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Nr. 255 Erstes Blatt

184. Zahrgana

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Massenkundgebungen der DeutschenArbeitssront

beiter. Sie warfen die

3m Gau Hessen-Aassau

der Marxismus und der

hatte, und sie reichten sich die Hand zum ge­meinsamen Tun für ein gemeinsames Ziel: Deutschland. So wie die NSDAP, und ihr Führer sich von allem Anfang an nur als Voll­strecker des politischen Willens der Nation fühlten, so übernahm auch die Deutsche Arbeitsfront von vornherein nur die Aufgabe, dem aus dem Volke heraus entstandenen Willen zum sozialen

umlagert sieht! Da die Sozialpolitik des neuen Deutschland eine neue geistige Einstellung der Men­schen zur Arbeit, zum Betrieb und zum Staate schaffen will, so kommt alles auf die Träger der neuen Arbeitsverfassung an. Der Betriebsführer oll das richtige Verständnis für die Ansprüche der Gefolgschaft haben, diese wiederum soll mit Einsicht den Möglichkeiten gegenüberstehen, die ihr Betrieb bietet.

Aus dieser Grundhaltung ergibt sich die Behand­lung aller Einzelfragen mit Leichtigkeit. So wie die Beitragszahlung nicht mehr der wirtschaft­lichen Sicherung des einzelnen dient, sondern nur der Freilegung der im Volke vorhandenen kultu­rellen Energien, so ist auch die Lohnfrage völlig in den Hintergrund getreten gegenüber der Frage,

wie das Vertrauen zwischen Führung und Gefolgschaft im Betrieb am besten zu befestigen ist. Der einzige Gesichtspunkt, dem all­gemeinen Wohl zu dienen, hat zu der Anerkennung Adolf Hitlers geführt. Er wird deshalb auch weiter­hin die Richtlinie für jede Organisationsarbeit vom Amtsleiter herunter bis zum Blockwart fein müssen. Es geht nicht an, die Verordnung des Führers nach eigenem Ermessen auszulegen, wo nur das heiße, opferoolle Bemühen herrschen darf, die Menschen zusammenzubringen. So wie die Deutsche Arbeits­front als Ganzes sich immer nur als ehrlichen Mak­ler betrachtet hat, so wird auch jedes einzelne Mit­glied der Organisation danach streben müssen, ein Vorbild des sozialen Ausgleichs zu sein. Hier wie dort gilt das Wort: Wachsen lassen!

Wachsen lassen!

Der Deutsche ist ein Arbeiter von Grund auf, sei es, daß er hinter dem Pfluge einhergeht, daß er am Schreibtisch sitzt oder am Amboß steht. Er ist wohl der Fleißigste unter allen Völkern Europas, was ihm nicht nur Bewunderung, son­dern auch Haß eingetragen hat. Er hat die Emp­findung:Wer nicht arbeiten will, ist auch kein guter Mensch". Er tut die Arbeit um ihrer selbst willen, sie ist ihm nicht allein ein Mittel zum Geldverdienen, sondern ein s i t t l i ch e s B e d ü r f- n i s. Sie macht ihn glücklich, da er mit ihrer Aus­übung seine Daseinsbestimmung erfüllt sieht.

Nur aus dieser Haltung des deutschen Menschen zur Arbeit erklärt sich die erstaunliche Tatsache, daß es der Deutschen Arbeitsfront in der kurzen Zeit von 18 Monaten gelang, das Gewerk­schaftsprinzip aus dem Leben und der Dorftellungs- welt des arbeitenden Volkes herauszureißen und an seine Stelle dasGemeinschaftsidealdes Nationalsozialismus zu setzen. Die Be­freiung der Arbeit von rein materialistischen Bin­dungen gelang nur deshalb so überraschend schnell, weil in der Seele des Volkes verborgen der Geist der freien Arbeit schlummerte und nach Er­lösung schrie.

