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Englands nationaleRegierung
Macdonald kündigt Aufrüstung an.
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Sonntag auf Stapel gelegt wurden, zu vermindern. Die notwendigen technischen Aenderungen
wünsche aus, mit denen ich meine besten Wünsche für Eurer Exzellenz persönliches Wohlergehen und für das weitere Gedeihen, der türkischen Nation oer-
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rung dringend ein Wettrüsten zur See mit Italien oder sonst einer Macht zu vermeiden. Es sei aber möglich, baß die italienische Regierung bereit sein werde, die Tonnage für eine Gegenleistung her-
nicht leisten.
Macdonald machte auch kurze Bemerkungen über die Rüst un gs frage; er sagte: Wir taufen Gefahr. Wir sind Gefahren gelaufen, indem wir unsere Rüstungen und Verteidigungskräfte auf ein Winde st maß herabsehen liehen. Wir sind Gefahren gelaufen, um der Welt zu zeigen, dah wir aufrichtig sind. Wir sind in der Lage gewesen, zu einer internationalen Konferenz nach der anderen zu gehen und den Leuten gerade ins Auge zu sehen, die nicht mit uns übereinstimmten und nicht ganz so von der Friedensliebe erfüllt
waren, wie wir es gewesen sind. Wir haben unsere Verteidigungskraft tief und tiefer herabsehen lassen, damit wir einen grohen Antrieb zur Rettung des Friedens geben können. Für uns ist es nunmehr notwendig, angesichts des Beispiels, das uns eine Ration nach der anderen gibt, Schrittezu tun. um uns in der Welt zu schützen.
MacDonald rief besonders die junge Generation zur Mitarbeit auf. Sie solle in der nationalen Regierung den Ausdruck einer großen Philosophie sozialen Fortschritts sehen. Stabilität und organische Evolution seien die einzige Politik, die Regierung und Nation weiterbrächten. Der Klassenkampf sei ein Werk des Teufels. Baldwin sagte, die sicherste Gewähr des Friedens sei die soziale und demokratische Stetigkeit und der Weiterbestand einer Regierung auf breiter Grundlage, die einsichtige Männer um sich vereine. Ich sehe, so erklärte Baldwin, in der nahen Zukunft keine Aus-
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kleinen Sachverständigenausschusses vorgeschlagen. Japan lehnte das ab, da die Einigung über die Grundlinien noch nicht weit genug gediehen s '
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Auge zu fassen.
„Le Jour" behauptet, daß die Erklärungen P6- tains ungewollt in die Oeffentlichkeit gelangt seien. Eigentlich sei der Bericht nur für die parlamentarischen Archive bestimmt gewesen. Ein Teil des Berichtes sei irrtümlich an die Presse gelangt und kurz darauf auch im Rundfunk ange- sagt worden. Sobald der Irrtum den Behörden bekannt geworden sei, habe sich das Innenministerium bemüht, die Verbreitung der Auslassungen des Marschalls Pötain abzuftoppen. „Le Jour" fügt hinzu, man brauche die Wahrheiten, die Mar- schall Petain gesagt habe und die ihm nur zur Ehre gereichten, nicht geheimzuhalten.
Kleine politische Nachrichten.
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Das Wettrüsten derMttelmeemä'chte.
Frankreich erwartet italienisches Entgegenkommen.
London, 30. DEL (DNB. Funkspruch.) „Times" meldet, in Paris hoffe man, daß die italienische Regierung dazu veranlaßt werden könne, die Tonnage der beiden 35 000-Tonnen-Schlachtschiffe, die am
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Zum türkischen Nationalfeiertag hat der Führer und Reichskanzler an Ghazi Mustapha Kemal das nachstehende Telegramm gerichtet: „Eurer Exzellenz spreche ich anläßlich des tiirHichen Nationalfeiertages meine herzlichen Glück-
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Forderung eines wirtschaftlichen Fünfjahresplans, der Regelung des Achtstundentages, der Wunsch nach „Verteilung" der Arbeit und die Hervorhebung der Notwendigkeit „verschiedene andere Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" zu ergreifen, smd deutliche Hinweise auf die Schwierigkeiten Frankreichs, das bisher vielleicht am stärksten von allen Ländern in der Lage war, sich den allgemeinen Krisenerscheinungen zu entziehen. Dabei ist naturgemäß in Betracht zu ziehen, wie dies geschehen konnte, insbesondere durch die Reparationsleistun- gen, die Frankreich von Deutschland erhalten hat. Aber trotzdem drängt sich dem französischen Volke der Gedanke auf, daß mit den alten Mitteln ein Ausweg aus den Wirtschaftsnöten nicht gefunden werden kann. Die Forderungen des radikalen Parteitages sind dafür ebenso ein Zeichen, wie die Spaltung bei den Sozialisten vor einigen Monaten. Daß aber auch b t e Außenpolitik eine andere werden muß, — wenn die Wirtschaftskrise mit Erfolg bekämpft werden soll, diese Erkenntnis will nur langsam Boden finden.
