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Das Rätsel einerFrühlingsnachi

Vornan von Gert Gothberg.

Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Derlag, Halle, Saale

11 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Diese hier auf dem Bilde schmückte der Reiz einer köstlichen Jugend. Und die Augen waren wie Sterne, so leuchtend und rein!

Hatte Venjo Holm wirklich einmal Lelia so ge- sehen?

Graf Härtlingens große Augen streiften forschend des Malers Gesicht.

Ganz ruhig, ganz kritisch erwog er, ob Venjo Holm jene Lelia vielleicht wirklich einmal so ge­sehen?

Als berühre ihn das alles nicht, als denke er über das Geschick zweier fremder Menschen nach, als stehe er selbst mit seinem eigenen Dasein diesen zwei Menschen fern, um die es sich hier handelte.

Venjo Holm erhob sich. Seine Augen blickten feindselig auf den Schloßherrn.

Du meinst, das sei Lelia? Du irrst dich! Das ist nicht Lelia!"

Nicht? Wer ist es dann, bitte?"

Das ist mein Geheimnis."

Rudolf Härtlingen blickte auf den Freund, voll Sorge, mit leisem Grauen.

War Venjo Holm vielleicht irrsinnig geworden?

Der Künstler blickte aus hohlen Augen auf das Bild. Dann griff er wieder nach dem Pinsel, wandte sich noch einmal herum.

Ich schenke dir das Bild, Rudolf. Nur für dich habe ich es gemalt. Aber Lelia ist es nicht."

Venjo Holm vollendete das Bild. Vollendete es mit seiner ganzen großen Künstlerschast.

Und es war doch Lelia!

Wer sollte es denn sonst auch sein? So wieder­holte sich die Natur nicht nicht einmal zwischen Schwestern.

Schwestern?

Rudolf Härtlingen dachte flüchtig, daß Lelia eine jüngere Schwester gehabt hatte. Die war irgendwo in einem Pensionat gewesen, und Lelia hatte nie gewollt, daß diese junge Schwester einmal auf Be­such nach Schloß Härtlingen kam. Er hatte dem Grunde der Ablehnung nicht nachgegrübelt. Es war allein Lelias Sache, wen sie von ihren Verwandten sehen wollte und wen' nicht. Also jener Schwester würde Lelia nicht gleichen, als sei sie es selbst, Lelia!

Lelia, wie der Künstler sie^emalt, wie der Phan­tast sie sah, und wie sie in Wirklichkeit niemals gewesen war!

Nun hing das Gemälde im großen Gartensaal von Schloß Härtlingen. Scheu blickte der alte Gor- mann auf dieses Bild.

Was sollte das nun wieder heißen?

Er wurde nicht mehr klug aus seinem Herrn. Schon lange nicht mehr.

Mit bösen Blicken auf das Bild des schönen

blonden Geschöpfes verließ Gormann den Garten­saal. Aber er hatte seine Genugtuung. Denn auch die Komtesse Amalie, kurzweg Tante Molchen ge­nannt, stand kopfschüttelnd vor diesem Bilde.

Ein Lungenschlag beendete an einem warmen Juniabend Venjo Holms zerstörtes Leben.

Er hatte ganz friedlich mit Härtlingen und dessen Tante auf der Veranda gesessen, als ihn der Tod ereilte.

Armer Junge!" murmelte Rudolf Härtlingen. Armer, genialer Junge, der du an der Frau zer­brachst!" *

Venjo Holm ruhte auf dem kleinen Dorffriedhof, und Tante Molchen schmückte auch sein Grab mit frischen Blumen.

Graf Rudolf Härtlingen aber stand sehr ost vor dem wundervollen Gemälde im Gartenzimmer.

Lelia?

Nein! .

Niemals kam er hierher, weil dieses Bild jene Lelia darstellte. Jene Lelia ohne Treue!

Die großen, schönen, tief dunkelblauen Augen zwangen ihn in ihren Bann.

Lelm?

Venjos Geist mochte umnachtet gewesen sein, dar­um hatte er sagen können, es sei eine andere Frau, nicht Lelia!

Venjos vom Wahnsinn umdunkelte Liebe hatte eine Lichtgestalt geschaffen. Er hatte Lelia durch einen Schleier gesehen.

