Ausgabe 
1.8.1930
 
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Trakl (t 1914). Franz QBcrfel, her bcbeutenbfte Lyriker. Drama: 1. Lyrisch-patbettsche« Drama.

MchSbeihilfe zum Gießener Viehhosbau

Dritter Gießener Ferienkurs

Gegen Kopfschuppen

und Haarausfall

4007 V

verwenden Sie nicht dieses oder jenes, sondern vertan gen Sie ein Mittel, das wis- senschaftlich erprobt ist und seit 50 Jahren unvergleichliche Erfolge zu verzeichnen hat:

hat die Reichsbank eine Belohnung bis zu 3000 Mk. ausgeletzt.

* Straßensperrungen. Wie da- Poli­zeiamt mitteilt, ist die Schanzenstrah« wegen Kanalanschluharbeiten auf etwa 10 Tage für jeg­lichen Fuhrwcrlsverkehr gesperrt. Ferner wird die an dem Grundstück der Firma Hermann Hetz entlangführende Zufahrtstraste zu den Lager­plätzen an der Margaretenhütte wegen St raßen- erneuerungSarbcitcn von heute ab auf 14 Tage gesperrt.

wird dergestalt, daß die Stadt selbst für das Kapi­tal von 350 000 Mark nur 3 v. h. Zinsen zu tra­gen haben wird, während der übrige Teil des Zin- fendienstes für das Kapital von 350 000 Mark aus der zinsoerbilligenden Reichshilfe Deckung findet. Bei den Diehhof-Bauarbeiten sollen in erster Linie Wohlfahrtserwerbslose. soweit solche vorhanden sind, verwendet werden. Mie wir hören, soll mit den Bauarbeiten in Kürze be­gonnen werden.

Orlg'inalfluche RM 2.40 Doppelfluche RM 4.20

Auf das Ersuchen der Stadtverwaltung an die hessische Regierung wegen Gewährung von zlnr- verbilligenden Mitteln aus der Reichshilfe zur Arbeitsbeschaffung zum Bau des Gießener Viehhofes mit Zufahrtftrahe. Gleis- und Rompenanlage ist gestern von der Regierung bei unserer Stadtverwaltung die Mitteilung eingegangen, dah für diesen Zweck für ein Kapital von 350000 Mark der zlnsverbilllgende Zuschuh gewährt

ger vollenden. Den Staat geht der einzelne nur als moralisches Wesen an; das Unbestimm­bare, das beim einzelnen alsIch" hinzukommt, ist Nährboden zugleich und Widerpart der sitt­lichen Bildung; von da aus wird auch die Willensäußerung der Ganzheit immer wieder zu­gleich verdunkelt und der Anlaß zur Willens­bildung neu gegeben. Der Gemeinwille stellt sich unvermerkt und beinahe unbeachtet ein, er waltet im Fortschreiten sowohl, wie in den Hemmnissen der politischen Bewegung. Der einzelne als moralisches Wesen und der Staat bedingen einan­der. Daraus erfolgt die Aufsicht des Staates über die Wirtschaft: er darf nicht dulden, daß der Mensch in eine Rechnung der Sachen mit ein­bezogen werde. Die Bereinigungen, Verbände und Bunde dürfen di« unmittelbare Beziehung des einzelnen zum Staate nicht verbauen.

Wer das Selbst ohne Selbstsucht in sich er­arbeitet, dem mag sich auch die Erscheinung des demokratischen Staates befestigen und klaren.

Pros.Dr.Victor (Giehen) sprach über das Thema:

Der deutsche Expressionismus.

Seine Darlegungen sind wie folgt zusammen­zufassen: Die seelischen und geistigen Grundlagen. Eine Bewegung der deutschen Kriegsgeneration, der zwischen 1880 und 1895 Geborenen. Stimmung des Aufbruchs und Zu­sammenbruchs. Bruch mit der Tradition und der Vätergeneration. Neues religiöses Fühlen, neues Ethos der Gemeinschaft und der sozialen Ver­pflichtung. Ueberwindung der entarteten, mecha­nisierten Gegenwart (Zivilisation) durch ein neue- Schöpfertum: der Seele, des Geistes, der Liebe. Revolte der Innern, schöpferischen Machte gegen den Determinismus des materialistischen Zeit­alters.

