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Nr. 99 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 28. April (934

5. Anordnung für den 1. Mai in Gießen.

Genau beachten! - Ausschneiden! Aufheben!

Organisation des Festzuges.

Die Leitung des Aufmarsches am 1. Mai hat der ftellvertr. Kreisleiter Pg. Hopfenmüller, sein Vertreter ist Ortsgruppenleiter Pa Hör st.

Die einzelnen Gruppendes Fe st Zuges unterstehen:

1 Gruppe Betriebe: Kreisbetriebszellenobmann Pg. Wagner.

2. Gruppe Hago: Kreisamtsleiter Pg. Schim­mel.

3. Gruppe Behörden: Kreisamtsleiter Pg. Hetz.

4. Gruppe Freie Berufe und Angestellte: Orts­gruppenleiter Pg. Schwarz.

5. Landstand: Kreispressewart Pg. Michel.

6. Vereine: OG. - Propagandaleiter Pg. D itt- mar.

Sprechstunden der Aufmarschleitung: täglich 4 bis 5 Uhr auf der Kreisleitung, Löberstraße 9, Tel. 4032.

Es wird jedoch ersucht, persönliche Nachfragen weitestgehend zu beschränken, da alle Anordnungen durch die Presse in verständlicher Form bekannt­gegeben werden.

Im Folgenden gibt die Aufmarschleitung die ein­gehenden und endgültigen Anordnungen für den Festzug bekannt.

gez. Schmelz, Kreispropagandaleiter.

Endgültige Anordnungen über Aufstellung und Aufmarsch des Festzugs.

1 . Allgemeines.

Eine reibungslose Abwicklung des Aufmarsches erfordert, datz sich jeder einzelne Teilneh­mer mitverantwortlich fühlt am Gelin­gen. Er trägt sein Teil dazu bei, indem er die ge­gebenen Anweisungen bis ins kleinste, und, soweit es sich um festgelegte Zeitpunkte handelt, auf die Minute pünktlich erfüllt.

Bei der großen Vielgestaltigkeit teilnehmender Gruppen, Vereine usw. ist eine restlose Aufzählung nickst möglich. Wer in dem folgenden Aufmarsch­plan nicht ausdrücklich genannt ist, reiht sich dort ein, wo er berufsmäßig hinge­hört. Dies gilt sowohl für Einzelpersonen, wie für Vereine u. a.

Bei Aufstellung des Zuges in den festgelegten Straßen haben die Kolonnen scharf die rechte Straßenseite einzuhalten.

Den Anweisen der als Ordner tätigen politischen Leiter ist unbedingt Folge zu leisten.

Marschiert wird in Sechser-Reihen.

Die Teilnahme am Festzug darf in keiner Weise zur Reklame ausgewertet wer­den. Verstöße bedingen Ausschluß von der Teil­nahme.

2 Ausstellung.

Der Festzug marschiert in 6 großen Grup­pen, die durch Ehrenkompanien, Fahnenabord­nungen und Musikkapellen untereinander verbunden sind. Die 6 Gruppen sind: 1. Betriebe und Arbeiter, 2. Handel, Handwerk und Gewerbe, 3. Behörden (mit Universität), 4. Freie Berufe und Angestellte, 5. Landstand, 6. Vereine (aber nur Fahnengrup- pen\

Festwagen fahren bei dem Betrieb bzw. der Gruppe, zu der er gehört. Eine Verteilung der Wa­gen über den Zug findet nicht ftatt

Eine bestimmte Reihenfolge der einzelnen Be­triebe, Vereine, Verbände usw. innerhalb der 6 Marschgruppen ist nicht sestgelegt, sondern die Te'lnehmer marschieren ohne weiteres in die A'.'fmarschstrahen ein, so datz sich die Reihen­folge nach dem zeitlichen Eintreffen bestimmt.

Die Leiter der 6 Gruppen sind berechtigt, von sich aus Umstellungen vorzunehmen.

Im einzelnen:

Spitze: SS., Reichswehrkapelle mit Spiel- mannszug, Ehrenkompagnie der Reichswehr.

Gruppe 1: Betriebe und Arbeiter.

