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nr; 228 Wlstez Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Zamrtag, 29. September 1954

Der Generalstab vor dem Kriege.

Don Max von den Bergh, Generalmajor a O.

Der deutsche Generalstab ist mit Recht die geistige Zentrale des deutschen Heeres ge­nannt worden. In ihm vereinigten sich nach strenger Auslese die besten Köpfe aus allen Truppengattungen. Der Verfasser, einer der gründlichsten Kenner der deutschen Dor- kriegsarmee, gibt in seinem im Sanssouci- Verlag in Berlin erschienenen BuchDas deutsche Heer vor de in Welt­kriege" eine aufschlußreiche Schilderung über Aufbau und Bedeutung dieser groß­artigen Organisation.

Die Aufgabe des Generalstabes war es, die von der Heeresverwaltung aufgestellten, ausgerüsteten und mobilgemachten Streitkräfte des Landes gegen den Feind zu verwenden. Zur Erfüllung dieser Aufgabe mußte die Tätigkeit des Generalstabes vorbereitend sein vor dem Kriege so­wie ausübend, und zwar mit dem Augenblick einseßend, in dem die Mobilmachung jedes einzel­nen Truppenteils vollendet war. Entsprechend die­ser doppelten Wirksamkeit gliederte sich der preu­ßische Generalstab in denGroßen General- st a b", der die Unterlagen für die Kriegsführung zu schaffen hattö, und denTruppengeneral- st a b ", den verantwortlichen Gehilfen der höheren Truppenführung. An der Spitze des gesamten Ge­neralstabes stand derChef des General- stabes der Arme e", der beide Aufgaben in sich vereinigte, indem er Aufmarsch und Operations­plan des deutschen Heeres vorbereitete und im Kriege dessen Führung übernahm.

Der Chef des Generalstabes war nur dem Kaiser untergeordnet und hatte bei ihm unmittelbaren Vortrag. Dies war nicht immer gewesen. Allerdings wurde ihm nach den Befreiungskriegen im Jahre 1821 eine gewisse Selbständigkeit zuqebilligt: er blieb aber bis zum Beginn des österreichischen Feldzuges in mancher Hinsicht noch vom Kriegs­ministerium abhängig. Erst die überragende Per­sönlichkeit des Grafen Moltke gewann dem Generalstabe seine völlige Selbständigkeit und er­brachte auch für die weiteste Oeffentlichkeit er­kennbar den Beweis für die innere Berechti­gung hierzu durch den Tag von Königgrätz. Der spätere große Nachfolger Moltkes, Graf Schliessen, drückte diesen Gedanken in seiner Abschiedsrede an die Generalstabsoffiziere im Jahre 1905 durch die Worte aus, er fei einer Stellung für würdig befunden worden,die vor vierzig Jah­ren freilich noch nichts war, die aber seit dem 3. Juli 1866 d i e ehrenvoll st e der Welt ist." Bei derselben Gelegenheit sprach er davon, daß die Armee vielfach den Anfeindungen des Auslandes ausgesetzt sei, daß sich aber keiner im Auslande an den Generalstab heranwage.

Man muß ihn glücklich preisen, daß er den schwar­zen Tag nicht erlebt hat, an dem unsere Feinde nach der Auflösung der stolzen deutschen Armee sich endlich auch an den gefürchteten und gehaßten Gene­ralstabheranwagten". Daß die Sieger in dem an­geblichenFriedensvertrag" nunmehr auch die Auflösung des Großen General st abes erzwangen und seine Wiederaufstellung ausdrücklich für alle Zeiten verboten, war eine unfreiwillige Anerkenung aus Feindesmund, die ihm für immer zur hohen Ehre gereichen wird.

Der Große Generalstab in dem roten Gebäude am Königsplatz in Berlin, das allgemein in der Armee die große Bude" genannt wurde, hatte sich im Laufe der Zeit zu einer umfangreichen Behörde ausgewachsen. Dem Chef unterstanden sechs Ge­neräle als Oberguartiermeister und außer einer Zentralabteilung für die per­sönlichen Angelegenheiten des Generalstabes fünfzehn Fachabteilungen, deren Chefs im Range eines Regimentskommandeurs standen.

