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Rache für Elsaß-Lothringen, England verfolgte mit grimmigem Unbehagen das Wachstum des deutschen Welthandels und der von heroischem Seemannsgeist erfüllten deutschen Flotte. Rußland war von schwe­ren inneren Krisen erschüttert und darauf bedacht, das Volk durch Kriegserfolge von dem Umsichgrei­fen der kommunistischen Ideen abzulenken. In dem unruhigen Wetterwinkel Europas, auf dem Balkan, zuckten die Blitze. Die Habsburger Doppelmonarchie war bis zum Bersten von inneren Spannungen er­füllt. Jeder fühlte, daß die Feinde Deutschlands zum Handeln drängten, daß man das 1871 geeinte, auf­strebende deutsche Volk vernichten wollte, um sich auf diese bequeme Weise seines erstarkenden Lebens­rechtes zu erwehren, und dieser Zustand der Unge­wißheit und Gefahr lag drückend auf den Gemü­tern. So ist es zu verstehen, daß das deutsche Volk, zur Entscheidung gerufen, entschlossen und kampf- oestimmt zu den Waffen griff. Die stickige Atmo­sphäre in Europa war seiner ehrlichen Art zuwider. Es wußte, daß es aufs Reue mit den Waffen er­werben mußte, was es von den Vätern ererbt hatte, und es wollte der Welt zeigen, daß man sich nicht ungestraft an seiner Ehre und seinem Besitz vergrei­sen durfte.

Als nach den dramatischen Bemühungen Kaiser Wilhelms, dem russischen Zaren die große Verant­wortung vor Augen zu führen, die Vergeblichkeit aller Hoffnungen zutage trat und der Krieg erklärt wurde, wuchs die Begeisterung zu einem wahren Taumel. Es zeigte sich in einer geradezu überwäl­tigenden Form, wie stark im deutschen Menschen der Idealismus wurzelt, wie rasch sich der marxisti­sche Glaube an den Materialismus der Massen und die Weltoerbrüderung in Dunst auflöste. Wahr­haftig, es lebt der Mensch nicht vom Brot allein, stärker in ihm ist die Leidenschaft zum Kämpferi­schen, zum Heldischen, zur Einordnung in den Ge­danken der Gemeinschaft. Die Straßen aller Städte und Dörfer füllten sich mit erregten Menschen, überall zeigte sich die Zuversicht auf ein siegreiches Ringen mit den Feinden des geliebten Vaterlandes. Die Fabriken und Werkstätten verödeten. Verbunden zogen die Männer, denen die Ehre das Vaterland xu verteidigen zufiel, durch die Straßen, nicht min­der tapfer die Frauen, im Tiefften wohl bang, be­sorgt um das Schicksal, aber nach außen stolz, freu­dig, ermunternd. Auch wer nicht militärisch ausge­bildet war ober das Kriegsdienstalter überschritten hatte, meldete sich zu den Waffen. Keinen duldete es zu Hause, auch wenn das Haar schon gebleicht war oder dem Körper die Kraft zum Ertragen der Strapazen mangelte, irgendwie wollte jeder der bedrohten Heimaterde beistehen. In der deutschen Jugend, die noch in den Schulbänken gefangen war, lebte der heiße Wunsch, rasch erwachsen zu sein, um mit hinausziehen zu dürfen er sollte für Diele in tragischer Weise in Erfüllung gehen. In Berlin war das Schloß von Menschenmassen um­brandet. Es war ein Eindruck tiefster Erschütterung, als der Kaiser auf den Balkon trat und in feiner Ansprache den berühmt gewordenen Satz prägte: Ich kenne keine Parteien mehr ich kenne nur noch Deutsche!" Die Raschheit, mit der sich die Er- nisse überstürzten, mit der in wenigen Tagen die Fronten im Westen und Osten in Bewegung kamen, die Unheimlichkeit des Schicksals, das feindliche Mil- lionenheere gegen die deutschen Grenzen ansetzte,

Zu Ehren des ermordeten Berliner Hitlerjungen Herbert Norkus wurde die Ottoftraße in Berlin, in der der junge Vorkämpfer des Nationalsozialismus fein Leben ließ, inNo r - kusstraße" umbenannt. Die Aufnahme hat den Augenblick festgehalten, in dem unter den Klängen des LiedesIch hat? einen Kameraden" die Fahnen zu Ehren des Toten gesenkt wurden.