Verwandte Philosophie: Bergson, die Phaeno- menologie (vor allem Max Scheler). Verhältnis zu Nietzsche.

Zwei Hauptrichtungen: 1. Gefühlsdichtung, Ausdrucksdichtung. 2. Aktivistische Literatur, Ten- denzliteratur.

Wendung zum Politischen. Der Zusammenbruch von 1918. Zusammenhänge mit der Literatur von heute.

Der expressionistische Stil. Heber« realistisches Zstrrmideal. Meine Illusion dinglicher Wirklichkeit mehr, sondern Ausdruck des Innern Lebens mit souverän verändertem Material der Wirklichkeit. Man will nicht Welt darstellen, son­dern Ich ausdrücken. Oder nicht das Sein der Dinge nachbilden, sondern ihr visionär erschautes Wesen mitteilen. Daher ist jede Abweichung von der Wirklichkeit erlaubt, wenn sie dem Ausdruck des Gefühls oder der Mitteilung des Wesens der Dinge dient. Der gestaltende Künstler gibt den Dingen, indem er sie darstellt, erst einen Sinn, Radikale Entnaturalisierung der natürlichen Er- scheinungsformen. Pathetischer, gefühlsgeschwell­ter Stil. Nicht sinnliche Treue, sondern Gefühls- Wahrheit und Echtheit der Gesinnung als Maß­stab der Dichtung. Die Form wird gesprengt. Drama der lockeren Bilderfolge, hymnische oder visionäre Lyrik. Zwei Sprachstile: sachlicher Geist­stil und pathetischer, stammelnder Gefühlsstil. Verwandtschaft mit dem Barockstil. Vorbilder.

Expressionistische Dichter. Früh- expresnonisten (Lyriker): Theodor Däubler, Georg

besonderen Genuß. Biele Menschen fühlen sich im Sommer am wohlsten. Das hangt vielleicht nicht nur mit der schönen Jahreszeit zusammen, mit der sonne und dem Sport, sondern auch mit der gesunden Speisekarte, die sich jedes Jahr von neuem darbietet.

Gictzencr Woch Marktpreise

SS kosteten auf dem gestrigen Wvchenmarkt: Butter 160 biS 180, Matte 30 bis 35. Wirsing 10 biS 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bi­ld, gelbe Rüben und rote Rüben 8 biS 10. Spinat 25 bis 30. Römischkohl 8 bi- 10. grüne Dohnen 20 bi- 25, gelbe Dohnen 25 bis 30, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Erbsen 20 biS 25, Tomaten 30 bl« 40, Zwiebeln 10 bis 15. Pilze 30 bi« 35, Kartoffeln 6 bi» 7, Frühäpfel 20 bi« 25. Falläpfel 5 bis 6. Birnen 20 bi« 33. Dörr- obst 30 biS 35, Sauerkirschen 40 bis 45. Heidel­beeren 30 bl« 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bi« 25, Himbeeren 40 bi« 45, Brombeeren 45 bi« 50, Aprikosen 50 bi« 55, Pfirsiche 60 bl« 80, Pflaumen 30 bis 35, Mira­bellen 40 biS 45, Reineclauden 50 bis 60, Nüsse 60 bi« 70, Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bi« 130, Suppenhühner 100 bis 120 Ps. das Psd.; Käs« (10 Stück) 60 bl« 140 Pf.; Tauben 70 bis 80, Eier 11 bl« 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 biS 20. Salatgurken 15 bis 40, Sinmachgurken 2 bi« 5, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 8 bi« 10, Rettich 10 bis 15 Pf. daS Stück; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund; Kartoffeln (neue) 5,50 bis 6 Mark der Zentner.

Äornotizen.

Tageskalender für Freitag. Siebe­ner Ferienkurse: Dortrag von Geheimrat Walze! (Bonn):Der deutsche Roman der Gegenwart", 17 bis 19 Uhr, im Kunstwissenschaftlichen Institut. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Fundvogel" und Sei gegrüßt du mein schönes Sorrent!" Attoria- Lichtspiele:Menschen-Arfenal" undEins und eins - Drei".

