Oesterreich: Leid und Tränen
Von unserem Dr.A. «Berichterstatter.
unendlich bitteres Weihnachten war dieses
Das
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zeln von mir überstrichen, einzeln in die Hürde ge- baukonstruktionen an der Te schoben. Wetzen, sag ich, dufte so gut, Kornbrot, München ernannt worden.
fieren. Ein
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Reval, Ende Dezember 1934. vergangene Jahr hat in der Außenpolitik
Polen sind letzten Endes nur Äußerlichkeit»« berühren jedenfalls nicht den Kern der • Politik.
die eiserne Schiebetür geschlossen, und die Glut verweilte. Nach einer Viertelstunde riß der Bäcker die Tür auf, stieß mit einem eisernen Haken in die Glut, rührte sie hin und her — ich dachte an den Teufel und an die Verdammten — und ließ sie vor seinen Schuhen niederfallen. Ich mußte Wasser darauf schütten, und nun dampfte und zischte es, und der Dampf fuhr in den heißen Rachen und zum Schornstein hinaus. Dann, wenn alle Glut verlöscht war, nahm der Onkel eine lange Stanae, an der ein nasser Lumpen schwang, und dieser Lumpen strich im Ofen hin und her und fegte die letzten Reste der Köhlcheck hervor und die Asche und putzte die Steinfliesen, daß die Brote sauber saßen.
Jetzt erst wurden die Brote eingeschossen, diese runden, weichen Laibe, die, an der Lust getrocknet, von einer festen Haut umgeben waren. Liebreich faßte der Bäcker sie in Hand und Unterarm, einen jeden einzelnen auf den Schieber zu setzen und drinnen fein geordnet nebeneinander zu zeilen. Ein Erdöllicht, das seitlich in der Mauer brannte, beleuchtete den Backofen spärlich, aber genug. Vorn dran, gleich hinter der Tür, wurden sodann die Weißbrötchen gesetzt, weil sie zuerst ausgebacken waren und zuerst wieder herausgenommen wurden, immer sechs auf einen Schieber.
Solange die Brote im Ofen waren, lief mein Onkel aufgeregt in Stall, Scheune und Haus umher, barfuß zumeist, ohne Hemd, und die mehligen Hofen wollten jeden Augenblick aus dem mehligen Gürtel rutschen. Aber bann, wenn er den Ofen aufbrechen konnte, wenn das Gebäck gebräunt und hochgewölbt da brinnen in ben gelben Strahlen ber Lampe faß, ba rieb er sich vor Freube bie Hänbe. Da klatschte er beibe Hänbe gegen meine Ohren unb hob mich am Kopf in bie Höhe, ba ließ er mich hineinfehen in die Hitze, da sagte er: Wem gehört das erste Brötchen? Dir! Ich hatte immer Angst vor der Hitze, erstens, weil die Bäcker gleich ben Häfnern kleinen Buben gern brohen: Ich stecke bich ba hinein, unb zweitens, weil meine Mutter oft und oft, wenn wir am Abend gemeinsam beteten, sagte: Und jetzt noch ein Vaterunser zum Heiligen Geist, bah er uns ben Verstand bewahrt. Denn meine Mutter meinte, die große Hitze des Backofens habe einem ihrer Brüder den Verstand genommen.
Erst kamen die gelben Brötchen heraus, und ich stand mit einem Pinsel bereit und überstrich sie auf dem Schießer mit Zuckerwasser. Erst dann ließ der Onkel sie in den weißen Waschkorb purzeln. Ei, wie das duftete! Weizen und Wein bergen die besten Düfte. Dann erschienen die großen Brote, ein-
Aus E st l a n b ist innerpolitisch kaum , Neues zu vermelden. Man hat sich im Bergan 5 Jahre bemüht und wird es wohl auch künf.! tun, sich aus ben Abenteuern ber litauischen ä herauszuhalten. So ist beachtenswert, bafe von Reval aus stets bestrebt gewesen ist, dem j ischen Partner gegenüber Polen und Deutiji Mäßigung anzuraten.
den Ausbruch von Unruhen befürchten (affen Mit viel Geschick ist bie Regierung Ulmanis n? tätig gewesen unb hat burch eine braftiftkß setzgedung bie Lanbwirtschaft gestützt und d«-° buftrre, insbesondere durch Ausbau ber 3oü4! neue Möglichkeiten erschlossen. So bietet L^! an ber Jahreswende, vorn wirtschaftlichen punkt betrachtet, ein durchaus günstiges Bild» aufsteigenden Entwicklung.
