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Oie Volkspartei unter fchärsstem Druck.

Bleiben bie Minister sest?

Berlin, 1. März. (TU.) Die Hauptschwie- rigkeit für die Einigung über die Deckungs- Vorlage liegt augenblicklich in dem Kampf um das Notopfer, dos nach wie vor von der Deut­schen Dolkspartei abgelehnt wird. DieGer­mania" schreibt, der Widerstand der Volks- Partei gegen die Lösung,sei der kritische Punkt, an dem in kürzester Zeit die Ent­scheidung fallen müsse. Die Lage, wie sie sich auf Grund der Beratungen des Kaoinetts her­ausgebildet habe, sei jedenfalls zu dieser Ent­scheidung reif. Die Deutsche Bolkspartei, die sich heute noch in den maßgebenden Partei­instanzen über ihre Haltung schlüssig werden wolle, werde sich die ernste _ Frage vorlegen müssen, ob die so dringliche Klärung und Sicher­stellung unserer Finanzpolitik an chrem Wider­stand scheitern solle, und zwar an dem Wider- stand in einer Frage, deren Lösung im Rahmen des gesamten Finanzprogramms wirklich keine erstrangige Bedeutung habe.

DieD.A.3 weist darauf hin, daß jetzt von allen Seitenein Druck aufdieDeut- schevolkspartei ausgeübt werde. Die Aus­einandersetzungen im Kabinett ständen, wie schon während der ganzen letzten Feit unter dem Zeichen stärksten gewerkschaftli­chen Druckes. Die gewerkschaftlichen Grup­pen in den Linksparteien und im Zentrum lie­hen von ihrer Forderung, die Arbeitslosenversi­cherung nicht von innen heraus zu sa­nieren, sondern durch Zuschüsse, und zwar durch eine Sonderabgabe der Festbesoldeten zu retten, unter keinen Umständen ab. Sie gingen im engsten Einvernehmen vor und liehen ihr politisches Ziel, die Ausschaltung der D. 13. p., immer deutlicher in Erscheinung treten, wie das Blatt weiter erfährt, fei im Laufe des Freitags auf die Deutsche Bolkspartei dahin ein- gewirkt worden, daß es im Sinne einer sehr hohen Persönlichkeit des Reiches nach dem Berliner Tageblatt Reichspräsident von Hindenburg liege, wenn die strittige Frage des Zuschuhbedarfs der Arbeitslosenver­sicherung durch das Rotopferprojekt gelöst würde, von den am Zustandekommen dieses Projekts beteiligten Seiten sei schon seit ringen Tagen behauptet worden, disse Stelle habe sich gesprächsweise zugunsten des Rot­opfers geäußert.

DieBosfische Zeitung" weist darauf hin, daß sich auf eine Mtion des Reichspräsi­denten über die näheres nichts bekannt sei, die Hoffnungen gründeten, daß trotz der bisher scharf ablehnenden Haltung der DVP. im Kgbinett doch ein Kompromiß für die Arbeitslosenver­sicherung und die direkte Abgabe zustandekomme. DieDörsenzeitung" schreibt, noch seien die volksparteilichen Minister im Kabinett fest­geblieben. Aber sie bedürfen, wenn sie dem zwei­fellos außerordentlich starken Druck weiter stand­halten sollten, einer deckenden und richtweisenden Ermunterung durch die Partei. Das Blatt hofft, daß sich die Herren Curttus und Moldenhauer zu keinen Zugeständnissen bewegen ließen, für die sie nachher von ihrer Frak­tion desauviert werden müßten, ja, daß sie überhaupt keine Vereinbarung nach irgend­einer Richtung ohnevorherigeneue Füh­lungnahme mit der Fraktion eingingen.

Das Reformprogramm des Lutherbundes.

DieSicherung einer einheitlichen politischen Führung.

