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den besten Willen hat, der treueste Sohn Deutsch­lands zu sein.

Kirchenpolitische Aussprache beim Führer.

Die Bischöfe MarahrensMeiser und Wurm vom Führer empfangen.

Berlin, 30.Oki. (DJIB.) Der Führer und Reichskanzler hat am Dienstag in Gegen­wart des Reichsmini st ers des Innern die Landesbischöfe TNarahrens (Hanno­ver), TR eifer (Bayern) und Wurm (Württem­berg) zu einer Aussprache über kirchen- politische Fragen empfangen.

Ministerialdirektor Läger scheidet aus allen Aem»ern.

Berlin, 30. Ott (OJIB.) ffiinifferialbiteffor Jäger hat sein Amt als Rechtswalter der Deutschen Evangelischen Kirche im vollen Ein­vernehmen mit dem Reichsbischof niedergelegt.

Wie der Amtliche Preußische "Pressedienst ferner mitteiN, ist Ministerialdirektor Jäger auf feinen Wunsch aus feinem A m t als preußischer TNinisterialdirektor und Leiter der geist­lichen Abteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ausgefchleden.

Die Beisetzung Walter Hellvoigts.

Dr. Goebbels am offenen Grabe.

Berlin, 31. DEL (DNB.) Ehrenstandartenführer der Standartehorst Wessel" Walter h e l l v o i g t, wurde am Dienstagnachmittag zur letzten Ruhe ge­bettet. Vertreter aller Gliederungen der Partei und je eine Ehrenabordnung der SS.-Leibstandarte Adolf Hitler, der Reichswehr und des Feldpolizei- korps gaben dem unermüdlichen Kämpfer das letzte Geleit.'Auf dem städtischen Luisen-Friedhof steht in der Kapelle der Sarg aufgebahrt. Zu seinen Fußen liegt der letzte Gruß seines Führers, ein großer Lorbeerkranz mit der Schleifeninschrift:Dem toten Kameraden Adolf Hitler." Am offenen Grabe hielt der Gauleiter von Berlin Reichsminister Dr. Goebbels eine ergreifende Gedenkrede. Er führte u. a. aus:

Man sagt, daß diese Zeit arm geworden sei an Wundern, und doch begegnen wir dem Wunder auf Schritt und Tritt. Wir brauchen nur die Augen aufzumachen, um sie zu sehen. Denn ist es nicht ein Wunder, daß einer aufsteht im Volke und sein gan­zes Leben weiht dem Dienste am Lande und an Der Ration?

Alle müßte man an dieses offene Grab rufen, alle die Hunderte, die über die Grenze gingen, um vor der Welt ihr eigenes Leben mit Füßen zu treten, alle die Tausende müßte man rufen, denen die kleinen Sorgen des Alltags zu viel und zu groß werden, und die allzuleicht vergessen haben, was hinter uns liegt, und was an Grauenvollem wir durchmachen mußten, um zu dem zu kommen, wo wir jetzt sind. Solange unser Volk Menschen findet, die sich für uns und die geeinte Nation hinzugeben bereit sind, solange werden die Trägen und Faulen und Opferunlustigen nicht über die Revolution des jungen Deutschland triumphieren können. . Damit ist auch der Abschied an diesem offenen Grabe kein Abschied aus Nimmerwieder­sehen. Es ist eine Kameradschaft, die über die Gräber hinaus geschlossen wird. Deshalb erfüllt nicht nur Trauer, sondern auch Stolz unsere Her­zen. Stolz, daß es einer der unseren war, den wir hier ins Grab legen. Wofür du starbst, dafür wollen wir leben. Wir wollen in den Alltag hineingehen und mag er noch so grau sein. Wir werden ihn meistern im Geiste der Toten für das Leben der Lebenden, für unser Leben und für das Leben derer, die nach uns kommen werden.

Obergruppenführer von Berlin - Brandenburg von Jagow ehrte dann den Toten im Namen der SA. Walter hellvoigt, der Führer hat mich beauftragt, dir den letzten Gruß des Obersten SA- Führers Adolf Hitler aufs Grab zu legen. Wir von der SA. danken dir, Walter hellvoigt, mit unserem Führer an der Spitze. Wir geloben an

Ein Lahr italienische Außenpolitik.

