meiden. Die gebundene Wirtschaft ist eine Wirtschaft starrer Werte: anfangeno mit der Diskontpolitik kommt man über den Preis- und Verkehrstarif schließlich zur Politik der Lohntarife. Diese gebundene Wirtschaft ist nun gerade aus dem Vestrebcn entstanden, die Schwankungen der Konjunktur auszuschalten. Vach den bisherigen Erfahrungen ist cs aber allen Kartellen, Konventionen und aller Vcschaffungspolitik der öffentlichen Hand nicht gelungen, die Schicksalsgöttin der Konjunktur zu entthronen. Es ergeben sich also hier ähnliche Hnzuträglichkeiten wie im System der freien Wirtschaft, von deren segensreichen Wirkungen die Harmonielehre der alten Vationalökonomie (Adam Smith, Ricardo usw.) sich so viel versprochen hatten.
Aber zu Pessimimus ist kein An - l a tz. Das Wissen um den Rhythmus, in dein sich das wirtschaftliche Leben vollzieht, hat die Konjunkturforschung davor bewahrt, in einer Vufwärtsbcwcgung sich der Illusion hinzugeben, daß der strahlende Himmel der Konjunktur sich niemals verdüstern könne. Die gleiche Einsicht führt auch zu der Zuversicht, daß die Depression, in der wir jetzt stehen, über kurz oder lang ihr Ende erreichen wird. Der alte Gott der Konjunktur lebt noch. Selbst der Weltkrieg hat den Konjunkturrhythmus nicht beseitigen können, der in der Vorkriegszeit mit einem sieben- bis neunjährigen Turnus auftrat. Freilich wäre es falsch, im Vertrauen auf diesen Konjunkturrhythmus die Hände in den Schoß zu legen und in orientalischen Fatalismus zu verfallen. Eine feste Wirtschafts - und Finanzpolitik der öffentlichen Hand und ein tatkräftiger B e tä t i g un g s w i l l e e r deutschen Unternehmerschaft würden zu einer beschleunigten Heberwindung der Depression beitragen.
Aus der prvvinzialhauptstadt
Gießen, den 1. Oktober 1930.
Es wird ein Haus gebaut....
Das ist eigentlich eine Alltäglichkeit und keim Vorgang, der unser Leben wesentlich beeindruckt. Aber das Haus, von dem ich hier spreche, ist ein besonderes Haus.
CHian erbaut cs gerade vor meinem Fenster. Das sing ganz geheimnisvoll an, mit wichtig drcinschauenden Männern, die weihe Stöcke mit ro!cn Leibbinden trugen. Die Stöcke wurden hier und da eingesteckt, man peilte, maß und machte Votizen, und dann wurden in dem Garten gegenüber große Gruben ausgehvben und ein Bretter- zaun errichtet. Seit diesem Tage war Leben in der stillen Straße, es kamen Männer mit auf- gekrempelten Aermeln, die sich eine Holzbude bauten, zunächst mal —, und es kamen Wagen mit Sand und Brettern, mit Eisenträgern und Zement^äcken. Es kamen Veugierige, die stundenlang zusehen konnten, wie andere arbeiteten, es kamen kleine Kinder, die die Situation sofort von der praktischsten Seite erfaßten und den Sandhaufen ihrer Phantasie entsprechend benutzten, unterminierten und zu Väckereierzeugnissen umformten. Man scheuchte sie fort, aber sie waren doch immer wieder da und gruben und füllten kleine Eimerchen, denn Kinder gehören zu einem Veubau, wie Rebengeräusche zum Tonfilm.
Schließlich wurden die ersten Steine geschichtet und jetzt wurde es offenbar, wie groß das Haus tt>erben soll, wo die Türen und die Fensteröffnungen im Erdgeschoß finb. Dicke Suppen aus Sand, Zement und Wasser wurden angerührt, Sand gesiebt, Ziegelsteine geschleppt und viel Lärm dabei gemacht. Der Veubau fing an, meinen Tagestauf zu beeinflussen. Erst störte er mich, dann ignorierte ich ihn, und jetzt haben wir uns geeinigt, er lärmt weiter und ich interessiere mich für seinen Werdegang. Das heißt, ich beurteile nun alles, auch die Geräusche, mit größtem Wohlwollen. Mein erster Blick morgens gilt ihm. Ich betrachte sein Wachsen, ich kenne seine Anlage: das Baumaterial, jeden Arbeiter und jedes der Vebengeräusche — ich meine die Kinder —, ich sah ihn sozusagen in den Windeln und dann schnell zum Iüngling sich entwickeln, ich stelle Vermutungen an, wie weit er wohl morgen wieder wachsen wird, jeden neugeschichteten Stein buche ich mit Genugtuung. Mehrmals am Tage laufe ich zum Fenster, um keine Phase in der Entwickelung meines Schützlings zu versäumen. Dsr Veubau bildet einen Teil meines Tagewerks, er verfolgt mich sogar in meine Träume, und wenn ich abends Schweres gegessen habe, sehe ich ihn im Schlafe einstürzen. Ich bin in meinem Interesse an der Sache quasi äu einem geistigen Maurer geworden, und wenn ich den bauleitenden Polier nach Feierabend trcsfe, ziehe ich geziemend meinen Hut. „Meine" Maurer haben nichts mit Plastiken gemeinsam. Sie bauen, daß es eine Lust ist, und während ich dies schreibe, haben sie schon wieder ein ganzes Gerüst errichtet.
