ltt.279 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien) Donnerstag, 29. November 193^
Die Frauen helfen dem Winterhilfswerk.
Im Rahmen des Winterhilfswerkes 1934/35, zu dem die NS.-Frauenfchaft Gießen ihre Mitglieder und darüber hinaus alle interessierten Frauen auf- gefordert hat, fand gestern abend im CafL Leib eine überaus gutbesuchte Kundgebung statt. Der Saal prangte in reichem Girlandenschmuck und schien symbolisch auf den Zusammenschluß aller — dem großen deutschen Frauenwerk zu ersprießlicher Aufbauarbeit — vereinigten Frauenoerbände hinzuweisen.
In ihrer Einführungsrede richtete die stellvertretende Kreisfrauenschaftsleiterin
$rau Wrede
herzliche Begrühungsworte an die zahlreich Er- schinenen und dankte ganz besonders der Rednerin des Abends, Gaufrauenschaftsleiterin Frau B r i n k h o f f, die sich trotz größter Inanspruch- nähme wieder einmal in vorbildlicher, selbstloser Weise zur Verfügung gestellt hatte. Sie wies darauf hin, daß der überaus starke Besuch sie besonders freue, weil er ein lebhaftes Interesse an der guten Sache zeige und dadurch die Möglichkeit gegeben sei, immer neue Frauen zu gemeinsamer Zusammenarbeit für des Volkes und des Vaterlandes Wohlergehen zu gewinnen.
Rach der Begrüßungsansprache wurde vyn den Pg. Weyl, Luley und den Frauen Zimmer und Weyl in vollendetem Zusammenspiel eine alte Telemannsche Kantate aus dem 17. Jahrhundert vorgetragen. Mahnend und eindringlich klangen dazwischen in Frau W e y l s gutgepflegtem Alt die Worte: „Ihr, Völker, hört, wie Gott aufs neue spricht: „Es werde Licht!"
In wirkungsvollem Wechsel folgte daraus die kleine Novelle „Winternacht" von Ina Seidel, von Frau Güngerich in fein empfundener und ergreifender Weife vorgetragen. Nach freudigen Beifallskundgebungen ergriff sodann
Frau Brinkhoff
das Wort. Von dem zur Zeit überall in deutschen Gauen und auch hier in Gießen an allen Anschlagsäulen befindlichen Bilde ausgehend, das zwei in bitterer Not befindliche, abgehärmte Menschen darstellt, eine Mutter mit ihremKinde, und 'zwei sich ihnen entgegenstreckende Hände zeigt, gab die Rednerin in ihren schlichten, klaren, zielweisenden Ausführungen Aufschluß über den tieferen Sinn dieser Bildwiedergabe. So, wie sich diesen zwei Menschen helfende Hände entgegenstrecken, so soll
erneut, auf eindringlichen Wunsch unseres Führers, all denen geholfen werden, die von innerer und äußerer Not betroffen sind.
TUben der materiellen Hilfe für die wirtschaftlich Bedrängten soll eine Brücke auch zu denen geschlagen werden, die noch nicht vom Geiste unserer neuen Zeit und der Opferbreitschaft für unser Volk durchdrungen und daher auch noch nicht von der felsenfesten Hoffnung beseelt sind, daß wir Frauen der Jetztzeit alle zusammen den gemeinsamen Willen haben müssen, im Sinne unseres Führers unseren ärmeren
Volksgenossen zu helfen und beizuflehen.,
Nach den Worten unseres Führers: „Jeder muß sich verantwortlich fühlen für den, der neben ihm steht", müssen wir in vollstem Pflichtbewußtsein stets helfend und opferbereit dastehcn. So wie wir Frauen schon damals während des großen Völker- ringens, als unsere Männer und Brüder, das Vaterland schützend, an der Grenze standen, Opfergeist und echte Volksgemeinschaft gezeigt und gepflegt haben, so müssen wir uns auch heute wieder mit festem, eisernen Witten zu geschlossenem Handeln vereinigen, um die auf uns wartende riesengroße Arbeit des Wintevhilfswerks durchführen zu können.