Abrüstungsfrage und Oonauproblem.

ein Rückblick Sudichs.

Rom, 30. Ott. (DNB.) In der Sonderausgabe desPopolo d'Jtalia" zur Zwolfjahrfeier des Fa­schismus gibt der Staatssekretär des Auswärtigen, (5uv ich, einen Rückblick auf die Internationale Politik während des abaelaufenen Jahres. Zur Frage Abrüstung und Gleichberechtigung heißt es: Es liege kein Anlaß vor, hier zu untersuchen ob der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund richtig war. Tatsache sei, daß da­mals Gelegenheit gewesen wäre, Deutschland die praktische Gleichberechtigung zu ertei­len und es damit von seinem Schritt abzuhal - ten Auf dieser Tatsache habe die italienische Denk­schrift vom 17. Februar 1934 gefußt, indem sie für Deutschland die geforderten Mindestrüstun- q e n vorsah und für die anderen Staaten eine B e - schränkungaufdenjetzigenStand. Aber diese Denkschrift sei aus verschiedenen Gründen nicht durchgedrungen. In England habe die Abrüstungsidee so tiefe Wurzeln in der öffentlichen Meinung geschlagen, daß keine Regierung dem Volke eine Abmachung vorfetzen konnte, die den status quo sanktionierte und dazu noch eine Auf­rüstung Deutschlands vorsah. Die französische öffentliche Meinung hingegen hätte jede Regierung hinweggefegt, die die deutsche Aufrüstung mit einer Verminderung der französischen Rüstungen in Zu­sammenhang gebracht hätte.

Neue Möglichkeiten hätten sich nach dem Schei-

beinem Grabe, du sollst uns Vorbild sein in Vater- landstreue, Erfüllung und Opfersinn.

Der Trierer Philologentag.

Trier, 30.DEL (DNB.) Nach der Eröffnung der 58. Generalversammlung der deutschen Philologen und Schulmänner durch den Reichsleiter des NSLB., Staatsminister Sch em m, begannen am Montag die Ar b e i t s s i tz u n g e n verschiedener Fachgrup­pen und Sonderabteilungen, vor denen Wissenschaft­ler die Ergebnisse ihrer letzten Forschungen dar­legten. Am Montagmorgen tagten die Sonderabtei- lungen für Rheinlandsragen (Land und Geschichte) für Fragen der NationalEulturen sowie die Fach­gruppen Philosophie und Erziehung, Sprachge­schichte, Altertumswissenschaft, Philologie, Kunst­geschichte, Musikwissenschaft und Erdkunde, während am Nachmittag eine allgemeine Sitzung a l s Voll­versammlung in der Stadthalle abgehalten wurde. Professor Naumann, der Rektor der Universität Bonn sprach über die ger m a nische Haltung zur Welt. Er begrüßte die germa­nische Renaissance unserer Tage und wies auf die Wesensmerkmale der Weltanschauung unserer Vor­fahren hin, die eine h e ld i s ch - v ö l k is ch e war und in der der Führergedanke wie Gem e in- s ch a s t s i d e e die Angelpunkte jeglicher Geistes­und Lebenshaltung bildeten. Das heilige Vermächt­nis der Ahnherren unserer Rasse werde niemals vergehen, weil der germanische Geist unsterblich sei. Prof. Gamillscheg (Berlin) verbreitete sich über >das Germanentum in den roma­nischen Völkern, denen unsere Vorfahren neues Blut und neue Kraft zuführten und in denen das Germanentum rassenmäßig nie unterging. Pros. Spahn (Köln) schilderte den machtpolitischen Kamps um ein Kerngebiet des westdeutschen Rau­mes, um die Eifel und Ardennen, von der Franken­zeit her bis zur Neuzeit. Der Raum zwischen Maas, Mosel und Rhein war stets hart umstritten von Westen her, zähe behauptet von dem bodenständigen Adel und der Bevölkerung.

