cMZ viertes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Zamstag. 29. Dezember 1934
Sitvestervorbereiiungen in Gießen
D letzte Tag des Jahres 1934 naht Heron. In
Die Silvester-Kräppel sind bereit.
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allem Schneid durchzuführen, noch dazu wenn die „Herren der Schöpfung" sich den Genuß einer guten Zigarre, oder einer schmackhaften Zigarette gestatten und vielleicht auch in Gemeinschaft mit den Männern des Silvesterbesuchs vor der Mitternachtsstunde einen ausdauernden Dreimännerskat klopfen können. Die Hausfrau denkt aber auch an die kleinen runden und appetitlichen Dinger, die zu einer guten Taffe Kaffee am Silvesterabend sehr passend und angenehm sind: die Silvesterkräppel, oder auch an die Siloesterbrezeln. Der Kaffee schmeckt unseren Frauen, aber auch den Männern noch einmal so gut, wenn sie dabei in die Kräppelberge oder in die Brezelreihen gehörig „einhauen" können, ganz zu
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die deutsche Erde? So war es, so wird es sein. Deutsche Wanderfreunde, vorwärts, aufwärts, hinan!
Der Postdienst am Neujahrstag.
Am kommenden Dienstag, 1. Januar, werden bei der Reichspost der Schalterdienst und die Briefkastenleerung wie an Sonntagen erledigt. Die Ortsbriefbestellung erfolgt nach Bedarf, mindestens wird eine Zustellung durchgeführt, ebenso auch eine Orts- Geldbestellung, jedoch ohne Aufträge und Nachnahmekarten. Die Orts-Paketzustellung ruht. Nach den Landorten findet nur eine Zustellung von Briefsendungen statt.
Programm:
Fest-Reveille von Golde.
„Dem deutschen Volke", vaterländische Festouvertüre von Zimmer.
Hymne und Triumphmarsch aus „Aida" von Verdi.
König Heinrichs Aufruf und Gebet aus bei Oper „Lohengrin" von Wagner.
Historische Märsche aus drei Jahrhunderten von Kaiser-Heckenberger.
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Aeujahrsgruß
I des deutschen Wanderführers.
fr-r Deutsche Wanderführer, Professor Dr. Wer- r «n - Darmstadt, hat an alle Freunde des Wander- s folgende Neujahrskundgebung, er- I l tci:
fen neues Jahr deutschen Schicksals hebt an, und td»eiß ich mir nichts Schöneres, als jedem ge- 11iu-n Wanderer ein hellklingendes „Heil Hitler!" ■iah! unsere frohen Wandergrüße „Frisch auf!", ,„lltck auf!", „Bergheil!" und „Waldheil!" aus zHnnsgrund zuzurufen und euch allen meine auf-
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richtigsten Wünsche zu unverdrossener, unverzagter Wanderfahrt und Wanderarbeit mit auf den Weg zu geben. Möchte das Jahr 1935 vor allem Segen bringen über Heimat und Vaterland, über Führer und Reich! Möchte es aber auch unsere schöne, heilig- große Wandersache so fördern und heben, wie sie es verdient, und uns unfern Platz an der Sonne wahren, den wir brauchen, um unsere Kräfte zum Wohle des Ganzen ausstrahlen zu lassen. Möchte es uns Wanderern allen das Bewußtsein stärken, mit unseren Zielen: Körperstählung, Willensbildung, Einordnung und Seelenformung, eine wichtige Aufgabe für Volk und Staat zu erfüllen, deren Wert dadurch nicht verliert, daß ihre Durchführung sich großen-
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Die Silvesterbowle in Vorbereitung.
schweigen von den kleinen Buben und Mädel, für die natürlich die Krüppel- und Brezelschlacht nächst der Feuerwerksknallerei wohl das schönste Ereignis des Silvestertages darstellt. Und wenn dann zu alledem noch die Lichter des Christbaums zum letzten Male im alten Jahre leuchten, der wunderbare Duft der Tanne durch das Zimmer schwebt, herzliche Gesinnung und schöne Unterhaltung die Stunden bereichern, dann ist es gut Silvester feiern...
