Ausgabe 
2.7.1930
 
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Aus Natur und Technik.

Rückblick auf die Weltkrafikonferenz.

Don Max Ascher.

Die Zweite Weltkraftkonferenz ist zu Ende. 3900 Teilnehmer aus 50 Staaten haben an der Weltkraftkonferenz teilgenommen und in den neun Arbeitstagen 380 in 34 Generalberichten zufam- mengefahte Arbeiten besprochen Zählt man die Zuhörer an den 34 Sitzungen zusammen, so waren es mehr als 10 000, überstieg doch allein in einer Fachsihung die Zahl der Hörer 1200. An der Erörterung nahmen in jeder Sitzung im Durch­schnitt 12 Redner teil.

Diese ungeheure Leistung war nur durch die Sprachübertragungsanlage möglich, die die Zeit für die Übersetzung der 430 Erörterungsreden sparte. Rur wenn ein Vortragender seine Rede vorlos. die Dolmetscher aber unvorbereitet waren, war ihr Rutzen gering.

Ganz besondere Beachtung haben die siebest all­gemeinen Hauptvorträge gefunden, die von Trägern der ersten Romen aus der ganzen Welt gehalten wurden. Sie haben zum Teil, wie z. D. die Dorträge von E i n st e i n und E d d i n g t o n. über die Energiequellen unserer Erde hinaus­gegriffen. Man kann darin ein Zeichen dafür erblicken, daß uns nach Erschöpfung unserer irdischen Energiequellen andere, wahrscheinlich viel großartigere, zur Verfügung stehen werden.

Der Konferenzbericht wird in 21 nach Fächern eingeteilten Bänden veröffentlicht werden, die auch einzeln abgegeben werden. Der letzte Band, der die sieben allgemeinen Hauptvorträge in den Sprachen enthält, in denen sie gehalten wurden, liegt bereits vor. Sie sind aber auch alle sieben deutsch zu haben.

Es sind auf der Zweiten Weltkraftkonferenz wichtige Beschlüsse gefaßt worden, die aber hauptsächlich für den Fachmann von Interesse sind, und deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Die Ergebnisse der Verhandlungen werden in den nächsten Wochen zusammengestellt und veröffentlicht werden, da es natürlich nicht mög­lich ist. sie schon heute zu übersehen. Die große Wichtigkeit der Anknüpfung von persönlichen Be­ziehungen zwischen so vielen erfahrenen Fach­leuten der Erde ist aber schon heute erkennbar. Die Fachpresse der ganzen Welt hat während der Dauer der Konferenz die Fachleute über die Arbeiten auf dem Laufenden gehalten.

Staatsmänner der ganzen Welt haben an die Weltkraftkonferenz Fragen gestellt, die sie be­antwortet hot: Die Energie soll durch Vermin­derung der Kosten der Energieerzeugungs- und -Verteilungsanlagen und durch Erhöhung der Benuhungsdauer dieser Anlogen verbilligt wer­den. Diese beiden Punkte wurden in fast allen Vorträgen und Ansprachen erörtert. Aus der Zunahme der Bevölkerungen unserer Kultur­staaten im Zeitalter der Maschine, also in den letzten 150 Jahren, hat die Zweite Weltkraft­konferenz den Schluß gezogen, daß die dauernd fortschreitende Versorgung der Welt mit Ma­schinenkraft, Licht und Wärme zur Verminderung der Arbeitslosigkeit führen muß, weil die Ver­fahren zur Umwandlung der Rohstoffe in Ge­brauchswaren dauernd zunehmcn und dadurch trotz der Verminderung der Rachfrage nach menschlicher Muskelkraft neue Arbeitsmöglich­keiten bringen.

So hat die Weltkraftkonferenz zur Klärung vieler Fragen auf der ganzen Welt wesentlich beigetragen, und,gerade der Austausch dec Er­fahrungen aller ^Länder wird in jedem dieser Länder die Wohlfahrt seiner Bürger fördern, indem er ihnen mehr Energie und mehr von den damit erzeugbaren Gütern zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stellt und damit nicht nur ihre leibliche Wohlfahrt fördert, sondern sie

durch immer fortschreitend« Befreiung von schwerer körperlicher Sklavenarbeit einem höheren Leben entgegenführt.

