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Freitag, 2. Mai 1950
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. (02 Zweiter Blatt
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Das Hanse-Haus, der Ausstellungspavillon Hamburgs und Bremens.
in der Abwehr auf die Zurückweisung von Ueber- “ llich unbehel-
im Jahre 1917 daran festgehalten, Indien Schritt für Schritt kleine Zugeständnisse zu machen. Auch der Simonbericht wird Zugeständnisse umwälzender Art nicht bringen und weder zu der Einführung des Dominien st atus, noch zu der Gewährung völliger Unabhängigkeit für Indien führen. Der Dominienstatus war Indien bereits 1917 in Aussicht gestellt worden, und er wird dem Land Ende 1930 wiederum als schließliches Ziel vor Augen gehalten werden. Der Fortschritt in dreizehn Jahren ift danach nicht sonderlich groß, denn weder 1917 noch 1930 ist ein Datum für die Einführung des Dominienstatus genannt. England behält sich das Recht vor. zu einem ihm geeignet erscheinenden Zeitpunkt sein Versprechen einzulösen, und dieser Zeitpunkt wird, darin besteht bis auf eine kleine Gruppe völlige Einigkeit in allen englischen Kreisen, nicht vor fünfzig, vielleich t erst in hundert Jahren gekommen sein. Gandhi auf der anderen Seite will England zwingen, innerhalb einer ganz kurzen Frist von wenigen Jahren diesen Dominienstatus einzuführen. Er erklärt
heute zwar, daß ihm die völlige Unabhängigkeit Indiens vorschwebe und der Dominienstatus nicht mehr genügt, aber es ist noch nicht sehr lange her, als cs nicht von ihm, sondern von dem englischen Dizckönig abhing, ob man sich beiderseitig auf ein nahes Datum für die Einführung des Dominienstatus einigen konnte. Gandhi hat sein Ziel erst weiter gesteckt, als man auf englischer Seite nach einem vorübergehenden und sehr schädlichen Schwanken seine Forderungen endgültig abgclchnt hatte und nachdem man vor allem ohne viel Aufsehen am 31. Dezember v. 2. über sein Ultimatum hinweggegangen war. Diese Tatsachen muß man sich vergegenwärtigen, um auf das wirkliche Problem zu kommen. Es ist nichts anderes als eine Frage des Tempos. Daraus erklärt sich, daß beide Seiten ihre Taktik daraus richten, mehr zu versprechen, als man zu geben entschlossen ist. beziehungsweise mehr zu fordern, als tatsächlich verlangt wird. Ob ein Ausgleich zwischen diesen Gegensätzen im Herbst noch möglich sein wird, nachdem der Gandhische Feldzug fast ein Jahr lang im Gange ist, bleibt abzuwarten. Mit einiger S cherheit läßt sich aber voraussehen, daß die britische Verwaltung nur
dieses Standpunktes geführt, obwohl der Dize- könig sich gezwungen say, die Strafbestimmungen in Bengalen zu verschärfen und auch sonstige ein
maßen totläuft durch mangelndes oder ungenügendes Interesse des Landes. Vorläufig ist weder zu übersehen, ob die Engländer ihre Absichten durchführen können, noch ob Gandhis Wünsche sich erfüllen. *2lur eins ist sicher, daß beide Teile sich zunächst durch lokale Ereignisse von der Grundlinie ihres Kampfes nicht abbringen lassen.
Die Unbequemlichkeiten für die englische Herrschaft haben sich naturgemäß seit Beginn der Gandhischen Bewegung sehr bedeutend vermehrt. Auch die wirtschaftlichen Schäd en find nicht zu unterschätzen. Die Politik, die in Indien getrieben wird, ist aber auf lange Sicht berechnet und wird nicht entscheidend beeinflußt durch vorübergehende Störungen, auch wenn diese ernster Ratur sind. England hat seit der großen Reform
jede- gewaltsame Vorgehen gegen Gandhi ihre Schwierigkeiten nur vermehren und die allgemeine Unrast erhöhen würde. Auch die letzten blutigen Zusammenstöße haben noch nicht zu einer Aufgabe
Sie zweite Phase des Kampfes in Wien
Ist die britische Herrschaft gefährdet?
