Nr.M Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) 50. April/l. Mi 1954
Ser Feslplatz auf dem Trieb zum 1. Mai.
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Das Festplatzgelände auf dem Trieb unterhalb vom Eulenkopf. Die drei Pfeile zeigen den Festplatz an, der schmale weiße Strich macht den Standort der Aufbauten kenntlich.
Unter der Oberleitung des Kreispropagandaleiters Schmelz von der Kreisleitung der NSDAP, ist seit einigen Tagen auf dem Hinteren Trieb in dem Waldwinkel links vom Eulenkopf eifrig an der Herrichtung des F e ft p l a tz e s für den Tag der nationalen Arbeit, den 1 Mai, gearbeitet worden. Das Stadtbauamt hat dort hohe Gerüste aufgebaut und eine Rednerbühne davor geschaffen, ferner rund 70 Fahnenmasten errichtet und für etwa 400 Schwerkriegsbeschädigte und Opfer der Arbeit Sitzgelegenheit hergerichtet.
Die Rednerbühne steht vor den großen Aufbauten, die rechts und links je drei riesige Hakenkreuzfahnen von je 10 Meter Höhe und 4 Meter Breite tragen, während sich in der Mitte der noch größere Aufbau für das Hoheitszeichen der Bewegung einfügt. Das ganze bot schon während des Aufbaues, den wir am Samstagnachmittag in Augenschein nahmen, ein eindrucksvolles und farbenprächtiges Bild, das durch den dunkelgrünen Hintergrund des Waldes wirkungsvoll belebt wurde.
In weitem Kreis sind, von dem Zentralpunkt der Aufbauten ausgehend, rund 70 Hakenkreuzfahnen
an hohen Masten angebracht, die dem für etwa 15 000 Menschen berechneten Fe st platz einen schönen Nahmen geben.
Auf dem Platze werden 15 Stände für Erfrischungsgelegenheiten geschaffen, so daß auch für das leibliche Wohl der Festteilnehmer ausreichend gesorgt ist.
Die Reden werden durch umfangreiche Mikrophonanlagen nach allen Teilen des Festplatzes gut hörbar übertragen, so daß jeder einzelne Volksgenosse dem Verlauf des Festes ohne Beeinträchtigung folgen kann.
Für die am Festzug nicht teilnehmenden Volksgenossen ist unmittelbar an den Festplatz anschließend ebenfalls reichlich Raum zur Aufstellung, oder zur Lagerung auf dem weiten Platz vorhanden. Parkplatz für Kraftfahrzeuge ist vor der Volkshalle. Alles in allem ist zu sagen, daß die Herrichtung des Festplatzes nach großzügigen Gesichtspunkten in wirkungsvollster Weise zur Tat wird und zweifellos die wohlverdiente Anerkennung aller Festteilnehmer finden wird.
Die Ausbauten auf dem Festplatz. — In der Mitte das Gerüst für das Hoheitszeichen. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
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Kennst Du unseren Gau?
Zur Ausstellung „Unser Gau in Landschaft. Volk und Arbeit-.
Kennst du unseren Gau Hessen? Weißt du, wie vielgestaltig die Landschaften unseres Gaues sind? Bist Du schon einmal durch unseren Gau gewandert und hast selbst erlebt, wie verschieden seine Menschen in ihren Ausdrucksformen, in ihrem Volkstum und in ihrer Arbeit sind?
Du hast das noch nicht gemacht? Dann komme in die Ausstellung „Unser Gau in Landschaft, Volk und Arbeit", die am 2. Mai in den Frankfurter Römerhallen eröffnet wird. Eine Stätte alter deutscher Kultur ist unser Gau; er darf stolz sein auf seine Vergangenheit. Nicht weniger ist er aber heute auch eine Stätte schaffender Arbeit und wird darum auch in Zukunft seinen Platz mit Ehre bewahren. Heute ist es vielfach deine Pflicht, unseren Gau Hessen wirklich kennenzulernen, denn er ist deine Heimat, in der du an deinem Platze schaffst. Wie kannst du aber am Aufbau des Dritten Reiches mitschaffen, wenn du nicht einmal weißt, was deine Heimat birgt und was sie leistet. Wenn du
Deutschland wirklich kennen lernen willst, dann beginne bei deiner Heimat, denn nur über die Heimat geht der Weg zu Deutschland.
Darum: Komme in die Ausstellung in den Frankfurter Römerhallen und schau dir „unseren Gau in Landschaft, Volk und Arbeit" an.
Geheimer Oberkonsistorialrat Franz Mercks.
LPD. D a r m st a d t, 29. April. In Auerbach, wo er seinen Ruhestand verbrachte, st a r b im 72. Lebensjahr der Geheime Oberkonsistorialrat Franz Merck. Franz Merck war nach Vollendung seiner juristischen Studien seit 1886 ein Jahr Referendar im Elsaß, dann ab Herbst 1887 bei verschiedenen hessischen Behörden tätig. Im Oktober 1893 wurde er Kreisamtmann in Büdingen, im Juni 1898 Kreisamtmann in Friedberg. Im Mai 1899 trat er in den kirchlichen Dienst über und wurde 1901 Oberkonsistorialrat. Im leitenden Dienst der Landeskirche ist er bis 1927, bis zu seinem Uebertritt in den Ruhestand, gewesen.
Gauischfeier der Buchdrucker.
