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Nr. 77 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, April 1930

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E,ne Reihe prominenter Europäer hat sich zulammengetan, um in die Einsamkeit der Galapagosinseln zu fahren Unser Bild zeigt die Gruppe bei den letzten Reise- Vorbereitungen. Links Bernard Shaw, der aus Galopagos aryüsanle Motive für ein RobinsonschauspicI zu finden hofft. Auf dem Gepäckwagen Zeileis, der aus den Hormonen der Rieseneidcchsen ein neues Heilmittel herstellen will, und Trotzki, der aus der verlassenen Insel die Gründung einer kommunistischen Urzelle plant.

Inter-Serälewellutn im Sau Hessen D.T

17. Paul

Weber. Tv Heuchelheim, 129 P

c ^er

rät eine Kürübung, sowie eine Pslrchtfrei

P.

Treis

^rof

Bafcd.

124 P.: 27. Karl Schmidt, Tv. Gro

0 Gich.

Punkte.

bett, Tv. 1846 Gießen, 158 Punkte

ng, Tv

bett, Tv. 1846 Gießen, 153 P.; 4.

Tv. 1846 Gießen. 145 P, 5. Rudolf

ng; 180

lLumda), 134 P.; 21. Hermann Dingesv. 1846 Gießen, 131 P.; 22. Wilhelm Röhrckn. Tv. Krofdorf. 130 P.; 23. Adolf Rust und Ufer,

Klein-Linden. 143 P.; 7 Georg Scln. Mtv Gießen, und Werner Langenohl. Tv. :chclheim. 140 P.; 8. Friedrich Drück. Karl <5d )orf und Hans Vogt. Tv 1846 Gießen. 139 P. Rudolf

Reunkamps (je zwei Pflichtübungen am erd und Darren, eine am Reck, dazu an jed< &c-

Friedrich Tv Grünberg,' 127 P. 19. Karl Hahn Tv Großcn-Duscck. 124 P. 20 Heinrich Amcnd. Tv Treis a. d. Lda., 123 P.; 21 Heinrich Dapper. Tv Grünberg. 122 P.; 22. Otto Peter, Tv. Groß- Eichen. 121 P.

Jugend-Unterstufe, 15 und 16 Jahre.

Siebenkampf (je eine Pflicht- und Kürübung am Reck, Darren und Pferd, sowie eine Pflicht­freiübung Mindestleistung 92 Punkte Höchst-

120 P

Jugend-Oberstufe, 17 und 18 3

Reunkampf (wie oben), 180 bis 1

und Heinrich Jung, Tv. Lützellinden,P P.; 15 Friedrich Wenderoth und Willistraub. Tv. 1846 Gießen, 137 P.;- 16. Emitröber, Tv. 1846 Gießen, und Heinrich Marten, Klein- Linden. 136 P.; 17 August Schott, Tv.j6 Gie­ßen. 135 P.; 18. Wilhelm Kehr, d Treis

3ungll., Tv. Klein-Linden, 138 P.; 10. Robert Weller. Tv Klein-Linden. 136 P.; 12. Wilhelm Schäfer. Tv Treis a. d. Lda.. 134 P; 13 Karl Schäfer. Tv 1846 Gießen. 133 P.. 15. Kurt Drefchcr Tv Klein-Linden. 130 P.. 16. Karl

und Heinz Meyer, Mtv. Gießen. / P; 10. Albert Reeh. Tv. Krofdorf. 143 P.; Wil- Helm Hahn. Tv. Großen-Duseck. 142 P.;! Otto Rinn. Tv. Heuchelheim. 139 P.; 14. OlDtahl, Tv. 1846 Gießen. Heinrich Schmidt. Mtqießen.

------ - - P.;

Aus der Giegerliste.

Rachstehend geben wir einen Auszug Siegerliste:

Turner über 18 Jahre.

gelungenen Tag einen wertvollen türm en Ausklang.

Mindestleistung 120 Punkte, Höchstleistul Punkte). 59 Teilnehmer, 52 Sieger: 1. Su arl Leinweber, Treis a. d. Lda., 163 s te.;

Leib, Tv. Krofdorf, 155 P.; 3. Heu> Her- o Kern.

