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Nr. 218 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)Mittwoch, 28. November 193H

Aus dem Reiche der Krau.

Arbeiten für die Winterabende

Von Mathilde Hinz.

Es geht eigentlich unbarmherzig schnell, wie die Abende von Tag zu Tag länger werden. Und wenn gar draußen noch ein mildes Lüftchen weht, das eher an Frühlings- als an Winterstürme erinnert, dann will man sich nicht recht damit abfinden, daß die Jahreszeit gekommen, da wir uns mehr in unseren vier Wänden als im Freien aufhalten sollen.

Und doch gibt es so vieles, was an den langen Abenden direkt darauf zu warten scheint. Einmal das Buch, das wir schon so lange und so oft lesen wollten, während des Sommers aber immer wieder beiseite legten, mit dem festen Vorsatz, es im Winter bestimmt zur Hand zu nehmen. Da sind weiter die Aufnahmen von unserer dies­jährigen oder gar noch von der vorjährigen Ur­laubsreise, die fein säuberlich in ein am schönsten selbstgefertigtes Album geordnet, in Form eines illustrierten Reisetagebuches unsere Erinnerungen und Eindrücke festhalten sollen. Wieviel frohe Stun­den leben da vor unserem geistigen Auge wieder auf! Wie können wir in diesem Reisealbum unseren Geschmack und unser Stilgefühl in der Art der Anordnung, in der Form der Niederschrift zeigen und schulen. Ueberhaupt der Berg von Photos, die durchgesehen und sortiert werden sollen!

Keine Jahreszeit eignet sich so gut zum Kra­men und Aufräumen der Schreibtisch- und Kommodenladen. Da liegen Briefe, die uns lieb und teuer sind zwischen und neben unwichtigen Papieren, die nichts als Ballast bedeuten und un­nötig Platz wegnehmen. Unnützes wird im Ofen vernichtet. Wichtiges gut aufgehoben. Erinnerungen an liebe Freunde und schöne Stunden und ihre Dokumente werden entsprechend behandelt und ge­wertet. Geschäftspapiere, Rechnungen, Quittungen usw. besonders gebündelt und gelegt. Am besten nach Name und Art in einen Schnellhefter regi­striert. Manch vernachlässigtes Papier wird so end­lich den ihm gebührenden Platz erhalten, verloren Geglaubtes wiedergefunden.

Die Bibliothek wird durchgesehen, ein Kata­log angelegt, jedes Werk genau verzeichnet; eine Liste aufgestellt, in der jedes verliehene Buch sorg­fältig notiert wird, damit nichts, was uns wert ist, verloren geht. Stellt sich beim großen Aufräumen heraus, daß wir nicht mehr wissen, wohin mit allen Büchern, dann sei darauf hingewiesen, daß Kranken­häuser, Jugend- und Altersheime jederzeit dankbare Abnehmer für gute Zeitschriften, Jahrbücher und andere Druckschriften sind. Die Trennung darf uns in Anbetracht des guten Zwecks nicht schwer werden. Es ist wohl überflüssig, zu betonen, daß die Aus­wahl dieser Spenden noch gewissenhafter als bei jeder anderen Gabe sein muß.

Man wird erstaunt sekn, welche vergessenen Schätze eine Durchsicht der Schrank- und Kommoden­fächer ans Tages- bzw. ans Abendlicht bringt. Da entdeckt man manches Stück, das umgearbeitet und ausgebessert, uns selbst noch dienen oder, für die Winterhilfe gespendet, manchen Armen er- sreuen kann. Stoffreste mit der erforderlichen Phan­tasie geschickt und geschmackvoll verarbeitet geben bunte Kissenplatten und Decken.

Ueberhaupt die Handarbeiten, die auf fleißige Hände warten! Sei es, daß sie unser eigen Heim schmücken oder den lieben Nächsten erfreuen sollen. Weihnachten ist nicht mehr fern. Mit uns unter einem Dach oder im Nachbarhaus wohnt vielleicht eine kranke Frau und Mutter, der eine warme Jacke, ein Tuch fehlt, die Kinder hat, die über jedes neue Kleidungsstück und Spielzeug glück­lich sind. Darum die Herzen und die Schränke auf, damit bei uns Ordnung und Uebersicht und beim Nachbarn Freude und Dankbarkeit herrschen!

Mutter als Gesundhettswart.

Von Antonie Man.

