Artur Mahraun führte u. a. aus: Deutschlands Rettung könne nur durch das deutsche Volk geschehen. Es gehe darum, dem deutschen Volke einen neuen Begriff von seinem Staat zu geben. Der Jungdeutsche sei eingesprungen, um die vom Radikalismus rechts und links bedrohte Mitte zu stärken. Es komme darauf an, die bestehenden Gegensätze im Hinblick auf einen wahren Volksstaat auszugleichen. Das wesentliche in Deutschland sei das Einheitsbekenntnis der Nation.
Die Vereinigung unabhängiger Demokraten.
Der Wahlaufruf
Die Bereinigung unabhängiger Demokraten, die sich nach dem Aufgehen der Demokratischen Partei in der Staatsoartei gebildet hat, erläßt einen Wahlaufruf, in dem es u. a. Heißt: Die Grundliste unserer politischen Auffassung schließt andere Parteien als die der WeimarerKoa- li tion überhaupt aus. Das Zentrum, das stets eine Partei kultureller Reaktion gewesen ist, hat in der letzten Zeit eine Politik getrieben, die offenbar darauf gerichtet ist, die Dauernde .Verbindung mit den Parteien der pclitijchen Reaktion herzustellen. Die Staatspartei ist belastet mit den Fehlern der Dem ckrattschm Partei. Der Zuzug, den sie aus den antisemitischen und mili- tarifMchen Jungdokre.sen erha.ten hat, hat diese Belastung bis zur Unerträglichkeit gesteigert. Die S P D., von der uns grundlegend das Bekenntnis zur sozialistischen Wirtschaftsform trennt, hat durch ihre Haltung im letzten Reichstag da Vertrauen auf ihre Zuverlässigkeit gegen die Gefahr des Treudeutschen Militarismus stark erschüttert. Di« Forittihrung der durch die Regierung Brüning Die rich Treviranus eingcle t ten B ü g e r- blockpolitit muß aber verhindert werden. 3n dieser Zwangslage wird die überwältigende Mehrheit unserer Freunde für diese Wahl einen sozialdemokratischen Sttmmzettel abgeben.
Die Sozialdemokraten.
Lobe spricht in Äretzlau
3n einer Versammlung der Sozialdemokratischen Partei sprach der bisherige Reichstags- prä ident Löb«. Das Zentrum habe behauptet, die Sozialdeiüokratie drücke sich vor der Verantwortung in dem Augenblick, wo es im Reich brenzlich zu werden anfange. Die Haltung der Sozialdemokratie nach der Zertrümmerung Deutschlands 1918, in den Tagen der Inflation, während der Wirtschaftskrise 1928 beweise wohl das Gegenteil. Brüning habe die Rotverordnung entgegen der Verfassung erlassen, weil e- angenommen habe, daß Ruhe und Ordnung gefährde: seien. Glaube er aber, daß Ruhe und Ordnung gesichert seien, wenn den Arbeitslosen die Bezüge gekürzt, die Wartezeit verlängert werde, wenn die Krankenkassen von ihren Versicherten neue Lasten forderten usw.? Warum mache der Kanzler nicht den Versuch, die notwendigen Summen durch ein« Herabsetzung des Wehr- haushalts und der Offizierspenfio- n«n zu erlangen und gegen den Preiswucher der Trusts vorzugehen? Das jetzige Finanzprogramm der Regierung sei vom Standpunkt der Sozialdemokratie aus völlig ungenügend. Die Sozialdemokratie sttmme jederzeit einer Vereinfachung der Steuergesetzgebung zu, wenn sie nicht eine neue Belastung der Besitzlosen sei. Sie begrüße jedes Programm der Wirtschaftsbelebung. Lohnabbau scheine ihr aber dazu das allerletzte Mittel zu fein.
Noch immer „Kriegsverbrecherlisten".
Im Zeichen von Paneuropa.