** Falsche Reicbsbanknoten. Falscbe Reichsbanknoten über 20 Reichsmark der Ausgabe vom 11. Oktober 1924 werden in neuester Zeit in Frankfurt und in der Umgegend in den Verkehr gebracht. Sie sind an dem groben verwischten weib­lichen Gesamtbildnis zu erkennen. Gleichfalls find falsche Reichsbanknoten über 10 Reichsmark der Ausgabe vom 11. Oktober 1924 im Verkehr. Das Papier ist schmutzig-weiß, in der Stärke ähnlich dem

Dortragsabend von Professor G. Freylag.

Am Montag fand im Rahmen der Gießener Ferienkurse ein Vortragsabend statt, bei dem der Münchener Dortragskünstler Professor G. F r e y t a g au-gewählt« Stücke moderner deut­scher Lyrik rezitierte. Beginnend mit Gedichten aus dem Stepan-George-Kreis. deren seierlich« Pathetik und Anklage gegen die entgöttlichte Zeit eine wundervoll eindringliche, machtvoll strö­mende Wiedergabe fand, führte der Künstler, der die Subjektivität seiner Auswahl ausdrücklich betonte, bi« zu Gedichten jüngster deutscher Lyri­ker. Hervorgehoben seien besonders seine Wieder­gabe ernster Morgensterngedichte, ferner das in seiner Tiefe an Mörikes Nachtlied gemahnende Brunnengedicht von Hans Carossa, einige schlichte, im Dolksliedton ergreifende Gedichte aus der Kriegslhrik, wobei die Schalkhaftigkeit eines Frühlingsliedes von Walter Flex von be­sonderem Reiz war, höchst eindrucksvoll auch die Rezitation des .Todspi«ler" von B. von Münch­hausen, dessen melodramatische Eigenart Indessen sich von der nein lyrischen Sphäre des Abends am deutlichsten abhob. Aus dem Kreis expressiv- nisttscher Dichter waren ,Amsterdam" und »Der Kaiser von China" von stärkster Wirkung. Auch die jüngste Gegenwart in ihrer Naturnähe, Erd­verbundenheit und gläubigen Gottsuche fand eine eindrucksvolle Darstellung. Ms Gesamteindruck überzeugte des Künstlers hohe Dermittlungskrast besonders darin, dah es ihr gelang, ohne An­wendung unnötiger mimischer Unterstreichungen allein aus dem dichterischen Wort heraus Eigen­art und Absicht der gesprochenen Gedichte zur stärksten Wirkung zu entfalten.

Im weiteren Verlaufe des Dritten Gie­hener Ferienkurses sprach Professor Dr. Robert Fritzsche (Gießen) über das Thema:

Der einzelne und sein Dolk tm neuen Staat.

Gr sagt« u. a.: Die Schwierigkeit unserer Lage seit der durch den AuLgang des Krieges verur­sachten Annahme einer neuen Staatsform offen­bart sich vor allem darin, dah der einzelne weder die Ganzheit klar und einhellig sieht, noch in sich selbst eine Einheit verspürt. Die Ganzheit ist etwas anderes, als die Summe der Einzelwesen. Staat und einzelner treten als zwei Unendlich- keiten zu einander ins Verhältnis. Bevor wir aber den Staat betrachten, müssen wir zunächst vom Volke reden.Volk" ist so wenig ein faß­barer Begriff wie das Ich, es ist vielmehr eine tragende Empfindung und eine fordernde Vor­stellung. Auch im Volksstaat decken sich Staat und Dolk niemals. Deshalb bedarf es wieder­kehrender Wahlen und des beweglichen Elementes der öffentlichen Meinung. Das Rechtsempfin­den des Volkes gibt kein Gesetz, mahnt aber, die gültigen Gesetze stetig nachzuprüfen und fort­zubilden und streng, doch nicht starr anzuwenden. Das Volkstum überflutet di« Grenzen des Staa­tes. Die Verbindung mit den Volksgenossen im Auslande darf nicht allein auf äleoerliefe- rung beruhen. Nur wenn wir als Volkstum menschheitlich zunehmen, können die deutschen Minderheiten erhalten bleiben.

Die moderne Gesellschaft unterscheidet sich von aller antiken durch die Ablehnung der Sklaverei und durch das Zusammenfällen des Menschen­rechts mit dem Bürgerrecht. In der Demotratte soll sich die Erhebung des Menschen zum Bür-

Aus der provinzialbauptstadt

Gießen, den 1. August 1930.

