Stadt Alsfeld ein würdiges Denkmal gefetzt. Es fei Pflicht, aller derer in Dankbarkeit zu gedenken, die an dem Zustandekommen des Werks damals mitgewirkt hätten, insbesondere des damaligen Leiters -er Anstalt, Geh Schulrat Professor Dr. Pitz, und der Stadtoertretung. Dr. 5) a i n e r gab dann einen interessanten Ueberblick über die Geschichte und Entwicklung der im Jahre 1861 gegründeten Alsfelder Realschule, die im Jahre 1936 auf ihr 75jäh- riges Bestehen zurückblicken kann. Es war daraus zu entnehmen, daß die Schule eine stetige Aufwärtsentwicklung genommen hat und für die Stadt Alsfeld heute von großer Bedeutung geworden ist. Seit ihrem Bestehen sind insgesamt 3305 Schüler durch die Anstalt gegangen In seinen weiteren Ausführungen befaßte sich der Redner mit den neuen Zielen der höheren Schulen im nationalsozialistischen Staat, die in ihren Lehrplänen eine völlige Umänderung und eine grundlegende Aende- rung dahin erfahren haben, daß neben dem posi- tiven Wissen die Charakterbildung eine der wichtigsten Aufgaben der Schule im neuen Staate ist, deren oberstes Ziel die Heranbildung der Jugend für Staat und Volk im Geiste Adolf Hitlers sei.
Mit der Ansprache wurde eine würdige Ehrung der im Weltkriege gefallenen drei Lehrer und dreizehn Schüler der Anstalt verbunden, die einen tiefen Eindruck hinterließ. Die schlichte, aber würdige Feier wurde durch Kammermusik- und Gesangsvorträge ehemaliger Schüler der Anstalt unter Leitung von Oberreallehrer Dotter in stimmungsvoller Weise umrahmt.
Mit einem Treugelöbnis und einem dreifachen Sieg-Heil für den Führer und Kanzler des deut- schen Volkes schloß Direktor Dr. Hainer die eindrucksvolle Veranstaltung. Anschließend fand im Hotel „Deutsches Haus" ein Beisammensein statt.
Landkreis Gießen.
<xd Langsdorf, 28. Okt. Nunmehr wurde die schon lange geplante Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr vollzogen. In Anwesenheit des Regierungsrats Grein und des Kreisfeuerwehrinspektors Bouffier fand die Grünoungsversammlung statt. 40 junge Leute erklärten ihren Beitritt. Heinrich Roth XIX. wurde zum ersten Brandmeister, Heinrich Bender II. zum Stellvertreter ernannt. Damit ist ein seit langem gehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung gegangen. — Die zur Zeit offenliegende Erb- h ö f e r o l l e weist neun Erbhöfe auf. Etliche unter ihnen haben die altüberlieferten Hausnamen als künftige offizielle Hofnamen erwählt, um damit das Gedächtnis der Vorfahren für alle Zeiten sickerzustellen. — Die vom Bund Deutscher Mädchen durchgeführte Haussammlung für die Kriegs- aräberfürsorge ergab den Betrag von 48,55 Mark.
§ Lumda, 27. Okt. Im stimmungsvoll geschmückten Saale des Bürgermeisters Schultheiß fand gestern abend die Verpflichtung der NS. - Frauenschaft statt. Auch die organisierten Männer waren dazu erschienen. Die Führerin, Frau Paula S ch n e ck e r, begrüßte die Erschienenen und leitete die Feier mit einem Mahnruf an die Frauen ein. Den vorbereitenden Vortrag hielt Pg. Dr. Röder. In wirkungsvoller, feiner Weise sprach er über die Aufgaben des Mannes und der Frau im neuen Reiche. Während der Mann zu mutigen Kämpfen und ernstem, trotzigem Ringen geboren ist, hat die Frau das junge Leben der Nation mit sorgender Hand zu hegen und zu pflegen. Diese große Aufgabe kann die deutsche Mutter nur dann meistern, wenn ihr unser Herrgott einen starken zuversichtlichen Glauben schenkt. Nur dieser Glaube, verbunden mit helfender Liebesbereitschaft, wirkt die Gemeinschaft. Zuerst einmal Gemeinschaft im kleinen bilden, dann kann die große Volksgemeinschaft werden. So muß auch die Frauenschaft zur Gemeinschaftt werden, von der ein Kraftstrom ausgeht, um die Abseitsstehenden zu gewinnen. Eine große Verantwortung liegt auf ihr. Dem leuchtenden Beispiel des Führers folgend, steht die deutsche Frau in vorderster Front, um das große Ziel zu erkämpfen: ein freies, glückliches
MMMMlsl?