London, 30. DEL (DNB. Funkspruch.) Die Morgenpresse befaßt sich mit dem bisherigen Verlauf der Flottenbesprechungen. Die Lage wird keineswegs als aussichtsvoll angesehen. Sowohl im englischen wie im amerikanischen Lager wird als Haupthindernis Japans Forderung nach völliger Gleichheit der Gejamtton- n a g e der drei Seemächte betrachtet. Immerhin wäre man zu Abänderungen am Washingtoner Vertrag grundsätzlich bereit, und zwar sei bei der britischen Delegation eher ausgesprochene Bereitschaft dazu zu finden als bei der amerikanischen. Gegenüber dem japanischen Versuch, zwischen Schiffen mit ausgesprochenem Angriffscharakter und solchem mit ausgesprochenem Verteidigungscharakter zu unterscheiden, ist man auf britischer Seite keineswegs geneigt, zuzugeben, daß das U-Boot ausschließlich eine Verteidigungswaffe darstelle. In der Frage der Großkampfschiffe ist keine Aenderung zu verzeichnen. Die britische Regierung hat ja wiederholt ihre Bereitschaft bekundet, Größe und Bestückung der Linienschiffe herabzusetzen, aber d i e Amerikaner wollen nicht unter die Grenze von 35 000 Tonnen heruntergehen. Von den Amerikanern wurde die Bildung eines
halb der Regierung freie Hand besitzt. Die Zu- vitzung der Entscheidung um das Recht der xammerauflösung, das Doumergue aus den Händen des Senats in diejenigen des Minister- präfföenten überleiten will, ist der Kardinalpunkt der inneren Kämpfe in Frankreich. Der Ministerpräsident hat sich in der letzten Zeit Zurückhaltung darüber auserlegt, ob er die unbedingte Zustimmung zu diesem Plan fordert, oder aber einem Kompromiß zuneigt. Sowohl die Radikalsozialen als auch ein großer Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs reden dem Ministerpräsidenten gut zu, er möge auf dieser Bedingung nicht bestehen blei- den. Unter dem Deckmantel, daß es sich um die Wahrung der Rechte der Volksvertretung handele, sucht man unter Einschaltung einer Volksabstimmung im Falle eines ernsthaften Konfliktes zwi- schen Regierung und Kammer einen Ausweg aus der Situation, die völlig verfahren ist, wenn Doumergue auf seinem Willen besteht.
Die Verhandlungen von Nantes waren im übrigen von beachtenswerten Berichten über die wirtschaftliche Lage Frankreichs umrahmt. Die
f ch a n o w vollzogen, der seinerzeit den Arktisflug des Luftschiffes „Graf Zeppelin" mitgemacht hat. Seiner Meinung nach wird beim Aufstieg des Ballons die mitgeführte Rundfunkstation die Bewegungen des Ballons mechanisch registrieren und der Leningrader Funkstation die Ergebnisse mitteilen. Man erwartet, daß man mit diesem neuen Modell eine Höhe von 16 0 0 0 bis 18 000 Metern erreichen wird.
Aus aller Wett.
Zeitungsdruckpapier aus deutschem Kiefernholz.