Es gibt kaum einen Posten im Wirtschaftsleben, der so vielseitig wäre wie der der Hausfrau, der bäuerlichen Hausfrau. Die Ansprüche, die in Haus und Küche an sie gestellt werden, sind sehr groß. Groh ist meistens auch der Kreis ihrer Schutzbefohlenen, denn unter ihrem Schutze stehen alle Lebewesen auf dem Hofe; sie ist die eigentlich Verantwortliche für das Wohl und Wehe aller.

Es ist nicht nur, daß das Essen pünktlich auf dem Tische steht und gut schmeckt, nein, das, was auf dem Tische steht, soll auch für die Gesundheit aller zuträglich sein. So müssen z. B. schwer und leicht verdauliche Speisen wechseln. Mit der Versor­gung der Tiere ist es nicht anders. Der größte Teil aller Krankheiten kommen aus Magen und Darm und werden bedingt durch das, was wir essen. Schon aus diesem Grunde ist die Frau der G e - sundheitswart im Hause. Wenn etwa in einer Familie die Mitglieder dauernd krank sind, so ist das eigentlich ein Zeichen dafür, daß die Hausfrau nicht gut aufpaßt.

Von heute auf morgen ist nämlich kein Mensch schwer krank. Meistens gehen Unpäßlichkeiten voran, die von der Hausfrau nicht übersehen werden dür­fen. Appetitlosigkeit, besonders bei Kindern ist z. B. im allgemeinen ein Beweis, daß etwas nicht stimmt. Beobachtet sie bei einem Kind plötzlich Ap­petitlosigkeit oder Müdigkeit' oder Schlaffheit, so muß die erste Frage der Verdauung gelten. Ist es nicht ganz gewiß, daß die Verdauung bzw. der Stuhl in Ordnung und täglich regelmäßig er­folgt ist, so muß sofort eingegriffen werden. Ein Klystier kann niemals schaden. Rein animalisch na­türlich ist, daß nach jeder Nahrungszunahme auch Stuhlgang erfolgt. Aber mindestens einmal am Tage muß Darmentleerung erfolgen, wenn der Körper nicht zu Schaden kommen soll. Der tägliche Stuhlgang ist so notwendig wie Morgenwäsche und Zahnputzen. Rein den Leib innen und außen, muß die Grundregel unseres Lebens sein, und dazu ge­hört in allererster Linie die Darmentleerung.

Blinddarmentzündungen sind meistens auf Vernachlässigung des Stuhles zurückzuführen. Es gibt ja Leute, die drei Tage und länger ohne Stuhlgang sind. Dabei essen sie munter in sich hin­ein. Was soll der Körper schließlich mit diesen Sachen anfangen? Eine Verstopfung und 23er» jchmutzung aller Organe muß die unbedingte Folge

Kloppt die Verdauung nicht, so ist das immer ein Beweis, daß wir uns falsch ernähren. Die rich­

Wir kochenSurm".

Bisher beanspruchte jeder Kochtopf eine Feuer­stelle für sich allein. Bekam er sie nicht, dann wurde er böse, und die Mahlzeit konnte nicht zur Zeit fertig werden. Heute kennt die Hausfrau das Turm­kochen und freut sich dieser Wissenschaft. Sie türmt, wie schon der Name sagt, zwei ober gar drei Töpfe aufeinander, und kann völlig beruhigt darüber sein, daß die Speisen im Turm nicht anbrennen können. Da für die meisten Haushaltungen der Gasherd in Frage kommt, stelle man den untersten Topf etwa vier Zentimeter von der Gasflamme weit fort, da­mit er das Kochloch nicht ganz verdecke. Kann der Abstand noch durch den Ring vergrößert werden, umso besser. Nun werden die anderen Töpfe mit ihrem Inhalt auf den ersten gestellt, und zwar so, daß sie einen gut schließenden Deckel bilden. Je mehr der Deckel als Verschluß dient, um so vorteil­hafter für die Schnelligkeit der Zubereitung und die Erhaltung der lebenswichtigen Stoffe. Breite Töpfe sind den hohen schmalen stets vorzuziehen. Die Brennfläche ist dann größer, der Inhalt wird schneller genießbar. In den alten, guten, hohen Töpfen lassen sich Speisen besser aufbewahren und

geben dann weniger von ihren wichtigen Stoffen ab. Das ist immerhin auch ein Vorteil, da ja m jedem Haushalt, trotz aller klugen Berechnungen, Reste übrig bleiben können. Früher wärmte man sie, indem man sie einfach auf die Flamme stellte. Dann hat sich herausgestellt, daß sie bei weitem nicht mehr so gut waren wie am Tage vor­her. Man ist dazu übergegangen, sie nur auf Dampf zu wärmen, und hat den Vorteil, daß sie dann im gewärmten Zustande nicht jenen faden Geschmack haben, und daß die Aufbaustoffe erhalten bleiben.

