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Nr. 278 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Mittwoch, 28. November 1934
Ein ünierhalinngsnachmiiiag für Saarkinder.
Den Saarkindern, 320 an der Zahl, die sich gegenwärtig im Kreise Gießen zum Ferienaufenthalt befinden, wurde gestern nachmittag eine angeregte Unterhaltung geboten. Die Jungens und Mädels, die zum Teil mit ihren Pflegeeltern aus den Orten des Kreises kamen, wurden um die Mittagszeit vom Jungvolk am Bahnhof abgeholt und mit Pfeifen- und Trommelklang nach dem Cafe Leib geführt.
Cs war eine aufgeräumte, erwartungsfrohe Ge- ssellschaft, die mit ihrem vielstimmigem Geplapper Len Saal des Caf6 Leib bis zum letzten Platz füllte.
Gäste, als auf der Bühne das Jungvolk austrat und mit Fanfaren und Trommeln einen schneidigen Marsch in den Saal schmetterte.
Das Jungvolk, das da auf der Bühne stand, bot ein Bild disziplinierter Kraft und eines einheitlichen Willens. Sicherlich wird mancher der Jungens von der Saar mt verständlichem Neid auf die Kerle geblickt haben, die da auf der Bühne standen, Trompeten hatten und schneidige Uniformen. Welcher Junge wollte das nicht auch?!
umschließe. Wenn sie wieder nach Hause zurück- kämen, würden sie ja zu erzählen wissen, wie hier die Jugend marschiere, wie sie bereit sei, wenn es sein müsse, für Deutschland einzustehen und für die Saar mit allen Volksgenossen an der Saar. Den Pflegeeltern könne gesagt werden, daß die Kinder für die freundliche Aufnahme dankbar seien. Der Dank sei in ihrer aller Augen zu lesen. Ueberall zeige sich die neue Gemeinschaft, und die Jugend stehe mit begeistertem Herzen in dieser Gemeinschaft. Für uns alle gebe es nur noch ein Volk und einen Führer. Für uns gebe es nicht mehr katholisch und evangelisch, sondern nur noch deutsch.
Der weitere Verlauf des Nachmittags
brachte noch verschiedene interessante Darbietungen. Die Spielschar Alten-Buseck gab in kurzer Aufführung das Schicksal eines saarländischen Bergmannes wieder. Ein Gedicht in saarländischer Mundart fand bei den Kindern natürlich besonderen Beifall. Die Jungmüdels warteten dann mit Bodenübungen auf, bei denen sie viel Geschicklichkeit bewiesen. Das Jungvolk bot noch einen zackigen Heimatabend und sang dabei verschiedene Lieder und Morimten, denen der Erfolg von vornherein sicher war. Eine Ziehharmonika fehlte im Kreise der lustigen Jun
gens nicht, die mit großer Freude den Saarkindera zeigten, wie ein Heimabend gemacht wird. Ein Sprechchor (JV. und BdM.) beschloß das unterhaltende Programm. Begeistert wurde das Saarlied gesungen.
Die Sozialreferentin im Gau Saar, Helene Spelger,
die sich bisher um die Saarkinder sehr verdient gemacht hat, hielt noch eine kurze Ansprache und gab dem Dank der Eltern und Kinder von der Saar an die Pflegeeltern Ausdruck. Sie betonte, daß dis Kinder niemals diese Wochen vergessen würden, die sie im Mutterlands verleben durften. Wenn am 13. Januar die Saar mit dem Reich vereinigt werde, dann würden Kinder aus dem Mutetrland im Saargebiet ebenso herzliche Aufnahme finden, wie sie die Kinder von der Saar in Oberhessen fanden.
Inzwischen hatte für viele der Kinder und Pflege- eitern die Abschiedsstunde geschlagen, denn der größte Teil der Teilnehmer an diesem Unterhal- tungsnachmittag mußte mit den Zügen wieder zurück. Sicherlich wird all den Kindern, die diesen Nachmittag miterleben durften, die Erinnerung daran lange lebendig bleiben.
Kuchen und Kakao schmecken den Kindern
Das alte Traumschiff.
Von Cläre Gchmidt-Aomberg.
