Oer Reichspräsident
erwiderte mit folgenden Worten:
Herr Reichskanzler!
Für die Glückwünsche der Reichsregierung, die Sie mir in so freundlichen Worten dargebracht haben, sage ich Ihnen meinen aufrichtigsten Dank. Ich erwidere sie mit den besten Wünschen für Ihrer Aller persönliches Wohlergehen wie für den Erfolg der Arbeit, die vor Ihnen liegt. Wir wollen hoffen, dah der auf dem Gebiete der Außenpolitik eingeschlagene Weg, den rheinischen Landen, die immer noch die Last fremder Besatzung tragen und deren Bewohner'wir daher auch in dieser Stunde in herzlicher Anteilnahme gedenken, endlich die Freiheit bringt und die Reparalionssrage einer Lösung enl- gcgenführt, die den Lebensinteressen des deutschen Volkes und dem Geiste eines wahren Friedens entspricht. Die richtige Verteilung der uns auferleglen Lasten, die Stärkungderdeutschen wirt- schäft, insbesondere die Durch- und Weilerführung der zur Wiederherstellung der Rentabilität unserer notleidenden Landwirtschaft eingeleiteten Maßnahmen, und die Beschaffung von A r b e i t s m ö g l l ch k e i - tcn für die große Zahl der Erwerbslosen sind die weiteren Aufgaben, die im neuen Jahre ihrer Regelung harren.
Wenn alle diese schweren Fragen so gelöst werden sollen, wie es das Wohl unseres Vaterlandes und die Verantwortung für dessen Zukunft fordern, dann müssen Parteigei st nndInleressen- Politik hinter die großen vaterländischen Gesichtspunkte zurückgestellt werden, und die Lebensfragen unseres Volkes alle Deutschen zu einer breiten einheitlichen Front zusammenschließen. Ich spreche daher in dieser Stunde erneut die Wohnung aus, daß hoch über den Parteien das Vaterland stehen muß! Wer entschlossen Hand mit anlegt und mitarbeitet an den Aufgaben der Gegenwart und am Aufbau der Zukunft, der handelt wahrhaft national. Wir sind reich an Kräften des Geistes und der Arbeit; wenn sie sich alle im Gedanken an das Vaterland zusammenfinden, dann brauchen wir um die Zukunft Deutschlands nicht zu bangen. Daß das neue Iohr solche Erkenntnis festigen möge, ist heute mein treuer Wunsch!
QDeit^re Glückwün'che ü erbr. ch en das Reichs* tagspräsidium, eine Abordnung desReichs- rats, der Reichswehrminister Dr. h. c. Groener, für den Chef der Heeresleitung General Hasse und der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder, ferner General).re^tor Dr. b. c. Dorp- müller für die Deutsche Reichsbahn, und Reichsbankpräsident Dr. Schacht.
Oer Wehrmacht zum Jahreswechsel!
Ein Erlaß des Reichspräsidenten.
Berlin, 31. Dez. (WB.) Aus Anlaß des Jahreswechsels werden folgende Erlasse an die Wehrmacht veröffentlicht:
An die Wehrmacht!
Der deutschen Wehrmacht, der Reichswehr und der Reichsmarine, entbiete ich zum Jahreswechsel meine herzlichsten Glückwünsche. Tut weiterhin inGehorsam und treuer Pflichterfüllung eure Schuldigkeit.
Der Reichspräsident (gez.) v.Hindenburg, der Reichswehrminister (gez.) G r ö n e r.
An die Reichswehr!
Allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, Beamten, Angestellten und Arbeitern wünsche ich ein gutes neues Jahr. Schwere Entscheidungen im Inneren und nach außen stehen dem deutschen Volk bevor. Ueber dem Streit des Tages, über Klassen und Ständen, über politischen Parteien und Bünden, dienen wir allein dem Staat, der deutschen Republik. Das Reich zu schützen und zu erhalten war und bleibt erste Äufgabe der Reichswehr. Diese Aufgabe fordert -Zusammenstehen im Glauben und im Wollen. Je wirrer die Zeiten, um so fester die Wehr!
