Ausgabe 
2.10.1930
 
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Nachdruck verboten

28. Fortsetzung.

Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von L. Schne»der-Foerstl.

Urheber-Rechtfchuy durch Vertag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

sich. Wie einen solch ein Lachen ans aller Fassung bringen konnte:Seien Sie nicht böse. Schwe- ter, ich bin noch etwas aufgeregt.

Soll ich bitten, bah man drüben etwas mehr Ruhe hält?" fragte die Schwester zuvorkommend.

Um Gottes willen! Rein! Es stört mich nicht, wirklich nicht, Schwester. Es hat mich nur an jemanden erinnert."

Es war längst stille geworden nebenan, aber immer noch hörte Helene das sieghaft Perlende Lachen in sich nachklingen. Den Abendtisch sieh ie unlustig über sich ergehen. Ganz leise nur kam ab und zu der Bruchteil eines verirrten Tones der Musikkapelle, die unten im Speisesaal kon­zertierte, nach ihrem Zimmer herauf.

Der rote Seidenschirm der Ampel warf ein blütenhaftes Licht über den behaglichen Raum und tauchte die Gegenstände in einen rosenfar­benen Schimmer. Sie sah noch angekleidet in ihrem Stuhle, die Decke war zu Boden ge­glitten, ohne daß sie es bemerkt hatte.

Zweimal war die Schwester schon hier gewesen und hatte gebeten, sie möchte sich jetzt zur Ruy« begeben. Aber immer wieder hatte sie verneint. Die Rächte waren so fürchterlich lang in ihrer Schweigsamkeit. .

Nebenan drehte sich jetzt em Schlussel. Sie hörte das leise Knacken des Lichtschalters, dann eine Stimme, die kosend zärtlich eineGute Rächt" wünschte.

Und dann eine andere eine andere! -- Helenes Arme fielen herab. Schweiß brach ihr aus allen Poren und stand in kalten Tropfen auf der weihen Stirne, hinter der wahnsinniger Schrecken und unerhörte Angst hämmerte.

Sie stemmte sich an den Seitenlehnen deS Stuhles hoch und hielt sich taumelnd auf den Fähen. Bom Sessel nach dem Tisch von dort den Heizkörper entlang und die Wand hinunter- taftcn». erreicht fic die Türe Der Korridor lag im matten Lichte des milchglasfarbenen Beleuch­tungskörpers. , . ,

Es waren nur fünf Schritte von ihrer zu lener anderen Tür hinüber. Aber das Herz tobte, als ob es seit Stunden gehetzt und durch alle Not der Schrecken gegangen wäre. Ihr Knöchel klopfte leicht gegen die gelbweihe Füllung. Roch ehe der Schritt, der drinnen hörbar wurde, näherkam. hatten'ihre zitternden Finger bereits geöffnet.

Sie haben sich in der Rümmer geirrt', sagte eine Männerstimme ungehalten. .

Dann hinter dieser Stimme ein Aufschrei: Mama!" Graf Donnerswoda fühlte sich zur Seite gerissen. Zwei Arme umfaßten Helene, die sich mit letzter Kraft aufrechtzuerhalten suchte. Mama! Hhlmar um Gottes willen, hilf mir doch!" , _

Das farblose Gesicht des Grafen erwachte aus seiner Betäubung. Leben kam in seinen schreck­gelähmten Körper. Er brachte einen Stuhl herbet und sah Hella neben der halb ohnmächtigen Frau in die Knie gleiten. Ihr blonder Kopf lag gegen die Brust der Mutter, deren Hande sie mit Küssen bedeckte. Dazwischen flehte ihr Mund in angstvoll heiserer Bitte: »Mama! Liebe, liebe Mama!" (Fortsetzung folgt.)

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Bielleicht ein Rest ihrer sogenannten Liebe", sagte er verächtlich.

Sie willigt in eine Scheidung und versichert dich ihrer eigenen Treue. Liest du da nichts zwischen den Zeilen?"

3a! stieß er heraus.Sie hat das Zeug zur Komödie. Sechzehn Jahre hat sie sich darin geübt und jetzt, wo sie sich nicht mehr von mir erreichbar weiß, führt sie den Schlag,« den sie schon längst überlegt und geplant hatte."

