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Ur. 174 Erster Blatt

184. Jahrgang

5amrtag.28.Zull 1934

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Die Verhandlungen zur Kabineilsumbildung

Da bis zum Ablauf des gestellten Ultimatums

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nur noch wenige Minuten übrig blieben und nad)! San 31 e r p o ft e n

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renb die Dresse eines nichtdeutschen angrenzenden 'Staat angeordnet, daß die Partei mehr noch als Staates das bewaffnete Einschreiten ihrer Heeres- bisher dadurch zur gesetzgeberischen Ar- morfit fordert Don welcher Seite eine Bedrohung beit herangezogen wird, daß der Stellvertreter des der Unabbäniakeit ausgeht, kann man an Hand Führers, Reichsminister Rudolf Heß, oder von ihm dieser Überlegungen leicht feststellen. bestellte Referenten das Recht erhalten an derBe-

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den mir übereinstimmend abgegebenen Erklärungen eine friedliche Lösung nur möglich sei, wenn ich bem an mich gerichteten Ersuchen stattgebe, habe ich Mi­nister Neustädter-Stürmer aufgesucht. Zu Beginn dieser Unterredung teilte mir dieser mit, das Herr Dollfuß tot sei. Sodann bestätigte der Minister mir den Inhalt der getroffenen Verein­barung und das zugesicherte freie Geleit für die ge- samte im Gebäude befindliche bewaffnete Truppe. Die gleiche Bestätigung erhielt ich von dem eben­falls anwesenden Minister Fey.

Schuschnigg Bundeskanzler? Der österreichische Unterrichtsminister Schuschnigg, dessen Be­rufung zum Bundeskanzler erwartet wird.

Wien, 27. Juli. (DNB.) lieber die bevorstehen­de Kabinettsumbildung finden gegenwär­tig eingehende Verhandlungen innerhalb der maß­gebenden Regierungskreise statt. Bundespräsident

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70mm Brette. 60 Rpf.»Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen«, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts- u.

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daß, wenn ich diese Mitteilung aus den erwähn­ten Gründen entgegennehme, ich dies nur persönlich tue.

Der noch in dem belagerten Gebäude eingeschlos­sene Staatssekretär K a r w i n s k y ließ mich dar­aufhin zu einer Unterredung am Fenster dieses Ge­bäudes bitten. Herr Minister N e ustädter- Stürmer, den ich u>m seine Stellungnahme hier­zu befragte, erwiderte, er wolle dazu nicht Stellung nehmen und dies meinem Ermessen überlassen. Darauf habe ich die Unterredung ab gelehnt. Als ich im Begriff war, mein Auto zur Wegfahrt zu besteigen, wurde ich von den herbeieilenden Po­lizeioffizieren dringend ersucht, noch zu verweilen, weil Herr Staatssekretär Karwinsky aus dem Gebäude selbst zu mir herauskomme. Die­ser schritt eiligst auf mich zu und bat mich, mit ihm und dem ebenfalls hinzugekommenen Minister Fey zu einem Tor des Bundeskanzleramtes zu gehen, um Hauptmann Friedrich mitzuteilen, daß die Minister mir das Abkommen bestätigt hätten. In der Begleitung der beiden Minister begab ich mich dann dorthin und teilte dieses dem in einem Tor-

Ich habe hierzu keinerlei Zustimmung oder sonstige Erklärung gegeben, jedoch betont,

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Postscheckkonto: behördliche Anzeigen 6Rpf.

granffuri am Main liess Druck nnd Verlag: vrühl'sche UniverfitStrvuch- und Steindruckerei V.Lange in Siehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 M-ngenabschlüff-Staffel 8

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jeden Verdacht und die leiseste Möglichkeit einer, hat in seiner Eigenschaft als Reichskanzler zur wei- Verlekuna der Hoheitsrechte auszufchließen, wäh- teren V e r e i n h ei t l i ch u ng v onPartel u n d . y . O .____ rtnnronionhon '

RGOAP. und Gesehgebung.

