Ausgabe 
2.8.1930
 
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Klus der Provinzialhauptstavt

Drehen, den 2. August 1930.

Oer Zauberwal-.

Wenn ich eine Stunde Weg durch Feld unb Flur nicht scheue, erreiche ich im DogelSberg einen gan^ kleinen Wald in der Rähe meines Heimatortes. Ich nenne ihn kurz den Zauber­wald: denn er birgt so viel Schönheiten, dah ich immer wieder von neuem überrascht werde. Der Eingang, den ich meisten- benutze, führt durch große, schlanke Tannen, die den Weg fast verdunkeln. Kommen wir auS der gleißenden Sonne, noch umhüllt von der heißen Luft^ um­fängt un- sofort angenehme Kühle. Den hatten Feldweg vertauschen wir mit einem weichen Ha- delteppich, auf dem eS sich wie in einem vorneh­men Zimmer wandern läßt. Wir atmen in tiefen Zügen die frische, harzige WaldeSluft.

Mit diesem t6ftlid/xn Gegensatz zwischen Son- nenhitze und WatdeSschatten werden wir sofort, in eine andere Welt versetzt. Langsam schlängelt sich der Weg nun bergan; denn gerade Schneisen sind in dem Zauberwald unbekannt. Die Tannen bleiben zurück, Buchen rauschen link- und recht-, und wir schauen in einen Hochwald, in dem die Sonne Helle Kreise malt. Das Laub raschelt jmtei unfern Füßen. Ein Reh flitzt vorüber, nur sicht­bar, wenn eS von einem Lichtstrahl getroffen wird. Schon ist e- im Unterholz de- kleinen Hügel- verschwunden

Und yun sind wir oben. Der Hochwald wird abgelöst von Gebüsch und Gesträuch. Haselnüsse, Hainbuchen, junge Eichen und Kiefern in bunter Abwechselung. Am Rande des Grabens, auf dem Weichen MooSpolster, die grüne Wand im Rucken, lagern wir uns. Ganz links kann man durch den schmalen Waldweg hinein auf da- weite Feld sehen. Die Verbindung mit der Außenwelt ist da. Keine fünf Minuten brauchen wir, um dem WaldeSschatten zu entfliehen, um draußen den fleißigen Schnittern und Schnitterinnen zu­zuschauen.

Aber wir bleiben im Wald; denn da- Bild von der kleinen Anhöhe muh man fest in sich einsaugen: die sich leise im Wind bewegenden Kronen der Buchen und Eichen, dahinter im Gegensatz zu beui schönen sonnenbeschienenen Grün die tiefbunfien Tannen. AuS dem Gebüsch in unserm Rücken tönen die Lieder der Waldvögel: Grasmücken, Hänflinge, Meisen und Finken in bunter Reihe.

Wir schlagen uns auf einem Jägerpsab durch den Riederwald und schrecken auch nicht zurück, wenn unS einmal «in Zweig in das Gesicht fährt; denn etwas weiter unten kennen wir einen Fuchsbau. Vielleicht haben wir Glück und sehen Meister Reinecke. Aber heute scheint er sich im Innern seiner Burg aufzuhalten. Einige Meter von dem Eingang zur FuchShöhle quillt klare- Wasser aus der Erde. Sine ganz einfache Tonröhre faßt die kleine Quelle, und bequem kann man daraus trinken. DaS labt und erquicktI 3n einem schmalen Graben, der sich nach und nach erweitert, fließt daS Wasser als Bächlein ab, wird aber drunten auf der Waldwiese in flacher Mulde aufgehaltcn und bildet einen klei­nen Weiher. tBirten, Eschen und wilde Kirsch­baume umkränzen ihn. Hier lagern wir zum zweiten Male. Am rieselnden Waldbächlein, eine klare Wasserfläche vor uns, umsäumt von aller­lei Sumpfblumen, da läßt es sich gut ruhen.