Vornan von Klothilde v. Gtegmann.
1. Fortsetzung Nachdruck verboten!
Als Direktor Kutschner Edelgard zu sich ins Privatsekretariat nahm, atmete sie auf. Nun war sie allem entrückt. Nun gab es hier in diesem großen Betriebe nichts als ihre Arbeit. Ihr widmete sie sich mit ganzer Hingabe; in ihr wollte sie immer weiterstreben, um Direktor Kutschner zufriedenzustcllen und vorwärtszukommen. Oh, diese Seligkeit, als sie der Mutter das erste größere Gehalt bringen konnte. Bei bescheidenen Ansprüchen reichte es nun mit den Zinsen des Bankvermögens, um schuldenlos durchzukommen.
Direktor Kutschner hatte Edelgard gerade getroffen, als sie glückstrahlend aus der Kassenabteilung des Werkes heraustrat. Lächelnd hatte er in das glühende schöne Mädchengesicht geschaut.
„Sie strahlen ja so, Fräulein von Dönitz, als wäre Ihnen etwas besonders Schönes geschehen. Was gibt es denn?"
Er hatte sie so freundlich und warmherzig angeblickt, daß Edelgards Scheu vor dem Chef mit einem Schlage schwand. „ Ä
„Das erste Sekretärinnengehalt, Herr Direktor!" hatte sie fröhlich erwidert.
„Und darum strahlen Sie so? Das haben Sie sich doch ehrlich verdient." ., r
„Das ist's ja, dies ehrlich Verdiente, was mich so beglückt, Herr Direktor!" war Edelgards Antwort gewesen.
Kutschner war beinahe verlegen geworden. Er wußte, aus welch glänzenden Verhältnissen seine junge Sekretärin stammte. Hätten nicht Krieg, Revolution, Inflation und die schweren Wirtschafts- krisen auch diese alte Familie untergraben, wie anders würde das Leben dieser kleinen Edelgard von Dönitz aussehen! Dann würde sie vermutlich heute die Braut eines der reichsten und angesehensten Männer sein — bald eine glückliche, sorglose Frau in einem fürstlichen Heim, Mittelpunkt der Geselligkeit in einem auserlesenen Kreise
Und nun? Nun stand sie hier in dem schlichten Bürokittel, über den ihre reine Schönheit doch so sieghaft hinwegstrahlte, und war glücklich über die paar Mark für eine Tätigkeit von früh bis abends.
Zum erstenmal, daß Direktor Kutschner es so ganz zum Bewußtsein kam, was es bedeutete, für einen so kärglichen Lohn Stunden um Stunden in die Tretmühle eines Berufs eingespannt zu sein. Warum war ihm das nur nicht früher eingefallen? Vermutlich, weil er niemals direkt mit dem Personal zu tun gehabt. Weil die ganze Masse der Angestellten für ihn nichts Persönliches hatte. Zum erstenmal, daß ein Mensch hier aus dem großen Betriebe etwas Besonderes für ihn bedeutete. Etwas Be-
Deutschland mtf einer gesunden, reinen Jugend! Nach dem Gesang des Lutherliedes „Ein feste Burg" verpflichtete Dr R ö d e r 30 Frauen. Zum Schluß richtete Ortsgruppenleiter Seipp (Geilshausen) mahnende Morte an die Frauen und schloß die ernste Feierstunde mit der zweiten Strophe des Deutschlandliedes und dem Horst-Wessel-Lied. — In der kommenden Woche findet in unserem Dorfe eine achttägige Evangelisation statt. Missionar Walther- Gießen spricht jeden Abend in der Kirche über wichtige Lebensfragen.
Kreis Alsfeld.
ll. Merlau, 27. Okt. Auf Veranlassung des hiesigen Obstbauvereins sprach gestern abend in der Wirtschaft Zimmer Obstbautechniker Kurz von der Obstbauinspektion 6, Lauterbach. Der Rechner gab zunächst einen Ueberblick über die natio
nale Notwendigkeit des deutschen Obstbaus. Sodann schilderte er die Pflanzung, Zucht und Pflege der Obstbäume. Im Namen der Versammlung sprach der Vorsitzende des Obstbauoereins, Schlosser, dem Redner für den lehrreichen Vortrag Dank aus.