Don unserem ständigen E. E.-Berichterstatter.
die Zugeständnisse macht, die sie im Interesse der Stabilisierung ihrer Herrschaft machen zu können glaubt. Der Gandhische Feldzug wird auf die Form dieser Zugeständnisse wahrscheinlich nicht ganz ohne Einfluß bleiben, auch wenn man das auf englischer Seite nicht zugibt. Bereits jetzt hat sich gezeigt, daß der Simonbericht über alles Erwarten verzögert wird. Das erklärt sich doch nur daraus, daß der Bericht unter der Einwirkung der Vorgänge in den letzten Monaten nachträglich überarbeitet und abge- ändert wird. Es ist nicht anzunehmen, daß diese Abänderungen zum Rachteil Indiens sind, aber es ist ebenso unwahrscheinlich, daß Furcht vor der weiteren Entwicklung neue Zugeständnisse veranlaßt Der Ausgleich wird schließlich auf einer mittleren Linie gefunden werden müssen, wobei Gandhi mit oder gegen seinen Willen der Tatsache Rechnung tragen muh, daß er der Schwächere ist.'
Bei Beurteilung des gegenwärtigen Kampfes darf nicht außer acht gelassen werden, daß Gandhi weder das ganze indische Volk, noch eine
griffen, während Gandhi selbst ziemlich unbehelligt bleibt. Seit Beginn des Feldzuges haben die britischen Behörden daran fcftgefjalten, daß
Gandhi in Freiheit zu lassen und bewaffnete Zusammenstöße mit seinen Anhängern zu beschränken. Gandhis Interessen liegen aber darin, durch ein gewaltsames Vorgehen britischer Truppen einen stärkeren moralischen Rückhalt für feine Bewegung zu gewinnen Er muß bestrebt sein, zu verhindern, daß sich die Bewegung getoiffer-
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. London, Ende April.
Die Rachrichten aus Indstm lauten in den letzten Tagen recht ernst. An verschiedenen Punk- tcn ist es zu schweren Zusammenstößen getom- men, die auch auf britischer Seite eine Reihe von Toten forderten. Die drei wichtigsten indischen Zentren, Kalkutta. Bombay, und Karachi sind von der ilnrubebetoegung erfaßt worden und die britische Verwaltung hat sich genötigt gesehen, zu ungewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen zu greifen. Das ernsteste' Zeichen ist. die Gehorsamsverweigerung eines indischen Truppenteils. Wirklich große Aktionen mit Rückwirkungen auf das ganze Land aber konnten bisher vermieden werden. Die Frage ist jedoch, wie weit sich auch für die Zukunft lln- ruhebewegungen lokalisieren lassen und ob eine tatsächliche Gefahr für einen allgemeinen An- griff auf die britische Macht besteht. Die englischen Berichte aus Indien geben naturgemäß ein nicht in jeder Hinsicht zuverlässiges Bild, und vieles, was über Gandhis Bewegung wie über die bewaffneten Auf stände berichtet wird, ist sicherlich tendenziöser Art. Einige wenige Blätter, unter ihnen in erster Linie die „Times", berichten aber in einer durchaus glaubwürdig erscheinenden Weise über die Gesamtlage in Indien. Dabei ist auffallend und gleichzeitig bezeichnend, daß nicht der geringste Versuch gemacht wird, die Lage zu beschönigen oder die Gesahr kleiner erscheinen zu lassen. 3m Gegenteil! In der „Times" wird seit etwa acht Tagen fast täglich darauf hingewiesen, daß die Gandhische Bewegung ernst zu nehmen ist und die britische Verwaltung sich heute nicht mehr in der Lage befindet, mit leichtem Achselzucken über lokale Unruhen hinweg gehen zu können. Offen bleibt hierbei, ob sie aus taktischen Gründen nicht übertreibt, um im Hinblick aus gewisse innerpolitische Hemmungen in England eine einheitliche Stimmung für etwa kommende schärfere Vorstöße der britischen Verwaltung zu schaffen.
