Sichen» Anzeiger General-Anzeiger für Gberhchen)
$«»«8,29. Juni 195 t
Nr. >49 Drittes Via«
Hamburgs Landespolizei übernimmt die Tradition von KiauWau.
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Die Tradition der ehemaligen Schutztruppe von Kiautschau wurde durch den Polizeigeneral D a l u e g e der Hamburger Landespolizei übergeben. Zu dem Festakt waren die Angehörigen der ehemaligen Schutztrupve aufmarschiert, deren Front durch Reichsstatthalter Kaufs- mann (ganz rechts) und Polizoigeneral D a l u e g e (Zweiter von links) abgeschritten wurde.
Die deutsche Transfer-Abordnung in London.
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Die deutschen Unterhändler, die die Besprechungen über die Regelung des deutschen Transfer- Problems mit der englischen Regierung führen, nach einer Sitzung im Londoner Schatzamt. — Bon links nach rechts: Vortragender Legationsrat Dr. Ulrich vom Auswärtigen Amt, Ministerialdirigent Dr. B e r g e r vom'Reichsfinanzministerium und Reichsbankdirektor B l e s s i n g.
Der Stapellauf des Panzerschiffes C.
So sieht das neue Panzerschiff aus, das als Ersatz für das alte Linienschiff „Braunschweig" auf der Wilhelmshavener Marinewerft gebaut wurde und am 30. Juni vom Stapel lausen wird.
Geschichten aus aller Welt.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Ein unermüdlicher Schatzsucher.
(th) Neuyork.
Die Mannschaft der soeben zurückgekehrten Forschungsjacht des Millionärs Lewis berichtet von einem seltsamen Zwischenfall, den sie an der Cocos- insel erlebt hat: An dem felsigen Strand dieser alt- berühmten Schatzinsel stand ein verwahrloster Mensch, der Zeichen gab, um an Bord genommen Su werden. Zunächst glaubte man, ein Irrer treibe ich aus der Insel umher. Aber dann ergab sich, >aß es sich um einen geistig sehr gesunden Goldsucher handelte, dem aber die Lebensmittel ausgegangen waren und der deshalb nicht weiter nach den Schätzen suchen konnte, die einst von Piraten hier verborgen worden sein tollen. Der Mann war ein gewisser Coocknell, der der Erforschung dieser Schätze bereits sein halbes Leben gewidmet hat. Er hat, wie er versichert, die Schätze — wenigstens teilweise — auch gesehen: 12 000 000 Pfund Sterling sollen sie wert sein. Aber zu bergen vermochte er sie bisher nicht. Nun ist er nach England unterwegs, um im Herbst wieder nach der Cocos-Jnsel auszuziehen. Dann aber will er das Gold und die Juwelen wirklich bergen, die hier im Boden an bislang noch unbekannter Stelle schlummern sollen.
Ein Fahr lang Fasching.
San Franzisco.
In der Nähe von San Franzisco ist ein reicher Sonderling gestorben, der es zeitlebens dick hinter den Ohren sitzen hatte und seinen lieben Mitmen- chen manchen arglistigen Streich gespielt hat. Bon einen Weltreisen hat er ein paar sehr schöne Na- ionaltrachten mitgebracht, die er sorgfältig hütete und sie nicht einmal zur Faschingszeit an seine Verwandte auslieh, so sehr er auch darum bestürmt wurde. Bevor der alte Globetrotter verschied, machte er fein Testament, in dem er seine Verwandten zu Erben seines Riesenvermögens einsetzte. Die Familie fand jedoch, daß er noch im Tode auf eine hinterlistige Weise lächelte, so dah sie nicht ohne bange Erwartung das Testament öffnete. Dann kam es heraus: das Geld sollten die Verwandten zwar bekommen, aber nur unter der Bedingung, daß jeder von ihnen eines der Nationalkostüme ein Jahr lang tragen sollte. „Ich bereue tief7', so hieß es, „daß ich sie Euch vorenthalten habe, und hoffe, mit dieser Bestimmung den Fehler wieder gut zu machen". Die Gesichter der Erben wurden lang und länger. Dann stürzten sie sich auf den Kleider- schrank, nicht, um sich das prächtigste, sondern um
sich das unscheinbarste und unauffälligste Gewand yerauszusuchen. Betreten dachte der Büroana^ftellte an das Holla, wenn er mit seinem Cowboy-Kostüm im Betrieb antanzen würde, Revolver und Lasso im Gürtel. Das indische Baumwolltuch, das sich der Neffe Kaufmann um die hageren Glieder schlang, kleidete ihn zwar recht gut, war aber an Regentagen doch nicht die geeignete Gewandung. Andererseits machte er in diesem Auszug wirksam Reklame für fein Geschäft (Baumwollwaren en gros und en detail). Der dicke Börsenmann klebte sich einen Zopf an feine Glatze und schlüpfte in die gelbseidene Tracht eines Mandarins. Ob er sich außerdem die Nägel langwachsen ließ, wurde nicht bekannt. Sein Nichtchen zog sich nicht an, sondern weit eher aus, denn was hat ein Südseemädchen fchon anAuaiefjen? Die Nichte zog es daher vor, ihrem Chef zu kündigen und zu Haufe zu bleiben. Einer der Erben, der Richter war, mußte auf das Geld überhaupt verzichten, denn ein Eskimopelz würde sich doch nicht gut mit seiner amtlichen Würde vertragen.
