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12 Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Erstlings-Aussteuer

Neueste Mode für die kleine Welt!

Die trauernden Hinterbliebenen.

Großen-Linden, den 27. Januar 1934.

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Die Beerdigung findet am Mittwoch, 31. Januar, nachm. 3% Uhr statt.

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den verschiedenen Hotels ging dann zum Tanz.

Frau Lucie legte sich fester gegen den Arm Härtlingens, als sie zusammen tanzten. Ihr war plötzlich seltsam traurig zumute. War es schon jetzt die Ahnung, welches Schicksal ihre große heiße Liebe zu Rudolf Härtlingen haben würde?

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Mit kühlem Spott sah er ihr in die Augen.

Wie gefällt es Ihnen hier, gnädige Frau?"

Oh, recht gut. Doch die Menschen sind nicht alle angenehm."

Man nimmt sie aber in Kauf. Zum Amüsieren gehören nun einmal andere, recht viele Menschen mit!" sagte er lächelnd.

Sein Lächeln hatte schon früher alle Frauen be­zaubert. Jetzt war es erst recht der Fall, wo sich in dieses Lächeln der geheime Spott mischte.

Ich könnte mir gut vorstellen, daß ich mit einem geliebten Menschen allein sein könnte. Ich brauche die anderen nicht!" sagte sie leise.

Oh! Das ist eine Illusion, die einem bald genug zerstört wird!" sagte er, und in feinen Augen leuch­tete es hart und unerbittlich auf.

Sie senkte den schön frisierten dunklen Kopf.

Irgendwer hatte in Paris durchblicken lassen, daß Härtlingens junge Frau auf tragische Weise ums Leben gekommen sei. Hatte er diese Frau so sehr geliebt, daß er nun keiner neuen guten Liebe mehr zugänglich war?

Der Druck seiner Hand war kühl und höflich. Lucie von Sellinger hätte am liebsten laut auf­geweint.

Sie saß dann sehr still und blaß neben der Ge­mahlin eines hohen englischen Offiziers.

Aber später gesellte er sich doch wieder zu ihr. Es machte sie sehr glücklich. Doch das Mißtrauen blieb.

Verachtete Rudolf Härtlingen im Grunde seines Herzens alle Frauen? Sie vermeinte auf einmal, dies zu wissen.

Wie furchtbar das wäre, wenn diese Ahnung in ihr recht behalten müßte!

Aber sein Benehmen an diesem Abend irritierte sie immer wieder. Und nicht zuletzt war sie eben doch sehr stolz darauf, daß er sich ihr so ausschließ­lich widmete. Sie sah ja nur zu gut die neidischen, enttäuschten Damengesichter ringsumher.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. Januar, nachmittags 1% Uhr, in Heuchelheim, von Gartenstraße 17 aus statt 5970

Stark engagiert?" fragte Baron Forster vorsich- tig, als er mit Härtlingen einmal allein war.

Der Graf zuckte mit den Schultern.

Engagiert? Wieso? Interessieren Sie sich viel- leicht?"

Allerdings. Doch mit Ihnen werde ich keine Liebeshändel anfangen. Ich wollte wissen, wie ich mich zu verhalten habe."

______ (Fortsetzung folgt.)

Das waren die Gedanken, die hinter Graf Härt­lingens Stirn kreisten.

Wenn Frau Lucie das hätte ahnen können!

So aber liebte sie dieses spöttische, vielerfahrene Lächeln im Gesicht des eleganten, hochgewachsenen Mannes.

In Monte Carlo war es!

Und Frau Lucie freute sich insgeheim diebisch, daß es ihr gelungen war, sein Reiseziel ausfindig zu machen.

Graf Härtlingen aber wußte, daß sie ihm nach­gereist war. Ganz einfach nachgereist war sie ihm, und sie hatte nun schon an Wert für ihn verloren.

Was tat es?

Keine Frau hatte Wert für ihn! So war es ja auch ziemlich gleich, ob ein Zufall sie nach Monte Carlo verschlagen hatte oder nicht.

