raum der nächsten Monate hinausgeht, der Zu - stimmung desjenigen der vom Reichswirtschaftsminister bestellten zwölf Hauptgruppen- f ü h r e r, in dessen Arbeitsgebiet die Tätigkeit des betreffenden wirtschaftlichen Verbandes fällt. Jede Werbeoersammlung und Werbetätigkeit wirtschaftlicher Verbände hat bis auf weiteres völlig zu unterbleiben. Soweit mehrere Organisationen nebeneinander au gleichem, ähnlichem oder sachlich benachbartem Arbeitsgebiet bestehen, haben sie bis zur endgültigen Neuregelung zusammenzuarbeiten sowie gegenseitige Angriffe und alle sonstigen Maßnahmen zu unterlassen, die auf eine Beeinträchtigung der sachlichen Arbeit oder des gegenwärtigen Mitgliederstandes einer anderen Organisation hinauslaufen.
Das Vermögen des Emigranten Mel beschlagnahmt.
Das Slaatspresseamt teilt mit: Durch Verfügung des hessischen Staatspolizei a m t e s wurde das gesamte in Deutschland befindliche Vermögen des früheren B ü r - germeisters von Alichelstadt und Oberreg i e r u n g s r a t s beim Kreisamt Gieße n, h e i n r i ch R i h e l, der vor kurzem auf Veranlassung der Regierungskommission des Saargebieles zum Leiter des saarländischen Kriminalwesens in Saarbrücken ernannt wurde, beschlagnahmt und zugunsten des Landes Hessen eingezogen. Jeder einzelne, der von irgendwelchen Vermögenswerten des Rihel in Deutschland, insbesondere ausstehende Forderungen, Versicherungsansprüchen, Banf- und Sparguthaben Kenntnis hat, wird aufgefordert, dies unverzüglich dem hessischen Staats- polizeiamt in Darmstadt, Wilhelm-Gläs- sing-Straße 21, mitzutei len. Wer derartige Vermögenswerte verschweigt, erklärt sich mit dem Tun dieses Volksfeindes solidarisch, stellt sich außerhalb der Volksgemeinschaft und wird bei Bekanntwerden in entsprechender Form zurRechen- schaft gezogen werden.
„Gewissensfreiheit" im Saargebiet.
Die Negierungskommission löst Bereinigung der Polizeibeamten auf.
Saarbrücken, 28. April. (WK.s Die Regierungskommission hat unter Berufung auf Art. 27 des Beamtenstatuts die Auflösung der Vereinigung der P o l iz e i b e a m t e n Saarbrückens beschlossen, zwei Vorstandsmitglieder der Vereinigung vom Amt suspendiert und gegen sie ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung eingeleitet. „Um die Disziplin innerhalb der staatlichen Polizei in Saarbrücken wiederherzustellen", so fährt die Auslassung der Regierungskommission fort, „sind weitere Maßnahmen ergriffen bzw. in Aussicht genommen."
Begründet wird diese erstaunliche Maßnahme mit der Entschließung, die die Vereinigung der Polizeibeamten Saarbrückens am 19. April gefaßt hat und in der die E n t l a s f u n g der von der Regierungskommission in der letzten Zeit eingestellten Polizeibeamten (marxistische Emigranten) gefordert, sowie gegen andere Absichten der Regierungskommission Stellung genommen worden war. Es sei auffällig, daß der Reichssender Berlin bereits am 21. April diese Entschließung der Oeffentlichkeit habe mitteilen können und daß der Leitartikel der saarländischen Tageszeitung „Deutsche Front" vom 25. April mit der von dem Vorsitzenden der Vereinigung der Polizeibeamten gehaltenen Rede sinngemäß und wörtlich übereinstimme! Die Regierungskommission sieht in dem Verhalten der Vereinigung der Polizeibeamten einen Verstoß gegen § 29 des Beamtenstatuts vom 29. Juli 1920, der „die Verfolgung politischer Ziele durch eine solche Beamtenoereinigung ausdrücklich verbiete."
Keine Doppelmitglievschast zwischen Deutscher Arbeitsfront und konfessionellen Berufsverbänden.