Wer so arbeitet, wie die Teilnehmer der Welt­kraftkonferenz gearbeitet haben, darf auch einmal feiern, und so war das Weltkraftseft ein Höhepunkt in der Tagung, obwohl cs die unseren Verhältnissen angemessene Bescheidenheit nicht vermissen ließ. Reben dem Dank für die glänzende Vorbereitung der Zweiten Weltkraftkonferenz

und die deutsche Gastfreundschaft, klang immer wieder der Gedanke durch, der in der dritten Entschließung in die Worte gefaßt ist.dah dieses Fest den Konferenzmitgliedern die Mög­lichkeit gegeben hat, einem unvergeßlichen Schau­spiel beizuwohnen, das ollen Anwesenden ein wundervolles Bild Deutschlands, seiner alten Kultur und seiner heutigen Lebenskraft vor Augen geführt hat".

Das Hohelied -er Krast.

Ein $ilm über die Entwicklung -er Elekirizitäi.

Rachdruck verbotenl

Vor einigen Tagen wurde in Berlin zum ersten Male ein Film gezeigt, mit dem eine ganz neue Gattung von Filmen eröffnet wird. Er ist lehrreich und ist doch nicht eigentlich ein Lehr­film, denn es ist unterhaltsam, wenn auch zu­gleich belehrend, ihn anzusehen. 3m ersten Ab­schnitt wird das Wesen der Elektrizität, die um den Atomkern kreisenden Elektronen, mit den Sonnen- und Spiralnebenwelten des Alls ver­glichen, wobei namentlich die sich drehenden

sehung der ersten Dynamomaschine ist den Er­innerungen von Siemens so getreu nachgebildet, daß sie sich tatsächlich kaum viel anders abge­spielt haben kann. Dann sieht man, wie sich Siemens und Rathenau, und später, wie sich Rathen au und Oskar v. Miller kcnnen- lernen. Wenn die geschichtlich wahre Szene vor­geführt wird, in der Rathenau und Oskar von Miller gemeinschaftlich die Lager eines Strom­erzeugers im Keller eines Cafes mit in Eis­wasser getauchten Servietten kühlen dann

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Rathenau und Oskar von Miller kühlen im Keller eines Cofss die Lager eines Stromerzeugers.

Spiralnebel manchem Beschauer Belehrung brin­gen werden. Der wichtigste und schönste Teil be­handelt das Werden der Elektrizität und ihre Entwicklung von der Sage zur Wissenschaft, von der Wissenschaft zur Technik und von der Technik zur Wirtschaft. Dieses Werden beginnt mit der Einfuhr des geheimnisvollen Bernsteins nach Griechenland durch phönizische Kaufleute. Man sieht, wie Galvani durch das Zucken der Froschschenkel auf die elektrischen Kräfte aufmerk­sam gemacht wird, und den Aufbau der D o l t a- schen Säule, der ersten wirklichen Strom­quelle, durch ihren Erfinder. Man erlebt es mit, wie Benjamin Franklin das Gewitter als elektrische Entladung erkennt und folgt dann der ganzen weiteren Entwicklung hauptsächlich an der Hand der Lcbenserinnerungen Werner von S i e m e n s'. Insbesondere auch die Inbetrieb-

wird es einem klar, in wie ungeheuer kurzer Zeit sich die Elektrizität zu einem heute gar nicht mehr wegdenkbaren Diener der Menschen entwickelt hat. Auch die erste Kraftübertragung von Miesbach nach München und die von Lauffen nach Frankfurt entsteht vor unseren Augen, und wir sehen dann die ganze Entwicklung bis zum heutigen Großkraftwerk und die Verwendung der Elektrizität als treibende Kraft unserer Dah­nen, als Lichtspender und als Dienerin in der Industrie, im Haushalt und in der Landwirt­schaft. Die Bilder zeichnen sich durch geschichtliche Treue aus, und durch die Gesichter der Pioniere der Elektrotechnik, di« wir ja aus unzähligen Bildern kennen, sind gut getroffen. Oskar von Miller aber erscheint auch selbst auf der ßein- wand, was ungeheuren Beifall auslöste, denn er ist als Ehrenvorsitzender der Weltkraftkonferenz

augenblicklich eine der volkstümlichsten Persönlich­keiten in Berlin.

Seine Beliebtheit beruht nicht nur auf feinen großen Leistungen, sie wird erst begreiflich, wenn man ihn einmal hat sprechen hören, denn dann muß man ihn licbhaben.