(gez.) Groner, Reichswehrminister.
An das Reichsheer!
Allen Angehörigen des Reichsheeres weinen Dank für die ArbÄt im vergangenen Jahr und ein herzliches Glückauf für 1930. In Gehorsam und Vertrauen ruht die Kraft der Armee. Auf diesem Fundament wollen wir im neuen Jahre weiterbauen.
(gez.) Heye, General der Infanterie und Chef der Heeresleitung.
An die Reichsmarine!
Beim Jahreswechsel spreche ich allen Angehörigen der Reichsmarine meinen Dank für die treue Mitarbeit und meine besten Wünsche für das neue Jahr aus. Selbstlose Pflichterfüllung und treue Kameradschaft sollen auch im neuen Jahr unser Leitstern sein im Dienste für unsere geliebte Waffe, für unser Volk und Vaterland.
(gez.) Rae der, Admiral, Dr. h. c. Chef der Marineleitung.
DieGlückwünscheOesterreichs
Berlin, 31. Dez. (TU.) Anläßlich des Jahreswechsels hat zwischen dem Reichspräsidenten und dem österreichischen Bundespräsi- d c n t e n ein Telegrammwechsel stattgefunden. Das Telegramm des Reichspräsidenten hatte folgenden Wortlaut:
„Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen, Herr Bundespräsident, meine wärmsten und herzlichsten Glückwünsche für Ihr persönliches Wohlergehen aus. hiermit verbinde ich die aufrichtigsten Wünsche für die Zukunft Oesterreichs.
gez. Reichspräsident v. Hindenburg." Bundespräsident Millas drahtete:
„An der Schwelle des neuen Jahres bitte ich Euer Exzellenz für Ihre Person und Ihre Familie, aber auch für das Wohlergehen des ganzen deutschen Volkes meine innigsten Glückwünsche entgegenzuneh- men. Mit diesen Wünschen verbinde ich die Hoff- nung, daß es dem deutschen Bruderoolke vergönnt sein möae, auch im kommenden Jahr auf dem Wege wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung in gleicher Weise wie bisher machtvoll fortzuschreiten.
gez. Bundespräsident Mikla
Der Aeujahrsempfang in Darmstadt.
Staatspräsident Dr. Adelung über die Aufgaben des neuen Jahres.
Darmstadt, 1. Jan. Veim Reujahrsemp- fang im Hessischen Staatsministerium, zu dem eine größere Anzahl Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bevölkerung erschienen war, hielt
Staatspräsident Or. Adelung
eine Ansprache, in der er u. a. sagte:
Zu Beginn des verflossenen Jahres stellte die Hessische Regierung an die Spitze ihrer Wünsche den, das besetzte Gebiet möchte bald frei werden von fremdem Kriegsvolk. Das abgelaufene Jahr hat diesen Wunsch zwar nicht erfüllt, aber das kommende, an dessen Schwelle wir stehen, wird aller Voraussicht nach die ersehnte Frecheit bringen. Damit wird dann endlich der schwere wirtschaftliche und see- lischeDruckbeseitigt.der fast zwölf Jahre lang auf großen Gebieten und Bevölkerungsteilen unseres Landes lastet. Aber es wird sich dann auch noch klarer und eindringlicher als bisher erkennen lassen, welch schwere Schäden und Verheerungen die jahrelange fremde Besetzung mit ihren Vergewaltigungen und Hemmungen der Wirtschaft des Landes zu- gefügt hat. Der Jahreswechsel vollzieht sich in einer Zeit der Rot. Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft liegen darnieder, das Elend der Erwerbslosigkeit drückt schwer auf weite Schichten unseres Volkes und erfüllt sie mit Sorge und Bitterkeit.