Berlin, 28. April (DNB.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront gibt folgende Anordnung bekannt: Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß Mitglieder anderweitiger Berufs- unb. Standesorganisationen, insbesondere auch von konfessionellen Arbeiter- und Gesell e n v e r e i n e n, nicht Mitglied der Deutschen Arbeitsfront sein können. Wo Doppelmitgliedschaft bei der Deutschen Arbeitsfront und einem der obengenannten Vereine besteht, ist die Mitgliedschaft zur Deutschen Arbeitsfront sofort zu löschen.
Begründung: Das Gesetz zur .Dränung der Nationalen Arbeit will die Betriebsgemeinschaft gestalten. Diese wird nicht erreicht, wenn durch anderweitige Standes- und Berufsorganisationen, insbesondere konfessionelle Arbeiter- und Gesellenvereine, die, wie beobachtet wurde, schon wieder das Sammelbecken für ehemalige Gewerkschaftssekretäre bilden, die Be- triebsgemeinschgft aufgespaltet wird. Gerade auch die Aufspaltung nach Konfessionen ist für eine Betriebsgemeinschaft widersinnig. Eine derartige Aufspaltung muß auf die Dauer zu Zwietracht in den Betrieben führen und steht damit dem Sinne des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit entgegen. Zugehörigkeit jedoch zu anderen konfessionellen kirchlichen Organisationen und Verbänden, die ausschließlich religiösen, kulturellen und charitatlven Zwecken dienen, ist selbstverständlich auch für Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront gestattet und gilt nicht als Doppel- mitgliedschaft im vorstehenden Sinne.
(Gez.) Dr. Robert Ley.
Kleine politische Nachrichten.
Im neuen spanischen Kabinett ist Ministerpräsident Ricardo Samper (radikal) und Außen- Mlnifter PitaRomero (unabhängig). Mit neuen Männern wurde lediglich das Präsidium, das Justizministerium, das Unterrichtsministerium und das Industrie- und Handelsministerium besetzt, das bisher der neuernannte Ministerpräsident innehatte. Die übrigen neun Ministerien sind von denselben Männern besetzt, wie im zurückgetretenen Kabinett Lerroux. Das neue Kabinett gleicht also völlig dem zurückgetretenen.
Das Erscheinen der „Kölnischen Volkszeitung" ist für die Zeit vom 29. April bis 7. Mai 1934 einschließlich verboten worden.
Oer deutsche Ordenöstaat.
Herzog und Gefolgschaft.—Autorität und Volksnahe.—Oie Sicherstellung der Kontinuität des Staates.
An historischer Stätte.
M a r i e n. b u r g, 29. April (DNB.) Die Ordensstadt Marienburg stand am Sonntag im Zeichen des Besuchs des Reichsleiters Alfred Rosen- b e r g. Die ganze Stadt trug reichen Flaggenschmuck, eine große Menschenmenge begrüßte Rosenberg, den Gauleiter Koch begleitete, auf der Fahrt durch das Ermland. Im Rathaus von Marienburg wurde Reichsleiter Rosenberg von dem Oberbürgermeister Dr. Leser mit einer Ansprache begrüßt, der daran erinnerte, daß vor 700 Jahren von dieser Burg aus ein Staat regiert worden sei im gleichen Geiste der Gemeinschaft, der heute wieder lebendig geworden sei. Alfred Rosenberg hob in seiner Erwiderung hervor, daß die beiden herrlichen und symbolischen deutschen Gebäude, die Potsdamer Garnisonkirche und die Marienburg, in Vergangenheit und Zukunft zusammengehörten.
In der von Kerzen erleuchteten Halle der Ordensburg eröffnete Dberpräfibent Koch die Kundgebung mit einer Ansprache, in der er hervorhob, baß bas oft- unb westpreußische Volk sich, seiner historischen Mission bewußt sei. Die Steine biefer Burg seien nicht nur Historie zum Anschauen, fonbern Ausdruck ewiger beutscher Sehnsucht unb Vorbilb für bie fommenbe Arbeit. Das Gesicht bes beutschen Volkes müsse wieber nach Ost en geroenbet werben. Denn ber deutsche Osten stehe nicht am Ende, sondern am Anfang einer neuen deutschen Geschichte. Im Geiste dieser Burg solle das deutsche Volk seine Aufgabe erfüllen. Alfred Rosenberg hielt dann einen grundlegenden Vortrag.
