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geklagten hätten nur eine Sehnsucht gehabt, die sich verkörpere in den Worten. Mein Volk! Und sie seren beseelt gewesen von dem heißen Bestreben, das Volk wieder frei zu machen und ihm seine alte Geltung zu verschaffen. Man müsse doch auch berücksichtigen, daß die Gespräche alle von j u r i st i s ch nicht vorgebildeten Offizieren geführt wor­den sind. Alle Zeugen hätten unter Gib versichert, daß weder von einem demnächstigen Putsch, noch von einem solchen in ferner Sicht die Rede gewesen sei. Ludin .hab« auch niemals für die Na­tionalsozialistische Deutsche Arbeiter­partei g e w o rch e n. Nach der ständigen Rechts­sprechung des Reichsgerichts fei eine revolutionäre Propaganda an sich noch nicht strafbar: sie werde es erst in dem Augenblick, in dem sich diese Propaganda einseße für «in Unternehmen, das hochverräterische Ziele verfolge. Davon könne aber nach den unter Eid erfolgten Aussagen Hitlers jedenfalls bezüglich der National- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei kein« Rede sein. Was übrig bleibe, sei nichts Strafrechtliches mehr, sondern könne lediglich disziplina- risch geahndet werden.

Oer militärische Verteidiger

Hauptmann und RegimentsadjutantQHeinbel legte als militärischer Verteidiger dar, daß es kaum einen freudigeren, ernster denkenden und sich selbst mehr in den Hintergrund stellenden Offizier als Ludin gebe, der von seinen Mann­schaften Blumen und Kartengrüße sowie ander« Liebesbeweise in die Gesangener.zelle bekommn hat. Auch Scheringer erfreute sich trotz seiner etwas rauheren Art gleichfalls der größten Wert­schätzung. Man müsse zu einer Verneinung der militärischen Delikte des Llngehorsams, der Aufwiegelung und der Erregung von Mißver­gnügen gelangen, weil die Angeklagten nicht eine der Disziplin abträgliche Haltung in die Truppe ,hineingetragen hätten, sondern überall Ge­fühle der gleichen Art, wie sie bei ihnen vorhanden waren, vorfanden.

Der morgige Tag soll das Plädoyer des letzten Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Sack, die Replik irt2 Reichsanwalts und die Schlußworte der An­geklagten bringen. Wie der Vorsitzende betonte, muß der Rest des morgigen Tages sowie der Freitag der Beratung des Urteils Vorbehalten bleiben, das voraussichtlich am Samstagvormittag gegen 10 Uhr verkündet werden wird.

Vs- Urteil gegen den berliner Oberbürgermeister Vöß.

Berlin, 1.Oft. (IDIB. Funkspruch.) Amtlich. In bet Angelegenheit des Oberbürgermeisters Böß hat das Oberverwaltungsgericht folgen- des Urteil gefällt: Die Entscheidung des B e- zirksausschu sses Berlin, Abt. I, vom 20. Mai 1930 wird dahin abgeänbert, daß der An- geschuldigte mit einer Geldbuße in höhe seines derzeitigen einmonatigen Diensteinfommens bestraft wird Die baren Auslagen der Berufungsinstanz fallen dem An- gefchuldigten zur Last, wie dieBerliner Zeitung" meldet, wird Oberbürgermeister Böß zunächst dem Magistrat ein Urlau bsgesuch einreichen. Selbst­verständlich wird dieses Gesuch genehmigt werden. Dann wird sich Oberbürgermeister Böß auf eine Reise begeben und während seiner Urlaubszeit ein Pensionierungsgesuch einreichen. An eine Rückkehr des Oberbürgermeisters in sein Amt wird von feiner Seite mehr gedacht.

