Ausgabe 
2.8.1930
 
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Interessen unter Berufsschichten und wirtschaftlichen Machtgruppen sorgfältig aufgeteilte Liste vor, der breiten Oeffentlichkeit meist unbekannten Namen. Erst im Parlament schließen sich in Frankreich die gewählten Deputierten zu Fraktionen zusammen, die dann, an sich nicht minder zersplittert wie bei uns, sich häufig erst ad hoc für das eine oder andere Gesetzgebungswerk zu einer Mehrheit zu­sammenfinden. Leicht ist also das Regieren auch in Paris nicht. Aber dcrftärkere persönliche Kontakt des einzelnen Deputierten oder Senators mit seinem Wahlkreis hält das Interesse der Wähler­schaft weit reger wach und fördert einen steten Gedankenaustausch, von dem bei uns kaum noch ernsthaft die Rede sein kann.

Es ist zweifellos ein Verdienst des Reichspräsi­denten und des Kabinetts Brüning, einer Auf­lockerung des deutschen Parteiensystcms Bahn gebrochen zu haben. Die Bildung einer neuen Konservativen V o l k s p a r t e i, die mit den Ehristlich-Sozia len und der Christlich- Nationalen Bauern- und Landvolk- Partei zusammen in den Wahlkampf marschieren wird, ist das erste Ergebnis dieser Auflockerung und Neuorientierung. Damit stellt sich endlich wieder eine starke konservative Gruppe zur ver- antwortungsbewußten freudigen Mitarbeit am Staate von heute zur Verfügung, die zum Ausgleich der politischen Kräfte allzulange schon entbehrt werden mußte.

Die Liberalen aller Schattierungen haben leider weniger glücklich vperiert. Schon in der zwei­ten Wahlwochc hatte der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz, an frühere, damals ver­gebliche Sammlungsbcstrebungen anknüpfend, die Konservative Dolkspartei, Landoolkpartci, Wirt­schaftspartei und Demokraten zu Verhandlungen über eine Sammlung der Mitte cingeladcn. Dazwischen platzte, offenbar nicht allein für die brei­tere Oeffentlichkeit üverraschend, die Gründung der Deutschen Staatspartei durch füh­rende demokratische Politiker mit dem Parteivor- sitzenden K o ch - W e s e r an der Spitze und durch die Volksnationale Reichsvereinigung des Jung- deutschen Ordens unter Führung Arthur Mahrauns. Wir haben diese Gründung, so über­raschend sie auch uns kam, begrüßt als eine mutige, befreiende und klärende Tat, die geeignet sein konnte, mit frischer Energie aus den sumpfigen Niederungen varteibürokratischer Enge hinauszuführen in die freie Atmosphäre, die zwischen verantwortungsbewußten, entschlußfreudigen Persönlichkeiten herrschen muß, soll etwas Hieb- und Stichfestes zustande kommen, ohne vorher an den Hemmungen und Reibungen der Nichtsalsparteibonzcn um) die gibt es überall zu scheitern. Wir waren auch nicht begriffsstutzig genug, nicht einzusehen, warum Herr Koch-Weser darauf verzichtet hatte, den parteiamtlichen Apparat der an der Gründung einer Sammel­partei interessierten Nachbarn zur Rechten von sei­nem Vorhaben in Kenntnis zu setzen, er hatte ja auch die eigene Parteibürokratie aus naheliegen­den Gründen nicht bemüht. Wenn wir also für diesen Schritt Sympathie zeigten und wenig Ver­ständnis übrig hatten für das verärgerte und klein­liche Gemäkel, mit dem das parteiamtliche Organ der Volkspartei die Neugründung begleitete, so aller­dings unter der uns selbstverständlich dünkenden Voraussetzung, daß die Gründer, wenn auch nicht mit der Parteibürokratie, so doch um so enger m i t führenden Persönlichkeiten derVolks- partei und der Wirtschaftspartei Füh­lung genommen und sich ihrer Zustimmung ver­sichert hatten. Aber nicht nur das sollte sich als Trug- schluß Herausstellen, es fehlte in Wahrheit auch an der Unterstützung derjungen Dolksparteiler" mit der man offenbar recht voreilig vor der Oeffentlich- keit.operiert hatte. Die Deutsche Staatspartei kommt also auf eine demokratisch-jungdeutsche Gründung heraus, die, wie sich bald Herausstellen sollte, über­ängstlich darauf bedacht ist, ihre Grenzen nach rechts Hill nicht zu weit zu stecken, obwohl der außerpar­lamentarische Führer der neuen Partei, Arthur Mahraun, im wohlverstandenen Interesse seiner jungdeutschen Gefolgschaft, die Notwendigkeit einer Frontverlängerung nach rechts besonders betonte und einen scharfen Trennungsstrich zu dem pazifisti­schen Flügel der ehemaligen demokratischen Partei