Der Führer konnte in seiner Verordnung vom 24. Oktober 1934 Wesen und Ziele der Deutschen Arbeitsfront nur deshalb bestimmen und anerken­nen, weil die Deutsche Arbeitsfront bewußt darauf verzichtet hatte, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht das Verhältnis von Mensch zu Mensch, son­dern das Verhältnis des Menschen zur Materie be­trafen. Die Deutsche Arbeitsfront trieb Sozial­politik, nicht Wirtschaftspolitik. Sie hat darüber gewacht, daß auch Über die Grenz­linie, die die' Lohnfrage zwischen diesen beiden Gebieten bildet, keine Vorstöße unternommen wur­den. Sie fand dabei was im Führerstaat eine Selbstverständlichkeit ist die Unterstützung der Wirtschaftspolitik, die ihrerseits Grenzüberschreitun­gen vermied, indem sie die Preisfrage keinen Ver­änderungen unterwarf.

So konnte die Deutsche Arbeitsfront nach dem Vorbilde der Partei alle Kräfte darauf verwenden, um die Erziehung d e s Arbeiters und Unternehmers zu Vernunft und Anstand zu fördern. Daß sie diese Aufgabe zu einem so großen Teilerfolge gelangen lassen konnte, verdankt sie nicht zum wenigsten dem Umstand, daß ihr zu Be­ginn ihrer Tätigkeit weder ein Programm, noch eine Organisation, noch ein Vorbild zur Verfügung stand. Es war völliges Neuland, das die Gemeinschaft der Schaffenden betrat und auf dem sie ein Haus errichten sollte, das Jahrhunderte über­dauert. Der gänzliche Mangel an fremden Ent­würfen und gebrauchtem Baumaterial führte aber dazu, daß Fehlkonstruktionen und Risse vermieden

Ausgleich Geltung zu verschaffen.

So ist neben dem Reichsnährstand die Deut­sche Arbeitsfront die stärkste Säule der ständischen Gliederung des neuen Deutschlands ge­worden. Die Verordnung des Führers und Reichs­kanzlers hat diesem Aufbau einen festen Rahmen gegeben. Alle Schaffenden eines Betriebes, vom Betriebsführer bis zum letzten Lehrling bilden demnach eine Gemeinschaft, die auf Gedeih und Verderb zufammengehört und Zusammenhalten soll. Das wird das Ende des Klassenkampfes sein,, an dessen Stelle eine Ordnung treten soll, die Adolf Hitler mit folgenden Worten umschrieb:

Das Ziel der Deutschen Arbeitsfront ist die Bildung einer wirklichen Volks - und Leistungs-Gemeinschaft aller Deut­schen. Sie hat dafür zu sorgen, daß jeder ein­zelne seinen Platz im wirtschaftlichen Leben der Nation in der geistigen und körperlichen Ver­fassung einnehmen kann, die ihn zur höchsten Leistung befähigt und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet.

Gerade in diesen Tagen hat ein Staatsmann, der selbst aus der sozialistischen Bewegung beroorge» gangen ist, der englische Premierminister M ac Pri a l d erklärt, daß der Klassenkampf die Kräfte eines Volkes verzehre und deshalb abzulehnen fei. Wie viel mehr gilt das von einem Volke wie dem deutschen, das sich von Schwierigkeiten und Gegnern

gegenüber Ausdruck zu geben. Wir schwören unfe« rem Führer, seines Werkes würdig zu sein als Sol­daten Adolf Hitlers, als Soldaten der Disziplin und der Gemeinschaft.

Dr.Ley vor der presse.