Eine grundlegende Rede Alfred Rosenbergs.
Der Ausbau des deutschen Ordensstaates der Gegenwart.
Marienburg, 29. April. (DNB.) Der Beauftragte des Führers für bie weltanschauliche Erziehung ber NSDAP., Alsreb Rosenberg, sprach am Sonntag im Festremter ber Marienburg über das Thema „Der deutsche Ordens st aa t". Alfred Rosenberg zeigte zunächst bie Entwicklung des deutschen Ordens auf und gedachte ber Männer wie Friebrich II. ber hohenstaufer, Hermann von Salza, Hermann Balk, Luther von Braunschweig unb Heinrich von Plauen, bie bem beutschen Or- bensstaat sein Gepräge verliehen hatten.
Alfreb Rosenberg kristallisierte bann aus ber beutsch-preußischen Geschichte bas tragenbe Element heraus, bas unser Vaterlanb zu seiner Größe geführt hat. Es hanbelt sich um ben B e - griff bes Herzogs unb feiner Gefolgschaft. Ueberaü, wo biefes Verhältnis kbenbig gewesen sei, überall, wo ein persönlicher Eid unb ein Pflichtverhältnis bestauben habe, sei Deutschland st a r k gewesen; wo aber eine abftrafte Theorie zu herrschen begonnen habe, da sei Deutschland innerlich zermürbt gewesen. Aus ber Stärke biefes Treueverhältnisses, bas Herzog unb Mannschaft für immer auf bem Schlachtfeld unb im Frieben zusammen gebunben habe, sei Branbenburg entstauben. Dieser Gruubsatz sei später bas tragenbe Element gewesen, bas Friebrich ben Großen mit seinen Offizieren zusammengefchlosfeu habe.
Das persönlich aufgefaßle Verhältnis des beuf- fchen Solbalen zum Generalfelbmarfchall von h i u b e n b u r g sei mit bas Geheimnis ber großen Erfolge bes beutschen Heeres gewesen. „In ihm lag auch bas Geheimnis verborgen, baß Deutschlanb nach bem Verrat bes 9. November 1918 nicht zufammenbrach, weil bie heute schon mythische Gestalt hinbenburgs mit ihrer ganzen Kraft seelischer Anziehung — vielleicht sich selbst unbewußt — hinüberleitete in eine anbere Zeit, ba sie abgelöst werben konnte burch einen neuen jungen Herzog, ben wir heute unseren
Führer nennen.“
Zum herzoggebanken, so fuhr bann Rosenberg fort, trete als Fortführung unb Ergänzung bas Prinzip bes Orbens. In ber Erkenntnis, baß bie Frage vöu Monarchie unb Republik zweitrangig war gegenüber ber großen Aufgabe, ben Marxismus mit allen feinen Abarten zu zerbrechen, wurde die ganze Kraft ber national« ozialistifchen Bewegung auf wenige Ziele eingestellt. Außerhalb ber alten Begriffe von Monarchie unb Republik wächst Deutschlanb hinein in eine ganz neue Form, bie wir heute in ber Marienburg zugleich als uralt empfinben, in bie Form eines beutschen Drbensftaates. Unb bas bebeutet, baß bie nationalsozialistische Bewegung entschlossen ist, aus ber Gesamtheit ber 70 Millionen einen Kern von Menschen auszulesen unb zusammenzu- fügen, ber bie besondere Aufgabe ber Staatsführung übertragen erhält, besten Mit- glieber in bie Gebauten einer organischen Politik von Jugenb an hineinwachsen, sich in ber Form ber politischen Partei erproben, bann gemeinsam bas anstreben, was
unverrückbares Ziel ber Gesamtheit bleiben muh: Autorität unb volksnähe als i b e n t i s ch zu empfinben unb Leben unb Staat bemgemäh zu gestalten. Der Führer des nationalsozialistischen Orbens, ber zugleich Führer bes Deutschen Reiches ist, muß zwar b i e Autorität unerschütterlich wahren, aber i m lebenbigsten Blutzusammenhang stehen nicht nur mit ben Beamten ber Partei unb des Staates, sondern mit alten jenen Millionen, bie sich um S A., SS. unb Hiller-Jugenb unb alle der Bewegung angeschlossenen Berbänbe scharen. Der nationalsozialistische Staat ist also, wenn man alte Begriffe für bie Bezeichnung feines Aufbaues oerroenben will, eine Monarchie auf re- publikanischer Grunblage. Autorität ohne Eäsarisrnus, Volksverbundenheit ohne chaotische Demokratie, blutvolles Leben anstatt tötender Hierarchie, das sind die Losungen, die Voraussetzungen kommender Staatsgestaltung, eine Vorbereitung dafür, was wir Nationalsozialisten den Ordensstaat ber Bewegung
nennen werben.“
Der Rebner ging bann auf die Idee von ber Kontinuität bes Staates ein, ein Prinzip, bas sich am klarsten in dem Worte erweise: Der König ist tot, es lebe der König. „Das ist auch das Wesen, nach bem ber nationalsozialistische Drben, ber eben im Begriffe ist, Staat zu werben, hanbeln wird.