Wechnachten 1934 in Oesterreich. Hunderte unb aber Hunderte unbescholtener braver nationaler Männer sitzen hinter Kerkermauern, zum größten Teil mit den härtesten Kerkerstrafen belegt. Den Rebellen des 12. Februar ist es besser ergangen. Sie sind heute $um größten Teil in Freiheit. Die Strafen aber für die nationalen Kämpfer des 25. Juli gehen in ihrer Gesamtheit in die tausende unb aber tau» fenbe Jahre, ganz abgesehen von ben zahlreichen lebenslänglichen Verurteilungen; zahllose erschüt- ternbe Einzeltragöbien, über bie spater einmal noch ausführlich gesprochen werben soll, es gibt zahlreiche Familien, in denen alle Männer auf 10 und 20 Jahre in das Gefängnis geschickt wurden, ja Leid und Tränen dieses Jahres 1934 sind unermeßlich.
Das also, was jeder gerecht und menschlich denkende Mann in Oesterreich für das nächste Jahr erhoffen und erwarten muß, ist, daß die Machthaber in Oesterreich einsehen lernen, daß sie in den Kämpfen des 25. Juli keine Verbrecher vor sich hatten, sondern Menschen, die für eine Idee gekämpft haben und dem Stärkeren ehrenvoll unterlegen sind; daß also Milde in das Herz derer einziehe, denen das günstigere Geschick alle Macht, Ehre und Stellung in die Hand gegeben hat, und daß sie die Kerkertore öffnen, hinter denen hunderte unglückselige Herzen schlagen. Hinter dieser Hoffnung, hinter dieser Erwartung bleibt alles andere zurück. Denn wir wissen, daß auch dieser Staat sein Schicksal erfüllen muß nach dem ewigen inneren Gesetz, das in aller Entwicklung von Menschen unb Völkern steckt. Diesem Gesetz kann sich niemanb entziehen, biefes Gesetz kann ntemanb widersinnig abbiegen. Und wir wissen, daß diesem Oesterreich am Ende nur ein deutsches Schicksal beschieden sein kann!
Das Jahr 1934 hat Lettland ben autoritären Staatsgedankens gebracht. Die u rnentarifche Mißwirtschaft unb ber verantwort lose Kuhhandel der Parteien wurden im MaiÄ' eine verantwortliche : A 1
sÜhrung unter Le
--------UH wat. ; ? autoritäre Stq r Leitung des Ministerpräsftv,. Karl U l m a n i 5 abgelöst. Um bas Land vor Katastrophe zu hüten, verkündete ber Präsident, gestützt von ber Armee, am 15 jS ben Kriegszustanb unb verbot bem Parlamen t ben politischen Parteien jede weitere Betör, weil die Zuspitzung ber innerpolitischen Verhö 3 ben Ausdruck oon Unruhen befürchten
Skandinavien.
Von unserem B -Berichterstafter.