Berlin, 30. Aug. (Tel.-Un.) Rach dem „Co- kalanzeiger" wird folgender Vorfall bekannt: Ein deutscher General, im Kriege Divisionskommandeur in Westen, wollte dieser Tage nach Rordfrankreich reifen, um dort das Grab seines gefallenen Soh nes zum erstenmal zu besuchen. Er ließ daher seinen Pah beim französischen Konsulat in Berlin für die Erteilung des Visums einreichen. Das französische Konsulat antwortete ihm wie folgt:
„Der französische Konsul zu Berlin beehrt sich, Herrn Generalmajor a. D. Graf Konrad v. Moltke zu bitten, ihm zu bestätigen, daß er während des Krieges nicht das 22. und 122. preußische Dnfan- terie-Regiment, besonders in Longuyon, kommandiert hat. Die formellen Instruktionen der französischen Regierung untersagen den französischen Konsulaten, die Pässe derjenigen Personen zu visieren, welche sich auf der Liste der „K r i e g s b e s ch u l d lg t e n" befinden. Unter der Rümmer 63 steht in General v. Moltke wegen strafbarer Handlungen in Longuyon. Longwy und In der Umgebung.
Berlin, den 29. August 1930. (Unterschrift.)"
Der General gab auf dieses Schreiben nachstehende Antwort: „Qln das französische Generalkonsulat. Obwohl ich mit dem in Ihrem Schreiben erwähnten Truppenteil niemals in Q3ev rührung gekommen bin, halte ich es unter meiner Würde, eine Erklärung abzugeben, die auch nur den geringsten Schein der Anerkennung der „Kriegsverbrecherlifte" haben würde. Es geschieht nur zur Charakterisierung dieser Liste, wenn ich darauf Hinweise, daß der in Ihrem Schreiben erwähnte General niemals e x i st i e rt hat. Im übrigen muß ich darauf verzichten, ein Land zu betreten, Ä**1* davon, dem nach außen hin so befusssentllch betonten Verständigungs- und Ver- sohnungswillen Rechnung zu tragen, auch jetzt noch zwölf Jahre nach dem Kriege erne so beleidigende Haltung in Form der schwarzen Liste einnimmt."
Das deutsch-französische Verhältnis sieht zwar heute nicht mehr so aus wie im Jahre 1919 In Frankreich gibt es aber anscheinend immer noch maßgebende einflußreiche Stellen, für die der Versailler Diktatverttag ein unantastbares Heiligtum ist, und die noch immer nicht gemerkt Huben, daß seit den Zeiten von Versailles mancherlei Wandlungen eingetreten sind, Wir sind einigermaßen überrascht, zu hören, daß in den französischen Konsulaten nach dem oben angeführten Beispiel offenbar noch immer die Kriegsverbrecherlifte eine große Rolle spielt, die übrigens auch den 2tamen des Reichspräsidenten enthält und die In Ver-
„3m Westen nichts Neues".
Reichsminister Treviranus antwortet poincar^. — Für eine Politik des Rechts, die dem Frieden dient.
Berlin, 31. Aug. (ERB.) „Herr. Poincare hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Richts gerät bei ihm in Vergessenheit." Mit diesen Worten leitet Reichsminister Treviranus einen längeren Aufsatz ein, den er unter dem Titel „Im Westen nichts Reues" veröffentlicht. Der Minister nimmt Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung mit Poincare, der der kürzlich geäußerten Auffassung des Ministers über die deutsche Ost grenze und über die Revi- sionsmöglichkeiten entgegengetreten ist. Minister reviranus fährt fort:
Wäre die Debatte um die Revision der Verträge, die nicht in Deutschland anhub, überhaupt entstanden, wenn in der Welt die Ueberzeugung fest verankert wäre, daß diese Verträge den Trieben für ewige Zeiten sicherten?
Sind die Verträge für Europa da, oder lebt Europa für die Verträge.