München, 27. Juli. (DNB.) Die Reichspresse­stelle der NSDAP, gibt bekannt: Der Führer

Vertagung des nienielländischenLandtags

K o w n o, 28. Juli. (DNB.) Die Litauische Tele- graphen-Agentur verbreitet über die für Freitag angesetzte Sitzung des memelländischen Landtages folgende Meldung:

Der memelländische Landtag trat um 16 Uhr zu­sammen, um eine Erklärung des Direktoriums R e i s k y s entgegenzunehmen. Der stellvertre­tende Präsident W a s ch k i e s eröffnete die Sitzung mit ldem Antrag, die Zahl der anwesenden Mitglie­der des Hauses festzustellen. Da von 29 Mit- gliedern nur 14 anwesend waren, er­klärte der Präsident, es sei unmöglich, in die Beratung einzutreten, da nach Geschäfts­ordnung die Anwesenheit von mindestens 20 Mit­gliedern notwendig sei. Er schloß darauf die Sitzung»

Die Meldung des Litauischen Telegraphen-Büros fügt dann noch hinzu, daß die Mandate von sechs Mitgliedern des Landtages vor einiger Zeitroegen Beteiligung an einer umstürzlerischen Bewegung* gelöscht worden seien. Trotzdem seien die Betref­fenden durch ihre Listennachfolger ersetzt worden.

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Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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spalt sichtbar werdenden Hauptmann Friedrich mit, worauf ich den Platz verließ.

Aus dieser Schilderung der stattgehabten Vor­gänge geht zunächst hervor, daß ich nicht, .wie behauptet worden ist, eine Vermitte­lungsaktion eingeleitet oder mich daran beteiligt habe, sondern daß ich lediglich die Mitteilung einer bereits statt­gehabten Vereinbarung gewissermaßen als Zeuge entgegengenommen habe, ohne mich dazu zu äußern. Es erhellt ferner daraus, daß ich auch nicht auf Veranlassung der in das Bundes­kanzleramt eingedrungenen Truppe gehandelt habe, sondern ich nur im Einvernehmen mit dem mir zum Ausdruck gebrachten Wunsche österreichischer Regierungsmit­glieder vorgegangen bin.

Es ist schließlich klar dies betone ich besonders daß ich mich zu dem beschriebenen Schritt nur entschlossen habe, um noch in letzter Minute, als der militärische Angriff auf das Gebäude des

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Hitler stiftet Frieden.

Die Berufung des ehemaligen Vizekanzlers von Popen auf den Poften des deutschen Ge­sandten in Wien ist unter dem ausdrücklichen persönlichen Wunsche des Führers erfolgt, er sel­ber wolle zur Entspannung der Gesamtlage in Europa beitragen und das Verhältnis zum deutsch- österreichischen Staat wieder in normale und freundschaftliche Bahnen geleitet sehen. Damit ist der seit jeher von der nationalsozialisti­schen Bewegung proklamierte Grundsatz der Welt von neuem ins Gedächtnis zurückzurufen, der die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates als Mittel der Außenpolitik ver­wirft, und der auch nicht unterhöhlt werden konnte durch einen Mißgriff des früheren Landesinfpek- teurs Habicht, der gerade wegen der Gefährdung dieses Grundsatzes von Adolf Hitler feines Po­stens enthoben wurde. Das Gegenteil ist von ge­hässigen Auslandsjournalisten nie bewiesen worden, ihre Verdächtigungen haben sich bei näherer Nach­prüfung stets als völlig haltlos erwiesen. Es wider­spricht also der Wahrheit, wenn große Teile der aus­ländischen Presse, wie schon so oft, von einem Um­fall, von einer veränderten Haltung, von einer Be­günstigung des österreichischen Aufstandes durch Deutschland faseln, um dann plötzlich einenRück­zug" der deutschen Regierung festzustellen. Das alles sind Anwürfe, die ihre wahre Ursache nicht in Ber­lin, sondern in den vermeintlichen inner- und außen­politischen Bedürfnissen der Ursprungsländer solcher Tartarennachrichten haben und die dem politischen Verständnis und Charakter ihrer Urheber wenig Ehre machen.