Die Bemühungen der deutschen Forstwirtschaft zur besseren Ausnutzung des Rohstoffes Holz find von einem bedeutungsvollen Erfolg gekrönt worden. Es ist der Gemeinschaftsarbeit des Ausschusses für Technik in der Forstwirtschaft beim Deutschen Forstverein mit dem Holzforschungsinstitut Eberswalde und verschiedenen Sachverständigen gelungen, einen für Zeitungsdruckpapier sehr gut verwertbaren Holzschliff aus deutschem Kiefernholz herzustellen. Seither machte der starke Harzgehalt des Kiefernholzes die Verarbeitung des Kiefernholzschliffs für Druckpavierzwecke völlig unmöglich. Durch ein in erster Linie von dem Ingenieur D d r i ch und dem Werkmeister Lamprecht entwickeltes einfaches Verfahren ist es nun möglich, den Harzgehalt während des Schleifvorganges so weit zu entfernen, daß ein technisch brauchbarer Holzschliff entsteht. Es wurden in diesen Tagen die ersten Druckpapierrollen hergestellt, die 80 v. H. Holzschliff deutschen Kiefernholzes enthalten. Es ist auch schon ein umfangreicher Druckversuch gemacht worden. Da es sich um den Anfang einer neuen Fabrikation handelt, sind selbstverständlich noch eine Reihe von technischen Mängeln zu verzeichnen. Aber schon jetzt macht bas Druckpapier einen sehr guten Ein- brurf; insbesonbere steht auf ihm bie Farbe ausgezeichnet, so baß ber Druck selbst bei kleinen Schriftgrößen ausgezeichnet lesbar ist.
Diese neue Errungenschaft erhält insofern eine befonbere Bebeutung, als sich bei bem Beweis ihrer vollkommenen technischen Durchführbarkeit ansehnliche Dedi\enmengen ersparen lassen. Heute müssen wir — oa wir bisher im wesentlichen nur Fichtenholz verarbeiten können — jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen auslänbisches Papierholz mit einem Gesamtwert von mehr als 46 Millionen RM. einführen. Im Jahre 1934 haben mir* in ben ersten neun Monaten bereits 2,220 Millionen Tonnen mit einem Werte von 45,3 Millionen RM. eingeführt. Auch wenn man berücksichtigt, baß wir ziemliche Papiermengen ausführen unb bem Kieferndruckpapier auch noch etwa 20 v. H. Fichtenzellulose beigemischt werden müssen, bleibt doch noch eine außerordentlich hohe Ersparnismöglichkeit an Devisen.
Fihmaurice Hal Pech. — Auslralienslug abgebrochen.
Der A u ft r a l i e n f l u g des Fliegers Fitz- maurice scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Er mußte umkehren, da sich ein Teil des Fahrgestelles gelöst hatte, als sich das Flugzeug über Brüssel befand. Das Flugzeug soll nach dem englischen Flughafen Croydon zur Ausbesserung gebracht werden.
Mädchenhandel von Wien nach Monte Carlo.
Die Wiener Polizei scheint einer abgefeimten Banbe von Mädchen Händlern auf bie Spur gekommen zu sein. Vor einiger Zeit wurde in Wien ber ehemalige Kellner Klimt wegen Diebstahls unb Betruges festgenommen. Im Zuge ber polizeilichen Untersuchungen stellte sich heraus, baß Klimt in regelmäßigen Abständen nach Monte Carlo zu reifen pflegte, wobei er jebesmal junge Mäbchen mitnahm, bie niemals zurückkehrten. Die Angelegenheit gewinnt baburch erhöhtes Interesse, baß vor zwei Tagen von französischen Polizeibehörden eines bieser verschwunbenen Mäbchen, bie 18jährige Hermine Pfeiler, mit einem Messerstich in ber Brust am Stranbe von Monte Carlo aufaefunben würbe. Die näheren Umstänbe bieses Falles sind noch nicht geklärt. Man glaubt aber in Klimt ben Hauptoertreter biefer Mädchenhänbler vor sich zu haben, bie für bas Verschwinden einer Reihe von Wiener Mäbchen in ber letzten Zeit wahrscheinlich verantwortlich zu machen sinb.