PoincarS hält uns vor, was Frankreich sich von den Verträgen habe abhandeln lassen. Ich vermag in dem Verzicht Frankreichs cuf die Auslieferung unserer Führer, einer Forderung, die man nur in der Kriegsgeschichte halbwilder Stämme findet, in der Errichtung des Dawes-Planes, an dem Herr Poincar? als Ministerpräsident nicht unbeteiligt ist, und in seiner Fortbildung, dem Voung-Plan, ebensowenig als in der vorzeitigen Räumung des Rheinlandes, das die Amerikaner längst vorher verlassen hatten, kaum eine notdürftige Korrektur einiger Schönheitsfehler des Versailler Vertrages zu sehen. Entschieden aber weise ich die Behauptung Poincarös zurück, Frankreich habe für diese „Zugeständnisse" nicht den geringsten Gegenwert erhalten.
Gibt es in der Geschichte ein Beispiel dafür, daß ein Volk die ihm durch ein Zwangsdiktat gezogenen Grenzen freiwillig in völkerrechtlich bindender Jorm garantiert? Dir sind, um es offen zu sagen, erschüttert. daß ein französischer Staatsmann die Bedeutung des Paktes von Locarno, die Annahme des Kellogg-Paktes, überhaupt nicht zu würdigen scheint.
Ich fürchte, Herr Poincarä würde schlecht abschnei- den, wenn wir unsererseits die advokatorische Hart- näckigkeit soweit trieben, seiner Aufzählung der französischen Konzessionen eine ähnliche deutsche
Rechnung entgegenzustellen. Herr Poincars bekämpft meine Auffassung über die deutsche Ost grenze, über die Revisionsmöglichkeiten, welche uns der Artikel 19 der Völkerbundssatzung gibt. Er sucht nachzuweisen, daß die heutige Grenzziehung gerecht und im Einklang mit- dem Selbstbestimmungsrecht der Völker sei. Die Welt ist nicht i mZweifel darüber, welches Ergebnis eine A b - ftimmuna imKorridorgebiet gehabt hätte, ehe Polen feine Ausweisungspolitik begann. Oder hat man die Danziger deutsche Bevölkerung gefragt, ob sie vom Reich getrennt und als Freie Stadt unter polnischer Oberhoheit leben will?
Herr Poincarö bestreitet uns ein Recht, das uns der Professor an der Sorbonne, RenL Märtel, in seinem Buche „Les fronti^res orientales de l’Alle- magne" auf Grund eingehender Studien r e ft l o s 3 u e r f e n n t; nämlich davon zu sprechen, daß durch die Grenzziehung im Osten ein beispielloser wirtschaftlicher Ruin fast der Hälfte Deutschlands verursacht wurde. Diese wirtschaftliche Katastrophe führt zu einer allmählichen Entvölkerung des deutschen Ostens. Unter der Last dieser Zustände ist Deutschland nicht in der Lage, auch nur auf eines der Rechte zu verzichten, die ihm die Verträge zusichern. Wir haben es nicht nötig, von Revanche zu träumen, wir werden uns nie zu rühmen brauchen, nie davon geredet zu haben.
Dir wollen an der Seite jener Rationen, die sich von den Jrktensoedrägen distanzieren oder ihre Revision fordern, eine Politik des Rechtes, die dem Weltfrieden dient, in dem sie das Leben der Rationen schützt.
In der Mantelnote vorn 16. Juni 1919, die auch die Unterschrift der französischen Regierung trägt, ist ausdrücklich gesagt, daß der Versailler Vertrag nicht nur eine gerechte Erledigung des Krieges, sondern auch die Grundlage schaffen wolle, auf der die Völker in Gleichberechtigung zusammen- leben können. Wir sehen hierin nicht nur die Möglichkeit, den guten Ruf der Verträge zu retten, sondern auch die Pflicht für das friedliche Leben Europas. Friede durch Recht — Recht, das mit uns geboren ist, ist unsere Losung für Deutschland wie für Europa. Ihnen, Herr Poincar4, stehen tote Verträge höher, uns das durch die Verträge bedrohte Leben Europas. Die Welt und Europa mögen entscheiden, welche Verantwortlichkeit sie für ein gesundes friedliches Dasein höher ansetzen wollen.