Es war von vornherein damit zu rechnen, daß der Feldzug Gandhis nach und nach zu Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten führen mußte. Die bisher vorgekommenen llebcrgriffe sind zwar nicht direkt mit der Bewegung Gandhis verbunden, aber ohne die durch den Gandhischen Feldzug hervorgerufene allgemeine Unrast schwer denkbar. Gandhi lehnt, wahrscheinlich mit einem gewissen Recht, jede Verantwortung für die Gewalttätigkeiten ab, da er selbst ja sich peinlich davor hütet, es zu einem offenen Kampf kommen zu lassen. Auf englischer Seite trägt man dieser Haltung Rechnung und beschränkt sich
in Bengalen zu verschärfen und auch sonstige einschneidende Maßregeln zu treffen. Englands Absicht geht ganz klar dahin, bis zur Veröffentlichung des Sunonberichtes und wenn irgend- möglich bis zum Herbst, dem Zeitpunkt des Zusammentritts der englisch-indischen Konferenz,
geschlossene geographische Einheit hinter sich hat. Sein Kamps gilt nur Vritisch-Indien. Die großen Gebiete aber, die unter der Herrschaft der indischen Fürsten stehen, sind seinem Einfluß weitgehend entzogen. England hat diesen indischen Fürsten sehr weitgehende Selbständigkeit gelassen und in ihnen wichtige und zuverlässige Bundesgenossen gefunden. Die Mittel, mit denen diese Freundschaft aufrechterhalten wird, find nicht immer ganz einwandfrei und gehen nicht selten auf Kosten der regierten indischen Volksteile; aber das ändert nichts an der Tatsache, daß die unter der Herrschaft der indischen Fürsten stehenden Gebiete der britischen Verwaltung keine Sorge bereiten, da nicht sie, sondern die Fürsten dafür sorgen, daß Gandhis Bewegung in ihren Gebieten nicht Fuß fassen kann. In Vritisch-Indien selbst stehen sich Hindus und Mohammedaner als bittere Feinde gegenüber. Die Zusammenstöße zwischen beiden Religionsgemeinschaften find vielleicht nicht immer das Ergebnis tatsächlicher Feindseligkeiten, sondern das einer künstlichen Agitation; aber auch hier bleibt zunächst zu beachten, daß die Mohammedaner Gandhi die Gefolgschaft verweigern. Sein Wirkungsbereich wird schließlich durch einen dritten, wichtigen Faktor geschmälert, nämlich die ihm ungünstige Haltung der Führer von sechzig Millionen P a - rias. Innerhalb der führenden Kreise der Hindus gibt es natürlich auch lauwarme Elemente, die zwischen der Unterstützung Gandhis, die immerhin peinliche Opfer fordern kann, und bet weniger gefährlichen und einträglicheren Zusammenarbeit mit den Engländern keine Entscheidung finden. All das schließt nicht aus, daß Gandhi in einzelnen Teilen des Landes mit seiner Bewegung Erfolg haben kann, da ja die religiöse Verteilung, die wirtschaftliche Gliederung und zahlreiche andere für die künftige Entwicklung entscheidende Faktoren ganz verschieden gelagert sind.