Diese Zeit der Rot stellt gebieterische Anforde- rungen; sie läßt sich nur überwinden, wenn auf
allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens strengste Sparsamkeit und Einschränkung erfolgen. Die hessische Regierung wird an ihrem Teil mit aller Energie ein Sparprogramm verfolgen, von dem sie hofft, dah es geeignet ist, die Gesunderhaltung unseres Staatswesens zu gewährleisten und uns über die Tage der Rot hinwegzuhelfen.
Dazu bedarf es aber der Mitwirkung und des Verständnisses aller. Denn ich bin mir bewußt, daß jede Sparmaßnahme Opfer verlangt, Opfer von der Allgemeinheit und Opfer von der Beamtenschaft. Aber diese Opfer sind sinnvoll, ihre Absicht ist, nicht zu schädigen, sondern zu erhalten; sie sind notwendig, um die Finanzgebarung des Staates der Genesung entgegenzuführen und dienen damit dem Wirtschaftsleben und dem Beamtentum. Aus der trotz stärkster äußerer und innerer Bedrängnis in der Rachkriegszeit durchgeführten Aufbauarbeit in Reich und Ländern müssen und dürfen alle Volksgenossen den Optimismus schöpfen, dah wir auch alfe weiteren Widerstände überwinden können, wenn der Geist der Solidarität und des Selbstvertrauens im Volke lebendig bleiben wird. So erwarten wir vorn neuen Jahre, es möchte den besetzten Gebieten endlich die Freiheit bringen und uns stärken, die wirtschaftlichen Röte unseres Volkes zu überwinden.
Was plant die Reichsbahn für 1930?
Berlin, 31. Dez. (Tel.-Un.) Im „Berliner Lokalanzeiger" beschäftigt sich ein Artikel des Generaldirektors der Deutschen Aeichsbahngesell- schaft, Dr. Dorpmüller, mit den Plänen der Reichsbahn für 1930. Auch im Jahre 1930, so erklärt Dorpmüller, werde die Reichsbahn zur Vervollkommnung ihrer technischen Anlagen in der technischen Entwicklung weiterschreiten. Auf den wicht'.gstcn Schnellzugsstrecken werden weiter in größerem Umfange Langschienen von 30 Meter Länge verlegt werden, die ein ruhiges, sanftes Befahren derartiger Strecken sichern, außerdem aber durch die auf die Hälfte herabgesetzte Zahl der Schienenstöße die Unterhaltungskosten verringern. Auf dem Gebiete des Signalwesens wird die Einführung eines dreibe- griffigen Vorsignals geprüft werden. Außerdem soll die Entwicklung der Zug- beeinflussungs - Einrichtung en, die das Beachten der Haltesignale automatisch bewirken, in großem Maße weiterhin gefördert werden. Die Drücken der Reichsbahn werden künftig aus gekupfertem Stahl hergestellt, um die Rost- gesahr herabzumindern, Im Jahre 1930 kommt die erste ganzgeschweißte, also nicht mehr wie bishev- genietete Cisenbahnbrücke bei Münster in Westfalen in Betrieb. Ferner wird im Jahre 1930 d i e größte Hochdrucklokomotive mit einem Kesseldruck von 100 Atmosphären in Betrieb genommen. Auf dem Gebiete der Elektrifizierung der Strecken sind große Arbeiten im Jahre 1930 nicht zu erwarten. Eine solide Finanzlage zu sichern, bleibe erste Pflicht der Reichsbahn, denn ohne sie sei auch jeder technische Fortschritt undenkbar.
Das Ziel deutscher Außenpolitik.