Man sollte überhaupt nicht reden, ehe man nicht selbst erlebt hat. Ich habe früher auch von Architektur geredet, aber habe ich gewußt, wieviel Teile Sand zu zehn Eimern Wasser gehören? Wo njan beim Bauen von Mauern anfängt? Wie man Ziegel am praktischsten befördert? Wie dreckig sich acht Kinder an einem Sandhaufen machen können? Sehen Sie, das weiß ich alles erst jetzt, und wenn der letzte Dachziegel gelegt sein wird, melde ich mich vielleicht zum Diplomexamen für Architekten. H. v. M.
Bekämpfung der Schwarzarbeit.
Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt folgende Verfügung an die Bürgermeisterämter:
Die Klagen über zunehmende Schwarzarbeit lassen nicht nach. Mit Recht wehrt sich das geordnete, den steuerlichen Verpflichtungen genügende Gewerbe, insbesondere das Handwerk gegen die schwere Schädigung, die ihm durch den mit ungleichen und oft gesetzwidrigen Mitteln geführten Wettbewerb der Schwarzarbeit fortdauernd bereitet wird. Diesem Mißstand muh mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten werden. Alle bekanntwerdenden Fälle von Schwarzarbeit müssen sorgfältig geprüft werden, ob nicht Merkmale anzeigepflichtiger gewerbsmäßiger Nebenarbeit vorliegen. Sofern begründeter Verdacht der Verletzung der Anzeigepflicht besteht, ist die strafrechtliche Verfolgung einzuleiten, und es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Unternehmer solcher Veben- gcwerbe ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. Die Maßnahmen dürfen sich nicht nur auf die Verfolgung der bekanntgewordenen Fäll« der Verletzung der Anzeigepflicht beschränken, sondern es ist Pflicht der Ortsbehörden, solche Schwarzarbeiterbetriebe überhaupt ausfindig zu machen. Hierzu empfiehlt sich eine fortgesetzte enge
Fühlungnahme und ein planmäßiges Zusammenarbeiten mit den beteiligten örtlichen Gewerbekreisen, denen die Schwarzarbeitsbetriebe am ehesten bekannt sind und die zweifelsohne in der Lage und bereit sind, den Behörden das Material in die Hand zu geben, aus dessen Grundlage ein Einschreiten möglich ist.
Soweit von Personen, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden, der Anzeigepflicht genügt wird, müssen diese auf die wirtschaftlichen Vachteile der Schwarzarbeit für die Allgemeinheit hingewiesen werden, geht doch durch diese Schwarz- oder Vcbcnarbeit auch in ganz erheblichem .Umfange Arbeits- und Verdienstgelegenheit für zahlreiche Arbeitslose verloren.
Wir beauftragen Sie, Vachforschungen über Schwarzarbeitsbetriebe anzustellen und uns die Vamen solcher Schwarzarbeitsbctriebe mitzu- teilen, damit strafrechtliche Verfolgung veranlaßt werden kann. Keinesfalls dürfen Gewerbescheine mit dem Zusatz „für den Betrieb nach Feierabend" oder „als Vebenarbeit" ausgestellt werden, damit jeder Anschein vermieden wird,
Tagung zusammen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Veranstaltung sich in der kommenden Winterbildungsarbeit segensreich auswirken möge.
Bornotizen.
— TageskalenderfürMittwoch. Stadttheater: „Schinderhannes", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus". — Ästoria-Lichtspiele: „Zeichen des Sturms" und „Rajah" (Das Herz des Maharadscha).