Aber von einer ernstlichen Gefährdung der britischen H c r r s ch a f t i n I n - dien kann nicht bic Rede f e i n. Selbst für den Fall, daß Gandhi im Verlaufe der nächsten Monate größere Erfolge verzeichnen könnte, oder daß sich bic Zusammenstöße mit britischen Truppen mehren sollten, würde das an der Lage nicht viel ändern. Wenn man sich fragt, ob bic britische Verwaltung gesährbet ist, bann muß man auch gleichzeitig daran denken, daß Groß-Britannien Dis zum letzten Mann um seine Herrschaft in Indien kämpfen würde. Was das heißt, lehrt ein ganz flüchtiger Blick auf bic englische Kolonialgeschichtc. England zieht es vor, und es hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht, feine überseeischen Besitzungen nach und nach wirtschaftlich zu durchdringen. Auch im Falle Indiens ist das nicht anders, und die Einführung des Dominienstatus ist für den Augenblick in Aussicht genommen, an dem London die Ucberzeugung haben kann, daß es ebenso wie die anderen sich sclbstoerwaltendcii britischen Dominien aus eigenem Interesse und freiwillig innerhalb der Gemeinschaft britischer Nationen verbleibt. Käme es aber in Indien anders so könnte das Ergebnis nur in einem furchtbaren Blutbad bestehen, denn niemand, der englische Derwaltungsmethoden und englische Mentalität kennt, wird glauben, daß England in einem Kampf hart auf hart auch nur die leiseste Rücksicht nehmen würde.
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Daten für Lamstag, 3. Mai.
Sonnenaufgang 4.30 Uhr, Sonnenuntergang 19.24 Uhr. — Mondaufgang 7.20 Uhr, Monduntergang 0.33 Uhr
1469: der italienische Staatsmann und Geschichtsschreiber Niccolo Machiaoelli in Florenz geboren; — 1849: der ehemalige Reichskanzler Fürst Bülow in Klein-Flottbek geboren.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
Israelitische Religionsgcmeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage) Samstag, den 3. Mai. Vorabend: 7.30 Uhr; morgens 8.30 Uhr; abends 8 und 8.40 Uhr
Sauerbruch und seine Schüler.
Anekdoten, mitgeteilt von Hermann pörzgen.
Mit Recht gefürchtet sind Sauerbruchs, des berühmten Mediziners, Prüfungen. Ein Münchner Kandidat erschien zur vorgeschriebenkn Zeit in der Klinik, als Sauerbruch plötzlich zu einer dringenden Operation nach auswärts gerufen wurde „Kommen Sie mit!“ rief er dem Verdutzten zu und stieg ins Auto.
Er prüfte im Fahren. Rach einer Viertelstunde hielt er, weit vor den Toren Münchens, den Wagen an.
„6ic steigen letzt aus!“ raunzte er. „Sie find durchgefallen I“ und ließ den Aermsten auf der offenen Landstraße stehen.
*
Ein andermal hatte gleichfalls ein Prüfling Pech „Kommen Sie in sechs Monaten wieder!" Darauf der Prüfling. „Das wird nicht möglich sein, Herr Geheimrat; ich habe kein Geld, noch ein halbes Jahr zu studieren. Entweder ich bestehe jetzt ober nie?'
Sauerbruch: „Bloß weil Sie kein Geld haben, soll ich Sie durchkommen lassen? Gibt's nicht! Hier haben Sie fünfhundert Mark! ilnb daß Sie mit ja wiederkommen 1"
•
Vier Kandidaten im Prüfungszimmer Ein Patient wird hereingefahren, völlig mit weihen Leinentüchern bedeckt.
„Was fehlt dem Patienten?“
Verlegenes Schweigen. Man zerbricht sich den Kopf Man weih, der Geheimrat stellt manchmal i o seltsame Fragen.
Schliehlich tritt einer vor: „Herr Geheimrat, man müßte den Kranken vielleicht erst einmal untersuchen?!"
,,Ausgezeichnet,“ sagt Sauerbruch, „Sie haben bestanden. Die anderen Herren bitte morgen noch einmal.“ Lind eilt davon.
Einen Kandidaten bestellte sich Sauerbruch zum Examen in seine Wohnung. Er prüfte lange und schwierig. Als das Examen zu Ende ging, öffnete sich plötzlich die Zimmertür und Sauerbruchs großer Wolfshund pirschte herein. Freudig beschnüffelte er auch den Gast.
