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Protest der Stadt Lich gegen eine Aufhebung -es Licher Amtsgerichts.

D L i ch, 28. Febr. Der Gemeinderat un­serer Stadt versammelte sich unter dem Dorsitz des Bürgermeisters Geil am Dienstag au einer wichtigen Sitzung, in der man sich vor allem mit den Plänen der Regierung zur Aufhebung von Lokalbehörden beschäftigte. Bürger­meister Dr. Geil wies darauf hin, daß insbe­sondere das Amtsgericht L i ch von der Auf­hebung bedroht sei und kein Schritt unversucht bleiben dürfe, der geeignet erscheine, diesen Ab­bau in unserer Stadt zu verhindern. Rach län­gerer Aussprache nahm der Gemeinderat ein- stimmig die nachstehende Entschließung an. die den zuständigen Stellen übermittelt wer­den soll:

Dem Bernehmen nach soll im Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen der Hessischen Regie­rung auf Grund des Gutachtens des Reichsspar- kvmmissars in Erwägung gezogen werden, evtl, das Amtsgericht L i ch aufzuheben. Ge­meinderat und Verwaltung der Stadt Lich legen gegen ein solches Vorhaben, wenn es tatsächlich beabsichtigt fein sollte, allerschärf st e Ver­wahrung ein.

Sn der Aufhebung des Amtsgerichts Lich kann von uns eine vernünftige, wirkliche Sparmaßnahme nicht crb.idt werden. Das Amtsgericht Lich ist kein st a a t l i ch e r Zu­schußbetrieb. Die Einnahmen an Stempeln, Gebühren und Gerichtslosten übersteigen die Auf­wendungen für das Amtsgericht bei weitem. . Selbst wenn aber durch das Zusammenlegen des |

Amtsgerichts mit einem anderen Gericht für den Staat noch ein kleiner Rutzen erzielt werden tonnte, so steht die damit evtl, bezweckte Er­leichterung des Steuerzahlers im Land in gar keinem Verhältnis zu dem Schaden, den man mit dem Abbau des Amtsgerichts der Stadt Lich und den örtlichen Steuerzahlern zu­fügen wurde. Die Stadt Lich, die früher wirt­schaftlicher Mittelpunkt der umliegenden Gemein­den war, hat seit Kriegsende chre Bedeutung als Musterungsort, sie hat die früher hier be- stehende Dezirkskasse und das Vorseminar ver­loren. Sie besitzt im Gegensatz zu anderen um­liegenden kleineren Städten keine höheren Schu­len, kein Finanzamt und kein Notariat. Wir kön­nen nicht glauben, daß Regierung und Landtag so kurzsichtig sein werden und um scheinbarer augenblicklicher kleiner Vorteile willen durch Wegnahme des Amtsgerichts die Stadt zu immer größerer Bedeutung slosig- keit verurteilen und damit dem Wirtschaftsleben derselben einen Schlag versetzen wollen, von dem sie sich in absehbarer Zeit nicht mehr erholen kann, und der durch Schädigung der Steuerkraft der Bürger se.bstverständlich auch wieder naturnotwendig auf die Finanzen des Staates zurückwirken mutz."

(Der vorstehenden Entschließung ist eine län­gere Begründung beigegeben, deren Wiedergabe wir aus Mangel an Raum für heute zurück­stellen müssen. Wir werden darüber noch be­richten. D. Red.)

Die WorteZu spät" können auch dann nicht unsere Seelen aufwühlen, wenn wir erkennen müssen, daß wir Menschen einem harten Schick­salsschlage ohnmächtig gegen über stehen. Wohl dem, der die Grenzen, die uns auf Erden gezogen sind, richtig abschätzen kann und der gelernt hat, sich zu bescheiden und sich einer höheren Macht zu beugen. Er wird nie an Gott und der Welt ver­zweifeln, auch we in Leid und Trauer ihn zu erdrük ten scheinen. SolcheLebens.unst ist wohl schwer, aber sie birgt auch ihren Lohn in sich selbst. Was hülfe es dem Menschen, wenn er seinem Schmerz noch eine verzweiflungsvolle Tat hinzufügte? Sn sich selbst gefestigt, muh er dem Schicksal zeigen, datz er sich nicht zerschmettern läßt. Wenn dein liebster Freund, das einzige Kind vom unerbitt­lichen Tode hinweggerafft wird, dann denke an die Worte Storms:

