Nr. 255 Erstes Blatt
184. Zahrgana
Mittwoch. Zf. Oktobers
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 180 Zustellgebühr. „ -.25
Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernsprechanschlüffe
unter Sammelnummer 22dl Anschrift für Drahtnach- richten- Anzeiger Stehen
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11086
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: Srühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Siehrn. Schriftleitung und Seschästrftelle: Schulstrahe 1
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/zUhr des Dormittags
Grundpreise für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von 70mm Breite 60Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr
(Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Massenkundgebungen der DeutschenArbeitssront
beiter. Sie warfen die
3m Gau Hessen-Aassau
der Marxismus und der
hatte, und sie reichten sich die Hand zum gemeinsamen Tun für ein gemeinsames Ziel: Deutschland. So wie die NSDAP, und ihr Führer sich von allem Anfang an nur als Vollstrecker des politischen Willens der Nation fühlten, so übernahm auch die Deutsche Arbeitsfront von vornherein nur die Aufgabe, dem aus dem Volke heraus entstandenen Willen zum sozialen
umlagert sieht! Da die Sozialpolitik des neuen Deutschland eine neue geistige Einstellung der Menschen zur Arbeit, zum Betrieb und zum Staate schaffen will, so kommt alles auf die Träger der neuen Arbeitsverfassung an. Der Betriebsführer oll das richtige Verständnis für die Ansprüche der Gefolgschaft haben, diese wiederum soll mit Einsicht den Möglichkeiten gegenüberstehen, die ihr Betrieb bietet.
Aus dieser Grundhaltung ergibt sich die Behandlung aller Einzelfragen mit Leichtigkeit. So wie die Beitragszahlung nicht mehr der wirtschaftlichen Sicherung des einzelnen dient, sondern nur der Freilegung der im Volke vorhandenen kulturellen Energien, so ist auch die Lohnfrage völlig in den Hintergrund getreten gegenüber der Frage,
wie das Vertrauen zwischen Führung und Gefolgschaft im Betrieb am besten zu befestigen ist. Der einzige Gesichtspunkt, dem allgemeinen Wohl zu dienen, hat zu der Anerkennung Adolf Hitlers geführt. Er wird deshalb auch weiterhin die Richtlinie für jede Organisationsarbeit vom Amtsleiter herunter bis zum Blockwart fein müssen. Es geht nicht an, die Verordnung des Führers nach eigenem Ermessen auszulegen, wo nur das heiße, opferoolle Bemühen herrschen darf, die Menschen zusammenzubringen. So wie die Deutsche Arbeitsfront als Ganzes sich immer nur als ehrlichen Makler betrachtet hat, so wird auch jedes einzelne Mitglied der Organisation danach streben müssen, ein Vorbild des sozialen Ausgleichs zu sein. Hier wie dort gilt das Wort: Wachsen lassen!
Wachsen lassen!
Der Deutsche ist ein Arbeiter von Grund auf, sei es, daß er hinter dem Pfluge einhergeht, daß er am Schreibtisch sitzt oder am Amboß steht. Er ist wohl der Fleißigste unter allen Völkern Europas, was ihm nicht nur Bewunderung, sondern auch Haß eingetragen hat. Er hat die Empfindung: „Wer nicht arbeiten will, ist auch kein guter Mensch". Er tut die Arbeit um ihrer selbst willen, sie ist ihm nicht allein ein Mittel zum Geldverdienen, sondern ein s i t t l i ch e s B e d ü r f- n i s. Sie macht ihn glücklich, da er mit ihrer Ausübung seine Daseinsbestimmung erfüllt sieht.
Nur aus dieser Haltung des deutschen Menschen zur Arbeit erklärt sich die erstaunliche Tatsache, daß es der Deutschen Arbeitsfront in der kurzen Zeit von 18 Monaten gelang, das Gewerkschaftsprinzip aus dem Leben und der Dorftellungs- welt des arbeitenden Volkes herauszureißen und an seine Stelle dasGemeinschaftsidealdes Nationalsozialismus zu setzen. Die Befreiung der Arbeit von rein materialistischen Bindungen gelang nur deshalb so überraschend schnell, weil in der Seele des Volkes verborgen der Geist der freien Arbeit schlummerte und nach Erlösung schrie.
