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Donnerstag, 29. März 1954

ar. 75 Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

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Massensterben junger Stare.

der Christnacht zum ersten

noch auf frühgermanische Brauch ist bei den Ufer- Ohm, Lahn, Schwalm, be-

Male angebrannt.

Ein anderer alter, Zeiten zurückgehender bewohnern der Fulda, sonders aber der Eder,

geplattetem Gipfel, ungefähr in der Entfernung von hundert Schritt von einander, zwei Pfähle in den Boden geschlagen sind. Um den einen Pfahl scharen

Werk, und er macht seinem Maler und feinem terland in der Fremde die allergrößte Ehre!

In den letzten Jahren hat man häufig das mas­senhafte Dahinsterben von jungen Staren, besonders in Nordwestdeutschland und Holland, beobachtet. Nun hat man auch die Ursache gefunden. Man er­kannte, daß die Ausbildung der zähen Haut unter­bleibt, mit der die Entleerungen der Jungen sonst in den ersten Lebenslagen, wie bei allen Sing­vögeln, umgeben sind. Das führt in dem warmen Nest zu einer raschen Verjauchung; die Jungen sitzen auf einer feuchten, übelriechenden Unterlage, ihr ganzes Gefieder wird naß, und sie gehen aus Mangel an Trockenheit und Wärme ein, die für ihr Gedeihen unentbehrlich sind. Diese traurige Erschei­nung kann nur auftreten, so lange die Jungstare noch nicht so weit erwachsen sind, um selbständig

einen Karren und ziehen mit ihm jubelnd von einer Haustür zur anderen. Ohne daß der Strohmann oder seine Begleiter den Zweck des Besuches aus* zusprechen brauchten, wird alsdann eine in etlichen Eiern, einer Wurst oder einem Stück Speck be­stehende Gabe hinausgereicht, welche Gegenstände dann am Abend von den Teilnehmern unter lautem Jubel verzehrt werden. Das geschieht aber erst nach Einbruch der Dunkelheit, nachdem der Strohmann angesteckt worden, und das Feuer dauert so lange, bis er völlig verbrannt ist. Hier also endet das Fest mit der symbolischen Vernichtungdes Winters, und auch das ist, wie alte Berichte er­zählen, ältestes germanisches Brauchtum.

stehenden Wettstreit teilnehmen wollen. An den an­deren Pfahl aber ist mittels eines langen Seiles ein Hahn, dem die Augen verbunden sind, angebunden Frauen, Mädchen und Kinder umlagern beide Punkte. Sobald bte Teilnehmer vom Festordner numeriert sind wird derjenige, dessen Nummer gezogen wird, mit verbundenen Augen dreimal um den ersten Pfahl geführt und alsdann in die Nähe des Hahnenpfahts gebracht. Hierauf bekommt er einen langen Stock in die Hand und erhält den Be­fehl zum Fortgehen. Glaubt er nun, den Hahn tref­fen zu können, so schlägt er dreimal zu. Verfehlt er ihn, so kommt der nächste Bursche an die Reihe, und so fort. Wer das Glück hat, den Hahn zu tref­fen, wird bekränzt, erhält den Hahn als Preis und wird unter lautem Jubelgefang ins Dorf zurück­begleitet. Als Nachfeier wird das von den Teilneh­mern zu gleichen Teilen, und das von dem Helden des Tages gespendete Geld vertrunken.

Andernorts aber wird der Hahn nicht an einen Pfahl gebunden, sondern unter einen irdenen Topf gesetzt. Wer diesen Topf zertrümmert, er­hält dann den Hahn als Preis vorausgesetzt, daß dieser die erlangte Freiheit nicht benutzt und davonfliegt.

Die Bewohner von Sooden an der Werra und der Nachbarschaft aber verbringen den dritten Öfter» tag ganz anders. Sie ziehen auf die Westerburg, werfen das am ersten Ostertage angezündete und solange unterhaltene Feuer auseinander und trei­ben alsdann kriegerische Spiele. Schließlich wird zur Wahl zusammengetreten und ein neuerB urg- m a n n", der Leiter dieser Spiele für das kommende Jahr, gewählt.