Die Sonne ist inzwischen höher gestiegen, und wir könnten mit einigen Schritten wieder durch den Hain hinaus in da- freie Feld gelangen. Roch sind aber nicht alle Reize entdeckt, die und der kleine Zauberwald bietet. Ein Pflanzgarten am Weg lockt zunächst zu kurzer Schau. Wir freuen uns an den kleinen Zwergbäumchen, die ordentlich in Reih und Glied stehen; sehen, da die Türe unverschlossen ist, in die Waldhütte, die auch von den Sägern alS Rachtlager benutzt wird, und machen einen Sprung über einen tiefen Graben und kommen dann in eine Schlucht, die zur Regenzeit ebenfalls von einem Wässerlein durchflossen wird, jetzt aber vollständig auS- getrodnet ift Ein Trepplein, das in die weiche Erde eingehauen und mit Rundholz gestützt ist, führt hinab. Schlanke Eschen umgürten die Was­serrinne. Unser Fuß sinkt ein, überall raschelt eS. Frösche leben hier, und wir haben sie in ihrer Ruhe gestört. Auch eine Ringelnatter kreuzt un­fern Weg, der jetzt wieder durch Gebüsch führt biS hin zu einem Steinbruch. Er liegt verlassen und einsam. Schon lange Iah re sind es her, daß hier Steine gebrochen wurden. Run aber haben alle möglichen Pflanzen die Felsen über­wuchert, sogar einige der giftigen Tollkirschen stehen da mit ihrem tiefbunfien Laub.

Unb dann sind wir am Waldrande. Noch liegt unser Weg im Schatten der Bäume, wird aber nach­mittags überflutet und durchglüht von der Sonne. Hier holten wir einst die ersten Erdbeeren. An den Wald schließt sich eine breite, von drei Seiten ein- Seschlossene Wiese an. Gerade diese Waldwiesen oben es mir von jeher angetan. Sie bilden auch den Hauptreiz des Vogclsberqes. Gegen Abend, wenn die Sonne nur noch die Baumwipfel bescheint, fitze ich hier am liebsten. Dann kommen die Rehe, um ungestört zu grasen, die Hasen hoppeln gemütlich durch das niedrige ©ras, ganz in der Ferne hört man einen Eisenbahnzug rattern ...

Warum ich das alles hier erzähle, warum ich diesen kleinen, noch nicht einen Quadratkilometer großen Wald einen Zauberwald nenne, und wo er zu finden ist, das möchten manche gern wißen?

Ich wette, daß wir in unserer Heimat viele, viele solcher Wälder haben, man muß sie nur suchen. Wenn sie auch nicht alles so in dem Maße enthalten, wie der geschilderte, in der Hauptsache werden sie unferm Zauberwald ähneln.

Wenn wir einen solchen Wald kennen, brauchen wir nicht neidisch zu sein auf die Bekannten, die nach Thüringen oder in den Harz gefahren sind. Wir finden vollen Ersatz in unserm Wald. Wir können an einem versteckten Plätzchen, gleich hinter dem Steinbruch, Sonnen, und Luftbäder nehmen, wir können drunten im Bach baden, wenn auch nicht schwimmen Wir haben in diesen kleinen Wäldern alle Reize und Schönheiten unserer Mittelgebirge.

Darum auf, ihr Daheimgebliebenen, wandert hin­aus in den Zauberwald! Wenn wir am Abend dann heimkehren, haben wir auch ein Stück Heimat er­wandert, haben uns erholt und neue Kräfte ge­sammelt! H.

Nicht -as Reich, fonhem der Staat.

Rach einer Mitteilung der Stadtverwaltung ist die gestrige Meldung über die Gewährung der Beihilfe zum Dau des Gießener D i e h h o f e S dahin richtigzustellen, daß die Bei­hilfe nicht vom Reiche, sondern vom hessischen Staat gewährt wurde.