Oie gesunde Speisekarte des Gommers

Don Dr. meb W. i- chweisheimer

In der jetzigen Sommerzeit lassen sich zahl­reiche Gerichte In rohem, ungekochtem Zustand genießen. Dies« Rohkost wird auch von wissen­schaftlicher Seite immer mehr alS daS erkannt, wa« die Volksmedizin schon lange behauptete: als unentbehrlich für die Gesundheit.

ES ist der Hauptvorteil der sommerliq^n Speisekarte, daß sie uns eine Reihe wohl­schmeckender Gemüse. Salate und Obstarten in rohem Zustand zur Verfügung stellt. In ungekoch­ten Nahrungsmitteln sind lebenswichtige Stosse enthalten, die in der Hitze beim Kochen und Braten ihre Wirkung verlieren, oder an Wir­kung sehr herabaemlndert werden. Sin Teil der Vitamine wird durch daS Kochen zerstört. Roh­kostbestandteile in der Nahruna sind vor allem geeignet, eine gewohnheitsmäßige Darmträgheit günstig zu beeinflussen. Die heilsame Einwirkung solcher Smährun^sart bei Gicht hängt wohl mit dem Basenreichtum der Rohkost zusammen, der einer übermäßigen Hamsäurebilduna vvr- beugt. Aehnliche Gesichtspunkte kommen bei der Zuckerkrankheit in Betracht Die Nieren werden durch ihren geringen Gehalt an Eiweiß in er­wünschter Weise entlastet. Mit der verhältnis­mäßigen Elweiharmut der Rohkost wird eS auch Zusammenhängen, daß ein übermäßig hoher Blut- orutf unter ihrem Einfluß oft erheblich vermin­dert wird.

Aus der Speisekarte der warmen Jahreszeit stehen von rohen Nahrungsmitteln vor allem alle Obstarten der betreffenden Monate. Von einem Teil der Rohkostanhänger werden auch gedünstete, grüne Gemüse. Obstkuchen usw. anerkannt, während die strengen Rohköstler Ge­müse nur gerieben oder sein gehackt essen, unter Zusatz von Zwiebeln, Oel, Zitronensaft, auch Rahm. Auch der Salat wird nur mit Oel und Zitronensaft angemacht, nicht mit Essig, der al« zu scharfes Gewürz gilt. Weiter werden zur Würzung der rohen Gemüsekost verwandt Schnitt- lau, Dill, Fenchel, Bohnenkraut. Kerbel, Peter­silie, Kresse. Tomaten, Nüsse, zu den Salaten kommen al« Geschmackswürzen hinzu Rettich und Meerretttch. Knoblauch, Kapern, Oliven, Salz- gurten, Nelken.

Der Geschmack und Dust auch der gekochten jungen Gemüse ist anders, als wenn sie älter ge­worden sind. Es soll nicht au« diesem Grunde behauptet werden, daß die jungen Gemüse ge­sünder sind, aber anders sind sie zweifellos, als die älteren Gemüse, und drum müssen sie auch ander« aus den Körper einwirken. Es gibt viele Menschen, die sich im allgemeinen au« Gemüse wenig machen, die aber mit einer wahren Lei­denschaft da« Kommen der jungen Gemüse der verschiedensten Sorten erwarten. Dahinter steckt nicht nur Leckerei, sondern vermutlich steckt in den jungen Gemüsen ein Bestandteil, der dem Körper besonders zuträglich und angemessen ist.

Beim Umsatz der Mineralstoffe im Körper werden Säuren und Basen erzeugt. Beide Gruppen dienen zum Aufbau des Eiweiß. Bei der Verdauung bilden sich stets saure Salze. Nach der Dasenlehre sind sie im liebermafo schädlich; genügende Mengen von unorganischen Basen neutralisieren sie und nehmen ihnen die Gefähr­lichkeit. So kommt die Dasenlehre zu der Forde­rung, es müsse ein genügender Ueberschuß von unorganischen Dasen in der Nahrung enthalten fein. Tierisches Eiweiß, Fleisch, Eier, Drot, Mehl ergeben einen Ueberschuß an Säure, Kartoffeln, Milch, Gemüse und Obst einen Ueberschuß an Basen. Reichlich« Pflanzenkost läßt hinreichend Dasenbestandtelle in den Körper gelangen. Dor allem die Blattgemüse, wie Spinat, bringen hier den notwendigen Ausgleich.