Tv 1846 Gießen, und Karl Henß, Ti Kostew Dufeck. 129 P.; 24. Heinrich Zecher.

30 Teilnehmer. 27 Sieger: 1.Sieg Lull Her- ' " T Adoli

(Lumda). 127 P.; 25. Albert Heyer, darf. 125 P.; 26. Hans Deplcr. Tv. H lh'im.

2. Karl S ch i ck, Tv. 1846 Gießen, .

3. Willi Strauch, Mtv. Gießen, iP-i 4. Peter Decker, Tv. 1846 Gießen, und srich Hettche. Tv. Treis a. d. Lda., 154 P.; 6. Darb Frank, Tv. Grünberg, 149 P.; 7. Heinrivam- mert, Mtv. Gießen, und Heinrich Sch^ Tv. Treis a. d. Lda., 148 P.; 9. Heinrich Pbach Mtv. Gießen, / P.;

2. Bezük im Gau Hesse»

-o- De» prächtigem Frühlingswetter fc-n- ten sich am Sonntag früh zu Heuchelh' bei Gießen über 250 Turner aus dem 2. - zirk des Gaues Hessen (Gießen- T - lar-Grün berg», um im Wettkampf tun*» schluß zu bringen, was sie den Winter hu» in ihren Vereinen im Geräteturnen vo»>

gebracht haben. _ L

Der Dezirksvertreter. Universttätsbureaur' tor Wilh Erle (Gießen), dankte dem 23»* verein am Orte für die wiederholte g<ii< Aufnahme dieser Derarrstaltung in feinet- räumigen Turnhalle und gab der allgcntr Freude Ausdruck, daß die 'Beteiligung hiP' weit über die seitherige''« Zahlen hinausgH- len lei, ein gutes Zeichen, daß die Turneptz der gegenwärtigen reichen Auswahl an Dells- formen dem langen und mühevollen W«»r Höhe dcS Erfolges am Gerät nicht aueto r

Unter der bewährten Leitung der bc-ibe e zirksturnwarte Paul Schüler (Wetzlar »d Karl Reuter (Gießen) walteten die 5 n- richter ihres verantwortungsvollen Amtes h renb die stille Arbeit des Dewertungsauss die Siegerverkündigung so zeitig ermöglich die Turnerjuacnd ihre Abendzüge erreichen te Handballspiele aus dem großen Spielpl >c» der Turnhalle und Schauturnen aus der n- bühne trugen zur Unterhaltung der zahl en Gäste am Rachmittag bei und gaben dem )l-

122 P.; 28. Hermann Walter. Tv.

121 P., 29. Wilhelm Unger. Tv. G-Eichen.

Iciftung 140 Punkte), 52 Teilnehmer, 45 Sieger. 1. Sieg Kurt Faber, Tv. Grohen-Linden, 131 Punkte. 2. Ernst Jung. Tv. Klein-Linden. 122 P., 3. Heinrich Rinn, Tv. Heuchelheim. 121 P.; 4. Willi Engelhardt. Tv. Heuchelheim, und Fritz Leicht. Tv. Krofdorf. 120 P.. Karl Rinn. Tv. Heuchelheim. 117 P.. 7. Walter Luh. Tv Großen-Linden. 115 P.. 8 Willi Schmidt, Tv. Krofdorf. 114 P.. 9. Richard Tröller. Tv Lauter. 112 P.. 10. Walter Fink. Tv. Klein- Linden. 111 P. 11. Fritz Krei ing. Tv Heuchel­heim, Waller Mehl, Tv. Großen-Linden. Karl Elarius. Tv. Krofdorf. 109 P.. 12 Ernst Schäfer. Tv. Lauter. 108 P.. 13. Wilhelm Hofmann, Tv Großen-Linden. Wüh.lm Faber. Tv. Leihgestern, und Artur Schleenbecker. Tv. Krofdorf. 107 P., 14. Otlo Reidel, Tv. Heuchelheim. Fritz Müller.