Besondere Bedeutung kommt auch den Vorträgen der Trierer Philologentagung zu, die sich mit den G r e n z l a n d f r a g e n des deutschen We­stens beschäftigen. Aus der Reihe der Referate vom Montag ist zunächst zu erwähnen, das Referat von Dr. Joseph N i e s s e n (Bonn) über die Grund­züge der politischen Entwickelung an Mosel und Saar zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Privat­dozent Dr. S ch m i 11 - H u e s e n (Bonn) sprach überDie Gliederung der Naturlandschaft im Trier- Luxemburger Raum". Dr. Petri, ein deutscher Privatgelehrter aus Brüssel-Ukkes, behandelte die

lern der Abrüstungskonferenz erst wieder durch den sog. Ostpaktplan ergeben. Gewiß habe die ita­lienische Regierung niemals allzugroße Sympathie für so umfangreiche Systeme von Pakten und Gegenpakten gehabt. Aber in diesem besonderen Falle glaubte sie, ihre Zustimmung zum Ostpakt nicht versagen zu können, teils weil die in London vorgenommenen Aenderungen ihm Den epa- rafter einer Einkreisung Deutschlands nahmen, hauptsächlich aber, weil er in Der tfrage der Gleichberechtigung einen Schritt vor- märte bedeutet und damit eine 3 u t u n f 11 g e Abrüstung erleichtern würde. Italien sei m der Frage der Abrüstung immer bereit, die Brücke über den tiefen Abgrund, der Frankreich und Deutschland trenne, mitschlagen zu helfen.

Zur D'onausrage wird u. a. ausgeführt, die österreichische Unabhängigkeit je ein wesentlicher Faktor des Friedens und des Gleich­gewichts in Europa. Nur wegen dieses Friedens und Gleichgewichts stehe Italien in erster Linie bei der Verteidigung der österreichischen Unabhängig­keit. Suvich zitiert die Rede Mussolinis in Mailand:Diejenigen, die behaupten, daß Italien in jener Republik aggressive Ziele verfolge oder eine Art Protektorat über sie ausüben möchte, sind entweder nicht auf dem laufenden, oder sie lügen bewußt". Italien handele Oesterreich gegen- über in allen seinen politischen Aeußerungen nur im Interesse des europäischen Friedens.

Bildung der westlichen Sprachgrenze im Spiegel der Ortsnamen und der Bodenfunde. Er wies nach, daß die germanischen Namensspuren über die heutige Sprachgrenze hinaus bis tief nach Frankreich hinein verfolgt werden können und die Sprachgrenze kein versteinertes Ueberbleibfel aus der Völkerwande­rung fei, sondern eine kulturelle Gleichgewichtslinie

darstelle. Pros. Metz (Innsbruck), der seinerzeit I von der Dollfuß-Regierung ausgewiesen wurde, be­tonte, daß das Saargebiet geographisch zum Ober­rheingebiet gehöre und keine Sprachgrenze zwischen Saar und Lothringen bestehe. Professor Tucker- mann legte die Grundlinien in der Entwicklung der oberrheinischen Landschaft dar. Dr. M e y n e n (Köln) erklärte, der Begriff Deutschland sei nicht bloß ein durch die Sprache erfaßbarer hörbarer, sondern auch ein sichtbarer Befund. Deutschland sei Volkskulturboden und zugleich länderkundlicher Be­griff. Darüber hinaus aber sei Deutschland auch ein geographischer Begriff. Die Einheit fei zutiefst im Bewußtsein des deutschen Volkes verwurzelt und lebe in Wort undMutterland" fort.

Straßburger Rundfunkmärchen.

Der Straßburger Rundfunksender verbreitete am Dienstagabend das Märchen, das LuftschiffGraf Zeppelin" fei über Spanien abgeschossen worden. Diese Mel­dung ist selbstverständlich frei erfunden. Das Luftschiff hat feine letzte Standortsmeldung um 16 Uhr MEZ. gegeben; es befand sich zu dieser Zeit bereits kurz vor der fübamerifani« scheu Küste. Die Landung in Pernambuco ist für 20 Uhr MEZ. zu erwarten.

Keine Warenempfehlungen durch (SA.-Dienststellen.

