Üü
ütr, 5**5 SK •sfe" voll
M-B-fK KK": Sorv^'T'«^
!.<>»'S-
MW .rnmelkllli ilt Damen
irrtyB WlttRA 5ml«, ^'7 ausfi»«"1"4*
»hnh uj 13$ w N- JSi v.Haii«, Mlltt ™8 kaut. I» ehre lwV üüevei
fiffiÄS mit
L^Jftr unter ’M* an AL| äss** Halle uchialSUmkleldtz, M unqeiäir 7x m' Schnitt gn, ;oteblßl0.8.nnl Ijfl- d.Gieii »ni
■Ito Men totale jebe! UngeMtkt ver- :actt)^tnbfthu. hetum.iw. tamlt. Brhindl. intidneibrn. ,au Biiietir • Tirtllg,. ililnl Scboiiber, eßen, KlrtiuiLll lllMUlnMHllMUM SinflelliinM'! beb.nflunqen ■ tt bie Haadclc-': mb9?eid)8matine l 'rbalienZiebiirrtj; S.fidl)ler,$erlaM Haiiibuin 13 m, : UrmbdalleellOII; iiimiimtmiiun MMÄ , oltt ototWiy tev >u utxcaa. en. chrAnykv. u.i4&8 d. (Sieb. An«i«er, WchWmälln" sucht 5000 biß
•20 000 RM. ufiunebinen. Oklb kann emfleiroflen lerben. ©tbriiihcbe [ngel'oKu^ir.Otiiä nb. Gieb.Am.ttd. 2-1» 11 uf Ml.Woibet on Webet ad. Jermittl. nußae diL -chr.Anged.u-VIbll ,b, Gieb.Aii»elktt. litte. Wer W« rmerlba'rain» eütob. Mtieit- >l«9 £(tt Otlfl- lt-
ecoc M. f nut. öohnbaul ;U.HvMbetn°ch ieuenQuSJuleibej
Ur. 179 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)Samstag, 2. August 1930
Schweizer Versassungsfeier.
Don unserem E. D.-Äorrefponbenten.
Luzern, 1. August.
Alljährlich bei Wiederkehr des ersten August feiert die schweizerische Eidgenossenschaft ihren Nationalfeiertag, den Tag, an dem im Jahre 1291 die drei Männer von Uri, Schwyz und Unterwalden aus dem tannenumrauschten Rütli am idyllischen Vierwaldstättersee zuiammenkamen, um endgültig und für ewige Zeiten die Schweiz zu gründen. Das war siebzehn Tage nach Kaiser Rudolphs Tod. Was diese biederen Talleute bewegte, legten sie feierlich im lateinisch abgefahren Bun- desbries nieder, der heute im Archiv von Schwyz aufbewahrt ist und also anhebt: „3m Namen Gottes des Allmächtigen! 3n einer gefähr- lichen und schlimmen Zeit, wo man vor Beschwerden und Beleidigungen, vor Gewalt und Angriff nicht sicher ist, wollen wir uns und das Unfrige schirmen. Darum geloben wir uns in guten Treuen, uns mit Rat und Tat, mit Leib und Gut, nach bestem Vermögen beizustehen und Hilfe zu leisten innerhalb der Täler und außerhalb, gegen alle und ede, die uns Gewalt, Beschwerde und Unrecht zu- ügen. einen Einzelnen oder einem ganzen Teil, lnd darauf leisten wir ohne Gesährde einen guten eierlichen Eid, durch den wir die alte Vertrags- urkunde erneuern "
Dieser denkwürdige Ahnenschwur trug keinen Revolutionscharakter, vielmehr war er eine Auflehnung gegen die Gewalt, ein flammender Appell an das Recht. Das Recht wollten sie bewahrt wissen, aus immerdar. Darum schlossen sie die Eidsurkunde mit den Worten: „Alles, was hier oben geschrieben, beschlossen und für die gemeine Wohlsahrt heilsam verordnet worden, soll, so der Herr will, ewig dauern " So ist der erste August der Ge- burtstag der schweizerischen Eidgenossenschaft. Die- es Jahr konnte die Schweiz das 639jährige Ge- lenken an jene historische Tat begehen, und sie eiert ihre Gründung auf besondere Weise. 3m ScgensaN zu anderen Ländern ist der schweizerische Nationaltaa kein gesetzlicher Festtag, er ist e i n g e - wohnlicher Werktag, aber durchweht und durchwebt von ernster Feierlichkeit, die allüberall ihre Strahlen ausbreitet. Die mühevolle Arbeit in den Fabriken, den Werkstätten, den Bureaus und auf Feld und Flur, bestärkt an diesem Tag in be- sonderer Weise das Dolksbewußtsein und ist beredte Bestätigung des segenspendenden Wahlspruchs der Männer von 1291: „Einer für alle, alle für einen".