Wieder anderwärts, so z. B. in Rauschenberg, fertigen die Burschen am dritten Ostertage einen Strohmann an, der durch einen Hut, lange Flachshaare und ähnliche Dinge, das Aussehen eines alten Mannes erhält. Hierauf fetzen sie den Popanz auf eine Leiter, ein altes Pferd, ober auf

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Nebenan steht ber Wüstenprebiger Johannes; er beutet auf ben Gekreuzigten unb sagt:Ich habe geprebigt unb große Worte in die Menschheit ge­worfen, er aber hat geliebt! Unb er muß größer werben unb ich kleiner!" Unb einfältig muß man werben wie bas zarte Lämmchen, bas gleich bem Herrn fein Blut unfchulbig bahingibt!

Die Gruppe links vom Kreuz strebt zu Jesus hin unb möchte sich boch abwenben von biesem un­erhörten Trauerspiel. Magbalena züngelt wie eine verblasene Flamme empor unb sinkt in ihre kost­baren ©eroänber zurück; ihre Hänbe flehen wie Vogelbrut, bie nach Atzung heischt unb ragen em­por ins bunkelgrüne Meer ber eitlen Hoffnungen. Maria, in schwerem, weißem Nonnenmantel, bricht zusammen in bie Arme bes Johannes, ber in zin­noberrotem Mantel steckt: abwenben, Mutter ber wer dürfte sich abwenben vom Lew,

Städtische Oper" .....

Deutsches Opernhaus

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Nur bte beiben großen germanischen Völker deutsche unb Engländer kennen bas Wort Aftern" als Bezeichnung bes Festes ber Auf- i-stehung. Die übrigen germanischen Völker haben len für, bem romanischen Sprachgebrauch folgern), Amtlich Bezeichnungen, bie an bie biblisch-jubische Kassahbenennung anklingen.Eostre" aber nennt tereits ber alte englische Kirchenvater Beba Vene- mbilis,ber ehrwürbige Beba", ber um bas Jahr 50 lebte, bas christliche Fest. Er berichtet babei, hf3 bie alte, angelsächsische Frühlingsgottin so ge­wißen habe, jene Frühlingsgöttin, von ber man annimmt, baß sie bei ben Festlanbgerma- nmO star a" hieß. Dieser Göttername aber limmt bereits bei ben alten Jnbern, jenem Volke, bs sich selber Arja,Arier", bieReinen" nannte, i, ber Formufra",bie Morgenröte" vor. Damit Ifängt auch unser Wortber Osten" zusammen, bas lin ber ältesten beutschen Dichtung, bem Hilbe- tranbsliebe,Öfter" heißt.Ostern" muß bemnach j»i ben Frühgermanen bas Fest ber aufgeben» kn Sonne, ber Frühlingssonnenwenbe, ge­lesen fein. Wie bie Kirche immer unb überall ihre isuen Jbeen auf altes übernommenes Volksgut iberpflanzte, hat sie auch hier ihr Auferstehungs- I ft auf ein bereits altes Volksfest aufgepfropft. ? Dir sprechen aber nicht vomÖfter n tage", fonbern lomOstertage". Wo ist nun basn" geblieben? I un:Ostern ist eine Mehrzahlform. Die Einzahl l»ißtÖfter".Die Ostern" meint nämlich bie r ehrere Tage währenbe Festbauer. Ursprünglich i urbe bas Fest nämlich vierTagelang, bann, (ft vom Jahre 1094 ab, nur noch brei Tage lang (»feiert, unb bie jetzt übliche zweitägige Feier jnmmt erst vom Ausgang bes Mittelalters.

Daß bas Fest aber bas einzige uns wirklich er= tiltene Germanenfest ist, geht aus einer An­zahl erhaltener Volksbräuche hervor, bie ber Kirchenvater Beba bereits berichtet, unb bie sich im tserzen Deutfchlanbs, im alten Kattenlanbe, bei ben Mutigen Hessen, noch erhalten haben. Am Feste ber Mara, bas in ben ersten Frühlingstagen ftattfanb nb mit einem großen ungebotenen Volksthing isrbunben war, würben bei ben heibnischen Ger-

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Die Städtische Oper in Berlin-Charlottenburg, bie gemäß bem Beschluß bes Reichskabinetts in ben Reichsbesitz übergeleitet wirb. Das Theater wirb ben NamenDeutsches Opern- haus" führen, ben es schon früher einmal trug. Unten rechts: Kammersänger Wilhelm Robe, ber von Reichsminister Dr. Goebbels zum neuen Intendanten des Deutschen Opernhauses ernannt wurde.

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auch noch in diesen evangelischen Gegenden Allein die dort benutzten Buchenklötze werden nicht in der Osternacht, sondern in

und unter diesen besonders zu Frankenberg in Uebung. In der ersten Öfter»

Osterfeuer und Hahnenschlag

Uraltes Brauchtum im germanischen ZrühlingSfest.

