Ur. 174 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
5amstag,28.Zuli19Z4
Unfer Botanischer Garten in Gießen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Auf der Höhe.
Palmenallee.
Blick auf das Ueberwinterungshaus.
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Das Jahr ist auf die Höhe gekommen. Er prangt in der Herrlichkeit dieses sonnegesegneten Sommers. Tausende von Volksgenossen erleben diese Herrlichleit an der See oder im Gebirge- vielen wird die Schönheit dieser Welt auch ohne See und Gebirge bei froher Wanderung durchs deutsche Vaterland zum Erlebnis in diesen Sommerwochen. Und wer einmal Augen und Seele sich füllen ließ von der Erde Pracht zur Sommerszeit, der spürt auf der Höhe des Jahres etwas von dem dankbaren und doch wehmütigen Abschied von all dieser Herrlichkeit. wie ihn der Dichter besungen:
Gute Nacht, ihr Freuden!
O wie lebt ich gern!
Daß die West so schön ist, Dankt' ich Gott dem Herrn! Daß die Welt so schön ist. Tut mir bitter weh, Wenn ich schlafen geh!
Auf der Höhe des Jahres tut aber der Rückblick not, ob das Jahr erfüllt hat, was es versprach. Von jedem Jahr wird Frucht erwartet. Die Fluren sollen reif vom Erntesegen sein. Wenn diese Erwartung erfüllt ist, hat das Jahr seine Schuldigkeit getan. Dann kann der Abstieg be- ainnen, denn es brachte auf seiner Höhe uns Menschen neues Brot. Und gerade in diesem wichtigsten Stück bleibt dieses Jahr hinter seinem über-
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Das Alpinum.
Teichrosen.
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an der Stirn.
reichen Vorgänger wohl etwas zurück. Trotzdem haben wir die Gewißheit, daß wir trotz der Dürre
in manchen guten Ernte Brot genug Auch der des Lebens.
Teilen unseres Vaterlandes dank der in anderen Gebieten Deutschlands doch haben werden.
Mensch kommt einmal auf die Höhe Da heißt es für ihn, Rückschau halten.
tete seine Geschwindigkeit nicht so ein, daß er auf die kürzeste Entfernung seinen Wagen anhalten konnte. Auf diese Weise verursachte er Ecke Bleich- straße und Ludmigstraße einen Zusammenstoß.
was er bisher geleistet hat, ob diese Leistung wirklich ein Höhepunkt ist, denn nun geht es mit dem Leben bergab, unwiderruflich bergab. Beneidenswert der Mensch, der auf solcher Höhe und bei der Prüfung seines Lebens von dieser Höhe aus sagen kann: ich habe das Meinige getan! Und wenn dies Urteil die Mitmenschen unterschreiben, so ist solch ein Leben köstlich zu nennen.
Doch nicht nur die äußeren Leistungen, auch die seelischen Werte eines Menschen bedürfen auf des Lebens Höhe der Prüfung. Und hier auf seelischem Gebiet wird gerade der ehrliche Mensch nie ganz mit sich zufrieden sein, hier wird gerade der innerlich wertvolle Mensch mit einiger Beschämung erkennen müssen, wie wenig er für seine Seele und damit für die Ewigkeit gelebt hat. Aber aus seelischem Gebiet braucht es — Gottlob! — kein „Bergab" zu geben, weil ja hier die Höhe nie ganz erreicht wird; hier gilt das schöne Wort ewigen Vorwärtsstrebens: „Immer höher zur höchsten Höh! Ich will nicht in der Tiefe liegen; die höchste Höh nur kann genügen!" Und diese höchste Höhe wird eben nicht in diesem, sondern erst in jenem Leben erreicht.
Nicht nur unsere Lebenszeit, sondern auch die Zeit überhaupt hat ihre Höhen und Tiefen. Wenn eine Zeitepoche ihre Höhe erreicht, wenn sie auf der Höhe war, das wird meist nicht die Mitwelt, sondern erst die Nachwelt richtig entscheiden. Gerade von diesem Forum der Geschichte aus aber dürfen wir einer Geschichtsperiode vor andern die Palme reichen. Es ist jene, „als die Zeit erfüllt war", als der Welt Heiland in diese Zeit kam und Zeit und Ewigkeit wandelte. Wer sich diesem Wendepunkt der Zeit Jesus anschließt, der kommt auf die Höhe; denn dessen Zeit trägt den Stempel der Ewiakeit
Am Teich.