Berlin, 28. Febr. (WTB.) Der Bund zur Erneuerung des Reiches hielt seine Generalver­sammlung ab, an der aus allen Teilen des Reiches zahlreiche Führer politischer und wirt­schaftlicher Organisationen und hervorragende Vertreter der Wissenschaften teilnahmen. Der Jahresversammlung lag eine Reihe von Leit­sätzen zur Reichsreform vor, die als das we­sentlichste Ziel jeder Reform der deutschen Staatsorganisation die Sicherung einer einheitlichen politischen Führung bezeichnen, die besonders bei krisenhaften Zeiten wirtschaftlicher Bedrängnis den wirksamsten Schuh gegen ernste staatspolitische Gefahren bilde. Erste Voraussetzung jeder Staatsreform sei die Ver­einigung der Staatsgewalt des Reichesmit de r S t a a t s ge w a l tP r e u - ßens als der deutschen Teilgroßmacht. Reben der verfassungsmäßigen Zuständigkeit des Reichs­tages, der zu den letzten Entscheidungen berufen sei, bedürfe es innerhalb des Organismus des Reiches der stärkeren Belebung der an­deren verfassungsmäßigen Kräfte. Von größter Bedeutung sei zunächst die Wirk- sammachung der in der Reichsverfassung vorge­sehenen Rechte des Reichspräsidenten als des deutschen Staatsoberhauptes. Von gleich gro­ßer Bedeutung sei die Aktivierung des Reichsrates unb seine Umbildung zu einem nicht nur die regionale Gliederung des Rei­ches widerspiegelnden Organs, das neben dem rein zahlenmäßigen Ausdruck, den das Volk im Reichstag gefunden hat, auch die organische Glie­derung des Volkes in Berufs stände und andere Leben.'zweige zum Ausdruck bringt. Die Mitgliederversammlung hat diese Richtlinien ein­stimmig gebilligt.

Oie Führer der grünen Front beim Re chskanzler.

Berlin, 28. Febr. (TU.) Der Reichskanz ° l e r empfing am Freitag in Gegenwart des Reichs- Ministers für Ernährung und Landwirtschaft, Diet­rich, die Führer der landwirtschaftlichen Spitzen- organisationen, Präsident Brandes, die Reichs­minister a. D. Schiele und Hermes und den bayerischen Landwirtschaftsminister Fehr. Ihrem, in eingehenden Darlegungen begründeten Wunsche entsprechend wird der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft alsbald einen engen Kreis landwirtschaftlicher Führer zu einer Be­sprechung einberufen, in der beschleunigte, umfas­sende und durchgreifende Maßnahmen zur Stüt­zung des Marktes l a n d w i r t f ch a f t - licher Produkte und zur Sicherung der gefährdeten landwirtschaftlichen Er- Zeugung oorgeschlagcn und geprüft werden sollen.

Oie Annahme der tzoung-Gesehe in den Reichstagsausschüffen.

Zentrum und Bayrische Bolkspartei enthalten sich der Stimme.

Berlin, 28. Febr. (D.D.Z^) In der heutigen Sitzung der vereinigten Reichstagsaus­schüsse waren nach dem gestrigen Abschluß der Aussprache über die Hounggesetze nur noch die Ab - ft i m m u n g e n oorzunehmen. Vor der Abstim­mung erklärte

Abg. Or. Brüning (3 ):

Die Zentrumspartei hat schon früher ihre Stel­lungnahme mehrfach dahin ausgesprochen, daß für sie die Sanierung der K a s s o n l a g e und da­mit die Sicherung unserer Finanzpoli­tik für die Zukunft ein integrierender Be­standteil der zur Zeit zur Entscheidung stehenden Fragen darstellen. Sie erkennt dankbar an, daß der Reichskanzler in Zusammenarbeit mit dem Kabinett Schritte zur Erreichung dieses Zieles eingeleitet hat, und die Zentrumsfraktion hofft, daß sie bis z n r dritten Lesung z u einem tragbaren Grgebni s führen werden. Bei aller Anerken­nung dieser Bemühungen kann die Zentrumspartei nicht verkennen, daß im Augenblick bei der Abstim­mung her vereinigten Ausschüsse, die jetzt angesetzt ist, diese Arbeiten noch nicht zu einem ge­sicherten Ergebnis geführt haben. Un­ter diesen Umständen sieht sich die Zentrumsfraktion gezwungen, sich bei der positiven Abstimmung der Stimme zu enthalten. (Bravo-Rufe rechts, Hört-Hört-Rufe links.)