Berlin, 31. Ott. (DNB.) Die ° b - rst - S A.- Führung teilt mit:

Der obersten SA.-Führung werden immer wie­der von Privatfirmen Gutachten von SA.- Dienststellen über irgendwelche Verbesserungen und Erfindungen vorgelegt. Der Chef des Stabes der SA. weist in einer neuerlichen Verfügung dar­auf hin, daß es allen Dienststellen der SA. grundsätzlich untersagt ist, Emp­fehlungen von Waren auszustellen; auch die Abgabe eines Gutachtens ist in den meisten Fällen einer Empfehlung gleichzustellen.

Werden einer SA.-Dienststelle brauchbare Neue­rungen oder Verbesserungen vorgelegt, lo sind die­selben mit Stellungnahme der betreffenden Dienst­stellen auf dem Dienstwege dem Führungs- amt der ober st en SA. -Führung vorzu­

legen. Neuerungen und Verbesserungen wird bte oberste SA.-Führung in Verbindung mit der Reichszeugmeisterei den Einheiten der SA. nutzbar machen, nachdem sie durch eingehende Prüfung und Erprobung Die Brauchbarkeit festgestellt hat. Es ist zwecklos, wenn neuerlich immer wieder Firmen bei den gleichen SA.-Dienststellen versuchen, Gut­achten herauszulocken. Erfahrungen haben gezeigt, daß mit Empfehlungen oder Gutachten von SA.- Dienststellen durch die betreffenden Firmen oft eine sinnwidrige Reklame getrieben worden ist.

Bei dieser Gelegenheit wird auf die kürzlich er- gangene Anordnung d e s Stellv ertre- ter s des Führers hingewiesen, wonach jede geschäftliche Betätigung dem Wesen und der Zielsetzung der Partei und ihrer Gliederungen als weltanschaulichen Kampfgemeinschaft wider, spricht und deshalb eine Werbung für Einzel, firmen durch Parteidienststellen untersagt ist

Die Aufruhrvorlage im englischen Unterhaus.

London, 30. Ott. (DNB.) Beide Häuser des englischen Parlaments traten nach den Sommer­ferien wieder zusammen. Von der Regierung wur­den zunächst zahlreiche kleine Anfragen beantwortet. Am Abend fanden sich in den Wandelgängen des Unterhauses etwa 150 Mitglieder des Verban­des für den Schutz der Gewerbefrei, h e i t ein, größtenteils Frauen, die die Abgeord­neten ihrer Wahlkreise herausbitten liehen, um Vorstellungen wegen des Gesetzentwurfes zur Ver­hinderung aufrührerischer Propa- ganda unter der bewaffneten M a ch t zu machen. Nach einigen Stunden leerten sich die Wandelgänge wieder. In der Unterhausaussprache erklärte das Mitglied der Unabhängigen Arbeiter­partei M a x t o n , nach dem Wortlaut dieses neuen Gesetzes müssen beispielsweise die Enthüllun­gen Lloyd Georges über Passchendaele, wenn sie einem jungen Soldaten in die Hand fielen, zweifellos als A u f r e i z u na zur P f l i ch i- Verletzung behandelt werden. Verschiedene Ab­änderungsanträge der Opposition wurden von der großen konservativen Unterhausmehrhelt zu Fall gebracht, jedoch machte der Generalstaatsanwalt das Zugeständnis, sich mit der Bestimmung einver­standen zu erklären, daß nur ein Richter des Obersten Gerichtshofes die Vollmacht für eine Haussuchung geben darf. Der Gesetz­entwurf hatte vorgesehen, daß die Unterschrift von zwei Polizeirichtern für einen Durchsuchungsbefehl genügt.

Die ResormdebaNe in Frankreich.