Kopenhagen, Ende Dezember
Das vergangene Jahr hat mit seinem Wirk'» litischer Ereignisse bie skandinavischen Lände: ihrer politischen unb wirtschaftlichen Ruhe t» scheucht und sie zettweise bis fast an den RanL, Strudels gezogen. Man war von der aügen^ Kriegsneroosität so erfaßt, daß wochenlang fa|i 4 lich in den schwedischen und dänischen $eifa» ber Rechten Pläne über ein bündnisähnliche- f samrnengehen der Streitkräfte diskutiert tun. Ihren sichtbaren Ausdruck sollte diese Allia^. einer gemeinsamen Befestigung L, Oeresunds finden. Kanonen, die etwa an r schwedischen Küste des Oeresunds ausgestellt & ben, könnten bequem bis Kopenhagen schießen , biefem Stadium griffen die verantwortlichen j r, fer ein. Der außerordentlich geschickte bärh Staatsminister Stauning, ber außenpolitile ner Nation große Dienste geleistet hat — über ? Bewährung auf innerpolitischem Gebiet wirb Kreis der für diese Frage allein zuständigen H sch en Parteien eine heftige Diskussion geführt- klärte mit Nachdruck, daß von dänischer 6M c ■ der eine militärische Befestigung-,,, Oeresunds noch ein Bündnism ^7; komme. Im gleichen Sinn äußerte sich-er schr , bische Staatsminister, unb der n 0 brauchte zu dieser Frage nicht erst gehörigr: den. Die Spannungen zwischen NormM Dänemark sind seit dem Grönlandstreit noch si so ausgeglichen, als baß ein solches Them nur erörtert werden könnte. Die wieberholten 7- grammatischen Erklärungen der skandmMd Staatsführer können aber ihrer Tendenz nai einem Wort zusammengefaßt werden: 9teur: l i t ä t
Daß Schweden, Dänemark und Norweger ■ vergangenen Jahr sich starker als je um eine Ü befferung unb Mobernisierung ihrer militant Kräfte bemüht haben, kann nicht die Ehrlichkcr Neutralitätswillens in Zweifel ziehen. Tenn” bie Verhältnisse nun einmal in Europa liegen :> hört zur Aufrechterhaltung der Neutralität cf Umständen eine ft a r f e Waffe. Es ist kfrrir wahrfcheinlich, daß sich in absehbarer Zeit an fer Grundeinstellung ber brei skandinavischen £’!’ der etwas ändern wird, und man kann ruhig " zufügen, daß das im nationalen Durchbruch br: liche Finnland sich außenpolitisch durchaus'' fer Linie nähert. Es hat zwischendurch gewisses serenzen zwischen Dänemark—Schweden—Nom, gen einerseits und dem energischen Finnin- 0?
Wien, Ende Dezember 1934.
Man muß schon weit in der Geschichte Oesterreichs zurückgehen, will man ein Jahr finden, in dem die Ostmark von solchen Stürmen durchtobt war wie in diesem, das nunmehr ber Vergangenheit angehört. Heute rückschauenb erkennt man, daß oei beiden Revolutionen, die 1934 über das Land an ber Donau hinweggebraust sind, das Schicksal der Regierung an einem hauchdünnen Faden hing Unvergeßlich wird ber Eindruck bleiben, als drei Tage unb drei Nächte von den äußeren Bezirken Wiens entlang ber Wiener-Wald-Berge und bann besonders vom jenseitigen Donau-Ufer her d i e K a- nonen donnerten unb zu gleicher Zett der Sicherheitsdienst in ben inneren Teilen der Stadt von zerlumpten, rasch irgendwo aufgelesenen Burschen, denen man ein Gewehr in die Hand gedrückt unb eine rot-weiß-rote Binbe um den Arm gelegt hatte, versehen wurde. Jetzt rückschauend erkennt man den Ernst der damaligen Lage, weiß man, daß damals auch der letzte Schutzkorpsmann, Gendarm, Polizist und Soldat an ber „Front" benötigt würbe.
Aus den Militärgerichtsprozeffen der letzten Monate hat man erfahren, daß aber auch bie nationale Revolution bes 25. Juli einen weit größeren Umfang gehabt hat, als man ursprünglich annahm In biefen Verhandlungsberich- ten tauchten Orte und Städte auf, von denen man bisher überhaupt nichts gewußt hat, daß auch dort die Macht von ben Aufständischen erobert worden war. Heute weiß man, daß nahezu ganz Kärnten unb große Teile der Steiermark im Besitz der Aufständischen waren unb daß bie Empörung bis tief hinein nach Oberösterreich unb hinauf nach Salzburg flackerte. Eine Reihe ber wichtigsten Paßübergänge war von den Rebellen besetzt, unb der Sturm bes Bundes- heeres auf ben Pyhrnpaß etwa, die Verteidigung des Annabichls bei Klagenfurt, die Kämpfe um St. Veit an der Glan, ber heldenmütige Widerstand der letzten Taufend auf dem Rabenstein werden in keinem Geschichtswerk über Oesterreich, wann immer und von wem dies verfaßt wird, fehlen. Diese heldenmütigen Kämpfer des 25. Juli würden auch selbst vor bem Urteil ihrer Gegner, den heutigen Machthabern in Oesterreich bestehen, hätte nicht der unglückselige Schuß aus ber Pistole Otto Planettas den wehrlos überraschten Bundeskanzler Dr. Dollfuß gefällt.