zog.

Unter diesen Umständen wird man es nachträglich immerhin begreiflich finden, daß der Führer der Volkspartei, Dr. Scholz, nicht ohne weiteres auf seine eigene, erheblich weiter gesteckte Samm­lungsaktion verzichtete, zumal ihm bei einem Zu­sammenschluß mit der neuen Deutschen Staatspartei sehr daran liegen mußte, auch d i e Wirtschafts­partei mit einzubeziehen. Wenn er noch' wei - ter ausgreifend an eine gemeinsame Front von Westarp bis Koch-Weser gedacht hat, so wäre eine Zusammenarbeit auf breitester Basis durchaus zu begrüßen gewesen, wenn es sich darum gehandelt hätte unter selbstverständlicher Wahrung des Burgfriedens miteinander gemeinsam Grund­sätze für die Vertretung des Reformwerks der Reichs­regierung festzulegen und eine Fraktionsgemeinschaft im neuen Reichstag vorzubereiten. Auch eine Listen­verbindung hätte sogar erwogen werden können, aber eine feste Parteiorganisation, die alle Gruppen von den Konservativen des Grafen Westarp über Christlich-Soziale, Landvolk, Wirt­schaftspartei, Dolkspartei bis zu der neuen Staats­partei Kochs und Mahrauns umfaßt hätte, wie sie Herrn Dr. Scholz auch über diesen Wahlkampf hin­aus offenbar oorschwebte, halten wir für eine Utopie. Wir können nicht an die Nützlichkeit einer solchen festen Vereinigung von Konservativen und Liberalen glauben. So abgeschliffen auch beide Staatsauffassunaen für die große Masse der Wähler fein mögen, instinktmäßig sind sie auch hier noch deutlich spürbar, und mögen sich die politischen Trä­ger beider Maximen aud) für die Bewältigung be­stimmter Aufgaben zusammenfinden, so gibt es doch Probleme man denke nur an die Kulturpolitik die früher ober später eine Scheidung der Geister bedingen. Wir mödjten aber auch die Zweckmäßig­keit einer solch weit umspannenden Parteioraani- [oiion für den gegenwärtigen Wahlkampf bezweifeln. Wir glauben, bah es mit einem gemeinsamen Wahl- aufruf und der Bindung auf eine Fraktions. oder Arbeitsgemeinschaft im künftigen Parlament bei dem nun einmal in Rechnung zu stellenden Hang des deutschen Wählers nach kleinen Parteien feines eige­nen persönlichen Geschmacks eher gelingen wird, durch intensive Arbeit jeder einzelnen zur Wahl- gemeinschaft der großen Mitte gehöri­gen Partei in den ihr nahestehenden Volksschichten unter strenger Wahrung des Burgfriedens und aus­drücklicher Betonung der gemeinsamen Front das Bürgertum lückenlos an die Wahlurne zu bringen.