Von Ludwig Hermann, GOS.

Der Lsenheimer Altar.

Von Molaus Schwarzkopf.

Die ungeheuren Verfolgungen, die das junge Christentum über sich ergehen lassen mußte ver- iuoten die Gläubigen unter die Erde, m bie Kata- fr'mben. Dort errichteten sie ihre Altäre. Nach unb nnd), wie bie Verfolgungen überrounben waren, echoben sich bie geweihten Stätten aus ben ©ruf» tm empor in bie Sonne. Auf ungeheuren Säulen niölbten sich bie Kirchen, mächtige Dächer streckten sich auf aus ben Wohnungen ber Menschen: es war, dis seien bie heiligen Berge herabgewanbert in bie Aäbte. Gebirgen gleich ragten bie Dome aus bem Meer ber Häuser. Schmucklos vorerst, ganz Wucht unb Kraft.

Nach unb nach traten aus ben steinernen Leibern Wider, unbeholfene Steinmetzarbeiten; Tiere, bie eroas aus ber heiligen Schrift verkünben wollten, ch-nn aber auch heilige Männer, unb schließlich ftnnben ganze Geschichten ba im Stein, Christi (3e= hart unb Leben, bas Leben ber Heiligen unb noch aiYXA anbere Dinge. Die großen Meister, bie bas $e= faaffen, kennt man nicht; es waren fromme Stern» n-tzen, bas Werk ihrer Hanbe ist ewig.

Dann kam bie Zeit, baß bie Menschen mit ben nüchternen ©teinbilbern nicht mehr zufrieben fern nollten, ba erschienen bie Maler unb zauberten Die heiligen Geschichten ..bunten Farben an b.e Erchenwänbe, an bie Altäre, unb bas Volk er» ^Der größte beutsche Maler unb wahrscheinlich ber ff ößte Äirchenmaler ber Christenheit aller Zeiten und Völker ist Matthias Grunewalb, bef» fm Name auch jahrhunbertelang vergessen war. Qir stammt wahrscheinlich aus Aschaffenburg, war lmae Zeit Hofmaler bes Kurfürsten von Mainz unb9 f am umbas Jahr 1500

im im Elsaß, allwo er bas riesenhafte Altarwerk

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man lange im Unklaren gewesen. Jetzt ist aber bie Ursache, wie Ministerialrat Ludwig S ch u st e r in der bei Hugo Bermühler in Berlin erscheinenden ZeitschriftDer Naturforscher" ausführt, durch den holländischen Vogelforscher Dr. Klui- j d e r einwandfrei nachgewiesen worden. Danach handelt es sich um keine Seuche, auch nicht um den Einfluß künstlichen Düngers, der mit ber Nahrung aufgenommen wirb, sondern die dünne Entleerung ist durch den übermäßigen Genuß einer bestimmten Larvenart, der Tipuliben ober Erbschnaken, her­vorgerufen. Diese Larven gehören zu ben schlimm­sten Schüblingen unb können bei Massenauftreten die Wiesen ganzer Landstriche völlig vernichten. Der Star ist nun ein besonders eifriger Verzehrer der Tipuliben-Larven, unb man hat ihn in ben von ben Larven besonders heimgesuchten Gegenden gern als Bekämpfungsmittel angefiedelt. Wenn aber bie Brut ber Stare mit biefer Nahrung so ausgiebig versorgt wirb, baß der Anteil an der Gesamt-Futter- menge bis auf 40 v. H. steigt, bann unterbleibt bie Ausbildung ber zähen Haut der Ausscheidungen, ohne daß der Jungstar daburch an sich krank wäre. Mit bem Aufhören der Tipuliden-Nahrung setzt die Bildung der zähen Haut sofort wieder ein. Es ist nun klar, warum die Jungstare besonders in Nord­westdeutschland und Holland so massenhaft dahin­gerafft werden, denn in diesen Landstrichen mit ihrer ausgedehnten Wiesen- und Weidenkultur fin­den die Schädlinge bie besten öebensbebingungen. Dem Sterben ber Stare kann in beschränktem Um­fang burch zweckmäßigen Bau ber Nistkästen begeg­net werden, unb zwar ist ber sog. Westfälische Sta­renkasten zu empfehlen, ber flach ist unb besten Flugloch fast in Nesthöhe angebracht wird. Doch kann natürlich infolge biefer unerfreulichen Zu­sammenhänge bie Hilfe, bie der Star bei der Ver­nichtung der Tipuliden leistet, nur gering sein.

dorfifdiutnodiritbten.