Die deutsche Presse hat eine Umstellung nicht nötig gehabt. Die deutsche amtliche Auffassung von den Notwendigkeiten der internationalen Politik hat sich seit dem 30. Januar 1933 nie verändert. Sie führt von der großen Friedensrede des Reichskanz­lers gm 17. Mai 1933 im Reichstag über das deutsch-polnische Verständigungsabkommen, die Ehrenrettung der Nation durch den Dölkerbunds- austritt und die Zusammenkunft Hitlers mit Musso­lini in einer graben Linie auf den heutigen Tag hin, und sie hat als alleinigen Inhalt die friedliche Zusammenarbeit der Regierungen un­ter völliger Wahrung der Ehre jeden V o lk e s. Daß der Einhaltung dieser Linie wieder­holt störende Hindernisse entgegentraten, ist die Schuld derjenigen, die an der Befriedung Europas aus unschwer zu erkennenden eigensüchtigen Moti­ven kein Interesse haben. So erklärt sich dasHo­sianna" und dasKreuziget ihn", das abwechselnd aus dem ausländischen Blätterwald herausscholl, so erklärt sich auch der plötzliche Meinungsumschwung, der leider auch die italienische Presse nicht zum ersten Mal ergriffen hat. Man kann die hem­mungslosen Ausfälle der römischen Artikelschreiber, die ba^s mühsam begonnene europäische Aufbauwerk des Führers und des Duce zu sabotieren drohen, kaum noch mit südlichem Temperament entschuldigen.

Hohe Wortführer in Rom haben dem Bericht­erstatter der LondonerTimes" berichtet, Italien wünsche dringend, daß die Lage nicht durch irgend­welche unüberlegten Aeußerungen ernster gemacht würde und daß die schweren Gefahren für den Frieden am besten dadurch vermieden werden könnten, daß in ganz Europa Kaltblütigkeit bewahrt werde. Sehr bedauerlich ist, daß diese Absichten der italienischen Regierung in der italienischen Presse in das gerade Gegenteil verkehrt werden. Es ist da die Rede von derdeutschen Komplizenschaft", von derVerantwortlichkeit der deutschen Regierung für das in Oesterreich geflossene Blut", von den »barbarischen Nibelungen", von demDienst an der Gottlosigkeit". Hat jemals eine deutsche Zeitung seit der nationalsozialistischen Revolution irgendein Volk, irgendeine Rasse mit ähnlichen Ausdrücken bedacht? Der eigentliche Sinn solcher Hetze, zu der sich die Organe der öffentlichen Meinung in Italien in verantwortungslosem Leichtsinn haben hinreißen lassen, wird vielleicht aus einer anderen Beobach­tung klar. Es ist eine höchst beachtenswerte Tat­sache, daß die Wiener Presse in ihren Schlußfolge­rungen und in der Beurteilung der gegenwärtigen Lage sehr viel zurückhaltender und ruhiger ist, als die italienische. Am Wiener Ballhausplatz hat man von dem Schreiben des deutschen Reichskanzlers an Vizekanzler von Papen mit großer Genugtuung Kenntnis genommen. Es geht wie ein Aufatmen durch das ganze österreichische Volk, das in der Entscheidung Adolf Hitlers einen wichtigen Schritt zur endgültigen Beilegung des tragischen Streites zwischen den bei­den deutschen Stämmen erblickt. Aber diese Hoff­nungen werden in der italienischen Presse nicht ge­teilt. Die österreichische Regierung wird auch nicht müde, immer wieder zu erklären, im ganzen Lande herrsche vollkommene Ruhe und der Widerstand der Ausrührer sei endgültig gebrochen. Warum glaubt man aber in der italienischen Presse nicht diesen ausdrücklichen Versicherungen feiner Freunde, warum betont man so herausfordernd, daß das italienische Heer in Waffen an der österreichischen Grenze stehe, um zu marschieren, und daß es be­reit sei, die (von niemandem bedrohte) Unabhängig­keit Oesterreichs auch mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, warum spielt man mit dem Ge­danken einer militärischen Besetzung Oesterreichs, warum spricht man von derPflicht zu handeln", um denEreignissen zuvorzukommen"? Warum Vie Erinnerung an das Attentat von Serajewo? Soll eine neue Kriegsschuldlüge erfunden werden? Warum bezeichnet man als stärksten Garanten der österreichischenUnabhängigkeit" ausgerechnet die Heimwehr, die ihre gute Ausrüstung und ihre große zahlenmäßige Stärke bekanntlich ausländi­schen Geldquellen verdankt? Fürwahr, es ist schon ein grotesker Zustand, daß zwischen zwei deutschen Staaten die Grenzen geschlossen werden, um auch