Abg. Leicht (BDP.): Da wichtige politische Fra­gen uns nicht genügend geklärt erscheinen, wird sich die Bayrische Volkspartei im Augenblick der Stimme enthalten.

Rach Ablehnung aller Aenderungsanträge wird Artikel I des Houngplanes mit 29 Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und der Deut­schen Volkspartei gegen 23 Stimmen der Deutsch-

nationalen, Kommunisten, Wirkschastspartei und Ehristlch-Rallonalen bei Slimmeothal- lung des Zentrums und der Bayri­schen Volkspartei (zusammen 11 Stim­men) angenommen. Mit demselben Slimmver- hältnis wird der Rest des Houngplans ange­nommen.

Die Liquidationsabkommen werden mit 28 gegen 24 Stimmen angenommen, weil in diesem Falle Abg. Dr. Schnee (D. B.) mit der Opposition gegen die Abkomm^n ge­stimmt hat. Angenommen wurde ferner mit 34 gegen 27 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten ein Antrag, wonach Reichs- angehörige, die durch die deutsch-polnische Tlebereinkunft einen unmittelbaren Ver­mögensnachteil erleiden, e'.ne angemes­sene Entschädigung erhalten sollen. Die Entschädigung soll nicht geringer sein als diejenige, die der deutsch-polnische Gemischte Schiedsgerichtshof oder der Haager Schieds­gerichtshof voraussichtlich festgestellt haben würde. Die Entschädigung soll verzinslich sein und ins Reichsschuldbuch einge­tragen werden. 3n der Entschließung soll die Regierung ersucht werden, bei der Durchführung des KriegsschädenschlußgesetzeZ gemachte Er­sparnisse für die Liquidations - und Gewaltgeschädigten zu verwenden und den aus Polen verdrängten Landwirten für ihre Betriebe in Deutschland sofort Vor­schüsse auf die künftige Schluß en tschädigung zu zahlen, sowie den verdrängten Handwerkern, Gewerbetreibenden und kleinen Industriellen Kre­dite zu gewähren. Auch der Rest der Gesamt­vorlage wurde angenommen.

Verlängerung der Mieier- schutzgesetze.

Annahme der Autzichutzanträge im Reichstag.

Berlin, 28. Febr. (DDZ.) Auf der Tages­ordnung des Reichstags steht die zweite Bera­tung der Vorlagen zur Verlängerung der Mieter- schutzgesehe.

Abg. Lucke (WP.) begrüßt es, daß derWoh- nungsausschuß die Geltungsdauer der Gesetze statt bis zum 30. Juni 1932 nur b i s zum 3 0. Juni 19 31 verlängern will. Er be­dauert jedoch, daß es nicht gelungen sei, wei­tere Lockerungen der Wohnungszwangs­wirtschaft durchzusetzen. Mit der Zwangswirt­schaft müsse endlich Schluß gemacht werden. Die Wirlschaftspartei beantrage die weitereVer- k ü r z u n g der Geltungsdauer der Gesetze bis zum 30. September 1930.

Abg. Dr. Steininger (Dntl.) begründet einen Antrag seiner Freunde, die Mieterschutz- gesehe nur bis zum 3 0. September 1 9 3 0 zu verlängern und die Schuhbestimmungen nicht anzuwenden auf die Mietverträge, die über freigewordene oder freiwerdende Räume nach dem 1. April 1930 abgeschlossen werden

Abgwrdne e Frau Dr. He r t w i g -B ü n g e r (D. Dp.) erklärt, die Volk.Partei werde dem An­trag der Wirtschaftspartei zu st im men.