Daß die Deutsche Staatspartei sich dieser, nach dem Scheitern engerer Zusammenschlußbestre­bungen von Dr. Scholz vorgeschlaaenen Wahl- und späteren Arbeitsgemeinschaft versagt hat, ist un­erfreulich für das Ganze und ein schlechter Auftakt für die junge Partei selber. Die Begründung für

Oie Gchinkelwache als Berliner Gedächlnismal für die Gefallenen.

Wie schon am Donnerstag mitgeteilt wurde, hat die preußische Regierung im Einverständnis mit ber Reichsregierung beschlossen, bic berühmte Sch In­tel s ch e Wache Unter ben ßinben gegenüber dem Opernhaus nach ben der breiten Oeffentlichkeit bis­lang unbekannt gebliebenen Plänen von Professor Tessenow zu einer Gedächtnis st ätte für bie Gefallenen auszubauen. Wir hatten für den Gebauten an sich volle Sympathie. Auch der Reichspräsident stand der Idee sympathisch gegenüber. Der Plan Tessenows sowohl, wie auch die bureaukratische Eigenmächtigkeit, mit ber bie preußische Regierung ohne Fühlungnahme mit ber Bevölkerung nach burchaus absolutistischem Muster bie Einrichtung einer Gedächtnisstätteverfüg t", hat in allen Kreisen, bis weit in bie sozialistische Presse hinein, Befremben und Widerspruch erregt.

Der bekannte Architekt Prof. Bodo Ebhardt stellt ber Telegraphen-Union auf ihre Anfrage fol­gende Stellungnahme zur Verfügung: Der Reichs­ausschuß für bas Reichsehrenmal ist an ben Verhandlungen und Entschlüssen über die Um­bildung der Alten Wache zu einem Ehrenmal für Berlin in keiner Welse beteiligt. Allge­mein bekannt dürfte aber sein, daß der Gedanke einer solchen Verwertung der Alten Wache vom Reichspräsidenten bereits vor längerer Zeit befürwortet ist. Der betrübende Zustand, daß in der Reichshaupt st adt ein Ehren m a l überhaupt nicht bestand, an dem Auslän­der, die solche Wünsche immer wieder vorgetragen haben, einen Kranz niederlegen konnten ober eine Ehrung ber deutschen Gefallenen hätten vornehmen können, kann unter Umständen als Entschuldigung für den überhasteten und ohne Fühlung mit bem

deutschen Volke gefaßten Entschließung dienen. Da­mit ist freilich eine großeGelegenheit ver- säumt, auch in Berlin ein Denkmal zu schaffen, das mit dem Herzen des Volkes zusammenhängt. Auch die Beschränkung der künstlerischen Ent- rourfsfinbung auf einen einseitig flujam­me n g e ft eilten engen Kreis von Künst­lern entspricht in keiner Weise der Gröhe ber Aufgabe ober ber in einer Demokratie (elbftoer- stänblichen Beteiligung aller vorhanbenen künstle­rischen Kräfte an einer großen vaterländischen Auf- gäbe.

Zu der Umwandlung ber Schinkelschen Wache nimmt auch das sozialdemokratische Blatt berA b e n b" kritisch Stellung. Das Blatt schreibt unter anberem: Zu der ministeriellen Verlautbarung ist zweierlei zu bemerken und man möchte hoffen, daß diese Proteste nicht auf bem Papier ber öffent­lichen Meinung bleiben, üderbieunserhoher Bureaukratismus s l ch mit souveräner Mißachtung hinwegsetzt, sondern daß sie von tulturberoufoter Stelle im Preußischen Landtag aufgegriffen und zur Sprache gebracht werden. Zu­nächst gibt es im Entwurf von Tessenow einige schwache Stellen, die nicht unver­ändert ausgeführt werden können. Zweifellos muß aber immer wieder gegen bie Eigenmäch­tigkeit Einspruch erhoben werben, mit der un­sere Behörden sich in künstlerischen Fragen über bie öffentliche Meinung, jaüoereinfacheStaats- bürgerrechte Hinwegsetzen. Das Prinzip biefes Bauabsolutisrnus, das im preußischen Finanzministerium sein stärkstes Bollwerk besitzt, ist unmöglich.