D b ft ist eine Art von Rohkost, die sich besonders leicht durchsetzt. Das frisch gepflückte Obst von Som­mer und Herbst enthält am meisten von den ange­nehmen Duftstoffen, allmählich verflüchtigen sie sich. Die Fruchtsäurcn (Apfel-, Zitronen-, Weinsäure usw.) erfrischen, wirken desinfizierend auf die Schleimhäute der Mundhöhle und anregend auf den Darm. Vita­mine und Mineralstoffe sind im Obst reichlich ent­halten.

Eine richtige Durchspülung des Körpers ist von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit. Der Körper gleicht, als Ganzes betrachtet, einem großen Kanalsystem. Mit der Nahrung und bei der Verdauung kommen giftige, nicht verwertbare Stoffe in den Körper, sie finden sich in ollen Zellen und Saften. Je bester der Flüssigkeitszustrom arbeitet, um so rascher werden alle unnötigen und giftigen Stoffe aus dem Blut (hauptsächlich in Form von Harn durch die Nieren) entfernt, um so jünger und leistungsfähiger fühlt sich der Körper. Obst besteht größtenteils aus Master; die mit ihm eingeführte Flüssigkeitsmenge dient ganz ebenso wie reines Wasser zur Durchspülung und Durchschwemmung des Gewebes. Bei Krankheiten, bei denen eine solche Durchspülung besonders nötig ist, also bei bestimmten Nierenkrankheiten, Gicht. Arteriosklerose, bildet Obst- gennß einen Teil der ärztlichen Vorschriften. Der treffliche Geschmack und Geruch der frischen Früchte im Sommer veranlaßt dazu, mehr Obst zu genießen, und so werden auch die alten Schlacken der Winter­monate bei dem kräftigen Flüssigkeitswechsel mit aus dem Körper gespült.

Im gleichen Sinn wirkt der dar m anregende Einfluß des Obstgenusses. Der Darm ist das große Abfuhrsystem für die festen Rückstände des Stoffwechsels. Bleiben solche Reste zu lange im Darm liegen, so wirken sie als Vergiftungsherde. Die Gift­stoffe bringen durch die Darmwand ins Blut und kommen mit ihm zu allen Organen. So werden sie Ursache von Kopssivmerzen, Arbeitsunlust, Herz- beschwerden, Schlaflosigkeit. Alles, was den Darm rasch von den giftigen Reststoffen befreit, wirkt daher entlastend und verjüngend. Obst, roh und gekocht, regt durch seinen Fasergehalt den Darm an und be­schleunigt die notwendige Abft.hr. Die Sitte der angelsächsischen Länder, morgens nüchtern als erstes Obst zu genießen, verdient auch bei uns Nachahmung, besonders bei Personen mit trägem Darm. An eine solche Sitte kann man sich im Sommer mit seiner Uebcrfüflc von verlockenden Fruchten am leichtesten gewöhnen.

Ein Extrem in der Ernährung ist nie gut. weder reine Fleischnahrung, noch ausschließlich Rohkost Eine abwechslungsreiche Gemischt kost ist dem Körper am zuträglichsten. Mit Fleisch, Milchspeisen, Eiern wird man das Eiweißbedürfnis des Körpers befriedigen, mit Gemüsen (gekochten und ungekoch ten), Salaten und Früchten den Bedarf an Mineral- salzen decken. Im Sommer wird man freilich den Teil der Speisekarte bevorzugen, auf dem Gemüse, Salate und Früchte stehen; denn sie bieten neben der gesundheitlichen Wirkung in dieser Zeit auch ganz

Rundflüge über Gießen mit einem Kabinenflugzeug der Fokker-Wolf Werke finden am Samstag und Sonntag vom hiesigen Flughafen aus statt. Veranstalter ist die Mittelrheinische Luftfahrt G. m. b. S) in Wiesbaden, der das Gießener Flug­hafengelände für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurde. Man beachte die heutige Anzeige.

