Ausgabe 
1.12.1930
 
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liedS, gezeigt, wie die Sammelarbeit öurchzu- führen ist.

Zu Beginn der anschließend folgenden eigent­lichen

Hauptversammlung

gedachte der Vorsitzende in ehrendem Vachruf der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mit­glieder, von denen u. a. genannt seien: Geheimrat Prof. Dr. Behrens (Gießen), Geheimrat Dr. Hensell (Gießen). Studienrat Dr. Lenz (Gie­ßen), Prof. Dr. Roschen (Laubach). Forst­meister Dr.Weber (Konradsdorf).

Der Jahresbericht bedauert den Rückgang der Mitgliederzahl auf 620 und erkennt dankbar die Unterstützung an, die der hessische Staat, der Kreis Gießen, die Rotgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und Dr. Müller in Flix (Spanien) für die von Prof. Dr. Hepding (Gießen) in aufopfernder Mühewaltung besorgte Herausgabe der »Hessische Blätter für Volks­kunde" geleistet haben. Gute Fortschritte hat die Flurnamen-Forschung gemacht. Die Flurnamen von Dessungen sind im Druck er- schienen. Druckfertig sind die Sammlungen von Darmstadt, Grohen-Linden (gesammelt von Pfarrer Schulte) und Homberg a. d. O. (ge­sammelt von Lehrer 3 mmel).

Lebhaften Dank der Versammlung erntete Stu­dienrat R. O h w ald (Friedberg) für die ge- wissenhafte Führung der Rechnung.

Einstimmig erfolgten die Ergänzu ngswa- len zum Vorstand und zum Erweiterten Aus­schuß. 3n den Vorstand treten neu ein Prof. Dr. Maurer (Gießen) und Lehrer O h w a l d (Dad- Rauheim), in den Ausschuß Dr. W a l l b r a ch (Gießen), Ministerialrat Hofmann (Darm­stadt), Schulrat Has sing er (Darmstadt), Leh­rer Bernhard (Heimertshausen).

3m nächsten Jahre kann die Vereinigung auf ein 30jähriges segensreiches Wirken zurückblicken 3n Verbindimg mit der Hauptversammlung soll aus diesem Grunde anfangs Rovember 1931 in Gießen eine größere Volkskundetagung stattftndcn

Den würdigen Abschluß gab der wohlgelun­genen Tagung ein

öffentlicher Lichtbildervortrag

von Prof. Keller (Friedberg) über »Hessi­sche Volkskunst". Die fesselnden Ausführun­gen zeigten, daß Volkskunst im Wesen nichts anderes ist als hohe Kunst. Es war von be­sonderem Reiz, an Bildern aus allen Teilen Hessens zu sehen, wie der Geist der Heimat, das Empfinden des hessischen Dauern im Vogelsberg, in der Wetterau, im Odenwald, in RhÄnhessen nach seiner Eigenart in den schlichten Werken der Volkskunst sich offenbart.

Oberheffen.

Landkreis (Rieften.

£ Wieseck, 30. Rov. 3n der jüngsten Ge­mein d er atssitzung standen wiederum die Kanalgebühren zur Besprechung. Auf An­trag der Kommission wurde die Angelegenheit nochmals der Wasscrkommission zur Bearbeitung überwiesen, da eine Einigung nicht erzielt wer­den konnte. Ein Antrag, wonach von jeder an­geschlossenen Haushaltung 5 Mk. erhoben werden sollen, wurde abgelehnt, da auf diese Art nur etwa 2500 Mk. eingingen, wogegen 7500 Mk. er­forderlich sind zur Tilgung und Unterhaltung der Kanalanlage. Fünftausend Mark müßten infolgedessen in die Gesamtumlage und teilweise von Ortsbürgern getragen werden, welche über­haupt nicht an das Kanalnetz angeschlossen sind. Don bürgerlicher Seite wurde an dem von Ge­meinderat Seibert gestellten Urantrag festgehal­ten. Hiernach sollen pro Quadratmeter bebaute Fläche 1 Pf. und pro 1000 Mk. Steuerwert der Gebäude 50 Pf. von dem Hausbesitzer erhoben werden. Die Mieter sollen 5 Mk. jährlich zu I

Oer Dreizehnte.