ihre Weigerung war dazu noch so fadenscheinig wie nur möglich: Zentrum und Bayrische Volk s partei sollten den geplanten Wahlaufruf mitunterzeichnen, für ben neuen Reichstag aber wolle man sich jedeFreiheitdes Hanbe 1 ns vor­behalten. Es ist bie alte Taktik ber Demokraten, bie auf bie Tuchfühlung nach links nicht glaubt ver­zichten zu können. Man darf gespannt sein, wie sich in Zukunft Mahraun und ber Iungdeutsche Or- ben hierzu stellen werden. Das Zentrum ist bie Antwort an Herrn Koch nicht schuldig geblieben. Die Germania" schreibt mit betonter Schroffheit, die Staatspartei wolle sich dem Rufe des Herrn Dr. Scholz entziehen und suche einen Vorwand, um aus der ihr unangenehmen Situation heraus­zukommen, dafür scheine ihr das Zentrum gut ge­nug zu fein. Die spitzfindige Taktik des Herrn Koch- Weser ist allerdings wenig geeignet, den Vorwurf volksparteilicher Kreise zu derftreuen, als ob es sich bei ber Gründung der Deutschen Staatspartei aus- schließlich um ein demokratisches Unternehmen han­dele, das durch Hinzuziehung des Iungdoutschen Or­dens bei der jüngeren Generation um Sympathien werben wolle, dem aber an einer wahren Samm­lung ber Mitte wenig ober gar nichts gelegen sei. Wir möchten jeboch vorläufig die Hoffnung nicht aufgeben, daß trotz der schweren taktischen und psy­chologischen Fehler der letzten Woche, die ernsthaften und ehrlichen Anstrengungen um die Einbe­ziehung ber Staatspartei in bie große bürgerliche Wahl- und Arbeitsgemeinschaft sowohl, wie auch die ebenso ehrlichen Bemühungen um einen engeren organisatorischen Zusammenschluß des liberalen Bürgertums von beiden Seiten nicht vorzeitig auf- gegeben werden. Das große Ziel würde die Mühe lohnen!

Keine Strafaussetzung bei Ver­urteilung wegen Waffentragens.

Strenge Verfügung in Preutzen.

Berlin, 1. Aug. (WTD. Amtlich.) Der preu­ßische Iustizminister Dr. Schmidt hat eine Ver­fügung erlassen, in der auf die Verordnung des Reichspräsidenten über den Waf f enmih- brau ch auf Grund des Artikels 48 der Reichs­verfassung hingewiesen wird und eine Um­wandlung der Gefängnis- in eine Geldstrafe nicht für zulässig erklärt wird (§ 27 StGD.). Soll der Zweck der Der- ordnung, so heißt es weiter, erreicht werden, so wird die verhängte Gefängnisstrafe in der Regel unnachs ichtlich vollstreckt werden müssen. Ohre bedingte Aussetzung mit Bewährungsfrist wird nur ganz ausnahmsweise beim Vorliegen besonderer Umstände gewährt werden dürfen. Auch die bedingte Aussetzung eines Telles der Strafe wird grundsätzlich nur in Frage kommen, wenn mindestens drei Monate der Strafe voll- streckt find. Man darf wohl annehmen, daß diese erfreulich rigorose Verfügung des preußi­schen Oustizministers auch in den anderen Ländern bald Nachahmung finden wird, na­mentlich auch In Hessen, wo angesichts deS er­staunlichen älrteils der Berufungsinstanz im Wormser Aufruhrprozeß eine rücksichtslose Durch­führung der Notverordnung über den Waffen- nnßbrauch besonders am Platze ist.

Aniikriegskundgebungen in Berlin.