Die Geheimrätin getraute sich keinen weiteren Einwand mehr zu machen. 3eder Besuch, die Schwiegertochter zu entlasten, war in dieser Mi­nute vergeblich. Auf ihre Frage, ob sie ihm einen Bissen Essen heraufbringen dürfte, ver­neinte er barsch.Aber die Mädchen schickst du nach einer Stunde zu mir."

Laß erst noch eine Woche vorübergehen, Iust, oder zwei", sagte sie bittend, und als er nichts erwiderte, mahnte sie ernsthaft:Cs handelt sich um ihre Mutter, 3ust! Bin ich dir nicht auch immer der Inbegriff alles Heiligen gewesen?''

Du hast mich auch nie feig im Stich gelassen.

Helene hat für ihre Kinder in jeder Weise gesorgt und will für den kleinen Iust allmonatlich schicken."

Da fuhr er auf, dah das Tintenfaß kippte und die schwarze Flut unter Heften und Büchern den Weg nach dem Boden suchte.

Erschrocken riß die Geheimrätin ihr Taschentuch heraus und hielt das Rinnsal mit der schneeigen Weihe des Leinens auf.

Franke rührte keine Hand. Was lag an dem allen?Laß!" sagte er, wurde noch einen Schat­ten bleicher und rih Helenes Brief weg, der ganz in die nasse, schwarze Schicht eingetaucht lag. Rur hier und dort war noch ein Wörtchen leserlich.

Es schien, als wäre der Brief das Bahrtuch, das über dem Katafalk seines begrabenen Glückes lag.

* . *

Lieber Firne und Gletscher, über die Schat­ten der Täler hinweg, hinauf in die Höhen, die kein Adler mehr suchte, wuchtete dieIungfrau in das violette Licht des Abends. Die Sonne ver­schwendete Pfeile von glühenden Strahlen, die sie wie eine rubinene Krone umzitterten. Sie rannen als tropfendes Gold an ihrer vereisten Brust herab. Keiner erwärmte sie, keiner drang bis zum Herzen dieser schweigend Vereinsamten.

Sie hat ein Herz wie du, Madonna von della Travestare." Helene sah an dem breiten Fenster ihres Absteigequartiers in Interlaken und sah zu den vereisten Hängen hinauf, um die sich die Schatten graublauen Dämmers legten.

Vom Fieber geschüttelt, von seelischer Rot gepeinigt und wilder Verzweiflung gepackt, war sie aus Italien geflohen und hatte nur den einen Wunsch gehabt, so weit zu kommen, daß kein welscher Laut mehr an ihr Ohr drang.

Sie hatte gehofft, womöglich noch deutschen Boden zu erreichen, aber hier in Interlaken war sie zusammengebrochen. Tage und Wochen schwebte Bewußtlosigkeit wie unsichtbarer Flügel­schlag über ihr. Erst seit achtundvierzig Stun­den war sie aus häßlich wirren Träumen er­

wacht und hatte das Gesicht einer Pflegerin über sich geneigt gesehen.

Hinter ihr öffnete sich geräuschlos eine Türe und klinkte sachte wieder ein. Sie wandte kaum das Gesicht, denn sie kannte den Schritt, der so lautlos über den Teppich kam und neben ihr »alt machte:Schon wieder in Träumen, gnä­dige Frau?"

Aber in wachen Traumen, lieber Doktor!

"Es ist eines so schlimm wie das andere und für Ihre Genesung ein großes Hindernis." Der Arzt setzte sich auf einen Stuhl' ihr gegenüber und ließ die graublauen Augen über seine schöne Patientin hingehen. Langsam griffen seine weißen Finger nach ihrer linken Hand und fuh> ten das rasche Schlagen des Pulses:Es ist noch immer nicht so, wie ich es wünsche." Er klappte den Deckel der Llhr zu und ließ diese in die Westentasche gleiten.Wenn Sie aber in den nächsten Tagen eine Spazierfahrt machen wollen, kann ich das schon erlauben."