Betrachtungen
des Generalobersten von Leeckt
Wien, 1. Jan. (Tel.-Un.) Das „Neue Wiener Journal" veröffentlicht eine Unterredung mit Generaloberst von Seeckt, der u. a. erklärte: Es ist heute nicht leicht, eine deutsche Außenpolitik zu führen. Nur über ihr Ziel sollte kein Zweifel sein, es ist die Wiederaufrichtung Deutschlands als M a ch t ft a a t. Deutschland ist auf unbestimmte Zeit nicht nur seiner militärischen Angriffskraft, sondern auch der Verteidigungsfähigkeit gegenüber Frankreich und dem Osten beraubt. Unter Frankreichs Führung wird Deutschland eine Tributzahlung auf zwei Menschenalter auferlegt. Die Grundlage für eine deutsche Politik ist der Kampf gegen den Versailler Vertrag, der Deutschland die Zukunft sperrt und sperren soll. Der Friedensvertrag ist trotz allem Raffinement Stückwerk, ein Werk politischer Psychose. Der Vertrag ist auf falschen Voraussetzungen aufgebaut. Falsch ist die Annahme, daß man ein Volk wie das deutsche auf Generationen ungestraft versklaven könne, falsch eine Grenzziehung, die Zusammengehöriges willkürlich •trennt. Die Friedensoerträge haben anstelle eines Europas, in dem einige große Gegensätze bestanden, ein neues Europa gesetzt, in dem eine Reihe von Brandherden geschaffen sind, die kaum zu bewachen sind. Diese Verträge gehen auf dem einen ober anderen Weg ihrer A u f l ös u n g entgegen, und diese Auslösung ergibt da s Kampffeld der deutschen Außenpolitik, die für diesen Kampf der Macht bedarf, die zu schaffen ihre erste Aufgabe ist.
Lettow-Vorbecks Englandreise
Wertvolle Eindrücke des Ostafrikasiegers.
Berlin, 31. Dez. (TU.) General v.Lettow- D o r b e ck veröffentlicht in den „Münchener Reuesten Rachrichten" einen Aussatz über seine Eindrücke in England. Dabei teilt er mit, daß ihm während seines Londoner Aufenthaltes e i n Paket des englischen Krieg smini- ft e r s zugesteUt wurde, das sein Eisernes Kreuz, seine Tagebücher und andere wertvolle Papiere enthielt, die er im August 1916 in Ostuf r ik a vergraben hatte. Rach den Eindrücken des Verfassers haben sich die Deutschen in England ihre geachtete SteUung wieder erworben, aber nicht durch Rachgiebig- keit und Kriechen, sondern durch Festigkeit undWürde. Botschafter Stha - m e r gehe da mit glänzendem Beispiel voran, v. Lettow-Vorbeck hebt die großeLiebenswürdigkcit hervor, die ihm überall in ©nglanb begegnete und sagt schließlich, wir würden uns schwer verrechnen toenn wir nun etwa auch politisches Entgegenkommen erwarten würden. Der Engländer werde immer nur eng
lische Politik treiben, aber gerade deshalb hat es vielleicht einen gewissen Wert, wenn auch einmal in England alle Schichten und die gesamte Presse gegen Deutschland freundlich eingestellt sind.
Einheiisverband der landwirischastlichen Genossenschaften.
Berlin, 31.Jan. (WB.) Die Einigungskommif- sion der Organisationen des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens hatte bekanntlich in Frankfurt am Main am 19. Juli die Verhandlungen über die BUdung eines Einheitsverbandes zu Ende geführt. Jnzwfichen sind von sämtlichen beteiligten Organisation.en Zustimmungserklä- r u n g e n zu den Frankfurter Beschlüssen erteilt und die zur Auflösung der Verbände notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen worden. Die Auflösung des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen G e n o s s e n s ch a f - t e n wird am 12. Februar im Rahmen der nach Berlin einberufenen außerordentlichen deutschen landwirtschaftlichenGenossenschafts- tage 3 beschlossen. Am gleichen Tage wird auch der Generalverband der deutschen Raiff- e i f e n g e n off e n f cf) a f t e n auf einem außerordentlichen Generalverbandstag seiner Auflösung die endgültige Zustimmung erteilen. Der Genas- senschaftsverbanddesReichslandbun- d e s hat bereits am 1. Oktober feine Auflösung durch- geführt. Am 13. Februar wird dann in Berlin in Form einer geschäftlichen Tagung die Errichtung des Einheitsverbandes, der den Namen „Reichs- verband der deutschen landwirschast- lichen Genossenschaften - Raiffeisen" führen wird, stattfinden.