Fragt man sich jetzt, wieso es trotz aller dieser Gefahren den Systemträgern des heuttgen Oesterreich gelungen ist, sich zu behaupten, so kommt man zu bem Schluß, baß zwei Umftänbe dafür in erster Linie maßgebend waren. Einmal die Tatsache, daß die Opposition gegen die Regierung in zwei Lager gespalten war, in das marxistische und in das nationale, daher jedes für sich in einen Kampf marschierte, indem es die ganze Staatsmacht sich gegenübersah. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war bann aber auch der Umstand, daß infolge bes ungestört funktionierenden staatlichen Nachrichtenapparates, vor allem des Rundfunks, es gelang, durch ständiges Ausgeben günstiger Nachrichten die breiten Masten der
einander. So gelangte Mitte September in Genf unter bem Namen „Baltischer Pakt" ein Vertrag zwischen Litauen, Lettlanb und Estland zur Unterzeichnung, der eine weitgehende politische Zusammenarbeit der brei Staaten festlegt. Der Pakt fußt auf bem bereits feit 1923 bestehenden estnisch-lettischen Bündnis, enthält aber die Einschränkung, daß die politische Zusammenarbeit sich nicht auf gewisse Sonderfragen erstrecken soll. Darunter sind — ein „Bonbon" für Litauen — das Wilna-Problem und dieMemel-Frage gemeint. Im November trat in Reval die erste Konferenz der Außenminister der drei baltischen Staaten zusammen, auf der bie Richtlinien festgelegt wurden, nach denen die balttschen Staaten ihre Interessen gegenüber den Großmächten wahrnehmen wollen. Ende April ober Anfang Mai kommenden Jahres soll in Kowno eine neue Zusammenkunft stattfinden, auf der sich erweisen wird, welche Bedeutung der Baltische Pakt hat.
Mit echt östlicher Mentalität und der Zuversicht, daß es sich in seiner seit 10 Jahren vertretenen Anschauung über die weltpolitische Lage nicht getäuscht habe, schreitet Litauen ins neue Jahr. Das Jahr 1934 bestärkte dieses Land in seinem Glauben, indem es ihm neue Möglichkeiten bot, im Schatten der zahlreichen europäischen Spannungen alles zu tun, was ihm jeweils als vorteilhaft dünkte, ohne befürchten zu müssen, daß diesem Treiben von außen Einhalt geboten werben könnte. Durchaus beherrscht wirb bie litauische Politik von ber Memelfrage. Durch klägliches Versagen lassen bie Signatarmächte bes Memelstatuts bie Vernichtung ber Memelautonomie zu unb becken bannt gewissermaßen alles, was Litauen im Memelgebiet rechtswidrig unternimmt. Weil sie in biefer Beziehung mehr ober weniger auch keine reine Weste Haben, kümmern sich die Großmächte nicht um bie völkischen Minberheiten in Litauen, so baß Kowno mit seiner mittelalterlichen Auffassung vom Begriff „Souveränität" unter Ausnutzung ber internationalen Spannungen nahezu ganz unangefochten hanbeln kann. Alles anbere, wie Baltenbunb unb Verftänbigungsverfuche mit
Der Backer.
Von Molaus Schwarzkopf.
Mein Großonkel war Bäcker, unb mein Onkel, genannt Mariä Himmelfahrt, war es auch. Das Backhaus ftanb nahe an ber Kirche; sicher hatte bafelbft einst ber ©emeinbebarfofen gestanden. Der Backofen heizte genau wie der Brennofen der Häfner Sommer und Winter das ganze Haus. Heber ihm lagen die Schlafstuben, links neben ihm bie Backstube, hinter ihm bie Wohnstube, bie gleich- zeitig Verkaufslaben war, rechts von ihm, durch eine Mauer getrennt, ber Kuhstall.