Wir werben Abolf Hitler in keiner Weise vorgreifen, unb nur er wirb zu entscheiben haben, ob bas Orbensprinzip unserer Zeit ben Anfang nehmen wird in der Form, d ah der Führer des deutschen Ordens schon zu Lebzeiten seinen Stellvertreter b e st i m m t, und dieser dann immer selbsttätig nach Ableben des Führers an feine Stelle tritt oder ob der Führer testamentarisch einen wenn auch autoritären Vorschlag hinterläßt und der Ordensrat denkommendenFührerdann wählt. Der Beschluß, eine Form für immer zu finden, liegt nur beim Führer allein, und die kommende Zeit wird dann für alle Jahrhunderte die Durchsetzung dieses einmal gefaßten Beschlusses als ihre Pflicht aufzufassen haben.“
Im letzten Teil seiner Rede erörterte Rosenberg dann noch bie kultische G e st a 11 u n g ber Weltanschauung. Die Musik der nationalsozialistischen
Bewegung ist schon heute aufheroischeKlänge eingestellt, iyr Rhythmus begleitet jeden Ausmarsch ber SA., jebe Kundgebung unserer Jugenb, und mit ihnen gehen die alten wiedererstandenen beutschen Dolkslieber ihren Gang, Tonbichtungen unserer großen Meister werben wieber lebendig in ewiger Jugenbkraft, nun bie Krankheit eines verzerrten seelischen Empfindens überwunden erscheint.
Und bie Welt des Auges, sie hat uns vielleicht noch mehr ergriffen, denn vor unfern Augen da flattern in endloser Zahl immer wieder bie Stan» barten mit unseren Symbolen vorüber, und mit diesen Standarten und Fahnen verknüpfen sich immer wieder Die Erinnerungen an die große Zeit der ersten Kämpfe, die Opfer, die für diese ehrwürdigen Zeichen gebracht worden sind, und die Erinnerungsseiern an den Gräbern unserer Dahingegangenen, an denen diese Fahnen sich tausendmal senken, hier verbinden sich die Toten des großen Kieges mit ben Opfern unterer S A., gemeinsam denken wir aber auch aller jener, bie einstmals in allen Kämpfen ber Vergangenheit für die Verteibigung bes beutschen Wesens gefallen sind. Die Standarten mit dem preußischen Adler, sie flattern mit bem Hakenkreuz in einer Front, unb ber Aufmarsch biefer Standarten und Fahnen bildet die erste Grundlage für die kultische Gestaltung des kommenden deutschen Lebens.
Die Grundzöge der österreichischen Versaffnng.
Wien, 30. April. (DNB. Funkspruch.) Die neue Österreichische Bundesverfassung weist folgende Grundzüge auf: Gebildet werden vier beratende Körperschaften:
a) ber Staatsrat, ber 40 bis 50 Mitglieber zählt, bie ber Bunbespräsibent auf bie Dauer von zehn Jahren ernennt,
b) ber B u n b e s k u 11 u r r a t (30 bis 40 Mitglieber). Seine Mitglieber werben aus den Kreisen der Religionsgemeinschaften, des Schulwesens, ber Kunst unb ber Wissenschaft ent- fanbt.
c) ber Bunbeswirtschaftsrat (70 bis 80 Mitglieber), besten Mitglieber aus ben wirtschaftlichen Berufsstänben zu entfenben finb,
d) ber ß ä n b e r r a t: je zwei Mitglieber aus jebem Lanb unb aus ber bunbesunmittelbaren Stabt Wien. Aus Mitgliebern biefer vier be- ratenben Körperschaften wirb bie befchließenbe Körperschaft gebilbet, bie Bunbestag heißt.
