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schen aus ganz England, um dem Braut­paar und seinem Königshause zuzujubeln. Fast noch eindrucksvoller als dieses unendliche Menschenmeer waren die verlassenen Straßen der ent­legenen Stadtteile Londons, in denen kleine Men­schengruppen entblößten Hauptes vor Lautspre­chern standen und, als die Braut dem Erzbischof von Canterbury das Treugelöbnis nachsprach, das mit den Worten begann:Ich Marina, nehme dich, Georg Edward Alexander Edmund zu meinem an- getrauten Mann", mit ihr dasAmen" zum Schluß flüsterten.

Die gesamte Nation, alt und jung, arm und reich, hoch und niedrig, nahm an diesem Ereig­nis wie an einem Familienereignis teil. Schon seit den frühen Morgenstunden waren alle Straßen, durch die sich der Hochzeitszug vom Buckingham- Palast nach der Abtei bewegte, von Hunderttausen­den von Menschen gefüllt, die z. T. schon am Abend vorher ihre Plätze eingenommen hatten. Das Bild wurde belebt durch die bunten Uniformen der Truppen und der Polizei, die zu Tausenden die Straßen säumten. Dazwischen bewegten sich höhere Offiziere zu Fuß und zu Pferd in ihren scharlach- roten Uniformen mit Federbüschen und gold- und silberverschnürten Uniformen. Unter den geschmück­ten Gebäuden am Mall, der breiten Allee, die nach dem Buckingham-Palast führt, wirkte vor allem d i e deutsche Botschaft, die mit aus Deutschland gesandten Fichtengirlanden auf rotem Grunde ein­fach und würdig bekränzt war. In den Jubel der Menschenmenge beim Herannahen der Wagen mit dem Kömgspaar, den Prinzen und vor allem mit dem Brautpaar mischte sich der Klang der Glocken und das Spiel der englischen Nationalhymne.

Die Traufeier in der Westminster- Abtei bot ein unvergeßliches Bild. Der Altar war

in ein Meer von Licht getaucht. Etwa 50 rote und weiße Stühle waren für die königlichen Gäste aufgestellt. Das Leuchten der Uniformen der Diplomaten und der hohen Beamten wurde hier und da unterbrochen durch die schwarzen Fracks der Zioilgäste und die weihen Kleider der Damen. Nachdem die Gäste ihre Pläke eingenommen hatten, erschienen der griechische Patriarch, der Erzbischof von Canterbury und der Erzbischof von Pork. Von vier hohen Geist­lichen in roten und goldenen Gewändern geführt, erschien das n i g s p a a r, der König in Marine- uniform. Dem Königspaar folgte der Bräuti- gam, begleitet von seinen Brüdern, dem Prinzen von Wales und dem Herzog von York. Als letzte schritt die Braut im silberglänzenden Kleid a m Arme ihres Vaters, der Husarenuniform trug, und begleitet von acht Brautjungfern zum Altar. Mit fester Stimme sprach der Herzog von Kent dem Erzbischof den Treuschwur nach. Nach­dem auch Prinpessin Marina den Treuschwur ab­gelegt hatte, folgte der Ringwechsel. Um 11.14 Uhr erklärte der Erzbischof von Canterbury beide für Mann und Weib. Als das Brautpaar die Abtei verlieh, ertönte der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn, in den sich die Jubelrufe der Menschen­masse mischten.

Am Tage der Prinzenhochzeit herrschte b i s nach Mitternacht im Regierungsviertel und im Westen Londons dichte st er Verkehr. Menschenmassen bewegten sich durch die Straßen, um die festlich geschmückten und beleuchteten Häuserfronten zu bewundern. Die Theater und Hotels waren vielfach wegen lieber- füllung geschlossen. In den viel zu engen Londoner Straßen kam es häufig zu Verkehrs­störungen.

Zwischen Gleichberechtigung und Sicherheit.

Will England neue Rüstungsverhandlungen einleiten?

Londoner Pressestimmen zur Äüstungsdebatte.

London, 30. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Obwohl die Aufmerksamkeit der Londoner Blätter im großen Maße durch die gestrige Hochzeitsfeier in Anspruch genommen ist, nehmen auch mehrere Blätter zu der Rüstungsdebatte Stellung.Daily Exvreß" schreibt, die Rede Baldwins könne logischerweise nur zu einem von zwei Zielen führen, das eine sei ein Bündnis mit Frankreich und Verwick­lung in das schwierige System der französischen Außenpolitik, das andere seiglänzende Iso­lier u n g". Hoffentlich werde Die Entscheidung zu­gunsten derIsolierung" ausfallen.