Roman von Anny von panhuys.

Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunschweig

16 Fortsetzung Nachdruck verboten

Die Baronin Wesierska stellte den Anwesenden den neuen Gast vor. Die Witwe aus Luxemburg mit dem reellen Hintergrund der Kohlengruben kokettierte ihn mit geradezu verblüffender Selbst­verständlichkeit an. Ein Spanier war einmal et­was anderes. Sie dachte in seiner Rahe an Tore­ros und an Ständchen zur Gitarre, an glutrote Liebe unter Orangenbäumen und an Duelle mit Messern. Sie aber, um derentwegen Priino Duero sein vornehmes Hotelleben mit dem bunten Durch­einander hier vertauscht hatte, befand sich nicht unter den Gästen. Wenn die Ramen auch halb unverständlich an ihm vorbeischwirrten, befand sich doch keine Dame hier am Tisch, auf die Eva Hirt­bergs Beschreibung der Prinzessin auch nur einigermaßen paßte. Wenn die Prinzessin Mvn- terossi selbst irgendwie mit dem Raub und Mord in -Zusammenhang stand, kannte sie ihn wahr­scheinlich. und es war zu erwarten, daß sie sich, falls sie ihn nun gesehen, davongemacht, noch ehe er seinen Koffer hatte auspacken können. Es war wirklich unüberlegt von ihm gewesen, hierher zu kommen.

Er hätte das einem Detektiv übertragen sollen, der unter einem beliebigen Deckmantel rascher ans -Ziel gelangt wäre als er.

Die Pensionsinhaberin saß auf der einen Seite neben ihm, auf der anderen der österreichische Graf. Gegenüber die Luxemburgerin mit den Koh­lengruben. Baronin Wesierska war stark gepudert und sie war die thpisch zurechtgemachte Fünf­zigerin, die sich einvildet, an schlechten Tagen wie fünfunddreihig auszusehen und an guten wie acht­undzwanzig.

Sie glaubte ihre Gäste mit dem Lächeln dev großen Dame zu beglücken, und es war doch nur das vielgeübte Lächeln der Pensionsmutter, die einen ständigen Existenzkampf führt und nachts von durchgebrannten Pensionären träumt.

Sie sah Primv an und meinte:Heute sind wir nicht völlzählig versammelt, die schöne Prinzessin Montirossi ist heute bei Freunden eingeladen. Auch fehlt Mynheer van Muylen."

Was kümmerte ihn Mynheer van Muylen. die Hauptsache war, sie wohnte noch in der Pension, die Frau, von der die blauen Brillanten verkauft wurden, daran das Blut seines Vaters klebte.

Rach dem Essen saß man in dem Salon dev Pension zusammen und die heimatlose Spielerin stellte ihm auf ihre Art alle, die sich unter dem Dach der Wesierska zusammengefunden, vor.

Bürgersteuer und Biersteuer.

Landkreis Gießen.

D L i ch, 29. Rov. 3n der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, zu der eine ganze Anzahl Zuhörer erschienen war, beschäftigte man sich mit der Frage der Einführung der Gemeinde- Biersteuer oder der Bürgersteuer in Lich. Das Ergebnis einer der beiden Steuern soll zur Deckung der außerordentlich hohen Wohlfahrtslasten für Wohlfahrtserwerbslose Verwendung finden. Rach lebhaftem Meinungs­austausch entschloß sich der Gemeinderat, unter dem Zwang der Verhältnisse, zur Einführung der Bürg er steuer für das 3ahr 1930. Die Steuer soll nach dem Landessatz erhoben wer­den. Ferner wurde beschlossen, die Hunde­steuer in der Höhe von 1930 auch für daS Ka­lenderjahr 1931 zu erheben.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 29. Rov. 3n der gestri­gen Stadtra tss itzung kam es durch die Kommunisten zu stürmischen Szenen, die den Vor­sitzenden nötigten, die Sitzung für eine Viertel­stunde zu unterbrechen. Bürger- und er­höhte Bier st euer wurden mit allen gegen die Stimme des Vorsitzenden abgelehnt. An­träge der Sozialdemokraten und Kommunisten auf Weihnachtsbeihilfen wurden vertagt, bis die Beschlüsse des Landtags in dieser Angelegenheit bekannt sind.