Der Fluch im Schuh des Dalai Lama.
(u) Delhi.
Vor einigen Tagen wurde bekannt, daß der alte tibetanische General Lungshar wegen Rebellion verhaftet worden sei. Man hat ihm beide Augen ausgestochen. Weniger wegen der Verschwörung, als vielmehr deshalb, weil er In seinem Schuh einen Zettel mit dem Namen der jetzigen Regierungs- Mitglieder trug. Denn: „einen Namen mit Füßen treten, bringt den Tod für den, dessen Namen man tritt". Das ist ein alter tibetanischer Aberglaube. Die jetzigen Machthaber haben sich also nicht etwa irgendeinen „Dreh" ausgedacht, um ihren Gegenspieler unschädlich zu machen ... Dabei erinnert man sich eines ganz ähnlichen Vorfalles, der sich vor 39 Jahren in Lhasa abspielte: Damals — im Jahre 1895 — sollte der Dalai Lama, der im Jahre 1874 geboren war, volljährig erklärt werden und fein Amt aus den Händen seines Vormundes selbst übernehmen. Im Augenblick feiner Wahl als kleines Kind, als Inkarnation des Dalai Lama, muh der Dalai Lama natürlich bevormundet werden. Aber diese vorläufig eingesetzten Herrscher fnleen sich dann meist so sehr In diese Herrschaft hinein, daß sie sie nachher nicht mehr aus der Hand geben wollen. Eifersüchtig sind ie auf die Macht, die der Dalai Lama später in einer Hand vereinigen soll. Und daraus erklärt es ich wohl auch, daß die meisten Dalai Lamas nicht Über die Kinderjahre hinauskamen. Im Jahre
Oie „Stinkpflanze" — eine botanische Merkwürdigkeit
Von Dr E. Heidench.
Copyright by I. L. A., Wien.
Professor H. S. Conard, ein amerikamscher Pflanzenforscher, hat vor einiger Zeit, vermutlich als erster Botaniker, durch einen Zufall Gelegenheit gehabt, ein Phänomen zu beobachten, das in seinen Weiterungen ganz außerordentlich interessant ist.
Einer seiner Bekannten war in den Besitz einer fogenannten „Heiligen Afrika-Lilie" gelangt, einer Pflanze, die weder mit Lilien, noch mit Afrika etwas zu tun hat, sondern eine seltene Spielart der Calla-Gewächse (Drachenwurz) darstellt und von vereinzelten Züchtern als Kuriosität kultiviert wird. Es geschieht äußerst selten, daß dieses Gewächs blüht, und als das Exemplar, das dem Bekannten Professor Conards gehörte, nach rapidem Wachs- tum bis zu einer Höhe von nahezu zwei Metern feine riesige Blüte zu entfalten begann, bat sich der Professor die Pflanze aus, um sie feinen Hörern zu demonstrieren.
Die „Heilige Afrika-Lilie" war bis dahin stets in einem kühlen Raum gehalten worden, hatte aber schon dort angefangen, einen unangnehmen Geruch auszuströmen. Als Professor Conard sie nun in dem warmen, sonnigen Dortragssaal aufstellte, wurde aus dem unangenehmen Geruch ein rapid an Stärke zunehmender pestilenzartiger Aasgeruch, der schließlich gleich einem richtiggehenden Gasangriff die Hörerschaft mitsamt dem Professor zur schleunigen Flucht nötigte.
Drei Tage lang dauerte dieser unerträgliche Ge- stank, um dann ganz plötzlich nahezu ganz aufou- hören. Eine Besichtigung der Blüte ergab, daß die Staubfäden abgewelkt waren. Am folgenden Tag schrumpfte auch bereits die mächtige Blute von halber Manneshöhe ein — die Blütezeit des sonderbaren Gewächses war vorüber.