News Chronicle" schreibt, die Aeußerungen der deutschen Blätter zur Rüstungsfrage seien nicht ge­rade ermutigend, aber doch viel verheißungs­voller, als erwartet worden jei. Ein Blatt glaube, Baldwins Rede fei ein Fühler in Richtung auf neu varzubereitende Verhandlungen über die Abrüstungskonvention. Tatsächlich habe Bald­win davon gesprochen, daß vielleicht die Gele­genheit für einen ersten Schritt ge­kommen sei, um die Nationen wieder zusammen­zubringen. An der britischen Regierung sei es, den Weg zu weisen. Frankreich verlange nach wie vor Sicherheit und Deutschland Gleichberech­tigung. Und keine andere europäische Macht außer England sei stark und unbeteiligt genug, um eine Versöhnung dieser Forderung zu versuchen. Was Frankreich heutzutage als wirksame Garantte seiner Sicherheit betrachte, bleibe abzuwarten. Der erste Schritt sollte darin bestehen, Deutschland zu fra­gen, ob es sich bereit erklären wolle, in den R a t der europäischen Mächte zurückzukeh­ren, falls ihm die geforderte Gleichheit gewährt werde. Es sei nicht ganz undenkbar, daß die Regierung den Mut finden werde, eine Wiederaufnahme der Besprechungen vom Frühjahr vorzuschlagen. Vielleicht werde Frankreich britische

Garantien jetzt weniger geringschätzig behandeln als im Avril, da es sich klar darüber sei, daß Deutschland in Richtung auf Gleichheit ohne internationale Kontrolle aufrüste. Großbritannien werde in derselben Erkenntnis vielleicht größere Bereitschaft zeigen, den Garantien Nachdruck zu geben.

Morning Post" führt aus, Baldwin habe an Deutschland die deutlichste Einladung zur Rückkehr in den Völkerbund gerichtet, die jemals seit Deutschlands Weggang von irgendeiner Regierung gemacht worden sei. Diplomatische Kreise sähen mit Interesse der Antwort Hitlers ent­gegen. Wenn Deutschland nach Genf zurückkehrte, würde der Weg für eine Erörterung der Rüstungs­probleme auf einer viel realistischeren Grundlage als vor einem Jahre frei sein. Unfruchtbares Ge­rede darüber, ob Deutschland seine Vertragsver­pflichtungen erfüllt habe oder nicht, würde ver­mieden werden, und die Parteien würden a u f dem Fuß der Gleichberechtigung in dem Wunsche zusammentreten, zum beiderseitigen Vor­teil eine Konvention abzuschließen. Dies sei die Meinung der britischen Regierung. Ob Frank­reich Die Sache in demselben Licht be­trachten werde, sei allerdings die Frage. Die jetzige französische Regierung sei zwar viel weniger zu einem hartnäckigen Beharren auf ihren Vertragsrechten entschlossen als ihre Vorgängerin. Aber sie sei der Meinung, daß Deutschland den ersten Schritt tun sollte. Die Schwierig­keit werde sein, diesen Gesichtspunkt der in er­heblichem Maße von der britischen Regierung ge­teilt werde mit Hitlers ausgesprochenem Ent­schluß zu versöhnen, nicht nach Genf zurückzukehren, bevor praktische Rüstungsgleichheit bewilligt sei. Da aber Deutschland jetzt auf dem Wege zu dieser praktischen Gleichheit sei, werde vielleicht die juristische Anerkennung dieser Tatsache nicht so bedeutsam für Deutschlands Ansehen fein; deshalb bestehe Aussicht daraus, daß ein Kompro­miß möglich sein werde.

Oie Aufgabe -er Frontkämpfer: Vertrauen schaffen.

Eine Unterredung mit dem französischen Frontkämpferführer Jean Goy.