# Ober-Ohmen, 27. Okt. Die hiesige Brot- sammlung für das Winterhilfswerk ergab 68 Brote. Die Sammlung wurde hilfsbedürftigen Volksgenossen in Hanau zugeleitet.
# Aus dem Ohmtal, 27. Okt. Die Hoffnung der Jagdpächter auf gute Hasen st recken, die zu Beginn der Hasenjagd gehegt wurde, hat sich nicht verwirklicht. Die diesjährige Gesamtstrecke wird hinter dem Ergebnis vom Vorjahre zurück- bleiben, da in manchen Gemarkungsgegenden nur vereinzelt Hasen anzutreffen find. Ein Teil der Haien ist, was das Wildpret anbelangt, auch noch nicht schußreif.
von Knauß zu Fehling geleitet, dieser schießt sofort, der Ball, vom Tormann gefaustet, gelangt zu Birkenbiel. Aber auch feinen Schuß kann ein Verteidiger auf der Torlinie abwehren. Im Gegenangriff läuft der Linksaußen, der sich als ein ganz gefährlicher Durchreißer entpuppte, feiner Bewachung davon, und sein Schrägschuß landet am Außennetz. Kurz darauf umgeht Birkenbiel die gegnerische Deckung, aber der Tormann kann den wenig scharf geschossenen Ball halten. Bis zur Halbzeit ereignet sich nichts Nennenswertes.
Nach Wiederbeginn erscheinen die Gießener mit erneut umgestellter Mannschaft. Fast schien es so, als sollten endlich Tore fallen. Die Gäste, vollkommen eingeschnürt, verteidigen mit vielen Leuten, und die Gießener berennen vergeblich diese Mauer. Zwei Schüsse Fehlings aus aussichtsreicher Stellung gehen neben das Tor. Trotzdem ist der Kampf nicht einseitig, da die Gäste jetzt durch ihre schnellen Außen gefährliche Durchbrüche einleiten. Zweimal rettet Hauptfeld, der seine Eignung bewiesen haben sollte, in letzter Sekunde. In der achtundzwanzigsten Spielminute, als der Halbrechte der Gäste ungehindert bis zum Strafraum laufen konnte und von dort einen Schuß losließ, der von der äußersten Torecke ins Feld zurücksprang, stand das Glück auf der Seite des Gastgebers. Gegenüber der ersten Halbzeit wirkt das ganze Spiel jetzt verkrampft. Flüssige Kombination sieht man überhaupt nicht. Jeder bemüht sich, den Ball so schnell wie möalich wegzubefördern. Die Gießener erzwingen drei Ecken hintereinander, von denen die dritte die Entscheidung bringt. Lehrmund, aus der Verteidigung vor dem gegnerischen Tor auftauchend, verwandelt durch Kopfstoß für den gegnerischen Tormann unhaltbar, den von Knauß gut hereingegebenen Eckball. Dieses Tor sicherte den Hiesigen zwei weitere I Punkte. Noch einmal stürmen die Gäste, aber ihr Bemühen ist, da die Gießener ihre Halbstürmer in die Verteidigung zurückziehen, vergeblich.
Der Schlußpfiff beendet ein Spiel, das in teck- nischer Beziehung auf keiner hohen Stufe stano, aber dafür um so reicher an spannenden Momen-
Kurze Gportnotizen.
Der internationale Verteidiger der Frankfurter Eintracht, Stubb, ist bis zum 10. November gesperrt worden, da er beim Kampf Eintracht gegen Fußballsportverein am vergangenen Sonntag wegen Schiebsrichterbeleidigung vom Platz gestellt wurde.
Der Internationale Club von Holland hat sein Ehrenmitglied, Gottfried v. (Tramm, eingeladen, am Kampf gegen den Internationalen Club von England teilzunehmen. Falls unser Spitzenspieler dieser Einladung Folge leistet, könnte es am 10. und 11. November zu einer Begegnung (Tramm — Austin kommen.