Es nehmen teil: Nattmann, Bänninger, Gas­werk, Elektrizitätswerk, Eisenbahn, Sparkasse, Poppe, Schaffstaedt, Bataillonsverwaltung, Heil- und Pflegeanstalt, Handels- und Gewerbebank, Den- ninghoff, Gietzener Anzeiger, Kliniken, Stempel- kreuter, Opel, Hochbauamt, Tiefbauamt Grieb, Oberhessische Tageszeitung, Dresdener Bank, Gail- sches Tonwerk, Tabak- und Zigarrenfabriken, Dolks- bad, Schlachthof, technische Nothilfe und alle weite­ren, nicht namentlich aufgeführten Betriebe.

Daran schließt sich an die AbteilungArbeiter". Hierhin gehören die Angehörigen kleiner Betriebe, die nicht geschlossen auftreten, sowie die Arbeits­losen.

In der Mitte der Gruppe 1 marschiert die Ka- pelle der SA.-Standarte 116 mit SZ. und Ehren­kompanie der SA. und Fahnengruppe.

Ueberleitung: Kapelle des SA. - Reserve- sturmbannes 1/116.

Gruppe 2: handel, Handwerk und Gewerbe.

Die Gruppe umfaßt Innungen, Berufsvereine und Berufsverbände und Betriebe (d. h. Geschäfte.)

Es nehmen teil: Gastwirte, Konditoren, Dachdecker, Kellner, Schuhmacherzwangsinnung, Buchdruckerver. ein, Fleischerinnung, Schreinermeistervereinigung, Bäckerzwangsinnung, Freie Innung des Kraftfahr- zeuggewerbes, Freie Schneiderinnung, Kohlen­händler, Friseurzwangsinnung, Kutscherverein, Schlosserinnung, Fuhrwerksbesitzer, Verband der Elektroinstallationsfirmen, Freie Innung der Uhr­macher und Goldschmiede, Gartenbaubetriebe, Ma­ler- und Weißbindervereimgung, Kraftdroschken­besitzer, Drogisten, Einzelhandelsoerband und alle übrigen Berufsoereinigungen, Sattler- und Tape­zierer-Innung. Sämtliche Einzelbetriebe (Geschäfte).

Gruppe 3: Behörden (mit Universität).

Es nehmen teil: Polizei, Arbeitsamt, Amts­gericht, Landgericht, Reichsbahn, Biebertalbahn, Finanzamt, Kreisamt, Provinzialverwaltung, Zoll- amt, Reichsbank, Versorgungsamt, sonstige Landes­behörden (Forst, Vermessung und andere), Postamt, Krankenkasse, Schulbehörden, geistliche Behörden, Stadtverwaltung, alle bisher nicht genannten klei­neren Behörden, Feuerwehr. Dann Universität, Fahnengruppen, Lehrkörper, Studentenschaft (aus­genommen Stliniten Gruppe 1 und Versuchs­güter Gruppe 5)

Ueberleitung: Kapelle der HI. mit SZ., Ehrenkompanie der HI. und Fahnengruppe.

Gruppe 4: Freie Berufe und Angestellte.

a) Aerzte, Zahnärzte, Dentisten, Rechtsanwälte, Architekten, Musiklehrer und alle sonstigen-, b) Angestellte, soweit sie nicht durch die Betriebe erfaßt sind. Führung von 4b hat die Deutsche Arbeitsfront, Angestelltenschaft;

c) Hausangestellte.

Ueberleitung: SZ. des Jungvolks, Ehren­kompanie des Jungvolks, Fahnenabteilungen von Jungvolk und BDM.

Gruppe 5: Landstand.

a) Wies eck mit Trohe (ohne Rücksicht auf Beruf); b) Klein-Linden;

c) Gießen: Oberer Hardthof, Unterer Hardthof, Hennecken und alle weiteren landwirtschaft­lichen Betriebe;

d) Annerod;

e) Rödgen marschiert sofort zum Festplatz auf dem Trieb;

Ueberleitung: Stahlhelmkapelle.

Gruppe 6:

Vereine (nur Fahnengruppen zu je drei TNann).

Es nehmen teil: sämtliche Kriegervereine, dann Schützenvereine, Schwimmverein, Turnerschaft, Rad­klub Germania, Spieloereinigung 1900, Gesang­verein Eintracht, Verein für Bewegungsspiele, Gut­templer, Philologenverein, Jugendherbergsverband, Sängerkranz, Kolonialverein, Rudergesellschaft, Rudersport, Theatervereinigung, Bavaria, Ruder­klub Hassia, Schützengesellschaft, Gesangverein Kon­kordia, Kraftsportklub, Schützenklub, Gesangverein Frohsinn, Touristenvereinigung, Wandervogel Hö­henflug, Reit- und Fahrklub, Gießener Radfahr­verein 1885, Gießener Sängervereinigung mit allen ihr angegliederten Vereinen sowie alle nicht ge­nannten Vereine, die in diesen Rahmen gehören.