Es ist selbstverständlich, daß ein solcher erster Versuch auch die Kritik herausfordert. und da möchte ich sagen: Ich würde den ersten Teil, der von den Elektronen handelt, ausscheiden und ihn, da er an sich wertvoll ist. erweitert für sich oder in anderem Zusammenhang bringen.

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Siemens seht die erste Dynamomaschine in Betrieb.

Das hätte schon den Dorteil, daß der Film kürzer wird, denn jetzt ist er zu lang, obwohl der letzte Teil sichtlich hetzt, so daß auch für den Laien notwendige Erklärungen weggeblieben sind.

Ganz ausgezeichnet und über jedes Lob er­haben ist dagegen der -weite, der geschichtliche Teil. Dielleicht wär« «s das Beste, man brächte ihn allein oder man arbeitete den dritten Teil fo um, daß er der Propaganda für gewisse Insti­tut« nicht mehr verdächtig erscheint. Sehr schön sind z. B. darin die Bilder der Kraftwerke nur sollt« stets eine Inschrift ihren Ramcn künden. Die Bilder der elektrischen Bahnen und Schnell­bahnen dagegen sind nicht durchweg so gut ge­lungen : das elektrische Kochen eilt unserer Wirt­schaftslage und insbesondere auch den Strom­preisen voraus.

Mit dieser Kritik möchte ich das "große Ver* dienst nicht schmälern, das ganz zweifellos darin

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»Mr. Franklin es kommt ein Gewitter!"

besteht, daß überhaupt ein solcher Film einmal gefchasfen wurde. Er bietet außerordentlich viel Wissenswertes, namentlich für den, dem dieses Gebiet ferner liegt. Es darf auch jeden Deutschen mit Stolz erfüllen, wenn er sieht, daß ein Deut­scher. Heinrich Göbel nicht Edison der erste Erfinder der Glühlampe war, und einen wie großen Anteil überhaupt deutsche Männer wie Ohm. Siemens, Rathenau, Oskar v. Miller und Klingenberg, um nur einige zu nennen, an der Entwicklung der Ener­gieform haben, die wie keine andere geeignet ist, dem Menschen zu dienen, ihm das Leben au er­leichtern und es lebenswerter zu machen. M. F.

Künstliches Aegypten.

Transport durch Gebläse.

Don Dr. Franz Rittler.

Aegypten ist ein Geschenk des Nils", hieß es bereits im Altertum. Damit ist in richtiger und zutreffender Weise ausgedrückt, welche Rolle dieser Fluß für das Land spielt. Alle Jahre überschwemmt er es. Dabei lagert er eine dünne Schicht von Modder, vonSchlick" ab, die den fruchtbaren Ackerboden bildet. Hier gedeiht alles, was man zur Ernährung braucht, und noch viel mehr. Rur soweit reicht die Fruchtbarkeit, wie sich die ausgetretenen Wasser erstrecken, nur soweit, wie dieser Schlick vorhanden 'ft. Dort, wo er aufhört, beginnt die Wüste.

Die Erfahrungen, die man in Aegypten mit dem Schlick machte, wiederholten sich in anderen Ländern. Freilich in anderer Form. Insbesondere an der Meeresküste gewinnt man dadurch Land, daß man das Wasser abdämmt und den Meeres­boden trocken legt. In dieser Weise wird gegen­wärtig ein großer Teil der Zuidersee in Land umgewandelt.

Eigenartig muß es berühren, daß man sich dabei fast ausschließlich auf die Küste und auf das Trockenlegen beschränkt. Das Beispiel Aegyp­tens hätte eigentlich schon früher der Technik neue Anregungen geben können. Unfruchtbares Land, vor allem weite Sandflächen, gibt es viel­fach. Zahlreich sind auch die Seen, deren Boden mit dicken Schichten von Schlick bedeckt ist. Würde man den Schlick über dem Sand ausbreiten, fo würde man eine Art von künstlichem Aegypten erhalten. Fruchtbares Gelände würde entstehen.