Tv Klein-Linden. 105 P.. 16. Albert Seipp und Alfred Keßler Tv. Großen-Linden Heinrich

Ricke! und Fritz Hammerfchlag, Tv. TreiS an der Lumda, Otto Valentin. Tv. Krofdorf. 102 Punkte. 17 Ernst Resfeldreher. Tv Heuchelheim. Hch Seipp. Tv. Grohen-Dufeck. und Albert Krombach. Tv. Krofdorf. 101 P.. 18. Karl Wag­ner. Tv. Krofdorf. 100 P.. 19. Otto Knoh. Tv Groß-Eicken. 99 P.. 20. Ernst Plock. Mtv Gießen, und Willi Römer. Tv. Heuchelheim. 98 P.; 21. Erwin Reufchling. Tv. Heuchelheim. 97 P.. 22. Otto Kvmpf. Tv. 1846 Gießen, 96 P.. 23. Karl Schemel. Tv. 1846 Gießen, und Siegfried Leib. Tv. Krofdorf. 94 P.

Schüler. 12 Jahre und darüber.

Siebenkampf (toic oben): 86 Teilnehmer, 80 Sieger. 140 bis 92 Punkte. 1 Sieg H. Schorge und W Belten. So Gr -Linden, 135 Punkte 2 Alb 3 5 r b . Tv Gr -Linden. 133 P.. 3. Hch Wiegand. Tv. Burgsolms. 127 P.. 4 Heinr. Müller und Rich. Wagner, Tv Gr.-Linden.

Eine Wanderung nach Galapagos!

Aeichsbankpräsidenl Dr. Schacht aufsemerSludtenreisedurchAsien r- ----------1

126 P., 6. Karl Klaum, Waller 3örb und Erwin Müller, Tv. Großen-Linden. 124 P., 7. Willi Habicht, Tv. 1846 Gießen, und Reinh. Menges, Tv Großen-Linden, 122 P.; 8. O. Röhrsheim, Tv Krofdorf, 121 P . 9 E. Velten. Tv. Großen- Linden. 118 P.; 10. Walter Michel, Tv Treis an der Lumda, 117 P., 11. Hugo Wagner, Tv Großen-Linden. 116 P., 12. Otto Klaß, Turnv Krofdorf. 115 P. 13 Helmut Fleischmann, Turnv 1846 Gießen, und Karl Leib. Tv. Krofdorf, 114 Punkte 14 Karl Möckel. Mtv. Gießen, 112P.. 15. Hans Habicht, Tv. 1846 Gießen, und O. Dörr, Tv. Krofdorf, 111 P.. 16 Rupprecht Krausch, Mtv. Gießen, und Walter Weber, Tv Klein- Linden, 110 P.. 17 Kurt Wiedemeyer, Walter Schneider, Heinr. Köhlinger, Tv. 1846 Gießen, und Helmut Rinker, Ludw. Luh, Tv Gr.-Linden. und Karl Martern. Ernst Schimmel. Tv. Klein- Linden, 109 P.. 18 W Decker, Tv. Treis a. d.

Dr. Schach« hat auf die ihin zustehenden Pensionen verzichtet und eine Studienreise durch Asien als einsacher Pilgermönch angetreten, nur mit Kürbisflasche und Reisschal" ausgerüstet.