Oeutschenhehe in Ostoberschtesien.
Demonstrationen des Westmarkenvereins und der Aufständischenverbände in Kattowitz. — Deutschfeindliche Ausschreitungen in Warschau und Lodz.
K a t t o w i tz, 31. Aug. (WTB.) Eine von dem Westmarkenverein nach Kattowitz einberufene Protestkundgebung gegen die Rede des Reichsministers Treviranus stellte sich als eine schlimme Hetze gegen die deutsche Minderheit dar. Obwohl die Mehrzahl der Teilnehmer aus abkommandierten Aufständischen, Beamten usw. aus den entlegensten Ortschaften bestand, denen freie Bahnfahrt und Verpflegung zugesagt war, war die Teilnehmerzahl verhältnismäßig gering. Die polnische Bürgerschaft nahm an der Veranstaltung so gut wie gar nicht teil. Etwa 1000 Menschen versammelten sich vor dem Stadttheater in Kattowitz, und nach mehreren Ansprachen, die sich scharf gegen die Rede des Ministers Treviranus richteten, setzte sich ein Demonstrationszug zum deutschen Generalkonsulat in Bewegung. Es wurden starke Polizeikräfte eingesetzt, um den Zug abzudrängen. Trotzdem gelang es den Demonstranten, die polizeiliche Absperrung zu durchbrchen und in Sturmschritt nach dem Gebäude des deutschen Generalkonsulats zu eilen, wo dem Zuge ein zweiter Ring von Polizeibeamten entgegentrat. Nachdem sich die Demonstranten in Beschimpfungen gegen das Deutschtum ergangen und das Rota-Lied sowie die Rattonalhymne gesungen hatten, begab sich der Zug nach dem Wojewodschaft sgebäude, um dem Wojewoden Graczhnski eine Enttchließung zu überreichen, mit der Ditte, diese an Marschall Pilsudski weiterzuleiten. Während des Zuges wurden vor den Geschäftslokalen der deutschen Zeitungen Drohrufe ausgestohen. Starke Polizeiabteilungen, die dort postiert waren, verhinderten aber Ausschreitungen.
In der Resolution wurde versichert, daß Polen bis zum letzten Blutstropfen jeden Fußbreit polnischen Bodens verteidigen werde. Vom Völkerbunde wird verlangt, Deutschland zu zwingen, eine Versicherung abzugeben, daß die Grenzen Polens unantastbar seien. Ebenso solle der deutsche Vertreter beim Völkerbund veranlaßt werden, „die ständige Provokation gegen Polen" zu unterlassen. Es wird weiter gefordert, daß alle in Oberschlesien beschäftig
ten Reichsdeuts chen ausgewiesen werden, weil sie der polnischen Wirtschaft schadeten. Die weiteren Forderungen lauten: Aufteilung de s deutschen Großgrundbesitzes zugunsten der polnischen Arbeiterschaft, Auflösung desDeutschenVolks- b un d es und aller deutschen Organisationen, Einziehung des Postdebets für die reichsdeutschen Zeitungen, in denen eine Grenzrevision gefordert wird. Boykott der deutschen Presse inOberschlesien, die eine illoyal« Haltung eingenommen haben, schärfstes Vorgehen gegen die deutschen Gemeindevertreter, die sich mit den Protestentschliehungen, die von den polnischen Parteien eingebracht worden sind, nicht solidarisch erklärt haben.