Begrabe nur dein Liebstes! Dennoch gilts nun weiterleben: und im Drange des Tages, dein Sch behauptend, stehst du wieder da... Grausam, aufwühlend und immer wieder neue Wunden reitzend werden erst dann die WorteZu spät!", wenn wir uns selber die Schuld an einem Unglück zuschreiben müssen, wenn unser Gewissen täglich von neuem mahnt und spricht: Warum kamst du zu spät?" Da ist ein Geschäfts­mann auf Reisen und bekommt einen Eilbrief. Eines seiner Angehörigen ist sehr krank und wünscht ihn zu sprechen. Er soll sofort zurück- kommen. Doch eine wichtige Verhandlung, von der sich der Kaufmann so viel verspricht, ist noch im Gange. Er verschiebt die Rückreise um einen Tag, und als er zu Hause ankommt, muh er hören, dah es zu spät ist. Der Tod war vor ihm da ...

Und wie ist es mit den Eltern, die ihr Kind in falschem Ehrgeiz anstacheln, ja zwingen, fast Un­mögliches zu leisten, nur damit es dereinst etwas Besseres" als sie wird? Mit Mühe und Not wer­den die Felsen der Examen umschifft. Welche Aengste muß das Kind ausstehen, welche Dorwürfe regnen auf es nieder! Und von neuem beißt es die Zähne aufeinander und arbeitet Tag und Nacht... Bis dann der Zusammenbruch kommt, bis der Arzt feft= stellt: Durch eure Unvernunft sind seine Nerven, ist fein Körper schwer getroffen worden. Sa, diesen El­tern gilt dann das grausame Wort: Zu spät! Zu pät sehen sie ein, welch' falschen Weg sie gegangen ind! An Stelle der frohen, sonnigen Jugend gaben ie ihrem Kinde Tadel und Vorwürfe, weil sie glaub­ten, es wolle nicht. Ihr Eltern, hütet euch und eure Kinder, daß ihr nicht sagen müßt: Zu spät!

Noch eins: Auch dem Winter 1930 können wir bas WortZu spät!" nicht ersparen. In den letzten

Februartagen kam er noch mit eisigem Wind und auf den Höhen auch mit anhaltendem Schnee­gestöber. Die Frühlingsblumen lugen doch schon aus der Erde, und wir Menschen hatten uns so eingestellt und uns gefreut, daß dieses Jahr alles so gnädig vorübergegangen war-, denn die grimmige Kälte vorn letzten Winter liegt noch wie eine Last auf uns. Ende Februar ist ein Winter fchon ein recht kleiner Mann. Seine Gegnerin, die Sonne, hat soviel Macht gewonnen, daß er kaum noch auf­kommen kann. Und so wird auch er unbedingt er­kennen müssen: ,^Zu spät!" R. O.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Fröbel-Seminar: Ausstellung von Schülerarbei-- ten vom 1. bis 3. März, 11 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, Gartenstrahe 30. Artillerie-Verein: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, im Dereins- lokal. GesangvereinHeiterkeit": Masken­ball, 20.11 ilfjr, Liebigshöhe. - D. H. D.: Mas­kenball. Casb Leib. Dauerscher Gesangverein e. V.. Maskenball, 7.59 Uhr, in den Räumen des GeseNschaftsvercins.§ Lichtspielhaus DaHn- hosstratze:Der moderne Casanova" (mit Härrh Liedtke) undSymphonie der Liebe". Astoria- Lichtspiele:Das Rätsel der Kriminalistik", 1. und 2. Teil.

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater:Weekend im Paradies", 18 bis 20 Uhr. Evangelischer Bund: Familienabend, 20 Uhr, in der Sohanneskirche. Oefsentliche Vorträge über Physiologie: Die Funktion des Nervensystems, 11.30 Uhr, Physiolog. Institut. Eisenbahn-Verein: Generalversammlung^ 14.30 Uhr, Kath. Vereinshaus. Kutscher-Verein Gießen: Maskenball, 19.31 Uhr, Cafe Leib. Turnverein von 1846: Karnevalistisck^s Konzert, 16.11 Uhr, Turnhalle (Steinstraße). Licht­spielhaus Bahnhofstraße eDer moderne Casa­nova" (mit Harry Liedtke- undSymphonie der Liebe". Astoria-Lichtspiele:Das Rätsel der Kriminalistik", 1. und 2. Teil.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sn der morgigen Premiere Weekend im Paradies" hat Heinrich Hub die Hauptrolle des Dittchen. Hub ist gleichzeitig Regisseur des Schwankes. Es spielen ferner mit die Damen Doering, Sahn, Mewes, Süngling, Scherer, Koch und die Herren Arzdorf, Fassott, Dommisch, Linkmann, Haeser, Heitzig, Volck, Wah­len, Wesener, Ritter. Bühnenbilder Karl Löff­ler. Am Mittwoch, 5. März, erstes Gastspiel von Auguste Prasch-Grevenberg in Maughams Die heilige Flamme". Frau Prasch-Grevenberg spielt die Rolle der Mutter. Maugham ist der

Autor vonFinden Sie. daß Constance sich richtig verhält?" Spielleitung hat Peter Fassott.