Wie weit?" , . .

Er sah sie lächelnd an:Eine halbe Stunde! Unter Llmständen eine ganze. Wie weit man eben da kommt." ,

Ich will aber fort! Ganz fort!' rief sie etregt.

Hm! Vorläufig geht es nicht. Sie müssen sich gedulden, Gnädigste. Ein Rückschlag wirft Sie um Wochen zurück.'

Was ist es denn eigentlich, daS mich so lächer­lich schwach und müde macht?" klagte sie.

Fieber!" sagte er ruhig.

Sonst nichts?"-- r

Lind ein schwerer -Nervenzusammenbruch. Man trennt sich eben doch nicht so ganz ohne seelische Erschütterung von Mann und Kindern."

Aus staunend geweiteten Augen sah sie ihn an. Wer hat Ihnen davon gesprochen?"

Niemand! Ich habe mir daS aus Ihren Fieberreden zusammengereimt. Er ruckte ihr die Decke, welche langsam zu Boden glei­ten wollte, wieder zurecht und rang mit einem Entschluß, ließ die Schultern, welche er gestrafft hatte, wieder nach vorne fallen und erhob sich.

Ich wünsche Ihnen eine recht gesegnete, frred- farne Nacht! Verscheuchen Sie alle schweren Ge­danken, gnädige Frau!"

Sie nickte und sah ihm nach, wie er unschlüssig aus dem Zimmer ging. Was verschwieg er ihr? Seinem Schritte horchend, der sich draußen nach der Treppe hin verlor, lauschte sie auf das Lachen, das aus einem Zimmer nebenan an ihr Ohr klang.

Sie wurde bis in die Lippen fahl und schüttelte ungläubig den Kopf. Da flog dieses Lachen wiederum auf. Gleich einer Perlenschnur reihten sich die Töne aneinander.

Ihre Hand rih an der Klingel, die neben chrem Stuhle herabhing.

Die Schwester kam eilig:Gnädige Frau? Helene rang nach Atem:Wer wohnt neben mir?" .

Die Pflegerin hob erleichtert die Brust und gab Bescheid. r

Die Blässe des schönen Frauengesichtes verlor

ßen am vorigen Sonntag wird uns berichti­gend gemeldet, daß Stadtratsmitglied Schwie- d e r bei der geselligen Feier im Gasthaus Hin­denburg auf Ersuchen des Oberbürgermeisters die Stadtverwaltung und den Stadtrat vertrat und in dieser Eigenschaft zu den Gästen ge­sprochen hat. Bei dieser Gelegenheit hat er als Vorsitzender des Verkehrs- und _ Verschone- rungsvereins gleichzeitig dessen Grüße an die Gäste übermittelt.

* Folgenschwer er Motorrad - Unfall. Gestern nach 21 Llhr verunglückte hinter Klein-Linden ein Motorradfahrer so schwer, daß er mit einer Schädelverletzung besinnungs­los in die Chirurgische Klinik eingeliefert wer­den mußte. Der Verunglückte heißt Faber: über seinen Wohnort sowie über sein augenblickliches Befinden konnte noch nichts ermittelt werden.

Vereitelter Morphiumschwindel. Der Polizeibericht teilt mit: Dieser Tage ver­suchte der 46jährige wohnungslofe Elektromonteur Ernst Laas aus Näviges, bei einem hiesigen Arzt durch Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Besitz von Morphium zu kommen. Laos, der anscheinend starker Morphinist ist, war im Besitze einer Spritze und eines Fläschchens mit Mor­phium, das er vermutlich in Essen auf betrüge- rische Weise erlangt hat. Kurz nach seiner Fest­nahme brachte er sich mit feinem Messer ver­schiedene Schnittwunden auf der Brust bei, die seine Einlieferung in die Klinik notwendig machten.

** Verhaftung eine« Schwindlers. Ein angeblicher Dr. Dorberg-Schürmann aus illm bestellte vor einigen Wochen bei einem

Das leise Weinen der Geheimrätin klang wie eine Totenklage durch den Raum.Das ist ja acht möglich, Iust! Das kann sie doch nicht >ei klarer Besinnung geschrieben haben! Vielleicht n einer Stunde fürchterlichster Depression und lngeheurer Gemütserregung."