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Der FC. S chw einfurt 05 gastierte am Samstag beim C. A. Paris und trug nach technisch und taktisch besserem Spiel einen verdienten 3:1- Sieg davon.
Zu Berufsläufern erklärt wurden von ihrem Verband die bekannten norwegischen Eisschnelläufer Ballangrud, Staksrud und Engnestan- gen. Diese drei Läufer betätigen sich bekanntlich ohne Genehmigung ihres Verbandes als Amateurtrainer in Rußland.
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Martha Genenger verbesserte den deutschen Rekord im 400-Meter-Brustschwimmen bei einem Olympia-Prüfungsschwimmen in Erkenschwick von 6:35,5 auf 6:31,6 Minuten.
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B e i einem Ha l l e n fv o r t f e ft in Dortmund ging Arthur Jonath nach längerer Paule wieder einmal an den Start. Er gewann alle Läufe des Sprinterdreikampfes über 50 Meter überlegen vor Demsky (Dortmund) und Killing (Dortmund).
S.jfxfport
OerVereinspokal im Fußball geschaffen.
Line Stiftung des Reichssportführers.
Die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes, einen Vereinspokal im Fußball zu schaffen, stehen nunmehr vor ihrer Verwirklichung. Reichssportführer von Tschammer und O st e n hat auf Anregung des Bundesführer Linnemann einen Pokal gestiftet, um den die besten deutschen Fußball-Mannschaften alljährlich kämpfen sollen. Der Pokal-Wettbewerb soll den nach Schluß der Pflichtspiele unbeschäftigten Vereinen neue Spielmöglichkeiten erschließen. Bereits in dieser Saison soll der Anfang gemacht werden, und zwar sind die ersten Sonntage im Januar, Februar, März und April für diese Pokalspiele und die Spiele um den Bundespokal vorgesehen. Der Wanderpreis des Reichssportführers geht nach dreimaligem ununterbrochenem Siege oder nach viermaligem Siege außer der Reihe in den Besitz der erfolgreichen Mannschaft über.
Um nun dieses bedeutende Vorhaben auf eine möglichst reale Grundlage zu stellen und von Beginn an die besten Vorbedingungen zu schaffen, hat Bundesführer Linnemann an die Vereinsleiter einige diesbezügliche Fragen gerichtet. Nach Prüfung der Vorschläge, die bis zum 3. November bei der Bundes-Geschäftsstelle eingereicht fein müssen, wird der DFB. die endgültige Form der Durchführungsart bestimmen.
England ist hier den deutschen Fußballern Vorbild, denn gerade dem Pokalwettbewerb der Vereins-Mannschaften war es auf dem Jnselreiche vorbehalten, das Fußballspiel zu einem wahren Volkssport zu machen.
Oie Ergebnisse der Vorrunde um den Deutschen Handball-Pokal.
Königsberg: Ostpreußen — Pommern 14:11 (8:6)
Oppeln: Schlesien — Mitte 12:10 (6:5)
Köln: Mittelrhein — Nordmark 5:13 (2:6)
Augsburg- Bayern — Württemberg 12:4 (7:1)
Gießen: Nordhelsen — Baden 6:21 (2:9)
Bielefeld: Westfalen — Südwest 11:8 (6:5)
Düsseldorf: Niederrhein — Niedersachsen 11:8 (6:6) nach Verlängerung.
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Rur ein Meisterschaftsspiel In der nordhessischen Gauliga.
Tv. 61 Eschwege — Tuspo Bettenhausen 7:11.
Fußball-Ergebnisse der Sauliga.
In Nordhessen.
Die derzeitigen Tabellenführer Nordhessens konnten ihre Spitzenstellung am Sonntag behaupten. Borusia Fulda überfuhr Sport Kassel mit 5:1 und Hanau 93 konnte gegen die starke Mannschaft von Hessen Hersfeld einen zwar knappen aber denn-
noch verdienten 2:1-Sieg erringen. DfB. Friedberg — in der Tabelle an dritter Stelle liegend — mußte alle Register feines Könnens ziehen, um dem Neuling Spogg. Langenselbold mit Ach und Krach ein 3:3 Unentschieden ab^utrotzen. In dem Kasseler Lokalkampf zwischen Spielverein und Kurhessen gab es abermals einen überlegenen 5:2-Sieg des SV.