Miklas sost, wie von gut unterrichteter Seite ver­lautet, feit dem Tode von Dollfuß einen maß­gebenden Einfluß auf die Regie­rungsgeschäfte und die Verhandlungen zur Neubildung der Regierung ausüben. Für den v' , l kommt gegenwärtig in erster

Linie der Unterrichtsminister Schuschnigg und der ehemalige Staatssekretär und bisherige Landes­hauptmann von Oberösterreich, Gleißner, in Frage. Die Kandidatur des Unterrichtsministers Schuschnigg soll von hoher kirchliche?

Seite weitgehend Unterstützung finden. Es wird jedoch als nicht ausgeschlossen angesehen, baß ber Bunbespräsibent ein vom bisherigen Verfassungs­minister Dr. E n b e r geleitetes Uebergangs» kabinett bilbet, um zunächst bas innenpo­litische Kräfteverhältnis zu klären unb nach einiger Zeit bie enbgüüige Kabinettsbil- bung vorzunehmen. Der bisher vielgenannte frü­here Heeresminister General D a u g o i n unb ber

In ber gegen Den.W-nb hetzenden Presse ist in biefen lagen niet non berRettung be« ^Hebens , non berGefährdung ber mobernen Zwilssatwn , von berUnabhängigkeit" unb von bem tragischen Ende bes österreichischen Bundeskanzlers die Rebe gewesen, aber non ber Tragob.e be- Österreich, chen Boltes, non seiner Dual unb seinem helben- haften Ausharren unter bem Zwange der Regie- rung unb Friedensdiktat hat memanb gesprochen. Dient bie Politik ben Menschen ober bienen bie deutschen Menschen in Oesterreich irgendwelchen nichtdeutschen Politikern? Laht bas Boi f ent = scheiben! Warum ist man in Italien päpstlicher als ber Papst? Oesterreich wünscht statt ungebete­ner und bebingter Fürsorge ben friedlichen Aus- gleich mit dem beutschen Bruderreich unb eine fruchtbare Zusammenarbeit aller Na- Honen, für bie Hitler bie Borbebingung gegeben hat.

gegenwärtige Vizekanzler Starhernberg sollen für den Kanzlerposten nicht mehr in Frage kom­men. Man nimmt an, daß Minister Fey mit der Vertretung Oesterreichs auf einem wichtigen Auslandsposten, möglicher­weise bei der ungarischen Regierung, betraut wird. Im Zuge ber Kabinettsumbilbung wirb erwartet, baß bas Sicherheitsmini st erium jetzt dem Fürsten Starhernberg übertragen wird, der jedoch auch weiterhin den Posten des Vizekanz­ler s beibehalten soll. Eine Entscheidung über die endgültige Kabinettsumbildung wird allgemein für die nächsten Tage erwartet.