Besuch in einem Schwadronsstall her Reichswehr.

Wer heutzutage gemächlich durch die Ställe einer berittenen Truppe schlendert, der hat bei oberflächlicher Betrachtung im ersten Augen­blick den Eindruck, als wäre im Grunde alles so geblieben wie in den Zeiten der alten Armee ein endlos langer heller Raum, durch dessen Mitte ein ebenso endlos langer Gang führt. Rechts und links davon stehen mit dem Kopf zur Wand d i e Pferde vor mehr oder minder vollen Raufen. Jedes Tier ist vom anderen getrennt durch den sogenannten Flankierbaum, von dem, wenn ein Schläger" unter den Pferden ist, Bastmatten nie- derhängen. Im ersten Stallabschnitt sieht an d i e jungen Remonten, dann kommen die eigent­lichen Dien st pferde und ganz hinten sind die Offizierspferde untergebracht, zum Teil in sauberen, Bewegungsfreiheit gewährenden Boxen, soweit die Belegung eine solche bessere Unterbrin- gungsmöglichkeit für wertvollere Pferde zuläßt.

In der Beziehung ist alles beim alten geblieben.

In anderer Hinsicht aber hat sich münches ge­ändert, bedingt durch Kriegserfahrung oder durch Notwendigkeit zur Anpassung an die fortschreitende Zeit. Die wesentlichste Veränderung gegenüber dem ..früher" wäre die Tatsache, daß es eine Trennung der Reiterei in leichte und schwere Kavallerie nicht mehr gibt. Man hat erkannt, daß ein Pferd mittel­schweren Schlages die beste Eignung für den Truppendienst besitzt. Diese Erkenntnis führte zur Heranzüchtung einesE i n h e i t s p f e r d e s". Am besten soll sichder O st p r e u ß e" bewährt haben. Seine Rasse fällt hauptsächlich in die Kaser­nenstallungen. Das ostpreußische Pferd ist vorbildlich im Bau, widerstandsfähig, hart, ausdauernd und ver­hältnismäßig anspruchslos. Im Fell sind alle Far­ben zugelassen, vom Rappen über den Braunen hinüber zum Fuchs. Nur Schimmel, die in der Vorkriegszeit wundervolle Paradepferde abgaben, sich aber im Kriege als zu gute Zielscheiben erwie­sen, sind nicht mehr vorhanden im Reichswehrheer.

Neu gegen früher ist auch, daß die Schwadronen nur noch solche Remonten erhalten, die über einen guten Stammbaum verfüg DieDepots" kau­fen kein Tier, das nichten getragen" ist. Auslän- ' bische Pferde, die früher in beachtlichem Maße vor- Händen waren, sieht man nicht mehr in den Stal­lungen der Reiter-Regimenter. Das Reichsheer un­terstützt hier mit Vorsatz gesunde Autarkiebestrebun-

Wehr und Waffen.

Von ihnen bildeten die erste, dritte und neunte Ab­teilung die sog.Sprachabteilunge n", weil man in ihnen Die Kenntnis von Fremdsprachen ver­langte. Die erste wurde die russische Abteilung genannt, da sie sich vorzugsweise mit Rußland, allerdings auch mit den Balkanstaaten und den ost­asiatischen Ländern beschäftigte; die dritte hieß ent­sprechend die französische Abteilung, wegen der Bearbeitung hauptsächlich von Frankreich sowie der anderen westlichen Länder, während endlich die neunte Abteilung ihre Tätigkeit auf O e st e r r e i ch und die Mittelmeerlünder erstreckte. Ein Sondergebiet bei der Erforschung der militärischen Einrichtungen der fremden Länder hatten die vierte und siebente Abteilung, denen die Bearbeitung der französischen bzw. russischen Festungen oblag. Sie hatten auch Angriffsentmürse gegen die ein­zelnen Festungen vorzubereiten und sich mit den örtlichen Verhältnissen des betreffenden Landes im Sinne eines etwaigen späteren Kriegsschauplatzes zu beschäftigen.