Das ganze Phänomen erwies sich aber bei nahe- rer Untersuchung als bedeutend mehr denn je eine bloße Kuriosität, denn es gelang dem amerikanischen Gelehrten sehr bald, den Sinn zu deuten, den dieser Aasgestank für das Dasein der Pflanze hat, und diese Deutung wirft ein überraschendes Licht auf die wahrhaft wunderbaren Zusammenhänge Mischen der Pflanze und ihrer Umwelt.
Die Fortpflanzung dieser Gattung erfolgt namuch dadurch, daß Fliegen den Blütenstaub vom Stern-
Lichtspielhaus: ,,Oas Lied vom Glück!"
Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gelangt feit gestern eine Filmoperette zur Aufführung, die von jenem bekannten, beschwingten Gepräge ist, wie wir es aus dem Genre eines Willy Fritsch und einer Lylian Harvey kennen. Die Filmoperette „Das Lied vom Glück" ist getragen von einer Mischung zurückhaltenden Humors, der Nachdenklichkeit und der Liebesschmerzlichkeit, erfüllt von einer unbändigen Lebensfreude und einer Großzügigkeit, wie sie nur aus der Phantasiewelt des Filmes und seinen weiten Möglichkeiten der Ilm- weltfchaffung und der Handlung erwachsen kann. Da mieten sich ganz einfach zwei junge Leute, ein Sänger und sein Manager, eine Billa, richten sie
pel in die „weibliche" Blüte desselben oder eines anderen Exemplares befördern, und zwar hat sich die „Afrika-Lilie" offenbar besonders die Schmeißfliegen zu dieser Funktion auserwählt.
Durch eine Täuschung von seltener Vollkommenheit werden nun diese Schmeißfliegen dazu veranlaßt, sich auf den Pollen niederzulassen und so den Blütenstaub in Empfang zu nehmen. Der durchdringende Aasgeruch, den die Pflanze im Zeitpunkt der Befruchtungsreife ausströmt, lockt die Insekten aus großer Entfernung an und gauf^t ihnen einen besonderen „Leckerbissen" vor. Ist eine Fliege einmal herbeiaeeilt, so erblickt sie eine braunrote Blüte, deren Farben genauestens dem verwesenden rohen Fleisches entspricht; die Täuschung wird vollkommen durch die grünlich-gelblich gesprenkelte Außenseite des Blütenstempels.
Wie seltsam dieser ganze Vorgang ist, wird einem erst völlig klar, wenn man bedenkt, daß die Pflanze selbst keineswegs verwest, sondern gewissermaßen bei bester Gesundheit, auf dem Höhepunkt ihres Lebens, mit größter Kunstfertigkeit diesen täuschenden Aasgeruch erzeugt, auf den die ahnungslosen Schmeißfliegen prompt hereinfallen. Mit Recht spricht daher Professor Conard dieser „Stink- pflanze" den Preis der erstaunlichsten Anpassung ihrer Struktur und ihres Verhaltens an die Umwelt zu. Es ist dies eine Anpassung, die darauf abzweckt, die Umwelt in den Dienst ihrer eigenen Lebensbedürfnisse zu zwingen.
So zeigt uns dieses interessante Gewächs mit besonderer Anschaulichkeit, wie das Lebendige es versieht, die Umwelt zu beherrschen und zu beeinflussen, während es zu gleicher Zeit von dieser Umwelt abhängig und im Grunde deren Produkt ist.
prunkvoll ein, machen Reklame mit der Verlobung mit einer reichen Amerikanerin, und tun dies alles auf Kosten und gewissermaßen als Vorschuß auf einen großen Erfolg bei einem Konzert, das erst stattfinden soll. Dieser Erfolg bleibt natürlich nicht aus, denn der Film kennt ja Schwierigkeiten in dieser Hinsicht nicht Und nach dem erfolgreichen Konzert stehen schon Autos bereit, mit denen man nur an die Riviera zu fahren braucht. Dort gibt es gleich gastliche Aufnahme im Hause einer reichen Frau, ferner ein zufälliges Zusammentreffen aller Hauptpersonen, tolle und komische Situationen, wie sie sich gerne aus Irrtümern ergeben und schließlich das glückliche Sichsinden jener beiden, die sich finden sollen. Das alles bringt der Film mit vielen Untermalungen, Abwandlungen, mit vielen illustrierenden Einzelszenen und humorvollen Episoden in liebenswürdigem Schwung auf die Leinwand, in der Absicht, zu unterhalten.
