Das Augsburgische Vekennlnis einst und jetzt.
Von Pfarrer Kornmann, Laubach.
Das Reformation-fest diese- IahreS steht nod) im Leichen der Erinnerungen an da- Augsburgische Bekenntnis. Es dürste deshalb vielleicht interessieren, wie diese- Bekenntnis früher gefeiert worden ist, $umal die Laubacher örtlichen Feiern wahrscheinlich sehr viele Parallelen anderswo finden, die sich dem in die Archive cin- dringenden Blick flat zeigen würden.
Es ergibt sich, baß die Feier im 3ahre 1730 die bedeutendste toar; sie war fest gelegt aus die Tage vom 23. bi- 25. Juni. Freitag- ward nicht weniger al- dreimal geläutet, und zwar um zwei, um halb drei und um drei Uf)t. Samstag war dann, als am Johannistag, ein allgemeiner Bub-, Fast- und Bettag! für den Dor- und RochmittagsgotteS- dienst waren die Predigt-Texte von der Dor- munbschaftSregierung, die damals im SolmS-Lau- bachiscken Land waltete, vorgeschrieben. Sie sind bemerkenswert und seien desyalv genannt: Luka- Kap. 1, Der- 76 bi- 80; Hosea Kap. 14, Vers 2 und 3; Hebräer Kap. 10, D. 23 bis 25; Psalm 93, Der- 5. Auch die Schriftlesungen waren einheitlich, z B. am SamStagrnorgen das sehr gut passende Kapitel 34 aus dem 2. Thronikabuch bestimmt. — Ebenso waren die Predigt- usw. Texte für den Festsonntag, der zum 3ubel- und Danksest, besonders durch Einfügung von Kantaten, gestaltet war, au-gewählt und vorgeschrieben. Auch waren besondere Dekrete geschaffen worden, die nach dem Llrteil eine- maßgeblichen Pfarrer- der damallgen Zeit .über die Masten lang, aber höchst fal- bungsvoll, kräftig und innig" waren. Die Entwürfe der Predigten hatten die Pfarrer „ad con- sistonum“ (der vorgesetzten Behörde) einzureichen; au- diesen, noch erhaltenen Entwürfen spüren wir die gekünstelte Predigtweise der damaligen Leit. Bezeichnend ist jedenfalls, dast die Feier des Aug-burgischen Bekenntnisse- vor 200 Jahren gc- raN in unseren Breiten so großzügig gestaltet war.
Die ganz ander« ist eS dann 1S30I Da erläßt der Kirchen- und Schulrat in Gießen ein Schreiben an die Geistlichen, da- überraschend knapp und durch seinen Unterton bemerkenswert ist: die Mahl eine- passenden Textes bleibe den Geistlichen überlassen, zugleich aber seien sie in höchstem Auftrag« ernstlich ermahnt, sich aller polemischen Erörterungen zu enthalten. - Der 25. Juni wurde Lu einem Dormittag-gotte-dienst „mit Unterlassung aller äußerlichen Feierlichkeiten" bestimmt, und zwar wurde für die Predigt in diesem
Gottesdienst besonder- eingeschLrtt, sie svlbr sich .im Sinne christlicher Liebe und Duldsamkeit bewegen". — Da- spiegelt so recht die 3cit vor 100 Jahren wieder, mit ihrer „Aufklärung", die meinte, alle Unterschiede verwischen zu können. Die friedfertigen Beweggründe, die hier vielleicht im Hintergrund standen, wird man voll billigen können; immerhin darf doch gesagt werden, daß auch der Wahrhaftigkeit Genüge geschehen must. Luther schreibt im Jahre 1534 einmal an den Landgrafen Philipp den Großmütigen von Hessen: „Fürwahr, mir ist auch leid solcher Spalt; hab auch den Schaden wohl gefühlt, daß ich mit Leib und Leben gar gern wollt die Einigkeit wieder erwecken, wo e- sein könnte. Denn ausgeschlossen mein Gewissen soll nicht- sein, da- ich nicht gerne leiden und tun will. Aber das Gewissen kann ich nicht also verstecken, und der Reuel (die Aeuef ist «in schwerer Wurm im Herzen." — Wenn wir wir von da her, also von der Wahrhaftigkeit aus GewissenSgründen her, an den Kernartikel des Aug-burgischen Bekenntnisses denken, an den „von Sünde und Rechtfertigung", dann erkennen wir, daß hier der Rist zwischen zwei Konfelsionen klafft und klassen must. „Leise treten", wie Luther e« einmal genannt hat, oder Derschweigen kann hier nicht- bessern. 3m Gegenteil: der Laue und Gleichgültige. der diesen Dingen: Sünde und Rechtfertigung, oder der Frage Luthers: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?", nicht auf den Grund geht, wird leicht in vorläufigen Unterschieden beider Konfessionen stecken bleiben und nur da- Trennende sehen; wer aber diese Fragen ganz ernst nimmt, dem winkt die Möglichkeit, ganz persönlich Gott zu finden, au« Sündennot erlöst, — ein Thrift zu werden, — und dann wohl auch über die Grenzzäune beider Konfessionen hin- wegzusehen, im Wissen: auch „drüben" gibt eS GotteSkinder. — Menschen, die vom Evangelium her sich Weisung holen für die Gestaltung täglichen Leben-, für den Weg dem Himmel entgegen.