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die diesjährige Winterspielzeit 1930/31 beginnt mit dem heutigen Tage. Als Eröffnungsvorstellung findet die Erstaufführung von Zuck- rnayers Volksstück: „Schinderhannes" statt. Die Regie führt Intendant Dr. P r a s ch selbst, die Rolle des Schinderhannes spielt Iocchnr Hauer. Die weibliche Hauptrolle spielt Elisabeth Wielander. In den übrigen Rollen sind beschäftigt die Damen: Doering, 3arm, Iüngling, sowie das gesamte Solopersonal der Herren. — Am Freitag
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als ob behördlicherseits gegen diese Art Arbeit nichts ein gewendet werde.
Kreisbildungstag des OHB.
Der Kreis 11, Mittelhessen im Deutschnationalen Handlungsge- hilfen-Derband hielt am Sonntag in Gießen einen Kreisbildungstag ab, der zur Führerschulung für seine Mitarbeiter veranstaltet war. Kreisbildungsobmann W i ß n e r, Marburg, konnte — so berichtet man uns — etwa 60 Vertreter der zum Kreis Mittelhessen gehörigen 18 Ortsgruppen begrüßen. Der Bildungsobmann des Gaues Main- Weser, Herr Martens, Frankfurt, eröffnete mit einem kurzen Vortrag über „Bildung und Kultur" die Tagung, die dann in Form einer Arbeitsgemeinschaft fortgesetzt und durch weitere kurze Referate über „Kulturwerte in der Geselligkeit" und „Tanz und Kultur" jeweils unterbrochen wurde. Klar wurde herausgestellt, daß der D. H. V. als nationale Gesinnungsgemeinschaft, die im deutschen Volkstum wurzelt, einer Ueberfremöung unserer Kultur entgegenarbeitet, indem er in seiner Dildungsarbeit und Geselligkeit deutsche Meister in Dichtung, Musik, Kunst und Wissenschaft zu Worte kommen läßt. Er widersetzt: sich dem Begehren der Masse in dieser Hinsicht und will in Erkenntnis des Wahren, Guten und Schönen nur eine Bildungsarbeit betreiben, die dem deutschen Wesen entspricht, er will seinen Mitgliedern auch auf diesem Gebiete Führer sein. Die starke Beteiligung an der Aussprache zeigte, dah weite Mitgliederkreise diesem Sinne der Bildungsarbeit ihres Berufsverbandes erkannt haben und als Chrenamtsinhaber ihrer Ortsgruppen bereits in starkem Maße in dieser Richtung arbeiten. Heber alle grundsätzlichen Fragen in der Stellungnahme zur Dichtung, Musik, Geselligkeit und Tanz, wie sie der Verband hat, konnte eine vollkommene Hebereinstimmung festgestellt werden. Die Berichte der Bildungsobleute der einzelnen Ortsgruppen gaben ein anschauliches Bild über den Umfang der Bildungsarbeit in beruflicher und allgemeiner Hinsicht, die in dieser Gewerkschaft der männlichen Kaufmannsgehilfen geleistet wird. Vachdem Kreisgeschäfts- führer Schroeder auf den kommenden Kreistag, der am 18. und 19. Oktober in Gießen stattfindet, hingewiesen und zur regen Teilnahme eingeladen hatte, faßte Gaubildungsobmann Mar - 1 tens in feinem Schlußwort das Ergebnis der
findet das erste Operettengastspiel dieser Saison statt. Die vereinigten Operettentheater Bochum- Hamborn bringen die große Schlageroperette Lehars: „Das Land des Lächelns" zur Aufführung. Die Intendanz weist ausdrücklich darauf hin, daß diese OpercttenvorsteUung die einzige im Monat Oktober ist und auch nicht mehr wiederholt wird.
— 23 o m Konzertverein wird uns geschrieben: Gelegentlich des hier stattfindenden ärztlichen Fortbildungskurses wird am 7. Oktober in der Neuen Aula ein Sonderkonzert veranstaltet, in dem die heimische Pianistin Frl. Edeltraut Raao und Herr Lizentiat Laun, durch seinen klingenden und geschulten Tenor weiteren Kreisen bereits bekannt, mitwirken werden. Die Begleitung hat Herr Dr. Temesvary übernommen. Frl. Raab wird Bach, Beethoven und Chopin spielen, Herr Laun wird altenglische Lieder und Lieder von Wolf und Schubert singen. Dieses Konzert, dazu bestimmt, den hier zahlreich versammelten Aerzten in ihre schwere 2(rbeit auch Kunst und Schönheit hineinzutragen, soll allgemein zugänglich sein. Es wird als Sonderkonzert zu volkstümlichen Preisen stattfin- den. Die Abonnementskonzerte werden erst am 6. November mit einem Orchesterkonzert der Meininger ihren Anfang nehmen. Man beachte die heutige Anzeige.