Berlin, l.Aug. (WTD.) Die Sozial­demokratische Partei hatte anläßlich des 1. August zu einer Kundgebung gegen den Krieg aufgefordert. Ort der Kundgebung war der Lust­garten vor dem Schloß. Die Kommunistische Partei hatte ebenfalls ihre Anhänger zu einer Antikriegsdemonstration versammelt, die auf dem Winterfeldt-Platz im Westen stattfand. Die Poli­zei, die auf höchster Alarmstufe stand, leitete die Demonstrationszüge durch die Auf- marschstrahen, so daß jeder Zusammenstoß zwi­schen Kommunisten und Sozialdemokraten ver­mieden werden konnte. Die Dezirksgruppen der Sozialdemokraten erschienen unter Führung von 20 Kapellen im Lustgarten. Mehrere hundert große rote Fahnen und Transparente mit In­schriften gegen den Krieg und gegen den Fa­schismus wurden von den Zügen mitgeführt. DaS Reichsbanner hatte den Schutz- und Ord­nungsdienst gestellt. Crispien hielt eine An­sprache.

Der Straßenaufmarsch der kommunisti­schen Züge zur Antikriegsdemonstration, die auf dem Winterfeldt-Platz ftattfanb, zeigte eben­falls zahlreiche rote Fahnen und Transparente mit der Aufschrift .Nie wieder Krieg!", ferner Gruppen von Kriegsbeschädigten in Fahrstühlen und Blinde mit ihren Hunden. Besonders fiel

die erhebliche Zahl von Motorrädern der kom­munistischen Kraftfahrabteilungen auf. Die Polizei muhte an verschiedenen Stellen einschreiten. 3n einzelnen Zügen verfrühten An­hänger des Rotfrontkämpferbundes in verbotener Uniform mitzumarschieren. Sie wurden aus dem Zuge heraus verhaftet.

Der Kommunistenaufstand in China.

Tschangtscha von Nankingtrnppen zurückerobert.

Nanking, l.Aug. (WTD.) Wie das Ma- rlnemlniftertum amtlich bekannt gilbt, hat es einen Funkspruch des chinesischen Kanonenbootes Vungtscheng" erhalten, wonach dieses nach einer Beschießung der Stellungen der roten Truppen Tscha ngtscha heute wiedererobert habe. Das Kanonen­boot landete Marinesoldaten, die bis zur Ankunft von Truppen aus Hankau den Patrouillendienft in der Stadt versehen. Nach einer in Schanghai eingetroffenen Meldung sollen die roten Truppen, die Tschangtscha geräumt haben, in nordöstlicher Richtung auf Hankau marschieren. Tschi- angkaischek hat Truppen von Tschungking nach Hankau zur Verstärkung entsandt. Tschiangkai- scheks Plan soll ein groß angelegtes strategisches Flankenmanöver sein. Er wirft zur Zeit fünf Divisionen auf dem Seewege nach Tsingtau, von wo sie mit der Eisenbahn nach Tsinan be­fördert werden sollen, um die in Schantung stehenden Truppen der Nordarmee von der Seite her aufzurollen.

Vom kommunistischen Hauptquartier in Schang­hai ist eine Proklamation für einen allgemei­nen Aufstand der Kommunisten in den Provinzen Hupei, Hunan und Kiangsi erlassen worden mit der Absicht, Hankau wenn irgend- möglich morgen zu erobern. Die Kommunisten verfügen im Gebiet von Mittelchina über etwa 60 000 Mann, die mit 45 000 Gewehren, einer großen Anzahl von Feldgeschützen, Flugzeugen und Funkstationen ausgerüstet sind. In Hankau befinden sich nur noch einige ausländische Kon­suln und Angestellte führender Gefellschaften, die jedoch vorläufig auf einem britischen Ka­nonenboot untergebracht sind. Das KanonenbootAphis" ist gestern mit 49 Flücht­lingen aus Tschangtscha, darunter zwei Ameri­kanern, neun Franzosen, zwölf Engländern und vierzehn Deutschen in Hankau eingetroffen.