Wenn jede von uns an ihrem platze fleht, so wie es der Führer wünscht, dann muß die große Not und das Gespenst der Arbeitslosigkeit ein für allemat verschwinden. Nich durch blasse Theorie oder Nörgeleien kann dies erreicht werden, sondern allein durch den Zusammenschluß aller Frauen und Volksgenossen zu gemeinsamer Arbeit.
„Wer sein Volk und Vaterland liebt, zeigt es durch die Opfer, die er für es bringt!" sagt unser Führer. Im Hinblick auf die Zukunft unserer Kinder und mit Gottes gnädigem Beistand, der uniferm Volke in ieiner tiefsten Not den Führer gab, sei es unsere heilige Pflicht, uns restlos für das Gelingen des großen Winterhilfswerks einzusetzen zum Segen für Volk und Vaterland.
Nach diesen beherzigenswerten Worten und dem von Frau Wrede ausgesprochenen Wunsche, daß sie offene Ohren und willige Herzen finden mögen, brachten die Besucherinnen ein dreifaches Sieg-Heil auf unfern Führer aus und sangen anschließend den zweiten Vers des Deutschland-Liedes.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Das Weihnachtsgeschäft.
Die alten und oft wiederholten, immer mit zureichenden Gründen belegten und dennoch kaum ausgeführten Mahnungen, rechtzeitig zu kaufen, weil man nicht nur seine Käufe über- legen kann, sondern auch dem Verkäufer die Qual erspart, im letzten Augenblick mit ungeheurer An- spannung schnellstens zu arbeiten, sind vor Weih- nachten gewiß am Platze. Aber die deutsche Hausfrau, der Mann, dessen Lohn nicht immer in zureichendem Maße ausgezahlt wird, kann zumeist trotz schärfster Sparsamkeit nicht immer so zeitig einfaufen, um diesen idealen Wünschen nachzukom- men. Somit bleiben der Kupferne, der Silberne und der Goldene Sonntag notwendige Einrichtungen und für den größten Teil des deutschen Volkes die Haupteinkaufstage. Daß Geben seliger als Nehmen ist, bedeutet aber auch einen ökonomischen Faktor, und auf das Weihnachtsgeschäft selbst sind die Erwartungen der ganzen Wirtschaft gerichtet.
Immerhin lasten sich drei Typen der Käufer unterscheiden: Der erste überlegt erst dann, wenn er kauft oder — gekauft hat. Der zweite wird vom Sehen angereizt; er stellt immerhin eine gehobe- nere Schicht des Käufers dar. Der dritte überlegt daheim, was fein Geldbeutel vermag und wie er seine Lieben beschenkt, und diese Gruppe ist vielleicht die beste, denn abgesehen vom Nutzeffekt eines solchen Vordenkens erspart man auf diese Weise dem Verkäufer einen großen Teil Arbeit. Es scheint, als ob unter dem Zwange der Not und Sparsamkeit diese Schicht der Käufer im Wachsen begriffen ist. Wenigstens berichten übereinstimmend - die Geschäftsleute, daß die Deckung des Bedarfs und der Wünsche heute sorgfältiger als in den Iah- i ren erfolgt, in denen wir dick drin saßen. Wenn I auch nicht alle Käufe sich auf einen größeren Zeitraum verteilen, so sind doch die Vorsichtigen, die auswählen unb sichten, zahlreicher geworden. Und sie kaufen Qualttätswäre! Schon in den letzten fahren war die Weiche vom Tand zum wertvollen Stück zu beobachten, und in diesem Jahre ist diese Wende verstärkt worden durch die immer wieder
• eingehämmerte Mahnung, daß Qualitätsarbeit wertvoller ist, als Ramsch. Es begann mit kleinen Dingen. Wenn z. B. das Gold der Ostsee, der Bern- ' stein, wieder populär geworden ist, so ist das nicht nur eine Modesache, sondern unwillkürlich verbindet der Schenkende und der Beschenkte mit dem «Stück Bernstein auch ein Seelisches. Und wenn die Mahnung, nur lichtechte Stoffe zu kaufen oder Möbel aus deutschem Holz zu bevorzugen oder i deutsches Porzellan und die Erzeugnisse deutscher 'Volkskunst und deutscher Handfertigkeit auf frucht- I baren Boden fiel, so liegt darin doch eine Umkehr ibes Geschmacks unb eine Veredelung des Schenkens. 'Schenken an und für sich ist ein Luxus, aber es igibt einen verfeinerten Luxus, der für jedes nicht Im Materiellen allein beharrende Gemüt lebensnotwendig ist. Und daß wir gewissermaßen prak- itischen Luxus uns erlauben, dazu zwingt schon die Not und die Notwendigkeit, die immer die Mutter ides Weltalls gewesen ist.