spiegels) trägt, ist umsäumt von Pappeln, Weiden, Erlen, Birken — Bäumen und Sträuchern die feuchtes Erdreich lieben. Ein kleines Tal mit vielerlei Farnen und Alpenrosen schließt sich an den Orchideenhügel an, vor dem auf der anderen Seite des Weges sich das Beet mit unseren einheimischen Pflanzen hinzieht, das nur Gewächse unserer engeren Gießener Heimat aufweist. Der Bogengang am Ausgang des Gartens ist in diesem Jahre von einer Dahlienschau flankiert, die mit ihrer sich jetzt entwickelnden Blütenpracht den reichen Blütensommer verabschiedet und uns an den kommenden Herbst gemahnt.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechlsgutachren sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung )
Prof. TD. in G. Die Auffassung Ihres Gegners ist richtig. Auch die angegebenen Gesetzesstellen treffen zu; doch muß es Artikel 5 DVO heißen, statt Artikel 15, was wobl ein Schreibfehler ist. Die Auskunft H.H. in G. ist übrigens schon vor längerer Zeit ergänzt worden.
Freilichtaufführung des Stadttheaters.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Im Garten des Stadthauses Bergstraße findet heute 20. Uhr eine Wiederholung der mit großem Beifall aufgenommenen Freilichtaufführung des Shakespeare-Lustspiels: „Was ihr wollt" unter der Spielleitung des Intendanten statt. Das Interesse und der Beifall der Besucher der Erstaufführung am letzten Mittwoch beweisen, daß der Gedanke des Freilichttheaters auch in Gießen sehr lebhaft ist und herzliche Anerkennung gefunden hat. Die sorgfältige Auswahl des zur Aufführung gelangenden Werkes und die auf Freilichttheater eingestellte Spielleitung, im Verein mit der glücklichen Wahl des Aufführungsortes, bieten einen harmonischen Sommerabend. Kleine Unzulänglichkeiten, die sich hinsichtlich der Platzanordnung bei der Erstauffüh- rung herausstellten, sind durch Aenderung behoben worden. (Siehe heutige Anzeige.)
Oie „Drei FraieULnis" in Stehen.
Die drei Fratellinis (Gino, Max und Gustavo) geben, wie uns aus dem Stadttheaterbüro mitgeteilt wird, am Montag und Dienstag in der Volkshalle ein zweimaliges Gastspiel, bereiten uns einen Abend ausgelassener, übermütiger Freude und leiten ihre Darbietungen nut einem großen Darietö- Programm ein. Die in dieser Form für Gießen einzigartige und auch erstmalige Veranstaltung, die in einem Programm Spitzenleistungen deutscher Artistik vereinigt sieht, konnte nur durch die Zusammenarbeit des Stadttheaters mit den Organisationen „Kraft durch Freude" und der NS.-Kultur- gemeinbe (Deutsche Bühne und K. f. d. K.) möglich gemacht werden. Die veranstaltenden Organisationen erwarten daher auch von ihren Mitgliedern den Besuch dieser außergewöhnlichen Darbietungen. Aus diesem Anlaß wurden Eintrittspreise festgesetzt, die jedem Volksgenossen die Teilnahme möglich machen. (Siehe heutige Anzeige!)
Das ilebernachten in Jugend- Herbergen wird billiger.
Der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen teilt mit:
Die Hitler-Jugend, der BdM. und das Deutsche Jungvolk sowie auch die Schulen haben sich in selbstloser Einsatzbereitschaft für den Opfertag des Jugendherbergswerkes zur Verfügung gestellt. Nur ihrer Arbeit und ihrer freudigen Hingabe ist es zu verdanken, daß der Opfertag in großzügiger Weise im ganzen Reich durchgeführt werden konnte.
Als Dank und als Anerkennung für diese Leistung wird angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. August 1934 die Uebernachtungsgebühr für jugendliche Wandergruppen der HI., des BdM., des Jungvolkes und der Schulen (mindestens 3 Personen, die mit Führerausweis wandern) auf 20 Pfennig herabgesetzt wird. Die Uebernachtungsgebühr für jugendliche Einzelwanderer wird mit Wirkung vom 1. August 1934 auf 30 Pfennig festgesetzt. Der
Im Frühjahr, Sommer und Herbst bietet der Gießener Botanische Garten, der viertälteste De.'.chlands, eine Stätte zur Bereicherung des Wissens von Fachleuten, Studierenden und Pflanzenfreunden, einen Hauptanziehungspunkt für die Besucher unserer Stadt und vielen Freunden des Gartens ein schattiges Ruheplätzchen zur Besinnlichkeit und Erholung.