Auch in Warschau fand eine Volkskundgebung gegen die deutschen Reoisionsbestrebungen im Osten statt. In Anbetracht des schönen Wetters hatten sich etwa 15 000 Personen, darunter auch zahlreiche Neugierige eingefunden. Der Direktor der halbstaatlichen Landwirtschaftsbank, General G o r e s k i, hielt eine gegen die deutschen Ansprüche auf polnisches Gebiet gerichtete Rede, wobei er u. a. auch die gegen die Polen gerichtete Aktion der Ukraine mit deutschem Gekde in Verbindung brachte. Mehrere hundert Demonstranten, meist halbwüchsige Burschen, wollten dann noch vor der deutschen G e sandtschaft eine Kundgebung veranstalten. Die Straße, in der sich das Gesandtschaftsgebäude befindet, war jedoch inzwischen auf beiden Seiten von starken Polizeiabteilungen, die eigens zu diesem Zweck mit Stahlhelmen ausgerüstet waren, a b gesperrt worden. Die Menge versuchte wiederholt, den Polizeiriegel zu durchbrechen, die Schutzmannschaft konnte jedoch die Absperrung aufrechterhalten.
Zu Ausschreitungen gegen deutsche Zeitungen und das deutsche Konsulat kam es jedoch in Lodz. Eine Gruppe halbwüchsiger Burschen erschien plötzlich vor den Redaktionen der deutschen Blätter „Freie Presse" und „Lodzer Volkszeitung". Es wurden Fenster ein- geschlagen. Eine zweite Gruppe von Demonstranten ist unerwartet vor dem Hause erschienen, in dem das deutscheKonsulat untergebracht ist. In diesem Hause wurden mehrere Fenster in den Prioatwoh- nungen eingeschlagen. In beiden Fällen schritt die Polizei ein und verhinderte weitere Ausschreitungen.
sailles nur ausgearbeitet wurde, um der Lüge von der Schuld Deutschlands am Kriegsausbruch noch einen besonderen Rachdruck zu verleihen. Offenbar wird also jeder Reichdeutsche, der nach Frankreich einreist, daraufhin geprüft, ob er sich unter den sogenannten „Kriegsverbrechern" befindet. Dieses Verfahren steht in grellstem Widerspruch zu der bisher betriebenen Ve r st ä n di gu n g s p o l i t i k, die in verschiedenen Verträgen einen besonderen Ausdruck gefunden hat. Man darf wohl erwarten, daß die Reichsregierung sich mit Paris in Verbindung setzt und dafür sorgt, daß dem Unfug der Kriegsverbrecherlisten endlich ein Ende bereitet wird.
parlamentsauflösunginpolen
Warschau. 30. Aug. (WTB.) Durch Verordnung des Staatspräsidenten M v s c i ck i wurden Sejm und Senat auf gelöst. In dem Schreiben heißt es: Rach reiflicher Erwägung habe ich festgestellt, daß die wichtigste Aufgabe für die Arbeit sämtlicher Bürger die Derbes, ferung der grundlegenden Rechte ist, durch die der Staat regiert wird, da dieselben die Grund
lage sämtlicher im Staate bestehenden Gesetze bilden. Di« Verbesserung ist notwendig, da sich das gegenwärtig h e r r s ch e n d e C h a o s bisher nicht beseitigen lieh. Rachdem ich zu der Ueberzeugung gelangt bin, daß ich dies trotz meiner Bemühungen durch den gegenwärtige n Sejm nicht erreichen kann, habe ich beschlossen, auf Grund des Artikels 26 der Verfassung laut Beschluß des Mi» nisterrats, Sejm und Senat mit dem 30. August aufzulösen und bestimme als Wahltermin den 16. Rovember für den Sejm und den 23. No- vember 1930 für den Senat.
Aus aller Welt.
Generalmajor Henry Allen f.