*
**DieBauarbeitenamMarktlauben- gebäude, die wegen Geldmangels vor etwa einem Jahre stillgelegt wurden, sollen nun wieder in Gang gebracht werden. In einer Bekanntmachung des Städtischen Hochbauamts in unserem gestrigen Anzeigenteil wird die Vergebung der Installation der elektrischen Lichtanlage, der Glaserarbeiten sowie der Verputz- und Anstreicherarbeiten ausgeschrieben. Man rechnet damit, daß die Arbeiten in etwa acht bis zehn Tagen wieder beginnen können. Wenn die Witterungsoerhältnisse im Laufe des Winters günstig bleiben, hofft man den Bau bis zum Beginn des nächsten Jahres fertigstellen zu können.
** Die Ausflugrückfahrkarten der Reichsbahn an Mittwochnachmittagen mit 331/g Prozent Fahrpreisermäßigung werden vom 1. Oktober ab von Gießen nach folgenden Stationen ausgegeben: Dad-Vauheim, Braunfels oder Draunfels-Oberndorf, Katzenfurt, Lich, Marburg (Lahn) und Wetzlar.
** Oesfen11iche Bücherhalle. Im September wurden 1237 Bände ausgeliehen. Da
von kommen auf: Erzählende Literatur 868, Zeitschriften 78, Iugendschriften 38, Literaturgeschichte 2. Gedichte und Dramen 10, Länder- und Völkerkunde 79, Kulturgeschichte 2. Geschichte und Biographien 87, Kunstgeschichte 12, Naturwissenschaft und Technologie 22, Heer- und Seewesen 4, Haus- und Landwirtschaft 5, Religion und Philosophie 6, Staatswissenschaft 19, Fremdsprachliches 5 Bände. Vach auswärts kamen 3 Bände.
** Drei Arbeitsveteranen. Was wohl nicht häufig vorkommt, ist bei der Firma H. S ch a f f st a e d t G. m. b. H., Fabrik für gesund- heitstechnische Anlagen, eingetreten. Drei Iubi- lare konnten in diesen Tagen auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken, und zwar vorgestern der Armaturenschlosser Ludwig Pieh,. gestern der Spengler Philipp Brunnen- g r über und heute der Kaufmann Paul Plage, sämtlich aus Gießen. Den Iubilaren wurden von der Direktion der Firma und von den Kollegen ehrende Geschenke überreicht.
** Mieterjubiläum. Seit dem 1. Oktober 1905 wohnt Schneidermeister Konrad Oehler im Hause des Sattlermeisters Spieß, Neustadt 8. Das 25. Jubiläum ist ein Zeichen herzlichsten Einvernehmens zwischen Mieter und Vermieter, das in einer Zeit wie heute besonders erwähnenswert erscheint.
** Gendarmerie-Personalie. Auf Grund des Polizeibeamten-Gesetzes tritt mit Wirkung ab 1. Oktober der Gendarmeriekommissar Karl Fischer zu Alsfeld in den Ruhestand.
'* FrankfurterTauniden inGießen. Am vorigen Sonntag besuchte der Taunusklub Frankfurt mit etwa 80 Teilnehmern "unter Führung eines geborenen Gießeners, P. Zink, unsere Stadt, um nach einem Rundgang, bei dem leider der Nebel viel Schönes nicht recht zur Geltung kommen ließ, über den Gleiberg zum Dünsberg zu wandern. Auf dem Gleiberg, als die Sonne durchbrach, begrüßte Bürgermeister Drockmeier von Krofdorf für den Gleiberg- derein die Tauniden, wobei er über die Geschichte der Burg, sowie über Zwecke und Ziele des Gleibergvereins sprach. Nach einem Imbiß und anschließender Besichtigung der Burg ging es bei Hellem Sonnenschein über Krofdorf und Fellingshausen hinauf zum Dünsberg. Auf der Höhe wurden die Wanderer vom Vorsitzenden des Dünsbergvereins, Geh. Rat Nlittermaier, mit trefflichen Worten begrüßt, während E. F a - 6er für den V. H. C. Gießen herzlichen Willkommgruß entbot. Der Abstieg erfolgte auf dem kürzesten Weg nach Bieber, wo bei Gastwirt Scheerer der Kaffee eingenommen wurde. Der Nachmittagszug brachte die Gäste dann wieder nach Gießen, wo im Gasthof Hindenburg Schluß- rast gemacht wurde. Nach dem gemeinsamen Abendessen begrüßte Provinzialdirektor G r a e f für den ©leiberg&erein, Apotheker Schwieder namens des Verkehrsdereins i>te Gäste. Der Vorsitzende des Taunusklubs, Herr Rödding, betonte in seiner Dankrede, daß diese Wanderung ter Stadt Gießen und ihrer schönen Hmgebung viel Freunde gewonnen habe, die an diesen Tag mit dem Genuß der landschaftlichen Schönheiten und an das Zusammensein mit den vberhessischen Wanderfreunden gerne zurückdenken werden, wie umgekehrt der Taunusklub Frankfurt mit feiner vorbildlichen Organisation hier viel Sympathie erweckt hat.
