Ausgabe 
1.10.1930
 
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Lord Birkenhead f.

3n London ift Lord Birkenhead am Diens- tagvormittag gestorben. Durch seinen Tod hat England einen seiner besten Staatsmänner ver­loren. Birkenhead war als Frederick Edwin Smith 1872 in Birkenhead geboren und ergriff den Beruf eines Rechtsanwalts, in dem er sehr erfolgreich war. Später trat er als konservativer Abgeordneter in das Unterhaus ein, war dann Generalstaatsanwalt, Lordkanzler und Staatssekretär f ür3 n- dien. Lord Birkenhead war Rektor her Uni­versität Glasgow und hatte außerdem mehrere hohe Ehrenstellen bei anderen Universitäten inne.

Ein Minderheitenkabinett in Oesterreich.

Seipel Außenminister. Tic Heimwehren machen mit

Wien, 30. Sept. lWTB.) Amtlich Das neue JJtinifterium ist soeben gebildet worden und hat die Angelobung in die Hände des Bundespräsidenten geleistet. Die Zusammensetzung ist folgendem Bau- g o i n, Bundeskanzler und Heereswesen; Schmitz, Vizekanzler und soziale Verwaltung, Seipel, Aeußeres, Fürst Starhemberg, Inneres; Hueber, Justiz; Juch, Finanzen, Heini, Handel, Thaler, Landwirtschaft, Czermak, Unterricht. Das Robinett ist ein Minderheitenkabi- nrtt. Sämtliche Minister gehören der C h r i st l i ch - Sozialen Partei an, bis auf die beiden Mit­glieder der H e i m w e h r und den Beamtenminister Juch. Wie dieReichspost" in einer Extraausgabe mitteilt, soll der R a t i o n a l r o t sofort auf- g e l ö st werden und die Neuwahlen am 9. N 0- oemder stattfinden.

Don den neuen Männern im Kabine.t Baugoin interessieren naturgemäß außerdem auch die bei­den Heimwehrführer. Innenminister Ernst Rüdi­ger Fürst Starhemberg steht im 32. Le­bensjahre. Seine Mutter, Bundesrätin Fanny Starhemberg, geborene Gräfin Larisch-Mönich. gehört dem christlich-sozialen Parteivorstand an. Starhemberg studierte in Innsbruck Staats- Wissenschaften und war Korpsstudent. Er ist an der Gründuni ua -eimwehr in Tirol beteiligt. Als Angehöriger des BundesOberland" be­teiligte er sich an dem Abwehrkamps in Oberschlesien und war auch als Hitler- Soldat an dem Oktober-Putsch inMün- ch e n beteiligt Auf der Führertagung der Heim-, wehr in Sckladming im August wurde Starhem­berg als Rachfolger Dr. Steidles alleiniger Bundesführer der Heimwehren. Dr. Hueber ist Landesführer-Stellvertreter der Heimwehren in Salzburg und von Beruf No­tar in Mattsee in Salzburg. Er gehört keiner Partei an.

Deutsch-litauisches

Kompromiß über Memel.

Umbildung des DirektoriumsSicherung der Wahlen

Genf, 30. Sept. (IU.) Der Völkerbundsrat be­handelte am Dienstag in öffentlicher Sitzung bie deutsche Memelbeschwerde. Am Ratstisch hatte der litauische Außenminister Platz genommen. Die Verhandlungen begannen mit der Verlesung folgender Erklärung durch Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s.

Ich möchte dem Rat Mitteilung darüber machen, daß über die Memelbeschwerde in den letzten Tagen Unterhaltungen zwischen mir und dem Ver­treter Litauens stattgefunden haben Das Ergebnis dieser Unterhaltung ist in Erklärungen niedergelegt worden, die wir ausgetauscht haben. Auf Grund dieser Erklärungen bin ich zu meiner Genugtuung in der Lage, mitteilen zu können, daß im Mernel- gebtet u. a. folgende Maßnahmen in Aus­sicht genommen worden sind: Das zur Zeit amtierende Direktorium des Memelgebietes wird in der Weise umgebildet, daß an Stelle der beiden bisherigen Landesdirektoren zwei An­gehörige der Mehrheitsparteien des bisherigen Landtages treten. Dieses Direktorium tritt nach dem Wahltage zurück und bleibt bis zur Einsetzung des neuen Direktoriums als a e fchäftsführendes Direktorium im Amt. Alsbald nach dem Zusammentritt des neuen Land­tages ernennt der Gouverneur einen Präsiden- ten des Direktoriums, der das Vertrauen des Landtages genießt, nachdem er zuvor über diesen Punkt die notwendige Fühlung mit den Par­teien genommen hat.

3m allgemeinen ist eine neue Zusammen­setzung der Wahlkreiskommission und der Stimmbezirkskommissioncn in Aussicht ge­nommen, die den Grundsätzen parlamentarischer Parität Rechnung trägt. Auch bezüglich des Kreises der wahlberechtigten Per­sonen sind die ersorderlichen Maßnahmen ge­troffen zu dem Zweck, daß lediglich Per­sonen, die memelländisches Bürger­recht besitzen, zur Wahl zugelassen sind. Ebenso ist auch das Notwendige in Aussicht genommen zur Sicher st ellung der Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit. Unter diesen Umständen kann ich die Fragen, die in meinem an den Rat gerichteten Antrag als dring­lich bezeichnet waren, zu meiner Freude als er­ledigt ansehen und auf ihre weitere Diskussion heute im Rate verzichten.