Auch jetzt stand Graf Härtlingen hier vor diesem Bilde.

Und während er in den schönen Zügen forschte, dachte er noch einmal an diese junge Schwester Lelias.

Wo mochte sie sein?

Graf Härtlingens Gesicht verfinsterte sich.

Wie kam er dazu, an diese Schwester Lelias zu denken? Was ging sie ihn an? Der vortreffliche Vater mochte sie inzwischen längst zu sich geholt haben. Er würde doch einen neuen Lockvogel ge­braucht haben für seine dunklen Machenschaften?

Fort mit diesen Gedanken! Die Vergangenheit war tot, sollte tot sein.

Aber immer wieder sah Graf Härtlingen in das chöne Gesicht, dem ein kranker Phantast diese Rein­heit verliehen, die in Wirklichkeit nie darinnen ge­wesen war.

Die Verwandten kamen! Kleinlaut und in höchster Ungewißheit, wie Rudolf ihren Besuch aufnehmen würde. Aber es wurde bann so, wie man es über­haupt nicht in Erwägung gezogen. Tante Molchen empfing sie alle mit größter Freundlichkeit: die Gor­mann setzte das Beste vor, was sie in der Küche und im Keller hatte, und der Graf ließ sich nicht ehen.

Rudolf ist jetzt viel in seinem Vorwerk. Man kann da nie sagen, wann er zurückkommt", meinte Tante Molchen und lächelte die Verwandtschaft an.

Sie fühlten, was vor sich ging, und saßen mit roten Köpfen da. Onkel Eno richtete sich steif auf und sagte zürnend:

Amalie, was soll das heißen? War es nicht

schlimm genug, daß du schon damals immer zu ihm hieltest, wo jeder vernünftige Mensch ihn eben doch für einen Mörder halten mußte? Ich habe keine Ursache, hierher zu kommen, und mich vor meinem Reffen zu demütigen. Ich tue es trotzdem, weil ich nicht möchte, daß in der Familie noch länger eine Feindschaft zwischen einzelnen Mitgliedern besteht. Deine Pflicht war es, zu vermitteln, und jetzt sehe ich an deinem Lächeln, daß du diese Starrköpfigkeit Rudolfs gutheißt."

Tante Molchen behielt ihr freundliches Lächeln.

Ja, ehe ich's vergesse: Rudolf verreist in nächster Zeit. Er möchte bis dahin nicht gestört fein. Aber nach seiner Rückkehr wird er sich erlauben, euch so­fort seinen Besuch zu machen."

Onkel Eno war besänftigt.

Wie lange gedenkt Rudolf zu bleiben?" fragte er bann.

Oh! Eine kleine Weltreise! Vielleicht so zwei bis brei Jahre! Er weiß es noch nicht so genau!" meinte Tante Malchen gleichmütig.

Graf Eno ftanb auf.

Mit einem Felbherrnblick umfaßte er bie Seinen.

Kommt! Wir werden hier zum Narren gehalten! Amalie! Ich könnte dich bitten, sofort mit mir nach Hause zu fahren. Aber ich will mich um nichts mehr kümmern. Nur so viel: Sollte dich dein jetzi­ges Verhalten später einmal reuen, bann bist bu bei uns willkommen. Ich werbe es bir nicht nach­tragen."

Mit biefen letzten Worten, bie der Rente Tante Malchens galten, verschaffte sich Graf Eno einen nach seiner Meinung roürbigen Abgang: aber es kochte in ihm.

Tante Molchen ftanb auf ber Terrasse unb sah bem Wogen befriebigt noch.

*

Venjo Holm hotte keinen Menschen mehr besessen, ber zu ihm gehörte. Er hotte olles, was er an kleinen Wertsachen besaß, Rubolf vermacht. In einem kleinen Kästchen ruhte bas alles, unb bieses Käst­chen ftanb noch unangetastet im Schreibtisch bes Schloßherrn.

Holm war nun bereits ein Vierteljahr tot.

Wie schnell biefes Vierteljahr vergangen war! Trotzbem er boch nun wieber ganz auf Tante Mal­chens gutes, vernünftiges Geplauber angewiesen war, bachte Rubolf manchmal an ihn.