Betriebsführer R. Lange (Gießen) bei seiner Ansprache. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Betriebsleiter Neuhofer (Gießen) bei der Preisoerteilung. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Am Samstagnachmittag ließen die Buchdrucker Oberhessens den altehrwürdigen Zunftbrauch des Gautschens, d. h. der feucht-fröhlichen Lossprechung der ausgelernten Lehrlinge zu Gehilfen wieder aufleben. Die feuchte und namentlich für die Zuschauer sehr humorvolle Angelegenheit ging diesmal im Hofe des Betriebsgebäudes der Brühl'fchen Univer- fitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange vor sich. Die Feierstätte war mit den Fahnen des Dritten Reiches, frischem Grün und der Büste des Altmeisters Gutenberg über dem mit den Buchdruckerfarben umkleideten Rednerpult schön hergerichtet. Neben den Jüngern der schwarzen Kunst hatten sich auch zahlreiche Zuschauer aus anderen Schaffenskreisen eingefunden.
Buchdruckereibesitzer und Verleger R. Lange eröffnete die Gautschfeier mit einer kurzen Ansprache, in der er auf die großen und erfolgreichen Bemühungen der Reichsregierung zur Bekämpfung der
gesetzt, wer aber wasserscheu war und seine Abneigung gegen die rückwärtige Befeuchtung durch Sträuben zum Ausdruck brachte, der hatte es mit den Packern sofort verdorben. Mit unbarmherziger Kraft faßten sie ihn an Armen und Beinen, setzten ihn erst dreimal auf die nassen Schwämme und dann zur Strafe noch einmal tüchtig in die Bütt hinein. Triefend entstiegen dann die gründlich Gewässerten unter dem Jubel der Zuschauer der Bütt, babei aber selbst über das ganze Gesicht lachend ob der glücklich bestandenen Wassertaufe gemäß dem Gebot des Altmeisters Gutenberg. Wiederholt walteten die Packer des „vereidigten Gautschmeisters" auf diese Weise ihres Amtes, wobei sie es gelegentlich auch nicht daran fehlen ließen, ihre „Opfer" noch mit einigen tüchtigen Schwammgüssen von oben und von der Seite her zu befeuchten. Mancher „begossene Pudel" sah sich nach der Taufe reichlich bewässert wieder und begrüßte
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Beim Gautschen. — Ein „Opfer" der Packer entsteigt unter dem Jubel der Zuschauer triefend naß der Bütt; rechts und links auf den Kisten die Schwämme. — (Aufnahme Photo-Pfaff.)
Arbeitslosigkeit hinwies, ferner die Veranstaltung des Reichsberufswettkampfes und die damit verbundene Betonung des Gedankens der höchsten beruflichen Leistung erwähnte. Gerade diesen Gedanken der höchsten beruflichen Leistungsstärke legte er in seinen weiteren Worten dem jungen Nachwuchs im Buchdruckergewerbe besonders eindringlich ans Herz. Sodann wies er auf den tiefen Sinn der feierlichen Erhebung des Lehrlings zum Gehilfen durch den Brauch der Gautschfeier hin und ermahnte die jungen Menschen, sich auf ihrem ferneren Lebenswege immer voll verantwortlich zu fühlen für ihr Arbeiten und Wirken.
Betriebsleiter Neuhofer gab hierauf die Ergebnisse des Reichsberufswettkampfes im graphischen Gewerbe bekannt und überreichte den erfolgreichen Prüflingen die von den Betriebsführern und den Fachorganisationen für die besten Prüfungsarbeiten gestifteten Ehrenpreise.
Betriebszellenobmann Thierfeldt brachte in einer kurzen Ansprache die Grüße des deutschen Arbeiterverbandes des graphischen Gewerbes, Ortsleitung Gießen, zum Ausdruck, erinnerte die jungen Gehilfen an die Arbeit ihrer vierjährigen Lehrzeit und an die Verpflichtung, die Kunst des Altmeisters Gutenberg weiterhin pfleglich zu behandeln und sich selbst darin unablässig weiterzubilden, damit die vollendetste Leistung zum Nutzen der Gesamtheit aus der Arbeit jedes einzelnen Fachkameraden zustande komme. Zum Schlüsse wies er die Jungmannschaft auf den hohen Gehalt der wiedererweckten Standesehre hin.
Hierauf nahm der „vereidigte Gautschmeister" Karl L i n d e n st r u t h das Regiment in die Hand. Er beorderte seine „Packer", die mit griffbereiten Fäusten und vergnügt schmunzelnd schon an den großen Wasserbütten bereitstanden, mit wahrer Wollust die Schwämme bis zum letzten Tröpfchen Wasser herrichteten und dann ihre „Opfer in die Kur nahmen. Diese „Opfer" waren die jungen Gehilfen, die nun mit aller Gründlichkeit und unter großem Hallo gegautscht wurden. Wer sich ohne Sträuben in sein nasses Schicksal ergab, wurde lediglich mit der Kehrseite auf die prall getränkten Schwämme in feierlichem Rhythmus dreimal auf-'
gern die am Ende der Zeremonie gebotene Gelegenheit, sich im Betriebsgebäude erst einmal umzuziehen. Nach etwa halb.stündiger Gautscherei wurde der feierliche Akt beschlossen.
Anschließend ging es in geschlossenem Zuge unter Vorantritt von Spielleuten nach Annerod, wo im Gasthaus von Wallbott der ebenfalls sehr feuchtfröhliche Abschluß der Gautschfeier folgte. Hier wurde allerdings nicht äußerlich und auch nicht mit Wasser gegautscht, hier ging die Befeuchtung mit dem Tranke des Gambrinus und mit dem
Die Gießener Reichswehr mit dem neuen Hoheitszeichen am Stahlhelm, — (Aufnahme; Wot-W«