Lumda, 108 P.; 19. Willi Staubach, Mtv Gie­ßen. und Ewald Watz, Tv. Großen-Linden, und Hch. Blob. Ernst Dender. Tv Krofdorf, und Otto Kehr. W. Göbel, Tv. Treis a. d. Lda.. 107 P.: 20 W. Blum, Mtv. Gießen, und 'Alb. Kreiling, Tv Heuchelheim, 105 P. 21. Willi Hustke. Mtv. Gießen, und Hch. Becker, Tv. Treis a. d. Lda., 104 P., 23 Werner Wiegand. Tv 1846 Gießen, und Erich Kröck. Tv. Heuchelheim, und Wilheln» Müller. Tv. Klein-Linden. 102 P., 24. August Schütz. Tv. 1846 Gießen. Paul Wagner, Mtv. Gießen, Ed. Heyer, Tv. Krofdorf, 101 P. 25. Erich Euler, Tv. 1846 Gießen. W. x3örb, Tv. Klein-Linden, Phil. Schaaf, Tv. Treis a. d. Lda., 100 P.. 26 Walter Zück, Mtv Gießen. Ewald Reidel, Tv. Heuchelheim. Willi Steinmüller, Tv. Klein-Linden 99 P.. 27 Hern, Daum und Erich Schneider, Mtv. Gießen. Fritz Gernand, Turnv. Treis a. d. Lda., 98 P.. 28. Ludw Glaum, Turnv. Klein-Linden, Rudolf Leib und Willi Will, Tv. Krofdorf, 97 P.; 29. Ernst Wagner, Tv Krof­dorf. 96 P.. 30. W Rinn. Tv. Heuchelheim, 95 P. 31. Hans Bott, Tv Klein-Linden. 94 P.; 32. W Schlciter, Mtv Gießen, und Karl Rols- hauscn, Tv. Krofdorf, 93 Punkte.

Winter-Geräteturnen des 5. Bezirks.

bpw. Dad-Rauheim, 30. März. Der 5. Dczirk in» Turngau Hesse,» (D.T.) veranstaltete heute in der Turnhalle des Turn­vereins 1860 sein diesjähriges Winterge­räteturnen. Die rege 'Beteiligung und die zum Teil recht guten Leistungen waren Deweis dafür, daß im Laufe des Winters in den De- zirksvereinen das Geräteturnen eifrig gepflegt worden ist. Die Wettkämpfe, für Turner und Iugendoberstufe ein Reunkamps, für 3u- genduntcrstufe und Schüler ein Siebenkampf, wickelten sich unter der sachkundigen Leitung des Dezirksturnwarts W. Lang lLang-Göns) und bei der opferwilligen Mitarbeit eines ge­schulten Kampsrichterstabes reibungslos ab. De-

Gelterswasser umstsi!

von

chorncwitz.

ober auch in den Leunawerken und

deren gro-

tig Selterswasser fliehen und maiann es an

bann auch

tenfäurebäber mit ihrer namentlich

auch für die Feuerwehr, ba Kohlen rc bekannt­

sticken. Es

g kvm- Dehäl-

em

r bie Rer- Ganz bc-

c Vorteile Ganz ab-

Leitungen alfo künf-

menden kohlensauren Wasser aus ter fortlaufend etwas gesättigte cc gesetzt wird, so daß sich um die br

»löfung zu-

»enben Ge-

jedem Hahn uinsonst entnehmen dieser Maßnahme sind ungeheue gesehen davon, daß das Walser d»

gung zu,n ersten Verbraucher in einbläst In den Wasferleitungen ü

Don Prof. Dr. Kohlmach

Dekanntlich entsteht bei der Verb tung

an den Entstehungsorten, namentlich den gro­ßen Kraftwerken wie Golpa und C-

Den forderlichen Wirkung zu nehm sondere Borgügc hat das kohlensau» Lasker aber

von gewöhnlichem Wasser Es toi jedermann in her Lage sein, ohne teres Koh-

lich geeignet ist. bie Flammen zu

sind daraufhin schon Feuerspritzen c wickelt wor­den. bei denen dem aus der Wassc itum

Kohle CO2 Kohlensäure in ungeheu Mengen Diese Kohlensäure hat man bisher , ganz we­nigen Ausnahmen in die Luft ges t haupt­sächlich mit deshalb, weil sie eine enge an­derer Beimengungen enthielt, bie n ntlich bei unvollkommener Verbrennung entstn Rach- dem es nun ober gelungen ist. bie Trennung immer mehr zu vervollkommnen, innt man dabei bie Kohlensäure immer reiner furch Rei­nigung kann man bie nur noch gigen Bei­mengungen vollkommen entfernen, soß man bie Kohlensäure fast umsonst hat.