Reste von Suppenfleisch ergeben eine neue Mahl­zeit: Das vorhandene Fleisch wird in kleine Würfel geschnitten und in eine Pfanne mit steigender Butter gegeben, dann werden zwei Eier dazu geschlagen und mit den Fleischwürfeln vermischt. Ist noch ein Rest von Wurst vorhanden, kommt er gleichfalls dazu, ebenso wie das abgeschnittene und auf­bewahrte Schinkenfett. Das ganze wird gut ver­rührt und vor Ansetzen geschützt. Als Beilage dazu richtet die Hausfrau in einer Schüssel Kartoffelbrei an, den sie mit Milch bereitet und mit klein ge­hackter Petersilie Überstreut. In die Mitte kommt in der Form eines Hügels das Fleischgericht, das mit dem Bratfett übergossen wird. Schü.

tige Ernährung für jeden einzelnen zu finden, ist wiederum Aufgabe der Hausfrau. Das fetzt Lebens­erfahrung und Klugheit voraus. Zarten Kindern recht viel hineinzuftopfen, besonders Eier, ist grund­falsch. Der Magen kann das meistens gar nicht ver­arbeiten. Zarte Kinder sind meistens mäklig im Essen; wir müssen ihnen Hunger verschaffen. Sie müssen Bewegung in frischer Lust haben, herum­tollen, turnen, marschieren; Eintritt in die Hitler­jugend ist eigentlich das richtige Rezept. Sobald das Kind gesunden Hunger hat, wird es sich auch kräf­tigen und widerstandsfähig sein.

Neigt jemand in der Familie zur Verstopfung, so muß die Mutter darauf achten, daß der Betref­fende weniger Brot, dafür aber um fo mehr Obst i ß t. Bei schwachem Magen muß vierlei be­achtet werden: Niemals krumm sitzen Mutter muß immer ermahnen keine festen Gürtel tra­gen, Vorsicht mit geschnittenen Kartoffeln, wie Bratkartoffeln, Kartoffelsalat, Gurkensalat darf nicht gehobelt, sondern muß geraspelt werden, Vorsicht bei Pilzen und Eiern. Der Betreffende muß diese Gerichte gut kauen und sie abends ganz meiden, dafür darf er sich an Obft, Suppen, frischem Ge­müse, Milchspeisen schadlos halten.

Neigt jemand zu Durchfall, so sott er keines­

wegs Obst meiden. Er soll aber statt Kaffee eine dicke Haferschleimsuppe essen und ständig getrock­nete Heidelbeeren knabbern wie Bonbon. Bei schwe­ren chronischen Leiden muß selbstverständlich ein Arzt befragt werden. Aber die Kunst und Aufgabe der Hausfrau ist es, eine Krankheit früh genug zu merken.

Man muß sich aber zur Regel machen, daß bei einer kleinen Unpäßlichkeit, deren Ursache noch nicht klar ist, immer sofort einmal für Darmentleerung gesorgt wird. Das entlastet den Körper sofort. Be- fonders Fieber sinkt sofort nach einem Klystier. Darauf tut ein heißes Bad gute Dienste mit Nach­dünsten im Bett. Steckt eine schwere Krankheit im Körper (Masern), so kommt sie durch das Bad schneller und milder zum Ausbruch, als wenn die Krankheitsstoffe noch tagelang ungestört im Körper herumwirtjchasten, und wir stehen ganz plötzlich vor der Katastrophe.

Der tierische Körper arbeitet nicht anders. Er ist denselben Gesetzen unterworfen wie der Mensch. Wenn die Hausmutter die kleinen Unpäßlichkeiten ihrer vierbeinigen Haus- und Hofgenossen früh ge­nug beachtet, genau wie in der Familie und dem Gesinde, so wird sie vor Schäden und bitteren Ver­lusten bewahrt werden.

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Die b r et einfachen Laufkleider heute sind sämtlich für die weichen, schmiegsamen und leichten Wollstoffe gedacht. Neu ist hierfür etwa ein ganz besonders weiches Gewebe, in das win - zigeFlaumfedern eingewebt sind, ähnlich wie man im Vorjahr häufig. Stoffe mit eingewirkten oder aufgelegten Angorahaaren sah.