Das Paar erregte Aufsehen. Selbst hier, wo doch aller Herren Länder Menschen beisammen waren.

Die blonde Miß Glodin aus Baltimore zuckte er­schrocken zusammen. Sie liebte den großen eleganten Deutschen. Aber jetzt sah es doch bald so aus, als ob diese Frau von Sellinger, die mit ihr im gleichen Hotel wohnte, ein Recht an ihn besäße?

Zwei Herren steuerten auf Härtlingen zu, reichten ihm erfreut die Hände.

Doch gekommen? Wir dachten schon... Aber, lieber Graf, möchten Sie uns nicht vorstellen?"

Aber bitte recht sehr. Gnädigste gestatten: Baron Forstner, Bankier Malzenhein Frau von Sel­linger!"

Die Herren küßten die entgegengestreckte Hand, und Baron Forstner dachte:

Donnerwetter! Reizende Frau! Aber Härtlingen?

Friedberg, den 29. Januar 1934.

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Ah, Herr Graf! Es freut mich. Ihnen hier zu begegnen!"

Frau von Sellinger reichte dem Grafen Härt­lingen die Hand, und ihr Lächeln verriet nicht, daß dieses Treffen sehr geschickt herbeigeführt worden war.

Frau von Sellinger war eine sehr schöne Brünette mit lebhaften dunklen Augen und sorgsam gepfleg­tem Teint. Sie war die Witwe des vor zwei

Genf, den 19.4. 29.

Voriges Jahr?

In Genf?

Das war doch vollkommen ausgeschlossen?

Wer war das Original dieses Bildes und zu­gleich das Original des Gemäldes, das im Garten­saal hing?

Und wie kam gerade Venjo Holm zu diesem Bild?

Genf, den 19.4.29.

Wie hing das nur zusammen?

War es doch die junge Schwester Lelias?

Graf Härtlingen warf alles in den kleinen, kunstvollen Elfenbeinkasten zurück.

Fort mit euch! Ihr seid Erinnerungen und ge­hört in die Vergangenheit!" sagte er fast laut.

Ruhelos schritt er dann noch durch das Zimmer. Als er sich endlich still ans Fenster setzte, war ein endgültiger Entschluß gefaßt.

In die Welt hinaus! Vergessen suchen! Frauen Aber immer wieder jeder aufs neue beweisen, daß sie auf keine Treue zu rechnen hat . . .!

So hieß dieser Entschluß, den der Mann gefaßt, der ein Idealist im wahrsten Sinne des Wortes gewesen war, und der einer Frau, die ganz und gor sein eigen war, niemals die Treue gebrochen

7. Kapitel.

Nach Gottes Ratschluß wurde mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager, der Kaufmann

Wilhelm Klein

Im Alter von 48 Jahren von seinem schweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden erlöst.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Margarete Klein, geb. Weber.

Gießen, Heuchelheim, Ennerich, den 29. Januar 1934.

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Lieber Rudolf!

Ich bitte Dich noch einmal um Verzeihung! Aber gut ist doch etwas an der ganzen traurigen Geschichte. Und zwar das ist das Gute, daß ich an Lelia zugrunde gegangen bin und nicht Du! Denn um Dich wäre es schade gewesen! Sehr schade! Du wirst Dich aufrichten nach dem schwe­ren Schlag. Du wirst es, weil Du nun weißt, wie die Dinge lagen. Du hättest Dich ja nun auch von der lebenden Lelia trennen müssen, denn nie­mals hättest Du ihr verziehen, das weiß ich ja. Wir haben sie beide namenlos geliebt--und

wir sind beide schuldlos an ihrem furchtbaren Ende. Ich aber wäre nie über Lelias Tod hin­weggekommen. Ich hätte ihr tausend Todsünden verziehen, wenn sie nur mit mir fortgegangen wäre!