Ja, so ist das nicht, daß man sich da etwa
..... . . „ . , so
i fach hineinlegen könnte wie in andere gewöhn- fioie Betten. Man muß einsteigen! Man muß, wie
-k einem Fahrzeug, zuerst auf ein Trittbrett stei- m, dann muß man sich mit den Händen auf den Mtrand stützen, sich einen kühnen Schwung nach lt'n, versteht sich, nach rückwärts geben, und dann it man endlich angelangt. Dann ist man wie in ir»cr kleinen Behausung für sich, man kann die Turbinen vorziehen und sagen oder singen: „Laß, Welt, o laß mich sein." Behaglich streckt man sich u» — Platz wäre noch für zwei Schlanke längs nn zwei Kleine quer — und man stellt mit Ent- iifen fest, was die Leute um 1600 für einen tiefen iinn für die Behütung des Schlafes hatten.
Zierlich gedrechselt sind die Säulen, die den Bett- inmel tragen. In seiner Mitte ist eine Anbetung ei Kindes eingelassen. Sie könnte von Murillo ei-. Vor altersdunklem Grund eine junge lächelnde Ritter mit einer Strahlenkrone um den Kopf, an« dpinenb eine Andalusierin — in blassen, braun» Denen, dunkelblauen und rötlichen Farben. Auf hrm rechten Arm neigt sich das nackte Kindchen irchzend zu dem davor knieenden heiligen Franzis- ü. Mutter und Kind sind von holdseligem Zauber, n Heilige in seiner anbetenden Haltung strahlt hingebendste Liebe aus. Der Blick zu ihnen hin- cu ist eine süße Wohltat für die tagesbedruckte tbn- traumverwirrte Seele — immer ein Gruß cu. jenem Himmel, von dem ein Mozart, ein Gluck, (ir Haydn ihre tröstenden Melodien empfingen.
Suter treuvorsorgender Eichbaum — wo magst n wohl einst in majestätisch ragender Pracht ge- a iden haben? Noch flammt aus deinen Masern x: Sonne, die dich vor Jahrhunderten heranwachsen I. Du schön aufgerichtete Herberge zur täglichen tödigkeit. Hinter deiner in Spitzbogen gegliederten cuustrade am Fußende mögen sich einstmals, als e Sitten noch heiterer und freier waren, galante i allere versammelt haben in den koketten Kostü- t: jener Zeit, Kavaliere, die noch Sinn für Putz iten, für all den unwiderstehlichen Tand, für itzen, Jabots, für farbige Eskarpins, für bunt- l ferne Strümpfe und blitzende Schnallenschuhe — rnner, die noch Zeit hatten, dem „Lever" ihrer cundick beizuwohnen, der du, mein prächtiges ?t sicherlich schöner standest als ihr schönstes
\ umkgewand. Welch heiterer Unterhaltungen —.
(In freundliches Zeichen war es den Kleinen schon, ’ l-5 sie den festlich geschmückten Saal betraten und mf den weiß gedeckten Tischen lange Serien von kaffeetaffen aufgebaut sahen und in der Mitte der Usche — in nicht allzu großen Abständen — hoch Nit Kuchen gefüllte Teller. Viele griffen gleich tmad), andere warteten noch ab, bis es auch Kali o gab, der im Laufe des Nachmittags in unge» fiuren Mengen floß. Ueberflüffig zu sagen, daß dir erste Eindruck von dieser Zusammenkunft über» eis günstig ausfiel. Das Schmausen mit vollen Sbcfen Hub aber erst an, als der Kreisamtsleiter b< NSV., Pg. Klöß, die Kinder im Namen der A^>V., des BdM., des Jungvolks und der Stadt- nrroaltung herzlich willkommen hieß und auffor- birte, es sich recht gut schmecken zu lassen und einige vergnügte Stunden zu erleben. Jungmädels üib die Mädels des BdM. hatten nun alle Hände vcll zu tun. Immer wieder mußten die Kannen rfd) gefüllt werden. Immer noch wurde Kuchen n den Saal gebracht, der fast ebenso schnell auch wieder verschwand. Unser Bild spricht deutlicher als alle Worte. Im Zusammenhang damit sei aber aiich all der Mädchen gedacht, die sich in völlig uneigennütziger Weise in den Dienst der Sache stell- ten und auf einem unscheinbareren, aber nicht min- bi~ wichtigen Posten zum Gelingen der Deranstal- tng beitrugen: in der Waschküche standen die Mäd- d) n des BdM. und wuschen, nachdem der Haupt- a-ffturm auf Kakao und Kuchen vorbei war, mit unendlicher Geduld hunderte von Tassen ab und (trnfen wieder Ordnung, wo es notwendig war.