Aus aller Wett.

Der hessische Staatspräsident dankt Dr. Usinger.

Staatspräsident Dr. Adelung hat an den Landes­kommissar für die besetzten Gebiete Geheimrat Dr. Ufinger ein Schreiben gerichtet^ in dem es u. a. heißt: Es drängt mich, Ihnen den Dank und die Anerken­nung der Hessischen Staatsregierung auszusprechen für die wertvollsten Dienste, die Sie unserem Lande in langer schwerer Not- und Besatzungszeit geleistet haben. Sie hatten bis zur Räumung als Bevoll­mächtigter der Hessischen Staatsregierung beim Ober­kommando der Rheinarmee die Interessen des Lan­des und insbesondere der Bevölkerung des besetzten Gebietes wahrzunehmen. Sie sind diesen überaus schwierigen Aufgaben mit Takt, Besonnenheit und großem Geschick gerecht geworden und dürfen aus dem Amte scheiden in dem stolzen Bewußtsein, mit dem vollen Einsatz Ihrer Person das erreicht zu haben, was in dieser schweren Zeit zu erreichen möglich war. Das Ihnen heute zu bezeugen, ist mir Herzensbedürfnis.

R 100 in Kanada gelandet.

Das Luftschiff R 100 ist nach Beendigung seiner tranSatlantifdxm Fahrt am Freitag um 4.20 llbr Ortszeit (10.20 MEZ.) auf dem Flugplatz St. Hubert bei Montreal glatt gelandet. R 100 be­fand sich über dem St. Lovenzstrom längere Zeit i nein er sehr kritischen Lage. Das Luft­schiff geriet in einen Hefti gen ©ctoitter* sturm, der die Geschwindigkeit zeitweilig auf etwa 25 Kilometer in der Stunde herabminderte. Das Luftschiffi dessen eine Stabilisierungsfläche einen sieben Meter langen R i h aufwies, kämpfte mühselig gegen den starken Gegenwind und die sintflutartigen Regengüsse an. Der Schaden konnte nur notdürftig ausgebessert werden. Flieger, die R 100 entgegengeflogen waren, be­richten, daß die Bespannung größtenteils in Fetzen gerissen war. 3n Montreal gingen wilde Gericht« über daS Schicksal des Luftschiffes um. Es hieß, daß es bei Quebec eine Notlandung in schwer havariertem Zustande horgenommen habe. Die Gerüchte erwiesen sich jedoch als unbegründet.

hlrlh und Deller auf Island gelandek.

Die deutschen Flieger Hirth und Weller, die am Freitag um 16.10 Uhr Im Horna-Fjord gesichtet wurden, sind um 19.30 Uhr bei Kaladarnäs an der Südküste von Island gelandet. Es ist dies der Ort, wohin die Reykjawiker Flugerpeditton gegangen war, um die Landung oorzubereiten. Das Wetter ist auf der Ueberfahrt einigermaßen gut gewesen. Nördlich von den Farör-Jnseln haben sie Nebel angetroffen. Während des Fluges wurde der Höhenmesser unbrauchbar, was das Fliegen sehr erschwerte. Die Flieger werden im Laufe der Nacht in Neykjawik anKommen, wo sie ohne Zweifel mehrere Tage verbleiben werden.

Bau eines englischen Riesendampfers.

Aus Liverpool wird gemeldet, die britifdje Regierung habe sich bereiterklärt zur Heber* nähme eines Telles der Versiche­rungssumme, um der Cunard-Linle die Gelegenheit zu geben, einen Riesen- darnpfer von über 70 000 Tonnen zu bauen. Das Schiff ist dazu bestimmt, den deutschen SchnelldampfernBremen" undEuropa" den Atlantikrekord womöglich wieder zu ent­reißen. Die Baukosten werden auf ungefähr sechs Millionen Pfund Sterling bezifferte Die Ver­sicherungssumme wird zur Hälfte von frrr Re­gierung übernommen werden.