Gau Südwest: Saar 05 Saarbrücken — FC. Kaiserslautern 4:1; Wormatia Worms — FSV. Frankfurt 8:1; Bor. Neunkirchen — Sportfr. Saarbrücken 2:1; Eintracht Frankfurt — Kickers Offenbach 2:1; FA. Pirmasens — Union Niederrad 4:0.
Gau Bayern: Wacker München — 1. FC. Nürnberg 1:0; Spogg. Fürth — Bayern München 3:1; Spogg. Weiden — ASV. Nürnberg 7:4; Jahn Regensburg — Schwaben Augsburg 0:3. Oie Spiele der Fußball-Bezirksklasse.
VfB. Gießen — Frohnhausen 1:0 (0:0); BC. Sinn — SV. 05 Wetzlar 0:1 (0:0); T. u. SV. Bissenberg — Reichsbahn-T. u. SV. Dillenburg 1:6 (1:2).
Der Stand der Meisterschaftsspiele.
Unentsch. Verl. Tore Pkte. 0 1 13:6 10:2
0 2 15:7 8:4
0 3 12:14 8:6
0 3 18:17 6:6
Verein Gew.
SV. 05 Wetzlar 5
1900 Gießen 4
VfB. Gießen 4
T.u.SV.Biffenberg 3
Dranien 14 Frohnhausen 3
Sp.u.SV.Naunheim 2 Reichsb.-T. u. SD.
Dillenburg 1
FC. W.-Steinberg 1
BC. Sinn 0
0 3 9:14 6:6
1 1 12:10 5:3
1 3 13:13 3:7
1 3 10:10 3:7
1 4 6:14 1:9
VfD.-Veichsbahn Gießen.
VfV. R. I — Spv. Frohnhausen I 1:0 (0:0).
Dieses Spiel muß als ein Kampf der verpaßten Torgelegenheiten bezeichnet werden. Die totficher- ften Sachen wurden von beiden Stürmerreihen verschossen. Der Sieg der Gießener ist auf Grund einer leichten Feldüberlegenheit in der ersten Halbzeit verdient. Hervorzuheben ist die vorbildliche faire Spielweise beider Mannschaften. Die Hiesigen erscheinen mit Schwan, Lehrmund, Hauptfeld, Fenster, Knauß, Heß, Ritter, Holz, Birkenbiel, Haupt und Fehling.
Der Spielverlauf.
Vom Anstoß an sieht man in der ersten Viertelstunde die Gäste leicht feldüberlegen. Immer wieder kann ihre Läuferreihe, die ohne System vorgetragenen Angriffe der Hiesigen ohne große Mühe unterbinden und ihrerseits ihren Sturm mit brauchbaren Vorlagen bedienen. Schwan meistert einen gefährlichen Schuß des Halblinken. Zwei Ecken auf beiden Seiten werden von den Hintermannschaften glänzend abgewehrt. Ein Wechsel innerhalb der Gießener Stürmerreihe verleiht ihr höhere Durchschlagskraft. Ein Schuß Ritters, abgewehrt, wird
sonderes? Wie eine zarte und leise Frage klang es in ihm nach. Eine Frage, der er hätte nachsinnen mögen — verloren in dem Anblick dieses schönen, reinen Mädchenantlitzes. Edelgard wollte mit einem leisen Gruß an ihm vorbei.
Er erwachte wie aus einem Traum.
„Haben Sie es so eilig, Fräulein von Dönitz?"
„Aber ich habe doch noch die Abschriften der Briefe nach Holland und Amerika, die Sie mir diktierten, zu machen, Herr Direktor. Es muß doch alles heute noch mit der Mittagspost heraus."
„Ach so, die Briefe ..."
Direktor Kutschner sagte es etwas enttäuscht. Er hätte plötzlich so gern ein paar persönliche Worte mit Edelgard gesprochen. Er bereute es auf einmal, daß er sich von Anbeginn so ganz förmlich und als Vorgesetzter ihr gegenüber gestellt.
Schließlich war er doch ein Kamerad Joachims von Dönitz gewesen — auch im Hause hatte er ein-, zweimal geweilt. Man hätte sich doch anders geben können. Aber Edelgard hatte, als er bei ihrer Vorstellung im Büro auf seine persönlichen Beziehungen zu ihrem Bruder zu sprechen kommen wollte, so steif und scheu geantwortet. Offenbar, so hatte Kutschner gedacht, war es ihr peinlich, unter so ganz anderen Umständen als Stellungsuchende ihm zu begegnen.