Er sagte nichts. Rur sein Blick sprach von er Maßlosigkeit der Qual, die hinter seiner un- ^eimlichen Ruhe schrie.

Willst du nicht zu ihr fahren?" Sie sah nach em Datum und dem Orte der Aufgabe. Aber eides fehlte.Sag, Iust, ist es nicht das einzig ichtige, wenn du, ehe du alles Hoffen aufgibst, ^ich noch einmal mit ihr aussprichst?"

Rein!" Cs war das erste Wort, das aus ' zinem verschobenen Munde kam. Hart, mit großer 2eberwindung, war es herausgestoßen.

Ihre Zeilen sind sicher aus bitterster Rot und 'Zerzweiflung heraus geschrieben." Sie sah das jittern seiner farblosen Lippen, erschrak über den alten Ausdruck, der seine Züge hart und ver- nssen machte und legte etwas scheu ihre Hand iber die seine, die auf der Schreibtischkante uhte.War sie dir nicht immer eine zärtliche Stau? Hättest du dir für deine Kinder eine andere Mutter gewünscht?"

Heber sie hinweg ging sein Blick nach den Scheiteln der Berge, die in satter Ruhe in die Mittagsstille hingegossen lagen. Verspätete Schwalben schossen mit hellem Geschrei an den Fenstern vorüber. Eine Hummel irrte flugmüde über das Sims und rastete auf dem weißen Rahmen.

Die Stimme der Geheimrätin schlug eine Dresche in das unheimliche Schweigen.Den Kindern darfst du es nicht zu wissen tun. Iust. Es Würde ihre Iugend vergiften."

Die Lider sielen ihm schlafmüde über die durch­wachten Augen.

Just! Mein lieber, alter Iunge, sie hat dir alles überlassen und nichts für sich behalten. Gibt dir das nicht zu denken?"

Es war kaum verständlich, was er antwortete: Die Kinder sind ihr hinderlich! Am meisten aber ich selbst! Ich Narr, der ich sechzehn Iahre nichts von ihren wahren Gefühlen ahnte und mich ihres Besitzes vollständig sicher glaubte. Ich vermeinte jeden ihrer Gedanken zu kennen und wußte nicht, daß sie solche in ihrem Herzen erwog. Darum überkommt es mich letzt l°Noch^Anmal wagte die Geheimrätin für die Schwiegertochter einzutreten und sie in Schuh zu nehmen.Iust, wenn du k^n Brief nüt Ruhe liest, muht du doch fühlen, daß er unter unsäg- sichern Leid geschrieben ist.'

tober konnte ferner der Schlofsermeister Georg (Euler, Hammstraße 1, auf das 25iahriae Be­stehen seines Geschäftes zurückblicken. Der Jubilar hat seinen Betrieb aus kleinen Anfängen zu der heutigen Höhe und Leistungsfähigkeit entwickelt.

"Städtische Grund st ücksverpach- tun gen finden am Montag, dem 6. und Diens­tag, dem 7. Oktober, statt. Näheres siehe Amtliche Bekanntmachung.

» Eine Fordkarawane mit den neuesten landwirtschaftlichen Maschinen, besonders Trak­toren weilt zu einer Vorführung am morgigen Tage von 10 bis 14 ilhr auf dem Gelände des SSoktutcd Faber in Gießen an der Straße nach Wieseck und führt dort alle Maschinen unver­bindlich vor. Man beachte die heutige Anzeige.