Das Kleid links besteht aus Schoßbluse und Rock, wobei dieser in seiner schlichten, vorn und hinten geschlitzten Form sehr gut auch einzeln zu irgendwelchen Blusen getragen werden kann. Die dreiviertellangen Raglanärmel sind ebenfalls unten geschickt und auf der Schulter durch drei stark mar­kierte Abnäher verziert. Auch der Schoß ist vorn wie hinten gejchlitzt und hat zwei eingearbet« t e t e Taschen. Dazu Schlangenleder-Gürtel und -Knöpfe. - .

Das Kleid in der Mltte hat ebenfalls dreiviertel­lange Raglanärmel, diesknal mit Aufschlag. Die Enden der Aermel bilden oben kleine Schlaufen, durch die ein breites Band aus glänzender, farblich abgestimmter Seide gezogen und vorn ge= fchlungen wird. Auch der Gürtel ist aus glänzen­der Seide. Die Vorderbahn des Rockes ergibt oben durch Abfchrcvgung die Taschen und unten die Weite durch zwei tiefeingelegte Falten.

Bei dem dritten Kleid (rechts) find die tiefange­setzten, nicht zu weiten Glocken, die zwei Gürtelteile und der Koller art die durchgehende Vorderbahn an­geschnitten. Neuartig ist der Rollkragen aus demselben Material wie das Kleid, mit dem rück­wärtigen Knopfverschluß. Ausputz und Stepp­nähte und ein Monogramm oder auch nur ein einzelner Buchstabe aus Edelholz. H.

Das Kind muß selbst aufräumen!

Von (Eariofo Gross

Immer wieder kann man es erleben, daß eine Mutter mit Seufzen anfängt, das Kinderzimmer ober bas Spieleckchen ihres Lieblings aufzuräumen, wenn bas Kinb glücklich im Bettchen liegt und schläft. Wenn man bann fragt, warum bas nötig fei, warum bas Kinb nicht selbst seine Spielsächen vor dem Schlafengehen ordnungsmäßig zusammen- räumt und fortpackt, dann bekommt man wohl gar zur Antwort: das kann das Kind nicht, es kann eben nicht aufräumen. Liebe Mutter, das liegt wohl weniger an Deinem Kinde als an Dir. Du hast nicht beizeiten dafür gesorgt, daß auch Dein Kind lernt, wie man seine Sachen verwahrt. Oder, wenn es die Sachen wirklich in den Schrank bringt, dann wirft es alles kunterbunt durcheinander, und Mut­ter muß doch noch hinterherräumen. Selbstverständ­lich ist die Überwachung dieser Arbeit zuerst immer vonnöten, und von Zeit zu Zeit wird Mutter auch bei dem ordentlichsten Kindeaufräumen" müssen, doch wird diese Arbeit sich darauf beschrän­ken, auszusondern, was durch vollständigen Ver­schleiß unbrauchbar geworden ist, oder, was sich an allzugroßenKostbarkeiten" wie Papierschnitzeln, Steinchen, Schachteln und dergl. mehr wieder ein­mal angesammelt hat und schließlich keinen Platz mehr für die wirklichen Spielsachen mehr übrig läßt, Kinder hängen ja für gewöhnlich mehr an scheinbar wertlosen Dingen, als an den kostbarsten Spielsachen. Die Mutter muß also bei diesem ge­legentlichen Aufräumen viel Verständnis für ihres Lieblings Liebhabereien aufbringen, um kein allzu- großes Unglück anzurichten, aber ganz läßt es sich eben nicht vermeiden. .