Kreis Marburg.

WSR. Marburg, 29. Rov. Die Stadt­verordneten beschlossen, die Bürger- steuer, welche anfänglich vom 1.Oktober 1930 ab erhoben werden sollte, bereits ab 1. April 1 9 3 0 zu erheben. Man hofft dadurch den Etat 1930 balanzieren zu können, denn, wie Ober­bürgermeister Müller mitteilte, rechnet man mit einem Steuerminderertrag von 120 000 Mk.

Dillkreis.

WSR. Dillenburg, 29. Rov. Die Stadt­verordnetenversammlung hatte sich

vorgestern mit der Deckung des Defizits von 31 500 Mk. zu befassen. Die vorn Magistrat vor- geschlagene Bürger st euer und erhöhte Bier st euer wurden abgelehnt.

WSR. H a i g e r, 30. Rov. Die Stadtverord­neten beschäftigten sich am Freitag mit der Deckung des Fehlbetrages in Höhe von 22 000 Mark. Rach dem Beschluß der Finanzkommission, die sich für Einführung der Bürger st euer entschieden hatte, beschloß das Kollegium mit überwiegender Mehrheit die Erhebung der Steuer, nachdem es diese vor drei Wochen abgelehnt hatte.

Kreis Limburg.

WSR. Limburg, 29. Rov. Die Stadt­verordnetenversammlung hat gestern mit allen gegen zwei Stimmen bei einer Stimmenthaltung die Einführung der Bürger st euer beschlvs- sen. Die Erhebung dieser ©teuer erweist sich als notwendig, weil Mittel zur Ausbringung einer Rachtragsumlage des Kreises beschafft werden müssen. Dazu wird aber voraussichtlich der Er­trag der Bürgersteuer bei weitem nicht aus- reichen. Es ist daher auch mit der Einführung der Diersteuer in Limburg zu rechnen.

Starkenburg.

WSR. O f f e n b a ch, 29. Rov. 3n der gestrigen Stadtratssitzung wurden etwa 900000 Ml. Mehrausgaben für das Wohlfahrtsamt gegen­über den Ansätzen im Haushaltsplan 1930 ohne weitere Debatte bewilligt. Dann kam es zu einer langen und erregten Aussprache über den Antrag des Oberbürgermeisters auf Erhebung einer Gemeindebier-, Gemeindege­tränke- und Bürger st euer. 3m Ausschuß hatte sich keine Mehrheit für diese neuen Steuern gefunden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch zur Sprache gebracht, daß die Stadt Offenbach durch den Verkauf des Gaswerkes an die Stadt Frankfurt einen Verlust von 1,2 Mil­lionen Mark erlitten habe. Schließlich wurden die Steuern abgelehnt. Man will jetzt auch ver­suchsweise die Strahenbahnfahrt verbilligen.

zahlen haben. Es würde hierdurch erstens eine gerechte Verteilung erreicht und zweitens eine Er­höhung der Gesamtumlage vermieden, da sich auf diese Art die Anlage in sich trägt. Der Einspruch des K. Becker gegen die Besetzung der Schuldienerstelle durch Losentscheio wurde vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen und zum Ausdruck gebracht, daß angesichts der großen Zahl von Bewerbern diese Art der Re­gelung der gangbarste Weg war, so daß dem Einspruch nicht stattgegeben werden konnte . Außerhalb der Tagesordnung wurde von Ge- meinderat Denner vorgeschlagen, zugunsten der Winterbeihilfe eine Sammlung frei­williger Gaben im Orte zu veranstalten, und zwar mit Rücksicht auf hie schlechte Kassen­lage der Gemeinde. Gemeinderat Seibert be­trachtet die Gewährung einer Winterbeihilfe als selbstverständliche Pflicht der Gemeinde und lehnte eine Sammlung freiwilliger Gaben als unzweck­mäßig ab. Die Angelegenheit wurde dem Für- sorgeausschuh überwiesen.

