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Immer noch große Gewinnmöglich­keiten in der WHW.-Lotterie!

Bei Beginn der Lotterie des Winkerhilfswerks ist eine irreführende Notiz durch die Presse gegangen. Darin hieß es, daß nur drei Hauptgewinne aus- gefpielt werden. Das ist falsch. Die Lotterie wird in dreißig Serien gespielt. Auf jede Serie ent­fallen:

1 Hauptgewinn zu RTN. 5000.

2 Hauptgewinne zu 2000.

10 Gewinne zu 500.

,51 Gewinne zu 100.

Ferner werden in jeder Serie noch zahlreiche kleinere Gewinne gespielt. Außer diesen Gewinnen, die sofort ausgezahlt werden, wird am 1. März für jede Serie eine Prämie von 5000 Mark ausgelost. Deshalb kann auf jede gezogene Niete immer noch diese Prämie gewonnen werden. Es braucht sich also niemand entmutigen zu lassen, wenn gemeldet wird, baß Hauptgewinne gezogen worden sind. Jede der dreißig Serien umfaßt bekanntlich 1 Million Lose. In jeder Serie sind 150 000 Ge­winne und 1 Prämie enthalten. E s lohnt sich also immer noch, 50 Pfennige für die Mög­lichkeit eines Gewinnes aufzuwenden.

WinterhUfswerk.

Kreisführung Gießen.

Betr.: Schulungskursus der Amtswalter der NS.-Bolkswohlfahrt.

Der zweite der vier Schulungsabende der Amts­walter der NS.-Volkswohlfahrt findet am heutigen Montag, den 2 9. Januar, um 19.30 Uhr im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße, statt. Es spricht über das Thema:Durchführung der Ersatzansprüche" Verwaltungsobersekretär Rahn vom Wohlfahrtsamt Gießen. Ich bitte die Orts- gruppenwalter, etwas früher erscheinen zu wollen, da die Kohlen-, sowie die Lebensmittelgutscheine zur Austeilung gelangen.

Heil Hitler!

Gez.: M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer des WHW.

Pfundsammlung

in i)er Ortsgruppe Gießen-Ost.

Dienstag, 30. Januar, nachmittags, findet in der Ortsgruppe Gießen-Ost für das W i n t e r h i l f s - werf die schon früher angekündigte Pfund- s a m m l u n g durch HI. mit Fahrzeugen der Reichswehr statt. Hornsignale machen darauf auf­merksam. Jedem Volksgenossen ist Gelegenheit ge­geben, durch Spenden von Lebensmitteln in Pfundpäckchen dem Führer für seine unge­heueren Leistungen im ersten Jahr seiner Führung zu danken.

Drum Volksgenossen opfert u n b f ö r- dert damit das Werk des Führers.

Schneider, Ortsgruppenwalter.

Amt für Beamte der NSDAP, Kreis Gießen.

Die Schulungsabende für bie Beamten, veranstal­tet vom Amt für Beamte, fallen bis auf weiteres aus, auch der bereits für den 29. d. M. festgesetzte.

J.V.: Ulrich.

Deutsche Arbeitsfront,

Deutscher Arbeilerverband der öffentlichen Betriebe.

Am Sonntag, 4. Februar, veranstaltet die Fach­gruppe Friseure der Deutschen Arbeitsfront in der Loge Frankfurt in Frankfurt a. M., Efchers- heimer Landstraße 27, ein erstes großes Mode­frisieren, bei welcher Gelegenheit die neuesten Fri­suren und Modelinien in künstlerischer Vollendung ge­zeigt werden. Verbunden damit ist die Austragung der F a ch s ch a f t s m e i st e r s ch a f t im Frisie­ren. Hervorragende Damenfriseure wirken bei die­ser Veranstaltung mit und werden beweisen, daß die Frankfurter Friseure Spitzenleistungen zu vollbrin­gen imstande sind. Sämtliche Volksgenossen, welche sich für diese Veranstaltung interessieren, sind herz­lich eingeladen.