Evangelischer Bund. Man schreibt uns: Der Zweigoerein des Evangelischen Bundes macht Mitglieder und Freunde seiner Bestrebungen noch­mals auf den am Sonntag. 20 Uhr, in der Jo- hanneskirche stattfindenden Familienabend aufmerk­sam. Der Vortrag von Frau Lejeune (Eisenach) behandelt das Thema:Freude als Quelle der Kraft" Den gesanglichen Teil bestreitet Fräulein Buchhold (Nieder-Eschbach), Begleitung und Orgelspiel Lehrer Habicht. In einer Nachver­sammlung im Konfirmandensaal wird Frau Le­se u n e voraussichtlich noch über die von ihr ge­gründete und geleitete ,Heimglück"-Bewegung spre­chen.

Universitätspersonalie. Sn den Ruhestand versetzt wurde der ordentliche Pro­fessor an der Landesuniversität Dr. Ludwig Schlesinger auf sein Nachsuchen mit Wir­kung vom 1. April ab.

Roggenbrot ist gesünder alsWeizenbrot!

L. U. Don der Landes-Universität. Die Medizinische Fakultät unserer Landes-Uni­versität hat dem Assistenzarzt an der Chirur­gischen Klinik, Dr. Friedrich Dernha r d, die venia legendi für das Fach der Chirurgie, und dem Assistenzarzt an der Medizinischen Kli­nik, Dr. Hans Edwin Büttner, die venia legendi für das Fach der Snneren Medizin er­teilt

Straßensperre. Wegen Ausführung von Kanal sationsarbeiten wird die Provinzial^ strahe Ortsdurchfahrt Babenhausen II vom kommenden Montag ab für jeglichen Verkehr ge­sperrt. Die Verkehrs Umleitung erfolgt über Ober- Seibertenrod Ruppertenrod, bzw. Sellnrod Groß-Eichen.

* Lohntarifkündigung im Bau­gewerbe. Die Ar bei tgeb. r-Derbände für das Baugewerbe haben, wie man uns mitteilt, die feit einem Sabre gültigen Bauarbeiterlöhne mit Rücksicht auf die schlechte wirtschaftliche Lage zum 31. März d. S. für das ganze Reich gekündigt.

* G ietzener Sndustriearbeit bet auswärtigen Da uten. Zu dem vor eini­gen Tagen gebrachten Bericht über die Ein­weihung des neuen Hallenschwimmbades in Mar­burg wird uns von der Firma H. Schaff- ftaeöt G. m. b. H. in Gießen mitgeteilt, dah die gesamte heiz- und maschinentechnische An­lage des Marburger Schwimmbades von der Firma H. Schaffstaedt G. m. b. H. geliefert und eingebaut worden ist.

** D i e erste Zuchtviehversteigerung des Landwirtschastskammer-Ausschusses für die Pro­vinz Oberhessen in diesem Jahre findet in Butz- b a ch am Mittwoch, 12. März einen Tag vor dem bekannten Butzbacher Faselmarkt, statt. Zur Ver­steigerung sind rund 60 Bullen des hessischen Fleck­viehs, davon einige Leistungsbullen, ferner 15 Eber des veredelten Landschweins und 12 Edelschweineber gemeldet. Man beachte die heutige Anzeige.

(weitere Lokalnachrichten im 3. Blatt)

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 15 vom 28. Februar enthält: Straßensperre: Die Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Ge­bietstellen: Turn- und Schwimmlehrerprüfung 1930, Dienstnachrichten.

Wenn Schmerzen.......

Togal-Tableiien!

Togal-Tabletten sind ein hervorragendes Mittel del Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven« und Kopfschmerz, Erkältungskrank­heiten. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5000 Arzte, darunter viele bedeutende Professoren, die gute Wirkung des Togal. Keine unliebsamen Nach­wirkungen! Entfernt die Harnsäure! (Ein Versuch über­zeugt! Frag. Sie Ihr. Arzt In all. Apoth. NM. 1.40.

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Oie Forstverwaliung im hessischen Etat.

vtaisberaiunqen des Finanzausschusses.