Als Pressevertreter des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpfer-Bundes (Stahlhelm) hatte Karl M i e d b r o d t Gelegenheit zu einer Unter­redung mit dem französischen Abg. Jean G o y, der als Führer der Union Nationale des Combat- tants (UNC.), der größten und einflußreichsten na­tionalen französischen Frontkämpferorganisation, in der letzten Zeit in den politischen Vordergrund ge­treten ift M. berichtet über deren Verlauf:

M.:Fassen Sie bitte meinen Besuch als den Ausdruck der Tatsache auf, daß sich zwei Front­kämpfer beider Länder über den leider noch be­stehenden Schützengraben hinweg in die Augen sehen wollen. Beide wissen wir, die wir unser Vaterland lieben, welche Achtung und welche Ehre wir dem ehemaligen Gegner schuldig sind. Heute stehen wir uns nicht als Soldaten gegen­über, sondern als Männer, die die ganze politische und wirtschaftliche Not zwischen unseren Völkern fühlen. Die Gegensätze, die hieraus zwischen unseren beiden Völkern entstanden sind, zu lösen, ist nicht unsere gegenwärtige Aufgabe. Wir kommen aber andererseits nicht als Front- kämpfer darum herum, als Männer, die die ganze Not und Brutalität des Krieges erlebt haben, unseren Kampf um den wirklichen Frieden zwischen den beiden Völkern Unbeirrbar fortzusetzen. Mein Besuch und meine Stellungnahme zu den Gegenwarts­fragen zwischen unseren beiden Völkern gibt mir die Veranlassung, Ihnen, Herr Jean G o y, der Sie als Führer einer der bedeutendsten Front­kämpferbewegungen Frankreichs vor mir stehen, meinen Dank als Frontkämpfer zum Front­kämpfer auszusprechen für Ihren mutigen Kampf um den Frieden. Ich glaube aber auch, mit diesem Dank die Bitte verbinden zu dür­fen, mir einige Fragen zu beantworten, die über unser persönliches Gespräch hinausgehe« und meine Volksgenossen in der Heimat etwas angehen. Darf ich meine Fragen vortragen?"

Goy:Bitte!"

M.:Wir deutschen Frontkämpfer haben nach unserer Meinung durch den Mund von Rudolf Heß und Franz Seldte, hinter deren Auf­

fassung wir uns bedingungslos stellen, das getan, was wir für eine gedeihliche Aussprache für mög­lich halten. Sie, Herr Jean Goy, sind in Berlin gewesen, haben mit dem Führer und mit Rudolf Heß gesprochen. Welchen Eindruck haben Sie da von Deutschland, unter Berücksichti­gung der kurzen Zeit, die Sie in Deutschland wa­ren, gewonnen, und was haben Sie Posttives aus der Unterredung mit nach Frankreich genommen?"

Goy:Aus meiner Unterhaltung habe ich den Eindruck mitgebracht, daß es erforderlich ist, die zukünftigen Beziehungen unserer beiden Völker a u f der Grundlage enger und häufiger Fühlungnahme zwischen den Frontkämpfern der beiden Länder aufzubauen. Ich bin davon über­zeugt, daß in Deutschland die Führer sich darüber klar sind, daß der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas von den guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich abhängt."

M.:Läßt diese Ihre In Deutschland gewonnene Auffassung den Schluß zu, daß Sie und die hinter Ihnen stehenden Frontkämpfer zu einer fruchtbaren Aussprache mit dem Ziel der Verständigung bereit sind?"

Goy:Ich bin versönlich bereit, die Un­terhaltung fortzuführen, um zu bestimmten Ver­einbarungen zu gelangen, und ich glaube, daß meine Kameraden von der UNC. meine Auffassung teilen werden, sofern die Auf­richtigkeit, an der ich nicht zweifle, der gegenseitigen Erklärungen durch die Tat gewährtet st et wird."

M.:Halten Sie meinen Eindruck, den ich in Paris gewonnen habe, für richtig, wenn ich sage, daß die Franzosen wob! um ihre Sicherheit besorgt sind und alles tun, um sich vor allen Möglichkeiten zu schützen, daß man Sber von einer Deutfchfeindlichkeit nicht direkt sprechen kann, und daß der Teil der Presse in Paris, der immer und immer wieder Deutschland als den Friedensstörer und als die Gefahr hinstellt, im Grunde genommen von Interessenten b e ft i m m t wird, die nicht den Frieden wollen?"

Goy:Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Franzosen außerordentlich um die Sicherheit ihres

Oie Reform des Bank- und Kreditwesens

Oie Vorschläge des Untersuchungsausschusses.