Da in Gießen die fachliche Schulung schon län­gere Zeit im Gange ist, erwarten wir, daß jedes Mitglied der Deutschen Arbeitsfront an dieser Ver­anstaltung nach Möglichkeit teilnimmt.

Heil Hitler!

Deutsche Arbeitsfront, Deutscher A r b e i t e r v e r b a n d der öffentlichen Betriebe, Verbands­kreis l e i t u n g G i e ß e n. Gez.: W e h r u m. Deutsches Jungvolk in der Hitler-

Zugend.

An die Lieferanten der Reichszeugmeisterei.

Wiederholt haben wir die Feststellung machen mutzen, daß entgegen den Anordnungen der Reichs- geugmeifterei Uniformteile für das Jungvolk verkauft wurden, die nicht der Vorschrift der Reichsjugendfüh­rung entsprachen.

Rach der endgültigen Festlegung der Jungvolk- uniformen mochte ich vor allen Dingen darauf auf­merksam machen, daß die Jungenschaftsbluse etwas verändert wurde und in blauer Farbe hergestellt

Auch die Koppelschlösser erscheinen in neuer Form: Schloß verchromt mit gelber Sigrune.

Äch hoffe, daß dieser Hinweis genügt, in Zukunft alle Schwierigkeiten zu beheben. Sollten trotzdem Zweifel in irgendeiner Form bestehen, .so empfehle ich die von der Reichsjugendführung herausgegebe- nen Uniformtafeln für HI., DJ. und BdM. Diese sind zu beziehen durch den Oberbann IV/13 der Hitlerjugend, Oberhessen.

Heil Hitler!

Der Führer des Oberjungbannes IV: m. d. F. b. Gez.: Hermann Philippi.

Die Reichszuschüffe für Znstand- sehungsarbeiten und Umbauten.

Das Staatspreffearnt teilt mit: Es wird darauf hingewiesen, daß bei Anträgen auf Gewährung eines Zuschusses, die später als am 31. Januar 1934 gestellt werden, mit den Arbeiten erst begonnen wer­den darf, wenn ein Vorbescheid erteilt ist. Anträge sind in den Städten an die Bürgermeistereien, in den Landgemeinden an das zuständige staatliche Hochbauamt zu richten. Anträge, die' an andere Stellen gerichtet werden, sind zwecklos. Namentlich können Anträge, die beim Reichsarbeitsminifterium oder bei dem hessischen Staatsminifterium eingehen, nicht in Behandlung genommen werden.

*2Aor?dti^en

Tageskalender für Montag. Stadt- theater, 20 bis 22.30 Uhr,Der Herr Senator". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Page vom Dal- masse-Hotel". Saal der Christlichen Versamm­lung, 20.15 Uhr, Evangelisationsvortrag. Kreis­

leitung Gießen, 19 Uhr, Hotel Viktoria, wichtige Be­sprechung der Funkwarte. Ortsgruppe Gießen- Rord, 20.30 Uhr,Aquarium", Amtswaltersitzung.

Aus dem Stadttheaterbüro. Morgen, Dienstag, das SchauspielAlle gegen Einen Einer für Alle" von Förster-Burggraf. (Siehe heu­tige Anzeige.)

Die Deutsche Bühne veröffentlicht in un­serem heutigen Anzeigenteil den Spielplan für Fe­bruar, sowie die Zeiten der Kartenausgabe. Inter­essenten seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.

Der VWA. (Verband der weiblichen A n g e st e 111 e n) lädt im heutigen Anzeigenteil zu einem Ortsgruppenabend für Mittwoch mit Vortrag überNeuzeitliche Ernährung" und Vorführung eines Kochlehrfilms ein. Siehe Anzeige.

Jubilar-Ehrung in der Gießener Nudergefettschast 1877.

Am Samstagabend versammelte sich im Boots­haus der Gießener Rudergesellfchaft 1877 ein größe­rer Kreis von älteren und jüngeren Mitgliedern, um anläßlich der Vollendung eines weiteren Jah­res des Bestehens der GRG. gemeinsam Rückschau zu halten auf das verflossene Vereinsjahr und bei dieser Gelegenheit die Ehrung langjähriger ver­dienstvoller Mitglieder vorzunehmen.