Berlin, 30. Okt. (DNB.) Der Stabsleiter der PO. Dr. Ley erörterte in einer Pressebesprechung Grundfragen der Organisation der Deutschen Ar­beitsfront. Er hab hervor, daß es völlig unmöglich gewesen sei, den Organisationswust der alten Ge­werkschaften beizubehalten. Allein schon Dermal- tungsmäßig gesehen, habe dieses ganze Durcheinan­der' vereinheitlicht werden müssen. Am 1. Januar 1935 werde diese Organisation vollendet sein. Die Organisation der Deutschen Arbeitsfront nach neuen nationalsozialistischen Grundsätzen und Gesichtspunkten, nach dem Vorbilde der Partei, sei aus dem Volke herausgewachsen, und erst das habe den Erfolg verbürgt, aus Klassenfeinden und fanatischen Gegnern eine umfassende G e - meinschaftsorganisation aller schaf­fenden Deutschen zu machen. Wenn die Bei­träge auch weiter erhoben würden, so liege ihnen doch im Gegensatz zu dem Derficherungscharakter übelster und unsicherster Art aus der marxistischen Zeit etwas ganz anderes zugrunde. Sie feien Kampfbeiträge, weltanschauliche politische Beiträge. Die Deutsche Arbeitsfront sehe sie als das Betriebskapital an, um damit einen Schatz im Volke zu heben, Energien im Volke zu mobilisieren, die bisher brach gelegen hätten. Die Deutsche Arbeits­front, die heute finanziell das Gesündeste darstellt, was je bestanden habe, sei weiterhin auch auf eigenes Vermögen aufgebaut. Hin­gegen hätten die alten Gewerkschaften allein schon an dem Ballast ihres wirtschaftlichen Aufbaues zugrunde gehen müssen, es sei die Aufgabe, allen noch da und dort mitgeschleiften Ballast a b z u- st o ß e n. Es solle nur das übernommen und bei­behalten werden, was dem Arbeitsmen­schen nutze. Die früheren Gewerkschafts­häuser zum Beispiel, zumeist auf geb aut unter bewußter Anwendung des Primitivitätskultes paßten nicht in den neuen Staat, dessen Gemeinschaftshäuser das Schönste sein müßten, was der Staat aufzuweisen habe. Es gelte jetzt, nicht übermütig zu werden und den Sinn der Verord- Inung nicht mißzuver stehen. Denn werde I diese Verordnung totgeritten, so werde sie in einem ! falben Jahre ihren hohen Sinn gründlich verfehlt haben. So komme es nun darauf an, Disziplin z u halten und unter gar keinen Umständen über das Ziel hinauszuschießen. Gelinge das, so werde diese Verordnung den größten Segen für unser Volk bringen.

Weiter Sprenger spricht in Frankfurt.

Im Gau Hessen-Nassau fanden 38 Groß- kundaebungen und außerdem etwa 400 kleinere statt, die zusammen mehr als 400000 Teil- n e h m e r vereinigten.

In Frankfurt a. M. sprach Reichsstatthalter Gauleiter (Sprenger auf dem Opernplatz vor sämtlichen Frankfurter Amtswaltern der DAF. und Zehntausenden von Arbeitskameraden aus allen Frankfurter Betrieben, die mit ihren Fahnen und zahlreichen Musikkapellen aufmarschiert waren Der Gauleiter führte u. a. aus: Als vor anderthalb Jahren die Gewerkschaften aufgelöst wurden er­schraken viele Millionen deutscher Volksgenossen. Aber der Führer war es, der in seinemKampf oerade die Notwendigkeit der Organ i- Herung der Arbeiterschaft bejaht hat. Als der erste Mai zum erstenmal in Deutsch­land als derTag der deutschen Arbett gefeiert wurde, sagte der Führer, das deutsche Volk müsse sich wieder gegenseitig kennenlernen und alle Schich­ten müßten s i d) mieber 3ufam m e n f i n den. ffhrc d i e Arbeit und achte den 21 r be ter'" Diese Parole des Führers beginnt nun sich Ich Tat zu werden. Am zweiten Mai war d?s Ende der Gewerkschaften gekommen, und am 10 Mai auf dem ersten Arbeitskongreh, geigte der Führer den Weg, der zu gehen ist. Damit begann

Oie Volks- und Leisiun gsgemeinschast aller Deutschen

Das schaffende Deutschland dankt dem Führer für die Verfassung der Arbeit.