Späte Sühne.
Kownv, 31.Dez. (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, wurden in der letzten Zeit in der Sowjethauptstadt mehrere Verhaftungen vorgenommen, die mit der geheimen Trotzkischen Opposition zusammenhängen, die verbotene Beziehungen zu ihrem Führer Trotzki unterhalten hat. Die Gruppe soll wichtige Dokumente nach dem Auslande ausgeliefert haben. 11. a. ist der Führer der Moskauer Trotzkischen Gruppe, der Mörder des ersten deutschen Botschafters in Moskau, Grafen Mirbach, Bljumkin von der OGPU. verhaftet und zum Tode verurteilt worden. Das Urteil soll am 22. Dezember durch die Wachen der OGPU. vollstreckt worden sein.
Meine politische Nachrichten.
Der Reichspräsident hat wegen eines im „Angriff", dem Berliner Organ der Rationalfozialisten, erschienen Artikels „Lebt Hindenburg noch?" Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur Goetz gestellt.
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General Heye, der Chef der Heeresleitung, ist mit Wirkung vorn 1. Januar 1930 zumGeneral- oberftenbeförbert worden. Beim Ausscheiden des Generalobersten von Seeckt im Oktober 1926 wurde der damalige Generalleutnant Heye zum Ches der Heeresleitung ernannt und zum General der Infanterie befördert.
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Der Vorsitzende des Deutschnationalen Arbeiterbundes am Riederrhein, Gewerkschaftssekre- tär Dudey, hat wegen der letzten Vorkommnisse in der Deutschnationalen Volkspartei seinen Austritt aus dieser Partei erklärt, nachdem er elf Jahre lang aktiv in der Partei tätig gewesen ist. Der Deutschnationale Arbeiterbund hat seine satzungsgcmäße Bindung an die Deutschnationale Voltspartei g e - l ö st. Infolgedessen behält Dudey den Vorsitz im Deutsch nationalen Arbeiterbund am Riederrhein.
Aus aller Welt.
Die Papageienkrankheit auch in Hamburg-Altona.
Altona, 31. Dez. (WB.) Die sog. Papageienkrankheit, über deren Auftreten in Berlin bereits berichtet wurde, ist jetzt auch in Altona in sechs Fällen festgestellt worden, von denen einer tödlich verlief. Die Kranken wurden zunächst auf Lungenentzündung behandelt, bis sich der Verdacht, daß es sich um die log. Papageienkrankheit handelt, bestätigte. Bei Behandlung eines krank eingeüeferten Ehepaares, von dem der Ehemann kurz nach der Einlieferung starb, sind ein Arzt und eine Krankenschwester infiziert worden. Die beiden weiteren Fälle betreffen einen Mann und eine Frau, welche sich auf dem Wege der
Heilung befinden. Der Papagei des Ehepaares, der noch vor Auftreten der Krankheit starb, war ein junges, vor acht Wochen aus Südamerika eingeführtes Tier. Die beiden anderen Papageien, von denen einer ebenfalls gestorben ist, der andere in Quarantäne genommen wurde, sollen von der gleichen Herkunft sein wie das erste Tier. Auch ick den beiden größten Hamburger Krankenhäusern, im Barmbecker und im Krankenhaus St. Georg sind Fälle der Papageienkrankheit beobachtet worden. Diese Fälle reichen bis Oktober zurück, also in die Zeit, in der vermullich der Haupttransport erkrankter Papageien über Hamburg erfolgte. Der aus Argentinien zurückgekehrte Hamburg- Süddampfer „Cap A r c o n a" wurde einer eingehenden Inspektion unterzogen, um etwa krankheitsverdächtige Vögel gegebenenfalls unter Quarantäne zu stellen. In einer Aerztekonferenz wurde fest- gestellt, daß zunächst besondere Schutzmaßnahmen nicht getroffen zu werden brauchen. Im „Tempo" berichtet ein Kasseler Arzt, daß ein französischer Gelehrter vor längerer Zeit schon die Ur s a ch e der sog. Papageienkrankheit gefunden habe und schreibt: „Die Papageien haben ihre Grippe und diese Grippe ist übertragbar, erstens auf andere Vögel (worauf man zu achten haben dürfte), dann aber — eine der ganz seltenen Tierkrankheiten — auchaufdenMenschen. Der Erreger —“mürbe von dem französischen Tierarzt Nocard entdeckt — er ist ein stäbchenähnlicher Pilz, der zu der so gut studierten Gruppe der Typhusdysenterie-Bazillen gehört. Daß er beim Menschen gerade die Lungen befällt, unter hohem Fieber, wo jeder Bakteriologe auf Darmerscheinungen schwören würde, ist eine der paradoxen Erscheinungen, an denen diese typische Tropenkrankheit so reich ist."