Der Vereinsführer Kaufmann Hoch stä11er wies in einer Ansprache zunächst kurz auf die er­freulichen Erfolge der Rennmannschaften der GRG. im verflossenen Jahre und damit auf den befriedi­genden Verlauf des Vereinsjahres hin, gedachte so­dann mit herzlichen Worten des hocherfreulichen nationalen Umbruchs im Verlaufe des vorigen Jah­res und huldigte dankbar und in aufrichtiger Ver­bundenheit namens der GRG. dem Ehrenmitglied

der Gießener Rudergesellfchaft Generalfeldmarschall Reichspräsident von Hindenburg und dem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler, dem die GRG. stets in Treue folgen werde. Das Treugelöb­nis brachte die Versammlung mit dreimaligen be­geisterten Sieg-Heil-Rufen auf den Feldmarfchall von Hindenburg und auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler zum Ausdruck. An­schließend wurde gemeinsam der erste Vers des Deutschlandliedes und der erste Vers des Horft- Weffel-Liedes gesungen. Im zweiten Teile seiner Ansprache beschäftigte sich der Vereinsführer vor allem mit der rudersportlichen Tätigkeit der GRG. im verflossenen Jahre, wobei er mit Genugtuung auf die Beteiligung der Achter-Mannschaft des Ver­eins an den Deutschen Rudermeisterschaften in Bres­lau hinwies und dabei u. a. die Mitteilung machte, daß nach einer privaten Information, deren amt­liche Bestätigung ihm allerdings noch nicht zu- gegangen fei, das hervorragende sportliche Auftreten der Achter-Mannschaft des Vereins dahin geführt Habe, den Achter der GRG. zum Verbandsachter zu erklären, der dann an den AusfcheiÜungskämpfen ÖJ1.1. Olnrnpiabe 1936 in Berlin teilnehmen werde. Diese Mitteilung wurde allgemein mit großer Ge­nugtuung vermerkt. Nachdem der Vereinsführer noch besonders den früheren Deutschen Nudermeister Mitglied Rübsamen unter dem Beifall der Ver­sammlung begrüßt hatte, nahm er die Ehrung der Jubilare vor. Es handelte sich dabei um folgende sechs Mitglieder: Gustav Petri, Fritz Kühne, Johannes Hammermann, Willy Jnderthal, Dr. Teipel und Willy R o l o f f. Die erstgenann- r Jllnf ^.erretJ erhielten für ihre 25jährige Mit­gliedschaft je die silberne Vereinsnadel, während Herr Roloff, der beim Jubiläum der GRG. be­reits mit der Goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet wurde, jetzt ein Ehrendiplom erhielt. Die Versamm­lung ehrte die Jubilare mit dem dreimaligen Rude­rer-Gruß Hipp hipp, hurra! Den Dank der Jubilare brachte Herr Roloff mit herzlichen Worten zum ziusorucr.

Im weiteren Verlaufe des Abends hielt das Vor- standsmitglied Direktor W. C. Berg namens der Werbekommission der GRG. eine Ansprache, in der er auf die große Bedeutung des Rudersports für die körperliche Ertüchtigung der deutschen Jugend und ?'J* ®uf d^hohe Aufgabe der Gießener Ruderge­sellschaft im Rahmen unserer Stadt hinwies. Er be- tonte dabei, daß diese Aufgabe nur dann in aus- " Maße erfüllt werden könne, wenn die Än Mitgliederbestand den notwendigen Rückhalt und die erforderliche Stärkung habe. Mehr denn je zuvor sei es künftig erforderlich, daß die

rudersportliche Arbeit des Vereins und damit die Mitarbeit an der körperlichen Ausbildung der Ju­gend durch den Rudersport sich auf eine möglichst breite Basis der Mitgliedschaft stütze. Aufgabe aller Mitglieder der GRG. fei es daher, nicht nur mit aller Bereitwilligkeit zur Mithilfe an den großen Aufgaben des Vereins weiterhin Mitglied zu fein, sondern darüber hinaus auch in der Bürgerschaft dafür zu sorgen, das die Gießener Rudergesellfchaft durch den Zugang neuer Mitglieder immer mehr gestärkt werde.