Generalmajor a. D. Henry Allen, der ehemalige Kommandeur der amerikanischen Besatzung Struppen im Rheinlande, verstarb plötzlich an den Folgen eines Herzschlages in der Sommerwohnung des deutschen Gescmdtschastsrates Leitner in Buenavista Springs in Pennsylvanien, wo er in einem größeren Kreise gerade den Tee einnahm. — In
Kreisen der amerikanischen Armee hat die Rach« richt von dem Hinscheiden des beliebten Generals tiefe Trauer ausgelöst. Die Beisetzung wird auf dem Rationalfriedhof in Arlington bei Washington stattfinden. Generalmajor Allen war 1859 geboren. Er besuchte die Kriegsakademie und war später in Rußland, Deutschland, Kuba und auf den Philippinen, dann mit Pershing in Mexiko und während des Weltkrieges in Frankreich.
Inthronisation des ersten Bischofs von Berlin.
Am Sonntag fand in der Hedwigskirche, der die Würde einer Kathedrale verliehen wurde, die feierliche Inthronisation des Bischofs Dr. Schreiber statt. Nach der feierlichen Abholung wurde der neuernannte Bischof vor den reichgeschmückten Haupt- altar der Kathedrale geführt, wo er die Meßgewänder anlegte und den Bischofsstab und die Mitra empfing. Unmittelbar nach dem Evangelium wurde die Ernennungsurkunde verlesen. In der ersten Urkunde wird der Bischof von Meißen, Dr. Schreiber, der bis jetzt Administrator der Diözese Berlin war, zum Bischof von Berlin ernannt. In dem zweiten Schreiben fordert der Papst die Gläubigen zum Gehorsam und zur Liebe zu dem neuen Oberhaupt auf. Nach der Verlesung hielt Dr. Schreiber eine Ansprache, in der er feststellte, daß endlich jahrzehntelange Bestrebungen und Wünsche der Berliner Katholiken erfüllt Jeien. Mit dem Teoeum und dem sakramentalen Segen endete die Feier. Der Bischof wurde in feierlicher Prozession wieder in seine Wohnung gebracht.
Schluß des Internationalen Kriminalistenkongresses.
Der 10. Internationale Kongreß für Strafrechts- und Gefängniswesen in Prag wurde nach Erstattung der Schluhberichte der einzelnen Sektionen geschlossen. Einstimmig wurde beschlossen, den kommenden Internationalen Kongreß für Strafrechts- und Gefängniswesen 1935 nach Berlin einzuberufen.
Großfeuer auf dem Güterbahnhof Hannover.
Am Samstagnachmittag geriet der Westfchup- pen des Güterbahnhofs Hannover-Rord in Brand. Das Feuer entstand in einem Oel- Waggon, etwa in der Mitte des 300 Meter langen Schuppens. .Da man den brennenden Wagen nicht schnell genug aus dem Schuppen bringen konnte, stand in wenigen Minuten der ganze massive Schuppen in Flammen. Bei dem starken Wind griff das Feuer auf die anliegenden Häuser über. Nordwestlich von dem Schuppen liegt die Continental-Gummi-Fabrik. Sie ist von dem Brandherd nur durch Schienenstränge getrennt und war daher ebenfalls gefährdet. Inmitten des riesigen Flammenmeeres flogen ständig Benzin- und Oelbehäl- ter in die Luft. Die Halle ist bis auf die Grundmauern n i ede r g e b r ann t, nur an ihrem unteren Teil sind noch Reste des Daches erhalten. Die an der Dahndammseite liegende Halle wurde vom Feuer verschont. Sonst hätten auch noch die ausgedehnten Fabrikanlagen der Continental Caoutchouc-Compagnie dem Brand zum Opfer fallen können. Schätzungsweise sind etwa 800 bis 900 Tonnen Güter und mehrere Schuppen den Flammen zum Opfer gefallen. Ein Güterbodenarbeiter wird vermißt. Es ist möglich, daß er bei dem Grohfeuer den Tod gefunden hat.