* Wieseck, 30. Nov. Die hiesige Volks­hochschule eröffnete ihre diesjährige Winter- arbeit mit einer Vortragsreihe von Rektor Petri über die deutsche Reichsoerfassung. In einem ein­führenden Vortrag gab er in großen Linien einen Ueberblick über das geschichtliche Werden unseres Staates und unserer Staatsform, um bann an den beiden folgenden Abenden über die Grundtatsache der Reichsverfassung zu sprechen. Lichtbilder ergänz­ten die Ausführungen des Redners.

+ Grünberg, 30. Rov. Der hiesige Volks­bildungsverein hielt dieser Tage seine Hauptversammlung ab. Der Verein, der

Sie sprach ein geläufiges, wunderreines Fran­zösisch. und ihr Spott unterstrich Besonderes. Sie zog über alle her in fein mokanter Weise und schonte sich selbst nicht.

»Ein weiblicher Ahasverus bin ich", lächelte sie, »ich Hetze mich ein paar Monate durch solche Heime wie dieses, um mich zu sammeln für Monte. Ich bin eine von den alten Pagoden mit Wackel­kopf, wie sie zu Dutzenden dort an den Spieltischen hocken und auf das große Glück warten. Meine Verwandten bieten mir ein Heim, aber wissen Sie, ich habe keine Qualitäten für die Großmama oder Großtante. 3ch bin eine alte Spielerin geworden, es ist meine Bestimmung. 3m übrigen alles, was hier haust, ist meist Abenteurerblut. Einen Schuß davon haben alle. Pardon, Sie nicht, Monsieur. Lind darum erzähle ich Ihnen das, Sie passen nicht in den Rahmen, so interessant auch Ihre spanische Rationalität unser kunterbuntes Bild vervollständigt."

Er mußte lächeln.

»Wie ist die Prinzessin, von der ich sprechen hörte? So ein hoher Titel verbürgt natürlich eine gewisse Solidität der Existenz, meine ich."

Die alte Dame zog die kohlschwarzen Brauen, die unter dem weißen, noch stark nachgepuderten Haar wie kleine ausgespannte Flügel standen, zu­sammen.

»Sind Sie wirklich noch so naiv oder tun Sie nur so?

Ein hoher Titel verbürgt gar nichts, aber auch gar nichts. Mnb heutzutage weniger als je. Die Prinzessin ^Nontirossi ist sehr hübsch, vielleicht so­gar schön, bestimmt aber interessant. 3m übrigen bezweifle ich daß ihr Titel echter ist als ihr hell­blondes Haar."

Primo Duero durchfuhr es wie ein Schlag. Was die alte Dame so leicht hinspöttelte, war für ihn unendlich wichtig.

War die Verkäuferin der blauen Brillanten eine Abenteuerin, die sich den Rang einer Prinzessin durch eigene Gnade und Huld verliehen, dann verschob sich das ganze Bild.

Rur um etwas zu sagen, meinte er:3ch bin neugierig, die Dame kennenzulernen."

3n ein kurzes Schweigen hinein klang die Stimme der Witwe aus Luxemburg, die eben auf französisch zu dem Oesterreicher sagte:Vergeuden Sie keine Zeit damit, mir den Hof zu machen, ein für allemal, Sie sind mir zu abgestanden, Gras."

Primo Duero erhob sich, der Ton hier entsprach nicht seinem Geschmack. Er fuhr am Rachmittag nach Potsdam, wanderte durch den schönen Park von Sanssouci und dachte an Eva Hirtberg. Roch einmal würde er sie Wiedersehen, dann wohl nie mehr.