Der Ofen würbe mit Wellen geheizt, bas sinb bie Aeste unb Zweige des Kiefernholzes, besten Stämme bie Häfner verbrauchten. Oft habe ich bie Wellen herbeigeschleppt, bie ber Onkel bann, ohne sie auf» zubinben, hinein in bie Flammen schob. Wie in einer kleinen Höhle sah es ba drinnen aus; Flamme loberte auf Flamme, Flamme sprang über Flamme, Flamme fraß Flamme in sich ein unb nahm sie mit zum Schornstein hinaus. Flammen bissen an ber flachen Decke bes Ofens umher, züngelten in bie ausgebrannten Mauerrihen zwischen ben schmalen Backsteinen unb liefen wie gebänbigt zum Kamin. War genug des Holzes abgebrannt, bann würbe
ber baltischen Staaten eine greifbare Wendung gebracht. Man hat sich lange Jahre in ben neuen Oft» feeftaaten ber Hoffnung hingegeben, sie außenpolitisch auf England orientieren zu können. Daneben bestanden Absichten einer möglichst weitgehenden politischen Annäherung an Finnland und die skandinavischen Staaten, insonderheit Schweden. Die Stellungnahme Englands zu den kontinental-europäischen Dingen, bie in letzter Zeit immer beutlicher sichtbar würbe, unb wieberholte Ablehnungen oon schwedischer unb finnischer Seite, bas gutnachbarliche Verhältnis durch politische Abkommen zu vervollständigen, haben diese Hoffnungen freilich vernichtet. Daraufhin tauchte der Plan auf, bie Beziehungen zu Polen zu intensivieren. Als ber beutsch-pol- nische Ausgleich zustande kam, konnte man in ben Staaten bes baltischen Raums eine gewisse Abkühlung ber Einstellung zu Polen beobachten, bie ihre Erklärung in bem merkwürbigen Mißtrauen finbet, bas heute noch bei ben baltischen Staaten gegenüber Deutschland besteht und durch die französische unb russische Presse nicht unwesentlich geschürt würbe.
Zu Beginn bes Jahres trat Sowjetrußlanb mit bem Plan einer Neutralisierung ber baltischen Staaten hervor. Als Litwinow, ber diesen Plan übrigens über ben Kopf der balttschen Staaten hinweg gefaßt hatte, bei Finnland auf Widerstand stieß, wandte er sich mit der Aufforderung an Deutschland, ben Bestaub ber Ostseestaaten zu garantieren. Da auch Deutschlanb unter Hinweis, baß ber Bestaub ber baltischen Staaten von ihm nicht bebroht unb infolgebesten auch nicht zu gewährleisten sei, die russischen Absichten zurückwies, suchte sich Litwinow auf bem Wege eines Ueberelnfommens mit Frankreich burch ben viel bisfutierten Ostpaktplan ben erwünschten Einfluß in ben baltischen Staaten zu sichern. Diesem etwas unheimlichen Liebeswerben ber Großmächte um bie Gunst ber kleinen Ostseestaaten entsprang ber Wunsch nach engerer Binbung unter
fein, einen Ausgleich zwischen ben beiden Großmächten zu erreichen. Nur auf diesem Wege war für Ungarn eine Befreiung aus der Umklammerung der von Paris bestimmten revisionsfeindlichen Politik der Kleinen Entente denkbar. In der jüngsten Entwicklung des unaufhaltsamen deutschen Vordringens im Südosten bilden Budapest, ebenso wie Wien und Belgrad Stützpunkte von größter realpolitischer wie wirtschaftspolitischer Bedeutung. Gefühlsmäßige Bedenken und Schwierigkeiten, die sich aus der wenig glücklichen Minderheiten-Politik der Budapester Regierung ergeben, können hier nicht entscheidend sein. Gemeinsamkeiten ber Interessen, bie für Deutschland in der Verbindung mit Ungarn zweifellos vorliegen, Haden sich in der Geschichte stets als zuverlässige und sichere Bindungen ergeben.