ßen Fabriken erfassen und sie burcpemlcitun- gen in die Städte leiten, dort will in sie dem Leitungswasser zusetzen, indem mc fie einfach in der Rähe der Pumpwerke vor r Adzwei-

genstände Seifenschaum bildet, dessc Blaken mit Kohlensäure gefüllt sind und die broenöen Ge­genstände so vollkommen von der Lu abschließen, |

Dieser Umstand hat nun einen:ohzügigen Plan reifen lassen Man will diese ohlenfäure

den Koh­lensäurezusatz entkeimt wird, ist ba; sinken von Selterswasser natürlich weit erfrisch >er als das

daß das Feuer in kürzester Frist an Sauerstoff­mangel erlischt.

Das sind nur einige Beispiele von den großen Borzügen des Zusatzes von Kohlensäure zum Leitungswasser. Beim Kochen entweicht Übrigens die Kohlensäure, so daß gekochte Speisen ebenso schmecken wie bisher.

Ein Wiener Mädchen schreibt an Bismarck.

Immer noch findet sich in den Archiven neues Material über Bismarck. Zu den interessantesten Dokumenten gehören die Kleinen Bismarcksunde", die soeben im Aprilhesl der Deut'chen Rundschau" ver­öffentlicht werden. Darin findet sich bei folgende Brief eines Wiener Bürger- rnädchens.

Ohne Datum Eingegangen am 16. Sept. 1870.

Lieber guter Herr Graf!

Zürnen Sie nicht meiner Kühnheit, daß ich es wage. Sr. Hochgeboren Herrn Gras zu schrei­ben: Sr Wohlgeboren werden überrascht fein, von fremder Hand einen Brief zu bekommen.

Ich bitte unterthänigst. guter Herr Graf, das Sie trachten soll, das bald Frieden schließen.

Ich bin ein armes Bürgerliches Wiener Mäd­chen. habe keine Freude, meine einzige Freude ist dahin.

Ich habe mich nämlich! ich bitte nicht böß zu sein, das ich meine Herzensangelegen­heiten mittheile. aber es geschieht mir etwas leichter, wenn ich jemand mittheilen kann! ich bitte nochmals S Hochtooh'geborn Herrn Graf nicht böß zu fein, ich habe mich nähmlich ihn einen jungen norddeut'chen Herrn verliebt Er ist auch bei der Armee welche jetzt nach Frank­reich ziehen, vielleicht ist Er Ihnen bekannt. Herr Gras. Er trägt schöne braunnette Locken, Er ist überhaupt ein schöner Mann

Herr Graf werden sich denken, daß er sich nicht ihn mich verlieben kann, wenn Er schön ist. und ich arm!! ich werde es ihm an Liebe und Treue ersetzen Wenn Frieden ist, kommt mein lieber Adolf wieder nach Wien. - Entschuldigen viellmahls Sr Hochgeboren Herrn Gras, es wird Ihnen selbst das Herz weh thucn. wenn Her» Graf sehen, wie die schönen jungen Herrn ihr

Geben einbühen müssen, bitte unterthänigst um Frieden!

Das wird ein Jammer und Elend werden. Da tch überzeugt bin Herr Gras, von ihren guten Herzen, so wahr ich so frei und belästigen Sie mit meinem schreiben; meinen Papa habe ich nichts getagt davon. Geben Sie Hochgcborn Herr Gras recht wohl.

Ihr ergebene treue Freundin

Marie.

Vor der Konditorei.

Von Dorothea Hoser-Oernburg.

9m Schaufenster der Konditoret steht ein mtnia- tnrkleiner Tiger mit weißem Backenbart, auf einer miniaturkleinen Weltkugel, und nickt Unbegreiflich, weshalb Er steht da, ganz allein, vom Licht der Straßenlaterne sanft beschienen, und taktiert mit dem Kops Hinter ihm der Verkaufsraum ist leer und dunkel Niemand ist da, der den kleinen Tiger ermuntert, niemand, der ihm zuschaut. Er sieht so einsam, so verlassen, unb so emsig aus Er blcckt die Zunge so traurig wild sein weißer Backenbart weht im selbsterzeugten Luftzug. Er nickt und nickt. Wenn er nur einhaltcn könnte