Anschlag auf einen Expreßzug bei San Franzisko. Bisher elf Tote.
Auf der Strecke St. Louis—San Franzisko entgleiste 10 Meilen von San Franzisko der Luxus-Exprehzug durch einen auf den Schienen liegenden S t e i n b l o ck. Bei der Katastrophe, bei der sich drei Wagen vollkommen ineinander schoben, sind bisher 11 Tote und über 30 Verletzte zu beklagen. Die Zahl der Toten dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch erhöhen, da viele Reisende noch unter den Trümmern liegen.
Die „Vratvaag" mit Andrees Leiche in Rorwegen eingetroffen.
Das norwegische Expeditionsschiff „Drawaag" traf mit den üefcerreften der Andreeschen Expedition an Bord am Sonntagnachmittag in einem kleinen Hafen in der Rähe von Hammerfest ein. Rach kurzem Aufenthalt, während dem Dr. Horn einen telegraphischen Bericht an die norwegische Eismeerkommission aufgab, setzte der Dampfer die Reise nach Tromsö fort. Dr. Horn erklärte, man habe unterwegs keines der Schiffe getroffen, die vom skandinavischen und ausländischen Presseunternehmen der „Dratvaag" entgegen geschickt sind. Die Leichen der schwedischen Forscher befinden sich auf dem Achterdeck. Andrees Leiche ist nicht in Verwesung übergegangen, sondern befindet sich in gleichem Zustande wie bei der Auffindung.
Zwei Straßenbahnen zermalmen ein Auto.
Ein furchtbarer Verkehrsunfall, bei dem zwei Personen lebensgefährlich, fünf andere erheblich verletzt wurden, ereignete sich in Charlotte n- burg. Ein Privatauto, das in rascher Fahrt aus der Guireckestraße herauskam, wurde zwischen zwei Straßenbahnen eingeklemmt und vollständig zermalmt. Die beiden Autoinsassen wurden in ho^snungslosem Zustande ins Kia: kenhaus Moabit geschafft. Fünf Stcaßen- bahninsassen wurden erhevttcy verletzt.
Fernheizungsprojekt für den Berliner Westen.
Die Direktion der Städtischen Berliner Elektrizitätswerke AG. hat die Absicht, im Westen Berlins ein großes zentrales Heiz- w e r k zu errichten. Das provisorische Projekt sieht einen Kostenauswand von 27 Millionen vor. Die „Bewag" hat mit ihren beiden bisherigen Heizwerken in Charlottenburg und Steglitz gute Erfahrungen gemacht. Die Zahl der durch Fernheizung erwärmten Wohnhäuser ist jedoch noch gering. Die ersten wurden 1927 angeschlossen. Der Berliner Magistrat wird zu dem Projekt erst nach seiner vollständigen Ausarbeitung Stellung nehmen. Es ist damit zu rechnen, daß es in zwei Jahren erbaut ist. Den städtischen Behörden liegt daran, das neue Fernheizwerk, das die Bewag finanzieren soll, möglichst b a l d in Angriff genommen zu sehen, weil es bedeutende Arbeitsmöglichkeiten schafft. Die eigentliche Rotstandsaktion der Stadt ist durch die ungünstige finanzielle Lage Berlins sehr beengt. Vorläufig stehen nur 5 Millionen Mark für Wohnbauzwecke zur Verfügung.
Ein sechsjähriger Mörder.
Ein Knabe von sechs Jahren hat auf einem Guts- Hof bei Poitiers einen Landarbeiter mit einem an der Wand hängenden geladenen alten deutschen Gewehr erschossen, als der Arbeiter, ohne auf den Spott des Kindes au achten, das ihn hänseln wollte, ruhig seine Flasche Wein weiter« trank. Erst nach einem langen Verhör gestand der Knabe die Wahrheit; zuerst hatte er behauptet, der Arbeiter habe Selbstmord verübt.