Abg. Dr. Külz (Dem.) bekämpft die An­träge der Wirtschaftspartei und der Deutsch­nationalen

Damit schließt die Aussprache. Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten auf Ver­längerung des Mieterschutzes bis zum 30. Juni 1932 werden mit 168 gegen 142 Stimmen ab- gelehnt. Der Antrag der Wirtschaftspartei und der Deutschnationalen, der den Mieterschutz am 30. September 1930 außer Kraft sehen will, wird in namentlicher Abstimmung mit 250 gegen 112 Stimmen abgelehnt. Dafür haben mit den Antragstellern auch die Deutsche Volkspartei, die Christlichnationalen und die Deutsche Bauern­partei gestimmt. Darauf wird der Ausschuh- antrag in zweiter und dritter Lesung ange­nommen, der die Geltungsdauer bis zum 30. 3 uni 19 31 verlängert. Der Teil des Antrags Dr. Steiniger (Dn.), der die Miet­verträge nach dem 1. April 1930 betrifft, wird dem Wohnungsausfchuß überwiesen.

Cs folgt die erste Beratung des Rach- t r a g s e t a t s für 1929. Abg. Schmidt, Stettin (Dn.) kritisiert die Rachforderungen an Mitteln zur Förderung republiktreuer Organi­sationen. Die Rachforderungen bei den verschie­denen Etats zeigten deutlich, in wie wenig sorg­fältiger Weise bei der Ausstellung des Etats verfahren worden ist. Der Rachtcagsetat geht an den Haushaltsausschuh. ?

Das Haus vertagt sich auf den 6. März.

Schwierige Lage in Spanien

Nach der Ncdc Lanchez Guerras.

London, 28. Febr. (TLl.) Rach Madrider Meldungen hat Ministerpräsident Bereu guer sein indirektes Bedauern ü5er die Rede San - chez Euer ras erklärt. Der Führer der Li­beralen, Graf Romanones, wies darauf hin, daß die Erklärungen Guerras wegen der direkten Hinweise' auf die Stellung des Königs sehr bedeutsame Rückwirkungen haben müß­ten. Außerdem habe sich gezeigt, daß der größte Teil der Oeffentlichkeit republikanisch ein­gestellt sei. Die Radikalen der gemäßigten Rich­tung haben sich mit der Rede Guerras ein­verstanden erklärt, während die Extremisten sie als nicht weitgehend genug bezeich­nen. Es besteht kaum ein Zweifel, daß eine große Anzahl der Konservativen mit Guerra völlig überein stimmt. Die Stellung der Re­gierung ist außerordentlich schwie­rig. Vorläufig hat sie aus den feindlichen Kundgebungen gegen die Regierung wie gegen den König die Folgerung gezogen, die in Aus­sicht genommene Rückkehr zu den früheren ver­fassungsmäßigen Verhältnissen wesentlich später erfolgen soll, als ursprünglich geplant war. Der Innenminister ist ermächtigt worden, geeignete Maßnahmen zu treffen, um weitere Ruhestörungen in Madrid und den anderen großen Städten deS Landes zu vermeiden. Ver­sammlungen und Kundgebungen werden ver­

boten. Mit der Abhaltung von Parlaments- Wahlen ist auf Grund der letzten Entwicklung nicht sobald zu rechnen. In Kreisen außerhalb der Regierung nimmt man an, daß die Ent­scheidung über die weitere innerpolitische Ent­wicklung in Spanien im Herbst fallen wird.

Neue Spaltung der Kommunisten.

Berlin, 28. Febr. (ERB.) Die beiden kom­munistischen Berliner Stadträte Leh und Land­tagsabgeordneter R a d d a tz , die in ihren Aem- tern von der Aufsichtsbehörde betätigt wur­den, weil sie das Versprechen positiver Mitarbeit abgaben, wenden sich zusammen mit 60 anderen kommuni st ischenPar- teifunktionären in einem Aufruf gegen die Zentrale der K.P.D. Die K.P.D. habe eine deutliche Schwenkung vollzogen, die nicht mehr der Stärkung der Arbeiterschaft, son­dern lediglich dem agitatorischen Be­dürfnis der Gruppe um Stalin diene, die auch die russische Partei völlig beherrsche. Verantwortungsbewußte Parteimitglieder wür­den oft gegen ihren Willen gezwungen, sich in nutzlosen Kämpfen herauszustellen. In der Par­teileitung selbst gebe es nur Cliquen. Der Aufruf schließt mit den Worten: Wir wissen, daß ein großer Teil der langjährigen Funktio­näre und Mitglieder der K. P. D. unsere An­sicht teilt. Wir fordern alle Gleichgesinnten auf, den Zwang einer ungesunden Parteidisziplin zu brechen und Üjre Meinung offen bei jeder Gele­genheit zu vertreten.