herausschießendes Auto gestört wird. Als Fahrer aber finde ich, daß sich Rom nicht richtig verhält. Jene stürmisch in die Lobhudelungsleier greifenden Kollegen sind augenscheinlich noch nie an einem regnerischen Abend in eine Vorstadt hinaus- ober etwa von Frascati her nach Rom hineingefahren, denn sonst würden sie nicht von einem Sieg der Autofahrervernunft, sondern von bem alles überwälti- genben Sieg ber römischen Radfahrer berichten. Natürlich kann man auch ohne Signalhorn fahren, wenn man immer unb überall den Fußgängern den Vorrang läßt, aber sich des Nachts zwischen ben zücht-, Internen« und bremsenlosen Radfahrern hin- durchzuschlängeln, das ist zu viel verlangt. Jetzt sind sie unumstrittene Herren der Straße, jetzt fahren sie links ober rechts vor, biegen plötzlich in die Mitte ber Fahrbahn ein, springen ab, wie es ihnen paßt. Das stumme Rom ist keine Erlösung, sondern eine ftänbige Gefahr. Und wenn die Hymnen versichern, baß sich der neue Verkehr ohne ben geringsten Un« fall abspiele, so sprechen die Unfallspalten auf der anderen Seite eine durchaus andere Sprache. Das große Experiment hat lediglich gezeigt, daß man ohne Lärm auskommen kann, nicht aber ohne Signalhorn, es fei denn, daß auch Fußgänger unb Rad- fahrer die Selbstbeherrschung unb Disziplin der Autofahrer aufbringen.
Bevölkerung vor ber Unterstützung ber Aufständi- schen abzuschrecken, so baß biefe sich in Einzelkämp- fen aufrieben und ihre Zusammenfassung schließlich durch die rasch aufgebotene Exekutive verhindert werden konnte. Die moderne Technik, mit ihren raschen Beförderungsmitteln, ihren Möglichkeiten blitzschneller Nachrichtenübertragung, läßt eben Auf- ftanbsbilbungen, wie wir sie in früherer Zeit etwa zu ben Bauernkriegen ober auch später, erlebten, nicht mehr zu. Es wirb in Zukunft kaum mehr benfbar fein, daß sich Revolutionen empörter Volksteile gegen bie intakte Staatsmacht herauskristalli-
mit Berlin zu treten. Jdeenmäßige Verknüpfungen mit bem jungen, nationalsozialistischen Deutschlanb unb bie trabitioneöen deutschen Sympathien des Reichsverwesers H 0 r t h y unb bes, aus ber Raffen- schützler-Bewegung hervorgegangenen Ministerprä- sibenten G 0 m b 0 s haben hierbei entscheibend mit» gewirkt.
Die Orientierung der ungarischen Außenpolitik war feitbem daraus gerichtet, sich gleichmäßig die Freundschaft Berlins und Roms zu erhalten und damit ein Gegengewicht gegen die bisherige Vormachtstellung Frankreichs im Südosten zu schaffen. Die Zwischenstellung ber Regierung Görndös zwischen Berlin und Rom war in den letzten Monaten zweifellos mit gewißen Schwierigkeiten verbunben. Le- benswichttg mußte es für bie Budapester Regierung
Hochschulnachnchien. . _
Professor Dr. Ernst Philipp, an der Universität-B erlin, ist zum £ Professor für Gynäkologie unb Geburtshus Universität Greifswalb ernannt woroe -
Dem Professor Dr. Heinrich.Karten, orbinarius für medizinische Pottklinit an oersität München, wurden mit sofort^ Amtsbezeichnung und akademische a °) ordentlichen Professors verliehen. . r je
Der Obtzringenieur Dr.<sng. Lutz P'st
M ü n ch e n ist zum 0. Professor siu u r
- - - -■ der Technischen 3)ou)v*j
oh, bas duftet noch viel besser! Ganze die gesundheitlich neben dran geraten sind, iM itr könnten mit trockenem Kornbrot wieder fltiu'.' werden!