Nach zwei Stunden des Werkens aber gehört der Feierabend ganz dem Vaterland und überall schart man sich zur Bundesfcier zusammen, dem Vaterland gebührt die Weihe, ihm die Huld. Wenn die Dämmcrschatten sich ausbreiten, schwingen im ganzen Lande die Glocken aller Kirchen, und ein Läuten und 3ubeln isl's vom Lac Lcman bis zum Bodensee, vom 3urakalk bis zum Berninaschnce, und hoher und begeisternder schlägt eines jeden Schweizers Herz. Auch der August 1930 war erfüllt von geheimnisvoller Feierstimmung, besonders an den Usern des unvergleichlichen Dierländersccs, der seit uralter Zeit die Wiege der Schweiz betreut. Auf dein großen Kurplatz von Luzern, der internationalen Fremdcnstadt drängte sich in stiller Erwartung eine gewaltige Menschenmenge: Schweizer und Ausländer. Punkt mit dem schweren Acht- uhrstundenschlag erklangen in voller Harmonie die Silbcrstimmen (ämtlidjcr Kirchen, und plötzlich mischte sich in ihren majestätischen Sang das gewaltige T)onnerrollen der zwciundzwanzig Kanonen- chüsse. Der jubelnde Glockenchor und das Dröhnen )er Schüsse eilten über den smaragdgrünen Wasser- piegel dahin, an den dunklen Felswänden des ge- chlofsenen Alpenkranzes ein wundersames Echo weckend, sie kühlen die Wiege im waldumsäumten Rütli, und vom Mutterboden eilte der Geburtstags- gruh zu jedem der zweiundzwanzig Söhne. Denn sie alle weilten in diesem Augenblick im Mutterhaus, am stillen Gebäude am See. Nachdem tiefes Schweigen in der Stadt und überm See wiederge- kchrt, intonierten Musikkapelle und Sängerschar das
Das Vermächtnis.
bon Melchior Vischer.
3n der albanischen Stadt Berati lebte Vari Bobba, mohammedanischen Glaubens, gleichwohl ober ein echter Nachkomme des großen albanischen Ahnen Alsksandros.
Vari Bobba hatte viele 3ahre im Auslands gelebt: dort hatte er auch seine Reichtümer erworben, getreu dem alten albanischen Gesetz, das jedes Stehlen im eigenen Lande bestraft, das Stehlen im Auslande aber als Heldentat feiert, weil cs den nationalen Besitzstand des albanischen Volkes vermehrt. Vari Bobba hatte dennoch viele Feinde, weil es auch in Albanien kleinliche Menschen gibt, die reiche Menschen nicht leiden mögen.
Der reiche Vari Bobba halte viele Pferde.
Er war ein großer Tierfreund: Pferde aber liebte er besonders. Er ließ sie u großen Hürden frei umherlaufen, Gras fressen und Wasser trinken. Vari Bobba wußte um ihr Geheimnis: dies war es: Sind die Pferde heiter, reiben sie ihre Hälfe an- einander und wiehern. Sind sie traurig, laffemjic ihre Köpfe hängen. Sind sie böse, schlagen sie aus. Vari Bobba wußte, daß ein freies Leben den Pferden gefällt.
Nie ließ er es zu, daß man feine Pferde vor den Pflug spannte: denn das gefällt den Pferden nicht. Ihre Augen werden scheu und sind auf der Lauer. Sie denken nach, wie sie ihr derbes 3och abschütteln könnten. So lernen die Pferde das Denken.
Unter allen Pferden war eines, das hatte sich Vari Bobba aus Persien mitgebracht. Es war sein Lieblingspferd und hieß Mirza.
Eines Morgens war Mirza tot.
Ein Feind Dari Bobbas hatte das Tier in der Nacht vergiftet.
Vari Bobba war untröstlich. Er trauerte einen ganzen Tag um sein Lieblingspferd, aß und trank nichts.
