Kopfgeldsatz für Erwachsene bleibt derselbe wie bisher.
Trotzdem diese Herabsetzung der Uebernachtungs- gebühren einen großen finanziellen Ausfall bedeutet, ist sich die Leitung des Jugendherbergsverbandes darüber klar, daß dieser Schritt mit Rücksicht auf die Hebung der Volksgesundheit notwendig war. In dieser Tat, die als wahrhaft nationalsozialistisch anaesprochen werden muß, kennzeichnet sich die sozialistische Haltung der HI.
Erstes Kreis-preffekamerad- fchastslager Gießen.
„Bunfer Abend" des Gießener Stadttheaters veranstaltet von der NS. -Gemeinschaft .Kraft durch Freude" im Caf6 Leib am Samstag, 28. Juli, 20 Uhr.
Die Leitung hat Paul W r e d e vom Stadttheater Gießen. Die musikalische Ausgestaltung des Abends hat Fritz C u j 6 vom Stadttheater Gießen übernommen. U. a. kommt das von dem hiesigen Komponisten Paul Buchwald dem Reichsstatthalter Gauleiter Jakob Sprenger gewidmete Lied „Hessens S A." zum Vortrag. Weiterhin gelangt zur Uraufführung das von Oberstudiendirektor W. Philipps (Friedberg) komponierte Lied „Gruß an die Saar" und das Volkslied „Mägdelein, ich bin dir so gut".
Die Bevölkerung Gießens wird zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Eintritt 40 Pfennig.
Märchenstadt „Liliput" auf dem Oswaldsgarten.
Auf Oswaldsgarten haben zum ersten Mal in Gießen Liliputaner ihre Märchenstadt ausgeschla- gen. Wir hatten Gelegenheit, die Wirkungsstätte dieser kleinen Menschen zu sehen und dürfen sagen, daß hier mit Recht von einer „Märchenstadt" gesprochen wird. Der kleine Bürgermeister führte uns persönlich durch seine Stadt, in der er insgesamt 45 Einwohner zu betreuen hat. Winzige Häuser, die aussehen wie vergrößerte Puppenhäuschen, bieten sich dem überraschten Auge der Besucher dar. Praktisch und sauber wirken das Postamt, Ortskrankenkasse und Städtische Sparkasse. Weiter sieht man ein Hotel, Friseur- und Modesalon, Konditorei und Zigarettenläden. Sehr interessant ist es, einen Blick in die freundlichen Wohnhäuser zu werfen, oder in die gemeinschaftlichen Aufenthaltsräume. Blitzsauber die Küche, in der der Liliputaner-Koch sein Regiment führt. 45 Menschen aus acht Rationen (wie uns der Bürgermeister erzählte) arbeiten in dieser Stadt vergnügt zusammen und trainieren für ihr Programm. Dabei überrascht die vorbildliche Harmonie und Kameradschaftlichkeit dieser Liliputaner beiderlei Geschlechts, die schon in fast allen Weltteilen ihre Vorstellungen gegeben haben. Ihre Darbietungen bestehen in der Hauptsache aus Variete- und Zirkuskünsten. (Siehe heutige Anzeige!)
Oer Bezug von Haushaltsmargarine.
Für September und Oktober 1934 werden wieder Stammabschnitte mit vier Bezugsscheinen für je ein halb Pfund Haushaltsmargarine und zwei Reichsverbilligungsscheine für Speisefett ausgegeben. Der auf den Stammabschnitten befindliche Bestellschein gilt dementsprechend für zwei Pfund Haushaltsmargarine.
Für die Durchführung der Maßnahme gelten die bisherigen Bestimmungen. Ergänzend wird dazu folgendes bemerkt: 1. Personen, bei denen die Voraussetzungen für den Bezug der Stammabschnitte erst nach dem 1. September 1934 eintreten, haben noch bis zum 11. Oktober 1934 Anspruch aus die unverkürzten Stammabschnitte. Rach diesem Tage ist nur noch die Ausgabe der Stammabschnitte mit den beiden Reichsverbilligungsscheinen zulässig; die Bezugsscheine und der Bestellschein für Hauhaltsmargarine sind in diesen Fällen vorher von >dem Stammabschnitt abzutrennen, oder so zu entwerten, daß ihre Verwertung ausgeschlossen ist. Rach dem 25. Oktober 1934 ist auch die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine unzulässig.