Die Heimatvereinigung Schiffen- berg hielt gestern abend unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Forstrat Nicolaus, im Gasthaus Hindenburg" eine Ausschußsitzung ab, in deren Mit- telpuntt die Rechnungsablage über die Schiffenberg- Jubiläumsfeier stand. Der Vorsitzende des Finanz- ausschuffes für dieses Fest konnte in eingehender zahlenmäßiger Darlegung einen erfreulichen Ab­schluß der Festrechnung mitteilen. Dank der mit Bei­fall anerkannten Opferfreudigkeit zahlreicher Mit­bürger in Stadt und Land und dank des guten Wet­ters mit dem entsprechend starken Besuch des Fettes war es möglich, die Rechnung mit einem Ueberschuß abzuschließen. Im Hinblick auf dieses günstige Er­gebnis beschloß der Ausschuß einstimmig, den be­trag von 100 RM. zum Besten der bei dem Gruben­unglück in Neurode (Oberschlesien) Hinterbliebenen zu stiften, um dadurch an seinem Teil beizutragen zur Linderung der Not. die dort unter den Witwen und Waisen der in ihrem schweren Berufe verunglückten Bergleute einaezogen ist. Allgemein wurde in der Sitzung mit Anerkennung hervorgehoben, daß diese Iubiläums-Heirnatfeier in allen Teilen gut verlaufen ist und dadurch zu einem Markstein in unserer Hei- matgeschichte wurde. Allen Mithelfern und Förderern bei diesem Fest wurde herzlich gedankt. Im übrigen besprach man noch verschiedene Vorschläge und Ge­danken, die für die weitere Tätigkeit der Heimat­vereinigung Schiffenberg zum Besten unseres Schift fenberges künftig als Aufgabengebiet beoorstehen.

Reinhard Sorge (t 1916), Walter Hasenclever. Paul Kornfeld. Fritz von Unruh. 2. Satirisch- sachlicheS Drama. Earl Sternheim, Georg Kaiser.

Pros. Dr. Stein büche l (Gießen) sprach über daS Thema:

Strömungen im deutschen Kathvllzi-mu- der Gegenwart.

Der Vortragende führte in seinen Grundgedan­ken aus: Der heutige deutsche Katholizi-mu« ist vor allem gekennzeichnet durch eine erneute und vertiefte WesenSersassung, die sich in seiner gegen­wärtigen Theologie zeigt und die gleichzeitig, den geschichtlich gewordenen Verhältnissen entspre­chend. einer ernsten, würdigen und sachlichen Auseinandersetzung mit den Strömungen im heu­tigen deutschen Protestantismus zugute kommt. 'Ser Katholizismus siebt sich, seinem Kirchenbe­griff gemäß, als Siicheit in Mannigfaltigkeit, al« UniversaliSmuS, in dem da« Individuell-Beson­dere der Persönlichkeiten, der DolkScharaktere und Geisteshaltungen Raum und Leben findet. In Gegensätzen und Ergänzungen erweist sich erst da« Leben. Diese« Leben offenbart sich heute vorab in der liturgischen Bewegung mit ihrer Ver­tiefung der am altchristlichen Gut und an der urchristlichen GemeinschafISidee orientierlen Fröm­migkeit; in der Jugendbewegung mit ihrer aus­geprägten persönlichen Verantwortlichkeit für die konkrete Zeitsituation und ihrer von der litur­gischen Dewegung stark beindruckten religiösen Haltung; in der erneuten Stellungnahme au den sozialen Problemen, die aus gröfterer reli­giöser Tiefe gesehen werden wollen; in den religionsphilosopischen und theologischen Strö­mungen, die erneut um die WesenSbesttmmung katholischen Seins heute ringen. Bei alledem herrscht im heutigen Katholizismus das Bewußt­sein vor, daß Katholizität ein Ideal und damit eine stete Aufgabe ist. die. nie vollendet, uner­müdliche Bereitschaft für daS Reich Gottes ist, das nicht aus Menschenkraft, sondern auS Gotte- Höhe kommt, so dah Erwartung und Aktivität, Gnade und verantwortliche Tat den katholischen Menschtyp bezeichnet.

Der Frankfurter Schriftsteller und Theater- krittker Werner Deubel sprach über das Thema:

Da« moderne Theater".