Der Führer konnte in seiner Verordnung vom 24. Oktober 1934 Wesen und Ziele der Deutschen Arbeitsfront nur deshalb bestimmen und anerkennen, weil die Deutsche Arbeitsfront bewußt darauf verzichtet hatte, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht das Verhältnis von Mensch zu Mensch, sondern das Verhältnis des Menschen zur Materie betrafen. Die Deutsche Arbeitsfront trieb Sozialpolitik, nicht Wirtschaftspolitik. Sie hat darüber gewacht, daß auch Über die Grenzlinie, die die' Lohnfrage zwischen diesen beiden Gebieten bildet, keine Vorstöße unternommen wurden. Sie fand dabei — was im Führerstaat eine Selbstverständlichkeit ist — die Unterstützung der Wirtschaftspolitik, die ihrerseits Grenzüberschreitungen vermied, indem sie die Preisfrage keinen Veränderungen unterwarf.
So konnte die Deutsche Arbeitsfront nach dem Vorbilde der Partei alle Kräfte darauf verwenden, um die Erziehung d e s Arbeiters und Unternehmers zu Vernunft und Anstand zu fördern. Daß sie diese Aufgabe zu einem so großen Teilerfolge gelangen lassen konnte, verdankt sie nicht zum wenigsten dem Umstand, daß ihr zu Beginn ihrer Tätigkeit weder ein Programm, noch eine Organisation, noch ein Vorbild zur Verfügung stand. Es war völliges Neuland, das die Gemeinschaft der Schaffenden betrat und auf dem sie ein Haus errichten sollte, das Jahrhunderte überdauert. Der gänzliche Mangel an fremden Entwürfen und gebrauchtem Baumaterial führte aber dazu, daß Fehlkonstruktionen und Risse vermieden
Ausgleich Geltung zu verschaffen.
So ist neben dem Reichsnährstand die Deutsche Arbeitsfront die stärkste Säule der ständischen Gliederung des neuen Deutschlands geworden. Die Verordnung des Führers und Reichskanzlers hat diesem Aufbau einen festen Rahmen gegeben. Alle Schaffenden eines Betriebes, vom Betriebsführer bis zum letzten Lehrling bilden demnach eine Gemeinschaft, die auf Gedeih und Verderb zufammengehört und Zusammenhalten soll. Das wird das Ende des Klassenkampfes sein,, an dessen Stelle eine Ordnung treten soll, die Adolf Hitler mit folgenden Worten umschrieb:
„Das Ziel der Deutschen Arbeitsfront ist die Bildung einer wirklichen Volks - und Leistungs-Gemeinschaft aller Deutschen. Sie hat dafür zu sorgen, daß jeder einzelne seinen Platz im wirtschaftlichen Leben der Nation in der geistigen und körperlichen Verfassung einnehmen kann, die ihn zur höchsten Leistung befähigt und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet.
Gerade in diesen Tagen hat ein Staatsmann, der selbst aus der sozialistischen Bewegung beroorge» gangen ist, der englische Premierminister M ac P ari a l d erklärt, daß der Klassenkampf die Kräfte eines Volkes verzehre und deshalb abzulehnen fei. Wie viel mehr gilt das von einem Volke wie dem deutschen, das sich von Schwierigkeiten und Gegnern
gegenüber Ausdruck zu geben. Wir schwören unfe« rem Führer, seines Werkes würdig zu sein als Soldaten Adolf Hitlers, als Soldaten der Disziplin und der Gemeinschaft.
Dr.Ley vor der presse.