Oie evangelische Kirche in der Sowjetunion.

K o w n o, 28. Fcbr. (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, ist der Versuch der Sowjetregie- tung, bie Vertret er der evangeli­schen Kirche zu bewegen, mit einer Erklärung gegen den Aufruf de s Papstes vor die Oeffentlichkeit zu treten und die Kirch:npolitik der Sowjetunion in Schutz zu nehmen, als miß­lungen anzuzehen. Die Vertreter der evangeli­schen Kirche, vor allem der Bischof Malm- g r e e n, der besonders in Leningrad großes An­sehen genießt, haben es abgelehnt, irgend­welche Erklärungen zugunsten der Sowjetregie­rung wegen ihrer Kirchenpolitik aozugeben. Malmgreen steht vielmehr auf dem Standpunkt, daß sich die bisherige Kirchenpolitik Moskaus nicht nur gegen jegliches Glaubensbe­kenntnis richte, sondern sich auch gegen jede Zivilisation und Kultur wende. Bischof Malmgreen ist besonders bei der deut­schen Kolonie in Leningrad beliebt und spielte eine hervorragende Rolle bei dein Wiederauf­bau des evangelischen Gemeindelebens in der Sowjetunion. Wie weiter gemeldet wird, be­treiben die Gottlosen-Verbände der Sowjetunion eine Hetze gegen den Bischof Malmgre en mit dem Ziele, feine Entfer­nung aus Leningrad durchzusetzen.

Ungarn huldigt dem Reichsverweser.

Budapest, 28. Febr. (TU.) Am Freitagnach­mittag zog eine vieltausendköpfige Menschenmenge in die Ofener Hofburg, um A d in i r a l v. Horthy anläßl ch seines 10jährigen Jubiläums als Reichs- Verweser Huldigungen darzubringen. Auf die An­sprache eines Redners erwiderte der Reichsverweser, daß die letzten zehn Jahre viele Leiden und manche Enttäuschungen gebracht hätten. Die Ungarn müßten aber mit eisernemPflicht- gesühl, mit Eifer und mit Ausdauer barangehen, die alltägliche Arbeit auszuführen. Man habe keinen Grund, an der Lebenskraft der Ration zu zweifeln. Dem Reichsoerweser wurden dann große Ovationen bereitet. Abends erschien der A m n e st i e e r l a ß des Justizministers, wonach hauptsächlich Strafen wegen kleinerer politischer Ver­gehen erlassen werden.

Vor neuen Kämpfen in China.

Paris, 28. Febr. (WB.) Haoas meldet aus Schanghai, daß man bald mit dem A u s b r u ch von bewaffneten Konflikten in China rechne. Die hauptsächlich Dschiangkoischek feindlich gesinnten Mil.tärführer hätten ein offe­nes Bündnis abgeschlossen, so namentlich Den- fong und die Führer der Kwangsiprooinz, die alle für einen liberalen Föderalismus seien, während Dschiangkaischek mit Gewalt für die

Vereinheitlichung eintrete. Dschiangkaischek soll mit Hilfe von 50 deutschen Instrukteuren ein M u st e r h e e r zusammengestellt haben, um seine Rivalen, einen nach dem andern, zu schlagen. Man habe den Eindruck, daß eine Offensive unternommen werde: aber die Gegner von Nanking kündigten auch ihrerseits einen Angriff an.

Einigung in Santo Domingo.