Auch die Pferdewärter bekamen nichts zu elfen. Dafür wurden sie aber zu Mittag und am Abend ausgepeitscht.
Am nächsten Morgen ließ Dari Bobba Mirza in seinem Garten begraben.
Er weinte dabei. Nur er und zwei Diener waren zugegen, als die letzte Erde über das tote Pferd geworfen wurde.
Dann tarnen seine Freunde. Denn Dari Bobba hatte ein festliches Totenmahl Herrichten lassen.
weihevolle Schweizer Nationallied: „Rufst du, mein Vaterland, siehst uns mit Herz und Hand all dir geweiht", und wie plötzliches Sturmesrauschen braust und hallte des Vaterlandes Gesang aus tausenden und aber tausenden Kehlen und woyte urgewaltig in der sanft ruhenden Seebucht hin. Deutsche, Franzosen, Engländer, Italiener, Hol- länder: Vertreter aller nahen und fernen Nationen fühlten sich mit den Schweizern eins, entblößten Hauptes und in tiefer Ergriffenheit, ehrten auch sie das Land mit dem weißen Kreuz im roten Feld. So feiert mit den Schweizern die internationale Welt das Geburtstagfest der schweizerischen Friedensinsel. 3nternationales und Nationales vereinigte sie in dieser seltenen Völker- bundsoersammlung in schönster Weise. Und als zum Schlußakt der Schwcizerpsalm „Trittst im Morgenrot daher, bete freier Schweizer bete" in seltsame Stille drang, jubelten nochmals der Glocken
Stimmen — und die riesige Festgemeinde lauschte gibannt dem abendlichen Geläut.
3n majestätischer Ruhe lag der See, in schweigender Einsamkeit erhoben sich die ewigen Firne in die lautlose feierliche Nacht. Indessen tauchten an den Bergstirnen die ersten Lichter auf und gar bald loderten und glühten auf allen Bergeshohen flammende Freudenfeuer als Wahrzeichen der Schweizerfreiheit und zur neuerlichen Bestätigung des ehrwürdigen Rütlischwurs von 1291. Ringsum ward alles in erhabene traumhafte Stille getaucht, nur vom Wasserspiegel, auf dem sich mit bunten Lampions überstrahlte Boote wiegten, scholl weiches, venetianisches Flöten. Wo ist das Land, das den Gedenktag seiner Gründung so schlicht und doch so feierlich eindrucksvoll begeht, wie das der Eidgenossen? Den ganzen Hochsommermonat er- strahlen in den Abendstunden die feurigen Bundes- feierlichter auf ragender Höh!
Nur ein Textschreiber...!
Oie Magie des Inseratenteils der Tageszeitung. — Wie der Verkauf vervielfacht wird.—Wirkungsvolle Anzeigentexte. — Oie Werkstatt des Inseratenfachmannes.
von Walter Gersky
Der auf dem (Europaflug tödlich verunglückte Wolf Dietrich von Rebern war Tert- ichreiber einer großen Reklamesirma. Unser Mitarbeiter erzählt hier Unbekanntes über diesen bisher wenig beachteten, aber sehr aussichtsreichen Beruf.
Wenn der junge, überall beliebte Herr von Redern in Gesellschaft erschien, mag man sich wohl ost hinter seinem Rücken erkundigt haben: „Was ist er? Textschreiber? Verfaßt er Texte für Lieder, Opern oder wofür eigentlich?" Dann erfuhr man, er schreibe kaufmännische Texte und stelle sein großes schriftstellerisches Talent in den Dien st des Warenverkaufes. Manche Leute mögen darüber die Nase gerümpft haben. Sie verstanden unsere Zeit nicht, sie hatten keine Ahnung, welche Ungeheure Macht im modernen Wirtschaftsleben das treffend angewandte Wort bar- stellt, der wirkungsvolle Satz, der dem Gehirn eines Textschreibers entspringt und auf dem Wege über den 3nferatentei( der Zeitung viele tausend Menschen in die Läden lockt. Ein solcher Satz zaubert Waren, die schwer wie Blei in den Regalen liegen, in die Heime der Kunden, und er kann unter Umständen die Lebensgewohnheiten ganzer Völker ändern. Eine wunderbare Macht übt der Schreiber von Anzeigentexten aus, eine Gewalt, wie sie in früheren Zeiten nur großen Führern der Menge gegeben war.