2. Die beiden Betriebsscheine für September 1934 bleiben auch für den Monat Oktober gültig. 3. Die nichtverbrauchten Stammabschnitte für September und Oktober 1934 sind in der bisherigen Weise bis zum 10. bzw. 5. November 1934 zurückzugeben.
Oer Fernsprechkundendienst wird billiger.
Der Fernsprechkundendienst hat einen erfreulichen Aufschwung genommen. In ständig steigendem Maße wird er von Teilnehmevsprech- stellen und öffentlichen Fernsprechern benutzt. Um vielfache Wünsche der Oeffentlichkeit zu erfüllen und die weitere Verbreitung dieses sich schon jetzt großer Beliebtheit erfreuenden Betriebszweiges der Deutschen Reichspost zu fördern, hat der Reichspostminister vom 1. August ab folgende Gebühren im Fernsprechkundendienst ermäßigt:
1. Für die Sprech- und Schreibgebühr von 10 Pf., die bisher für jede Uebermittlung einer Nachricht an einen Anrufer berechnet worden ist, werden künftig drei Mitteilungen übermittelt. Bei längeren Nachrichten gelten je angefangene 15 Wörter als eine Mitteilung.
2. Die Anrufaebühr von 10 Pf. für vergebliche, von der Fernsprechkundendienststelle ausgesührte Anrufe fällt weg.
3. Die Weckgebühr beträgt statt 20 nur noch 10 Pfennig.
Gietzener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 28. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10%, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 Gelbe Rüben 12 bis 15, Rote Rüben 12 bis 15, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 12, Rhabarber 8 bis 9, Kartoffeln (neue) 7 bis 8 Pf., der Zentner 6 bis 6,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 20 bis 25, Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 25 bis 30, Himbeeren 20, Brombeeren 30, Aepfel 15 bis 30, Birnen 15 bis 30, Kirschen 20 bis 25, Stachelbeeren 15 bis 18, Johannisbeeren 15 bis 20, Pflaumen 10 bis 15, Zwet- schen 25 bis 30, Mrabellen 20 bis 25, Reineklauden 18 bis 20, junge Hähne 80 Pf. bis 1,— Mark, Suppenhühner 60 bis 70 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 70, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 25 bis 30, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch
(Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 10 Pf.
Bornonzen.
— Tageskalender für Samstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Reifende Jugend". — Stadttheater Gießen, 20 bis 22.15 Uhr, Freilichtaufführung im Garten des Stadthauses, Bergstraße: „Was ihr wollt". — Märchenstadt Liliput, Oswalds- aarten, 15 Uhr: Eröffnung. — DHC.: Zweitägige Wanderung.
— Tagegeskalender für Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Reifende Jugend". — Waldeslust am Flughafen: Konzert mit Tanz.
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** Amtsjubiläum. Der Technische Assistent an der Psychiatrischen und Nervenklinik zu Gießen, Wilhelm Wulkau, Frankfurter Straße 103 wohnhaft, beging — wie man uns verspätet berichtet — am vorigen Montag sein 25. Dienstjubiläum. Die Direktion der Klinik veranstaltete im Hörsaal eine würdige Feier, bei der die verdienstvolle Tätigkeit des Jubilars hervorgehoben und anerkannt wurde. Dem Jubilar wurden zahlreiche Wünsche und Aufmerksamkeiten, auch seitens des Rektors der Landesuniversität und des Verwaltungsdirektors der Universitätskliniken, zuteil.