Konditoreien sind Tierfreunde. Ich habe schon surchtbar steife, kleine, weiße Häschen gekehen, oder kleine Ziegen, die ihre steil abgebrochenen Köpfe immerzu wackeln liehen, viele lange Stunden, bis sie ermattet stehenblieben, um wieder aufgezogen zu werden: denn diese Häschen mären bei weitem nicht so sortgeschritten wie der arme Tiger, der die ganze Nacht nickt und nickt

Ich entfinne mich auch, daß einmal, es war in Wien in einem kleinen Konfitürengeschäft in der Iosefstraße eine Kuh stand Sie war mit regelrech lern Fell überzogen und hatte nicht ganz die Größe eines neugeborenen Kalbes Sie nickte nicht nur, sie wackelte auch mit den Ohren und dem Schwanz und leckte sich zum Ueberfluß das Maul Sie war, olles in allem, ein Wunder der Technik

Dor diesem Schaufenster, das sehr eng und klein war, stand ich. mit einer Frau deren Name damals an allen Litfaßsäulen zu lesen war Er kündigte einen Dortrag an, den sie halten sollte, und der sie nicht wenig beunruhigteMir ist zumute, wie ein junge Mädchen, das auf chre erste Ball geht, das

fürchtet, nicht genug Tanz zu bekommen, und freut sich doch", fagte sie in ihrem zärtlich gebrochenen Deutsch, nach ihrer Weise alle Härten, selbst die einer Sprache mildernd, und strahlte.

Später, auf einer Fahrt durch die Stadt hinaus nach dem Koblenzl, zählt sie befriedigt alle Plakate, dabei spricht sie von ihrem ersten Vortrag 1911, als ihr berühmtes Buch erschienen war und alle Mensch­heit beunruhigte.Ich war so bekannt schließlich", sagte sie,daß ich nur noch im Dunkeln ausgin^. Aber es war grauenhaft zu sehen, wie in jede Buch- laden solche entsetzliche Karikaturen von mich kamen, und immer ein Äuge hier und ein Auge dort, und aus Nadelkissen und Fingerhüte überall war mein Bild. Oh, ich weinte so. wenn ich abends im Hotel kam."

Aber setzt stand sie, klein und rund, vor dem Schaufenster, mit ihrem Kindergesicht, das vom Zau­ber ihrer Person so leuchten kann wie ein Trans­parent Sie stand und drückte sich fast die Nase platt an der Scheibe, um zu sehen, ob diese Kuh etwa lebendig wäre, eine echte Zivergkuh vielleicht, aus dem Wienerwald, ein unseliges, gemartertes Vieh, das ein gewissenloserSchjuft" abgerichtet habe, hier steif in dem tagen Fenster zu stehen, eine papierne Alpenlandschaft hinter sich und Prachtbonbonnieren zur Weide? Abgerichtet mit dem Kopfe, den Ohren und dem Schwänze zu wackeln, ganz wider gött­liches und natürliches Recht-'

Die berühmte Dichterin stand ba und schüttelte immer wieder trostlos den Kopf Am liebsten wäre sie, die eine so leidenschaftliche Verfechterin der stummen und leidenden Kreatur »var, bis über die Augen in ihren gelben Pelz verkrochen:Aber, das ist entsetzlich", klagte sie,grauenhaft, furchtbar'"

Das war Karin Michaelis. Ich dachte, wie­viel Schreckliches vom Menschen muß sie wissen, um so für eine Schaufensterkuh zu leiden

Ader dann ging sie hinein in den unheimlichen Laden und kaufte sehr viele Bonbons für sehr viele Kinder und sehr viele junge Mädchen.

Oochschulnacbnchten.

Der durch die Emeritierung des Geh. Medi­zinalrats Prof Otto Tilmann an dec Univer­sität Köln erledigte Gehrstuhl der Chirurgie ist den» ordentlichen Professor Hofrat Dr. Hans von Haberer an der Medizinischen Aka­demie in Düsseldorf angeboten worden.