Die zweite war die Aufmarschabteilung, ihre gewichtige Bedeutung schon im Namen aus­drückend. Nach ihren Anweisungen bearbeitete die Eisenbahnabteilung alljährlich die Mobil- machungs- und Aufmarschtransportc von neuem. Diese Arbeit schwoll im Winterhalbjahr derartig an, daß sie nur durch eine starke Vermehrung der Ar­beitskräfte und ausgedehnte Nachtarbeit bewältigt werden konnte; denn die Durchführung der un­zähligen Eisenbahntransporte auf bildlichen Fahr­plänen durch mehrere Eisenbahnbezirke hindurch machte es erforderlich, daß alles reibungslos inein­andergriff, ohne daß die geringste Verzögerung in der Bearbeitung der Anschlüsse geduldet werden konnte.

Während die fünfte und achte Abteilung sich den Ausbildungsfragen besonders für General­stab und Kriegsakademie widmeten, hatte die sechste Abteilung wiederum ein ausgesprochenes Sonder­gebiet, nämlich die Anlage, Durchführung und spätere Auswertung der K a i s e r m a n ö v e r. Fer­ner gab cs noch zwei kriegsgeschichtliche

Abteilungen, die den militärischen Verlauf der früheren Kriege erforschten und die Ergebnisse in streng wissenschaftlicher Form veröffentlichten. Die Lande s a u f n a h m e endlich diente mit ihrer topographischen, trigonometrischen und karto­graphischen Abteilung der Vermessung des Landes und der Herstellung und Herausgabe der General­stabskarten.

Dieser kurze Ueberblick gibt schon eine Vorstellung von dem umfangreichen, mannigfaltigen und wich­tigen Arbeitsgebiet des Großen Generalstabs, es erforderte Mitarbeiter nicht nur von unermüdlicher und hingebender Schaffensfreudigkeit, sondern auch von Verschwiegenheit und dienstlichem Taktgefühl. Zur Bewältigung der dem Generalstab gestellten Aufgaben befanden sich bei seinen Abteilungen an­nähernd hundert Generalstabsoffiziere (Stabsoffi­ziere und Hauptleute), denen meist als Sektions­chef bestimmt umriffene Gebiete zugeteilt waren, und einhundertdreißig bis einhundertvierzig kom­mandierende Oberleutnants aus allen Waffen­gattungen. Diese Oberleutnants waren besonders befähigte und ausgesuchte Offiziere, die durch ihre Leistungen auf der Kriegsakademie oder auf Gene­ralstabsreisen ihre Eignung nachgewiesen hatten. Von ihnen konnte schon rein zahlenmäßig nur ein Bruchteil meist nach zweijährigem Kommando das ersehnte Ziel, die Versetzung in den General- stab, erreichen. Bis dahin hatte also schon eine dreifache, st r e n g e Auslese unter ihnen stattgefunden, nämlich in der Aufnahmeprüfung zur Kriegsakademie, in der Schlußprüfung auf dieser und durch die Bewährung beim Kommando zum Generalstnb. Es ist begreiflich, daß diese jahrelange Auslese, wie sie in dieser Schärfe wohl kaum in einem anderen Stande vorkam, einen Wettbewerb Hervorrufen mußtet der alle körperlichen und seelisch enKräfte des Einzelnen aufs höchste an spannte, der aber und dies sei besonders betont! stets in vorneh­mer, kameradschaftlicher Form geführt wurde; jedenfalls standen die Mittel und Wege dieses Wettbewerbs jedem nach seinen Fähigkeiten und seinem dienstlichen Eifer offen.

Kriegsprognose im Kernen Osten.

Von Erhard Wegeli, Oberstleutnant a. O.