Abschluß Fahnengruppe der Politischen Orga­nisation: SS.

Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz verteilt sich über den ganzen Zug zur Hilfeleistung bei Un­glücksfällen.

3. Aufmarsch.

Der Abmarsch des Festzuges erfolgt pünktlich um 2 Uhr. Es sind daher die angegebenen Zeiten unbedingt einzuhalten. Nur die absolute Diszi­plin aller Zugteilnehmer kann eine reibungslose Abwicklung gewährleisten. Es ist selbstverständlich, daß sich jeder Volksgenosse, der als Leiter irgend einer Gruppe in Betracht kommt, diesen Aufmarsch­plan mit sich führt.

Im einzelnen:

Ehrenkompagnien der Reichswehr, der SS., der SA., der HI., des Jungvolks, sämtliche Fahnengrup­pen der politischen Organisationen und alle Spielmannszüge treten auf dem Oswaldsgar- t e n an. Eintreffen spätestens um 1.30 Uhr; A n - marsch durch die Neu st ad t.

Gruppe 1: Betriebe.

Aufstellung Hammstraße, Spitze am Biebertal­bahnhof. Anmarsch nur durch Frankfurter Straße, Wetzlarer Weg, Brücke in der Hammstraße. Die Be­triebe müssen spätestens um 1 Uhr eingetroffen sein.

Gruppe 2: hago.

Aufstellung Wernerwall (früher Nordanlage), Spitze an der Turnhalle. Anmarsch durch Walltor­straße in den Wernerwall. Eintreffen spätestens 1.15 Uhr.

Gruppe 3: Behörden.

Aufstellung Steinstraße, Spitze an der Turnhalle. Anmarsch über Landgraf-Philipps-Platz, Hitlerwall, (früher Ostanlage), Marburger Straße in die Stein« traße. Eintreffen spätestens 1.15 Uhr.

Die Universität stellt sich auf in der Goethestraße, Spitze Universitätsgebäude und rückt über Ludwig« trage, Gartenstraße, Hitlerwall, Marburger Straße zur Steinstraße. Eintreffen dort 1.30 Uhr.

Gruppe 4: Freie Berufe und Angestellte.

Aufstellung 12.45 Uhr Bleichstraße, Spitze Lony« strahe. Anmarsch zum Oswaldsgarten über Hin« denburgwall, Gartenstraße, Neuen Bäue, Neuenweg Kaplansgasse, Bahnhofstraße in die Neustadt. Die Spitze steht am Geschäft I. B. Häuser. Eintreffen dort spätestens 1.30 Uhr.

Gruppe 5: Landstand.

Aufstellung Rodheimer Straße, Spitze am Bieber­talbahnhof. Eintreffen spätestens 1.30 Uhr.

Klein-Linden: marschiert über die Brücke in die Hammstraße ein und rückt nach Abmarsch der Gruppe 1 bis zum Biebertalbahnhof vor.

W i e s e ck : marschiert in die Steinstraße ein, und rückt mit Trohe nach Abmarsch der Gruppe 3 bis zur Turnhalle vor.

Annerod: marschiert über Kaiserallee, Moltke- strahe, Hitlerwall in den Wernerwall ein und rückt nach Abmarsch der Gruppe 2 bis zur Turnhalle vor.

Die Ortschaften müssen bis spätestens 1.45 Uhr an ihren Plätzen stehen.

Gruppe 6: Vereine.

Aufstellung Kirchstraße, Spitze am Geschäft I. B. Häuser. Anmarsch über Marktplatz, Kirchenplatz in die Kirchstrahe. Eintreffen spätestens 1.45 Uhr.

4. Marsch des Festzugs.

Der Festzug nimmt folgenden Weg: Horst-Wessel« Wall, Seltersweg, Neuenweg, Neuen Bäue, Garten« straße, Ludwigsplatz, Kaiserallee zum Trieb.

Der Anmarsch auf den Trieb ist so geregelt, daß die dort eintreffenden Marschkolonnen von Ord­nungsleuten in Empfang genommen und zum Auf« stellungsplatz geleitet werden.

Fe st wagen fahren ausnahmslos auf der Grün« berget Straße weiter, ohne auf den Trieb selbst zu kommen. Man beachte die Anweisung der Ordnungs­leute.

Die Aufmarschleitung.