JSine gut besetzte Kapelle — Mitglieder des Mu- sllorps unserer hiesigen Reichswehr — wartete zu- luchst mit schneidiger Musik auf und unterhielt auch ir weiteren Verlauf des Nachmittags. Sehr erstaunte Augen gab ss dann bei vielen der kleinen
gut. — (Ausnahme: Photo-Psass, Meßen.)
Jungmädels fangen dann zwei ihrer frischen Lieder („Hörst du die Landstraß'" und „Ich hab mir mein Weizen aufs Bergli gesät"). Der Chor hatte es zwar schwer, sich gegen den lauten Betrieb, der im Saale herrschte, durchzusetzen, nach den ersten Vers- zeilen gelang es aber doch, und schließlich dankten die kleinen Zuhörer mit lebhaftem Beifall.
Ein endloses Hälserecken gab es dann, als auf der Bühne ein Tanzspiel in mehreren Bildern zur Aufführung gelangte. Da war manchem der Knirpse der Stuhl unb anderen der Tisch kaum hoch genug. Tische und Stühle rourben'im Stehen belagert, denn niemand wollte sich auch nur einen Bruchteil des Geschehens auf der Bühne entgehen lassen. Unter der Leitung von Frl. Maja von Rabenau tanzten etwa 30 Mädchen, die die Bühne für geraume Zeit in ein Märchenreich verwandelten. Der vielfache tänzerische Ausdruck, die lebendigen Bewegungen in den fein-farbigen, langwallenden Gewändern (die durchweg von der Leiterin der Vorführung in mühsamer Arbeit hergestellt waren) hatten es den Kindern angetan, und sie dankten nach jeder Szene mit lebhaftem Beifall. Herr Paul Nieren vom Stadttheater unterhielt in den Pausen mit luftigen Zwiegesprächen, die er zwischen den Kindern und sich entfesselte. Auf jede seiner Fragen bekam er in lautem Sprechchor die Antwort.
Als Vertreter der Kinderlandverschickung Hessen- Nassau hielt
Oberjungbannführer Streubing
eine kurze Ansprache. Mit Stolz könne man an die Bevölkerung in Hessen-Nassau denken, wenn man höre, daß im Gebiet nicht weniger denn 4500 Saarkinder untergebracht werden konnten. Die Kinder seien ausgenommen worden, weil in ihnen deutsches Blut fließe und uns alle ein gemeinsames Schicksal
aber auch welcher Verirrungen, welcher Aengste und welcher Beseligungen magst du, mein altes Himmelbett ehemals verschwiegener Vertrauter gewesen sein. —
Aber auch ein Schmäcklein Geistlichkeit ist im unnennbarem Fluidum deines ehrwürdigen Alters. Vor mir auf dem Tischchen, das auf ebensolch zierlichen Säulen wie der Betthimmel ruht, liegt ein golddurchwirktes, mit roten Rosen gesticktes Meßgewand. Vielleicht gehörte es dem geistlichen Herrn, dem einst eine meiner Vorschläferinnen dich altes Bett vermacht hat?
Wie käme es sonst, daß es mich ausgerechnet in diesem Bett immer zwingt, morgens und abends nachzudenken über die Eitelkeit der Weit, mich, die ich auf allen Reifen, wenn ich mit himmellosen Betten vorliebnehmen muh, immer durchaus weltlich, den Kopf voller Pläne und Ziele höchst irdischer Art einzuschlafen und zu erwachen pflege?
Auch geschieht es mir in solchen Allerweltsbetten nie, was ich in meiner alten Schlafgondel so oft erlebe, daß ich — als Kind meiner Zeit — im Traum durch die Wohnstätten vergangener Jahrhunderte gehe, wobei ich dann die Menschen jener Tage in ihren damaligen Trachten sehe und mit ihnen wie mit alten Freunden spreche. Manchmal überkommt mich dann tags darauf plötzlich ein heftiges Verlangen, mich in jene alten Traumzimmer begeben zu dürfen, wo immer in der Dämmerung einer Ecke die glücklich vertraute Wiege leise schaukelte, — die jetzt unten an meinem SBett steht und Flickwäsche aufbewahrt — wo liebliche Kinder in mittelalterlichen Kleiden, um mich her spielten — und wo du, mein altes Bett, ganz unter deinesgleichen standest — kein Fremdling in der Zeit.