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Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes wurde von dem Vorsitzenden des Spruchsenates damit begründet, daß in allen zur Verhand­lung stehenden Punkten ein Dienstvergehen des Oberbürgermeisters nicht als vorlie­gend erachtet worden sei. Auch in der Pelz- angelegenheit, heißt es in der Begründung, sei der Kauf der Pelzjacke bei der Firma Sklaref an sich nicht bedenklich. Eine unehrenhafte Handlung des Oberbürgermeisters habe hier keineswegs Vorgelegen, denn bei seiner Stel­lung und bei seiner ganzen Vergangenheit habe er nicht auf den Gedanken kommen können, daß er bei dieser Angelegenheit bestochen werden sollte. Zu beanstanden sei aber d i e Art und Weise, wie Böß diesen Kauf regu­liert habe. Besonders werde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er sich nicht hinreichend darum gekümmert habe, ob die von ihm gewünschte Regelung auch konsequent durchge- führt worden sei. 3n Verbindung damit wurde ihm auch das Telegramm aus San Franzisko vorgehalten, dessen Inhalt sich als objektiv nicht richtig erwiesen habe. Dieser Verstoß , sei aber keineswegs mit Dienstentlassung, sondern lediglich mit einer Ordnungsstrafe zu ahnden gewesen.

Oie britische Reichskonferenz eröffnet.

Landon, ..Oft (TU.) Die britische Reichs­konferenz rourle am Mittwochvormittag im Lo- carnofaal des Foreign Office feierlich eröffnet. An der Eröffnungssitzung nahmen teil die Mitglieder des englischen Kabinetts, sowie die Vertreter der sechs Dominions und Indiens. Macdonald führte den Vorsitz. Er begrüßte die Vertreter, vor­auf als erster der Ministerpräsident von Kanada, Benett, antwortete. Dann sprachen der Reihe nach die Ministerpräsidenten der Dominions und der Staatsekretär von Indien, Wedgewood Benn. Es wird zunächst eine Reihe von Ausschüssen eingesetzt, die sich mit den Einzelfragen zu befchäf- tigen haben, so daß die Arbeit sofort beginnen kann. Eine große Menschenmenge hatte sich an dem Eingang der Downing Street versammelt, um der Anfahrt beizuwohnen. Die Verhandlungen werden unter Ausschluß der Oefsentlichkeit geführt.

Schwenkung in Frankreich?

Ende mit dem Briandkurs Rückkehr Poincarös?

London, 2. Oft. (WTD. Funkspruch.' An­knüpfend an einen Besuch Tardieus bei Poincarö berichtet der Pariser Korrespon- bent derTimes" - Es ist anzunehmen, daß Poincarös offizielles Inkognito bald ein Ende finden wird. Die franzö­sische Politik ist allen Vorgängen in Deutschland gegenüber äußerst empfindsam. Auf den Aus­bruch des Rationalismus in Deutschland folgt

eine ähnliche Bewegung in Frank­reich mit der gleichen Unvermeidlichkeit wie die Rächt dem Tage. Das große Zugeständnis, das Tardieu unter Hintansetzung von Parteirücksich­ten dem nationalen und internationalen Emp­finden machte, besteht darin, daß er das Außen­ministerium in den Händen Driands lieh. Die führende Rolle, die Driand in Europa bei der Förderung der Versöhnung und der Ab- rüstung spielte, war zu einer Einrichtung gewor­den^ an der im allgemeinen Einverständnis nicht gerüttelt werden Dürfte. Es machen sich jetzt Zeichen einer Veränderung bemerkbar. In Kreisen, die Tardieu nahestehen, wird jetzt er­wartet, daß der Bruch mit demBrian- dismus" nicht mehr fern ist.

Oie neue Regierung in Braunschweig.

Amtsgerichtsrat. Dr. Franzen, Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, wird in der neuen braunschweigischen Regierung das Innen- und Shtltusminifterium übernehmen.

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Braunschweig, 1. Oft. (WTB.) Im Land­tag wurde die Wahl der neuen braunschweigi­schen Landesregierung vorgenommen, Oberregie-

nmgSrat Dr. Küchenihal erhielt 20 Stim­men, der bisherige sozialistische Minister Dr. 3a f b ar 17 Stimmen, drei Zettel waren un­gültig. Im zweiten Wahlgang erhielt der na­tionalsozialistische Amtsgerichtsrat Dr. Fran­zen. Kiel, 20 Stimmen, Dr. Iaspar 17 Stim­men, 2 Stimmen waren ungültig. Dr. Küchen­thal und Dr. Franzen sind somit gewählt.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Verord­nung über denBeitrag zur Reichsan­stalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die be­stimmt, daß derBeitrag zur ReichSanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ab 6. Oktober bis auf weiteres für das Reichs­gebiet einheitlich 6,5 v. H. des maßgebenden Ar­beitsentgelts beträgt.