„Als letzte Frage,“ lieh Sauerbruch hören, „was fällt Ihnen an dem Hund Besonderes auf?"
Der Kandidat betrachtet sich den Hund. Er war groß, etwas struppig, aber im ganzen normal.
„Er wedelt mit dem Schwanz, Herr Geheimrat", stotterte der Kandidat in Verlegenheit.
„Aber warum. Herr Kollege, darauf kommt es mir an!"
Der Kandidat wußte es nicht.
„Ra, sehen Sie denn nicht?" erklärte schließlich Sauerbruch, „der freut sich, weil Sie bestanden haben!"
Ein anderer wiederum machte während der Prüfung schlapp. Sauerbruch ruft eine Kranken» schweflet.
„Bringen Sie ihm mal ein Butterbrot!“
Rasch hat der Kandidat wieder frische Kräfte gesammelt. Da sagt Sauerbruch: „Jetzt, Herr Kollege, kann ich es Ihnen ja sagen. Sie haben es nicht geschafft.“
Einmal aber erlebte Sauerbruch einen Rein- fall Ihm wurde ein Kind vorgeführt mit einer kranken Hand. Aeuherlich zeigte die Hand keine Veränderungen. Roch ehe sie untersucht werden konnte, fragte Sauerbruch seine Studenten:
„Welche Hand ist die kranke, und woran sehen Eie das?"
Keine Antwort!
„Sehr einfach", sprach Sauerbruch, „die saubere Hand ist die kranke, weil das Kind sie ja wegen der Schmerzen nicht zum Spielen gebraucht hat!"
Allgemein schmunzelnder Beifall.
Die Untersuchung ergab jedoch etwas anderes. Die schmutzige Hand war die kranke. Wegen der Schmerzen war sie nämlich ungewaschen geblieben.
Aus irgendeinem Anlaß kommt cs vor der Münchener Universität zu Zusammenstößen zwischen Studenten und Polizei. Sauerbruch, der zu beschwichtigen sucht, wird nicht erkannt und erhält einen Kolbenhieb auf die Schulter. Seine Hornbrille geht ihm dabei verloren.
Diese jedoch wird erkannt. Sie wird ihm am nächsten Morgen aufs Katheder gelegt. Und als Sauerbruch ins Kolleg kommt, mit lebhaftem Trampeln von seinen Studenten begrüßt, findet er seine Brille.
„Ra, meine Jungens," sprach er. „jetzt hab ich sogar für Sie Haue gekriegt,"
Kleinigkeiten
Nacherzählt von Sigismund v. Radecki.
Mein Onkel, der wegen feiner geradezu peinlichen Höflichkeit bekannt war, besah einen Affen und einen Papagei. Der Papagei konnte bloß zwei Worte sprechen und wiederholte dementsprechend sehr oft: „Scharmanter Abend! Scharmanter Abend!..."
Was den Affen anlangt, so konnte er überhaupt nicht reden.
Eines Abends war mein Onkel eingeladen und beging die Unvorsichtigkeit, die beiden exotischen Tiere in einem Zimmer allein zu lassen.
Als er nach Mitternacht heimkam, fand er folgende Situation vor: der Affe hatte sich aus den Federn des Papageis einen giftbunten Kopfschmuck jufammengeftellt, und schnitt damit vor bem Spiegel die haarsträubendsten Grimassen.