Er hatte sich damals ein wenig über diesen törichten Hochmut, wie er es bei sich genannt, geärgert. Für ihn, den Menschen, der sich selbst aus kleinen Anfängen in die Höhe gearbeitet, war so etwas unverständlich. Hätte er nicht Rücksicht auf die Bitten seines alten Regimentskommandeurs genommen, der ihm Edelgard empfohlen, er hätte sie wohl i nicht engagiert.
So aber und in der Erinnerung an Joachim von Dönitz, der neben ihm den Heldentod gestorben, entschloß er sich, Edelgard von Dönitz einzustellen. Er hatte es nicht zu bereuen. Sie war ebenso klug wie bescheiden. Ebenso anstellig wie lernbegierig. Sie wurde ihm bald unentbehrlich. Im stillen bat er ihr sehr bald ab, daß er sie für hochmütig gehalten.
Sie war wohl nur sehr scheu und fürchtete vielleicht Mißdeutungen, wenn sie mit dem Chef anders stand als eine gleichgültige Bürokraft. Und damit mochte sie recht haben. Kutschner wußte nur zu genau, wie leicht sich in einem solchen Betriebe, wie dem seinen, Neid und Klatsch an ein schönes junges Menschenkind heften könnten.
. Aber damals, während er Edelgards graziöser Gestalt noch sinnend nachschaute, stand es bei ihm fest: Er wollte möglichst bald einmal Frau von Dönitz einen Besuch machen. Niemand konnte das mißdeuten, wenn er sich einmal wieder um die Mutter seines Kriegskameraden kümmerte. Die Anstellung Edelgards in den internationalen Filmfarbenwerken war Grund genug, auch die Fühlung mit Frau von Dönitz wieder aufzunehmen.
Schon am kommenden Sonntag setzte Kutschner seinen Vorsatz in die Tat um. Er hatte sich absichtlich nicht angemeldet, um seinem Besuch etwas Offi
zielles zu lassen. Traf er die beiden Damen nicht an, so konnte er seine Karte abgeben und abwarten, wie Frau von Dönitz reagieren würde.
Er hatte den Dönitzschen Besitz nur im Winter, gelegentlich einer Abendeinladung, also im Dunkel fennengelernt. Nun war er doch betroffen. Das war ja ein Märchenschloß, das da vor seinen Blicken lag. Ganz überrankt von weißen und roten Kletterrosen, die jetzt im Juni in voller Blüte prangten, lag es da. Der große Vorgarten zeigte den wundervollsten englischen Rasen, auf dem eine mächtige Gruppe von Silbertannen ihre stolzen Aeste ausbreitete. Weiter sah man in einen großen Park mit blühenden Büschen und Beeten.
Aber dem kundigen Auge konnte nicht entgehen, daß ein leiser Hauch von Vergehen auf alledem hier lag. Die Sandsteinfassade des großen Gebäudes zeigte hier und oa verdächtige Flecke — Stücke Sandstein waren abgefallen — zwischen den Steinen der breiten Freitreppe wucherte Grus. Der alte Gärtner, in der blauen Schürze, der Kutscher öffnete, sah auch nicht hochherrschaftlich aus. Kutschners Blick folgend, deutete er auf die Steintreppe und sagte verlegen, halb entschuldigend:
„Man kommt mit der Arbeit nicht mehr durch, wenn man alles allein machen will. Früher, ja, da sah alles anders aus, als unser Herr noch lebte."
Dabei seufzte er auf.
„Aber ich finde alles wirklich sehr gut imstande!" hotte Kutschner den Alten getröstet. „Sind die Damen zu Hause?"
Der alte Gärtner humpelte respektvoll in ein paar Schritten Entfernung von Kutschner, dessen Karte er gelesen. Der Name schien ihm bekannt zu sein. „Ich bitte Herrn Direktor, hier im Salon einen Augenblick zu warten", sagte er, eilfertig einen Sessel herzurückend. „Ich glaube, daß die gnädige Frau und das gnädige Fräulein zu Hause sind."
Damit ging er, die Tür leise hinter sich schließend.