Der bedeutende Geograph ber Wiener Uni« versität, Professor Dr. Eugen Oberhummer, vollenbet am 29. März bas 7 5. Lebensjahr. Der Gelehrte, Münchener von Geburt, bereifte fast ganz Europa, Vorderasien, Norbarnerika unb Norb- afrika. Seine zahlreichen fachliterarischen Publika­tionen finb vor allem auf ben Ausbau ber histo­rischen Geographie unter Verarbeitung eines um­fassenden Quellenmaterials gerichtet.

Dr. Gottfrieb v. Lücken, a. o Professor für Archäologie an ber Universität Rostock, ist zum Ordinarius daselbst ernannt worden.

Der neu errichtete Lehrstuhl für deutsche Vor-

Zwecke wird um ein Holzgestell herum, das dazu dient, den nötigen Luftzug zu erhalten, damit das Holz nicht einfach verkohlt, sondern zur himmel­hohen, auflodernden Flamme wird, ein riesiger Scheiterhaufen aus Reisig geschichtet, der mitunter bis zu acht Metern hoch gemacht wird, also weit höher als ein vollbeladener Erntewagen. Der aus dem Kirchhainschen berichtete Brauch des Anzün­dens der Buchenblöcke in Gewitternächten besteht

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net sich ein Tabernakel, der ist angefüllt von musi­zierenden Engeln, und es gibt keine Kinderschar in der Wett, die so bunt und so fromm sich austollt. Kein Wunder: sie bringen dem soeben geborenen Jesuskind ein erstes Ständchen!

Drüben auf dem dritten Bild sitzt Maria in herrlicher deutscher Landschaft und zeigt den Kin­dern, den Engeln, das Kind, den kleinen Gott! Recht wie eine junge Mutter sitzt sie da, und der himmlische Vater schüttet seinen Jubel aus über sie und ihr Kind, und in den Sonnenstrahlen purzeln tausend und abertausend fröhlicher Englein, ganze Wolken von Englein!

Und die vierte Freudentafel zeigt die glorreichste Auferstehung, die je gemalt wurde. Da schießt Je­sus, ganz Licht geworden, aus der Erde empor, schier in die Sonne hinein, das Gewand braust hinter ihm drein, der Stein fliegt davon, die Wächter stürzen, wie abgeschossene Hasen hierhin und dorthin, und alle Finsternis ist überwunden!

Das Mittelstück der Tafeln des Leids, die Kreuzi­gung, ist die ungeheuerlichste Kreuzigung, die je ge­malt wurde. Da hängt kein zurechtgemachter, schö­ner Gott am Kreuz, wie man das gewöhnlich sieht, sondern ein zerschundener Kreuzträger, ein Mann der Schmerzen. K ££

Sein Herzblut stürzt aus der offenen Seite, sickert in breitem Strom nieder in das zerfetzte Lendentuch, krustet an den Knien, tropft aus den Händen, bricht aus den Füßen, die durch einen Grobschmiednagel aufeinandergehauen sind, herab auf die Erde, die sich wie vor Scham rötet! Der Mund gleicht einer wieder aufgebrochenen Wunde, das brennende Rot wird von dem versengten Blau des Todes verdrängt. In das unheimliche Gezücht der Dornen erhebt sich ein starkes, männliches Ant-

Pfarrer D. zrM-MpperfSburg.

Der Senior der Geistlichkeit des Evangelischen Dekanats Schotten und der zweitälteste der im Dienst befindlichen Geistlichen der ehemaligen Hesst- schen Landeskirche Pfarrer D theol. h. c. Johannes Fritsch zu Ruppertsburg (Kreis Schotten) wird am 30. März auf den Tag zurückblicken, an demervoröOJahrenseinAmtalsSeel- f orger an trat. Es ist eine besondere Gnade von Gott, daß der ehrwürdige Jubilar, einer der charakteristischsten Vertreter des hessischen Pfarr- ftanbes, sein goldenes 21 mt 5 j ub i l äuirn in ungebrochener' körperlicher und geistiger Frische feiern darf. Die unermüdliche Treue und bie auf- opfernbe Hingabe an bie heiligen Pflichten fernes Berufes währenb ber außergewöhnlich langen Zeit von einem halben Jahrhunbert lassen es als etn Gebot ber Dankbarkeit erscheinen, zu feinem Ehren­tage seiner zu gebenfen unb fein Leben unb Wirken zu roürbigen.