Die städtischen Säufer in der Schwarzlach

30 Wohnungen heute bezogen.

Von dem Bau der 60 städtischen Wohnungen am verlängerten Asterweg (Schwarzlach) sind jetzt 30 Wohnungen in dem auf der östltchen Strassen­seite gelegenen Baublock fertiggestellt. Seit gestern nachmittag ift dort der Einzug der Mieter im Gange. Von den fertiggestellten 30 Wohnungen gehören 12 dem Typ A (zwei Zimmer und Wohnküche mit Zubehör). 18 Woh­nungen dem Typ B (drei Zimmer mit Wohn­küche und Zubehör) an. Da die Wohnküchen in einer Weise geichassen wurden, die man wegen ihrer ganzen Durchführung als vorbildlich be­zeichnen kann, darf man mit gutem Grund sagen, daß der TypA eigentlich Drei-Zimmer- und der Typ B eigentlich Vier-Zimmerwohnungen dar- stcllt. Die reinen Baukosten pro Wohnung be­laufen sich beim Typ A auf 6800 Mark, beim Typ B auf 7850 Mark. Da^u kommen noch einige Rebenkosten und der DeländepreiS, fo daß sich der gesamte Gestehungspreis für die Wohnung nach TypA auf 8160 Mk., für die Wohnung nach Typ B auf 9420 Mk. beläuft. Der Preis auf den Kubikmeter umbauten Raum berechnet, macht 24,70 Mk. aus. Für den Dau wurden Mittel an­der Sondergebäudesteuer verwendet. Jnfvlge- dessen stellt sich die Verzinsung für die Kosten einer Wohnung nach TypA auf 6,3 Droz, für die Kosten einer Wohnung nach Typ» auf 6,1 Prozent.

Die Mietpreise für die Wohnungen sind wie folgt festgesetzt: Typ A: Erdgeschoß 42 Mk., erstes Obergeschoß 44 Mk., zweites Obergeschoß 43 RN. monatlich; Typ B: Erdgeschoß 47 Mk., erste- Obergeschoß 49 Mk., zweites Obergeschoß 48 Mk. monatlich Der reine Wohnraum in den Wohnungen Typ A umfaßt 56,7 Qüabratmcter, in den Wohnungen Typ B 71,2 Quadratmeter.

Gestern nachmittag besichtigten die Mitglieder des städtischen Bauausschusses und die Vertreter der Presse die neugeschaffenen Wohnungen. Man ge­wann dabei allgemein den Eindruck, daß unsere Etadtbauverwaltung mit diesen Wohnungsbauten ein Werk geschaffen Hot, bas sich in bester Weise sehen lasten kann. Die Abmessung der Zimmer ist für das Maß von Kleinwohnungen reichlich, die Zimmer entsprechen auch mit einer Höhe von 2,50 Meter allen modernen Ansprüchen. Die Wohn- kiicben sind mit Kohlen-Kochherden ausgerüstet, je- doch ist in jeder Wohnung auch der Anschluß für Gas- ober Elektrizitäts-Kochherde bereits vorgesehen. Sehr praktische Spültische und eingebaute Küchen­schränke vervollständigen die Wohnküche samt zu­

gehöriger Speisekammer in guter Weise. Jede Woh­nung hat ferner Dadeeinrichtung, die aus emaillier­ter Badewanne und aus Wand-Badeofen mit Bri- ketthcizung befteht. Ferner ift in allen Zimmern in ausgiebiger Weise elektrischer Lichtanschluß vorhan- ben. Zu jeder Wohnung gehört weiterhin ein größe­rer Kellerraum zum Lagern von Kohlen und Kar­toffeln usw., ferner ein kleinerer Kellerraum, in dem Gartenarbeitsgeräte usw. abgestellt werden können. Weiter hat jeder Wohnunasinhader ein Stück Gar- tenlanb am Hause zur Sepügung, bas für die Woh- nungen nach Tvp B etwa 65 qm, für die Wohnun­gen nach Typ A 45 qm groß ift. Zur gemeinsamen Benutzung der Hauseinwohner sind im Souterrain eine schön« große Waschküche mit anschließendem langem unb sehr luftigen Trockenraum vorhanden, der auch so gut gesichert ist, dah die Hausfrauen die Wäsche ohne Besorgnis während der Nacht zum Trocknen hängen lasten können. 3m Treppenhaus sind automatische Lichtschalter für vorübergehende nächtliche Beleuchtung der Treppe angebracht, ferner ist zur Erleichterung des Dienstes der Briefträger an jeder Haustür ein Sammelbriefkasten mit ent- sprechender Unterteilung für jede Wohnung ein­gebaut.