Wenn du doch erzählen könntest, wie du wechselndes Dasein begleitetest! Ihr alten mächtigen Schränke, wenn ihr doch reden könntet, wie ihr von Generation zu Generation gewandert seid, bald beiseite gestoßen zu altem Gerümpel, dann wieder beim Althändler neu aufgefrischt, als Prunkstücke angepriesen wurdet und beim Liebhaber zu neuen Ehren gekommen seid. — Feierlich vornehm, sozusagen in streng verschlossener Zurückhaltung, stehen sie da und scheinen zu warten. Worauf warten sie, die Jahrhunderterfahrenen? Worauf warten die schlanken florentinischeit Lampen, auf dem gotischen Apostelofen, der auch schon seine guten dreihundert Jahre auf feinen Lowentatzen steht und seitdem in grünen Kacheln biedere alte Handwerker, als Apostel hergerichtet, zeigt? Und ihr beiden süßen barotfenen
Aus der proviuzialhauptstadi
wird
Die Anekdote als Erzieher.
Wort ist dann auf die Lebensarbeit des Herrschers
feierlich gleiten auf dem grünbraunen Wasser die übertragen worden, und das ist in einem höheren Lastkähne zu Tal — herrisches Gebrause vor sich Sinne durchaus berechtigt, denn über seinem ganzen herschickend schnaufen und prüften die Züge jenseits Dasein stand dieser Wahlspruch. Die Volksphantasie des Flusses dahin — alles teilt mir in feinem Vor- preßt ihren Eindruck von hervorragenden Gestalten übereilen die Melodie feines Wesens mit. in solche knappen Wesenszüge zusammen und wirkt
Aber hinter all den gleitenden Dingen steht ein damit ebenso schöpferisch wie der epische Sänger,
im Frühwind immer leise kopfschüttelnden Bäume um das alte Traumschiff, in dem ich liege, und alles scheint mir, mit mir zu warten und mit mir zu lauschen auf die alles durchdringende Frage, die schon der Evangelist Lukas durch alle Dinge der Welt hat Hingen hören. Denn er sagt: „Die Menschen verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden."
sommerlich gesättigt in brennenden Herbst und endlich zu winterlichem Einfrieren übergeht. Lautlos
Engelbuben oben auf meinem Wäscheschrank? — Wie schalkhaft setzt ihr den Bogen an zur Bratsche und Violine!
Wartet ihr nur auf das Zauberzeichen, um mir — ober nein — um dem verklärt lächelnden Leuchterweibchen, das mit andächtig vor der Brust gekreuzten Händen in immerwährendem Gebet vor euch hängt, eine Serenade darzubringen? Etwa eine jener bezaubernden Gavotten, die die Meister eures Jahrhunderts euch in so verschwenderischer Fülle geschenkt haben?
Auch die Landschaft, die vom Fenster zur Linken meines Bettes eingerahmt wird, selbst sie scheint zu warten. Mit den altrotseidenen Vorhängen des Bettes oder auch mit meiner Hand kann ich die ganze Landschaft zudecken, den Bergabhang jenseits des Flusses, den Bahndamm mit den vorüber- ziehenden Eisenbahnen, die wechselnd belebte Landstraße und den träge fließenden Strom. Und strecke ich die Hand neben meinen Augen aus, dann bin ich auf einmal das Riesenfräulein, das auf der Handfläche jetzt ein schweres Bauerngefährt mit seinen ßaftgäulen, dann ein rasendes Auto, jetzt einen Zug mit langer weißer Rauchfahne vorüberziehen lassen kann: winziges Spielzeug. Seltsam kann sich einem die Welt verwandeln — vom Bett aus gesehen.