Pfarrer D. Fritsch würbe am 17. Dezember 1858 als Pfarrerssohn zu Bottenhorn (Kreis Bieben- I köpf) geboren, besuchte bas Evangelische Gymnasium

0, konnte ich von bem urgeroaltigen Farbenspiel biefes Bilbes etwas hervorzaubern! Oben ber schwarz verhängte Himmel wie umflort; bas Ge­birge (ber Maler bachte, als er es malte, an ben Dbehroalb ober an bie Vogesen!) umflort; ein Fluß kriecht bahin, bunfelgrün umflort unb wogt in schauerlichen Atemzügen. Der Erbboben erhellt sich gemach bis zu verschämtem Rot im Vorbergrunb. Der Kreuzbalken, ein grob zurechtgezimmerter Fich­tenstamm, erhebt sich, ber Leib Jesu, von allen Lich­tern burchfprenkett, ein entsetzenerregenber Anblick: ber sichtbare Schmerz! Maria, weiß wie eine Nonne, unb grün bas Unterbleib, wie es an Fuß unb Arm hervorleuchtet. Johannes, ber Jüngling, zinnoberrot, sein Haar störrisch unb strohblonb, Jo­hannes, ber Täufer, in blaßrotem Leinen, bas Fell an ber Schulter, Bein unb Arm verwittert, entblößt! Unb bann Magbalena, in feinsten Ge- mänbern bes vornehmen Hauses, ganz in Seibe anscheinenb, unb bie vollen Haare wie ein blonber Wasserfall!

Noch zwei Tafeln gehören zu bem Attarwerk; war es ganz geöffnet, zeigten sich also bie Holz­figuren, bie geschnitzten, so schwebten links noch ein Besuch bes hl. Paulus bei bem Einsiebler Antonius, bem bas Kloster geweiht war, unb rechts eine Ver­suchung bes hl. Äntonius, unb beibe Bilber jubeln roieber in ben prächtigsten Farben, wie heute kein Maler sie mehr auf bie Leinwanb bringt!

Der Jsenheimer Altar, ber zur Zeit bes Krieges in München aufbewahrt würbe, mußte nach Frie- bensschluß, weil er im Elsaß beheimatet ist, an Frankreich ausgeliefert werben. Das kann uns sehr leib tun, aber er ist ein burch unb burch beutsches

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nacht, zwischen 23 unb 24 Uhr, wirb eine bestimmte Menge Wasser stillschweigenb an einer Quelle ge­schöpft unb bann bas Jahr über sorgfältig auf­bewahrt. Diesem0 st e r w a s s e r", bas bas ganze Jahr über wohlschmeckenb bleibt, wirb eine außer- orbentlid) Heilkraft zugeschrieben, befonbers bei Augen- unb Hautkrankheiten. Auch bas Vieh wirb zur erwähnten Stunbe in ben Fluß getrieben, weil es alsbann bas ganze Jahr über von Krankheiten verschont bleiben soll. In ber Umgegenb von Sooben am Meißner, ba, wo bie Höhle berFrau Holle" ist, gibt es eine ähnliche Sitte. Da wall­fahrten bie Schulkinber, von ben Ettern, Lehrern unb anberen Personen begleitet, vor Sonnenauf­gang an besonderen Quellen Die Einwohner von Hilgershausen unb Kammerbach z. B. ziehen zum

Hohlstein, in besten Teich zuweilen wie bie Sage berichtet eine weiße Jungfrau gesehen wirb. Ist ber Zug bei ber Quelle angekommen, so wirb zu­nächst ein Choral gesungen, hierauf werben bie Blumen ins Wasser geworfen unb erst bann bie mitgebrachten Gefäße gefüllt. In früheren Zeiten soll man sich, namentlich im Hohlsteinteich, auch noch gebabet haben.