Daß dieser Gedanke technisch durchführbar ist, ist kürzlich im Staate Washington in glänzender Weise gezeigt worden. Hier befinden sich große unfruchtbare Sandflächen sowie eine Anzahl von Seen. Wollte man den Schlick dieser Seen über die Sandflächen verteilen, so wäre es verfehlt gewesen, ihn etwa auszubaggem und dort abzu- laden. Das wäre zu teuer geworden. Es wäre auch unmöglich gewesen, die nötige feine Ver­teilung herbeizuführen. Das ägyptische Beispiel lehrt ja, daß eine ganz dünne Schicht von Schlick genügt, um Anpflanzungsmöglichkeiten zu schaffen. Deshalb wurde von einem dieser Seen eine Rohrleitung nach der Sandfläche gelegt, eine Art von künstlichem Nil. Die Rohrleitung ver­zweigte sich in andere Leitungen Mit diesen

wurden Sprinkler verbunden, das heißt Dorrich- tungen, die eine feine Verteilung des Wassers bewirkten. Kräftige Säugpumpen saugten von hier den Schlick empor und gleichzeitig eine be­stimmte Menge Wasser, in dem er fein verteilt wurde. Die Verteilung war so fein, daß die schmalen Ausflußdüsen der Sprinkler nicht ver­stopft werden konnten. Das Wasser mit dem darin verteilten Schlick wurde durch das Haupt­rohr in die Verteilungsanlage gepumpt und durch die Sprinkler über die Sandschicht ver­sprüht. Zum Betrieb der ganzen Anlage genügt ein Motor von zwölf Pferdestärken. Die Der- öünnung des Schlicks war eine derartige, daß das Wasser etwa einer dünnen Erbsensuppe glich. Allerdings hatte es nicht deren Farbe. Der Schlick war ebenso wie der berühmte ägyp­tische blaugrau gefärbt. Rach einem Jahre stän­digen Besprengens hatte die gleichmäßig über die Sandfläche verteilte Schlickschicht eine Dicke von zehn Zentimetern erreicht. Damit war ge­nügend Boden für die Anpflanzung gewonnen. Die Aussaat von Luzerne begann, die vorzüglich gedieh. Später folgten andere Pflanzen, dar­unter Gemüse, wie Kohl und Sellerie.

Die Bewässerungsanlage bleibt stehen. Das ägyptische Beispiel wird weiterhin seine Nach- ahmung finden. Wie der Ril alle Jahre einmal über feine Ufer tritt und eine neue dünne Schicht von Schlick ablagert, so soll alle Jahre einmal eine kurze Besprengung mit Schlickwasser stattfinden. Der See wird dadurch nicht aus- getrocknet, da er durch Zuleitung und unter­irdische Quellen ständig gespeist wird. Dieses Vorgehen zeigt einen neuen Weg, wie man mit Hilfe der Technik unfruchtbare Flächen in frucht­bares Land umwandeln kann. Das zu bewässernde Gelände braucht durchaus nicht in der Nähe der Seen zu liegen. Die Technik ist imstande, Wasser auf sehr weite Strecken fortzupumpen, und auf diese Weise auch an entfernt liegen­den Stellen einkünstliches Aegypten" zu schaffen.

Sie versagt auch nicht, wenn es sich um dickere und beträchtlich schwerere Massen handelt als um eine Art von dünner Erbsensuppe. Für einen Straßenbau wurden gewaltige Mengen von Zement gebraucht, deren Anfuhr große Schwie­rigkeiten machte. Insbesondere an einer Stelle erwies sich die Schleife eines ziemlich breiten Fluiies als hinderlich. Eine Brücke oder eine hinreichend leistungsfähige Fährverbindung ein­zurichten, hätte zu viele Kosten verursacht. Des­halb verfiel man auf einen eigenartigen Aus­

weg. Hebet den Fluh wurde eine Rohrleitung von fast 300 Meter Länge gelegt. Der Zement wurde auf der einen Seite angefahren und durch geeignete Vorrichtungen in das Rohr hinein- geschüttet. In diesem wirkte ein Gebläse. Das Zementpulver wurde von dem erzeugten star­ken Gebläsewind ergriffen und durch das Rohr hindurch auf die andere Seite des Flusses ge­blasen, wo die Mischmaschinen standen, die den Zement auf Beton verarbeiteten.

(Sonnenfierfen.

Don Professor Dr. Rüstermann.

Nachdruck verboten!

Der beste Apfelwein schmeckt nach der Tonne,

Und schwarze Flecken sieht man in der Sonne.