Der Papagei aber hatte sich, halb ausgerupft, auf die höchste Gardinenstange geflüchtet, und sagte ununterbrochen mit matter Stimme:
..Scharmanter Abend ... Scharmanter Abend • Scharmanter Abend ...“
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Ein Mann kam ins Western-Union-Telegraphen-Bureau, um eine Depesche aufzugeben, und erkundigte sich nach dem Tarif. Der Beamte am Schulter sagte ihm, daß er für den Text soundsoviel pro Wort zahlen müsse, daß aber der Harne frei gehe. Rach einem Sekundenbruchteil erklärte der Mann in breitestem schottischen Akzent: „Sie werden lachen, aber ich bin nämlich ein Sioux-Indianer und heiße mit Hamen: Komme erst Freitag früh zurück.“
Lange Zeit war die kleine Maus zu furchtsam, um aus dem Loche hervorzukriechen — wegen der fürchterlichen großen Katze Eines Rachts aber traute sie sich doch ein klein wenig heraus und fand eine Kognakflasche, die jemand auf den Kellerfliesen zerbrochen hatte. Die Maus nippte ein wenig und schlüpfte in das Loch zurück, um nachzudenken. Dann kam sie wieder hervor und trank etwas länger. Dann kam sie ein drittes Mal und trank noch mehr Und bann sprang sie auf die Stuhllehne, schlug eine Pirouette auf dem linken Hinterfuß und brüllte: ..Jetzt bringt sie doch mal heraus, eure verdammte Katze!“
Vorsitzer oder Vorsitzender?
Gegen den Vorsitzenden ist an sich kaum etwas cinzuwenben. Der Deutsche Sprachverein hatte früher einen Vorsitzenden, und in den Wissenschaftlichen Beiheften (IX S. 141) wird es sogar als Unfug bezeichnet, für gute deutsche Ausdrücke andre einzufetzen, nur weil sie z. B etwas kürzer seien Uebereifrigen Sprachfreunden bereitet der Vorsitzende aber so heftige Schmerzen, daß sie ihm alsbald den Garaus machen möchten. Sie sollten ihn doch ruhig eines natürlichen Todes sterben lassen, denn er liegt ja bereits in den letzten Zügen Bei seiner Bestattung können sie dann Leichenträger sein und brauchen deshalb doch nicht zu den Leidtragenden gehören, selbst wenn er ein Hervorrager war. Manche werben dabei lachen, manche greinen ober weinen, es wird aber jedoch nur Greiner und Lacher, niemals aber Weiner geben. Wer durch einen Äachrus oder sonst etwas zu seiner Verherrlichung beitragen, ihn etwa als einen ausgezeichneten Dorträger (oder Vortrager) rühmen will, mag sich (wie einst die Bremer Bei träger) auch als Deiträger bezeichnen. Wer ihm beitreten will, wird sich gewiß nicht Deitreter nennen. Wer eine Forderung abtritt, ist kein Abtreter. Darunter begreift man gemeiniglich einen Gegenstand, der zur Reinigung der Stiefel bient Wer auftritt ober (von der Bühne) abtritt, ist kein Auf- ober Abtreter. Es gibt Gewerbtreibende und Dieh- treiber, bagegen kaum Diehtreibenbe und Gewerb- treiber. Wir Loollen die Sache, hier nicht noch mehr breittreten, keine Breittreter fein, auch keine Schulmeisterer, die daraus reifen und doch keine Reiser sind, ebensowenig wie die Hand- lungsreisenben. In diesen Dingen ist der gute Sprachgebrauch alles, er hat bie letzte Entschei- bung, und er bevorzugt heute zweifellos den Vorsitzer, auch mit Recht. Wir haben ja sonst nur Altsitzer, Beisitzer, Vorsteher, Anlieger, Einwohner, Vorturner usw. Warum also nicht auch Vorsitzer? Goethe läßt im „Egmont" das Todesurteil von bem „Vorsitzer bes Gerichts der Zwölfe“ (flämisch Doorzitter) unterzeichnen Die Form „Vorsitzer" gebrauchten auch Wieland und E. M. Arndt. Sie erleichtert zudem die Bildung von Zusammensetzungen wie Dorsitzerwahl, Vorsitzer- geschäste, die mit „Vorsitzender" nicht gut möglich sind. So hat auch der Deutsche Sprachverein feit geraumer Zeit einen Vorsitzer, ebenso viele seiner Zweigvereine. A. P.