Dielleicht ist unserem Dolk und unserer Kirche der gröstte Dienst getan, wenn wir in diesem Sinn eines ties-schürsenden Ernstes von 1930 zurück- schauen auf 1830 und 1730, und schließlich 1530.
und wenn wir nicht zu laut von einem Bekenntnis sprechen, das allzuwenig bekannt ist, sondern in die Stille gehen und ernstliche Verbindung suchen mit dem lebendigen Gott.
Konsum-Verein Gießen und Umgegend.
Da« Ergebnis im Geschäftsjahr 1929/30.
Die Verwaltung des Konsumvereins Gießen und Umgegend hat nach dem
Geschäftsbericht für 1929 30
trotz der ungünstigen Wirtschaftslage und der gro- sten Arbeitslosigkeit eine Steigerung des Um- tatzcs von 51680 Mark erzielt. Der Umsatz 1929/30 betrug 3157 118 Mk., gegen 3 105 438 Mk. im Vorjahre. Die Bäckerei ist an dem Gesamt. Umsatz mit 383 767 Mark beteiligt (12,1 o. H. gegen 13,5 d. $). im Vorjahr). An Mehl wurde verbacken: 121 800 Pfund Weizenmehl, 1 122 582 Pfund Brot- mehl, 3511 Pfund Hefe. Diese Mehlmengen ergaben 118 900 Stück Brote 1. Sorte (je 4 Pfund), Misch, brotc 113 298 Stück, Roggenbrote 111 653 Stück, Schrotbrote 17196 Stück, Weißbrote 5275 Stück, Brötchen und Feingebäck 1415158 Stück, Kuchen usw. 7287 Stück. Die Kaffeerösterei hat einen Rückgang aufzuweisen (48 575 Pfund gegen 51 897 Psund im Vorjahr); dagegen erfuhren die Kaffee- Ersatzmittel eine dementsprechende Umsatzsteigerung.
Der Grundbesitz erfuhr durch den Ankauf von 400 Quadratmeter Gartengelände eine Erweite- rung. Auf dem Gelände wurden Wagenhallen und Lagerschuppen errichtet.
Die Sparkasse verzeichnete an Einlagen 734 896 Mark (im Vorjahre 660 658 Mark), davon beträgt die Zinsengutschrift 41 485 Mark.
2(n Sterbe unter st ützung wurde an 32 Familien 851,50 Mark ausgezahlt. Die im Berichts- fohre gezahlte S t e u e r s u m in e betrug 54 092,09 Mark. 3n der Dersicherungsabteilung waren 842 Verträge abgeschlossen.
Die Zahl der beschäftigten Personen betrug 65 männliche und 67 weibliche, die ein Ge- falt von 331 399 Mark bezogen. An Sozial- lasten wurden 35 147 Mark gezahlt.
Derwaltung schlagt vor eine Rückvergütung von 5 v. H. an die Mitglieder zur Ser- teuung *u bringen und hat dafür 152 984 Mark bcreitgcftcnt.
Der Kassenbericht.
Die Bilanz enthält folgende Posten: Der- mogen. Betriebsmittel: a) Dorräte 293 052,45 |
Marl, b- Einrichtungen 210 042 Mk., zusammen 500 094.45 Mk.; Grundbesitz 595 165 Mk.; angelegte und flüssige Mittel 424 926,04 Mk.. Forderungen 3234,19 Mk. Summe deS Vermögens 1 523 419,66 Mk. — Schulden: Eigene Mittel: a) Geschästsguthaben 222 131,48 Mk.; b) Reserven: Reservefonds 236 767,91 Mk., SpezialrcservcfondS 14 709,31 Mk., Baulands 12 000 Mk., zusammen 263 477,22 Mk.; Grundschulden 13 042,80 Mk.; laufende Verpflichtungen: Spareinlagen 734 896,84 Mark, Sparmarlcn 2 395,50 Mk., zusammen 737 292,34 Mk.;'Licferantenschulden 71 907,65 Mk., Umsatzsteuer 7799,60 Mk.. Pensionsfonds 20 496,68 Mark, Anteil ausgeschiedener Genossen 10 594,06 Mark, Kohlen 14 789,55 Mk., Rabattguthaben 152 984,08 Mk., noch zu zahlende Unkosten 2949,86 Mark, zusammen 1517 465,32 Mk.; Erübrigung 5954,36 Mk. Summe der Schulden 1 523 419,68 Mk.