Man kann es dem großen Spötter Heine vielleicht nicht verdenken, wenn er die Sonnen­flecken als Zeugen der Unvollkommenheit alles Irdischen und hier sogar des Himmlischen auf* ruft. Aber wenn wir sie bei Licht besehen, so ist es mit ihrer Unvollkommenheit nicht so schlimm; denn das Licht, in dem sie strahlen, ist noch reichlich hell genug, und vonschwar­zen" Flecken kann man eigentlich gar nicht sprechen. Sie erscheinen uns nur dunkler, weil ihre Umgebung noch heller leuchtet. Aber wenn, was ja gelegentlich vorkommt, die Venus oder der Merkur vor der Sonne vorüberzieh en, so läßt der Vergleich mit ihrer dunklen Scheibe er­kennen, wieviel Licht die Flecken noch immer ausstrahlen. Und wenn auch von den Flecken Wirkungen ausgehen, die wir auf der Erde deutlich spüren, die vielleicht am allerersten zu vermutende Wirkung haben sie nicht, nämlich daß sie in irgendeiner meßbaren Weise die Sonne minder hell erscheinen lassen; denn selbst wenn sie nach Zahl und Gröhe ihren Höchst­wert erreichen, ist es selbst mit wissenschaftlichen Meßgeräten unmöglich, ein Nachlassen der Son­nenstrahlung festzustellen.

Wenn wir auch noch keineswegs all« Fragen über die Natur der Sonnenflecken beantworten können, so steht doch das fest, daß wir sie nicht als Schlackenbildungen auffassen dürfen, also als Ergebnisse einer starken örtlichen Abkühlung der Sonne und dcn dadurch bedingten Beginn eines

Ueberganges des feuerflüssigen in den festen Zu­stand. Dies ist ja eigentlich auch ziemlich klar, denn die Sonne ist an ihrer Oberfläche etwa 5000 bis 6000 Grad heiß; das ist bedeutend heißer als der Schmelzpunkt selbst der am allerschwersten schmelzbaren Stoffe. Vielmehr ist anzunehmen, daß die Fleckenwirkung dadurch zu­stande kommt, daß dort die am stärksten leuch­tenden Teile, die sogenanntePhotosphäre", von dickeren Schichten umgeben sind, sei es nun, dah sich diese wolkenartig über die Sonnenoberfläche erheben oder auf ihrer unteren Seite tiefer in sie eingraben. Ganz sicher ist auch, daß in den Flecken sehr heftige Bewegungen stattfinden, und da die bewegten Teile elektrisch geladen find, so entstehen dabei sehr starke Magnetfelder. Dies ist nämlich erstens durch Untersuchung des von den Flecken ausgehenden Lichtes ganz unmit­telbar nachgewiesen, außerdem aber macht sich die Wirkung dieser magnetischen Kräfte bis auf die Erde hin bemerkbar. Bei starker Flecken­tätigkeit der Sonne zeigt die Magnetnadel, durch die wir ja die feinsten magnetischen Kräfte wahrnehmen können, sehr starke Unregelmäßig­keiten, und ferner sind dann die Nordlichter, die auch mit magnetischen Kräften zusammen­hängen, besonders häufig. Sehr merkwürdig und dem Wesen nach noch gar nicht aufgeklärt ist die Tatsache, daß die Flecken eine etwa elf­jährige Wiederkehr zeigen. Freilich ist diese Er­scheinung weder Üjrer Störte noch der Zeitfolge nach ganz regelmäßig. Es können also auch etwas mehr oder etwas weniger als 11 Jahre sein, und bei einem solchen Höchstwert ist die Zahl und die Größe der Flecken im allgemeinen nicht genau dieselbe wie bei den vorangegan­genen.

Unter Umständen bilden sich die Flecken sehr schnell; von einem Tag zum anderen können Flecken entstehen, deren Gebiet größer ist als die ganze Erde. Dies war z. B. am 19. August 1917 der Fall. Aber meist sind die Flecken leid­lich beständig, und das ist eine sehr löbliche Eigenschaft von ihnen; durch sie können wir nämlich feststellen, daß sich die Sonne ähnlich wie die Erde um ihre eigene Achse dreht, und es zeigt sich, dah sie zu einer Umdrehung etwa 25 Tage braucht. Dabei muh freilich dasettoa* unterstrichen werden, denn da die Sonne kein starrer Körper ist, so ist nicht gesagt, daß fit sich überall gleich schnell dreht, und tatsächlich bewegt sie sich auch am Aequator schneller als an den Polen.