** Mit dem Auto gegen eine Tele- graphenstange gefahren. Vor der Ortschaft Mademühlen bei Herborn fuhr gestern der Kaufmann Hans Mandler aus Gießen mit seinem Personenkraftwagen gegen eine Tele graphenstange. Der Wagen wurde dabei vollkommen zertrümmert, während der Fahrer einen schweren Beckenbruch erlitt
Frau, aus Darmstadt, Griesheim, Pfungstadt, Ar- heilgen, Schneppenhausen, Erzhausen, Oberram- stadt, Bickenbach, Weiterstadt und Wixhausen. Zwei der Angeklagten hatten sich wegen H o ch v e r r a t s und Vergehens gegen das Gesetz gegen Neubildung von Parteien zu verantworten. Alle Angeklagten waren beschuldigt, bis zum Spätjahr 1933 Gelder für die Kommunistische Partei gesammelt und den Zusammenschluß der KPD. gefördert bzw. organisiert zu haben. Das Gericht verurteilte einen Angeklagten zu zwei Jahren neun Monaten Gefängnis, zwei zu ein Jahr neun Monaten, einen zu einem Jahr sechs Monaten, fünf zu einem Jahr drei Monaten, fünf und die Frau zu einem Jahr, zwei zu sechs Monaten Gefängnis. Das Verfahren gegen drei Angeklagte wurde abgetrennt und die übrigen mangels Beweises freigesprochen.
Preußen.
Goldenes Ooktorjubiiäum.
DU Marburg, 27.Juli. Der hier im Ruhestand lebende Literarhistoriker Geheimrat Professor Dr. Ernst E l ft e r konnte gestern fein goldenes Doktorjubiläum begehen. Der bekannte Gelehrte vertrat vom Jahre 1901 an fast drei Jahrzehnte hindurch an der Philippsuniversität die neuere deutsche Sprache und Literatur. Ein Glückwunschdiplom, das ihm von der philosophischen Fakultät der Universität Leipzig (wo er promovierte) übersandt wurde, feiert ihn als den gelehrten Er- forscher der älteren und neueren deutschen Literatur, den sorgfältigen Herausgeber vieler Dichter uni)
Die Iettung der Kamille
hat Verpflichtungen besonderer Art weit über die Anforderungen des Tages hinaus, die sich mit den Vorgängen des öffentlichen Lebens draußen und in der Heimat durch das gedruckte Wort befassen. Eine Heimatzeitung von der Kulturbedeutung für das Famllienleben, wie sie seit 184 Jahren im
GieSener Älmeigev
wirksam ist, muß auch in unterhaltendem und belehrendem Sinne eine vorbildliche geistige Kost bieten. Dieser Kulturarbeit dienen im besonderen die eigenen BeUagen neben dem täglichen UnterhaltungsteU in der Zeitung. Auch der tägliche Roman in Fortsetzungen wird im Familienkreise als angenehme Entspannung von des Tages Arbeit und Sorge begrüßt; auf dieses natürliche Bedürfnis muß der Roman abgestimmt sein. Heute beginnt wieder ein großes Romanwerk, und es bietet sich damit ein günstiger Zeitpunkt zur erneuten Bestellung des Gießener Anzeigers für August. Dazu ladet freundlichst ein
Die Ieitmrg der Heimat
und in das Herborner Krankenhaus eingeliefert wenden mußte. Sein Befinden ist den Umständen entsprechend gut.
Oberheffen.
Straßensperre im Vogelsberg.
Das Hessische Kreisamt Schotten macht bekannt: Ab Montag, 30. Juli, ist die Durchfahrt über das Straßenkreuz Poppenftruth wegen drin- ?ender Straßenbauarbeiten für jeden Fahrzeugver- ehr bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung findet wie folgt statt: 1. Umleitung des gesamten Fernverkehrs von Schotten über Hartmannshain nach Lauterbach; 2. für den örtlichen Verkehr von Schotten über Betzenrod, Altenhain, Wohnfeld, Bobenhausen II, Ulrichstein oder von Schotten über Rudingshain, Charlottenhöhe, Wiesenhof, Ulrichstein (Einfahrt 200 Meter vor der Poppensttuth nach der Charlottenhöhe).
Kreis Schotten.
§ Vom Vogelsberg, 28. Juli. Die feit einiger Zeit zur Arbeit an den Dreschmaschinen in der Wetterau abgereiften Dreschmaschinenarbeiter aus den Dogelsbergorten sind teilweise wieder heim- gekehrt, weil vielerorts infolge Unwetters die Einbringung der Ernte sich verzögert hat und die Drescherei unterbrochen werden muß.