Man kann in der Geschäftswelt deutlich den Zug zum Schönen auch in einfachen Dingen Der- fpüren. Der deutsche Einzelhändler hat sich nicht nur den Bedürfnissen der Käuferschicht angepaßt, sondern durch sorgfältige Auswahl und Sinn für [ Schönheit ihr auch das Gesetz des Kaufens bestimmt. Es kommt heute, wie jeder Gefchäftsmann weiß, nicht darauf an, daß einmalige große Umsätze erzielt werden, sondern der Käufer gewissermaßen zu „seinem" Kaufmann kommt und sich beraten läßt.
Aus parteiamtticheuBekanntmachungen
In der Ortsgruppe G i e ß e n - O st findet am morgigen Freitag, 20.30 Uhr, in der „Stadt Lich" Zellenabend für die Zellen 2 und 3 (An der Kaserne, Kugelberg, Friedensstraße, Kaiserallee 28 bis Ende, Grünberger Straße, Rödgener Straße, Flughafen, Heyerweg, Eichgärten, Schlageterstraße, Wolfstraße 1 bis 18, Alter Rödger Weg) mit Licht- ।
bilder-Vortrag über „Altgermanisches Bauerntum" statt.
Die Ortsgruppe Gießen-Süd veranstaltet am kommenden Montag, 20.30 Uhr, im Studentenheim, Leihgesterner Weg, einen öffentlichen Schulungsabend, bei dem Pg. Ewald über „Brennende deutsche Wirtschaftsfragen" sprechen wird. Alle Volksgenossen sind dazu eingeladen.
7K5.=£ef«rerbunl>, Äießen.
Geschichtliche Fachschaft.
Freitag, 30. November, 17 Uhr, im Seminar- zimmer der Oberrealschule.
Deutsche Arbeitsfront.
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Achtung Wintersportler, Urlaubsfahrer!
Acht Tage in das Erzgebirge für nur 3 3 Mark einfchl. Fahrt, Verpflegung und Unterkunft.
Vom 2 5. Dezember bis 2. Janu ar.
Das Erzgebirge ist bekannt als ein vorzügliches Gebiet für Wintersport und durch seinen Wald- reichtum für schöne Spaziergänge in den Winterwäldern geeignet. Sowohl der Wintersportler, wie auch der Urlauber wird reichlich auf seine Kosten kommen.
Die Abfahrt ab Frankfurt a. M. erfolgt am 25. Dezember abends. Die Rückfahrt beginnt am
1. Januar nachmittags. Am Spätnachmittag ist ein mehrstündiger Aufenthalt in Chemnitz vorgesehen. Die Weiterfahrt erfolgt nach dem gemeinsamen Abendbrot. Ankunft in Frankfurt am 2. Januar früh.
Anmeldungen werden bis zum 6. Dezember auf der Geschäftsstelle der NSG. „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, Zimmer 10, entgegengenommen.
Heimatabend des Reichsbunds Volkstum und Heimat.
Man schreibt uns: Ein besonderes Erlebnis verspricht der Heimatabend am Samstag, 1. Dezember, 20.15 Uhr, im Cafö Leib, für alle Heimatfreunde in unserer Stadt und Umgegend zu werden.