Gez.: Hopfenmüller, stellv, kreisteiter.

Höhenfeuer der Hitler-Jugend brennen.

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai werden im ganzen Deutschen Reich die Höhen- feuer der Hitler-Jugend brennen.

Zu gleicher Stunde, im gleichen Augenblick wer­den Millionen deutscher Jungen und Mädel ein Manifest ihres Reichsjugendführers Baldur von Schirach hören.

Leuchtende Flammensignale werden von einem Berge zum andern künden, daß die geeinte deutsche Jugend versammelt ist, um ihrem Willen Ausdruck zu geben.

Diese Feuer werden erneut ein Bekenntnis der de utschen Jug end zur Einheit des Reiches darstellen.

In Gießen brennen die Feuer auf folgenden Höhen: Bismarckturm, Schiffenberg, Trieb, auf der Höhe von Launsbach. Um 21.30 Uhr werden die Flammen auflodern. Punkt 21.50 Uhr erfolgt die Verlesung der Botschaft. Die Feiern werden um 22.15 Uhr beendet sein. Es nehmen teil: HI., JV., BDM. und IM.

Es handelt sich nicht um einen Staubsauger!

23on Karl Friedrich 6pp.

Vati erwartete einen sehr wichtigen Brief von einem Verleger. Er hatte sich in sein Arbeits­zimmer zurückgezogen, saß vor der Schreibmaschine, tippte aber nicht. Allerdings hatte er ein leeres Blatt eingespannt, um auf alle Fälle gewappnet zu sein, denn man kann nie wissen ... Vielleicht kommt Mutti außerhalb des Programms in sein Zimmer, und dann sieht es immer so aus als arbeite er. Aber er tut es nicht, sondern hält eine Sechs - Pfennig - Volkshaufen - Auseinanderspren- gungs - Zigarre, derenDuft" bereits das Zimmer für feinnervige Besucher unausstehlich macht. Vati denkt darüber nach, was alles wäre, wenn ... der 'Verleger Vatis unsterbliches Werk in Verlag neh­men würde. Zunächst bekäme Mutti dann einen richtigen großen Badeschwamm, Bubuli einen Roller und Hansi eine große, blitzeblanke Tute- Trompete. Wenn der Verleger ...

Da dringt an Vatis dafür besonders empfäng­liches Trommelfell das Geräusch des Briefkasten­klappens. Erregt springt er auf, wirft den Zigar­renstummel verächtlich in den Aschenbecher und steuert großen Schrittes der Wohnungstur zu. Hansi kommt ihm schon entgegen. Er halt ein we-ßes Etwas in seiner Patschhand und piepst: Ein Brief, Pappi! Schon will Vati aufgeregt da­nach greifen, als Bubuli die schöne Illusion zer­stört: Nur ne Drucksache! unkt sie sachverständig. Vati wirft ihr einen wütenden Blick zu und reißt Hansi das Papier aus der Hand. Jawohl'.! Es ist nur eine Drucksache! Mit fetten Buchstaben steht da zu lesen:Es handelt sich n i ch t um einen Staubsauger! Empfangen Sie unseren Vertreter, der Sie demnächst aufsuchen wird ohne Vorein­genommenheit, schlagen Sie ihm nicht die Tur vor der Nase zu, sondern hören Sie sich an was er Ihnen zu sagen hat. Er bringt ^hnen das Gluck ins Haus!" Zerknirscht zieht sich Vati in sein Zimm:r zurück. Sperrangelweit reißt er das Fen­ster auf, der Zigarrenduft ist ihm unerträglich. Wütend zerknüllt er die Drucksache und wirft sie in den Papierkorb. Da kommt Hansi ins Zimmer und schiebt mit dem Papierkorb unter dem Arm wieder ab. Das Papier hat er rausgeschmlssen. Papier braucht Hansi nicht", erklärt er und setzt hinzu:Afsenspielen, ja?" Das wird aber so ge­macht, daß Hansi sich auf die Erde setzt und Bu- bnli ihm den Papierkorb über den Kopf stülpt.

Dann sitzt er darunter wie ein Affe im Zoo in feinem Käfig. Kommt Bubuli ihm zu nahe, dann greift er mit feinen Händen, ganz wie die rich­tigen Affen, durch dasGitterwerk" des Papier­korbes und versucht, das Schwesterchen an einem Zipfel des Kleides festzuhalten. Gelingt das, so hat er gewonnen und Bubuli muß Affe sein und so fort.