So verschieden sind unsere Charaktere, Rudolf! Trotzdem wir doch so lange Zeit gute Freunde waren. Bewahre mir ein kleines Andenken, Ru­dolf! Die Treue gegen Dich wäre mir immer das Höchste gewesen, wenn ja, wenn es sich eben nicht um Lelia gehandelt hätte!

Glück auf, Rudolf! Ich weiß, daß ich nur noch

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Graf Härtlingen sah ein wenig spöttisch auf die schöne schlanke Frau, die ihm mit so naiver Offen­heit zeigte, wie 'sehr sie sich ihn zum Gatten wünschte.

Zum Gatten?

Daß er nicht laut herauslachte!

Nein, schöne Frau Lucie, eine Heirat kommt nicht m Frage! Aber wenn vir nur daran liegt, mit zu den Frauen zu gehören, die Rudolf Härtlingen in die­sem letzten Jahre begegnet sind, dann soll es mir ein Vergnügen sein!

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kurze Zeit zu leben habe. Du aber schüttle die Vergangenheit von Dir ab! Du wirst doch noch einmal ein glücklicher, zufriedener Mensch sein.

Venjo Holm.

Schweigend starrte der Graf auf die Zeilen. Endlich sagte er leise vor sich hin:

Armer Venjo! Armer genialer Venjo! Schlafe in Frieden!"

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Eine kleine Photographie!

Lelia!

Jene Lelia, wie sie aus dem Rahmen des Bildes herablächelte. Jenes Bildes, das jetzt im Gartensaal von Schloß Härtlingen hing.

War es also ihr Jugendbildnis?

Graf Härtlingens Blick brannte auf dem Bilde.

Da wurde der Blick starr; er sog sich fest an der Jahreszahl, die unten eingraoiert war.

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Wie Moder und Grabesluft lag es im Zimmer. Er trat zum Fenster, riß es auf, atmete in tiefen Zügen die frische, regenfeuchte Luft ein.

Ich muß hier fort so schnell als möglich! Sonst wird es noch zur Wahrheit, was sie früher gern wollten, nämlich: daß ich wahnsinnig bin!" sagte er halblaut.

Ein kleiner Vogel, völlig durchnäßt, setzte sich auf das Gesims des Fensters und guckte mit dunklen Perlaugen ins Zimmer.

Der Graf schritt zum Schreibtisch zurück.

Die Briefe?

Richtig! Sie lagen noch hier! Die Erscheinung war nur eine Einbildung seiner überreizten Nerven gewesen.

Trotzdem Rudolf Härtlingen davon überzeugt war, daß alles nur eine Einbildung von ihm ge­wesen, schob er die Briefe beiseite.

Ruhen sollte alles. Vergessen sein. Erloschen, wie die Liebe zu der schönen Lelia in seinem Herzen er­loschen war.

Das Kästchen!

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Jahren verstorbenen Großindustriellen Manfred von Er? Der kennt doch keine Treue? Und sie steht doch Sellinger, der ihr sein ganzes riesiges Vermögen ganz so aus, als wolle sie geheiratet sein? hinterlassen hatte. Kinder waren aus dieser Ehe nicht Es wurde sehr unterhaltend an diesem Abend, vorhanden, und so reiste die lebenslustige schöne Graf Härtlingen hatte gewonnen, und die ganze Frau von einem mondänen Ort zum andern. Und Gesellschaft man kannte noch mehrere Gäste aus in Paris hatte sie den Grafen Härtlingen getroffen v - rjr: v Ä , / * -

und sich sinnlos in ihn verliebt. Seine interessante Persönlichkeit war das, was sie sich wünschte. Schade war es allerdings, daß er selbst so vermögend war. Sie hatte genaue Erkundigungen eingezogen, und nun war sie ein bißchen enttäuscht. Wäre er arm gewesen, so würde es doch vielleicht viel leichter für sie gewesen sein, ihn sich einzufangen. So aber mußte sie wirklich nur darauf bedacht sein, ihn zu fesseln.

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