Berlin, 30. Okt. (DNB.) Der Stabsleiter der PO. Dr. Ley erörterte in einer Pressebesprechung Grundfragen der Organisation der Deutschen Arbeitsfront. Er hab hervor, daß es völlig unmöglich gewesen sei, den Organisationswust der alten Gewerkschaften beizubehalten. Allein schon Dermal- tungsmäßig gesehen, habe dieses ganze Durcheinander' vereinheitlicht werden müssen. Am 1. Januar 1935 werde diese Organisation vollendet sein. Die Organisation der Deutschen Arbeitsfront nach neuen nationalsozialistischen Grundsätzen und Gesichtspunkten, nach dem Vorbilde der Partei, sei aus dem Volke herausgewachsen, und erst das habe den Erfolg verbürgt, aus Klassenfeinden und fanatischen Gegnern eine umfassende G e - meinschaftsorganisation aller schaffenden Deutschen zu machen. Wenn die Beiträge auch weiter erhoben würden, so liege ihnen doch im Gegensatz zu dem Derficherungscharakter übelster und unsicherster Art aus der marxistischen Zeit etwas ganz anderes zugrunde. Sie feien Kampfbeiträge, weltanschauliche politische Beiträge. Die Deutsche Arbeitsfront sehe sie als das Betriebskapital an, um damit einen Schatz im Volke zu heben, Energien im Volke zu mobilisieren, die bisher brach gelegen hätten. Die Deutsche Arbeitsfront, die heute finanziell das Gesündeste darstellt, was je bestanden habe, sei weiterhin auch auf eigenes Vermögen aufgebaut. Hingegen hätten die alten Gewerkschaften allein schon an dem Ballast ihres wirtschaftlichen Aufbaues zugrunde gehen müssen, es sei die Aufgabe, allen noch da und dort mitgeschleiften Ballast a b z u- st o ß e n. Es solle nur das übernommen und beibehalten werden, was dem Arbeitsmenschen nutze. Die früheren Gewerkschaftshäuser zum Beispiel, zumeist auf geb aut unter bewußter Anwendung des Primitivitätskultes paßten nicht in den neuen Staat, dessen Gemeinschaftshäuser das Schönste sein müßten, was der Staat aufzuweisen habe. Es gelte jetzt, nicht übermütig zu werden und den Sinn der Verord- Inung nicht mißzuver stehen. Denn werde I diese Verordnung totgeritten, so werde sie in einem ! falben Jahre ihren hohen Sinn gründlich verfehlt haben. So komme es nun darauf an, Disziplin z u halten und unter gar keinen Umständen über das Ziel hinauszuschießen. Gelinge das, so werde diese Verordnung den größten Segen für unser Volk bringen.
Weiter Sprenger spricht in Frankfurt.
Im Gau Hessen-Nassau fanden 38 Groß- kundaebungen und außerdem etwa 400 kleinere statt, die zusammen mehr als 400000 Teil- n e h m e r vereinigten.
In Frankfurt a. M. sprach Reichsstatthalter Gauleiter (Sprenger auf dem Opernplatz vor sämtlichen Frankfurter Amtswaltern der DAF. und Zehntausenden von Arbeitskameraden aus allen Frankfurter Betrieben, die mit ihren Fahnen und zahlreichen Musikkapellen aufmarschiert waren Der Gauleiter führte u. a. aus: Als vor anderthalb Jahren die Gewerkschaften aufgelöst wurden erschraken viele Millionen deutscher Volksgenossen. Aber der Führer war es, der in seinem „Kampf oerade die Notwendigkeit der Organ i- Herung der Arbeiterschaft bejaht hat. Als der erste Mai zum erstenmal in Deutschland als der „Tag der deutschen Arbett gefeiert wurde, sagte der Führer, das deutsche Volk müsse sich wieder gegenseitig kennenlernen und alle Schichten müßten s i d) mieber 3ufam m e n f i n den. ffhrc d i e Arbeit und achte den 21 r be ter'" Diese Parole des Führers beginnt nun sich Ich Tat zu werden. Am zweiten Mai war d?s Ende der Gewerkschaften gekommen, und am 10 Mai auf dem ersten Arbeitskongreh, geigte der Führer den Weg, der zu gehen ist. Damit begann
Oie Volks- und Leisiun gsgemeinschast aller Deutschen
Das schaffende Deutschland dankt dem Führer für die Verfassung der Arbeit.