Die Gesetzesinitiative ist allein bei ber Regierung. Wenn bie Regierung ein Gesetz erlassen will, so wird sie ihren Entwurf ben vier beratenben Körperschaften zur Begutachtung geben. Der Bunbestag kann eine Vorlage nur annehmen ober verwerfen. Eine Ausnahme bilbet ber haushalt, ber nicht erst ben beratenben Körperschaften übergeben, fonbern bireft im Bunbestag eingebracht wirb'. Er kann bort Beränberungen erfahren, um schließlich burch Beschluß in Kraft gefetzt zu werben.
Eine Volksabstimmung kann nur in zwei Fällen ftattfinben:
a) wenn bie Bunbesregierung b e - schließt, eine vom Bunbestag abgelehnte G e - jetzesvorlage einer Volksabstimmung zu unterziehen;
b) wenn bie Bunbesregierung b e - schließt, ein bestimmtes Problem zur Ent- scheibung vorzulegen.
Die Einrichtung bes Bunbespräsibenten wirb beibehalten. Er ernennt bie Regierung unb
beruft sie ab. Am bunbesftaatli ch e n Charakter Oesterreichs hält bie neue Verfassung fest. Das kommt in ber Einrichtung bes Länberrates zum Ausbruck, insbesonbere aber barin, baß auch in Zukunft jebes Lanb seinen ß a n b t a g haben wirb. Die ßanbtage werben stänbisch aufgebaut. Die Gemeinbevertretung wirb ähnlich aufgebaut. Nach ber neuen Verfassung wirb es möglich sein, baß sich Gemeinbever- b ä n b e z u b e ft immten Zwecken bilben. Die Bunbesregierung bekommt bas Recht, unter gewissen Voraussetzungen im Vervrbnungs- wege Gesetze zu erlassen. Der Bunbespräsibent wirb beim Notstanb bes Staates im Wege solcher Verorbnungen sogar Teile ber Verfassung ä n b e r n können. Für bie Einhaltung ber Verfassung unb ber Gesetze seitens ber Verwaltungs- behörben sorgt ein Gericht, bas an bie Stelle bes Verwaltungs- unb Verfassungsgerichtshofes tritt. Oie Umbildung des Kabinetts
Oollfuß.
Starhemberg Vizekanzler und Oberster Sportführer.
Wien, 28. April. (DNB.) Die Umbildung ber Regierung wirb erst zum 1. Mai bekannt- gegeben werden. Der Bundesführer ber heimweh- ren Starhemberg tritt als Vizekanzler ohne Geschäftsbereich in das Kabinett ein. Er soll auch zum Ober st en Sportführer ernannt werden. Ferner wird damit gerechnet, daß der Vize- konzler Fey zum Minister für bas Si - che r h eitswesen ernannt wird. Der Bundespräsident wird auf Grund der Ermächtigung des Nationalrates die feierliche Ratifizierung des Konkordats am Montag um Mitternacht gemeinsam mit dem päpstlichen Nuntius vornehmen. Das Konkordat tritt gleichzeitig mit der Verfassung am 1. Mai in Kraft.
Interessante Stichwahlen in Frankreich.
Wahlsieg des nationalen Blocks. — Schwere Unruhen nach Verkündung des Wahlresultats.
Paris, 30. April. (DNB. Funkspruch.) Am Sonntag fanden in Frankreich zwei Stichwahlen für Kammersitze statt. In Paris wurde mit großer Mehrheit der Kandidat der Republikanischen Vereinigung Cousin gewählt. — Viel umstrittener waren die Wahlen in Montes bei Paris, wo der Abgeordnete B e r g e r y , der früher ber Rabikalfozialistifchen Partei angehörte unb bann weiter nach links ging, freiwillig fein Mandat niedergelegt hatte, um sich aufs neue zur Wahl zu stellen und damit nachzuweisen, daß die Volksvertretung noch mit der Einstellung bes Volkes übereinstimme. Infolge dieser Vorgeschichte hatte man der Wahl in Montes große Bedeutung beigemessen. Die Aussichten Bergerys waren gesunken, als ber Generalsekretär ber Radikalsvziolistischen Partei Milhaub in der „Ere nouvelle" gegen seinen ehemaligen Parteigenossen Stellung nahm; der Haupt- gegner Bergerys, Sorret, der sich als Kandidat der nationalen Einigung bezeichnete, ging aus der Stichwahl mit 8788 Stimmen siegreich hervor und wurde zum Abgeordneten von Mantes gewählt, während Bergery 8489 Stimmen erhielt. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich groß. Von 19189 Stimmberechtigten haben sich 17 561 an ber Wahl beteiligt.