Einst gab es zur Propagierung von Gedanken nur einen einzigen Weg: das gesprochene Wort. Es dauerte 3ahrzehnte und Iahrhunberte, bis sich eine neue 3dee ober die Möglichkeit, das Leben anders einzurichten, über das Land, über die Welt verbreitete. Heute erreicht man durch die Zeitung bequem und billig selbst den abgelegensten Ort. Aber erst in den letzten Jahren hat man eingesehen, daß es nicht genügt, dem Leser durch das gedruckte Wort mitzuteilen, diese oder jene Ware fei die beste und billigste der Welt. Um dem Inserat die größte Wir- kung zu geben, zieht man fähige Werbeschriftsteller heran, die hoch bezahlt werden. Ein einziger guter Text, in vielen Anzeigen wiederholt, ist imstande, große Warenmengen ins Rollen zu bringen, ohne baß ber Warenpreis dabei wirklich wesentlich durch die Reklamespesen erhöht wird. Und so kommt es, daß der Beruf eines Textschreibers recht lohnend geworden ist. Dieser Beruf ist noch nicht überfüllt; um ihn auszuüben, braucht man freilich nicht nur schriftstellerisches Talent, sondern auch eine umfassende Bildung, psychologischen Scharfblick und volkswirtschaftliche Kenntnisse.
Wie sieht es nun in der Werksta11 des Textschreibers aus? Sein Handwerkszeug besteht nur aus Papier und Tinte ober aus einer
Schreibmaschine; aber bevor er bie erste Zeile des zugkräftigen Textes niederschreibt, muh er eine lange Vorarbeit leisten, muß er sich selbst ein genaues Bild von der Ware machen. Er darf sich nicht auf die begeisterten Schilderungen des Fabrikanten verlaßen. Er muß hören, was die Kunden denken, welche Vorteile und welche Nachteile die Seife oder die Zigarette, der Rundfunkapparat oder die Rasierklinge in ihren Augen besitzen und was bas jeweilige Erzeugnis vor dem Konkurrenzpro- dukt voraus hat. Erst wenn die Ware und ihre Verwendungszwecke genau erforscht sind, zieht sich der Textschreiber in die Einsamkeit des Arbeitszimmers zurück und entwirft die Anzeige. 3mmer wieder stößt er sie um, feilt er sie zurecht, ändert er die Stellung der Worte und der Sätze, streicht er Ueberftüssiaes bis endlich noch schwerer geistiger Arbeit jener Text geboren ist, der „sitzt". An dem Erfolg des Inserates kann man fast auf den Pfennig genau überprüfen, ob der Textschreiber gute Arbeit geleistet hat. Hebt sich der Verkauf nicht entsprechend, so ist dies nicht die Schuld der Zeitung, deren Verbreitungsgebiet man ja genau kennt, und die in anderen Fällen größte Erfolge herbeigeführt hat. Die Schuld liegt daran, daß das wichtige Instrument des Inserates unge- schickt gehandhabt worden ist.
Wenn an Werbetexte nicht derselbe Maßstab wie an dichterische Leistungen gelegt werden darf, so liegt das daran, daß sie ja nicht ergötzen, sondern den Verkauf heben sollen. Daß ihnen schriftstelle- rischer Schwung deshalb nicht zu fehlen braucht, beweisen viele sozusagen klassisch gewordene Werbetexte. Als im Jahre 1911 für den Druck der in Neuyork erscheinenden Zeitschrift „Munseys Maga- Sine" eine neue Maschine aufgestellt wurde, ver- aßte der Herausgeber ein später in zahlreichen Ibarten nachgeahmtes Inserat, eine Hymne zum Preis der neuen Maschine, in der es heißt: „Ich bin die Rotationspresse, geboren von der Mutter Erde. Mein Herz ist von Stahl, meine Glieder sind von Eisen, meine Finger von Erz. Ich finge die Gesänge der Welt, die Oratorien der Geschichte, die Symphonien aller Zeiten. Ich mache die Menschen- herzen schlagen mit Leidenschaft oder mit Zärtlich- feit. Ich bewege die Pulse der Nationen. Wenn ich spreche, horchen Millionen auf meine Stimme. Ich bin die Verkünderin aller Dinge, die das Men- schengeschlecht vollbrachte. Mein Erzeugnis kommt zu dir beim Licht der Kerze, beim Sonnenaufgang, am Mittag und am Abend. Ich bin das Lachen und Weinen der Welt, ich bin die Rotations- presse."