Wie erzieht man das Kind zum Selbst-Aufräu­men? Das ist gar nicht so schwer, wie es aussehen mag. Natürlich muß man es dem Kinde irgendwie schmackhaft, etwa auch zu einer Art Spiel ausgestal- ten, das Aufräumen, besonders, wenn es bisher nicht daran gewöhnt war und seinen Spielplatz seelenruhig in größter Unordnung verläßt, weil es weiß, daß es am andern Tage doch alles in schönster Ordnung wieder vorfindet. Das geschieht bei ihm ja nicht mit bewußter Ueberlegung, nein: es ist eben so und damit fertig. Zum Schluß des Spielens heißt es mal: So, mein Liebchen, und jetzt spielen wir nochUmzug", oder, wenn das Kind vielleicht einen Hühnerhof aufgestellt hatte: Nun ziehen wir noch zum Markt. Und dann holt Mutter einen Ziehwagen herbei, den sie inzwischen selbst hergestellt hat. Eine nicht zu große alte Kiste von netter Form wurde zu diesem Zwecke abge­hobelt und mit irgendeinem Rest einer hübschen, bunten Oel- ober Lackfarbe angestrichen und auf Räder von einem alten Puppen- oder Postwagen oder ähnlichem, wohl auch auf Garnrollen gesetzt und an einer Schmalseite mit einem Griff versehen, durch den man sogar noch einen Strick ober ein kleines Geschirr vomPferbchenspielen" ziehen kann, unb ber schönsteZiehwagen" ist fertig. Mit beson­derem Jubel wird das neue Spiel begonnen und will das Kind dann den Wagen vor dem Schrank stehen lassen ober bie Sachen nur wilb hineinwer­fen, so heißt es: Nein, mein Kinbchen, sieh mal, Mutter muß auch bie Möbel im Zimmer grabe aufstellen unb Deine Tiere können nicht schlafen, wenn sie burcheinanber liegen müssen. Das willst Du doch wohl nicht? Erst großes Erstaunen, wohl gar einSchnäppchen", aber bei gutem Zureben wirb auch noch im Schranke Drbnung geschaffen. Am nächsten Tage heißt bas Aufräumespiel anbers als beim ersten Male, unb so muß bie Mutter ihre Fantasie spielen lassen, um bem Kinbe bie Aufräu­merei vergnüglich zu machen. Doch, bas bauert mei­stens nicht lange, bann hat bas gut erzogene, ge- junbe Kinb schon so viel Spaß am Ersinnen immer neuer Erfindungen über ben jeweiligen Zweck dieser Arbeit", daß ihm die Sache unversehens zur Ge­wohnheit wird, ehe es denkt, daß es da tatsächlich eine Arbeit verrichtet. Auf diese Weise werden Ord­nungssinn und Zuverlässigkeit bei dem Kinde schon früh ausgebildet, und Kind und Mutter werden den Nutzen dieser Hebung sehr bald wohltuend spüren.

Der Quälgeist der Hausstau.

Marthe stürzt in die gemütliche Leserunde der Wohnstube:Mutter, meine ganzen Sachen sind von Motten zerfressen. Sogar mein Kissen, was ich so sehr lieb habe und mit so viel Mühe gestickt habe, ist voll von Gängen und Löchern", jammert sie, und laut schluchzend drückt das liebe halb­wüchsige Mädel das Gesicht in das von den bösen Tieren mißhandelte Kissen. Die Mutter beruhigt sanft:Es wird nicht so schlimm sein. Ich habe doch deine Sachen nachgesehen kurz nach deiner Abreise Ostern, und nun ist kaum ein Vierteljahr vergangen?" Aber recht beunruhigt ist die tüchtige Hausfrau und Mutter doch. Sie weiß aus lang­jähriger bitterftcc Erfahrung, welch schlimmer und böser Quälgeist die äußerlich so unscheinbaren Tier­chen in jedem Haushalt sind. Trotz Zugluft, Petro­leum und Mottenmitteln vom Drogenhändler sind sie manchmal nicht fern zu halten. Fast bei Tag und Nacht muß man besorgt sein um seine Woll­sachen, Pelze und Federn. Sie erinnert sich nur zu gut, erst kürzlich gelesen zu haben, daß ein Motten­weibchen eine ungeheure Nachkommenschaft von un­gefähr einer halben Million Raupen haben kann, die durch ihre unersättliche Gefräßigkeit 46,5 Kilo Wolle zu vernichten imstande sind. Eine eingehende Untersuchung all der netten und mit Liebe zusam­mengestellten Sachen ihrer Tochter übertrifft ihre schlimmsten Befürchtungen. Nichts scheint verschont geblieben zu fein. Selbst der hübsche Friesvorhang mit der Stickerei aus feinstem mühsamsten Gobelin­stich sieht gegen das Licht gehalten fast wie ein Schweizer Käse aus. Allerdings: Diesen Vorhang hatte sie lange nicht beachtet, in der Meinung, daß er im Durchgang zweier Zimmer hängend doch immer in Benutzung war. So schlimm wie bei diesem Vorhang, wo die bösen Geister nun schon seit einem Jahr ihr Unwesen getrieben haben moch­ten, und der eine Brutstätte für den Nachwuchs bildete, war es allerdings bei den anderen Sachen nicht bestellt. Aber immerhin, in einem kurzen Vierteljahr ein solcher Schaden; das war zu viel für ihren sparsamen und ordentlichen Hausfrauen­sinn.Kann man sie denn nicht auf Leim fangen wie z. B. die Fliegen?", meint Marthe kindlich ver­zweifelt. Nun, das kann man freilich nicht: aber jetzt erinnert sich die Mutter plötzlich,von motten«