Der Vortragende sagte u. a.: Der Weltkrieg offenbarte das Wesen der Zivilisation als ..ent­fesselte Mordsucht" (Klages). Aus neuem Schick­salserleben (daß es Mächtigeres gebe als da­wollende und erkennende Ich) brach der Expressio­nismus. die Revolte der Seele gegen das in- tellektualistische Fortschrittsweltbild der Väter. Soweit sie das Theater ergriff, wurde sie schöpfe­risch zumal in der Regie, die gegen dieSach- wertpsychose", die Seelenpräparate, dieKenner­und Kammerkunst" des Naturalismus wieder den dichterischen Rhythmus, den feierlich ausdrucks­vollen Raum, die Sprachmelodie, den tänzerisch bewegten Spieler zur Geltung brachte. Ihre Klassikerausführungen (sie entdeckte gleichsam neu Kleist. Hölderlin, Ealderon, Eichendorfs) waren Höchstleistungen. Aber sie scheiterte am Lite­ratentum der expressionistischen Dichter, das statt der Seele nur gewollte, gemachte Seele (Hy­sterie) zu bieten hatte und Pathos mit Patho­logie (Strindberg), Leidenschaft mit bizarrem Lärm (Unruh), Ekstase mit Exzeß (Bronnen) ver­wechselte. Aus der Revolte der Seele gegen die Fortschritts-Mechanisierung und -Intellektuali­sierung wurden eine Revolte deS selbstherrlichen Ichs gegen die gewachsenen Formen der kreatür­lichen Welt und es entstand, nicht wie man meinte aus zu viel, sondern aus zu wenig Seele dieAnarchie" und nicht nur im Drama! Die Folgen für die Regie waren verwüstend. Die russische Invasion der Tairoff und Meyer­hold setzte ein, die Verhöhnung und Entwürdi­gung des dichterischen Wortes zum bloßen Vor­wand für ein akrobatisch-maschinellesentfessel­tes" Theater.

Nach dem Verebben des expressionistischen Schwindels folgte eine kurz« Epoche wahllosen! Stoffhungers (Zuckmaycr, Wallace) und endlich ein neuer Schlagwort-Spuk: Sachlichkeit. Zeit­theater, Politisches Theater, der Rückschlag der unbeseelten Maschinen- und Fortschrittswelt, da« unglaubwürdig« Zurücksinken in den Naturalis­mus in seiner minderwertigsten (tendenziösen) Gestalt. Die Zeittheaterideologie stellt sich um eine neue Wesensdeutung des Theater- bemüht, erstrebt aber nichts andres als die (politische) Aktivierung des Publikums. Eindeutig ist da- Ziel, das Theater in den Dienst der politischen Propaganda zu stellen. Berlin hat in der PiS- kator-Dühn« ein nahezu offiziell bolschewisttsche- Theater. Damit sind alle Errungenschaften der expressionistischen Regie wieder verloren; in den kleineren Städten halten sie sich noch am längsten. DieDachwertpshchose" des technischen Ausstat- tungsschwindels nistet sich wieder ein. Die Dichter degradieren sich zu Äonjunfturfflaben, schlim­mer: sie blenden sich durch Politik gegen echte Tragödienstoffe ab (UnruhBonaparte", $ re- ti atoto .Brüll« China", Wolf .Chankali").

Das deutsche Theater steht innerlich und äußer­lich vor dem Ruin. Aber die deutsche Entwicklung war immer ruckartig, nicht stetig. Ja, es scheint, als brauche, wie Faust den Mejchisto, die deutsche Seele den Widergeist, um sich erst ganz zu fin- den, nachdem sie sich an ihn verraten und ver- kaust hatte. Schon seit Jahren sieht man frei­lich abseits vom offiziellen Kunftbetrieb Neues aufblühn aus der Besinnung auf daS Wesen des Dramas, das Wesen des echten Theaters. Ob eS in der giftigen Atmosphäre der abendländischen Zivilisation zur Frucht reifen kann, bleibt eine offene Frage.

Verantwortlich für das Feuilleton L D.: Dr. Fr. W. Lang e.

echten. Der Absatz der Folschscheine erfolgt scheinbar i Hehm (f 1912), Emst Stadler (t 1914), Georg durch reisende Verbreiter. Für die Aufdeckung ders'rnn /+ 10111«

Falschmünzerwertstatt oder dahinführende Angaben