Regisseur, Schauspieler und Photographen haben sich viele Mühe gegeben. Von den Darstellern ist in erster Linie Herbert Ernst Groh als Carl Roland zu erwähnen, dessen sympathische Stimme sicherlich schon vielen Rundfunkhörern bekannt ist. Er erweist sich in diesem Film nicht nur als ein guter Sänger, sondern auch als beherrschter Schauspieler. Paul Kemp sorgt als sein Freund und Manager für die heitere Note. Ilse Stobrawa ist als Erna, die Pianistin, recht glücklich am Platze, Jane Talmar als Thea Warner gibt die kapriziöse Amerikanerin recht geschickt. Theo Lingen fällt in seiner Rolle als Haushofmeister angenehm auf. Zu nennen sind ferner Ery Bos und Jakob T i e dt k e. Die Schlagerlieder der Operette führen recht eingängige Melodien, die Tonwiedergabe ist ausgezeichnet. Die Photographie ist recht befriedigend.
Marburger Festspiele.
Die Marburger Festspiele erfreuen sich — wie man uns schreibt — eines überaus regen Besuches. Neben der Wallenstelntrilogie, die durch die Organisationen der NSDAP, besonders zahlreich besucht wird, ist jetzt noch der „Sommernachtstraum" im Spielplan erschienen. Die Erstaufführung vor nahezu ausverkauftem Hause hat wiederum die alte Zugkraft dieses heiteren Sommernachtsspieles bewiesen. Die Erstaufführung von „Diel Lärm um nichts" ist auf den 10. Juli festgeleat worden. Der genaue Spielplan der Marburger Festspiele ist nunmehr bis zum Schluß der Spielzeit festgelegt. Er ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.
Insekten als Athleten.
Wenn man die Kraft und Stärke eines Geschöpfes mit feiner Größe und Schwere vergleicht, dann sind im Tierreich nicht der Elefant der stärkste Lastenträger und das Pferd das schnellste Zugtier, sondern die Insekten. Ein Pferd, das 1500 Pfund wiegt, kann durchschnittlich ein Gewicht von zweieinhalb Tonnen ziehen; die Ladung, die es von der Stelle bewegt ist fast viermal fo groß wie sein Gewicht. Aber das Pferd, nach dessen Leistung wir sonst alle Zugleistungen messen, ist nichts gegen die Biene, die das zwanzigfache ihres Gewichtes tragen kann, oder wie eine Raupe, die das Fiinfundzwangzigsache ihres Gewichtes fortzuschleppen imstande ist. Eine Schmeißfliege zeigt sich bei einer Prüfung auf ihre Tragkräfte sogar fähig, mehr als das Hundertfünfzigfache ihres geringen Gewichtes fortzutragen. Alls diese Tiere übertreffen also in ihrer verhältnismäßigen Leistung nicht- nur das Pferd, sondern erst recht den Menschen. Es gibt Insekten, die wahre Rekorde in der Schwerathletik aufstellen. Die Küchenschabe, die zwei Gramm wiegt, war bei einem Versuch imstande, ein Holzstück fortzubewegen, das 200 mal soviel wog. Wenn ein Mensch im Verhältnis ebensoviel Kräfte hätte wie dies kleine Insekt, so würde er imstande sein, eine mit sechs Tonnen Kohle beladene Lore ohne Mühe emvorzuheben. Was die Beweglichkeit anbetrifft, so sind die Insekten den Menschen ebenfalls weit überlegen. Es gibt einige kleinere Arten von Heuschrecken, die 200 mal soweit springen, als sie selbst lang sind. Um ine Heuschrecke bei ihren Sprungleistungen zu übertreffen, müßte ein Mensch fast einen halben Kilometer weit springen. Wir bewundern die Flugkunst mancher Vögel, wie der Schwalbe und der Lerche. Aber es gibt Fliegen, die sich noch viel schneller fortbewegen können und die bei dieser Flugbewegung eine Muskelkraft beweisen, über die kein anderes Lebewesen verfügt. Ader auch in der Baukunst und im Inge- nleurwesen stehen manche Insekten dem Menschen nicht nach, ja sie übertreffen ihn sogar, wenn man ihre Kleinheit in Betracht zieht. Die Termiten ober weißen Ameisen errichten manchmal Hügel in einer Höhe von fünf Meter, die so widerstandsfähig gebaut sind, daß auch sehr schwere Tiere, wie z. B. Büffel sie nicht niedertrampeln und zerstören rönnen. Die Cheopspyramide hat eine Höhe, die ein Neunzigfaches der Größe des Menschen ausmacht, aber die Termitenhügel sind mehr als 600mal fa hoch als ihre Erbauer.