Nach der Mitteilung des Reichsaußenrnimsbers gab der Berichterstatter Hambro (Norwegen) feiner Genugtuung über die Erklärung Dr. Cur- tius Ausdruck und wies darauf hin, daß die an­

deren Fragen, die Gegenstand der Beschwerde seien, noch einer eingehenden Prüfung bedürften. Er werde auf der nächsten Tagung des Rates im Januar dem Rat einen Bericht über diese Punkte unterbreiten. Der litauische Außenminister Z a u - n i u s bemerkte, daß er den Erklärungen des Berichterstatters und des Vertreters Deutschlands nichts hinzuzufügen habe.

Begrenzte Arbeitsdienstpflicht für den Osten.

Berlin, 1. Ott. (ERB. Funkspruch.) Zu den Plänen der Regierung weih die Deutsche Allgemeine Zeitung ergänzend zu berichten, daß auch eine Art örtlich begrenzter Arbeitsdienst pflicht der Arberts- losen vorgesehen ist. Der Oftkommissar Reichsminister Treviranus soll ermächtigt werden, die unterstützungsbcrechligten Arbeits­losen in einem angemessenen Verhältnis zu den Unterstützungen, die sie aus ösfentlichen Mit­teln erhalten, zu Meliorationen, Wege­bauten, Siedlungen und dergleichen im Ost en heranzuziehen. Eine allgemeine Arbeitspflicht würde dagegen natürlich so hohe K o st e n verursachen (für Unterbringung, Trans­port, Beaufsichtigung usw.), daß ein solches Ex­periment zur Zeit nicht durchführbar er­scheint. 3mmerhin werden sich bei den örtlichen Versuchen im Osten Erfahrungen sammeln lassen, die für eine etwaige Erweiterung von Ruhen fein können.

Aus aller Welt.

Hindenburg fährt zur Beisetzung des Prinzen Leopold.

Die Leiche des Prinzen Leopold von Boyern ist am Montag efnßalfamiert und in Feldmarschalls, uniform aufgebahrt worden. Zahlreiche Per- sönlichkeiten des bayerischen Adels, Militärs, Künst­ler usw. trugen sich in die aufliegenden Kondolenz- listen ein. Herrliche Kranzspenden wurden abgegeben. U. a. von der bayerischen Regierung. Mit Rücksicht darauf, daß Reichspräsident von Hindenburg sein Erscheinen zu den Beisetzungs- eierlichkeiten zugesagt hat, wird die Bestattung, die für Donnerstag vorgesehen war, auf Freitag fest­gesetzt. Der Herr Reichspräsident hot sich bereits Dienstagabend mit dem fahrplanmäßigen Münche­ner Schnellzug nach Dietramszell begeben, wo er seinen Geburtstag feiern wird und von wo aus er am 3. Oktober an den Beisetzungsfeierlich­keiten teilnehmen wird.

Dänische Ehrung für Andree.

Dänemark hat am Montag dem Totenfchiff Svensksund" seine Huldigung dargebracht. Der dänische FischereikreuzerHvitbjöm" _ mit dem Prinzen Knud, dem Ministerpräsi­denten, dem Landesverteidigungsminister und dem Ches des Marinedepartements an Bord, uhr derS v e n s k s u n d" entgegen. Vor der Feste Kronborg sichteten die Dänen das Totenschisf. Alle Flaggen gingen auf Halbmast, die Mannschaft paradierte, die Kanonen von Kronborg begannen zu donnern. Während die Svensksund" vorüberfuhr, entblößten die Ehren­gäste das Haupt, die Ofsiziere salutierten. Ein Flieger umkreiste das Totenschiff und warf einen Blumengruß auf das Deck. Die Uferstraßen von Helsingborg sind von Tausenden Menschen über­füllt. Bon Westen her zog ein Geschwader von neun dänischen und schwedischen Flugzeugen seine Kreise. An einem Fallschirm wurde ein Kranz in den weihen und roten Farben der dänischen Wehrmacht niedergelassen. Unter den Klängen des LutherliedesEin' feste Burg ist unser Gott" nahmen die dänischen Schiffe Abschied von der Svensksund", die langsam Stockholm entgegenzog.

Oie Wetterlage

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Mit dem Abzug der Störung hot allgemeiner Ba­rometeranstieg über Deutschland eingesetzt. Im Be­reich des hohen Druckes tritt zunächst eine Besserung der Wetterlage ein, wobei sich die Temperaturgegen­sätze zwischen Tag und Nacht wieder verstärken wer­den. Neben stellenweiser Nebelbildung und Bewöl­kung herrscht tagsüber aufheiterndes Wetter.

Aussichten für Donnerstag: Neblig­wolkig mit Aufheiterung, trocken, nachts kühl, tags­über mild.

Lufttemperaturen am 30. September: mittags 11,9 Grad Celsius, abends 11,5 Grad; am 1. Oktober: morgens 9,7 Grad. Maximum 13,4 Grad, Minimum 8,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. September: abends 14.2 Grad, am 1. Oktober: morgens 12 Grad Celsius. Niederschlag 0,6 mm.

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