Der übrige Verlauf des Abends mar der kame­radschaftlichen Geselligkeit gewidmet, die in bester Harmonie beim gemeinsamen Gesang von Liedern und Unterhaltung verlief. Dabei würde auch des Winterhilfswerkes gedacht, für das eine Sammlung vorgenommen wurde.

Falsche 10- und LO-KM.-Scheine im Verkehr.

In der Presse ist wiederholt auf den Umlauf von falschen lO-RM.-Scheinen, Ausgabe vom 11. Oktober 1924, hingewiesen worden, die, obgleich als Fäl­schung leicht erkennbar, immer wieder im Zah­lungsverkehr auftauchen, ohne daß es bisher ge­lungen ist, den Hersteller oder Vertreiber dingfest zu machen. Auch in den letzten Tagen sind wieder einige dieser Falschfcheine in Frankfurt a. M. an- gehalten worden. Es handelt sich dabei um die erste Ausgabe von 10-RM.-Scheinen, die mit dem 31. Januar 1934 ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel verlieren. Schon seit Jahren ist diese Serie von Geldscheinen nur noch in ganz geringer Zahl im Verkehr. Bei der Annahme von 10-RM.-Scheinen ist ein besonderes Augenmerk auf zerrissene und wieder zusammengeklebte zu richten. Das Wasser­

zeichen ist fast ausnahmslos nur in dem unbedruck­ten Teil neben dem Kopfbild sichtbar. Die Pflanzen­fasern fehlen. In den Nummern der Scheine sind regelmäßig die Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 8 und 9 in verschiedener Zusammenstellung enthalten. Die ein­zelnen Zahlen fallen besonders durch ihre schlechte Nachbildung zueinander auf. Die einzelnen Farben der Ornamente auf der Rückseite stehen ungleich­mäßig und schlecht passend übereinander gedrückt.

Auch von den Noten zu 20 RM. der 1. Ausgabe vom 11. Oktober 1924 sind wieder einige Stücke im Verkehr beobachtet worden, die besonders an dem verschwommenen weiblichen Kopfbild bei einiger Aufmerksamkeit erkennbar sind. Das nachgeahmte Wasserzeichen erscheint hellbraun und hebt sich be­sonders scharf ab, während bei den echten Scheinen die Umrisse weicher und verschwommener sind. Das Publikum wird auf diese Fälschungen erneut auf­merksam gemacht und darauf hingewiefen, daß die Reichsbank in jedem Falle, in dem es zur Ermitt­lung der Fälfcherwerkstätte kommt, eine Belohnung bis zu 3000 RM. zahlt.

Die Heimarbeit in Hessen.

In Hessen ist die Zahl der in der Heimarbeit Be­schäftigten (ohne Frauen und Kinder) von 4172 (1928) auf 3740 (1932) im selben Verhältnis wie in der gesamten Wirtschaft zurückgegangen. Die Ab­nahme ist also nicht etwa typisch für Heimarbeit, sondern war eine Folge der allgemeinen Wirtschafts­krise. Am stärksten waren die Heimarbeiter vertreten in Starkenburg (2937), gegen Rheinhessen (500) bzw. Oberhessen (300).

An erster Stelle steht das Textilgewerbe mit 1573 Heimarbeitern, von denen 1037 in der Wäschekonfektion und Kleiderherstellung und 536 mit der Herstellung von Woll-, Wirk- und Phantasie­waren beschäftigt sind. Das Textilgewerbe verteilt sich auf alle drei Provinzen.

Die Lederwarenindustrie mit dem Sitze in Offenbach, zugleich dem Zentrum dieser Industrie für ganz Deutschland, ist mit 1600 Heimarbeitern gegen 3816 Lederarbeitern überhaupt die Leder- wareninöuftrie arbeitet fast ohne Maschinen zu­gleich eine der wichtigsten Hessens. Offenbach hat 260 Lederwarenbetriebe.