sicht für eine Rückkehr zu ben Parteikämpfen von früher. Es müsse alles getan werden, um die Einheit aufrecht zu erhalten, die augenblicklich in ber nationalen Regierung besteht. Das englische Volk müsse erneut überrebet werben, ber nationalen Re- aieruna eine weitere Zeitspanne zu geben. Auch Sir ahn Simon erklärte, baß bas System ber politischen Zusammenarbeit fortbauern müsse. Im Aus- lanb bestehe kein Zweifel baran, baß bie nationale Regierung für Englanb gut gewesen fei. Das augenblickliche Zeitalter sei ein Zeitalter nicht bes
Der frühere spanische Minister P r i e t o , ber im l Zusammenhang mit ber spanischen Ausstandsbewe- nUng geflüchtet war, ist nach einer abenteuerlichen Meerfahrt auf französischem Boben getan b e t. *
Auf Grund des chinesisch-türkischen Freundschaftsvertrages ist die Errichtung von Gesandtschaften in Ankara unb Nanking beschlossen worden. ___________________
wenn er statt heute er st morgen seine große Rede halte. Er bemühte sich darzulegen, daß die Versammlung auch im letzten Falle in ihrer souveränen Entscheidung nicht beeinträchtigt werde. Einen Zwischenrufer, der darin eine „Schiebung" sehen wollte, überantwortete er zornig der allgemeinen Entrüstung. Damit war die Situation gerettet. Bei ber folgenden Abstimmung waren von den Halbtausend Protestrufen von vorhin kaum zwanzig übrig geblieben, die ben Arm hochzuheben wagten. Herriot konnte sich nicht enthalten, befriedigt zu lächeln, und die Sitzung wurde schnell ge- schlossen.
So waltete auf bem Parteitag in Nantes bie Diktatur ber Demo kratie, recht willkürlich und auf absonderlichen Wegen. Aber bie rabikal- sozialen Jakobiner sinb mehr beim je entschlossen, an ben Errungenschaften ber Revolution ihrer Urgroßväter festzuhalten. Das haben Herriot unb Dalabier in ihren Ansprachen an bie Partei- jugenb ausbrücklich bekräftigt. Als aus ben Kreisen ber Jungen Klage barüber geführt würbe, bah bie Partei ihnen keine Ideale mehr zu geben vermöchte, da antwortete ber über 60jährige Herriot entrüstet, baß es boch traurig sei, wenn bie rabifab soziale Jugend keine Ideale mehr habe, wahrend sie, die Alien, sich bis heute ihre Ideale unversehrt erhalten hätten. . ....
So war ber Kongreß ber Rabikalsozialisten, wie es nicht anders zu erwarten war, em v o ll er Erfolg für Herriot. Damit ist bie erste Klippe in der stürmischen See der Vers ass u n g s - reform umschifft. Das Ergebnis von Nantes ist ein Kompromiß zwischen Partei unb Parteivorsitzenden, wobei die Partei die Opfer gebracht hat, Herriot dagegen für seine Verhandlungen inner-
wagen follte, den Verdacht einer Führung zu erregen ober sich besondere Ehren verdienen zu wollen. Die verletzte Demokratie müßte ihn zerschmettern und aus der Gesellschaft der Gleichen ausstoßen. So versteht man auch, baß in Frankreich gerade in Krisenzeiten so gern alte ß e u t e an bie Spitze des Staates gestellt werden. Sie haben in langen Regierungsjahren tausendfältig beweisen müssen, daß sie auch im Besitze von Amtsgewalten nicht in Versuchung gefallen find, sich Führerbefugnisse anzumaßen. Bei jungen Staatsmännern glaubt man zu viel gefährlichen Ehrgeiz vermuten zu müssen, als baß man ihnen nicht mehr zu mißtrauen brauchte.
Umgekehrt: Das höchste Maß von Autorität wird man demjenigen Politiker einräumen, bei dem die größte Sicherheit gegeben ist, daß er feine Hände niemals nach verbotenen Früchten ausftretfen wird. So erklärt sich die außerordentliche Machtstellung Herri ots in der radikalfozialen Partei. Er ist, wenngleich ganz anders gebaut wie Thiers, doch wie dieser ein „Francais moyen", ein „Durchschnittsfranzose", (beileibe nicht mit unserem „Mann aus dem Volke" zu übersetzen). Herriot ist der Hüter des heiligen Grals der unverfälschten Demo- kratie. Für ihn gibt es nur eine Souveränität, nämlich die der Mehrheit, der Majorität des Parlaments wie der Majorität des Parteitages. Niemals würde er sich anheischig machen, bie Partei zu führen, zum minbeften bürste er es niemals aussprechen.