350000 Arbeiter der Stirn und Faust im Berliner Lustgarten Berlin, 30. Okt. (DNB.) Die Erhebung der

Deutschen Arbeitsfront zu der Organisation aller schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust hatte dem Gau Groß-Berlin der DAF. Veran­lassung gegeben, zu einer Dank- und Treuekund­gebung im Lustgarten aufzurufen. Mit einer Teil­nehmerzahl von 350 000 wurde diese im Zeichen der Kameradschaft und der Volksgemeinschaft stehende Riesenveranstaltung zu einem gewaltigen Bekennt­nis des schaffenden Berlins zu Adolf ^Hitler. Die Kundgebung begann mit dem Lied vom guten Ka­meraden zum Gedenken für den im Kampf um Deutschlands Freiheit gefallenen Ehrenstandarten­führer Hellvoigt, der wenige Stunden vorher m Berlin zu Grade getragen worden ist. Dann sprach der Bezirkswalter der Deutschen Arbeitsfront, Jo­hannes Engel. Nach ihm ergriff der Stabsleiter der PO. Dr. Ley das Wort. Er führte u. a. aus: Wir haben in den vergangenen Monaten eine ge­waltige Erziehungsarbeit geleistet. Wir konnten nicht das Alte fortführen, ohne uns selbst untreu zu werden. Wie in der Kampfgemeinschaft der Partei alle Volksschichten vertreten waren, so mußte das ganze Volk zu einer Kampf- und Schicksalsaemein- schaft Zusammengeschweißt werden. Beim Ausbau der Gemeinschaft zeigten sich diejenigen am wider­spenstigsten, die im Liberalismus einst das Heil sahen. Die Arbeiter dagegen kamen mit Freude und Begeisterung.

Heute können wir mit Stolz sagen, daß niemals eine Organisation so klar übersichtlich und straff auf- gebaut war wie die Deutsche Arbeitsfront. Die Ar­beitsfront ist der Exerzierplatz und die Kaserne für den Gedanken der Gemeinschaft und des wahren deutschen Sozialismus. Es ist mein Wille, meine Hoffnung und meine Gewißheit, daß es uns gelingt, unsere Auffassung von Ehre, Anständigkeit, Haltung, Leistung und Gemeinschaft in das gesamte Volk hineinzutragen.

Die Verfassung der Arbeit ist nur kurz, aber all­umfassend. Es kommt darauf an, was wir aus die­ser Verfassung machen, damit sie die Sozialordnung Deutschlands werde. Ich werde in den nächsten Wochen wieder in die Betriebe in allen Teilen Deutschlands hineingehen, um die Menschen der Ar­beit aufzumuntern und ihnen zu sagen: Haltet Disziplin, aus der Verfassung der Arbeit wird das werden, wasJhrdarausmacht. Wie hier finden zu dieser Stunde 16 0 0 0 Kundgebun- gen im ganzen Deutschen Reiche statt. Das ganze schaffende Deutschland ist aufmarschiert, um seiner Freude und Dankbarkeit dem Führer

wurden. ~

Dr. Robert Ley, der Leiter der Deutschen Ar­beitsfront, hat vor der Presse das Geheimnis fernes Erfolges preisgegeben, indem er erklärte, daß er sich beim Aufbau der Deutschen Arbeitsfront nur von der richtigen Uebersetzung des WortesOr­ganisation" habe leiten lassen:Organisieren heißtWachsen lasse n". Er hat nur das ge­tan, was der Volkswille von ihm verlangte. Schon am Ende des vorigen Jahres tarnen Unternehmer und Arbeiter zu ihm und forderten, daß beide Teile in einer gemeinsamen Frontver­einigt werden mühten. Sie wollten aus eigenem Antrieb nicht mehrArbeitnehmer" oderArbeit­geber" sein, sondern nur noch deutsche 21 r - ' Zwangsjacke ab, die ihnen Liberalismus übergezogen