Er begriff nicht, weshalb er in den mehr als zwei Jahren, seit sie Barcelona verlassen, gar fei­nen Versuch gemacht hatte, sich nach ihr zu erkun­digen. 3hm war eS jetzt, als hätte er sie schon

seine Hauptaufgabe in der Erhaltung und dem Ausbau der Volksbücherei sieht, konnte die Feststellung _ machen, daß die Bücherei 1250 Bücher enthält und im Laufe des 3ahres durch 52 Bücher erweitert werden konnte. Die Bü­cherei wurde von 125 Lesern in Anspruch ge­nommen, 2323 Bücher wurden ausgeliehen. Die Lesegeldcr und Mitgliedsbeiträge erbrachten einen Betrag von 303 Mark, der in der Hauptsache für Reuanschaffungen Verwendung fand. Der Verein will in Verbindung mit der Volkshoch­schule wieder eine Reihe von Vortrags­abenden veranstalten, für die die folgenden Redner und Themen festgesetzt wurden: Dr. phil- Reumann (Gießen)Erziehungsfragen", Professor Hüter (Gießen)Schillers 2ben und Werke", Fräulein Hilde H o b o h m (Marburg) Die Mode", Berufsschullehrer Schmidt (Grün­berg)Die Entstehung des Vogelsberges" und Oberamtsrichter Andrae (Ortenberg) oder Amtsgerichtsrat Schneider (Bad-Rauheim) Rechtsfragen des täglichen LebenS".

s. Utphe, 29. Rov. Gestern verunglückte der Bergmann Heinrich Bornmann von hier in Wölfersheim, wo er über Tag beschäftigt ist. Ein Drahtseil traf ihn so vor die Brust, daß er bewußtlos in ein mit Schlamm gefülltes Loch flog. Er wurde im Auto nach Hause gebracht. Anscheinend hat er innere Verletz ungen davongetragen.

Kreis Schotten.

S Stumpertenrod, 30. Nov. Vom Landes­verein für Innere Mission in Darmstadt wurde hier und in Köddingen der FilmWnüber der

damals sehr geliebt, und als hätte er ihr Bild immer in seinem Herzen getragen.

Vielleicht wäre sie die Seine geworden, wenn er früher gekommen wäre!

3hm war es fast, als sähen ihn ihre Augen zu­weilen so eigen an. Aber das war natürlich nur Einbildung. Sie liebte den Freund aus Kinder­tagen, und ihr war es nur darum zu tun, ihm, da ihr ein Zufall die blauen Brillanten in den Weg geführt, dabei behilflich zu sein, den Mörder seines Vaters aufzuspüren. Dafür mußte er ihr dankbar sein, aber mehr durfte er hinter ihrer Freundlich­keit nicht suchen.

Der Herbst schritt durch den Park von Sans­souci, und wo sein Fuß hintrat, ward alles müde und welk.

Primo Duero zwang sich, an das zu denken, was ihn nach Berlin geführt. Dor allem an die Prinzessin Montirossi.

Er überlegte, was er tun mußte, um von dieser Frau zu erfahren, wie die Edelsteine in ihrer Be­sitz kamen. Doch er entschloß sich bald, da. >m Augenblick zu überlassen. Er dachte lieber tu.ver an Eva Hirtberg.

3hm war es, als wandere sie an seiner Seite durch die gepflegten Wege und steige neben ihm w dem Schlosse empor, in dem einst der große König gelebt.

11.

Auch am Abend sah Primo Duero die Prin­zessin nicht bei Tisch, dafür aber nahm der andere Pensionär, der mittags gefehlt hatte, Mynheer Pieter van Muylen, am Essen teil. Er sprach ein schlechtes Deutsch und machte einen brutalen, unangenehmen Eindruck, trotz seine- >hr eleganten Kleidung, fand Primo Duero, der von ihm kaum beachtet wurde.

Wo ist denn die Prinzessin heute?" fragte van Muylen und die Daronin Wesierska erklärte,sie sei zu Freunden und würde wohl erst spät wie­derkommen."

Er verzog den brutalen Mund:Mir schmeckt es besser, wenn die Frau nicht am Tisch sitzt."