Die Verbundenheit von Stadt und Land, materiell schon so oft bewiesen in der Arbeit des WHW. und der NSV., findet ihren ideellen Ausdruck bei diesem Heimatabend in der Mitwirkung der E r k s d o rf e r Trachtengruppe/ die ja auch beim Reichsparteitag in Nürnberg die lobende Anerkennung des Führers gefunden hat. In Liedern zur Laute und alten Volkstänzen werden die Erksdorfer Proben aus dem Schatz bodenständigen Volks- und Brauchtums bieten.
„Stadt und Land — Hand in Hand" wird auch wieder das Leitmotiv der mundartlichen Darbietun
gen unseres oberhessischen Heimatdichters Georg Heß (ein.
Der Bauerschc Gesangverein wird alte Volkslieder aus dem Lochheimer Liederbuch fingen und den Abend mit vaterländischen Chören aus- klingen lassen.
Die Mädchenoberklasse 1c der Schiller sch ule wird mit schlichten Volksweisen aufwarten.
Keine Versammlung in diesen Tagen, da nicht unserer Brüder an der Saar gedacht wird! Ein Sprechchor der Schillerschule, ein Gedichtvorti ag eines Saarkindes unb der Bongardsche Chor „Glück auf! Der Saar!" werden unsere Verbundenheit mit den Saardeutschen zum Ausdruck bringen.
Erfreulicherweise hat der Leiter der Landschaft Nheinfranken — Nassau — Hessen im RDH., Herr Mi usterialrat Ningshausen, sein Erscheinen in Aussicht gestellt, er wird die Ansprache übernehmen.
Nach alledem verspricht der Abend ein voller Erfolg für die Heimat- und Volkstumsarbeit zu werden.
Der „Wunschzettel" für den Weihnachtsmann.
In diesen Tagen herrscht bei den amtlichen Stellen des Winterhilfswerkes wieder eifrigste Tätigkeit bis spät in die Nacht hinein. Eine erhöhte Zahl freiwilliger Helfer ist am Werk, um die größte bisher dagewesene Weihnachtsbescherung des Deutschen Volkes auszurichten.
Dieses Jahr gilt es nämlich wirklich das Christkind bei seiner Vorbereitung des Weihnachtsfestes zu entlasten. Die Weihnachtsgaben sollen diesmal nicht mehr, wie bisher, in einen großen Topf geworfen werden, aus dem jeder bedachte Volksgenosse ein vom Zufall bestimmtes, für ihn mehr oder weniger brauchbares Päckchen erhielt. Jeder, der hierzu in der Lage ist, soll vielmehr einer ihm mit Namen bekannten Familie eine richtige Weihnachtsfreude dadurch bereiten, daß er versucht, ihre Wünsche zu verwirklichen. Jedoch kommt cs nicht darauf an, daß du auf Grund deines besonders gut gefüllten Geldbeutels tatsächlich in der Lage bist, die ausgesprochenen Wünsche restlos zu erfüllen. Du mußt nur aus vollstem Herzen geben und mit allen deinen Kräften Freude bereiten wollen, fo wird auch deine kleinere Gabe dankbaren Widerhall in dem durch deine Hilfe gefestigteren Zusammengehörigkeitsgefühl aller finden.
Deine eigene Weihnachtsfreude wird um so größer sein, weil du diesmal weißt, wie sehr die Augen des Beschenkten am Weihnachtsabend leuchten werden, wenn er das Paket öffnet und feine doch gewiß so bescheidenen Wünsche erfüllt sieht.
Daran denke, wenn zu dir in den nächsten Tagen der Vorbote des Weihnachtsfestes mit einem „Wunschzettel" des Winterhilfswerkes kommt, um dir Gelegenheit zu geben, einem von der Härte des Schicksals noch unschuldig verfolgten Volksgenossen ein helles und frohes Weihnachtsfest zu bereiten.
Tagung
des Oberhessischen Schwurgerichts.