Darlene Dietrich bleibt bei Paramount.

Die Berliner Vertretung der Paramount-Fllm- gesellschaft erklärt zu den in der Presse veröffent­lichten Gerüchten über den Boykott amerikanischer Frauenorganlsationen gegen die in Hollywood arbei­tende Marlene Dietrich, daß daran kein wahres Wort fei. Der Berliner Vertreter der Paramount hat auf Anfrage aus Hollywood folgendes Tele­gramm erhalten:Absolut nichts Wahres an Diet­rich-Affäre. Ihre Mitwirkung im FilmMarokko" bedeutet eine Sensation, wir werden unmittelbar anschließend den zweiten Film in Angriff nehmen,"

Schwere Gasexplosion.

In der Nacht zum Mittwoch waren einige Ar­beiter der Aktiengesellschaft für Stickstoffdünger in Knapsack bei Köln damit beschäftigt, in dem dafür eingerichteten Raum ihre vom Werk an alle Ar­beiter ausgegebenen Gasmasken auf ihre Dich­tigkeit zu erproben. Die Arbeiter waren unter Füh­rung eines Feuerwehrmannes in den Raum hinein- gegangen, hatten die Gasmasken angelegt und war­teten auf das Anstecken der Patrone, die ein Reiz­gas, das auf die Augenschleimhäute wirkt, enthält. Kaum hatte der Feuerwehrmann die Gaspatrone entzündet, als eine furchtbare Explosion entstand, die den ganzen Raum in Flam­men hüllte. Der Feuerwehrmann riß die Tür auf und gab ein Zeichen, daß man sich draußen hin­legen und auf der Erde wälzen sollte, um den Brand der Kleider zu löschen. Die Arbeiter folgten aber dem Beispiel des Feuerwehrmannes nicht und rannten mit brennenden Kleidern ins Freie. Mit schweren Brandwunden wurden fünf Arbeiter in Kölner Krankenhäuser geschafft. In­zwischen sind zwei von ihnen gestorben. Auch die übrigen drei schweben noch in ßebensge- fahr. Man vermutet, daß in dem neben dem Prüf- raum gelegenen Abort vor der Prüfung ge­raucht worden ist. Demnach könnten die Reizgafe durch die Türritzen in den Abort eingedrungen fein und sich dort an einer glimmenden Zigarette ent­zündet haben.

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Wettervoraussage.

Der hohe Druck schwächt sich bereits ab und wandert ostwärts weiter. Die Druckstörung hat sich seit gestern wesentlich vertieft, und ihre Aus­läufer bereits auf das Festland vorgestreckt. Auch die Winde drehen mehr nach Süden und Südwesten zu um und entwickeln das Strömungs­bereich des Tiefs, welches uns unter Erwärmung Bewölkung zusührt. Lieber Frankreich hat sich das über den britischen Inseln lagernde Rcgen- gebiet ausgedehnt, das bei seinem Weiterzug auch unser Gebiet überquert. Die Bildung einzelner Gewitterstörungen sind bei dem Witterungsum­schlag nicht ausgeschlossen.

Aussichten für Sonntag: Tiebergang zu wolkigem und bedecktem Wetter, mit Nieder­schlägen teils gewitterhafter Art: warm, süd­liche bis südwestliche Winde.

Aussichten für Montag: Wechselnd bewölkt, dabei vorübergehend aufkommende, noch gewitterartige Schauer, leichte Abkühlung.

Lufttemperaturen am 1. August: mittags 21,1 Grad Celsius, abends 13,9 Grad: am 2. August: morgens 13 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 1. August: abends 23,2 Grad; am 2. August: morgens 15,3 Grad. Sonnenscheindauer 954 Stunden.

Rcisewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen: 15 Grad. Südwind, heiter.

Westerland auf Sylt: 15 Grad. Südost­wind. heiter.