350000 Arbeiter der Stirn und Faust im Berliner Lustgarten Berlin, 30. Okt. (DNB.) Die Erhebung der
Deutschen Arbeitsfront zu der Organisation aller schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust hatte dem Gau Groß-Berlin der DAF. Veranlassung gegeben, zu einer Dank- und Treuekundgebung im Lustgarten aufzurufen. Mit einer Teilnehmerzahl von 350 000 wurde diese im Zeichen der Kameradschaft und der Volksgemeinschaft stehende Riesenveranstaltung zu einem gewaltigen Bekenntnis des schaffenden Berlins zu Adolf ^Hitler. Die Kundgebung begann mit dem Lied vom guten Kameraden zum Gedenken für den im Kampf um Deutschlands Freiheit gefallenen Ehrenstandartenführer Hellvoigt, der wenige Stunden vorher m Berlin zu Grade getragen worden ist. Dann sprach der Bezirkswalter der Deutschen Arbeitsfront, Johannes Engel. Nach ihm ergriff der Stabsleiter der PO. Dr. Ley das Wort. Er führte u. a. aus: Wir haben in den vergangenen Monaten eine gewaltige Erziehungsarbeit geleistet. Wir konnten nicht das Alte fortführen, ohne uns selbst untreu zu werden. Wie in der Kampfgemeinschaft der Partei alle Volksschichten vertreten waren, so mußte das ganze Volk zu einer Kampf- und Schicksalsaemein- schaft Zusammengeschweißt werden. Beim Ausbau der Gemeinschaft zeigten sich diejenigen am widerspenstigsten, die im Liberalismus einst das Heil sahen. Die Arbeiter dagegen kamen mit Freude und Begeisterung.
Heute können wir mit Stolz sagen, daß niemals eine Organisation so klar übersichtlich und straff auf- gebaut war wie die Deutsche Arbeitsfront. Die Arbeitsfront ist der Exerzierplatz und die Kaserne für den Gedanken der Gemeinschaft und des wahren deutschen Sozialismus. Es ist mein Wille, meine Hoffnung und meine Gewißheit, daß es uns gelingt, unsere Auffassung von Ehre, Anständigkeit, Haltung, Leistung und Gemeinschaft in das gesamte Volk hineinzutragen.
Die Verfassung der Arbeit ist nur kurz, aber allumfassend. Es kommt darauf an, was wir aus dieser Verfassung machen, damit sie die Sozialordnung Deutschlands werde. Ich werde in den nächsten Wochen wieder in die Betriebe in allen Teilen Deutschlands hineingehen, um die Menschen der Arbeit aufzumuntern und ihnen zu sagen: Haltet Disziplin, aus der Verfassung der Arbeit wird das werden, wasJhrdarausmacht. Wie hier finden zu dieser Stunde 16 0 0 0 Kundgebun- gen im ganzen Deutschen Reiche statt. Das ganze schaffende Deutschland ist aufmarschiert, um seiner Freude und Dankbarkeit dem Führer
wurden. ~
Dr. Robert Ley, der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, hat vor der Presse das Geheimnis fernes Erfolges preisgegeben, indem er erklärte, daß er sich beim Aufbau der Deutschen Arbeitsfront nur von der richtigen Uebersetzung des Wortes „Organisation" habe leiten lassen: „Organisieren heißt „Wachsen lasse n". Er hat nur das getan, was der Volkswille von ihm verlangte. Schon am Ende des vorigen Jahres tarnen Unternehmer und Arbeiter zu ihm und forderten, daß beide Teile in einer gemeinsamen Frontvereinigt werden mühten. Sie wollten aus eigenem Antrieb nicht mehr „Arbeitnehmer" oder „Arbeitgeber" sein, sondern nur noch deutsche 21 r - ' Zwangsjacke ab, die ihnen Liberalismus übergezogen