Paris, 31. DEL (DNB.-Funkspruch.) Minister- Präsident Doumergue hatte am Dienstag eine Unterredung mit dem Präsidenten der Republik Lebrun über die Vorarbeiten zur Staatsreform. Amtliche Verlautbaruntzen sind nicht beEannt ge­worden. Man glaubt jedoch, daß das Mitbestim­mungsrecht des Präsidenten des Senats bei der Auflösung der Kammer nicht völlig be­seitigt werden soll. Im er st en Jahre nach den Kammerwahlen soll das Recht des Senatspräsi­denten, seine Zustimmung zur Auflösung der Kam­mer zu geben oder zu verweigern, weiter be­stehen. Ist seit den Kammerneuwahlen ein Jahr verstrichen, so soll das Recht des Senatspräsidenten ruhen und ausschließlich vom Präsiden­ten der Republik im Einvernehmen mit dem Ministerpräsidenten ausgeübt werden können, die die erforderlichen Verordnungen gegenzuzeichnen hätten, ohne gezwungen zu sein, den Senat zu be­fragen oder eine etwa ablehnende Haltung des Senats zu berücksichtigen.

Da es an abschließenden Angaben über die ein­zelnen Punkte und Absichten der Verfassungsreform fehlt was wohl auch darauf zurückzuführen ist, daß die Vergleichsverhandlungen innerhalb der Regierung und mit den Parteien noch im Fluß sind tauchen natürlich die seltsamsten Gerüchte auf. So will z. B.Oeuvre" wissen, daß Doumergue falls Herriot und die übrigen fünf rabital- sozialistischen Minister wegen Uneinigte'ü in der Frage der Staatsreform aus dem Kabinett austreten, sofort sechs neue Minister benennen und mit feiner neuen Regierung am Dienstag vor den Senat treten werde, um von ihm die Zustimmung zur Auflösung der Kammer zu erlangen.

Luther und seine Bibel.

Bon Heinrich von Treitschke.

Am 7. November 1883 hielt Treitschke in Darmstadt zur Feier des 400. Geburtstages von Martin Luther einen Vortrag über das ThemaLuther und die deutsche Nation"; wir geben daraus einige Abschnitte wieder, die uns heute, am Reformationsfest und Bibeltag, besonders bedeutsam erscheinen.

Wie die Einheit des deutschen Staates erst mög­lich ward, seit die letzten Staatsgebilde der römi­schen Kirche von unserem Boden verschwanden, so verdanken wir auch den Kämpfen der Reformation das köstliche geistige Band, das uns in den Tagen deutscher Zerrissenheit lange fast allein zusammen­hielt, unsere neue Sprache. Was selbst dem Zauber unserer ritterlichen Dichtung nicht gelungen war, den deutschen Norden unter die Herrschaft der hoch­deutschen Sprache zu beugen, das gelang erst, als die schöne Lieblingsstätte des Minnesanges, die Wartburg, zum zweiten Male unserem Volke teuer ward und von dort die ersten Bücher der deutschen Bibel ausgingen die Heilige Schrift, übertragen mit strenger Treue durch einen wahlverwandten religiösen Genius und doch so ganz verdeutscht, so ganz beseelt von dem Hauche deutschen Gemütes, daß wir uns heute das Bibelwort in anderer Raf­fung kaum noch denken können. Gleich den Ita­lienern empfingen wir unsere Schriftsprache mit einem Male durch die Tat eines Mannes. Es liegt aber im Wesen des Genius, das Notwendige, das einfach Natürliche zu wollen. Wie Dante nicht willkürlich neuerte, sondern nur die Volkssprache feiner toskanischen Heimat adelte und durchgeistigte, jo hegte auch Cutter nur schlicht und recht die Absicht, von seinem ganzen Volke verstanden zu werden, damit Gott deutsch zu den Deutschen rede. Er benutzte daher das gemeinverständliche Mittel­deutsch, das schon überall, wo Ober« und Nieder­deutsche unter einem Herrscher zusammensahen, in dem Staate des deutschen Ordens, in den Kanzleien der lützelburgischen Kaiser und der sächsischen Kur­fürsten von der Obrigkeit geredet wurde.