Gegenüber anderslautenden Mitteilungen in der Presse wird darauf hingewiesen, daß auch die Bezüge der Reichswehr und der Poli­zei den gleichen Kürzungsbestimmungen unterliegen wie die Bezüge der Beamten. Kürzungsfrei bleiben allgemein die Bezüge bis zu 1500 Mark jährlich.

Zu Ehren des Reichspräsidenten sand am Vorabend seines 83. Geburtstages auf dem Flughafen Tempelhof ein Reichsweh r- massenkonzert mit großem Feuerwerk statt. Es wirkte mit die gesamte Reichswehrmusik und das Trompeterkorps von Groß-Berlin und Pots­dam (acht Kapellen mit 250 Mann) unter Leitung deS Heeresmusikinspizienten Schmidt. Da das Konzert nicht, wie sonst üblich, mit dem Deutschland-Lied beendet wurde, prote­stierte das Publikum lebhaft und stimmte spontan die Rationalhymne an. Der Heeresmusikinspizient lieh darauf die inzwischen abgetretenen Kapellen noch einmal antreten und das Deutschland-Lied spielen.

Die von dem Herrn Reichspräsidenten geschaffene Stiftung .Hindenburgspende" schüttete am Geburtstage ihres Schöpfers 425 000 Mark aus. Rund 2200 besonders notleidende Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Vete­ranen wurden mit Beträgen von durchweg je 200 Mark bedacht.

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Wie der Reichsbund der höheren Be­amten mitteilt, ist Minister Külz von der

Leitung deS Bundes zurückgetreten. Die Leitung liegt in Händen deS stellvertretenden Vorsitzenden, Oberbaurat Echternach.

Reichsaußenminister Dr. E u r t i u s wird mit einem Teil der deutschen Abordnung am Donners­tagabend Genf verlassen und sich nach Ber­lin zurückbegcben. Am Freitag, 3. Oktober, dem Todestage Dr. Stresemanns, sindet auf Veranlassung der deutschen Abordnung in der beut- schen Kolonie in Genf in der evangelischen Kirche eine Totenfeier zu Ehren Dr. Stresemanns statt.

Der bisherige deutsche Dottchaster in London Dr. Sthainer und Frau Stbamer sprachen im Buckingham-Palace vor, um sich vom König zu verabschieden. Sie wurden von dem König und der Königin in den Privatgemächern emp­fangen und später zur Frühstückstafel geladen.

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Der neue polnische Sender in Gdingen ist bereits fertiggcftdlt. Die ersten Versuche sollen glänzend ausgefallen sein. Ein polnische» Blatt schreibt:Dieser Sender, der ganz Pomerel- len zu bedienen hat und am 10. Oktober in Be­trieb gesetzt wird, wird hauptsächlich die Aus», gäbe haben, die Königsberger und Berlin«! Sender unschädlich zu machen."

(Schloß de» redaktionellen Idle.)

Ozonil, das vorzügliche selbsttättge Waschmittel, gibt durch nur ViftünbigeS Kochen eine herrlich weiße Wäsche, zumal, wenn bereits am Vor­abend die Wäsche in Dr. Thompsons Seifen­pulver, Marke Schwan, eingeweicht wurde. Denn durch das Einweichen mit Schwanpulver wird der Schmutz schon fast vollkommen gelöst. 4229V

Der gute Rus der bekannten Waldflora- Produkte hat schon längst die deutschen Grenzen überschritten. Die Herstellerfirma Georg Rtch. Pflug & Co., Gera, erhielt außer den Aus­zeichnungen in Paris und Florenz neuerding» auch in Rizza für hervorragende Leistung da» Ehrenkreuz mit Ehrendiplom und Goldener Me­daille. 583V

Korpulenz macht alt

Korpulente und »um Starkwerben Veranlagte nehmen früh, mittaaS und abends 2-3 Toluba- Kerne, ötc in Apotheheken zu haben sind.

Sklaven einer unnatürlichen Zeit: in ! die Cigarette. Das Goldmundstück

Kleider eingeschnürt verkrampft . . . ; war guter Ton. Und 1930? So sachlich j

das waren die Frauen und Männer von j wie möglich! Sogar die Cigarette

Anno 1900. Alles überladen. Sogar ; selbstverständlich ohne Mundstück.

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selbstverständlich ohne Mundstück " ,