das Werden der Deutschen Arbeitsfront. Am Ende dieses Werdens kann aber nur eine Organisation stehen, die re st los vom nationalsozial i - stischen Geist durchsetzt sein muß. So ist es zu verstehen, wenn in der Verfassung der Deutschen Arbeitsfront bestimmt wird, daß die Arbeits- front ein Bestandteil der NSDAP, ist. Auf Grund dieser Verfassung sind Arbeiter und Wirtschaftsführer gleichgestellt. Die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront haben dafür zu sorgen, daß der Betriebsführer Verstau^ nis aufbringt für seine Arbeitnehmer. Aber auch dem Abeitnehmer ist klar zu machen, was er zu tun hat im wohlverstandenen Interesse des Werkes. Damit ist jede willkürliche Störung des Betriebes ausgeschlossen und der ruhige Fortgang des Betriebes und die Erhaltung des Lohnes des einzelnen gesichert. Die weltanschauliche Durchbildung des Volkes ist und bleibt ein Primat der Partei. Wenn der Führer sich glücklich preist, am Ende seiner Tage den deutschen Arbeiter erkämpft zu haben, so glaube ich, ihm heute nach anderthalb Jahren, schon versichern tu können, daß er den deutschen Arbeiter erkämpft hat und daß nunmehr auf der Grundlage dieser herrlichen Verfassung die Weitergestaltung in ruhigen Bahnen sich vorwärts entwickeln kann. Die Verfassung ist zugleich ein Beweis für das tiefe Vertrauen des Führers zu dem deutschen Menschen. Diesen Vertrauensbeweis wollen wir dem Führer dadurch danken, daß der ärmste Sohn Deutschlands
Oie deutsche Bibel Martin Luthers.
Bon v. Erich Seeberg, o. ö. Professor der Theologie an der Universität Berlin.
Schon vor Luther gab es deutsche Bibelübersetzungen. Aber sie sind alle irgendwie ungelenk, j schwerfällig und unfrei, und sie sind auch zumeist . aus der lateinischen Bibel, nicht aus dem Urtext, , Übersetzt. Luther hat diese mittelalterlichen Ueber- ( setzungen offenbar gekannt und auch zu Rate ge- . zogen. Und doch ist seine eigene Uebersetzung, die , er in stürmischer und zäher Arbeit geschaffen hat, ( ein Werk von urtümlicher Kraft, das dem ganzen : deutschen Volk gehört, und das innerlich so verbin- , dend gewirkt hat wie kaum etwas anderes in der . Geschichte der Deutschen. Nur ein TO e i ft e r der ] Sprache, der ein volksnahes und lebendiges Deutsch spricht, war imstande, ein Werk zu schaffen, das über die Verschiedenartigkeit der Mundartigkeit hm- . weg zur Grundlage der gemeinsamen Schriftsprache 1 unseres Volkes geworden ist.
Die Art, in der Luther übersetzt hat, hat er selbst oft beschrieben. Er hat mit den Menschen der verschiedenen Berufe in seinem Volk geredet und sich von ihnen die passenden Ausdrücke sagen lassen. Er hat aber auch den Mut gehabt, frei, dem Sinn nach zu übertragen; und er war doch stark genug, in der Uebersetzung treu zu sein. So genial ist diese Uebersetzung der Bibel, daß oft mit einem sicheren Schlag Dunkelheiten klar werden und verwickelte Fragen sich lösen. So tief ist diese Uebersetzung, daß klassisch geprägte Sprüche von unerhörter Kraft und Würde geschaffen wurden, die Geschlechtern über Geschlechtern unserer Vorfahren im Leben und im Sterben, im Leiden und in den Freuden Trost, Kraft und Erhebung gebracht haben. So volkstümlich ist diese Uebersetzung, daß die Bibel das große Volks- Und Schulbuch der Deutschen geworden ist, dessen Anschauungen und Gedanken den tiefsten Einfluß auf den deutschen Geist ausgeübt Haden, mag er sich beim Staatsmann oder beim Arbeiter, beim Denker oder beim Handwerker, auf der Kanzel oder auf ber Straße, in der Amtsstube ober in der Schule äußern. Luthers Bibel liest sich wie ein echt deutsches Buch, kraftvoll und innig, stark und zart, tiefsinnig und lebensnah. Dem Geist und dem Wort der Bibel hat Luther zu unauflöslicher Ehe deutsches Herz und deutsche Form verbunden.