Im Jahre 1609 war es, als Landgraf Ludwig V. ein Stück des zum Schlosse gehörenden Geländes zur Errichtung eines botanischen Gartens zur Verfügung stellte. Etwa um 1800" wurde ein hinter dem ersten botanischen Garten liegendes Stück, das
Baumförmige Liliengewächie.
pflanzen der Steinzeit, der Bronce- und Eisenzeit und der Karolingerzeit. Einige pflanzengeographische Gruppen — Amerika, Süd-Asnka, China und Japan, Neu-Holland, Mittelmeergebiet — enthalten charakteristische Vertreter, die uns mit ihrer Belaubung und ihren Blüten eine Vorstellung der Pflanzenwelt ihrer Heimat geben. An den Wegen seitlich des großen Ueberwinterungsbaues können die Besucher „ungestraft unter Palmen wandeln , die im Sonnenlicht mit ihren Fachern filigranartige Schattenmuster auf den Boden zaubern Zu uns herüber rauschen mit ihren Wipfeln allerlei Nadelbäume, die gleichsam eine Mauer bildend das große Freiland mit den zahlreichen Beeten der em- und zweikeimblättrigen Pflanzen absch.eßen. G genuber vor dem Schorgraben und dem kleinen Hügel mit Alpenrosen ziehen die Beete hm mit den Giftpflanzen Armeipflanzen, Nutzpflanzen und den unter ulaturichuk stehenden selteneren Pflanzen unserer Heümaü Unterbrochen wird die Gleichmäßigkeit der Flachbeete mit den einzelnen Familien von dem Dachwürzhügel der mannigfach bunte und formen- reiche Arten aufweist. die gerade letjt H)re kräftigen Blütenschaste aufragen Zu^uße^-s^Rames Opunti°Ü7°wachfen'lst. erstrecken sich
Becken mit den wichtigsten «urnps- und Watzer-
pflanzen, die zum Teil in schönster Blüte stehen. Eine biologisch bemerkenswerte Gruppe bilden die fleischigen Gewächse oder Sukkulenten-Agaven, Aloe, Kakteen u. a. — die mit ihren fleischigen unb saftigen Stämmen und Blättern Wasser aufspeichern unb uns dadurch verraten, daß sie in besonders trockenen Klimata zu Hause sind. Eine kleine Welt für sich bildet das Alpinum mit zahlreichen Alpen- und Gebirgspflanzen, die sich durch niedrigen, polsterförmigen Wuchs, häufig- rofettenförmig dem Boden angedrückte Blätter, reiche Blütenmenge und Größe der Blüten auszeichnen. Der Teich, der nicht selten eine „Wasserblüte" (Goldglanz des Wasser-
Amtsgericht Gießen.
Ein Mann aus Wi-feck wurde wegen Unter- «S™ ,->, *■>„»
nerurtent Der Angeklagte vertauschte anläßlich fei- neo Umzuges Än H?rd obwohl die er nicht m feinem Eigentum stand. Trotz mehrfacher Au - ko'derung gab der Angeklagte den qerd mcht zurück Der Angeklagte ist wegen Diebstahls schon einschlägig vorbestraft.
«n 1 0 M a r k G e l d st r a s e und zu den Kosten bes «erfahrens wurde ein Mann aus Frohnhau- [en verurteil?. Der Angeklagte fuhr m,l seinem Personenwagen die Ludwigstraße entlang und rich-
Blick auf den Heidenturm des Alten Schlosses.
dem Landesfürsten gehörte, der Universität überlassen, um hier einen forstbotanischen Garten anzulegen. Hinter diesem Forstgarten her zog der alte Gießener Festungsm Al, der, nachdem die Universität die Schleifungsarbeiten übernommen hatte unb badurch in ben Besitz bieses Gelänbes gelangte, dem Forstgarten angegliebert werben konnte. Nach Vereinigung des Forstgartens mit dem unmittelbar am Schloß liegenden Botanischen Garten wurde der Teich angelegt und der daneben liegende Hügel aufgeworfen. Auf diese Weise erhielt der Botanische Garten seinen jetzigen Umfang und seine Grundgestalt.
Gleich nach dem Eingang umfängt uns ein Part von breit belaubten, schattenfpendenden Bäumen, die dem Bestand des früheren forstbotanischen Gartens angehören. Neben einer mächtigen Blutbuche mit ihren lichtseits wunderschön rotgefärbten Blättern, einigen Eschen, Linden^. Birken und Ahornbäumen sind es zwei riesige Platanen, die mit ihrem gefleckten Stamm und ihren kugeligen, an fadenförmigen Stielen hängenden Blütenkätzchen die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dem Schlosse gegenüber, mitten auf dem Rasen, steht tiefgrün belaubt, Gingko biloba, eines der schönsten und größten Exemplare Deutschlands ein Baum, der in China unb Japan beheimatet ist, der mit seinen langgestielten, fächerförmigen, gelappten, oft tiefgespaltenen Blättern gar nicht erkennen läßt, daß er in nächste Verwandtschaft der Nadelhölzer gehört. Den Weg entlang an der Senckenbergstraße findet man neben den Schattenpflanzen einige B.eete mit den Kultur-