Santo Domingo, 28. Febr. (WTB.) Der amerikanische Gesandte teilt mit, daß ein Waf­fenstillstand zwischen den feindlichen Par­teien abgeschlossen und daß die Grundlage eines dauernden Einvernehmens gefunden sei. Präsi­dent Vasquez hat. ein Dekret unterzeichnet, durch das Raffael Estrella Urena, einer der Führer der aufständischen Bewegung, zum Mi­nister des Innern und stellvertretenden Präsidenten ernannt wird. Vasquez hat ferner die Rationalversammlung um die Erlaubnis er­sucht, aus Gesundheitsrücksichten ins Ausland reifen zu dürfen. Die Landesver­fassung sieht vor, daß in Abwesenheit -des Präsi­denten der Minister des Innern das Präsident- fchaftsamt übernimmt. Urena war 1926 Iust'.z- und Unterricktsminister und wurde später zum Gesandten in Frankreich ernannt

Aufruhr in Guadeloupe.

Paris, 28. Febr. (Tel.-Un.) Die Spannung, die seit längerer Zeit in der französischen Ko­lonie Guadeloupe zwischen den Besitzern der Zuckerrohrpflanzungen und Arbeitern wegen an­geblich ungenügender Löhne herrschte und zahlreiche Arbeitseinstellungen zur Folge hatte, ist nunmehr in eine offene Aufstandsbeweg ung aus­geartet. Nach den in Paris eingetroffenen Meldun­gen haben die streitenden Arbeiter, obwohl ihnen kurz vorher eine Lohnerhöhung bewil­ligt worden war, am 25. Februar einen Polizei­posten angegriffen, der zum Schutze einer Zucker­fabrik aufgestellt war. Zwei Polizisten und ein Sol­dat wurden dabei schwer verletzt. In der Not­wehr feuerte die Polizei auf die angreifende Menge und tötete einen Arbeiter. Mehrere andere Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. Die Pariser Presse ist der Ansicht, daß die kommunistische Wer­betätigkeit in den übrigen französischen Kolo­nien nunmehr auch in Guadeloupe zu offenen Gewalttaten schreiten.

Berliner Börse.

Berlin, 1. März. (WTB. Funkspruch.) 3n Ermangelung jeglicher Anregung lag der heutige Frühverkehr völlig umsatzlos. In den Dank- bureaus waren keine Kurse zu erfahren, da bis jetzt weder Kauf- noch Verkaufslimite vorliegen. Auch die Spekulation übt stärkste Zurückhaltung und will die Entwickelung der politischen Situa­tion abwarten, bevor sie sich zu Reuengagements entschließt. Am Devisenmarkt nannte man Lon­don gegen Paris 124,30, London gegen Mailand 92,75, London gegen Spanien etwa 40,00, London gegen Buenos 42,30, London gegen Kabel 4,8600, London gegen Berlin etwa 20,37, Kabel gegen Berlin 4,1915 bis 4,1920.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Deutschland liegt mitten im Bereich des hohen Druckes, welcher sich von den britschen Inseln bis über Polen erstreckt. Die hergestellte Hochdruckwetter­lage hält vorläufig an, so daß im wesentlichen trockenes und tagsüber heiteres Wetter zu erwarten ist. Nachts erreichen die Temperaturen immer noch den Gefrierpunkt und überschreiten ihn stellenweise etwas.

Wettervoraussage für Sonntag. Trocken, stellenweise nebelig, auch leicht wollig, sonst heiter, Temperaturen nachts um Rull und etwas darunter.

Witterungsaussichten für Mon- t a g. Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 28. Februar: mittags 10 Grad Celsius, abends 4,2 Grad: am 1. März: mor­gens 1,2 Grad. Maximum 10 Grad, Minimum 0,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Februar: abends 4,4 Grad: am 1. März: mor­gens 1,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer fünf Stunden.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodskopf: Klar, 2 Grad, 10 cm Schnee, verharscht, Sportmvz- lichkeit nur stellenweise vorhanden.

Sauerland. Winterberg: Klar, 0 Grad, durchbrochene Schneedecke, Sportmög­lichkeit nur stellenweise vorhanden.

Schwarzwald. Feldberg. Klar, 3Gr.. 98 cm Schnee, gekörnt, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.

Alpen. Garmisch ° Partenkirchen: Nebel, 4 Grad, geringe Schneedecke, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.