Die Konfliktstoffe zwischen Japan und Rußland in der Mandschurei beschränken sich nicht auf die Ostchinabahn, die soeben durch den Verkauf der russischen Anteile an Mandschukuo als Streitobjekt ausgeschieden ist. Der Ausbruch einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen beiden Mächten liegt auch heute noch durchaus im Bereich der Möglichkeit. Daß die beiden Gegner dazu rüsten und auch die politischen Karten so mischen, daß sie sich die nötigen Trümpfe für das ernste Spiel sichern, wissen wir. In politischer Hinsicht ist ja der Entritt der Sowjetunion in den ihr wesensfremden Völker­bund und ihre Förderung der Ostpaktpläne nicht anders zu erklären als die Absicht, sich für den dro­henden Waffen gang im fernen Osten nach Westen frei zu halten.

Was die militärischen Rüstungen betrifft, so ist die zahlenmäßige Ueberlegenheitderroten Armee an a ungebildeten Mannschaf­ten und Reserven gegenüber dem japanischen Heere außerordentlich hoch. Es fragt sich nur, ob es der Sowjetunion möglich sein würde, auf dem vor­aussichtlichen Kriegsschauplatz auch eine relative Ueberlegenheit an Zahl aufzu stellen und zu erhalten. Der russisch-japanische Krieg von 1904/05 endete für die Russen mit einer Niederlage, da es ihnen, abgesehen von der Unfähigkeit ihrer Führer, nicht möglich war, so überlegene Streit­kräfte nach der Mandschurei zu befördern und mit Nachschub aller Art zu versehen, daß dadurch

die qualitative Ueberleaenheit der Japaner aufge­hoben worden wäre. Wir müssen uns aber davor hüten, die damaligen Verhältnisse den jetzigen zu­grunde zu legen. Einerseits litt der Nachschub wäh­rend des größten Teiles des Krieges von 1904/05 darunter, daß die sibirische Bahn an der Bai- kalstrecke erst gegen Ende des Krieges fertiggestellt wurde, wäyrend sie jetzt eingleisig durchgehend bis Wladiwostok, zweigleisig auf etwa zwei Drittel der Strecke fertiggestellt ist. Die Russen ar­beiten fieberhaft an dem Ausbau des zweiten Gleises für den Rest der Bahnlinie, haben aber an der Baikalumgehungsstrecke große Schwierigkeiten roc- gen der dort erforderlichen zahlreichen Kunstbauten zu überwinden.

Andererseits wird aber auch nach Herstellung des durchgehenden zweiten Gleises die eine Bahnlinie nicht a u s r e i ch e n, um eine den Japanern zahlenmäßig auch nur gleiche, geschweige denn über­legene Truppenmacht aus Europa nach der man­dschurischen Grenze zu befördern und ihr den er­forderlichen Nachschub zu sichern. In letzterer Hin­sicht sind ja die Anforderungen an die rückwärtigen Verbindungen seit 1905 durch die Entwicklung des Kriegsmaterials um das Vielfache gestiegen. Man schätzt, daß die Japaner mit ihren vielseitigeren und kürzeren Verbindunaen etwa ein Heer von eine Million Köpfen mit dem erfor­derlichen Kriegsmaterial nach der Mandschurei be­fördern und mit Nachschub versehen können. Jedoch

gen. Dies kann um so unbedenklicher geschehen, weil auf den im letzten Jahrzehnt beschickten Tur­nieren unwiderlegbar erwiesen wurde, daß unser deutsches Soldatenpferd den von fremdländischen Offizieren in denParcour" geführten Pferden keineswegs n a ch st e h t. Ueberragende Erfolge deutscher Reiteroffiziere haben sogar erreicht, daß letzthin die italienische Heeresverwaltung einen grö­ßeren Bestand an Trakehner Pferden für die eigene Reiterei gekauft hat.