Am Dienstag und Mittwoch, 11. und 12. Dezember, wird das Oberhessische Schwurgericht unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Heid in Gießen zu einer Sitzung zusammentreten. Zur Verhandlung kommen eine Anklage wegen schwerer Körperletzung mit tödlichem Ausgang und eine Anklage wegen Mordes. Die Anklage vertreten die Staatsanwälte Dr. Hofmann bzw. Dr. Fink e.
Vornotizen.
— Tageskalender f ü r Donnerstag. NSBDT., 20.30 Uhr, Caf6 Ebel, Lichtbilder-Vor- trag von Pg. Heß über „Mit Lettow-Vorbeck in Deutsch-Ostafrika". — Hitler-Jugend, Bann 116, Sozialamt, BDM. und Arbeitsamt Gießen, 20 Uhr, Turnhalle Goetheschule, Vortragsabend (Elternabend). — Stadttheater, 20 bis 22.15 Uhr: „Die Braut von Messina" (Vorstellung der NS.-Kultur- gemeinbe, Ring Deutsche Bühne). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der verlorene Sohn". — Astoria-
„Der verlorene Gohn."
Lichtspielhaus.
Bisher ist Luis Trenker, soweit wir uns erinnern können, nur ein einziges Mal von der gewohnten Linie seiner Filme abgewichen, das war in dem historischen Schauspiel „Der Rebell", das :wir vor längerer Zeit auch hier gesehen haben. :Der neue Film nun, der das alte biblische Motiv ,auf seine Weise gestaltet, beginnt wie zahlreiche .andere Bergfilme, die Trenkers Namen bekannt gemacht haben; es ist die gewohnte Umwelt, die Ibekannte Alpenlandschaft, die festen Bauerngesich- iter, Wald, Berg, Gletscher, Skirennen, Lawinen- |jlur3 — alles, was wir schon früher in Trenkers filmen sahen; aber dann kommt ein ganz neues Motiv herein, das auch von der Kamera bildmäßig mnb plastisch-eindrucksvoll erfaßt wird: die Hoch- «lpenszenerie wird überblendet von dem steinernen Wolkenkratzergebirge Neuyorks —, und damit sind idie beiden großen Schauplätze in ihrer polaren «Gegensätzlichkeit kontrastreich genug ins Bild «gerückt. *
Der Holzhauer und Bergführer Tonio Feuer- finger wird eines Tages von der Sehnsucht nach Abenteuern und weiter Welt erfaßt; das fflingt unwahrscheinlicher als neulich bei dem Bankbeamten Kobin, zum mindesten merf- iwürdig, da der Tonio daheim ein liebes Madel Ibat, das nur darauf wartet, seine Frau zu werden. »Aber es mag immerhin einmal Vorkommen. Ein 'reicher Amerikaner, dem Tonio auf einer verum «glückten Bergtour die einzige Tochter aus der La- iroine gerettet hat, ebnet ihm den Weg nach drüben. »Aber drüben, in Neuyork, erlebt Tonio nur, was Ischon Tausende vor ihm erlebt haben Es beginnt »damit, daß man ihm auf seiner Suche nach einem «Erwerb kühl erklärt, Amerika habe bereits acht »Millionen Arbeitslose; unb es enbet mit Hunger mnb Heimweh, mit gestohlenem Brot und einem Teller Suppe bei der Heilsarmee.
Gerade dieser zweite Teil des Films ist in feiner nüchternen und ungeschminkten Realistik, auch in der bildmäßigen Erfassung des großen optischen Motivs Neuyork sehr gelungen; und eben deswegen wirkt der Umschwung, Tonios Rettung Lurch feine ganz unvermutet wieder auftauchenden □merifanlfcben (Bonner, einigermaßen romanhaft. Die.junge Miß Lilian, die Tonio damals aus der Lawine geborgen hat. hat sich sogar richtig und
ernsthaft in ihn verliebt, und es riecht schon bedenklich nach einem süßsauren happy end im wohlsituierten Hause von Mister Williams, da besinnt sich Tonio, getroffen vom zufälligen Anblick einer heimatlichen Schnitzerei, die der Panker sich aus den bayerischen Bergen mitgebracht hat —: er läßt Lilian, läßt Neuyork, ein neues Leben und eine wahrscheinlich nicht schlecht bezahlte Position, unb kehrt nach Deutschlanb zurück, als verlorener Sohn, getreu bem Spruch bes alten Lehrers baheim, auf 1 besten Globus er feine Reise in bie Welt begann: wer nie fortkommt, kommt nie heim. Er erfährt es an sich: hier finb die starken Wurzeln deiner Kraft, hier ist die Gemeinschaft, in die du hineingehörst, hier ist dein Dorf, dein Wald, dein Berg, und hier hat all die Zeit über dein Mädchen treulich auf dich gewartet.