Die Häuser werden demnächst von außen noch verputzt, ferner wird vor ben Häusern eine Cor- gartenfront angelegt werden, wodurch der gesamte Wohnhausblock einen harmonischen Abschluß und freundlichen Anblick erhalten wird.

Der Wohnhausblock auf der westlichen Straßen­seite, der zur Zeit im Rohbau dasteht, wird nunmehr ebenfalls im Innenausbau in Angriff genommen werden. Das Hochbauamt will die Arbeiten so nach- brücklich betreiben, daß dieser Baublock voraussicht­lich zum 1. Dezember bezogen werden kann.

In Verbindung mit der Fertigstellung des östlichen Wohnhausblocks ist auch die Straße im Bereiche der neuen Wohnsiedlung fürs erste so hergerichtet worden, daß gute Passierrnöglichkeit geboten ist. Die endgültige Fertigstellung der Straße dürfte nach der Vollendung des zweiten Wohnhausblocks zu er­matten sein.

Als Gesamturteil über diese neue städtische Wohnsiedlung ist zu sagen, daß man der Stadt­verwaltung und 6cm Etadtrat für die Bereit­stellung der Geldmittel, aber auch dem städtischen Hochbauamt und seinem Leiter, Stadtbaurat G r a v e r t, Anerkennung aussprechen muß für die vorbildliche Art, in der hier dem Klein»- Wohnungsbedürfnis Rechnung getragen ist.

50. Stiftungsfest des Akademisch-Theologischen Vereins.

Unter reger Beteiligung der Gießener Be­völkerung sand am Donnerstag anläßlich des 5 0. Stiftungsfestes des Akademisch- Theologischen Verein- um 9.30 Uhr in der Stadtkirche der

Hestgottesdiensl

statt. Die Predigt hielt A. H. Superintendent Lic. theol. Dornemann aus Goslar. Die Predigt entnahm auS dem Gleichnis vom Sämann das Dild für die Arbeit des Pfarrers. Verbunden mit dem Dank für erfahrenen Segen muh stets die Bitte um weitere Hilfe sein, die in das Gebet: Herr erhalte unS dein Wort" sich zusammen­fassen läßt. Zwei Stellen sind eS, für oie Gottes Segen wirksam erbeten werden muß: 1. Für die Stätte, wo die Aussaat des heiligen Wortes Gottes vorbereitet wird, und 2. die Stätten, an denen Aussaat geschieht in Stadt und Land. Der erste Teil wandte sich den Männern der theo­logischen Fakultät im verflossenen halben Jahr­hundert zu und ihren Studenten, insbesondere dem theologischen Verein. Zum zweiten Teile sprach er von der Pfarramtsarbeit als einer schweren, einsamen Arbeit für die Zukunft, einer Arbeit auf Hoffnung, wie des Sämanns Arbeit. Wie diesem seine Gedanken bei der stillen Ar­beit klingen, so tönen dem Pfarrer Stimmen, die ihm Haltung, Achtung, Kraft und Ausdauer geben. Darauf tief der Prediger die Männer, die er gekannt hat, mit einem kurzen Wort ins Ge­dächtnis zurück: Stade, Hamack, Schürer, Kat- tenbusch aus seiner Zeit vor 50 Jahren, aber auch Gottschick, Drews, Eck und Dousset. Die Predigt klang auS in dem Liede, das die Ge- meinbe als ihre Bitte auf nahm: »Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mirl"

Unmittelbar an ben Gottesbienst schloß sich der Festzug an, der von der Stadtkirche zur Reuen Aula führte. Hier fand dann der

Festakt

statt, den der Erste Chargierte des A. Th. D., stud. theol. Hans Karl Scherrer in begrüßen­den und dankenden Worten leitete.