Viele nüchterne Dinge, viele unangenehme Erscheinungen des menschlichen Lebens wurden vom Textschreiber mit Poesie umkleidet und über den
Während des Mahles pries er die Vorzüge seines Lieblingspferdes laut. Immer und immer wieder.
Das Totenfest dauerte bis nach Mitternacht.
Am frühen Morgen wurde Vari Bobba von Bütteln des Stadtrichters verhaftet.
Seine Feinde hatten anaezeigt, daß er ein Pferd mit allen mohammedanischen Totengebräuchen bestattet hatte. Als wäre das Pferd kein Tier, sondern ein wirklicher, albanischer Muselmann gewesen. Dadurch habe Vari Bobba den Großen Propheten gelästert und verhöhnt.
Vari Bobba stand gefesselt vor dem Richter, der ein strenges und gerechtes Gesicht hatte. Zwei Büttel rechts und zwei Büttel links. Er in ihrer Mille.
Der Stadtrichter konnte vor Zorn kaum ruhig sprechen; er fuhr den Gefangenen böfe an:
„Du räudiger Floh, hast dich vermessen, den Großen Propheten zu lästern. Verteidige dich, komm mir aber mit dem Hauch deines lästerlichen Mundes nicht zu nahe! — Sprich! Bist du nicht einer von der verruchten Sekte, welche die Pferde anbetet ...?"
Vari Bobba verneigte sich tief, trotz der Stricke, die bei jeder Bewegung hart ins Fleisch schnitten. Denn er hatte Ehrfurcht vor den Richtern. Dann sprach er:
„Gerechter und weiser Richter! Ich gehöre keiner verbotenen Sekte an und nie in meinem Leben habe ich Mohammed gelästert. Es ist wahr, ich habe mein Pferd begraben, ich habe laut geklagt und noch lange werde ich das gute Tier beweinen, denn es war ...", hier konnte Vari Bobba die richtigen Worte nicht finden, er stotterte, „... gerechter Richter ... wenn du wüßtest ..
„Elender, ich weiß alles!" Die Stimme des Richters überschlug sich.
„Alles ...??" Vari Bobba lächelte. — „So weißt du auch, erhabene Leuchte des Gesetzes, daß das gute Pferd Mirza ein Testament gemacht und dir darin ein Legat von fünfzig Goldstücken ausgesetzt hat, die ich dir noch heute in seinem Namen überreichen soll
„Löst ihm die Stricke!!" befahl der strenge Richter den Bütteln. Dann schaute er Vari Bobba freundlich an und sagte: „Eile, Vari Bobba, eile nach Hause. Dein Pferd war groß und edel. Auch ich traure über seinen Tod. Nun gehe im Namen des Großen Propheten, denn ich sehe wohl, daß man dich schändlich verleumdet hat!"
Wie sie Millionär wurden.
Es dürfte nicht unbekannt sein, daß sehr viele amerikanische Millionäre, die heute in Luxus- automobilen den Golfplätzen zustreben, in der Jugend Zeitungen verkauft haben. 3n Detroit, der Stadt Foros haben dre reichgewordenen früheren Zeitungsverkäufer sogar einen eigenen Klub gegründet, der die moralische und materielle Unter jtiüjung der heutigen Zeitungsverkäufer zum Ziele hat. Die Mitglieder dieses originellen Klubs kommen nur zweimal im 3ahre zusammen, einmal zu Weihnachten und ein anderesmal im Monat 3unt Dann werden sozusagen die alten römischen Saturnalien wiederholt, an denen die Sklaven die Rolle des Herrn übernehmen und umgekehrt. Bei den Mügliedern des Millionärklubs vollzieht sich dieser Rollentausch in sol- gender Weise. Die früheren Zeitungsverkäufer übernehmen noch einmal auf einen Tag ihren Deruf. Sie durcheilen die Straßen und verkaufen „ hre" früheren Zeitungen, wobei sie natürlich gute Geschäfte machen. Denn welcher gewöhnliche Sterbliche wollte es sich entgehen lassen, in die Hand eines Millionärs ein 10-Cents-Stück zu legen oder vielleicht sogar noch ein kleineres Trinkgeld? So geschah es auch im letzten 3uni. Die Millionäre standen mit ihren Zeitungs- Paketen an den Straßenecken, während in den eleganten Klubräumen die wirklichen Zeitungsverkäufer köstlich bewirtet wurden. Einem findigen 3ournalisten kam eine glänzende 3dee. Er steckte sich 25 Dollarscheine in die Tasche und nahm sich vor, 25 Millionäre nach ihrem Werdegang zu fragen und einen glänzenden Artikel darüber zu schreiben.