** Rollschuhwerbeabend des Gießener Eisvereins. Man berichtet uns: Die Werbeveranstaltung am vergangenen Freitag hat, trotzdem sie nur in bescheidenem Rahmen aufgezogen war, ihren Zweck voll erreicht. Die zahlreich anwesenden Zuschauer konnten in der Gymnasialturnhalle an den Vorführungen sehen, daß der Rollschuhsport der beste Ersatz und die erfolgreichste Vorübung für das Schlittschuhlaufen ist. Die Vorführungen des Frankfurter Kunstläufers I 0 s e p h geigten, wie man von klein aus bis zu den schwierigsten Figuren alle Möglichkeiten des Eislaufes auch mit dem Rollschuh erschöpfen kann. Bei dem etwas zu glatten Boden der Halle war es dem Läufer nicht möglich, die schwierigsten Hebungen des Kunstlaufes zu zeigen, aber noch in den einfacheren Figuren zeigte er eine wunderbare Haltung und korrekte Ausführung. Auf Grund dieser Vorführungen ist in der anschließenden Besprechung die Einführung des Rollschuhlaufes im Eisverein festgelegt worden. In der kommenden Woche werden in der Volkshalle die Hebungsabende beginnen. (Man achte auf die Anzeige.) Der Eisvcrein hat, um die Einführung dieses Sportes zu erleichtern, die Mittel zur Beschaffung von Leihrollschuhen bewilligt, so daß es jedermann möglich sein wird, gegen eine geringe Gebühr sich diesem Sport zu widmen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde zu der Schaffung der Spritzeisbahn Stellung genommen. Gewünscht wird, dah die schon fertige Fläche für den kommenden Winter nur durch Walzen zur Spritzfläche hergerichtet wird. Wenn sich zum Frühjahr der aufgeworfene Boden gesetzt hat, soll durch eine Beton-Asphaltdecke die Fläche noch dem Freiluft- Rollschuhlauf zugänglich gemacht werden. Durch die Ausführung dieser Arbeiten unter der Leitung der Stadtverwaltung ist es dem Eisverein möglich, nach wie vor die Mitgliedsbeiträge so niedrig wie möglich zu halten und damit der Bürgerschaft die Ausübung dieses schönen Wintersportes zu ermöglichen.
** Weitere Herabsetzung der Triebst 0 f s p r e i s e. Der weitere Rückgang der amerikanischen Exportpreise für Benzin und die Schwäche des Triebstoffmarktes haben die großen Betriebsstoffgesellschaften veranlaßt, mit Wirkung vom 29. Dezember 1930 eine weitere Preisherabsetzung für Benzin um einen bis zwei Pfennig, für Gemische und Benzol um einen bis drei Pfennig eintreten zu lassen.
Berliner Börse.
Berlin, l.Okt. (WTB. Funkspruch.) Da man die Schwäche an der gestrigen Neuyorker Börse mit rein lokalen Vorgängen begründen zu können glaubt, blieb die Stimmung auch im heutigen Frühverkehr, angeregt durch das Finanzprogramm des Kabinetts freundlich. Man taxierte gestrige Abendkurse eher Geld. 2lm Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,83, London gegen Mailand 92,79, London gegen Spanien 46,75 zu 47, London gegen Kabel 4,8580 zu 4,8585, London gegen Berlin 20,4160 zu 20,42, Kabel gegen Berlin 4,2025.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
* Das Arntsv'erkündigurrgsblatt Nr. 7 3 vom 30. September enthält: Prüfung von Lichtspielvorführern. — Straßensperre. — Die Gebühren für die Auskunfterteilung aus den polizeilichen Melderegistern. — Mäuseplage. — Bekämpfung von Schwarzarbeit. — Kunst- pädagogische Lehrerwoche. — Prüfung für Gesanglehrer. — Dienstnachrichten.