Wichtige Etappen auf dem Wege zu diesem Ziele der Jahresschlußstunde halten die „Proviantmeister" in unserer Geschäftswelt besetzt. Da sind beispielsweise jetzt schon die Siloesterkarpfen in den Bassins, munter schwimmen die anständigen „Brocken" um
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Großes militärisches Wecken am Neujahrstag.
Am Neujahrstage findet nach alter militärische Tradition im Standort Gießen „Großes mili tärifches Wecken" statt.
Das Wecken wird ausgeführt durch die Spielleute und das Musikkorps des Standortes sowis eines Zuges Infanterie unter Führung eines berittenen Offiziers.
Das Große Wecken beginnt um 7.30 Uhr an der Hauptwache der Neuen Kaserne und soll folgenden Weg nehmen: Licher Straße, Kaiserallee, Gartenstraße, Neuen Bäue, Schulstraße, Marktplatz, Mäus- burg, Kreuzplatz, Seltersweg, Frankfurter Straße, Friedrichstraße, Ludwigstraße, Kaserne.
Don 11 bis 12 Uhr findet ein Platzkonzert des Musikkorps auf dem Landgraf-Philipp-Platz statt.
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teils der lauten Bühne des Tages ihrem Wsfen nach entzieht und der öffentlichen Darbietung entbehren muß. Möchte die Erkenntnis von der großen volkswirtschaftlichen und der noch größeren körperlich- seelischen Bedeutung des bewußten Wanderertums eine Stätte finden in jedem deutschen Herzen. Ihr deutschen Wanderer kennt euren Weg und euer Ziel! Ihr kennt sie nicht erst seit heute, oder gestern. Und wie euch Unebenheit des Weges und Rauheit des Wetters nicht abschrecken oder abschrecken dürfen, so gilt für euch nicht nur jenes Wort: „Deutschland und sein Führer erwarten, daß jedermann leine Pflicht tue", sondern ihr werdet sie tun allezeit! lieber euch den deutschen Himmel, zu euren Füßen
her, gucken mit ihren Kulleraugen die prüfende und wägende Hausfrau an, bis das Netz des Fischkaufmannes in das Wasser des Bassins hineinfährt, so einen strammen Kerl von Karpfen liebevoll umfängt, ihn der Hausfrau zur Besichtigung aus nächster Nähe hinhält, um dann dem Karpfendasein ein rasches Ende zu bereiten, damit es auf dem Silvestertisch endgültig aus dieser Welt vertilgt werden kann. Oder in den Backstuben stehen der Bäckermeister und seine Gesellen und Lehrlinge in eifriger Arbeit beim Kräppel- oder Brezelbacken. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ist nur darauf gerichtet, recht leckere Kräppel und Brezeln zu bereiten, um sich die Zufriedenheit der Kundschaft zu sichern, damit schließlich auch noch bis zum Dreikönigstag manche Tüte voll Kräppel oder Brezeln ihren Weg aus her Werkstatt des Bäckermeisters zum schönen Kaffeetisch im Haushalts-Königreich unserer Frauen finden kann. Und schließlich, „im tiefen Keller sitz' ich hier" denken der Kellermeister und seine Gehilfen vor den großen Lagerfässern in unseren Weinhandlungen, während sie mit dem Abfüllen des geistigen" Stoffes für die Silvester-Fehde beschäftigt sind, um dann die kostbare Last auf den Transport zu den Ladengeschäften oder zu den Haushaltungen zu schicken. Kostend und mischend steht endlich der Hausvater vor den Flaschen und der Bowlenkanne, ein kleiner „Braumeister" ohne Examensschein einer aber gestützt auf Erfahrungen, mit deren Hilfe er noch immer ein Gebräu hergestellt hat, bei dem es sich aushalten läßt. Und wie schnell ist dann all diese Herrlichkeit hinüber, die von vielen Seiten her mit so großer Sorgfalt und mit so viel Liebe vorbereitet wurde! Dann kommt wieder der Alltag und nimmt uns alle in Arbeit und Pflicht; ein neues Jahr beginnt, in das wir mit großen Hoffnungen hineinschreiten ...