Es war ein Regentag.

Trübe, grau unb unfreunblich wölbte sich ber Himmel über bie Erbe. Es goß in Strömen. Den tüchtigen Lanbwirt freute biefer Regen, benn bie Felber hatten gebürstet.

Einzeln fielen jetzt bie Tropfen auch an bas Fenster, bas ber Wetterseite entgegen lag. Der Himmel umzog sich noch mehr. Es würbe bunfler unb bunfler.

Graf Härtlingen legte bie Bücher beiseite.

Es war keine Unwahrheit gewesen, was Tante Molchen ben Verwonbten gesagt. Er reifte tatsäch­lich in ben nächsten Tagen ab.

Auf wie lange?

Er hätte es nicht zu sagen gewußt.

Jahre würben bestimmt baraus.

Graf Härtlingen stützte ben bunflen Kopf in bie Hanb.

Erinnerungen?

Fort!

Zu feinen Erinnerungen gehörte Lelia!

Sie, an ber er beinahe zerbrach.

Bis er von ihrer Untreue erfuhr.

Untreue?

Eine Lelia hatte nichts mehr zu verlieren.

Nichts! Nichts!

Nicht ber Freunb trug bie Schulb! Nur sie! Sie allein!

Wieberum auch nicht!

Der Vater?

Jener elegante alte Weltmann mit ber bunflen Herkunft, bie er so täuschenb zu übertünchen Der« ftanb?

War er es, ber bie alleinige Schulb trug, baß Lelia so werben fonnte?

Vielleicht!

Vielleicht auch wieber nicht!

Legte bie Natur bem Menschen nicht selbst bas ins Herz, was sie brin sehen wollte? Unb war es sinnlos, einem anbergn Menschen bie Schulb zu« zuschieben an bem, roas jein unb nicht sein burfte? Mußte nicht vielmehr ber einzelne Mensch selber mit ben Gewalten fertig zu werben suchen, mit ben Gewalten, bie in ihm wohnten?

Hatte Lelia nicht vielleicht begierig biefes lockere Leben aufgegriffen, bas ber Leichtsinn bes Vaters ihr bot?

Graf Härtlingen richtete sich auf.

Seine Liebe zu Lelia war tot, war erloschen! Sie schien ihm jetzt unfaßlich. Unb noch immer schalt er sich einen Narren, weil er biefer Frau hatte so ganz unb gar verfallen fönnen.

Das Bilb!

Weshalb zog es ihn immer unb immer wieber zu biefem Silbe, bas Venjo Holm gemalt?

Weil Venjo feine letzte große Kunst in biefes Bilb legte, und weil es Lelia darftellte, wie sie noch rein unb schuldlos gewesen sein mochte."

Rubolf Härtlingen zog bas Fach bes Schreib- tischs gebanfenlos auf. Gerabe in biefem Fach ftanb bas Kästchen, bas Venjo Holm ihm einige Tage vor seinem Tobe übergeben hatte.

Vorsichtig stellte ber Graf bas feine geschnitzte Elfenbeinkäftchen vor sich hin. Erst jetzt erfannte er, wohl weil er es zum ersten Male richtig be­trachtete, ben Wert bes fleinen schönen Kunstgegen« ftanbes.

Was für Arbeit war es?

Indische Kunst vielleicht?

Härtlingen öffnete ben Deckel.

Briefe!

Lelias Schrift!

Weshalb hatte Venjo ihm gerabe diese Briefe übergeben?

Weshalb hatte er sie nicht vernichtet?

Die Hand des Grafen langte nach ben Briefen.

Ein Rauschen im Zimmer.

Neben bem Schreibtisch ftanb jemanb.

Lelia?

Lelia!

Durchsichtig, blaß, unirbisch, legte sie bie Hand auf bie Briefe.

Dann war bie Erscheinung wieber fort.

Graf Härtlingen ftanb auf.

(Forts^una * HM

Amtliche Bekanntmachungen des Kreisamts Gießen.