Berlin, 29. Nov. (DNB.) Nachdem die Prü- fungen des Untersuchungsausschusses für das Bank­wesen abgeschlossen sind, hat der Vorsitzende des Ausschusses, Reichsbankvräsident Dr. Schacht, den vom Ausschuß fertiggestellten Bericht an den Führer und Reichskanzler geleitet. Dieser Bericht wird als Grundlage für die von der Reichsregierung zu treffenden Maßnahmen dienen. Der Bericht besaßt sich zunächst ausführlich mit den Mängeln der Vergangenheit, um dann die Grundlage einer Neuordnung aufzuzeigen. Die Wiedererlangung eines innerlich gesunden und leistungsfähigen Kreditapparates hat zur Voraussetzung, daß seine Wirtschaft­lichkeit wieder hergestellt wird. Sie ist, ganz abgesehen von etwaigen Gewinnausschüttun­gen, erforderlich zur Beseitigung der Krisenreste zur Neubildung von Risikoreserven und vor allem zur Verringerung der Zinsspanne. Die Herstellung eines den Aufgaben des nationalsozia­listischen Staates entsprechenden Geld- und Kapitalmarktes muß das Kernstück einer jeden Neuordnung fein. Erst wenn für das Kredit­wesen und die öffentliche Finanzgebarung der feste Boden eines intakten Geld- und Kapital­marktes geschaffen ist, sind auch die Voraussetzungen für ein organisches und gesundes Leden der ge­samten deutschen Wirtschaft gegeben. In einer e l a st i s ch e n Staatsaufsicht glaubt der Ausschuß insbesondere den programmatischen For­derungen des Nationalsozialismus auf dem Wege des Kreditwesens den gegenwärtig vollkommensten Ausdruck zu geben. Es sind erforderlich

1. Beaufsichtigung aller Kreditinstitute,

2. Unterwerfung aller Kreditinstitute unter einen Genehmigungszwang,

3. Sicherstellung einer ausreichenden Liquidität, 4. Trennung von Geldmarkt und Kapitalmarkt und damit Sicherung des Spargeschäftes,

5. Sicherstellung eines geordneten Zahlungsver­kehrs,

6. Ueberwachung des Kreditgeschäftes und weit­gehende Publizität,

7. zweckmäßige Zusammensetzung des Aufsichts­amtes.

Ein mit den nötigen Vollmachten auszustattendes Aufsichtsamt für das Kreditwesen ist eine zwingende Notwendigkeit. Vor allem ist es erforderlich, daß sämtliche Kreditinstitute re st los erfaßt und dem Aussickstsamt unterstellt werden. Das Amt wird für die Uebereinftimmung der Kreditgebarung der Institute wie der Wäh- rungs- und Kreditpolitik des Reiches sowie mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik Sorge tragen müssen. Entsprechend dem in Form und Inhalt der Reichs­führung eingetretenen Wandel sind verstärkte Ein­wirkungsmöglichkeiten im Sinne einer Konzentrie­rung aller Wirtschaftskreise auf die nationale Wieder- aufbauarbeit zu schaffen.

Der Ausschuß empfiehlt die Einführung eines Genehmigungsverfahrens für Kredit- Unternehmungen. Die Erlaubnis zum Be­triebe einer Kreditunternehmung soll von bestimm­ten sachlichen und personellen Voraussetzungen ab­hängig gemacht werden. Der derzeitige Zustand bedingt auch die Befugnis, innerhalb einer an­gemessenen Uebergangszeit den Kreditapparat durch Aufhebung vorhandener Kreditinsti­

tute zu bereinigen. Die Führung der Bezeichnung Bank",Bankier",Sparkasse" ober einer Bezeich. nung, in der diese Worte enthalten sind sollen unter einen gesetzlichen Schutz gestellt werden. Die Liquldltätsvorschriften müssen negativ die Höhe der festliegenden und weniger flüssigen Aktiven nach oben begrenzen, positiv die Mindest, quoten für die Haltung besonders flüssiger Anlagen festsetzen. Um Dem Kreditverkehr die notwendige Sicherheit und Ordnung zu geben, ist es erforderlich, eine Trennung des kurz- und lang, triftigen Geschäftes durchzuführen. Um den Sparkassen das kurzfristige Privatgeschäft zu erhalten, schlägt der Ausschuß vor, daß allen Kredit. Unternehmungen,die Spareinlagen annehmen, auferlegt wird, diese nur einer Anlage zuzuführen, welche der langfriftigen Form der Spar, einlagen entspricht, und das Spargeschäft von den übrigen Geschäften auch buchmäßig zu trennen. Durch eine solche Regelung wirt Die Sicherheit der Einlagen erhöht, werden dein Kapitalmarkt in beachtlichem Umfange langfristige Mittel zugeführt, dadurch^ seine Aufnahmemöglich, feiten gesteigert und die Bestrebungen zur Senkung des Kapitalzinses gefördert.