Wer die Silvesterstunde und ihre frohgemute Stimmung aber in rechter Weise genießen will, der denke nicht nur an die Vorbereitung der Dinge, die ihm und seinen Angehörigen und Freunden die Stunde des Jahreswechsels schön gestalten sollen, sondern er sei auch darauf bedacht, daß er durch ein Werk der Nächstenliebe über das Winterhilfswerk Licht und Freude hineinträgt in die Häuser der Brüder und Schwestern, für die der Jahreswechsel noch immer mit dem dunklen Gespenst der schweren Sorge um das tägliche Brot belastet ist. Wenn in dieser Weise die Vorbereitungen der Silvesternacht abgeschlossen sind, wird die Freude doppelt groß fein.
leittHllS Stunden werden auf Straßen und Plätzen FOye knallen, oder auch gelegentliche „Kanonen- Ifc llc't" ertönen. Dieses „liebliche Konzert" wird sich n irl olter Erfahrung, ungeachtet aller Erschwerun- 9« n neim Verkauf der Feuerwerkskörper, immer n rhji steigern, je näher die Mitternachtsstunde der ^ ili iernadjt heranzieht. Dann werden von den
| T tr en unserer Kirchen in Stadt und Land die 1 G iEr icrglocfen feierlich ihren Abschied an das alte ■£V £j:unt) den Willkommengruß an das neue in die Iiüftch che Stille hinausklingen lassen. Die Menschen Im prhn mit ernster Besinnlichkeit, vielleicht aber auch fcjft unbeschwertem Frohsinn, ja Uebermut die Baoe der Jahreswende begehen, je nach Wesens- Diti .Üd Temperament.
Q3:>or es zu diesem „Stellungswechsel" kommt, si Allenthalben Vorbereitungen zu der „Silvester- -fdjlllct'; m Gange. Mancher Hausvater überlegt fi«1>,'t) der Jahreswechsel mit einem üblichen Glas ^iei oder mit einer ordentlichen Neujahrsbowle, rü:ÜAht auch mit einem handfesten Punsch began» gi n jerben soll. Da wird der Weinbestand im Kel- le: sichtet und evtl, an seine Ergänzung aus dem giofn Lagervorrat der Weinhandlung gedacht; vi elitcht wird bei dieser Gelegenheit auch einmal ei i. .Vorschuß auf die Seligkeit" genommen, um d, nlüohlgeschmack des Stöffchens beizeiten unter Ks wolle zu stellen, was aber bei manchem nicht tri m notwendig sein soll, weil er ohnehin schon 31 ir Genüge unterrichtet ist. Es wird vielleicht auch je)® einmal an den Flaschen für den „Punschkrieg" gcCe , namentlich wenn die sorgsame Hausfrau n djrin der Nähe ist und das Schwingen der klei- n m dläschen ohne Kontrolle geschehen kann: leicht is: < dabei geschehen, daß dann in der Flasche ein gnm anständiges „Leck" entsteht, das natürlich Ersetz 1 der Punsch-„Werft" erforderlich macht.
uz andere Sorgen für ihre Familienglieder, fr r ;>er nicht minder auf das leibliche Wohl gerichtet id, macht sich die Hausfrau. Sie wägt und Friichi't, ob es „langt" und es ratsam ist, einen an- ft i i;gen Siloesterkarpfen auf den Tisch zu bringen, mo sie sich bewußt ist, daß ein Karpfen von d d en Pfund Gewicht natürlich eine besondere D elfteste für den Abschied vom alten Jahre dar- st rL Und in der Tat gibt es wohl nichts Feineres, a s:inen prächtig zubereiteten Karpfen blau, bei . fr if| Anblick einem schon das Wasser im Munde . zi Hcimenläuft! Auf einer solchen Grundlage läßt e<i :h schon einmal ertragen, den Ansturm gegen fr w Silvesterbowle oder den Silvesterpunsch mit
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