Kaum nun ist Hansi aus dem Zimmer, da klingelt es. Vati ist auf das Schlimmste gefaßt. Er nimmt feine wildeste Miene an und ist bereit, dem Vertreter nun gerade die Tür vor der Nase zuzuschlagen, denn für Staubsauger hat Vati nichts übrig. Wo keine Teppiche find, hat die Staubsaugerindustrie ihr Recht verloren! Mit Nach­druck öffnet Vati die Tür. Da steht ein Mann in blauer Uniform, lächelt und sagt:Ich bringe Geld". Vati quittiert mit zitternden Fingern und nimmt sich vor, sehr nett zu dem Staubsauger-Mann zu sein. Vor allen Dingen holt sich jetzt Vati eine Tüte salonfähige Glimmstengel und ein Viertel Kaffee und Schokoladenplätzchen für feineAffen". Mutti bekommt Käsekuchen.

Gemütlich sitzt die kleine Familie und genießt das unerwartete Glück, da klingelt es wieder.Wir brauchen keinen Staubsauger," hört man Mutti sagen, darauf klappt die Tür zu. Im Nu ist Vati an der Tür.Entschuldigen Sie, Herr Staubsauger- Mann", sagt Vati.Ein kleines Mißverständnis. Treten Sie ein, nehmen Sie Platz! Trinken Sie eine Tasse Kaffee mit uns! Hier sind Zigarren, bitte, bedienen Sie sich!" Mutti denkt gewiß, Vati habe einen Rappel bekommen, sie steht auf und sagt: Ich gehe in die Küche, kommt Kinder!" Vati und der Staubsauger-Mann sind allein.Also reden Sie!" sagt Vati. Der Herr nimmt einen Schluck Kaffee, zieht bedächtig an der Zigarre und beginnt: Wie Sie wissen, handelt es sich nicht um einen Staubsauger!" Vati hat das ja schon Schwarz auf Weiß.Jaja", sagt er,nicht um e i n e n. Um wieviel denn? Ich interessiere mich glühend für Staubsauger! Es ist die epochemachendste Erfindung der Hausgeräte-Jndustrie, ein unentbehrliches Mit­tel im Kampf mit Staub und Schmutz ..." Da lächelt der Staubsauger-Mann, trinkt einen Schluck Kaffee, zieht an seiner Zigarre:Sie irren, mein Herr! Es handelt sich wirklich nicht um einen Staubsauger." Vati wird nervös.Also um was für einen Entstauber handelt es sich?" Der Herr lächelt noch geheimnisvoller:Gestatten Sie gütigst vorher eine Frage", sagt er sanft.Haben Sie schon Ihr und Ihrer Familie Leben versichert?"Nein," ruft Vati, und fetzt erschreckt hinzu:Ist denn der Umgang mit ihrem Staubsauger lebensgefährlich?

Noch immer lächelte der Herr.Dacht ich mirs doch", flötet er.Wie können Sie ruhig leben? Es ist unverantwortlich von Ihnen. Schnell tritt der Tod den Menschen an." Vati ist sehr aufgeregt.Aber, was hat das zum Teufel mit Ihrem Staubsauger zu tun?"Wie schon öfters bemerkt", lispelt der geheimnisvolle Herr,handelt es sich nicht um einen Staubsauger! Ich komme ..." Dati reißt der Ge­duldsfaden:Um was handelt es sich denn?" ruft er erregt aus.Was wollen Sie, Mensch? Wer sind Sie, Mensch? Warum stören Sie mich, wenn es sich nicht um einen Staubsauger handelt? Wer sind Sie? So sagen Sie es doch schon!" Der Herr steht auf, macht eine höfliche Verbeugung zu Vati und lächelte: Meyer, mitet)", Meyer. Versicherungsagent!" Das ist Vati zuviel. Auch er steht auf.Freut mich ungemein, Herr Meyer, mitey"! Wie Sie schon bemerkt haben werden, bin ich ein humaner Mensch und nehme das Gleiche von Ihnen an. Bitte stecken Sie sich noch eine Zigarre ein und gehen Sie! Ich interessiere mich für Staubsauger, verstehen Sie! Nur für Staubsauger! Vati begleitet den Herrn an die Tür und verabschiedet ihn.