Der Ausschuß hat von einer generellen Empseh. lung der Verstaatlichung des Kreditwesens abge« sehen. Er ist vielmehr Der Ansicht, daß unbeschadet der Stellung Der Sparkassen Die private Ini. tiatioe mit eigener Verantwortlich« feit die zweckmäßigste Organisation der Kredit« Institute darstellt, wenn zugleich durch eine ent« sprechende Gestaltung Der Aufsicht Dem Gesamt- interesse rücksichtslose Geltung verschafft wird.

Der Ausschuß glaubt, daß dem Gedanken einet Dezentralisierung im. Kreditgewerbe eint erhebliche Bedeutung zukommt. Infolgedessen sollten die voryandenen Regionalinstitute g e f ör« dert und Neugrünoungen, wenn ihre Lebens­fähigkeit gewährleistet erscheint, unterstützt werden. Aus dem gleichen Grunde und unter denselben Voraussetzungen ist auch dem Wiederaufbau des Privatbankier st andes Aufmerksamkeit zu schenken. Um eine möglichst breite Verteilung der von einem Institut gewährten Kredite auf die ver­schiedensten Geschäftszweige und die Ausschließung allzuhoher Einzelrisiken zu gewährleisten. Ist es notwendig, eine Höch st grenze der Kredite für die einzelnen Institute festzusetzen, die nur überschritten werden darf, sofern die Ser« antroortung für Die Kreditgewährung von samt« lichen Mitgliedern des Vorstandes übernommen wird. Der Ausschuß hält es für richtig, daß un« gedeckte Kredite nicht ausgeschlossen werden, daß aber, sofern sie eine gewisse Mindestgre^e überschreiten, der Kreditnehmer seine wirtschaften Verhältnisse offenlegen oder Einsicht in seine w» schästsbilanzen gewähren muß. Eine häufige unb regelmäßige Berichter st attung der Kredit- inftitute an Die Oesfentlichkeit erhöhen bie Sicher­heit Der Institute unD förDern das Vertrauen zum Kreditwesen. Der Ausschuß empfiehlt, alle Kredit» Unternehmungen zu verpflichten, Dem Reichsbank» Direktorium ihre Jahresbilanz und, soweit die Bi­lanzsumme eines Instituts eine Million Mark über­steigt, Monatsausweise einzureichen mit eingehen­den Erläuterungen.

Landes besorgt sind. Sie haben Dabei aber keinerlei FeinDseligkeit noch Angriffsgelüste. Sie sind friedliebend, denn sie sind stark. Was Die Haltung der Presse anbelangt, ist es schwer zu ergründen, aus welcher Quelle ihre Informationen stammen. Meines Erachtens lassen sich diejenigen Zeitungen, die eine Besorgnis zeigen, vielmehr durch die gemeldeten Nachrichten beeinflussen als durch Eigennutz. Will man einen Umschwung in der Öffentlichen Meinung Frankreichs erreichen, so müßte über diesen Punkt absolute Klarheit ge­schaffen werden, dann wäre für Frankreich Die Möglichkeit gegeben, Die Anstrengungen in Bezug auf Die Landesverteidigung einzustellen."

M.:Gestatten Sie mir bitte nach Ihrer frei­mütigen Antwort eine Gegenfrage: Haben Sie in Deutschland eine Franzofenfeindlichkeit gespürt ober etwas, was Sie als Vorbereitung für eine kriege­rische Absicht deuten konnten?"

Goy:Bei meiner letzten Anwesenheit in Deutschland habe ich mich nur kurze Zeit dort auf- gehalten; aber ich muß zugeben, daß Die mir im besonderen von den Frontkämpfern gezeigten Gefühle außerordentlich herzlich gewesen sind und geeignet waren, manches Mißverständnis zu beseitigen.

M.:Indem ich Ihnen den Dank für Ihre Be­antwortung meiner Fragen ausspreche, bemerke ich, daß sich durch unsere Unterhaltung bestätigt hat, daß das Frontsoldatentum kein leerer Wahn ist, sondern von Menschen getragen wird und als Gefolgschaft Manner hat, die real und nüchtern bie Lage betrachten unb banach, wie im Schützengraben, ihre Entscheidungen fällen, ritterlich unb ehrlich kämpfen unb da- mit auch berufen sinb, ben wirklichen Frie­den herbeizuführen. Können Sie mir noch einen Vorschlag mit auf den Weg geben, wie Sie sich in Zukunft die Friedensarbeit der Frontsoldaten vor­stellen?"