das Werden der Deutschen Arbeitsfront. Am Ende dieses Werdens kann aber nur eine Organisation stehen, die re st los vom nationalsozial i - stischen Geist durchsetzt sein muß. So ist es zu verstehen, wenn in der Verfassung der Deut­schen Arbeitsfront bestimmt wird, daß die Arbeits- front ein Bestandteil der NSDAP, ist. Auf Grund dieser Verfassung sind Arbeiter und Wirtschaftsführer gleichgestellt. Die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront haben dafür zu sorgen, daß der Betriebsführer Verstau^ nis aufbringt für seine Arbeitnehmer. Aber auch dem Abeitnehmer ist klar zu machen, was er zu tun hat im wohlverstandenen Interesse des Werkes. Damit ist jede willkürliche Störung des Betriebes ausgeschlossen und der ruhige Fortgang des Betriebes und die Erhaltung des Lohnes des einzelnen gesichert. Die weltanschau­liche Durchbildung des Volkes ist und bleibt ein Primat der Partei. Wenn der Führer sich glücklich preist, am Ende seiner Tage den deutschen Ar­beiter erkämpft zu haben, so glaube ich, ihm heute nach anderthalb Jahren, schon versichern tu können, daß er den deutschen Arbeiter erkämpft hat und daß nunmehr auf der Grundlage dieser herrlichen Verfassung die Weitergestaltung in ruhi­gen Bahnen sich vorwärts entwickeln kann. Die Verfassung ist zugleich ein Beweis für das tiefe Vertrauen des Führers zu dem deutschen Menschen. Diesen Vertrauensbeweis wollen wir dem Führer dadurch danken, daß der ärmste Sohn Deutschlands

Oie deutsche Bibel Martin Luthers.

Bon v. Erich Seeberg, o. ö. Professor der Theologie an der Universität Berlin.

Schon vor Luther gab es deutsche Bibelüber­setzungen. Aber sie sind alle irgendwie ungelenk, j schwerfällig und unfrei, und sie sind auch zumeist . aus der lateinischen Bibel, nicht aus dem Urtext, , Übersetzt. Luther hat diese mittelalterlichen Ueber- ( setzungen offenbar gekannt und auch zu Rate ge- . zogen. Und doch ist seine eigene Uebersetzung, die , er in stürmischer und zäher Arbeit geschaffen hat, ( ein Werk von urtümlicher Kraft, das dem ganzen : deutschen Volk gehört, und das innerlich so verbin- , dend gewirkt hat wie kaum etwas anderes in der . Geschichte der Deutschen. Nur ein TO e i ft e r der ] Sprache, der ein volksnahes und lebendiges Deutsch spricht, war imstande, ein Werk zu schaffen, das über die Verschiedenartigkeit der Mundartigkeit hm- . weg zur Grundlage der gemeinsamen Schriftsprache 1 unseres Volkes geworden ist.

Die Art, in der Luther übersetzt hat, hat er selbst oft beschrieben. Er hat mit den Menschen der ver­schiedenen Berufe in seinem Volk geredet und sich von ihnen die passenden Ausdrücke sagen lassen. Er hat aber auch den Mut gehabt, frei, dem Sinn nach zu übertragen; und er war doch stark genug, in der Uebersetzung treu zu sein. So genial ist diese Uebersetzung der Bibel, daß oft mit einem sicheren Schlag Dunkelheiten klar werden und verwickelte Fragen sich lösen. So tief ist diese Uebersetzung, daß klassisch geprägte Sprüche von unerhörter Kraft und Würde geschaffen wurden, die Geschlechtern über Geschlechtern unserer Vorfahren im Leben und im Sterben, im Leiden und in den Freuden Trost, Kraft und Erhebung gebracht haben. So volkstümlich ist diese Uebersetzung, daß die Bibel das große Volks- Und Schulbuch der Deutschen geworden ist, dessen Anschauungen und Gedanken den tiefsten Einfluß auf den deut­schen Geist ausgeübt Haden, mag er sich beim Staatsmann oder beim Arbeiter, beim Denker oder beim Handwerker, auf der Kanzel oder auf ber Straße, in der Amtsstube ober in der Schule äußern. Luthers Bibel liest sich wie ein echt deut­sches Buch, kraftvoll und innig, stark und zart, tief­sinnig und lebensnah. Dem Geist und dem Wort der Bibel hat Luther zu unauflöslicher Ehe deut­sches Herz und deutsche Form verbunden.