Die Gewinn- und Derlustrechnung seht sich zusammen: Soll: Allgemeine Unkosten 94 515.51 Mk., Steuern 32 532,73 Mk., Zinsen 23 312.58 Mk., Lohn und Gehalt 250 208 72 Mk Fuhrwerksunkosten 1511,70 Mk., Kraftwagenunkosten 24 516,38 Mk., Sterbeunterstützung 851,50 Mark, Abschreibungen 37 778,78 Mk.. zusammen 465 227,30 Mk.; Erübrigung 5954,36 Mk.; insgesamt 471 181,66 Mk. — Haben: Warenrohertrag 455 193,86 Mk., Leergut 7642,15 Mk., Diskont 8345,65 Mk.; insgesamt 471 181,66 Mk.
Die Zahl der Mitglieder betrug am 1.3uli 1929 10 347, Zugang 623, zusammen 10 970; Abgang 958, Bestand am 30.3uni 1930: 10 012.
Das Geschäftsguthaben der Mitglieder betrug am 1. Juli 1929: 217 447,23 OHL ; am 30. Juni 1930 : 222 131,48 Mk.; mithin mehr 4684,25 Mk. — Die Haftsumme der Mitglieder betrug am 1. Juli 1929: 310 410 Mk. sie verringerte sich um 335 ausgeschiedene Mitglieder gleich 10 050 Mk, Haftsumme am 30. Juni 1930- 300 360 Mk.
Gchupo-Verlegung von Butzbach nach Mainz.
pd. Butzbach, 31. Ott. Eine endgültige Ent- schewung über die etwaige Verlegung der Schutzpolizei von hier nach Friedberg ist dis heute noch nicht getroffen worden. Es ist bis letzt verfügt, dast die siebente Bereitschaft von hier nach Mainz verlegt wird. Mit dieser kommt noch eine Hundertschaft von Friedberg nach Mainz. 3n Butzbach verbleiben vorerst noch zwei Hundertschaften.
Zusammenlegung der Amtsgerichte Bad-Nauheim und Friedberg?
2' Dad-Rauheim, 31. Oft. Wie die .Bad-Rauheimer Zeitung" in einer Zuschrift von »gut unterrichteter Seite" mitteilt, erwägt man im hessischen Finanz- und Wirtschaftsministerium zur Zeit ernstlich, dieAmtsgerichteDad-Rau- heim und Friedberg zusammenzulegen und zwar denkt man hauptsächlich an eine Verlegung des Amtsgerichts Bad-Rauheim nach grieöberg und Belassung einer kleinen Geschäftsstelle in Bad-Rauheim.
Zugentgleisung auf der Strecke Giegen-Gießen.
WTB W u P p e r t a l, 31. Ott. Wie die Reichs- bahndirektivn Wuppertal mitteilt, sind in der vergangenen Rächt aegen 3 Uhr auf der Strecke -n o d e n b ach — D i l l b r e ch t (Kreis Siegen,
F e l s m a s s e n die Lokomotive, der Packwagen und drei weitere Wagen des Güterzuges 5831 entgleist. Hierdurch wurden beide Gleise gesperrt. Der gesamte Zugverkehr erlitt Verspätungen. Der Personenverkehr wird durch Umfteigen aufrechterhalten, der Güterverkehr wird umgeleitet. Personen sind bei dem Unfall nicht zu Schaden gekommen. Der Sachschaden ist gering. 3r- genbeinc Gefahr in Bezug auf Rachrutschen weiterer FelSmajsen besteht nicht.
L'nnDrrcie oHcfteii.
<x> Lützellinden, 31. Oft. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der Gemeinderat die Einführung der Bürgersteuer für das laufende Rech- nungsjahr.
<> Dornholzhausen, 31. 0». Der Gemeinderat faßte in seiner gestrigen Sitzung den Be- schluß, die 'Bürger ft euer einzuführen. Die Biersteuer wurde abgeldhnt.
y.sj
cs Der Doktor unter den Schuhen!
Literatur C133 ketten lot