♦♦ Zum Taunidenbesuch in Gießen. Zu unserem gestrigen Bericht über den Besuch der Mitglieder des Frankfurter Taunusklubs in Gie-

hiesigen Optiker ein Fernglas zum Preise von 140 Mark. Als nach Lieferung des Glases der Kaufpreis nicht einging und alle Zuschriften un­bestellbar an den Geschädigten zurückkamen, stand für diesen fest, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Einige Zeit später wurde bei dem Geschädigten wieder ein Glas durch einen Dr. S t e v e n s aus Diberach-Riß bestellt. Der Geschädigte erstattete Anzeige. An Hand der Korrespondenz beider Besteller konnte von der Kriminalpolizei einwandfrei festgestellt werden, dah es sich um ein und dieselbe Person handelte. Auf telephonisches Ersuchen an die Kriminal­polizei Diberach-Rih konnte der angebliche Dr. Stevens in der Person des von der Staats­anwaltschaft illm wegen Betrugs gesuchten 23er- treters Friedrich Vorberg aus Lüttringshausen festgenommen werden, ilm bei seinen Opfern allen Argwohn wegzutäuschen, benutzte Dorberg zu seinen Bestellungen Briefbogen mit der auf­gedruckten Adresse: Dr. Stevens, Handelsver­treter, Diberach-Rih. Haftbefehl wurde gegen Dorberg erlassen. . .

Fe st genommen wurden auf Grund eines Haftbefehls ein hier wohnhafter Kaufmann und auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Plauen der Buchbinder Gerhard B ö r tz aus Bochum.

" Gestohlene Schreibmaschine. Wie der Polizeibericht meldet, wurde hier eine Reise­schreibmaschine, MarkeErika", mit der Fabrik­nummer 104 742 gestohlen. Mitteilungen über deren Verbleib werden an die Polizei erbeten.

** Fahrraddieb st ähle im September. Vom Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Im Septem­ber wurden folgende Fahrräder gestohlen: Damen­rad, MarkeLehrmann": Herrenrad, MarkeMiele ? Fabriknummer 60056; Herrenrad, MarkeMisa", Fabriknummer unbekannt; Herrenrad Marke NSU.", Fabriknummer unbekannt; Herrenrad, MarkeCorona", Fabriknummer 529570.

** Sichergestellte Fahrräder. Bei der Polizei wurden sichergestellt: Herrenrad, Marke .Alemannia"; Herrenrad MarkeBrentano"; Her- renrad, MarkeC.Leich"; Herrenrad, MarkeTor- pedo"; Herrenrad, MarkeMiele"; Herrenrad, Marke .Germania"; zwei Herrenräder, Marke unbekannt; Herrenrad, MarkeGoldrad".

Aus dem Dad-7!auheimer Musikleben.

WSN. Bad-Nauheim, l.Okt. Nachdem in den letzten Iahren wiederholt erhebliche ilm- stellungen im Kurorchester vorgenommen worden waren, dürften mit Ende der diesjährigen Sai­son auch die Mitglieder des sog. Meininger Orchesters nicht mehr wiederkehren. Sie werden im kommenden Sommer durch das Städtische Orchester in Mainz erseht. Die Leitung der Kurkapelle verbleibt in den Händen von Generalmusikdirektor Heinz B o n - gartz. Dieser wird im kommenden Winter in einer Reihe von Symphoniekonzerten in Mainz tätig sein. Das nunmehr aufgelöste Kur­orchester brach te im vergangenen Sommer sechs Symphoniekonzerte zur Aufführung; eS fcmd wei­ter bei 5 Opern- und 6 Operettenvorstellungen Verwendung. Nebenher liefen noch die üblichen Kurkonzerte. Unter der Leitung von Bongartz erreichte das Orchester eine bedeutende künst­lerische Höhe, die im besonderen in den Sym­phoniekonzerten stark zum Ausdruck kam.

Wiedersehensfeier

der alten Laubacher Gymnasiasten.

Laub ach, 30. Sept. Am SamStag und Sonntag fand hier eine WiedersehenS- feier der ehemaligen Lehrer und Schüler des hiesigen (früheren) Gymnasiums Fride-

meisteramt Groß-Rechtenbach angeregte Frage der Einführung von Rückfahrkarten auf der Kraftpost GießenHochelheim mxhmals ein­gehend geprüft. Da bei der rückläufigen Entwick­lung der Einnahmen vieler Kraftposten als Folge der ungünstigen Wirtschaftslage be­sondere Vorsicht bei der Festsetzung der Fahr­preise auch im Interesse der Garantiegemeinden geboten ist, hat die Oberpostdirektion die Einfüh­rung von Rückfahrkarten zu einem ermäßigten Preis vorläufig zurückstellen müssen.