Man kann die Bedeutung der lutherischen Bibel­übersetzung für die Geschichte der deutschen Kultur und der evangelischen Kirche kaum überschätzen. Sie war eine Tat, die den deutschen Menschen er­zogen und geformt hat, wie nichts anderes. Sie stammt von einem Christen, der Volks- mann war, und ihre Worte und ihr Geist haben zcugerisch Sprache und Geist unseres Volkes aufs tiefste beeinflußt. Was aus dem Volk stammt, ist im Volke fruchtbar geworden. Und zwar in großer Mannigfaltigkeit, in Dichtung und Philosophie, in Staatsanschauung und Lebensstil. Mit der einheit­lich geprägten Uebersetzung der Bibel hat Luther seiner Kirche das als Einheit empfundene heilige Buch in die Hand gegeben, das der Schatz dieser Kirche geworden ist. Undwo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz!" Luther selbst hat zeitlebens seine Theologie aus den Büchern der Bibel in produk­tiver Auslegung derselben gezogen. Je älter er wurde, desto stärker wurde der aus der frühesten Jugend stammende Zug in feiner Theologie, der ihn in der Bibel allein Gottes positive Autorität und den von Gott gewollten Niederschlag der göttlichen Offenbarung finden ließ. Er stand habet der Btbel in gelehrten Einzelfragen frei gegenüber; aber das Ganze blieb für ihn Gotteswort, sofern er Christus und seine Lehre von der Rechtfertigung in der Bibel fand. So ist auch der evangelischen Kirche die Bibel das Lebensbuch geworden, das die fr, che Quelle für ihre Frömmigkeit und für ihre Theologie gebhc

fcen ist.

Luther hat das Problem der Uebersetzung vraktüch gelöst Es gibt keine Uebersetzung der Bibel die^ besser wäre als diese. Auch heute kann Luthers Uebersetzung wohl im Einzelnen verbessert werden; aber sie darf nicht in ihrem Charakter ver­ändert werden. Auch was Luther über die Auf­gabe des Ueberfetzens gesagt hat, ist nicht überholt. Er meint, man müsse selbst das werden^was der ist, den man übersetzt. Mit dem ganzen Wesen müsse man sich dem Fremden anpassen, wenn man das fremde Leben in der Sprache des eigenen Lebens ausdrücken will.

So ist Luthers Bibelübersetzung das größte Bei­spiel für die Uebertragung des einer anderen 215elt entstammenden christlichen Geistes in die Gedanken- und Gefühlswelt,des eigenen Volkes. Nicht einzelne Elemente in Luthers Frömmigkeit sind deutsch; aber d i e Formung und Gestaltung des Ganzen ist deutsch. Mögen die Einzelstücke wo immer Herkommen, an der deutschen Formung des Ganzen wird dadurch nichts geändert. Es ist wie mit den großen Bildern Dürers oder Rem­brandts: Sie bringen Stoffe aus der fernen orienta­lischen Welt, aber d i e Seele und die Form, in der diese fremde Welt ausgedrückt wird, i st deutsch. Im Ganzen, nicht im Einzelnen, findet man das Deutsche. Das gilt auch von der deutschen Bibel die Luther als lebendiges Erbe feinem Volk geschenkt hat Möchte das Volk sich die Kraft zur Bibel und damit zum Deutschtum erhalten! Das Wort sie sollen lassen stahn!