Wenn man in der Mittagsstunde durch einen Schwadronsstall geht, gewinnt man folgenden Ein­druck: es ist ausgesucht sauber in den Stäl­len. Wo einmal ein Pferdehuf ein paar Strohhalme auf den Weg geschleudert hat, werden sie von der Stallwache sofort zusammengefegt. Die Strohschüt- ten sind hoch und weich, Mannschaften putzen an Zaum- und Sattelzeug, und des Futtermeisters ge­schultes Auge wacht, daß jedes Tier unbedingt sein Recht bekommt. Nebenbei gesagt: es wird heutzu­tage besser gefüttert, als in den Jahren, die dem Krieg voraufgingen. Täglich stehen jedem Pferd zehn Pfund Hafer zu. Es hat sich da eine Fütterungsart herausgebildet, die man geradezu alsindividuell" bezeichnen kann. Vereinzelt deuten über diesem oder jenem Stande befestigte farbige Täfelchen dem Kundigen an, daß und wie dort je- weils gefüttert werden muß mit gequetschtem Ha­fer, Melasse, Zulagen usw.

Die kalkweißen Stallwände sind stellenweise ge­schmückt mit Sprüchen, in denen der Wesenszug deutscher Wehrauffassung und die Härte preußischen Soldatentums zum Ausdruck kommen. Da liest man z. B. im langen Stall:

Nicht die Größe einer Armee ist wichtig, sondern ihr innerer Wert!'

An anderem Ort sieht man blau schwarze Wappenschilder, welche die Zahlb m sich tragen. Diese Malerei weist darauf hm, daß die Schwadron die Tradition der 6. Dragoner (Mainz) hinüberträgt in eine soldatisch bessere Zeit, die kom-

^Äuch's^onst hat sich manches geändert yegen frü­her So trägt die Mannschaft auf graugrünen Som­merröcken (aus Moleskin) jetzt Schulterklappen was man ebedem nicht kannte. Auch der Sabel ist üicht mehr der, den die alte Kavallerie trug. Man bat den schweren gebogenen Artillerie-Sabel ein- Nührt D^ Lanze wurde bereits im Jahre 1927 abaeichafft Als Waffe hat die Reiterei den Ka- r ab in er98 d", das lange Jnfcmteriegewehr mit Äarabinerriemen und gebogenem Kammerstengel.

Auf dem Marsch wird es am Pferde getragen in besondererTragevorrichtung". Lauf im Gegensatz zu früher nach oben.

Doch sprechen wir wieder von den Pferden. Die jungen Remonten stehen gesondert im Stall der Schwadron. Die Tiere sind jetzt durchweg fünf­jährig. Alle früheren einheitlichen Namen, die mit dem BuchstabenN" beginnen:Nußknacker" liest man da auf schwarzer Tafel ...Nabob",Nibe­lung". Obwohl die Tiere im Ausbildungsdienst scharf herangenommen werden, sind sie gut im Futter. Man hat seine Helle Freude an den vollen Kruppen. Erst übers Jahr werden die Tiere aus dem Schuldienst entlassen und in die Schwadron eingereiht

In den Schwadronsschmieden wird auf guten Beschlag und beste Hufpflege gesehen. Recht lehrreich ist die Besichtigung des Krankenstalles, der gegenüber denPferdelazaretten" der Vorkriegs­zeit hinsichtlich seines Ausmaßes und auch im Hin­blick auf eine treffliche Ausrüstung schon einen Fortschritt darstellt. Hier schafft und wirkt der Stabsveterinär. Im hellen Raum befindet sich die Operationsmatratze. Ein Arzneizimmer birgt Me­dikamente aller Art, Heizsonne, ja sogar Höhen­sonne ist vorhanden. Gut gedeckte Reitbahnen, nach zeitgemäßen Grundsätzen gebaut, gewähr­leisten eine Durchführung des Neitunterrichtes auch bei schlechtem Wetter und im Winter. W. R.

Die Bedeutung desÄauernstands für die Landesverteidigung.

Die Aufgaben einer Landesverteidigung sind nicht ausschließlich militärische, ja man kann sogar sagen, daß Die zivilen Maßnahmen erst die Voraus­setzung für den glücklichen Ausgang eines Krieges schaffen. Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Auf­satz der englischen ZeitschriftThe Anny Navi; and Air Force Gazette", die für uns Deutsche des­halb von besonderem Interesse ist, weil die dem Aufsatz zugrunde liegende Tatsache, daß sowohl England wie auch Deutschland in die Gefahr ge­raten können, ausgehungert zu werden, die­selbe ist, England durch eine Blockade, Deutschland durch Den umschließenden eisernen Ring feindlicher Heere und Seestreitkräfte.