Kreis Alsfeld.
X Aus dem oberen Ohmtal, 28. Juli. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag tobte hier gegen Mitternacht und noch darüber hinaus ein starkes Unwetter. Der Regenguß nahm zeitweise wolkenbruchartigen Charakter an. Dazu erhob sich ein kräftiger Sturmwind, der allenthalben Schaden anrichtete und auf den Feldern die Getreidehaufen durcheinanderwarf. Auf sogenannten „Klecken" liegende Frucht ist mancherorts über den ganzen Acker zerstreut. Recht übel hat der Sturmwind den Obstbäumen mitgespielt. Schwer mit Früchten beladene Aeste sind geknickt bzw. direkt abgebrochen, wie z. B. bei Ober-Ohmen an der Ohm- straße. Außerdem ist viel unreifes Obst zu Boden geschlagen worden. Der starke Regen hat allerdings die so notwendige Durchweichung des Bodens gebracht, so daß jetzt mit dem Pflugen harter Aecker begonnen werden kann, da die Bauern gezwungen sind, roeaen Grünfuttermangel Senf und andere Futtermittel anzubauen.
©tarfetflimrg.
Prozeß gegen 34 ehemalige Kommunisten.
LPD. Darmstadt, 27. Juli. Heute in den späten Abendstunden wurde das Urteil gegen 34 ehemalige Kommunisten gefällt, gegen die der Strafsenat des Hessischen Oberlandesgerichts unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt hatte. Angeklagt waren 34 ehemalige Kommunisten im Alter von 22 bis 48 Jahren, darunter auch eine
scharfsinnigen Begründer der Prinzipien der Lite- raturwrsfenschaft.
Lotteriepech.
Wetzlar, 27. Juli. (LPD.) Einige Wetzlarer Lotteriespieler, die bet der Preußisch^Süddeutschen Staatslotterie seit Jahren das Los Nummer 69 804 gespielt haben, hatten bei der vorhergehenden Serie die Erneuerung des Loses nicht mehr vorgenorn- men, so daß es in andere Hände überging Bei der letzten Ziehung (4. Klasse) fiel ein 100000- Mark-Gewinn auf diese Nummer. Es sind kleine Leute in Wetzlar, die sich jetzt in den Gewinn teilen können. Die Enttäuschung der früheren Losinhaber, die aus irgendeinem Grunde die Erneuerung des Glücksloses nicht mehr vorgenommen hatten, kann man sich lebhaft vorstellen.
Die spanischen Schatzschwindler erneut am Werk.
LPD. Frankfurt a. M., 27. Juli. Trotz der vielen Pressewarnungen gelingt es den sogen, spanischen Schatzschwindlern immer wieder, Personen mit ihrem Schwindel hereinzulegen. Es hat wohl noch keinen plumperen und dennoch erfolgreicheren Schwindel gegeben, als die Betrügereien der spanischen Schatzschwindler, die seit fünfzig Jahren mit dem gleichen Rezept arbeiten und immer wieder Opfer finden.
Auch jetzt machen sich die Schwindler wieder in der Umgegend von Frankfurt bemerkbar. Ein Geschäftsmann erhielt einen Brief aus Barcelona, in dem sich ein Unbekannter vertraulich an ihn wandte und um Hilfe bat. Der spanische Caballero sitzt angeblich wegen Bankrotts im Gefängnis und konnte sich nicht in den Besitz feines an einer Grenzstation lagernden Koffers, in welchem sich in einem doppelten Boden Gepäckscheine über ein Millionenvermögen befinden sollen, setzen. Ein anderer Koffer, in dem sich das Millionenvermögen befinden solle, sei vom Gericht beschlag- nahmt worden. Der Geschäftsmann brauche nur eine Kaution von 6000 Mark zu stellen, dann bekäme er den Koffer und 100 000 Mark als Belohnung.