Goy:Die Frontsoldaten unserer beiden Län­der werden nur bann nützliche Arbeit leisten kön­nen, wenn sie offen, ich mochte fast sagen brutal ihre Meinung sagen. Alles, was unsere Volker beunruhigt, muß ausgesprochen wer­den, und alle unsere Anstrengungen müssen dahin zielen, durch die Tat Schwierigkeiten zu beheben. Das liebel ist vor allem geistiger Art. Es muß Vertrauen geschaffen wer­den. Häufige Fühlungnahme, hauptsächlich auf Grund unseres Gedankenaustausches getroffene Ent­schließungen können allein die für uns alle so wünschenswerte Entspannung heroeisühren." Goy über seine Berliner Reise.

Paris, 30. Nov. (DNB. Funkspr). DasPetit Journal" hat ben Abgeorbneten Goy gebeten, ihm Zweck unb Ziel feiner Berliner Reise barzulegen. Goy erklärt, ein Regie­rungschef, ber selbst ehemaliger Front­kämpfer sei, erkläre sich bereit, auf verschiebens an ihn gestellte Fragen zu antworten. Wenn man sich auf eine berartige Befragung ohne Gegen­leistung einlasse, heiße bas nicht klar den Wunsch bekunden, das Terrain von mehreren Mißverständnifsen zu bereinigen, um zu Verhandlungen mit Deutschland zu kommen?

Ich hatte bas Gefühl, daß es vergeblich fei, mit Männern zu verhandeln, die wirklich nicht die

Herren Deutschlands waren. Heute haben wir es mit einer Regierung zu tun, die nicht Gefahr läuft, morgen durch den Sturz der parlamentarischen Mehrheit desavouiert zu werben? Daher erkläre ich zu den Verhandlungsangeboten: Darum nicht?

Welche Probleme stehen brennend zwischen uns? Es gab ben berüchtigten Polnischen Korri - b o r; man fürchtete, baß wir eines Tages zu wählen haben würben, entroeber uns für Polen zu schlagen ober unseren Verbünbeten im Stich w lassen. Nun hat Hitler biese Frage mi/ Polen geregelt? Das Saargebiet?- Jn zwei Monaten wird bie Angelegenheit I i qui* biert sein. Es bleibt babei also nur lit Frage ber beutfdjen Rüstungen. DeuW lanb rüstet unb stellt bies nicht in Abrebe. Abtt gibt es außer ber Gewaltlösung ein anberes Mittel als eine Aussprache, um Deutschland dahin zu bringen, die Notwendigkeit einer Begrenzung unb späteren Herabsetzung seiner Rüstungen ein­zusehen?

Auf den Einwand, daß die Kleine En­tente unb Sowjetrußlanb burch Der« hanblungen Deutschland mit Frankreich unruhig unb entfrembet werben konnten, antwortete Goy:

Es handelt sich nicht darum, eine Entente gegen irgendein anderes Land zu schaffen, sondern darum, die Furcht vor einem deutsch« französischen Konflikt zu besei­tigen und dadurch dazu beizutragen, d i t ganze europäische Atmosphäre zu ändern. Die wünschenswerte Rückkehr Deutsch la nds nach Genf wird einer deutsch-französischen Aussprache nur folgen, aber nicht ihr vorangehen.

Ich glaube, baß eine Aborbnung ehemaliger stau' zosischer unb beutscher Frontkämpfer einige Tage vor ber Saarabstimmung nach Saarbrücken begeben und während dck ber Abstimmung folgenben Wochen bort bleibeff könnte. Sie wäre geeignet, burch ihre Anwesend bie Abstimmungssicherheitzu gernä leisten. Angesichts einer solchen moralischen ruhigung bürsten bie erregten Elemente sich E hüten, einen Zwischenfall hervorzurufen.

Die französisch-italienischen Verhandlungen.

p a r i 6, 30. Nov. (DNV.-Funkspruch.) lieber den Stand der französisch-italienischen Verhandlungen berichtet derMatin", man habe bereits die Fragt der R ü st u n g e n geprüft. Jehl werde man d e Kolonialfragen in Angriff nehmen und an­schließend die technischen Probleme ^tfero« um schließlich die Zusammenarbeit in teleuropa zu behandeln. Man hoffe, daß v dahin in Genf eine solche Entspannung eingetreten fei, daß Frankreich, ohne J seine Bündnisse zu verstoßen, m___