Durch den U-Bootkrieg im Jahre 1917 zog für England die Gefahr herauf, ausgehungert zu wer- den, zumal die Lebensmittelvorräte in Großbritan­nien nicht mehr als eineinhalb Monat ausreichten. Angesichts des Gespenstes einer Hungersnot ent-

muß man für den Kampf hiervon wohl c4n gutes Viertel als Rückendeckung gegen China, als Bahn­schutz und für Sicherung der Etappen abziehen. Ihn nun gegen die schätzungsweise für den Kampf blei­benden dreiviertel Million Japaner einigermaßen sichere Siegesaussichten zu haben, müßten wohl d i e R ussen mit mindestens 50 v. H. Ueberlegenheit auftreten, also ein Heer von annähernd ciiieiniiiertcl Million im Kriegsgebiet un­terhalten. Diese Ueberlegenheit ist schon wegen der Schmierigkeit, Verluste bei dem langen Transport­weg rechtzeitig auszugleichen, erforderlich. Aus dem europäischen Rußland kann aber auf der einen Bahn­linie kaum d i e H ä l f t e davon heranbefördert und unterhalten werden. Ein Teil könnte vielleicht aus Westsibirien hinzukommen.

Es fragt sich nun, ob in Ostsibirien genügend Kräfte schon i m F r i e d e n stehen und im Kriegs­fälle verwendungsbereit find, um den Fehlbetrag auszugleichen. Zweifellos haben die Russen bereits jetzt an der Transbaikalstrecke der sibirischen Bahn sehr beträchtliche Truppen massiert. Wir möchten aber bezweifeln, ob es mehr als 200 000 Mann find, was sich ungefähr mit einer japanischen Schätzung von 20 bis 25 Divisionen decken würde. Das wäre aber nicht genug, um zusammen mit den aus Europa und Westsibirien anzutransportierenden Truppen eine sichere zahlenmäßige Ueberlegenheit gegen die Japaner bereitzustellen. Der sehr tatkräf­tige Führer der ostfibirischen roten Armee, Blü­cher, trifft alle Maßnahmen, um seine Truppen bezüglich Kriegsmaterial und Verpflegung vom euro- päiscyen Rußland möglichst unabhängig zu machen. In der Tat sollen an verschiedenen Orten an der Transbaikalstrecke der sibirischen Bahn kriegsindu- strielle Werke entstanden sein. Auch soll die Land­wirtschaft mit allen Mitteln gefördert werden. Das würde im Laufe der Zeit eine fühlbare Entlastung der sibirischen Bahn für Kriegstransporte bedeuten. Im Uebrigen hat die Sowjetunion auf Anregung Blüchers ausgedehnte Befestigungsanlagen im sibirisch-mandschurischen Grenzgebiet, besonders an den Flüssen Amur und Sungari anaelegt und Wladiwostok zu einem Wasfenplatz e r ft e n Ranges ausgebaut, so daß die Japaner bei Verlegung des Kriegsschauplatzes auf sibirisches Gebiet sich auf starken Kräfteverbrauch gefaßt machen müßten, um diese Befestigungsanlagen zu überwinden. Es scheint auch fraglich, ob ihre rück­wärtigen Verbindungen genügend leistungsfähig für die Heranschaffung des dafür erforderlichen erheb­lichen Kriegsmaterials sein würden.