Der erste also Befragte war der bekamlle 3n- dustrielle Thomas F. Ryan, der alljährlich die hübsche Summe von 792 OOO Dollar als Einkommensteuer an den Staat abgeführt hat. Ryan ist vor kurzem unter Hinterlassung eines Der- mögens von 125 Millionen Dollar gestorben. Als der 3ournalist eine Zeitung kaufte und dafür einen Dollar bezahlte, schickte Ryan sich an, den restlichen Betrag zurückzugeben. Doch der 3ournalist forderte ihn auf, das Geld zu behalten. Ryan lächelte und land offenbar Gefallen an dem Spiel. Aus die Frage, wie es früher mit dem Trinkgeld gehandhabt wurde, erwiderte Ryan, daß nicht jeder einen Dollar für eine Zeitung hergab. Er habe von morgens bis abends lausen müssen, um seine Zeitungen an den Mann zu bringen. Eines Tages hätte er aber Glück gehabt. An der Straßenecke hielt eine
grauen Alltag hinwcggchoben. Berühmt geworden ist z. B. die Reltame, bie man in Amerika für ein Mittel gegen häßlichen Mundgeruch gemacht bat Die Kunst des Texlfchreibers wußte selbst dieses heikle Thema in eine romantilchc Form zu gießen, indem die Schicksale von Mensmcn geschildert wurden, die durch übelriechenden Atem zu den Ausge- stoßcnen der Gesellschaft gehörten. „Sie wußte es nie", oder „Oft verlobt und nie verheiratet' waren die lleberfdjriflen der Inserate, in denen die bitteren Erfahrungen junger Mädchen geschildert mürben, die aus dem genannten Grund Männer nicht dauernd fesseln konnten. In ähnlicher Weise wurde spater in Deutschland für ein Mundwasser Reklame gemacht, z. B. mit der Ucberfdjrift: „Wer es ihr doch sagen dürste!" Gerade bei diesen heiklen Themen muß der Textschreiber sehr viel Takt besitzen, um die Anzeige nicht zu einem schlechten Witz werden zu lasten, um nicht peinlich zu wirken. Dis- tret und vornehm gleitet er etwa über den kritischen Augenblick hinweg, wenn er von einem Abführmittel nur sagt: „Und nachher ist man wie neugeboren". Nichts weiter!
3n erfundenen Geschichten wird auch sonst gern das Lob bestimmter Waren gesungen. Eine dicke Ueberschrift verkündet etwa: „Ich war kahl unb „vor einem Monat sah ich zehn Jahre älter aus". Zuweilen wirkt man durch rührende dramatische Erzählungen. Sehr schlagkrastig war ein anderes Inserat: „Sic zahlt 600 Mark für schöne Hände, ich fast nichts", berichtet eine Hausfrau, die dank einer Hautsalbe trotz schwerer Hausarbeit so schöne, glatte Hände hat wie ihre Freundin, die ihrem Stubenmädchen jährlich 600 Mark zahlt. Diese packenden Ueberschriften verursachen dem Textschreiber das größte Kopfzerbrechen. Sie sollen bas Auge des flüchtig blätternben Lesers in den Text des Inserates hineinzwingen, das dann studiert wird, selbst wenn der übrige Text sehr lang, dafür aber spannend geschrieben ist. Mit Vorliebe spricht man weniger von den Vorzügen der Ware als von den Annehmlichkeiten, die sie dem Käufer gewährt. Man bietet also nicht Möbel an, sondern behagliche Heime, nicht Staubsauger, sondern Zeitersparnis für die Hausfrau; man verkauft nicht Bücher, sondern Bildung und Kulturwerte. Welcher Leser wäre nicht neugierig zu erfahren, worum es sich handelt, wenn er die raffinierte Ueberschrift lieft: „Sie lachen über Geldverlegenheiten, wenn Sie unseren Plan befolgen." Eine Bank? Ein Abzahlungsgeschäft? Was für ein Plan mag das (ein! Selbst ganz abgedroschene Themen können interessant gestaltet wer- den. Eine Benzinvertriebsgesellschaft erzählt in In- seratcn bie Lebensgeschichten der Tankstellenwärter und schildert die Erfahrungen, die diese Leute in ihrem Berufsleben gesammelt haben. Eine Zigarettenfabrik empfiehlt, peinliche Situationen des täglichen Lebens dadurch zu überwinden unb zu ver- decken, daß man in Verlegenheit geraten ist, indem man sich in solchen Augenblicken nonchalant eine bestimmte Zigarette anzünbet, wie eine humo- ristische Anzeigenserie barlegt. Welche Gegenstände werben von reichen Leuten bevorzugt? Ein Inserat enthüllt cs: „Man befragte bie Fahrgäste eines Luxuszuges nach ihren Füllfebern, unb 75,6 Prozent bevorzugten bie Marke X". Weitsichtige Kaufleute wissen gerabe in kritischen Zeiten bie Wirkung so kunstvoller Werbung zu schätzen.