Diese Landschaft im Fensterrahmen ist wie meines Bettes Seitenvorhang, in ihn hineingewebt das immerwährende Warten der Jahreszeiten aufeinander, jetzt ein frühlingsgrünes Leuchten, das bald
— Tageskalender für Mittwoch: NS.- Frauenfchaft Gießen, 20.30 Uhr, Cafck Leib, öffent»
kaufe beim Einzelhändler!
Goldenes Doklorjubiiäum von Geheimrat Krüger.
Von der Pressestelle der Universität Gießen uns mitgeteilt:
wonnen hat. Die Landesuniversität und die völkerung Gießens freuen sich dieses schönen biläums, das einer ihrer Besten feiern darf, bringen ihre herzlichsten Glückwünsche dar.
Vornotizen.
Gießener Einzelhändler werben!
Die Bilddarstellung auf der Sonderseite mit den Empfehlungsanzeigen vertrauenswürdiger Unternehmungen des Gießener Einzelhandels in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers führt uns zurück in das 17. Jahrhundert. Es wird gezeigt, wie Prunk und Aufwand einer reichen Zeit auch dem Handel und den Gewerben zur Blüte und zu Wohlstand verhalfen. Wir leben heute in einer armen Zeit. Es ergibt sich daraus die Verpflichtung für jeden Volksgenossen, Handel und Gewerbe nach Kräften zu unterstützen, wie auch sie sich in jeder Weise bemühen, ihrer Tradition gerecht zu werden. Der Einzelhandel verfolgt den Grundsatz der besten Leistungen bei größter Auswahl und gerechter Preisbildung. Deshalb:
Warten. Und in der Frühe, wenn ich von der Höhe meines Lagers auf das Ringsumher schaue, froh und erwartungsvoll auf den neuen Tag, dann drängen sich die alten Dinge meines Zimmer^ und die dunklen alten Berge da drüben und die dunklen
Vor wenigen Tagen hat die Philosophische Fakultät der Universität Jena ihrem alten Schüler, dem emeritierten Kirchenhistoriker unserer Landesuniversität Geheimrat Gustav Krüger nach dem Ablauf von 50 Jahren das Doktordiplom erneuert. Die lateinische Urkunde gedenkt seiner hervorragenden Leistungen als Geschichtsschreiber der Kirche und christlichen Lehre, seiner ausgezeichneten akademischen Lehrtätigkeit und seiner weisheitsvollen Arbeit in der Universitätsverwaltung (er war zweimal Rektor der Hessischen Landesuniversität) und rühmt ihn zuletzt als dankbaren Schüler und treuen Freund der Universität Jena.
Der dreifache Doktor — Krüger trägt ehrenhalber auch die Würden eirtTs Doktors der Theologie und eines Doktors der Rechte — wird den in der Jugend erworbenen philosophischen Doktor als besonders zu sich gehörig empfinden. Denn in ihm ist der erste Erfolg in dem Aufstreben des jungen wissenschaftlichen Geistes festgehalten. Er verbindet ihn dauernd mit der damals noch immer von einem Hauch der klassischen Dichtung umwobenen Universität Karl Hases, seines sprühenden Lehrers, dessen Gabe künstlerischer Geschichtsschreibung in Krügers Arbeiten neues Leben ge=
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damit ebenso schöpferisch wie der epische Sänger, der ein Heldenlied gestaltet. So sind also die Anekdoten kostbare Prägungen der volkstümlichen lieber« lieferunaunh besitzen als solche einen hohen erzieherischen Wert, wie Rudolf Hoffmann in einem Aufsatz her „Zeitschrift für deutsche Bildung" betont, in dem er die national-politische Bedeutung der Anekdote behandelt. Der Charakter ganzer Völker und Kulturen wird hier festgehalten. So tritt z. B. in der Anekdote der Griechen mehr die hohe Lebens- kunst, bei den Römern mehr das Heldentum hervor. Jedenfalls sollte die Anekdote eine bevorzugte Stelle im Unterricht erhalten.
liche Kundgebung; Rednerin: Gaufrauenschastslei- terin Brinkhoff-Frankfurt a. M. — Ortsgruppe Gießen-Ost, 20.30 Uhr, Schützenhaus, Zellen 6 und 7, Zellenabend. — NSLB. Gießen-Land, Arbeitsgemeinschaft „Volksschule", 15.30 Uhr, Hotel Köhler, Tagung. — NSLB. Kreis Gießen, Arbeitsgemeinschaft für körperliche Erziehung, 15,30 Uhr,' Turnhalle Schillerschule, Uebungsstunde des Bezirks Gießen-Stadt und -Land. — Stadttheater, 19.30 bis 21.45 Uhr „Die Braut von Messina". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der verlorene Sohn". — Reichskammer der bildenden Künste, Gruppe Gießen, Turmhaus am Brand, 16 bis 18 Uhr, Weihnachts-Ausstellung.