Auf bem Kongreß in Nantes ereignete sich ein bezeichnender Vorfall. Um bie Versammlung, bie sich ber Regierung Doumergue gegenüber außer- orbentlich feindlich zeigte, in ber Frage ber Staats« reform boch von einem für bas Kabinett verhängnisvollen Beschluß abzubringen, hatte Herriot seine entscheibenbe Rebe auf ben Schluß ber politischen Aussprache am Samstagabenb verlegt. Ein junger Delegierter griff barauf am Freitag überraschend ben Parteioorstanb (nicht etwa ben Präsibenten persönlich) an unb verlangte baß ber Vorstand feine Stellungnahme f o fo r t dem Kongreß mitteile, damit dieser, der boch souverän sei, einen Tag Zeit habe, um in Ruhe unb nach reiflicher Ueberlegung seine Entscheidung zu fällen. Im Hanbumbrehen hatte sich bas Bilb ber Versammlung von Grunb auf geänbert. Die bisher lammfrommen Delegierten gerieten in Helle Aufregung und wetterten mit stürmischen Protestrufen gegen den Vorstand. Die Pariser Journalisten spitzten die Ohren und witterten Krisenluft. Am Vorstandstisch herrschte sichtbare Verlegenheit. Der Vorsitzende hatte plötzlich die Sprache verloren. Her» r i o t, der am linken Ende des Tisches saß, besprach sich heftig gestikulierend mit den umsitzenden Partei-Veteranen. Einige Gegner des Parteipräsidenten drängten sich auf die Rednertribüne und gossen schnell noch reichlich Del ins Feuer.
Inzwischen hatte sich Herriot gefaßt. Zweimal ergriff er das Wort, um zu untersuchen, ob die Souveränität des Parteitages gefährdet werde,
MM der Demokratie.
DerradilalsoziattstischeParteitaginRanteS Don unserem Dr. K.-Korrespondenten.
Paris, 29.Oktober.
Die Radikalsozialen fühlen sich als Hüter der Errungenschaften der großen Revolution von 1789. Ihre Ideale sind dieselben, welche die I a k o - feiner, jene damals im Jakobinerkloster tagenden radikalen Revolutionäre, proklamiert hatten und die in dem Ruf nach „Freiheit, Gleichheit und Bruder- lichtest" zusammengefaßt wurden Die Nachkommen dieser Jakobiner bilden seit Jahrzehnten die bei weitem stärkste Partei in Frankreich. Zu ihr gehören die breiten Schichten ber französischen Bauern und kleinen Bürger, der Franzosen ber „Provinz oder auch des „Francis moyen", wie einst der Schöpfer der Dritten Republik, Thiers, genannt würbe der in feiner schmächtigen Gestalt unb mit seinen' listigen Augen hinter ben blanken Brillengläsern ben Jbealtyp bes einfachen „Citoyen" bar-
ytod) heute achten die Rebner auf bem rabiital« sozialen Parteitag mit peinlichster Sorgfalt barauf, bie alte Anrede aus der Revolutionszeit: „Citoyens" regelmäßig unb mit Betonung zu verwenden, und auch Präsidenten unb Minister von biefer Anrebe nicht auszunehmen. Das Gleichheitspostulat ber Großen Revolution läßt kein Führertum unb keine besonderen Ehren zu. Und wehe dem Verräter an den heiligen Errungenschaften, der es
London, 29. Okt. (DNB.) Ministerpräsident Macdonald, der Führer der Konservativen Partei Baldwin und der Vertreter der Liberalen, Minister Sir John Simon legten die künftige Politik der Regierung auf einem Frühstück dar, das vorn Ausschuß der Nationalen Arbeiterpartei ben brei Führern ber nationalen Regierung gegeben würbe. Macbonalb sagte u. a.: Man könne nicht leugnen, baß bas Werk ber nationalen Regierung bem großen Mittelpunkt bes britischen Reiches in seiner Ehre, seiner Achtung unb seinem Ansehen mehr geholfen habe, als je zuvor. Man habe gesehen, wie in einer Nation nach ber anberen in Europa die Freiheit verschwunden sei. „Ich glaube an Freiheit", rief der Ministerpräsident. „Einige Leute sagen, daß ich Gesetz unb Ordnung übertreten habe, um sie aufrecht zu erhalten. Wenn es nötig ist, werde ich es wieder tun." (Diese Bemerkung bezog sich auf die Regierungsverordnung gegen „Aufreizung zur Auflehnung".) Macdonald fuhr fort, solange er und feine Mitarbeiter Gesetze machen könnten, die keinen Mann und keine Frau hinderten, die Freiheit zu verteidigen, würden sie alle Schritte tun, die sie für notwendig erachten, um _____u , ......
die Freiheit des Ganzen zu schützen. Das Land könne ^tischen Nationalfeiertages meine herzlichen Glück- sich im Augenblick eine Rückkehr zur Parteipolittk , - - ' -!t K----
Kunst und Wissenschaft.