Kutschner sah sich um. Ja, diesen großen Salon mit den maisgelben Seidentapeten kannte er. Daneben mußte der Sveisesaal liegen. Aber wie anders sah dieser prunkvolle Raum jetzt aus als damals bei d-r großen Festlichkeit, die er noch zu Joachims von Dönitz' Zeiten mitgemacht. Man spürte es, die Zimmer wurden seit langem nicht mehr benutzt. (Ts war jene kühle und etwas dumpfe Luft selten gelüfteter Räume. Die seidenbespannten Möbel standen so tot an den Wänden — keine Blume zierte die goldgeränderten Schalen aus edlem Porzellan. Sicher, wenn Edelgard in diesen Räumen ein und aus ginge, dann würden Vasen und Schalen mit leuchtenden Sommerblüten geschmückt sein.
Sie schien eine große Blumenfreundin zu fein. In ihrem kleinen Bürozimmer, dicht neben dem seinen, standen täglich frische Blum-m. Als er einmal eine freundliche Bemerkung darüber gemacht, fand er am nächsten Tage auf seinem Schreibtisch ein paar süßduftende Fliederzweige in einer schlanken Kristalloase.
„Vielleicht von Fräulein von Dönitz!" sagte der Bürodiener auf Kutschners Frage. „Die hatte heute einen großen Strauß mitgebracht."
Edelgard kam gerade mit der Unterschriftenmappe herein. Sie war blutrot geworden und hatte einen hilfeflehenden Blick zu dem alten Bürodiener herübergeworfen. Da hatte Direktor Kutschner erkannt, daß Edelgard die Blumen heimlich hatte hinstellen wollen. Er war taktvoll genug gewesen, nicht zu danken. Er hatte nur während des Diktierens einmal wie zufällig die schlanke Kristallvase näher heran» gezogen und wie zu sich selbst gesagt:
„Wie doch so ein Stückchen Frühling ein Zimmer verändern kann!"
Da hatte er einen schnellen und warmen Blick aus Edelgards grauen Augen aufgefangen, einen Blick, der ihm zu sagen schien, wie sich Edelgard freute, einem anderen Menschen eine Freude zu machen.
Seitdem betrachtete er das Mädchen mit ganz anderen Augen. Es war der stille Wunsch in ihm aufgestiegen, mehr von ihr zu wissen, als er hier im Büro von ihr erfahren konnte — zu fühlen, was hinter dem schönen Mädchenantlitz mit den grauen Augen und dem zarten Munde träumte.
Und nun saß er hier und fühlte, wie eine schwere Traurigkeit ihn anwehte. Waren es die schweigenden Bilder hier an den Wänden, die Frauen in den gleißenden Roben, die Männer in den strahlenden Uniformen und Hofgewändern vergangener Zeiten? War es ein Ahnen kommenden Unheils?
Er atmete auf, als er einen leichten Schritt draußen hörte. Die Tür öffnete sich — mit einem leisen Rot der Befangenheit trat Edelgard in das Zimmer.
Kutschner, der sonst so Sichere, war vielleicht zum erstenmal seit langem verlegen. Er kannte Edelgard nur in dem grauen Arbeitskittel oder dem einfachen dunklen Bürokleidchen. Jetzt trat ihm eine junge Dame entgegen, deren weißes duftiges Kleid, mit der sanftblauen Schleife am Kragenausschnitt, den ganzen Menschen auf eine hold erschreckende Art veränderte. So einfach das weiße Sommerkleid auch sein mochte — es hob die süße Schönheit Edelgards auf eine unbeschreibliche Weise.
Von der geöffneten Tür floß durch den Korridor ein Sonnenleuchten in das dunkle Zimmer, verweilte auf dem blonden Haar, das in weichen Wellen das zarte Oval des Gesichtes umgab. Wie in einer i Gloriole von Sonnengold stand das ganze junge Geschöpf da. Fremd und unendlich lieblich erschien sie dem Manne, der aufgesprungen war und mit ungläubigen Augen zu ihr herüberschaute — lieblich — und fern — so fern.
„Mein gnädiges Fräulein", endlich fand er sich zur Wirklichkeit zurück und gewann seine Fassung wieder, „ich habe mir erlaubt — ich wollte eine schon längst notwendige Pflicht nachholen und mich nach dem Befinden Ihrer hochverehrten Frau Mutter erkundigen."
(Fortsetzung folgt!)