Der Slemens-Ring für Professor Iunker«.
Die Siemens-Ring-Stiftung hat an Professor Dr. Junkers in Dessau in Würdigung seiner großen Verdienste auf dem Gebiete der Wärme- uno der Flugzeugforschung den Siemens-Ring verliehen. Diese von Werner v. Siemens gestiftete Auszeichnung haben bisher erhalten Karl v. Linde, Auer v. Welsbach, Robert Bosch, Oskar v. Miller.
Aulobusunglück auf einem Bahnübergang.
Am Silvesterabend überfuhr ein Personenzug zwischen Insterburg und Dlumental (Ostpreußen) einen Personenomnibus der Stadt Insterburg. Von fren Insassen des Kraftwagens wurden sechs Personen getötet, fünf schwer und vier leicht verletzt. Der Ueberweg ist mit Schranken versehen, die Schranken waren aber nicht geschlossen. Der diensttuende Schrankenwärter wurde in seiner Wärterbude bewußtlos aufgefunden und mußte in das Kreiskrankenhaus übergeführt werden. Rach dem ärztlichen Gutachten ist alkoholische Einwirkung auf Grund der Bewußtlosigkeit ausgeschlossen und vorläufig nur anzunehmen, daß die Bewußtlosigkeit auf einen durch Schwindel hervorgerufenen Schwächeanfall zurückzuführen ist. Ob möglicherweise Kohlenoxhd- gasvergiftung vorliegt, muß erst durch genaue Blutuntersuchung festgestellt werden. Bei dem Unfall entgleisten die Lokomotive und ein Wagen des Zuges; die Strecke war mehrere Stunden gesperrt.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Sehr rasch ist die Jslandstörung nach dem südlichen Skandinavien gewandert. Infolgedessen hat auch ihre Warmluft mit großer Schnelligkeit auf dem Festlande an Ausdehnung gewonnen und erneut veränderliches Wetter eingeleitet. Ueber Deutschland herrscht bereits sehr windiges und sehr stürmisches Wetter mit verbreiteten Niederschlägen. Den veränderlichen Witterungscharakter läßt die neue Störung noch fortbestehen, wenn auch die Niederschläge nicht mehr anhalten, sondern in Schauern übergehen. Mit dem Drehen der Winde über Westen setzt leichte Abkühlung ein.
Voraussage für Freitag. Unbeständiges Wetter, mit Bewölkung und Aufheiterung wechselnd, etwas kühler, Regenschauer.
Lufttemperaturen am 1. Januar: mittags 4,2 Grad Celsius, abends 3,7 Grad: am 2. Januar: morgens 6,4 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Januar: abends: 1,5 Grad Celsius; am 2. Januar: morgens 2 Grad Celsius. — Niederschlag 5 nun.
Amtliche Mnlersporknachrlchlen.
Schwarzwald: Feldberg: Bewölkt, — 1 Grad, 55 Zentimeter Pulverschnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Ski und Rodel gut. —
2llpen (Garmisch-Partenkirchen): Bewölkt, minus 0 Grad, 10 Zentimeter Pulverschnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, und Rodel sehr gut. — Derch tesgaden: Bewölkt. 0 Grad, 19 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski und Rodel sehr gut.