Seine Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Drüggemann begrüßte den Verein namens der Uniberfität. Er betonte die Schwere der Ver­antwortung, die heute dem Theologen auferlegt ist, der dem deutschen Volke gerade in unfern Tagen ein Führer zu fein berufen ist.

Die Glückwünsche der theologischen Fakultät überbrachte Prof. Dr. theol. et phil. Schu­mann. Er führte aus, daß der Verein selber

zusammen mit der Theologie an einem Wende­punkt innerhalb der Geschichte stehe. Feinsinnig kleidete er die Forderung, die sich auS dieser Situation ergibt, in daS Wortspiel: Die Rot- wendigkeit deS Vereins erwiese sich dann in der Folgezeit, wenn er die Rot unseres Vaterlandes wenden könne.

Der Vertreter der Stadt betonte daS stets gute Verhältnis, das zwischen Bürgerschaft und Verein bestanden habe, unb wünschte bem Verein ein weiteres Blühen und Gedeihen.

Seitens der Landeskirche überbrachte Prälat Dr. theol et phil. Diehl herzliche Glückwünsche, denen er in launiger Weise noch einige per­sönliche Wünsche anfügte. Er ging aus von dem Worte: Gissa est cos. Gießen ist ein Schleif­stein. Hier werden die Geister geschliffen auf der Universität für die Aufgaben des späteren Berufes. Daß bei dieser Arbeit der Verein an feinem Teil mitwirke, war die sich daraus er­gebende Folgerung.

Rach diesen Begrüßungen erfolgte die lieber* gäbe der Festschrift durch AH. Prof. Dr. theol. Bertram.

Daran schloß sich der Dorttag von Kartell- A. H. Privatdozent Pfarrer Dr. theol. Laag aus Greifswald-Groß-Dünzow. An Hand von Lichtbildern wurde die altchristliche Plastik Spa­niens im Lichte der neuen Ausgrabungen von Tarragona bargestellt. Der Festredner wieS nach, daß die bisherige Annahme, die Sarkophagkunst in Spanien wäre nur von Rom auS beeinflußt, sich nicht halten läßt. Zwar besteht eine deut­liche Verwandtschaft der Sarkophagkunst Spa­niens und Roms. Aber die neuen Ausgrabun­gen von Tarragona beweisen, wie stark die ravennattsche, afrikanische unb koptische, sowie syrische Kunst auf bie Kunst Spanien- einge- wirkt haben. Spanien muß zur Zeit der Völ­kerwanderung eine eigene Kunstschule in Tarra­gona besessen haben, in der all diese Strömun­gen von außerhalb her auf gefangen unb zu etwas Eigenem verarbeitet worden sind. Der gehaltvolle Vorttag schloß mit der Besprechung eines westgvtischen Sarkophages. Trotz mangel­hafter Technik ist hier im Gegensatz zu aller römischen unb griechischen Kunst der Versuch des Künstlers, psychologisch verständnisvoll die Personen zu behandeln, gemacht worden.

Der Festakt in der Aula fand mit einer Ge - däch tnisanspr ach e von Psarrer G om bel am Gefallenendenkmal in der Universität seinen Abschluß. J. H. K.

Unglaubliches RoheitSaki an her Freilichtbühne im Stadtwalh.

Ein Dild der unsinnigsten Ver­wüstungen in der Freilichtbühne im ©tabttoalb bot sich dieser Tage den Besuchern der Anlage. Mit van- dalischer Wut ist hier von dem ober ben Tätern gehaust worden. Sie Türen zu ben beiben Block­häusern sink) erbrochen, die eine ist mitsamt ben Scharnieren herausgerissen. Ein Stuhl würbe total zertrümmert und eine Dank zusammen­geschlagen. Jnneneinrichtungsgegenstände, die für Einbrecher nicht verwendbar sind, wurden weg­geschleppt und in einen Brunnen geworfen. So­gar Steine wurden aus bem Erdboben gerissen unb wahllos umhergeworfen. Die beiden Block­häuser, überhaupt die ganze Anlage, sind s v verwüstet, daß im jetzigen Zustande jegliche Verwendungsmöglichkeit ausgeschlossen ist.