Der Geschäftsmann fuhr persönlich nach Barcelona, wo er einen angeblich bestochenen Gerichtsdiener traf, der vermutlich der Schatzschwindler in eigener Person war. Er übergab die gewünschten 6000 Mark als Kaution und erhielt einen Koffer mit doppeltem Boden, in dem sich ein Scheck über 100 000 Mark und Pfandscheine befanden. An der angeblichen Grenzstation fand sich aber kein Koffer vor und für den Scheck über 100 000 Mark war keine Deckung vorhanden. Der Geschäftsmann hat neben dem Verlust der 6000 Mark ein Verfahren wegen Devisenvergehens gegen sich schweben, weil er ohne Genehmigung Geld in das Ausland verbrachte. Die Polizei bittet in allen Fällen um Ablieferung derartiger Schwindelbriefe.
Kreis Marburg.
Marburg, 27.Juli. (LPD.) Die allen hessischen Jungwanderern durch ihre schöne Lage am
Universitätsstadion mit dem Blick auf die vom Landgrafenschloß gekrönte Stadt wohlbekannte Marburger Jugendherberge kann in diesen Tagen aus ihr zehnjähriges B e st e h e n zurückblicken. Unter größten Schwierigkeiten wurde der Neubau während der Inflationszeit als erstes -Eigenheim des Gaues Main-Lahn-Fulda (DJH.) begonnen, nachdem die vorher provisorisch als Ju- aendherberge dienenden Schulröume der Oberrealschule den stetig wachsenden Besucherzahlen nicht mehr genügt hatten. Aus diesem Grunde mußte auch die neue Herberge bereits im Jahre 1930 erweitert werden und bietet jetzt Uebernachtungs- gelegenheit für 84 Besucher. Die Zahl der Uebernachtungen stieg von 3878 im Jahre 1925 auf 7906 im Jahre 1931. Im Jahre 1933 wurden 6564 Uebernachtungen verzeichnet.
OerneueWegunsererIugeud.
Es ist eine Freude, zu sehen, mit welcher Kraft und welchem starken Willen die Jugend jetzt wieder zur Arbeit hindrängt. Der Arbeitseinsatz der Jugend bedarf meist gar keines Zwanges. Die wichtigste Aufgabe des Staates besteht vielmehr darin, den Drang der Jugend nach der Erringung eines Arbeitsplatzes in die richtigen Bahnen zu lenken.
Die Sehnsucht der Jugend nach einer eigenen Scholle, auf der sie siedeln und arbeiten kann, ist begreiflich und verdient jede Unterstützung. Aber sie darf und soll erst nach ausreichender beruflicher Vorbereitung ihre Erfüllung finden.
Die auf unmittelbare Ansiedlung gerichteten Bestrebungen der Jugend treffen zusammen mit der Notwendigkeit, einen Teil der bisher in der Industrie tätigen oder als Nachwuchs der industriellen Arbeiterschaft in Bettacht kommenden Kräfte aus der Stadt auf das Land zu verpflanzen. Die Tätigkeit Jugendlicher als Landhelfer, im Arbeitsdienst usw. läßt bei vielen den Wunsch wach werden, sich für immer auf dem Lande als Siedler oder Bauer zu verwurzeln. Daraus folgt, daß Landhelfer- d i e n ft und Arbeitsdienst notwendige Vorstufen für die spätere Siedlungstätigkeit sind.
Der Arbeitsdienst erweckt in den Jugendlichen vor allem das Bewußtsein, daß sie wieder in die Front der arbeitstätigen Volksgenossen eingereiht sind. Darum sollte für jeden Jugendlichen im Alter von 19 bis 20 Jahren, der später als Siedler die eigene Scholle bebauen will, der Arbeitsdienst Pflicht und unumgängliche Vorbedingung der späteren Zulassung als Siedler sein.
Die erste Stufe, auf der der künftige Siedler in seinen Beruf hineinwachst, ist die Landhilfe.