Dies Ganze ist Trenkers eigene Arbeit, er hat den Film zu wesentlichen Teilen allein gemacht; er schrieb das Manuskript und das Drehbuch, er führte Regie, er spielte die Hauptrolle. Einige Schwächen des Buches wurden schon gestreift, unb es scheint uns auch, als ob Trenker nicht recht zu Enbe gekommen sei: ber Schlußteil, ber ja kaum eine Ueberraschung bringen konnte, wirkt im Verhältnis zum Ganzen zu breit.
Die ansehnliche Leistung ber Regie (unb ber 1 Kameraleute!) würbe ebenfalls bereits erwähnt; ! auch bas Skirennen, bie Lawine, bas Furioso eines ' echt amerikanischen Boxkampfes, in ben ber Be- | schauer förmlich hineingerissen wirb, unb enblich "'ich bi" bilbmäßiae Formung bes heimatlichen Rauhnacht-Zaubers sind sachlich überzeugend und technisch sehr geschickt bewältigt.
*
Ebenso überzeugend (wenn man von den ange- । deuteten Einwänden absehen will) bie barstetterische I Leistung Trenkers, bie burch ihre unoerborbene Natürlichkeit unb Einfachheit besticht unb mit spar- {amen Mitteln bas ausbrürft, was zu sagen ist.
Neben ihm, in ber Rolle ber Barbl, sieht man Maria A n b e rg a st, ber mir im Film noch nicht begegnet finb: auch ganz einfach, natürlich unb Herz- lich, eine anbere, süblicher beheimatete Solveig, bie für ihre Treue rechtschaffen belohnt wirb, denn Tonio kommt nicht zu spät wie der verlorene Sohn Peer Gynt. — Von den übrigen: Marian Marsh (Lilian), Berti Schultes (von der Tegernseer Thoma-Bühne), Iimmie Fox, Paul Henckels, der als Rheinländer mit Dem Dialekt einige Mühe । hat, und Schröder-Schrom.
Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Das Beiprogramm zeigt u. a. in einem interessanten Kulturfilm die Technik des Kupferstiches und der Radierung, ferner einen Vorspann zu dem Aafa-Film „Schön ist jeder Tag, den du mir schenkst, Marie Luise". —r—
Unveröffentlichte Liebesbriefe Napoleons
Demnächst wird in dem bekannten Auktionshaus Sothebys in London eine Sammlung von insgesamt 318 Briefen Napoleons zum Verkauf gelangen, die der Korse an seine Frau Marie-Luise in der Zeit vom 23. Februar 1810 bis zum 28. August 1814 geschrieben hat, und von denen bisher keiner zur Veröffentlichung gelangt ist. Der Verkäufer scheint ein österreichischer Adliger zu fein. Die Briefe, die den Kaiser als Liebyaber unb Gatten zeigen, zerfallen in mehrere Gruppen. Von befon- berem Interesse finb bie im Februar unb März des Jahres 1810 verfaßten, also in einer Zeit, als Napoleon seine künftige Gemahlin überhaupt noch nicht gesehen hatte. Aus den Zeilen verrät sich deutlich fein Bemühen, das Herz der habsburgischen Kaisertochter zu gewinnen. Beteuerungen leidenschaftlichster Verehrung wechseln mit Ausdrücken der Ungeduld und des Verlangens. Die zweite Gruppe der Briefe ist zwischen dem 16. unb bem 30. Mai 1810 entstauben, und zwar während einer Reise des Kaisers durch die Niederlande. Bemerkenswerter sind wiederum die Briefe aus dem Jahre 1812 während des russischen Feldzuges. Der erste trägt das Datum des 29. Mai, an dem Napoleon feine Frau verließ, um zur Großen Armee zu stoßen; und der letzte ist am 5. Dezember des gleichen Jahres geschrieben worden, an dem der geschlagene Korse mit feiner Armee nach