Was nun die materielle Rüstung der bei­den Mächte betrifft, so glauben mir, daß darin keine wesentlichen Unterschiede bestehen dürften. Es wäre ein großer Irrtum anzunehmen, daß die rote Armee materiell rückständig sei, etwa so wie es das russische Heer im Weltkriege in gewissem Grade war. Im Gegenteil, wir können voraussetzen, daß sie in der Zahl der schweren Ge- schütze, Maschinengewehre, Kampfwagen und sonsti­gen Waffen nebst Munitionsversorgung dem ja- panischen Heere mindestens gewachsen ist. In der Zahl der Flugzeuge wird den Russen sogar eine fast doppelte Ueberlegenheit zugesprochen. Es fragt sich nur, ob die Transportverhält­nisse den Russen gestatten, genügend Kriegsmate- rial auf den voraussichtlichen Kriegsschauplatz zu schaffen und hierzu möchten wir ein starkes Frage- zeigen machen. Der überaus mangelhafte Betrieb auf den russischen Bahnen ist kein Geheimnis. Wie sollen sie den bis aufs äußerste gesteigerten Kriegs­betrieb leisten? Allerdings werden auch die Ja­paner nicht in der Lage fein, solche Kriegsmate­rialmassen in das voraussichtliche Kriegsgebiet zu schaffen, daß sie einen Materialkrieg in Ausmaßen führen könnten, wie wir es in der letzten Zeit des Weltkvieges gewohnt waren. Jedenfalls aber möch­ten wir ihnen hierin bis auf Weiteres bessere Aus­sichten zusprechen als den Russen.

In einem sehr wichtigen Punkt dürfte allerdings

schlossen sich damals die Engländer zu einer dritten Schlacht bei Ppern, die bezweckte, durch Fortnahme der deutschen U-Boothäfen in Belgien den Handels­krieg im Kanal zu erleichtern. Die Erwägungen, die in Dem vorliegenden Aufsatz daraufhin angestellt werden, stellen zunächst fest, daß kein militärischer Sachverständiger eine gewaltsame Landung aus den britischen Inseln für möglich hält. Die Hauptsache sei, daß die Bedürfnisse der Landesver­teidigung richtig erkannt würden. Wäre das im Weltkrieg der Fall gewesen, dann wäre jene Offensive in Flandern, die einschließlich der Schlacht von Cambrai den Engländern Verluste in einer Gesamtzahl von 394 645 Mann gekostet hatte, nicht notwendig gewesen. Dom Standpunkt des Staats­mannes aus, so betont der Verfasser, sei die Frage der Landesverteidigung weniger eine Frage der Waffenentscheidung, er habe für b i e Erhal­tung des Volkslebens und damit für die Sicherung hinreichender Mengen von Lebensrnitteln zu sorgen.

Für Deutschland lagen die Dinge ähnlich, allerdings hing die Abwendung der Gefahr einer unerträglich werdenden Lebensmittelknappheit sowie eine solche kriegsnotwendiger Rohstoffe von einer Waffenentscheidung zugunsten Deutschlands ab. In­sofern war und wird Englands Lage uns gegen­über immer die bessere sein. Immerhin ist es be­achtenswert, daß aus den Erfahrungen des Welt­krieges heraus auch England die Bedeutung einer gesicherten Volksernährung im Kriegsfall aus eigenerKraft erkannt hat.

Ob die Ansicht richtig ist, daß England heute in einer größeren Gefahr schwebt, ausgehungert zu werden, als 1917, mag dahingestellt bleiben. Aber die Behauptung kann zutreffen, datz auf den bri­tischen Inseln der gesamte Bedarf des Landes an Fleisch, (Betreibe unb Molkereiprobukten s e l b st er­zeug t werben kann. Durchgreifende Maßnahmen ber britischen Regierung vermißt ber Verfasser, unb er spricht offen aus, baß Großbritannien seine Guts- besitzer an ben Bettelstab gebracht, seinen Bauern» stanb zerstört unb viel Laub habe brachliegen las­sen. Unter Hinweis auf bie lanbwirtschaftliche Sieb- lung unb bie Schaffung kleinen Eigenhesitzes i n Deutschland, wirb auch für Großbritannien ein kräftiger, wirtschaftlich gesunber B a u e r n ft a n b geforbert. Ob bie liberalistisch ein­gestellten Englänber so tief einschneibenbe gesetz­geberische Maßnahmen zur Erhaltung eines gesun- ben Bauemstanbes treffen werben, wie Abalf Hit­ler, bas kann wohl einstweilen bezweifelt werben.

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