Frobenius wird Direktor bes Frankfurter Völkerkunde-Museums.
Geheimrat Professor Dr. Leo Frodenius ist zum Direktor bes Frankfurter Museums für Völkerkunde ernannt worben. Bisher war Professor Frobenius Leiter bes bem Völkerkunde« museums angeschlossenen kulturmorphologischen Instituts, in bem bie Ergebnisse seiner Afrikaforschungen wissenschaftlich verarbeitet werben.
Der Vogelforscher Dr. Kurt Flöricke f.
Der bekannte Ornithologe Dr. Kurt Flöricke ist in Stuttgart im Alter von 65 Jahren nach langem Leiben g e ft o r b e n. Dr. Flöricke ist hauptsächlich durch seine Mitarbeit an ber naturwissenschaftlichen Zeitschrift „Kosmos", in beren Schriftleitung er schon 1906 eintrat, bekanntgeworben.
Paul Hartmann zum Preußischen Staatsschauspieler ernannt.
Ministerpräsident Göring hat den Schauspieler Paul Hartmann zum Preußischen Staatsschauspieler ernannt. — Dem hiesigen Publikum ist Hartmann aus zahlreichen Filmen bekannt; wir sahen ihn hier erst vor kurzem in ber Rolle bes Majors Korfes im „Schwarzen Jäger Johanna".
Vor einem neuen sowjetrussischen Stratosphärenflug.
In ßeningrab würbe ein neuer S t r a t o f p t) ä • r en b a 11 o n fertiggestellt, ber im ßaufe ber nächsten Tage mit Gas gefüllt unb zum Aufsteigen bereit gemacht werben wirb. Der Ballon, ber ohne Besatzung aufsteigen wirb, besitzt neuartig konstruierte Gonbeln mit eingebauter, sich mechanisch be- tätigenber Runbfunkstation unb Meßapparaten für bie Stratosphärenforschung. Der Einbau biefer Apparatur würbe unter Leitung von Prof. M o l -
Paris, 29. Oft. (DNB.) Kriegsminister Marschall P6tain gab vor bem Finanzausschuß ber Kammer Aufschluß über bie Militärkredite. Er habe bie internationale Lage einer Prüfung unterzogen unb auf bie außenpolitischen ~ ----------o— ------—o. Schwierigkeiten hingewiesen, bie sich
würden während der ersten fünf Saumonate mog-, namentnd) im Anschluß an die Saarab- lich fein. Wenn die Tonnage a u f 3 0 0 0 0 T o n - ff i m m u n g ergeben könnten. In diesem Zusam- nen vermindert wurde, sei anzunehmen, daß nienhange habe er „mit ziffernmäßigen Unterlagen bie französische Regierung bie 26 500 Tonnengrenze, y^n bem ftänbiqen Anwachsen ber Effektivbestänbe der Dünkirchen-Klasse „nicht überschreiten be5 deutschen Heeres unb seinen Ossensivmitteln" würbe. Im anberen Falle dagegen würbe das fron-1 gesprochen unb zum Schluß betont, baß es notwen- Zösische Marinemmisterlum sicher die notwendigen gi(Lr fei; wachsam zu bleiben unb „bie Defensiv- g 1 e i d) Jt a r f e r 1 Frankreichs intakt zu halten.
Schlachtschiffe fordern und auch erhalten Aus j ^ch bem „Matin" sollen sich bie nachträglichen politischen Grünben wünsche bie französische Regle- Krebitanforberungen auf 800 Millionen .hr;™,nh -in M-tti-ntt-n -I.r mit Italien Franks belaufen. Nach bem „Echo be Paris" fyabe Marschall Petain vor allem auf bie Notwen- bigfeit hingewiesen, bas Heer mit allem erforderlichen Material zu versorgen. Er habe erklärt, gegenwärtig scheine bie Regierung angesichts ber beträchtlichen Erhöhung ber Rüstungen gewisser Län- ber die von Frankreich zu unternehmenden Anstrengungen nicht mehr auf eine Erhöhung der Effektivbestände zu beschränken. Frankreich sehe sich in die Notwendigkeit versetzt, auch b e s ch l e u - nigteBeschaffungvonVorrätenunddie Modernisierung des Materials ins