Frankreich zurückeilte. Während dieser wildbewegten Tage hat Napoleon 112 Briefe an Marie-Luise gerichtet; die meisten bestehen nur aus ein paar Zeilen. In den ersten beteuert er immer wieder seine Liebe und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Trennung nur kurz fein werde. In einer dieser Botschaften an die Kaiserin der Franzosen heißt es: „Du weißt, wie sehr ich Dich liebe. Ich muß wissen, daß es Dir gut geht und daß Du Dich glücklich fühlst. Auf Wie- berfehn, meine Liebe, unb taufenb Küste." Die meisten Briefe enben mit dem Satz: „Gib dem König von Rom einen Kuß von mir. In einigen Zeilen vom Schlachtfeld von Borodino spricht er von einem gewaltigen Sieg und der Gefangennahme von 30 000 Feinden. Einige Tage später, nämlich am
16. Dezember, erhält Marie-Luise eine Beschreibung der Pracht Moskaus „mit feinen taufend Palästen", und ein wenig später berichtet Napoleon von bem Feuer unb von der furchtbaren Katastrophe, die dieses Unglück für Rußland bedeute, ohne jedoch die vernichtenden Folgen für die französische Armee auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Am 19. Oktober teilt der Kaiser mit, daß die Armee ihre Winterquartiere beziehen werde und daß er hoffe, feine Gemahlin in Polen wiederzusehen. Während des eiligen Rückzuges erfährt Marie-Luise mit keinem Wort von ber Nieberlage ber Armee. Die einzige Sorge bes Kaisers scheint zu fein, daß die Russen seine Briefe an die Gattin abfangen könnten. Bisweilen sind einige Empfehlungen an „Papa Franz", dem Kaiser von Oesterreich zu lesen, auf dessen Intervention Napoleon durch die Vermittlung der Tochter vergebliche Hoffnungen gesetzt hatte. Die 54 Briefe aus der Zeit vom Februar unb vom März 1814 finb bitterer. Der Kaiser versicherte zwar, baß „bie Dinge gut stehen, unb baß es mit Gottes Hilfe noch bester gehen werbe." Aber schon am 31. März teilt er ben Fall von Paris mit unb Anfang April ermuntert er Marie-Luise tapfer unb stark zu sein, unb versichert ihr seine Anteilnahme an bem Unglück. Zehn Tage später ist ber geschlagene Franzosen- kaiser von Fontainebleau auf bem Wege zur Küste. Der letzte Brief biefer interessanten Sammlung trägt bas Datum bes 23. August 1814 unb ist von Elba geschrieben worben „in einer Einsieblerklause oberhalb ber See in ber Mitte eines Kastanien- wälbchens"; er schließt mit ben Worten: „Ich habe Sehnsucht, Dich unb meinen Sohn zu sehen."
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Kurt Felix von der Universität München ilt mit Wirkung vom 1.November n» zum ordentlichen Professor der Vegetativen Physic- logie sowie zum Direktor des Universitätsinstiiutr für Vegetative Physiologie an der Universität Frankfurt ernannt worden. Er hat seine Lehrtätigkeit bereits ausgenommen.
Professor Dr. Emil Küster ist zum ordentlichen Professor für Hygiene und Bakteriologie in ber Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt unb zum Direktor bes Stäbtischen Hygienischen Universitätsinstituts als Nachfolger des ent- pflichteten Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Neiße» ernannt worden. Professor Küster wirkte bisher als nichtbeamteter außerordentlicher Professor in Frank- furt. ,