** Fremdenvorstellung i m Stadt­theater. Man schreibt uns: Als Fremdenvorftel- lung bringt das Gießener Stadttheater am nächsten Sonntag. 5. Oktober, zum letztenmal einen der er- solgreichsten Schwänke der letzten Spielzeit:Week­end im Paradies" von Arnold und Bach. Die Spiel­leitung von Heinrich Hub mit seiner Darstellerschar holt aus der zwergfellerschütterndea Handlung das Möglichste an Situationskomik heraus, so daß alle, die gerne lachen möchten, aus vollem Herzen zu­stimmen werden. Beginn der Vorstellung 18 Uhr, Ende 20.15 Uhr. Es sei nochmals darauf hingewie- scn, daß diese Aufführung die einzige Wiederholung des Schwankes ist.

* Aus dem Gießener Standesamt s- r c g i ft c r. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 30. September: 17. Peter Iakob, Fuhrmann, 61 Iahre, Weidengasfe 7. 18.WU- helm Bechtold, Geschäftsführer, 49 Iahre Mar­burger Straße 40. 20. Luise Theodore Baulke. geb. Einolf, 63 Iahre, Wolfstraße 21. 20. Dr. Franz Gerhard, Obergewerberat, 67 Iahre, Bahnhofstraße 66. 20. Ludwig Wiedmeyer,

Schuhmachermeister, 76 Iahre, Kirchenplatz 6. 22. Christine Zörb, geb. Mehl, Witwe, 76 Iahre, Mäusburg 9. 23. Konrad Rau, Arbeitsinvalide, 65 Iahre, Sandgasse 18. 24. Elisabeth Mulch, ohne Beruf, 89 Iahre, Walltorftraße 67. 25. August Pick, Gärtner, 38 Iahre, Schottstr. 13. 29. Katharine Hedderich, geb. Schomber, 61 Iahre, Kaplansgasse 19.

** Die Aussteuer einer Tochter, auf Die diese einen Rechtsanspruch hat, soweit sie <ilfo angemessen ist, ist so lesen wir in den von Bücherrevisor Hermann Will herausge­gebenenAktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 19) keine Schenkung im Sinne des Schen- kungssteuergesehes. Sie gilt nicht als Ausstattung im Sinne dieses Gesetzes, so daß die Aussteuer auch dann steuerfrei ist, wenn sie nicht innerhalb zweier Iahre zur Einrichtung des Haushaltes Verwendung gefunden hat. Das Finanzamt kann also einen solchen Verwendungsnachweis nicht fordern (Reichsfinanzhof 8. April 1930 1 e A 103/30). , _ _

' Der Herbstkartvffelversand. Zum Beginn des Herbstkartosfelversandes fei darauf aufmerksam gemacht, daß die Interessenten viel zur Beschleunigung des Verkehrs beitragen kön­nen wenn nachstehende Punkte beachtet werden: 1. Kartoffelsäcke mit Stricken (nicht Strohseilen) fest und so zubinden, dah ein zum Anfassen dienender Knopf gebildet wird. Schadhafte Säcke werden zurückgewiesen. 2. Nur feste Tafeln oder Fahnen aus Holz, Pappe oder anderen haltbaren Stoffen mit gegen Ausreißen gesicherten Oesen verwenden. Anzahl der Stücke auf den An­hängern vermerken und auf genaue Lieberein­stimmung der Angaben mit dem Frachtbrief ach­ten. In den Säcken ist obenauf ein Doppel der Anschrift mit genauer Angabe der Herkunft und Bestimmung fest anzubringen.