Es liegt Veranlassung vor, auf bie Bestimmungen der Allgemeinen Straßenverkehrsordnung vom 21.10.1927 (AVBl. Nr. 77) hinzuweisen, wonach Fuhrwerfe wahrend ber Dunfelheit unb bei ftartem Nebel minbestens eine hellbrennenbe Laterne mit farblosem ober gelblichem Glase führen müssen. Ebenso müssen Fahrräder während der Dunfelheit unb bei starkem Nebel mit einer hellbrennenden Laterne mit farblosem ober gelblichem Glase ver­sehen sein, welche ben Lichtschein nach vorne auf bie Fahrbahn wirft.

Ferner wirb auf bie Verorbnung über bie Hinte­ren Leuchtzeichen ber zweiräbrigen Kraft- unb Kleinkrafträber sowie ber Fahrräber vom 27.4.1929 (RGBl. S. 388) hingewiesen, wonach jebes Rab bei Dunkelheit ober starkem Nebel mit einem Hinteren Leuchtzeichen von gelbroter Farbe versehen fein muß. In nächster Zeit werben häufig Kontrollen burch bie ©enbarmeriebeamten unseres Bezirkes vorgenommen werben, ob biese Bestimmungen von ben Fuhrwerksbesitzern unb Radfahrern beachtet werben. Im Betretungsfalle wirb unnachsichtlich Strafanzeige erfolgen. 581C

*

Nachdem die Schafräude unter der Schafherde der Gemeinde Garbenteich erloschen ist, werden die durch unsere Verfügung vom 6. November 1933 (Amtsverkundigungsblatt Nr. 60 vom 7.11.1933) ungeordneten Schutzmaßnahmen hiermit aufgehoben.

Mit Entschließung vom 6. Januar 1934 zu Nr. 1/e 344 hat das Hessische Staatsministerium, Abteilung 1/e für Landwirtschaft, Darmstadt, den Zuteilungsplan der Gemarkung Trohe einschließlich ber Gemarkungs­grenzregulierung mit Alten-Buseck für vollziehbar erklärt.

Der Hessische Felbbereinigungskommissar bestimmt nunmehr als Zeitpunkt der Ausführung (Eigentums- ubcrgang) gemäß Artikel 51 Absatz 2 des Feldberei- mgungsgesetzes den 1. Februar 1934 und überweist hiermit mit Wirkung von diesem Tage an den Be­teiligten die neuen Grundstücke unter Vorbehalt ber besonbers getroffenen Vereinbarungen unb Anord­nungen.

Die Überweisung erfolgt unter folgenden beson­deren Bedingungen:

1. Meliorationen können auch fernerhin auf ben neuen Grundstücken vorgenommen werden.

2. Die beteiligten Grundeigentümer müssen sich eine Veränderung der Zuteilung gefallen lassen die infolge der Ausführung von Meliorations­arbeiten, der Anlage von Wegen, Gräben und dergleichen innerhalb ber Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden. Ein hier­durch bedingter Ab- unb Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitäts- wert vergütet bzw. zugeschrieben.

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Bekanntmachung.

Die Dienffräume des Arbeitsamts Gießen, £iebiq- straße 16 (Alte Klinik) find wegen Umzugs am 1. Fe­bruar 1934 geschlossen. Ab 2. Februar 1934 befinden ßch die bisher in der Liebigstraße 16 gelegenen Dienstraume in ber Bahnhofstraße 90/92 (haus Schwarz). Mit bem gleichen Zeitpunkt werben bis auf weiteres die Sprechstunden in allen Versiche­rungsangelegenheiten auf Donnerstags, vormittags 8 bis 13 Uhr, festgesetzt. Außerhalb dieser Zeit findet keine Abfertigung statt. 575D

Arbeitsamt Gießen,

Bekanntmachung.

Der vorn Gemeinderat beratene und genehmigte Voranschlag der Gemeinde Watzenborn-Steinberg, nprm^rn1 « ab ocht Tage lang auf hiesiger Bür- 2-^terei offen, und können Einwendungen wäh- rend d.eser Zeit dortselbst geltend gemacht werden. mäX^H UmIa9ue ?rI)oben' wozu auch die Aus- m to beigutra9en haben. 584D

Watzenborn-Steinberg, ben 27. Januar 1934 hessische Bürgermeisterei:

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