Die Diamantfchleiferei mit etwa 100 Ar­beitern und dem wirtschaftlichen Zentrum Hanau erstreckt sich bis in den Kreis Erbach. Es wird fast nur in Kommission geschliffen, d. h. der Großhändler, der seinen Sitz in Hanau ober Amsterdam hat, liefert die Diamanten und bekommt sie geschliffen gegen Lohn zurück.

Die Zigarrenheimindustrie (200 Arbei­

ter) ist um Offenbach (Groß- und Klein-Steinheim, Krotzenburg, Seligenstadt usw.) und in Oberhes ° s e n verbreitet.

In der Elfenbein - und Beinindustrie, die etwa 50 Arbeiter beschäftigt und im Kreise Er­bach ihren Sitz hat, sind die Verhältnisse etwas un­klar, weil vielfach der Arbeiter zum Zwischenmeister wird und seinerseits die Arbeit in Auftrag gibt bzw. selbst eine Werkstatt eröffnet und Arbeiter einstellt. Dann ist er nämlich selbständiger Unternehmer ge­worden. Vielfach sind hier die Grenzen verwischt. Die Entwicklung geht zum Werkstattbetrieb, weil der ursprüngliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer natür­lich den Zwischenmeister und damit den Zwischen­verdienst auszuschalten sucht.

In der Verbesserung der Lage der Heimarbeiter liegt wohl eines der dankbarsten Betätigungsfelder für die neuzeitliche Siedlungspolitik, und zwar käme für die Heimarbeiter die Werk- oder Kurz- arbeiterfieblung in Betracht. Man würde ihm zwei bis drei Morgen Land mit Haus und Kleinviehstall zuteilen, wodurch in wirtschaftlichen Krisenzeiten der Lebensunterhalt für ihn und seine Familie gewährleistet wäre. Aber auch der Ent- proletarifierung der Großstädte wäre auf demselben Wege näherzukommen, indem man die Betriebs­arbeiter, soweit dies, wie z. B. in der Offenbacher Lederindustrie, die die Eigenart des Produktionsvor­gangs zuläßt, auf dem Lande ansiedelt, wo sie neben ihrer siedlerischen Tätigkeit die ihnen vom Unter­nehmer verschafften Rohmaterialien zur Fertigware verarbeiten, die sie gegen Lohn an den Betrieb zu­rückliefern. Durch diese Anwendung siedlungspoli- tischer Grundsätze auf die Heimarbeit ergeben sich auch für unsere Heimat große Möglichkeiten.

*

** Vorlesungen eines Gießener Ge­lehrten in Frankfurt. Der außerplanmäßige außerordentliche Professor und Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Gießen Dr. Walter Schultze hat von dem preußischen Ministerium für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung den Auftrag er­halten, an der Universität Frankfurt a. M. das Fach der Dermatologie in theoretischen und klini­schen Vorlesungen für den Rest des gegenwärtigen Wintersemesters zu vertreten.

** Z u Erbhofrichtern ernannt. Wie das Personalamt mitteilt, wurden auf Grund des Reichs- erbhofgefetzes zu Erbhofrichtern beim Erbhofgericht in Darmstadt ernannt: Eduard Scharch in Wind­haufen (Kr. Alsfeld), Beigeordneter Heinrich Diehl in Münzenberg (Kr. Friedberg), Jakob Eugen Fischer in Flomborn (Rheinhessen), Bürgermeister Adam Jakob Weyrauch in Obermossau (Kreis Erbach im Odenwald). Zu stellvertretenden Erbhof- richtern wurden ernannt: Wolfram von garnier in Echzell, G. Magfam in Groß-Umstadt und Ludwig Zimmermann II. in Esselborn (Kreis Alzey).

**Diß Di en st räume des Arbeitsamts Gießen in der Alten Klinik werden am 1. Februar nach der Bahnhofstraße 90/92 (Haus Schwarz) verlegt. Aus diesem Anlaß bleiben die Diensträume in der Alten Klinik am 1. Februar geschlossen. Man beachte die heutige Bekannt- machung.