In mehreren Orten namentlich im Dorfe Löhl­bach, Kreis Frankenberg, herrscht seit unbenklichen Zeiten bie Sitte, baß am brüten Ostertage Eier gelesen werben. Das geschieht auf folgenbe Weise: In ber Nacht vom zweiten auf ben brüten Festtag gehen Burschen von Haus zu Haus unb klopfen an bie Türen. Dann bringt ihnen ber Haus­vater, begleitet von ber jüngsten Tochter, bie Eier als Geschenk hinaus. Am nächsten Vormittag wer­ben sie bann auf einem großen Grasplatz, außer­halb bes Dorfes, so in eine Reihe gelegt, baß zwi­schen je zwei Eiern ein Fuß breit Raum bleibt. Hierauf bilben bie Burschen zwei Parteien, von benen jebe aus ihrer Mitte einen Schnelläufer wählt. Von biefen muß ber eine nach einem be­nachbarten Orte laufen, ber, je nach ber Menge ber Eier, mitunter eine Stunbe weit entfernt ist, und dort muh er eine Flasche Wein holen. Der andere hebt inzwischen, möglichst rasch, in schnellem Laufe, die Eier auf, jedoch jo, daß er an jedem Ende der Reihe immer nur ein Ei fortnimmt und in einen bereit stehenden Korb legt, der nicht von der Stelle gerückt werden darf. Immer wieder muß er vom einen Ende der Reihe zum anderen laufen, auch darf dabei kein Ei entzwei gehen. Die Partei, deren Läufer die ihm gestellte Aufgabe zuerst gelöst hat, hat bei dem folgenden gemeinsamen Eieressen freien Trunk auf Kosten der unterlegenen.

Nach dem Mittagessen wandert dann jung und und alt auf den nahegelegenen Berg, auf dessen ab-

ranen große Freudenfeuer abgebrannt. Während nberroärts meist nur ber Brauch bes Johannis- jniers erhalten blieb, ist im Hessenlanb auch heute od) bas Osterfeuer gebräuchlich. In Kirchhain hi ber Schwalm z. B. unb in ben katholischen Lanb- (»meinben bes Kirchhainer Kreises werben am Mersamstag von ben gläubigen Familien Buchen- kötze auf ben Kirchhof gebracht, bafelbft auf einen teufen gelegt unb angezünbet. ©obalb sämtliche ZUötze von ber Flamme ergriffen finb, segnet ber trieftet bas hochauflobernbe Feuer, zünbet baran be am Karfreitag ausgelöschteEwige Lampe" trieber an unb weiht bas Wasser, bas bie Gläubigen r itgebracht haben. Hieraus wirb bas Feuer ge« l'scht, unb jebe Familie nimmt ben von ihr ge- l-achten, nun angebrannten Klotz unb ihr geweihtes Basser roieber mit nach Hause. Der Klotz wirb, b*i schwerem Gewitter, roieber auf bem Herbe in Snanb gesteckt, unb man glaubt, baß er bann bas toaus schütze. Das Weihwasser bient, wie überall i- katholischen Gegenben, vorzugsweise zum Be- j-rengen bei ber Morgen- unb Abenbanbacht; in liefern befonberen Falle aber wirb ihm in Krank­heitsfällen, befonbers beim Mumps ber Jiinber, eine Heilwirkung zugefchrieben. Aber auch ; i protestantischen Gegenben hat sich ber Brauch l?5 Osterfeuers erhalten. So z. B. in Sooben an i>*r Werra, wo es vom ersten bis zum brüten fiterabenb auf einer Anhöhe neben ben Trümmern i r Westerburg brennt; im Schaumburgischen unb ciif ber Paschenburg wirb bas Osterfeuer nur am ...... , . ,

Ldend bes Ostersamstags angezünbet. Zu biesem sich bie Manner unb Burschen, bie an bem bevor-

7®eer qange Altar besteht au<3 neun Taseln, die iroan auf» unb zuklappen kann. Nur an hohen Feier­ten würbe er vollauf geöffnet unb ba erschienen Wv großmächtige Heilige, in Holz geschnitzt mit Farben unb Golb aufs prächtigste ausgestatteh

Die Malereien aber bringen bie Heilsgeschich.e M Christentums: Verkünbigung ber Geburt -je|u, Ü^enschroerbung, Kreuzigung, ®rabIhcö9U£?' elstehung. Auf ben Tafeln ber Freude (Verkundi- png, Geburt, Auferstehung) braust das verklarte Licht einher, daß man sonst in der Wett es

^Sohnes Gattenden I°l,k Recht- banon äff-Ibas allhin unsere Tage «füllt!

____, ____ ,, , , geschichte an der Universität Leipzig ist dem durch das Flugloch ihre Entleerung vorzunehmen.! Kustos am Lanbesmuseum in Hannover, Dr« Ueber die Gründe diojer rätfelhaftenKrankheit" istlKurt Tackeuberig, übertragen worden.