Also wirkten gebend und empfangend alle Stämme der Nation zu den Taten der Reformation zusammen. Im Norden fand der Protestantismus feinen festen politischen Rückhalt; die mächtige

Sprache aber, welche fortan das evangelische Deutsch-1 land geistig beherrschte, kam aus dem Oberlanöe, aus jenen Gauen Süd- und Mitteldeutschlands, die zu allen Zeiten das warme Nest unserer Dichtung und also auch der Sprachbildung geblieben sind. Und dies Hochdeutsch war die Sprache von Lu­thers Heimat; seine Laute klangen ihm vertraut von Kindesbeinen an; so hatte er schon das Volk in den Mansfelder Bergwerken, feines lieben Vaters Schlegelgesellen, reden hören. Sprachgewaltig, wie seitdem nur einer noch, Goethe, ward er der volkstümlichste aller unserer Schriftsteller. In 'sei­nen Schriften vereinigt sich, was sonst unvereinbar scheint, der Tiefsinn, die gedrängte Gedankenfülle des Buches und die fortreißende Macht, der spru­delnde Wörterreichtum der Rede, so daß der Leser immer die herzbewegende Stimme des Predigers zu hören meint; dem Einfältigen geben sie genug, und der Denkende findet des Nachsinnens kein Ende. In Kämpfen geboren, kann diese Sprache des Frei­muts und der Wahrhaftigkeit bis zum heutigen Tage die Zeichen ihres Ursprungs nicht verleugnen. Gewaltig vermag sie zu zürnen, übermütig zu spie­len in toller Laune, zu den Höhen des Gedankens steigt sie kühn empor, für jedes holde Geheimnis des Herzens findet sie ein liebliches Wort; doch wer sie zwingen will, ihre Meinung zu bemänteln ober tückisch unterm Zaum hervor zu beißen ober gar den überbildeten Geschmack durch das Pikante und Scharmante zu reizen, dem schenkt sie wenig, den läßt sie betteln gehen an den Tischen der Fremden.

Mehr denn hundert Jahre hat es noch gewährt, bis dies neue Deutsch, das in der Predigt und dem ©emeinbegefange der evangelischen Kirche kräftig erklang, zum Gemeingut unseres Volkes wurde, bis auch die Wissenschaft volkstümlich und weltlich ward und das Wort sich ganz erfüllte, das Ulrich von Hutten schon in den ersten Tagen überschweng­licher Hoffnung zuversichtlich in die Welt hinausge- rujen hatte:Sonst waren nur die Pfaffen gelehrt, jetzt hat uns Gott auch Kunst beschert, daß wir die Bucher auch verstahn". Um die Mitte des 16. Jahr­hunderts kam über den lutherischen Zweig des deutschen Protestantismus eine lange Zeit unheil­voller Erstarrung, da fast allein die weihevollen Klänge des evangelischen Kirchenliedes noch Kunde gaben von dem ursprünglichen Geiste der Refor­mation und in der neuen wie in der alten Kirche herrschsüchtige Theologen der weltlichen Wissenschaft Richtung und Grenze vorfchrieben. Nur der Helden­

mut seiner tatkräftigeren Schwesterkirche, nur der Kampf der Calvinisten Niederlands wider die spa­nische Krone, bewahrte damals das verkommene Luthertum vor dem sicheren Untergänge. Erst der Jammer des Dreißigjährigen Krieges brachte auch uns die Selbstbesinnung. Die Pietisten von Halle erweckten unserem Volke wieder den lebendigen evangelischen Geist, den Geist der brüderlichen Liebe, der das Evangelium leben wollte und über dem öden Buchstabengezänk der letzten Jahrzehnte ganz vergessen schien; P u f e n d o r f vertrieb die Theo­logen aus den politischen Wissenschaften, Thoma- s i u s wagte zuerst auf deutschem Lehrstuhl deutsch zu reden; und auf dem also bereiteten Boden erhob sich sodann unsere neue Wissenschaft und Dichtung, ganz frei von konfessioneller Härte, weltlich von Grund aus, weit kühner in ihren Gedanken, als Luther selbst jeweils gebilligt hätte und dennoch protestantisch.