Was haben Sie nur gegen die reizende Prin­zessin, Herr van Muylen?" fragte die Wesierska.

Er zuckte die Achseln und brummte:Sie ist eine zu große Dame, für die man nicht mehr ist, wie ein Lakei. Das vertrage ich nicht."

Das bilden Sie sich nur ein, erwiderte die Pensionsinhaberin,die Prinzessin ist die Lie­benswürdigkeit selbst."

Eben öffnete sich die Tür und eine weiche Alt­stimme sagte:Ich danke herzlich für das Kompli­ment, denn ich nehme an, mit der Prinzessin bin ich gemeint.

Also das war die Prinzessin Montirossi!

Primv Duero blickte interessiert auf die schlanke Frau an der Tür, die in einem dunkelvioletten hochgeschlossenen Samtkleid eine schöne und auf­fallende Erscheinung war.

Schöpfung" vorgeführt. Die Welt Der Sterne im All wurde durch prächtige Bilder und erläuterndes Wort dem Auge und dem Verständnis nahe gebracht. Der Reinertrag des Filmabends dient zum Bau des neuen Krüppelheims in Nieder-Ramstadt. Die Ausstattung unseres Kirchleins, das zu den künstlerisch wertvollsten und schönsten Fachwerk­bauten Hessens gehört, erfährt jetzt dadurch eine wesentliche Bereicherung, daß die Orgel anläßlich einer dringend nötigen Reparatur noch mit drei neuen Registern und einem modernen Gebläse mit Motorantrieb ausaestattet wird. Die Kosten dafür sind durch einen gesparten Ueberschuß und freiwillige Spenden der Einwohner in der Hauptsache gedeckt.

Kreis Alsfeld.

mr. Grebenau, 30. Rov. Eine Samm­lung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ergab in unserem Orte den (Betrag von 23 Mark. Das Ergebnis steht um einiges hinter dem des Vorjahres zurück.

Kreis Lauterbach.

* Lauterbach, 29. Rov. Hier wurden von der Gendarmerie ein Mann aus Bad^Orb und zwei junge Leute unter 20 Fahren verhaftet, bie eine Reihe von Ortschaften im Vogels­berg aufsuchten und dort Einbrüche ver­übten. 11. a. stahlen sie in 3lbeshausen eine größere Geldsumme, ferner Drangen sie in meh­reren Ortschaften in Schulhäuser ein, ebenso wird ihnen ein Einbruchs Diebstahl in H erchenh ain «aus Das Konto gesetzt. Als ihnen im oberem! Vogelsberg Der Doden unter den Fußen zu heiß geworden war, wollten sie Lauterbach mit ihrem Besuch und ihrer Tätigkeit begtücEen, tourDem aber unterwegs von der benachrichtigten Gendar­merie festgenommen und in Haft gebracht. Der Mann aus Bad Orb, der offenbar der Anführer Der Gesellschaft war, hat schon wiederholt wegen Diebstahls mit Strafanstalten Bekanntschaft ge­macht.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

5 Krofdorf, 30. Nov. Vor Eintritt in die Tagesordnung der jüngsten Gemeindever- tretersitzung Krofdorf-Gleiberg führte Der Ge« meinDevorsteher Den neueingetretenen Verordneten Ludwig Schupp in sein AM ein. Zur Er­weiterung Der engen Wegkuroe an Der im Bau be­findlichen Gleibachbrücke soll Gelände zum Preise von 1 Mark pro Quadratmeter erworben wer- den. Die Sportplatzangelegenheit wurde vertagt, ebenso Die Beschlußfassung über Die Gewäh­rung einer Winterbeihilfe, Da Die Gemeinde Vertretung vorerst Den Stand Der GemeinDefinanzen erfahren will. Weiter beschloß Die Versammlung, Die Bürger st euer nicht einzuführen. Zur Abhaltung von Vorträgen für erwerbsloseIugend- liche soll nach Der Feri stellung Das Rathaus zur Verfügung gestellt werden.