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Der Leichenzug, der die sterbliche Hülle des Bundeskanzlers vom Bundeskanzlerpalais zum Rathaus überführte, in der Ringstraße in Wien vor dem Parlament.

schuf eine Stimmung, die bei aller Zuversichtlichkeit wie ein Irrlicht hin und her flackerte. Sie äußerte sich teilweise in einer lächerlich übertriebenen Spio- nenfurcht. Harmlose Vorgänge führten zu Derhaf- tungen durch das Publikum, die mitunter einen tragikomischen Anstrich hatten. Die Gerüchte hatten einen fetten Nährboden. Man flüsterte sich zu, daß große Goldtransporte von Frankreich nach Rußland auf den Landstraßen unterwegs seien und man­ches unschuldige Auto hat sich eine erregte Unter­suchung gefallen lassen müssen. Jeder wetteiferte mit dem anderen, ein guter Patriot zu fein, und wenn er nicht einrücken konnte, zeigte er seinen heiligen Eifer in der Abwehr eingebildeter Gefahren auf eigenem Boden.

Aus den Kasernen rückten mit klingendem Spiel in endlosem Zug, musterhaft ausgerüstet bis zum letzten Knopf, die aktiven und die Reserveregimen­ter. Mit einem Schlage war das vielfältige Volk eine einzige graue Masse geworden. Unter den Hel­men verschwand das Gesicht des einzelnen, entstand das eherne Antlitz des deutschen Kriegers, der tapfer und entschlossen fein Leben dem Volk darbot.

In den Kasernenhöfen versammelten sich aber auch die Landwehr- und Landsturmleute, meist ältere Familienväter, aber ebenso freudig bewegt von dem Gedanken, ihrem Leden einen höheren Sinn zu geben. Mit Neid fast blickten sie den neueinge­kleideten aktiven und Reserveregimentern nach; denn sie mußten sich mit den abgelegten Garnituren zufriedengeben. Da kamen aus den Kammern alte Litewken und Tschakos aus dem Krieg 1870/71 mit dem eingepreßten eisernen Kreuz zum Vorschein, da wurden alte Hosen und Stiefel und brüchige Kop­pel vom Speicher auf den Hof geworfen, mit denen sich der braue Landwehrmann zurechtfinden mußte. Da gab es keine Feldküche, kein Feldgerät. Wenn man nach anstrengendem Marsch abends ins Quar­tier kam, mußte erst eine Kuh geschlachtet werden, und oft war der müde Körper in Schlaf gesunken, ehe sie weichgekocht war. Nach dem Kriegsplan hatte man angenommen, daß Landwehr und Land­sturm im Osten nur als Grenzschutz Verwendung finden sollten und nicht als fechtende Truppe in Frage kämen. Das Hauptheer sollte zunächst in raschen Schlägen Frankreich niederwerfen und dann erst im Osten eingesetzt werden. Man vertraute da­bei -der Schwerfälligkeit des russischen Aufmarsches» Nun aber waren die Zarenregimenter, schon Wochen vor Kriegsbeginn in Marsch gesetzt, bereits vor den deutschen Grenzen. Da mußten die braven Land­wehr- und Landsturmleute mit ihrer dürftigen Aus­rüstung den gleichen Frontdienst leisten wie die frisch aus der Ausbildung kommenden Aktiven. Wer die Augusttags 1914 bei der Truppe miterlebt hat, wird mit besonderer Ergriffenheit in der Erinne­rung bewahren, mit welchem heiligen Wetteifer die alten und die jungen Regimenter, wie Väter und Söhne, um die Siege jenes glorreichen Monats gerungen haben.

Daten für Samstag, 28. Juli.

1502: St. Marienkirche in Danzig vollendet. 1742: Der Friede zu Berlin beendet den 1. Schlesi­schen Krieg. 1750: Johann Sebastian Bach in Leipzig gestorben (1685 geboren). 1794: Hin­richtung Robespierres in Paris (1758 geboren)

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