Sitzung

des Darmstädter Eondergerichts.

LPD. Darmstadt, 26. Jan. Var dem Straf- enat des Oberlandesgerichts standen heute fünf Kommunisten aus Bingen wegen Vorbereitung Zum Hochverrat. Der 34jährige Arbeiter und Führer der KPD. in Bingen Georg Reichardt, der sich kommunistische Flugblätter aus Frankfurt a. M. geholt hatte und sie mit anderen in Bingen verteilte, wurde zu drei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Reichardt hatte auch seinerzeit beim Separatisten­aufstand eine führende Rolle gespielt und war einige Stunden Oberkommandant von Schwabenhain. Der Arbeiter Ernst Klemm, Führer der KPD. in Sprendlingen (Rheinhessen), erhielt ein Jahr echs Monate G e f ä n g n i 5 ; die gleiche Strafe wurde auch über die Leiterin der Roten Hilfe in Bingen Frau Susanne Heller und den Metzger Franz Hoeser verhängt. Ein Jahr drei Monate erhielt der Schiffer Franz Schäfer.

Tabakschmuggler vor Gericht.

LPD. Darmstadt, 26. Jan. In einer viel- tünbigen Sitzung verhandelte heute das Bezirks­chöffengericht gegen sechs Schmuggler, die an der Saargrenze bei Ober-Aubach einen gro- ;en Tabakschmuggel betrieben hatten. Einer der Angeklagten war in Lampertheim fest- genommen worben, unb man fanb in feinem Auto auch kommunistische Zeitschriften het- zerischen Inhalts. Das Gericht verhängte olgenbe Strafen: Der Autoschlosser Hans Nau- mann aus Neunkirchen erhielt wegen fortgesetzten Tabakschmuggels unb Vergehens gegen die Zoll- und Steuergesetze eine Geldstrafe oon 25000 Mark und ein Jahr Gefängnis, der Tün- cher Bernhard H e r l e wegen Bandenfchmuggels 11000 Mark Geld strafe, ein Jahr drei Monate Gefängnis und Wertersatz oon 2300 Mark, der Dachdecker Philipp Heiser 3000 Dlarf Geldstrafe, zehn Monate Ge­fängnis und Wertersatz von 700 Mark, Karl Borger aus Pfungstadt 3000 Mark Geld- träfe, ein Jahr und drei Monate G e -- a n g n i s und Wertersatz von 3000 Mark, Georg

Hllsheimer 3000 Mark Geldstrafe, vier Monate Gefängnis unb Wertersatz oon 400 Mark, ber Kaufmann Philipp Fückel aus Nieber-Ramstabt 1 2 000 Mark Gelb strafe inb zwei Mo nate Gefängnis. Die Unter- uchungshaft wirb ben Angeklagten nicht angerech- net, ba sie burch ihr fortgesetztes Leugnen bie Unter» uchungshaft in bie Länge gezogen haben.

Verbotene Werbung.

LPD. W e tz a r, 28. Jan. Das Schöffengericht Wetzlar verurteilte ben Erwin W. aus Wetzlar we­gen unberechtigten Tragens ber NSBO.- Uniform unb bes Hoheitszeichens bei ber Werbung für Zeitungen und Zeit- ch r i f t e n zu einer Gefängnisstrafe oon chs Monaten. Auch nach dem Werbeverbot des Stellvertreters des Führers trieb ber Verurteilte eine Methobe weiter. Er fuhr mit feinem Kraft­wagen in Zivil aus ber Stabt heraus unb zog sich draußen um, ehe er in ben ßanborten feine Tätig­keit begann. Auch bie Warnung ber Wetzlarer Kreis­leitung hatte er in ben Winb geschlagen. Bei ber Prüfung feiner politischen Vergangenheit ergab sich, daß er im Sommer 1932 einen holländischen Kommuni st en in seiner Wohnung beherbergt hatte. Nach feiner Anmeldung in die NSBO. im April 1933 erhielt er nur eine vorläufige Mit­gliedskarte, bie ihn nicht zum Tragen eines Ab- Zeichens ober der Uniform berechtigte.

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