Der größte Teil ber Pariser Morgen- presse begrüßt bie Wahl Garrets als einen Erfolg des gesunden Menschenverstandes über die zerstörende Kraft des Neu- bolfchewismus. Die Blätter stellen das Wahlergebnis als einen Sieg der nationalen Einigung hin und sehen in ihm ben Auftakt für eine grünbliche Umroanblung ber politischen Auffassung bes ganzen ßanbes. Der Marxist Läon Blum urteilt im „Populaire" natürlich anbers. Er erklärt, wenn es Bergery trotz ber ungünstigen Bebingungen, unter benen er ben Kampf ausgenommen habe, gelungen sei, f a st bie Hälfte ber Wähler auf sich zu vereinigen, könne man baraus lebiglich schließen, baß bie Opposition gegen ben nationalen Block sehr stark sei. Wenn bie Regierung unb bie Reaktion bas Wahlergebnis wirklich als einen nationalen Erfolg betrachteten unb baraus bie Schlußfolgerung zögen, baß sich bas ganze ßanb hinter ben nationalen Block stelle, bürsten sie bei ben Wahlen von Mantes nicht Halt machen, fonbern allgemeine Neuwahlen ausschreiben.
Schwere Tumulte in Montes
Internationale und Marseillaise gegeneinander.
Paris, 30. April. (DNB. Funkspr.) In Mantes kam es im Anschluß an bie Verkünbung bes Wahlergebnisses zu sehr heftigen Zusammenstößen. Die Anhänger Bergerys zogen gegen 20 Uhr unter bem Gesang ber Internationale durch die Straßen. Schließlich versuchten sie das Hotel, wo S ar r e t und seine Freunde, u. a. auch der Abg. Franklin-Bouillon, ihr Hauptquartier aufge- schlagen hatten, zu stürmen. Der Hotelbesitzer hatte vorsichtshalber die eisernen Gitter schlie- ß e n lassen. Die Polizei war zeitweise gegenüber den Demonstranten machtlos, Fensterscheiben wurden eingeschlagen und genau so wie im Februar in Paris di e eisernen Gitter von Bäumen entfernt und in kleine Stücke geschlagen, als Wurfgeschosse gegen bie Polizei benutzt.
Franklin-Bouillon und seine Freunde verließen schließlich, gefolgt von mehreren hundert Anhängern, das Hotel und begaben sich zum Kriegerdenkmal, wo sie einen Kranz niederlegten. Auf der einen Seite standen die Anhänger Bergerys und sangen die Internationale, auf der anderen die Freunde Sarrets, die die Marseillaise anstimmten. Eine starke Polizeikette trennte die Parteien. Kurz vor Mitternacht versuchten K o m m u n i ft e n mit zwei schweren ßastwagen, die sie als eine Art Tank benutzen wollten, ein Kaffeehaus zu stürmen, in dem sich der Polizeihauptmann und mehrere Anhänger Sarrets aufhielten. Die Polizei konnte jedoch die beiden Kraft-
Frfthlingsluft macht müde!
Jetzt im Frühling hört man viele Menschen über Mattigkeit und Unlust Hagen. Das ist keine Einbildung: der Frühling macht oft wirklich müde. Auch die Haut tft abgespannt — sie mutz sich nach dem Winter erst erholen. Deshalb wird ihr bewutzte Pflege mit Leokrem jetzt besonders gut tun, denn Leokrem enthält ja Sonnen- Vitamin und Lecithin! Leokrem macht die Haut wieder sammetweich, zart und elastisch. Dosen sind schon von 22 Pf. ab in allen Geschäften, die Chlorodont führen, erhältlich.