Hast du etwa einen Stausauger gekauft?" fragt Mutti. Vati antwortet nicht. Da läuft ihm Bubuli in den Weg.Vati", sagte sie,komm Affe spielen, einmal nur!" Vati muß sich hinknien und kriegt den Papierkorb über den Kopf gestülpt. Er fletscht entsetzlich mit den Zähnen, Bubuli und Hansi schreien vor Vergnügen. Der große Affe sagt in einemfort:Es handelt sich nicht um einen Staub­sauger, es handelt sich nicht um einen Staubsauger"!

Nach seiner Entlassung aus dem Kinder-Zoo kehrt Vati in sein Zimmer zurück und schreibt auf das fein säuberlich eingespannte Blatt:Es handelt sich nicht um einen Staubsauger." Und es klapperte die Maschine, bis diese Geschichte fertig ist.

3d) bin der Gerichtsvollzieher!"

Krischan hat ein weiches Herz.Laß nur," sagt er zu feinem Freund, dem Drogisten,wenn du der Frau die Farben verkauft hast, und sie will sie dir nicht bezahlen, dann holen wir uns selbst das Geld." Sprachs und machte sich auf, um die säumige Kundin zu strafen. Als ihm die Frau die Tür aufmachte, stellte er sofort einen Fuß in die Tür, sagte:Ich bin der Gerichtsvollzieher", ob­wohl er ja eigentlich bloß Metzgergeselle ist, und wollte zur Pfändung schreiten. Die Frau wußte aber anscheinend aus Erfahrung, wie ein Gerichts- Vollzieher auszufehen hat, und wollte durchaus nicht auf das Vorhaben Krifchans eingehen. Jetzt wurde , der falsche Gerichtsvollzieher unsicher, spielte aber

seine Rolle mutig weiter.Glauben Sie mir nicht?" fragte er mit aller Überlegenheit, die er in dieser peinlichen Lage aufbringen konnte.Dann kommen Sie bitte mit. Wenn es nicht stimmt, bekommen Sie zehn Mark". Das hätte er nicht versprechen sollen, denn jetzt lachte sich die Frau ins Fäustchen und kam natürlich mit. Auf der Straße ließ sie den Metzger von dem ersten besten Polizisten feststellen. Krischan fand, daß man viel zu viel Aufhebens mit ihm machte. Schließlich wollte er ja nur seinem Freunde zu dem rechtmäßig verdienten Geld ver­helfen. Das Gericht war aber nicht ganz mit dem eigenwilligen Vorgehen Krischans einverstanden und verschrieb ihm 2 Monate Gefängnis wegen Nötigung.

ßod)fd)ulnachrid)ten.

Der ordentliche Honorarprofessor D. E. Foer - st e r von der Frankfurter Universität ist auf seinen Antrag von seinem bisherigen Lehrauftrag für Religivnsgeschichte und Religionsphilosophie, sowie von der Verwaltung der Abteilung für Ge- schichte der christlichen Religon des Historischen Seminars entbunden worden. Dem Lehrkörper der Universität gehört Professor Foerster weiterhin an. Pfarrer Dr. theol. Alfred Adam in Frank­furt a. M. - Berkersheim hat mit Wirkung vom Sommersemester 1934 an einen Lehrauftrag zur Abhaltung kirchengeschichtlicher Uebungen erhalten.

'Zeitschriften.

Das Aprilheft derBerliner Monats­hefte" (Berlin W 15, Quaderverlag) veröffentlicht Auszüge aus dem Tagebuch des russischen Kriegs­ministers Kuropatkin aus den Jahren 1898 und 1899. Diese Aufzeichnungen zeigen, daß auf rufst- scher Seite damals von Anfang an kein ernsthafter Ab­rüstungswille vorhanden war. Kuropatkin war der Ansicht, daß eine auch nur teilweise Rüstungsbe­schränkung in der Zukunft von drei Faktoren ab­hängig fei: Wenn Oesterreich zerschellt, wenn Ruh- land in den Besitz der Meerengen gelangt sei und wenn Frankreich Elsah-Lothringen erhalten habe. Diese Voraussetzungen konnten natürlich nur durch einen für Rußland und Frankreich siegreichen Krieg gegen die Mittelmächte geschaffen werden. Die Auf­zeichnungen Kuropatkins zeigen, wie notwendig es ist, die Geschichte auck bei der Behandlung der Abrüstungsfrage als Lehrmeisterin anzusehen. Aus dem weiteren Inhalt des Heftes feien genannt die kritischen Würdigungen der Memoiren Lloyd Georges durch Professor Wtztjen und der Erinne­rungen des Großfürsten Alexander durch Pros ssor Dr. Luckwaldt.