Dreimal wöchentlich buk mein Onkel, Mariä Himmelfahrt, und während ber übrigen- zog er mit seinen Kühen im Feld umher, M l eggte, säte und erntete. Freilich erntete er nW viel a>(s er verbackte. Am dritten eines jeden v-e nats kam aus Darmstadt ber Mehlmann. schleppte die schweren Säcke zur Treppe Hera«!', ben Hausgang und stellte sie an der Mond entU'N hinter die Falltür, die in den Keller führte.■’ Wand voll besetzt, bann mußte er den "e" - - Sacke auf ben Speicher tragen. Aus ber ersten “ ber Kellertreppe standen das Hefefäßchen, dar v- dervoll duftete, und der Sauerteig. Ohne w , zähen, weißlichen Saft wäre bas Brot nicht geworben. Die Bauern, die zu Hause ihren r j einmehrten und „machten", holten in ‘ für drei Pfennig von diesem Saft. An Mchw. und an den drei hohen Feiertagen liefen tnr von Haus zu Haus, einzumehren und . „machen"; sie trug ba ein kleines Kratzeisens Hand, wie der „Gehste weg da hinten" sein ~ schüsfelchen, und ihre Hände waren gelbwei»
Brezeln, Lebkuchen, Anis und Buttergeb altere brachte das Christkind, unb die Backer tun» Herrlichkeiten nicht vorm Fest sehen (affen- l f kuchen waren herzförmig mit entzückenden nungen, die Brezeln geflochten wie TtaW m und bie „Bobbe , zweiköpfige Wickelkinder, , geheimnisvoll das Zeichen ber Fruchtbare 1 manb mehr erkenntlich, zur Schau. An Reui es die größten, und ein Neujahrsoers hiey:
Prost Neijohr, Brezel wie e Scheuertor, Ledkuche mies Bruch, hast du's ganze Johr genug.
Nie ewige Stadt ist stumm geworden.
Don unserem römischen E.-Korrespondenien.
R 0 m, hn Dezember.
_ Von einem Extrem ins andere fallend, hat die lärmendste Stadt'der Erde plötzlich den Ehrgeiz be» kommen, die Stadt bes Schweigens zu werden. Unb in der Tat, über Nacht war bas Wunder geschehen. Die Verkehrspolizisten hatten auf einen Schlag die davetta abgelegt, jene an Gummiknüppel erinnernde, aber schneeweiße Keule, mit ber sie bas Verkehrsorchester so elegant birigierten, daß erst kürzlich noch ein Oberflächenrei-senber in einer deutschen Zeitung behauptete, ein Elfenbeinstäbchen in ihrer Hand gesehen zu haben. Statt des hin- und herwirbelnden Elfenbeinstäbchens hatten sie nun jedenfalls mächtige weiße Stulpenhandschuhe an und gaben die Zeichen so, wie man es im übrigen Europa gewöhnt ist. Und beim ersten auftauchenden Sluto senkten sie diese Hand so beschwichtigend wie Nikisch, wenn er ein Pianissimo erzielen wollte. Und die Fahrer, hingerissen von so viel Liebenswürdigkeit, vergaßen ganz und gar ihr Instrument, sie verstummten.
Die Romer wollten buchstäblich ihren Ohren nicht trauen, der Höllensadbath, er war zu Ende! Man ging dahin wie im Traum, man fing wieder an zu schreiten, statt zu hasten, ja, man konnte geradezu lustwandeln. Es war Feiertag, sonntägliche Ruye am Samstagmittag, Wunder über Wunder.
Nach diesem gelungenen Experiment beschloß man, es auch am nächsten Tag zu versuchen, und diesmal wurde die Einladung zum Nichtyupen schon ein Gebot, man dehnte es auf eine ganze Woche aus unb nach acht Tagen vernahm Rom, biefes lärmbrodelnde Rom, baß ber Ministerrat in Aus- Hebung ber Signalvorschriften ein Gesetz heraus- bringen werde, das für alle Städte Italiens das Lautgeben der Automobile verbiete. Die Zeitungen steigern sich gegenseitig in eine wahre Verzückung hinein, sie wissen gar nicht mehr, wie sie übertreiben, wenn sie voll Stolz ausrufen, so etwas sei eben bloß in Italien unb in Rom möglich gewesen, auf ber ganzen übrigen Welt gäbe es keine der- artige Disziplin, Rom habe ein Beispiel originalis- simo gegeben unb so weiter.
Nun die Kehrseite der Medaille. So lange ich zu Hause am Schreibtisch sitze, bin ich natürlich glücklich über bie Ruhe. Als Fußgänger genieße ich eine seltsame Mischung zwischen Freude unb Angst, benn man weiß ja nie, ob das Lui ’anbeln nicht durch ein lautlos wie ein Pfeil ans einer Querstraße
politische Kräfte im baltischen Raum
Von unserem Or. St.-Derichterstatter.