Taten für Sonntag, 3 August.
1492: Kolumbus tritt seine erste Entdeckungsreise an: — 1770: Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Potsdam geboren: — 1811: Gründung der Universität Breslau: — 1914: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich.
Taten für Montag 4 August.
1792: der Dichter Peroy Shelley in Field» place geboren: — 1860: der Schriftsteller Knut Hamsun in Gudbrandsdalgeboren; — 1875: der Märchendichter Hans Christian Andersen in Kopenhagen gestorben; — 1914: England erklärt Deutschland den Krieg.
schöne Equipage und ein Herr winkte ihm zu, um eine Zeitung zu kaufen. Schnell sei er hinzu- gesprungen. Dabei sei er gestrauchelt, und im nächsten Augenblick hätten alle Zeitungen, im Etraßenschmutz gelegen. Als ihm die Tränen in den Augen standen, habe der freundliche Herr ihn getröstet, und von diesem Tage an habe sein Aufstieg begonnen. Der freundliche Herr war ein Mitglied der Familie A st o r, in dessen HauS er am nächsten Tag eintrat. So habe er seinen Erfolg einem Sturz zu verdanken.
Auch der Dertrauensmann Pierpont Morgan-, Sumington, wurde durch einen seltsamen Zufall aus seiner Zeitungsverkäuserlausbahn herausgerissen. Sumington mußte jeden Mittag seine Zeitung in eine große Bank bringen. Sein Kunde wohnte im ersten Stock des Hause-. Um den Rückweg abzukürzen, rutschte Sumington gewöhnlich am Treppengeländer herunter. AIS er eine- Tages wieder einmal diesen schnelleren Weg ein» geschlagen hatte, merkte er unterwegs zu seinem großen Schrecken, daß unten, ausgerechnet am Ende des Geländers, ein Herr stand. Unmöglid) zu bremsen. Unb was geschehen mußte, geschah. Die Füße des Zeitungsjungen stießen unsanft gegen die Brust des Herrn. Mit finsterem Blick musterte dieser den ungestümen Knaben. Doch der entschuldigte sich lächelnd: Was wollen Sie. Sie sahen, daß ich am Geländer herunterrutschte und Sie wissen, daß man dabei nicht nach Belieben bremsen kann. Oder sind Sie in Ihrer 3ugend niemals am Treppengeländer heruntergerutscht? Der Herr begann gutmütig zu lachen. Die Antwort muß ihm gefallen haben. Cs war Pierpont Morgan. Die Karriere des Zeitungsjungen war gemacht. . .
Lochschulnocknchten.
— Der ordentliche Professor der Kinderheilkunde an der Universität Köln Geh. Medi^inal- rat Dr. Ferdinand Siegert ist auf feinen Antrag zum 1. April 1931 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Prof. Siegert begann 1896 als Privatdvzent in Straßburg. Später wurde er Extraordinarius und Direktor der Kinderklinik in Halle, von wo er 1904 als Professor an die Akademie für praktische Medizin nach Köln berufen wurde. — Am Tage der Ber- fassungsfeier unb der Feier der Befreiung der besetzten Gebiete hat die Universität Frankfurt das Ehrenbürgerrecht verliehen dem Stadtrat Dr. Wilhelm O st c r h e 1 d in Wiesbaden und dem Regierungspräsidenten a. D. Geheimrat Dr. v. Stemmet ft et.