Darmstadt, 28. gebt. (WTB.) Der Fi- n anzausschuß kam mit der Beratung des Ka­pitels Forstverwal tung zu Ende. An- träge der verschiedenen Parteien, die eine Her- ijjfetjung der gänzlichen Streichung der staat­lichen Versicherungskosten, der Dienstauswands- ^Schädigungen. der Entschädigungen für Fahr­igsten, Tagegelder usw. verlangten, wurden zu­rück g e st e l l t bis zur zweiten Lesung, da die Legierung hier noch Unterlagen beibringen will. Lnnahme sand ein volksparteilicher Antrag auf Absetzung von 15 000 M k. für Aus- Ihn l s S k o st e n. Auf volkspartellichen Antrag tuurbea die Amtskosten der Forstämter a u f Höchens 35000 M k. begrenzt. Ab- gelehnt wurde der sozialdemokratische An- taag. zehn Forstassessoren und 40 000 Mk. bei btt Detriebseinrichtung zu streichen. Ein­st immige Annahme sand ein Zentrumsantrag d-rr die von der Regierung geplante Neufchaf- 'img von drei Fvrstassessorenstellen ablehnt. (58 bleibt bei den seitherigen acht Stellen. Das Kapitel wurde im übrigen in der Fassung des Voranschlags angenommen. Die Ge­samtausgaben betragen für Personalkosten 3 031 612 Mk., für sachliche Kosten 5 773 558 Mk. (Jn dem Kapital sind enthalten für die Verzin­sung und Tilgung der staatlichen Leistungen an den ehemals regierenden Groh- b rrzog 300 000 Mk., und zwar unter dem (S»esichtspunkt, datz die gesamten staatlichen Lei- Itingen samt Zinsen in längstens 55 Sah - r-en getilgt sind.

Präsident Heineken.

Bremen, 1. März. (Priv.-Tel.) Der Prä­sident des Norddeutschen Lloyd, Dr.-Sng h. c. Philipp Heineken, kann heute leinen 7 0. Geburtstag begehen. Heineken ist geborener Bremer, der im Baumwollhandel Iciner Vaterstadt eine führende Rolle gespielt batte, bevor er 1902 in den Aussichisrat des Norddeutschen Lloyd gewählt wurde. 1905 wurde er Präsident der Bremer Handelskammer, 1906 Dircftor des Norddeutschen Lloyd und 1921 dessen Präsident. Der Herr Reichspräsident hat dem erfolgreichen Führer der deutschen See- lck»isfahrt zu feinem 70. Geburtstag in einem per- lovlichen Schreiben seine herzlichen Glückwünsche ausgesprochen.

Aus 6er Provmzialhauptstadt

Gießen, den 1. März 1930.

3u spät!

Unser Eisenbahnzug sährt gerade ab, als wir ms den Bahnsteig kommen. Wir stehen nun da. und die zwei harten Worte entschlüpfen uixlerm Munde. Z u spät! Rennen wir als luhl überlegende Menschen jetzt ärgerlich auf dem Bahnhof herum, oder raufen un3 die Haare, tnie man es manchmal sieht? O nein! Es gehen ja noch andere Züge, und es muhte ja auch nicht gerade dieser fein. Es kann allerdings viel davon abhängen, ob wir den ersten Zug noch erreichen. Bei größeren Reisen gilt es, den rich­tigen Anschluß zu finden, und es gibt Lebens­lagen, da kommt es auf Stunden, ja auf Minuten an. Eine Zugversäumnis kann also wohl wenn auch selten - schicksalgestattend sein.

Sm Wirtschaftsleben will es nicht viel besagen, Denn Kaufleute ober Unternehmer bei einem Seschäft oder bei einer Arbeit einmal die Qlnt- DDrt erhalten:Leider kommen Sie zu spät. ISir Haden heute morgen den Auftrag vergeben." !>aS ist wohl ärgerlich, aber darüber läßt nie- rnanb den Kopf hängen. Es gibt immer neue 33cge und Ziele für betriebsame Leute, und time Abweisung bildet noch lange kein ernstes Hindernis. Wir kennen sogar Fälle, die den Betreffenden zum Glück au schlugen. Denn dem zelprochenen: Zu spät! setzten sich zwei andere IBorte entgegen, sagten: Trotz alledem I uiui> gingen unverzagt an die Ausführung einer neuen Arbeit.

Länder- und Städtewappen alter Erdteile In C o I d- und SitberdrucK: Die FREUDE de» KURMARK-RAUCHERS.

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