Hoffentlich gelingt es der Polizei bald, die Täter festzustellen, damit ihnen ein ordentlicher Denkzettel verabreicht wird.

Gießener Wochcnmarktprcise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 10 bis 15; Spinat 20 bis 25; Römischkohl 8 bis 10; grüne Dohnen 20 bis 25; gelbe Dohnen 25 bis 30; Unter- Kohlrabi 8 bis 10; Erbsen 20 bis 25; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 10 bis 15; Pilze 30 bis 35; Kartoffeln 6 bis 7; Frühäpfel 20 bis 25; Fall­äpfel 5 bis 6; Dirnen 20 bis 30; Dörrobst 30 bis 35; Sauerkirschen 40 bis 45; Heidelbeeren 30 bis 35; Stachelbeeren 20 bis 25; Johannis­beeren 20 bis 25; Pflaumen 25 bis 30; Mira­bellen 40 bis 45; Reineklauden 40 bis 45; Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130; Suppen­hühner 100 bis 120; Rüsse 60 bis 70; Himbeeren 40 bis 45; Aprikosen 50 bis 55; Pfirsiche 60 bis 80; Drombeeren 45 bis 50; das Stück: Tauben 70 bis 80; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurten 20 bis 40; Gin- machgurken 2 bis 5; Endivien 10 bis 20; Ober- Kohlrabi 8 bis 10; Rettich 10 bis 15; das Bund: Radieschen 15 bis 20; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10 Pfennig,

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag. Artilleristen-Derein: MonatSvettammlung, 20.30 llbr, im .Hessischen Hof. Erste Reich-kurz- schriftgesellschasl .GabelSberger" und Damenab­teilung. Dereinsabend, 20.30 Uhr. Lichtspiel­haus Bahnhofslrahe: .Fundvogel" unb .Sei ge­grüßt du mein schönes Sorrent". Astorta- Lichtspiele: ..Menschen-Arsenal" unb .Ein- und Sin- = Drei".

TageSkalenber für Sonntag. AlterSvereinigung 1877 bi- 1927: Sommervergnü­gen. 15 Uhr, auf ber Karl-ruh. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .FiiOvogel" unb .Sei gegrüßt bu schönes Sorrent . Asdoria-Lichtspieler .Menschenarsenal" und .Ein- und Ein- - Drei".

Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: Am nächsten Dienstag wirb alS einmalige unb letzte Wiederholung im Somincrabonnement Gustav v. Moser- LustspielDer Deilchensresser^ gegeben werden Die Spielleitung Hon- Tan­ne r t S verlegte da- Zeitbild diese- Stücke- irh da- Jahr 1890, ein Milieu, wie eS unS au- der unsterblichen OperetteDie Fledermaus" ober aus benJournalisten" bekannt ist. Regie führt Oberspielleiter HanS Tannert, der auch zugleich den lustigen Husarenleutnant Viktor v. Dernst mttspielt. Es wirken mit bie Damen Doering, Jahn. Jüngling, Koch, Schwenb unb die Herren Dommisch, Häser, Linkmann. Rieren, Ritter. Seitz, Schelcher, Tannert, Dolck. Wahlen Wesener, Zingel. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr^ Ende gegen 22.30 Uhr.

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* UniversitätS-Personalie. Er­nannt wurde der Privatdozent bei der LandeS- universität Gießen Dr. Paul Schumacher zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät bet Lande-universität Gießen.

** Dienstjubiläum bei ber Reichs« b a h n. Am gestrigen 1. August konnte ber Rotten­führer Heinrich Volk bei ber Bahnmeisterei II Gießen auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichs« bahn zurückblicken. Anläßlich dieses Tages über­reichten ihm bie Bediensteten der Bahnmeisterei II Gießen als Zeichen treuer Kameradschaftlichkeit ein kleines Geschenk und wünschten ihm bei einer klei­nen, schlichten Feier noch viele Jahre voller Arbeits- frische.