— Stadttheater Gießen. Heute abend Wiederholung des Trauerspiels „Die Braut von Messina" von Friedrich von Schiller; Spielleitung: Intendant Hanns König.
Hitler-Jugend, Bann 116, Sozialamt.
Elternabend zur Berufswahl!
Am kommenden Donnerstag, 29. November, veranstaltet die Hitler-Jugend zusammen mit dem Arbeitsamt Gießen um 20 Uhr in der Turnhalle der Goetheschule (Horst - Wessel - Wall) einen
Vortragsabend
für die Ostern 1935 zur Schulentlassung kommenden Jungen und Mädel und insbesondere deren Eltern.
Es sprechen der Berufsberater und die Berufsberaterin des Arbeitsamtes Gießen.
Der Abend wird durch Musik, Lieder und Sprechchöre der Hitler-Jugend feierlich ausgestaltet.
In Anbetracht der Wichtigkeit der Fragen zur Berufswahl halten wir es für selbstverständliche Pflicht, daß alle betreffenden Eltern mit ihren zur Schulentlassung kommenden Kindern zu diesem Elternabend erscheinen.
Hitler-Jugend, Bann 116, Sozialamt.
NGBDT. (früher KDAI).
Kreisamtsleitung Gießen (nördl. Oberhessen).
1. Der Bezirksoerein Gießen des „Vereins deutscher Chemiker" lädt zu einem Vortrag über „K unst stoffe" für Freitag, 30. November 1934, abends 20.15 Uhr pünktlich, in den großen Hörsaal des Chemischen Instituts der Universität, Ludwig- straße 21, ein. Es spricht Herr Direktor Dr. K r ä n z l e i n aus Höchst a. M. Der Besuch dieses sehr zeitgemäßen Vortrags wird den Mitgliedern des NSBDT. bestens empfohlen.
2. An den Lichtbildervortrag „M i t Lettow-Vorbeck in Oftafrifa" von Pg. Georg Heß, Führer des Sturmbanns VI/R. 116, wird erinnert. Der Vortrag findet am Donnerstag,
Das Fremdwort Anekdote ist schwer durch einen deutschen Ausdruck zu ersetzen. Wörtlich bedeutet die griechische Bezeichnung das „noch nicht Herausgegebene", also Mitteilungen, die noch nicht bekannt geworden sind. Der Ausdruck bat eine gewisse Aehn- l'.chkeit mit „Novelle", nur daß bei der Novelle mehr die Neuigkeit, bei der Anekdote mehr das Unbekannte betont wird. Die Anekdote berichtet auch „Allerneuestes", und zwar etwas Unbekanntes, das noch niemand vorher von einem großen Manne gewußt hat. Theodor Fontane hat einmal gesagt, daß die Anekdote unter Umständen mehr geschichtlichen Wert haben könne, als die beste historische Quelle, und immer haben Schilderer der Vergangenheit, die auf Anschaulichkeit und Lebendigkeit Wert legten, diese häufig nur vom Volksmund gepflegte Überlieferung bevorzugt. Bei der Anekdote kommt es nicht so sehr auf die buchstäbliche Wahrheit, vielmehr auf die innere Wahrheit an. Auch „unwahre" Anekdoten können einen Wert haben, wenn sie für das Wesen des Helden bezeichnend sind und dieser in der geschilderten Weise gehandelt haben könnte. Ein Ausspruch, der bei einer bestimmten Gelegenheit gefallen ist, wird z. B. auf das Lebenswerk der Persönlichkeit Übertragern So wissen wir durch das Zeugnis des Grafen Wolder fee, der als Augenzeuge dabei war, daß Kaiser Wilhelm I. auf dem Sterbebette, als ihm ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt wurde, gesagt hat: „Ich habe keine Zeit nrühe zu sein." Dieses