' Lützellinden, 1. Dez. Zu dem in Rr. 279 desGieß. Anz." veröffentlichten Ergebnis einer hiesigen Treibjagd wird uns berichtigend mit­geteilt, das lediglich 25 Hasen, jedoch kein Reh geschossen wurde.

-5- Lützellinden, 30. Rov. Der hiesige Turnverein hat wieder die Durchführung eines Unterhaltungsprogramms für die kom­menden Wintermonate eingeleitet. Von der Bildstelle des Kreisjugendamtes in Wetzlar wer­den dem Verein Bildserien allgemeinbelehrenden 3nhalts unentgeltlich überlassen. Die Wieder­gabe der Bilder erfolgt durch ein der hiesigen Schule gehöriges Lichtbild-Epidiaskop.

80. Geburtstag von Geheimrat Zalk.

WSN. Mainz, 30. Nov. Heute vollendete Der Ehrenvorsitzende derHessischen Handwerks­kammer, Geheimer Gewerberat Falk, fein 8 0. Lebensjahr. Geheimrat Falk leitete Die

Die alte Spielerin mischte sich ein.

Mynheer von Muylen meinte, Sie wären eine zu große Dame, für Die man nicht mehr als einl Lakei ist, und das vertrage er nicht.

Das ist auch wahr", brummte Mühlen, und dann wandte er sich an die alte Dame.Klatschen ist unfein, gnädige Frau."

Die treue Besucherin Monte Carlos lachte.3ch nehme 3hre gegenseitige Abneigung nicht sehr ernst, Herr van Muylen."

Ich verbitte es mir, gnädige Frau, mich mit diesem Mann in einem Atemzug zu nennen, em­pörte sich Die blonde elegante Frau, und ihre Augen streiften den Holländer verächtlich.

Der erhob sich breit und wuchtig.

3ch lasse mich nicht beleidigen, auch von keiner Prinzessin. 3ch bin Pieter van Muylen und kein Kuli, und morgen ziehe ich aus, verstehen Sie, damit wir beide nicht mehr zusammentreffen."

Das war grob.

Die Pensionsinhaberin sprang auf und lief zu dem aufgeregten Holländer.

Herr van Muylen, Sie brauchen doch nicht so empfindlich zu sein. Ich bitte Sie, zu bleiben." Sie lächelte die Italienerin fast flehend an.Richt wahr, teuerste Prinzessin, Sie wollen doch Herrn van Muylen nicht aus Der Pension vertreiben?"

Behüte!" kam es scharf zurück.Mag er hier wohnen bleiben bis zum Jüngsten Tage, die Hauptsache ist es für mich, ihn nicht mehr sehen zu brauchrn. Also werde ich Die Pension verlassen."

Die arme Wesierska, die einmal Elise Bauer geheißen, verlor Die Fassung. Da war sie ja vom Regen in Die Traufe gekommen!

Sie lief nun Der Prinzessin nach, die energisch das Zimmer verlassen hatte.

Pieter van Muylen stand da, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben.

Weiber, Weiber!" brummte er vor sich hin. Ich ziehe in ein Hotel, wo nur Herren wohnen. Wenn ich die Prinzessin ansehe, dreht sich schon mein Magen herum."

Auch er verließ das Speisezimmer.

Run war man ganz unter sich und konnte sich ungeniert über die eben ftattgefunDene Szene un­terhalten.

Wenn Primo Duero auch nicht so viel Deutsch verstand, um Wort für Wort zu verstehen, so hatte er doch vollkommen begriffen, daß es zwischen der Prinzessin und dem plumpen Holländer einen Streit gegeben, der wahrscheinlich beide auS die­sem Hause trieb.

Er überlegte, was er tun sollte. Wenn die Prin­zessin aus der Pension wegzog, hatte es doch gar keinen Sinn für ihn, hier zu bleiben.

Er war verstimmt. Diese Dumme Zänkerei ver­darb ihm seinen ganzen Plan hier.

Die Wesierska erschien. Sie hatte Tränen in den Augen.

(Fortsetzung folgt)