Straßen sperre, mitgeteilt vom Oberhes­sischen Automobil-Club E. D. (A. v. D.) Gießen. Die Ortsdurchfahrt Laubach wird ab 4. August für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Rupperts- bürgGonterskirchenEinattshausen bzw. über LauterWetterfeld.

Die Museen sind am morgigen Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet.

* Die Gießener Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist mor­gen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr bei freiem Ein­tritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Er­wachsener Zutritt.

Oeffentliehe Bücherhalle. Jrn Juli wurden 1195 Bände au-geliehen. Davon kom­men aus: Erzählende Literatur 870, Zeitschriften 34, Jugendschriften 34, Gedichte unb Dramen 10, Qänber- unb Dölkerkunbe 93. Kulturgeschichte 6. Geschichte unb Biographien 72, Kunstgeschichte 12, Raturwissenschaft unb Technologie 35, Heer- unb Seewesen 2, HauS- und Landwirtschast 3, Reli­gion und Philosophie 5, Staatswissenschaft 14, Sport 3. Fremdsprachliche- 2 Bände. Rach aus­wärts kamen 9 Bände.

Erfolgreiche Abschlußprüfungen In den letzten Tagen fanden, wie man unS be­richtet, in der hiesigen Rervenklinik die Ab­schlußprüfungen für da- Staatsexamen als Pfle­ger statt. Die Prüflinge zeigten nach zweijähri­gem Lehrgang bei ben Prüfungsarbeiten sehr gutes Können. Bon 15 Pflegern konnten fast alle die Prüfung mit der Rote .sehr gut abschließen

Aufgeklärter Einbruch. Der vor kur­zem gemeldete Einbruch in das Vereinshaus auf dem Sportplatz des Vereins für Bewegungsspiele hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Aus Grund von Fingerabdrücken wurde ein junger Arbeiter aus Romrod bei Alsfeld als Täter ermittelt. Der junge Mann hielt sich nur kurze Zeit hier auf und benutzte diese Zeit zur Ausführung der Straftat. Auf fein Konto kommt ferner noch ein Einbruch in einem Otte bei Alsfeld. Der Täter wurde verhaftet unb dem Amtsgerichtsgefängnis in Alsfeld zugcführt. Mit den wiederholten Einbrüchen in Alsfeld unb Lauterbach über die seinerzeit berichtet wurde, hat der junge Mensch allem Anschein nach nichts zu tun.

AbressenauSkünfte ber Reichs­post. Die ReichSpost hat in ihrem Destreben, In erster Linie bem Publikum zu dienen, in der letzten Zeit Wege beschritten, die geeignet sind, im Publikum Sympathien zu erwecken. So ist u. a. vor kurzem eine Verfügung erlassen worden, nach der sämtliche Postanstalten verpflichtet sind, Auskünfte über Adressenanfragen nach Möglich­keit zu beantworten. Diese Auskünfte sollen gegen eine ganz geringe Gebühr von drei Pfennigen er­teilt werden. Wenn es sich um fünf Auskunfts­anträge handelt, werden nur zwei Pfennige pro Auskunft berechnet. Bei dieser Einrichtung han­delt es sich, wie wir hören allerdings vorerst nur um ein Provisorium, da die Reichspost zu­nächst einmal feststellen will, ob tatsächlich seitens des Publikums ein Bedürfnis für diesen Dienst vorliegt. Da die Reueinrichtung erst seit einigen Wochen besteht, ist eS im Augenblick noch nicht möglich, einen Ueberblick über die bisherige Fre­quenz zu gewinnen

Rektoratelwechsel

an der Technischen Hochschule.

WSR.. Darmstadt, 1. Aua. Zum Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt wurde für die Zeit vom 1. September 1930 biS 31.August 1931 Professor Dr. Lothar Wöh- l e r gewählt unb vom StaatSministerium be­stätigt.

Verantwortlich für bas Feuilleton 1. D-: Dr. Fr. W. Lang e.

Erft,wenn man öieMch mit Kathreiner gemischt trinkt,wirb sie richtig veröaut!

... rvieöer ein Snmö mehr, immer Kathreiner zu trinken/