Man kann die Bedeutung der lutherischen Bibelübersetzung für die Geschichte der deutschen Kultur und der evangelischen Kirche kaum überschätzen. Sie war eine Tat, die den deutschen Menschen erzogen und geformt hat, wie nichts anderes. Sie stammt von einem Christen, der Volks- mann war, und ihre Worte und ihr Geist haben zcugerisch Sprache und Geist unseres Volkes aufs tiefste beeinflußt. Was aus dem Volk stammt, ist im Volke fruchtbar geworden. Und zwar in großer Mannigfaltigkeit, in Dichtung und Philosophie, in Staatsanschauung und Lebensstil. Mit der einheitlich geprägten Uebersetzung der Bibel hat Luther seiner Kirche das als Einheit empfundene heilige Buch in die Hand gegeben, das der Schatz dieser Kirche geworden ist. Und „wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!" Luther selbst hat zeitlebens seine Theologie aus den Büchern der Bibel in produktiver Auslegung derselben gezogen. Je älter er wurde, desto stärker wurde der aus der frühesten Jugend stammende Zug in feiner Theologie, der ihn in der Bibel allein Gottes positive Autorität und den von Gott gewollten Niederschlag der göttlichen Offenbarung finden ließ. Er stand habet der Btbel in gelehrten Einzelfragen frei gegenüber; aber das Ganze blieb für ihn Gotteswort, sofern er Christus und seine Lehre von der Rechtfertigung in der Bibel fand. So ist auch der evangelischen Kirche die Bibel das Lebensbuch geworden, das die fr, che Quelle für ihre Frömmigkeit und für ihre Theologie gebhc
fcen ist.
Luther hat das Problem der Uebersetzung vraktüch gelöst Es gibt keine Uebersetzung der Bibel die^ besser wäre als diese. Auch heute kann Luthers Uebersetzung wohl im Einzelnen verbessert werden; aber sie darf nicht in ihrem Charakter verändert werden. Auch was Luther über die Aufgabe des Ueberfetzens gesagt hat, ist nicht überholt. Er meint, man müsse selbst das werden^was der ist, den man übersetzt. Mit dem ganzen Wesen müsse man sich dem Fremden anpassen, wenn man das fremde Leben in der Sprache des eigenen Lebens ausdrücken will.
So ist Luthers Bibelübersetzung das größte Beispiel für die Uebertragung des einer anderen 215elt entstammenden christlichen Geistes in die Gedanken- und Gefühlswelt,des eigenen Volkes. Nicht einzelne Elemente in Luthers Frömmigkeit sind deutsch; aber d i e Formung und Gestaltung des Ganzen ist deutsch. Mögen die Einzelstücke wo immer Herkommen, an der deutschen Formung des Ganzen wird dadurch nichts geändert. Es ist wie mit den großen Bildern Dürers oder Rembrandts: Sie bringen Stoffe aus der fernen orientalischen Welt, aber d i e Seele und die Form, in der diese fremde Welt ausgedrückt wird, i st deutsch. Im Ganzen, nicht im Einzelnen, findet man das Deutsche. Das gilt auch von der deutschen Bibel die Luther als lebendiges Erbe feinem Volk geschenkt hat Möchte das Volk sich die Kraft zur Bibel und damit zum Deutschtum erhalten! Das Wort sie sollen lassen stahn!