Der Protestantismus entstammt einem derben männischen Jahrhundert, das nach den Frauen wenig fragte, und die nüchternen Formen seines Kultus vermögen der frommen Sehnsucht des weib­lichen Herzens nicht immer zu genügen. Und doch hat Luther die deutschen Frauen höher erhoben, als sie je vordem gestanden hatten in den Zeiten, da noch die gnadenreiche Mutter Gottes angerufen ward; er hat den Wirkungskreis des Weibes, das Haus wieder zu Ehren gebracht vor Gott und Men­schen. Schwer mußte er kämpfen, ehe er sich das Herz faßte, um die Hand seiner Käthe zu werben; was zuletzt den Ausschlag gab, war doch nicht bloß die Sehnsucht nach häuslichem Glück, sondern das Gefühl einer heiligen Pflicht. Wie oft hat er den Klosterleuten zugerufen:Wer hat dich etwas ge­loben und schwören heißen, was wider Gott und seine Ordnung ist, nämlich daß du schwörst, du seiest kein Mann und kein Weib?" War er berechtigt also zu fragen, war die Ehe wirklich ein heiliger Stand, Gott wohlgefälliger als die Gelübde der Beschore- nen, dann mußte er selber mit seinem Leib und Leben Zeugnis ablegen für feine Lehre. Er wußte, welch eine Schlammflut ekler Verdächtigungen sich nun heranwälzen muhte gegen ihn, dessen makel- loser Name bisher einer großen Sache zum Schilde gedient und allen Pfeilen der Verleumdung wider­standen hatte. Freiwillig nahm er dies Kreuz auf sich; denn überzeugender, siegreicher konnte sich die sittliche Macht der evangelischen Freiheit nicht er­weisen, als wenn die Ehe des entlaufenen Mönchs

und der entlaufenen Nonne zum Vorbild wurde für Taufende frommer Menschen.

Und sie ward es. Dies Haus lebt in unser aller Herzen. Wir denken seiner, wenn am Weihnachts­abend vor dem Tannenbaume die hellen Stimmen unserer Kinder die frohe Botschaft fingen:Vom Himmel hoch da komm ich her"; wir sehen ihn vor Augen, den alten Doktor, wie er, ein Gewissensrat seiner lieben Deutschen, allen den Zweifelnden und Beladenen, die von nah und fern zu ihm eilen, Lehre, Trost und Hilfe spendet und immer mit seinem freien Gemüt Partei nimmt für das Recht des Herzens, für die Stimme der Natur, für die Billigkeit und die Liebe; wir hören fein herzliches Lachen, wenn er den zagenden Melanchthon mit kräftigem Zuspruch aufrichtet ober in neidloser Freundschaft die Größe seines kleinen Griechen preist; wir freuen uns seiner goldenen Laune, wenn er abends um seinen gastlichen Tisch den Becher kreisen läßt und die deutscheste der Künste, Frau Musika, zu den fröhlichen Zechern ladet:Hie kann nicht fein ein böser Mut, wo da fingen Gesellen gut"; wir klagen mit ihm, wenn er, überwältigt vom menschlichen Schmerze, an der Bahre seines Lenchens weint. So war das erste evangelische Pfarrhaus; und wie viele Tränen sind seitdem von den Frauen unserer Landpfarrer getrocknet, wie viele gute und hochbegabte Männer in diesen fried­lichen Heimstätten einer gelehrten und doch der Natur nicht entfremdeten Bildung erzogen worden.

Kunst und Wissenschaft.

Slrauß-Auslauschkonzerl loHo-Bedln.

Die Kaiserliche Musikakademie in Tokio veran­staltete in Verbindung mit der Reichsrundfunkgesell- schäft aus Anlaß des 7 0. Geburtstages von Dr. Richard Strauß ein Austauschkonzert mit Werken dieses großen Meisters. Der deutsche Kurzwellensender übernahm die japanische Veran­staltung und sendete von der Berliner Philharmonie aus den deutschen Konzertteil nach Tokio. Der Leiter der Kaiserlich japanischen Musikakademie gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es dem japflj nischen Volk vergönnt sei, die edle deutsche Mus» auf drahtlosem Wege zu hören. Es folgte eine am Wachsplatten aufgenommene Ansprache des feierten Generalmusikdirektors Dr. Richard Straub» der dem japanischen Orchester und seinem DirigeN' ten für die musikalische Ehrung dankte.