Hier kann bereits eine innere Verbundenheit mit dem Lande und der ländlichen Arbeit erworben werden, die dem späteren Arbeitsdienstpflichtigen und Siedler von großem Nutzen fein wird. Zur* Landhilfe wird heute in erster Linie die schulentlassene Jugend herangezogen, soweit für sie im Augenblick keine geeigneten Lehr- und Arbeitsstellen vorhanden sind. Sie wird auf diese Weise zum Nachwuchs des durch Landflucht bisher vielfach feines natürlichen Ersatzes beraubten Bauern- und Landarbeiterstandes herangebildet. Die Landhilfe ist also mehr als eine Not« standsaktion f ü r d i e arbeitslose Jugend. Sie ist ein wichtiges Mittel zur beruflichen Umschichtung der Stadtbeoölkerung und zur Rückführung des städtischen Nachwuchses auf das flache Land.
An den Arbeitsdienst der Zwanzigjährigen reiht sich dann der Siedlungsdienst an.
Er dient dazu, die zur Siedlung wirklich geeigneten jungen Männer auszusondern, damit sie als Landarbeiter, Landangestellte ober Landhandwerker in ihren späteren Beruf eingeordnet werden. So werden sie schließlich wohlvorbereitet als Siedler wertvolle- Arbeit leisten und sich eine dauernde Existenz schaffen können. Das ist der neue Weg der Jugend zur ländlichen Arbeit, auf dem ein Siebter tum geschaffen werden wird, besten Zukunft gesichert ist. Auf einem solchen höchstqualifizierten Siedlernachwuchs beruht zugleich zu einem guten Teile bie Hoffnung auf eine innere Erneuerung unseres Volkes durch Neuverwurzelung mit dem deutschen Boden.
Aus aller Well.
Wieder ein Sprengfloffauschlag aus einen Pariser Untergrundbahnhof.
Auf einer Untergrundböhnstation im Montpar» nasse-Viertel von Paris wurden durch die Explosion eines umfangreichen Paketes, das man unter einer Wagenbank gefunden hatte, der Bahnhofsver- steher getötet und ein anderer Bahnbeamter schwer verletzt. Die Höllenmaschinen-Anschläge, die sich vor einigen Wochen gehäuft und dann plötzlich nachgelassen hatten, scheinen wieder aufzuleben. Trotz aller Bemühungen ist es nicht gelungen, die Täter der früheren Anschläge ausfindig zu machen. Nach allgemeiner Auffassung hat eine weitverzweigte Anarchistenbande die Hand im Spiel. Die polizeiliche Untersuchung hat bisher nur zu der Feststellung geführt, daß das Explosionsgerät viel gefährlicher gewesen ist, als bie SpreiMstoffpakete, bie in letzter Zeit in Paris von Unbekannten verschickt ober niebergelegt worben finb. Der Kontrolleur berichtet, baß er in einem Wagen erster Klasse einen Fahrgast bemerkt habe, ber beim Aus- fteigen zwei eingewickelte Pakete, bie burch eine Schnur miteinanber oerbunben waren, unter feinem Sitz liegen ließ. Der Kontrolleur habe sich vorgenommen, bie beiben vergessenen Pakete in ber nächsten Station beim Funbbureau abzugeben, es habe sich aber vorher schon bie Explosion ereignet. Der Explosivstoff, ber sich in ben Paketen befand, wird zur Zeit vom städtischen Laboratorium untersucht. Soweit bis jetzt feststeht, handelt es sich um einen Sprengstoff, der ungeheuren Schaden hätte anrichten können, wenn er in einem starkbesetzten Wagen zur Explosion gekommen wäre.
Riesenwaldbrand in Kalifornien.
Infolge eines Kurzschlusses in der Starkstromleitung entstand in ber Umgebung von Pasabena (Kalifornien) ein Walbdranb, ber sich mit großer Geschwindigkeit ausdehnte und bereits 3000 Morgen Wald erfaßt hat. An den Löscharbeiten sind Tausende von Freiwilligen beschäftigt. 34 Personen haben Brandwunden erlitten, die zum Teil schwerer Natur sind. Starker Wind und die große Hitze erschweren die Löscharbeiten außerordentlich. Das Feuer wird in der Richtung auf ben Kurort Mount Lowe weitergetrieben. Der Ort ist geräumt worden.