** Geschäftsjubiläen. Friseurmeister Georg Wohl, Neustadt 33, feierte gestern sein 50. Berufsjubiläum. Seit unaefähr 40 Jahren be­treibt er ein eigenes Geschäft, das er im Jahre 1928 wesentlich vergrößern konnte. Am 1. Ok-

ricianum statt. Das Fest begann mit einem Festkommers am Samstagabend im Saale deS Solrnser Hofes". Apotheker Dr. Roßbach

(Laubach) begrüßte im Auftrag des Vorstandes der Gymnasiastenvereinigung die zahlreich von nah und fern erschienenen Altpennäler mit herz­lichen Worten. Den Willkommensgruh der Stadt Laubach entbot Bürgermeister Högy, wobei er auf die guten Beziehungen zwischen den ehemali­gen Gymnasiasten und der Stadt Laubach hin­wies. Den Dank an die ehemaligen Lehrer, unter denen auch neben vielen anderen der 74jährige Geh. Rat Prof. Dr. M o h r (Büdingen) erschienen war, sprach Studienrat Dr. Blank (Gießen- aus. Bei dem Festgottesdienst am Sonn­tagvormittag in der hiesigen Kirche hielt Pfarrer Wilhelm Weinberger (Friedberg), ein ehe­maliger Laubacher Schüler, die Festpredigt. Daran anschließend sand in der Realschule (dem früheren Gymnasium) eine schlichte Feier statt, bei der einer der ältesten früheren Ghmnasiästen, Redakteur Iutzi (Köln) der in den letzten Iahren verstorbenen Schulkameraden gedachte. Rach dem gemeinschaftlichen Mittagessen im Solrnser Hof" fand ein Spaziergang auf den nahegelegenen Rarnsberg statt, wo eine Auf­nahme der Festteilnehmer gemacht wurde. Den Abschluß der Festlichkeiten bildete am Abend Tanz imSolmser Hof". Bei den Klängen einer vorzüglichen (Gießener) Musikkapelle schwanden in echter Schulkameradschaft die Stunden rasch dahin. Manche alte Erinnerung, die sich an die frohe Gymnasiasten- und Iugendzeit in Laubach knüpfte, wurde wieder wachgerufen.- Das wohl- gelungene Fest wird jedem Teilnehmxx noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Bundesschießen

des Hessischen Landjugendbundes.

Ll R o d h e i m a. d. H., 30. Sept. Dieser Tage wurde das Bundesschiehen des Hessi­schen Landjugendbundes auf unserem Schieß st and ausgetragen. Eröffnet und geleitet wurde die Veranstaltung durch den Vorsitzenden des Hessischen Landjugendbundes, Robert Schmidt, Steinheim, der in seiner Begrü­ßungsansprache Bedeutung und Ziel des Schieß­sportes würdigte. Das Schießen brachte fol­gende Ergebnisse: 1. Preis: Gettenau, Gruppe A, 231 Ringe; 2a-Preis: Gettenau, Gruppe B, 209 Ringe; 2b-Preis: Gettenau, Gruppe C, 209 Ringe; 3. Preis: Wohnbach, Gruppe A, 205 R.f 43-Preis: Rodheim a. d. Horloff, Gruppe A, 185 Ringe; 4b-Preis: Rodheim a. d. H., Grupp« B 185 Ringe; 5. Preis: Echzell, Gruppe A, 176 Ringe; 6. Preis: Echzell, Gruppe B, 171 R.; 7. Preis: Steinheim, Gruppe A, 167 Ringe!

8. Preis: Ober-Bessingen. 150 Ringe. Der Wan­derpreis des Bundes wurde Gettenau, das ihn nunmehr zum zweitenmal in Besitz hat, auch für dieses Iahr zugesprochen. Im Anschluß an die Veranstaltung des Landjugendbundes fand ein Preisschießen der Ortsgruppe Rodheim statt.

Veruntreuungen beim Mainzer Reichsvermögensamt.

M a i n z, 1. DEL (WSN.) Der De ru n t r e u u n g eines größeren Betrags hat sich, wie erst jetzt bekannt wird, vor einiger Zeit ein verheirateter Verwaltungssekretär vom Neichener- . mögensamt schuldig gemacht. Ohne hierzu be­rechtigt zu fein, nahm er in Abwesenheit eines Kas-

> flerers einen größeren Betrag ein, quittierte darüber . und behielt das Geld für sich. Er wurde zur Anzeige ; gebracht. Zur Zeit ist die Staatsanwaltschaft mit > der Sache beschäftigt. ____________