerschütterliche Treue gegründeten Miedersehenshoffnung, in den zu tragischer Größe sich erhebenden letzten Szenen: stets stark im Dulden, Vergeben, Hoffen und Handeln, wuchs sie zur Heldin mit überzeugender Kraft heran. Zuerst war sie eine singende Geisha, die über dem Chor ihrer Freundinnen dominierte, dann wurde immer mehr ihr Singen ein Künden letzten innersten Erlebens, ein Strömen ihres Organs im Liebeshymnus, charakterisierend und voll dramatischer Kraft in der Erwartungsarie, ein äußerstes Srfchüttertsein bei der letzten Umarmung ihres Kindes, — und dennoch wieder welch schlichter, naiver Töne war sie fähig im Wiegenlied. Sie ist eine vollendete Künstlerin, die
ihrer Stimme das Letzte an Ausdruckskraft in der Höhe des Affektes ebenso abzugewinnen fähig ist, wie die intimste, feinste, keuscheste innerste Regung.
Hans Hoefflin gab dem Linkerton eine Ge ftaltung, die mehr das Leichtfertige als das Skrupel- lose seines Charakters betonte, und die in dem durch brechenden Reuebewußtsein menschlich warme Töne wachwerden ließ. In Gießen hatten wir schon oer- schiedentlich Gelegenheit, ihn als Sänger zu bewundern mit der Ausgeglichenheit, Weichheit und Expansionsfähigkeit feines sympathisch gefärbten Tenors. Als Kontrast zu dein schwankenden Charakter des Linkerton war Konsul Sharpleß (Herbert Hesse) der Hüter der Moral mit väterlich warmer Anteilnahme an dem Schicksal der Butterfly: edle Menschlichkeit sprach durch den Vertreter der Rolle zu uns, dessen darstellerische Fähigkeiten durch hervorragende stimmliche Qualitäten zur überzeu genden Einheit wurden. Luise Strauß war eine mitfühlende Dienerin mit fein timbriertem Organ und l'ebevollem Einfühlen in die szenischen Gegebenheiten. Paul Berger war ein Goro von ausgeprägter Charalteristik, teuflisch, verschlagen, und mit stets bewiesenem stimmlichen Können. Hans G ö r l i ch als Onkel Bonze gab der Fluchszene eine besondere dramatische Wucht.
Die Chöre waren fein abgestimmt, und verstärkten die szenische Auswirkung, zumal im zweiten Akte. Das Orchester bewährte wie immer feine Fähigkeit zur Durchführung größter Aufgaben. Heinz Berthold arbeitete die dramatischen Höhepunkte der Partitur ebenso profiliert heraus, wie er den feinsten lyrischen Stimmungen nachzugehen vermochte. Nur bei der Begleitung der Sänger hätte er den Orchcsterpart viel mehr abdämpfen müssen, um die der menschlichen Stimme unbedingt zu- stehende Geltung zu ihrem Recht kommen zu lassen. So wurden in einzelnen Szenen die Solostimmen fast völlig durch das Orchester übertönt und so mancher Moment in seiner legten höchsten Auswirkung gemindert.
Der reiche Beifall mag für die Intendanz gleichzeitig als Dank der Hörer gelten; vielleicht wäre es aber doch zu erwägen, bei kommenden Dperngafti spielen, die ja für Gießen zwar sehr seltene, aber darum um so höher geschätzte Ereignisse darstellen, eine Wiederholung von Werken, die schon in früheren Jahren zur Aufführung gelangten, zu vermeiden«
Or.H.