Ministerrat in Wien.

DieBerlrrste der Bundestruppen.

Wien, 28. Juli. (DNB.) Am Freitagabend tagte ein Ministerrat, der mit einer Trauerkundgebung.für Bundeskanzler Dr. Dollfuß eingeleitet wurde. Anschließend gab Bundesminister Stockinger die Einzelheiten über bas Leichenbegängnis bekannt. Sodann nahm ber Ministerrat einen Bericht über bie allgemeine Lage entgegen, in bem festgestellt würbe, baß mit wenig Ausnahmen Ruhe unb Drbnung im ganzen ßanbe herrsche. Der Eisenbahnverkehr funktioniert normal.

Es würbe fobann ein befonberer M i n ist er» ausschuß eingesetzt, ber sich mit ber Bekämp­fung bes Terrors zu befassen hat unb dem Vizekanzler Starhernberg vorsitzenb unb Ju­stizminister Berger, Staatssekretär Kar­winsky, Minister Fey unb ber Staatssekretär für bie ßanbesoerteibigung Zehner angehören werben. Daraus, so würbe in einer Pressekonfe­renz amtlich mitgeteilt, sei zu ersehen, daß alle Ge­rüchte, bie heute (Freitag) über seine Verhaftung im Umlauf waren, glatte Erfinbungen seien.

Die vorläufigen amtlichen Angaben über die Verluste bes Bunbesheeres lauten: Bei ben Kämpfen in Steiermark finb zwei Offi­ziere unb sieben Mann getötet worben, vier Offi­ziere unb sechs Mann schwer verwunbet. Im gan­zen finb bie Verluste bes Bunbesheeres bei ben bereits abgeschlossenen unb zum Teil noch an- bauernben Kämpfen bis jetzt auf 25 bis 3 0 Mann zu schätzen. Die Verluste ber anberen Formationen, vor allem bes Schutzkorps finb im Augenblick noch nicht bekannt.

licher Reichsresforts teilzunehmen.

Marschall Lyauihey

DNB. Paris, 27. Juli. Marschall ßyautey, ber vor einiger Zeit erkrankte, ist am Freitagmittag g e ft o r b e n. Marschall ßyautey, besten eigentlicher Name ßautenschläger ist, würbe am 17. November 1854 in Nancy geboren. Im Jahre 1912 würbe er zum Generalresibenten von Marokko er­nannt. In biefer Eigenschaft hat er nicht nur Marokko für Frankreich militärisch gesichert, son- bern sich auch um bie Verwaltung unb bie wirt­schaftliche Erschließung bes ßanbes oerbient gemacht. Im Dezember 1916 wurde er zum Kriegsminister ernannt. Bereits im März 1917 jedoch ereignete sich in der Kammer zwischen ihm und den Radikalen ein Zusammenstoß, ßyautey brach mitten in einer Rede ab, verließ die Kammer und bat um feine Entlassung. Er kehrte sofort wieder nach Marokko zurück. Im Jahre 1925, nach den Mißerfolgen Frankreichs in Marokko in Zusammenhang mit der werdenden Macht Abdel Krims, trat ßyautey von feinem Amte zurück.

Gesandter Dr. Rieth über die Vorgänge in Wien.

Ein aufschlußreicher Bericht über die Ursachen und Verantwortlichkeiten des Dramas beim Bundeskanzleramt.

Berlin, 27. Juli. (DNB.) Zu den Vorgän­gen in Wien gibt der nach Deutschland zurück­gekehrte bisherige deutsche Gesandte in Wien, Dr. Rieth, folgende authentische Erklärung ab:

Es sind über meine Intentionen bei den Ereig­nissen, die sich im Bundeskanzleramt in Wien ab­gespielt haben, in Oesterreich und im übrigen Aus­land so verschiedenartige Meldungen, sowie Ver­mutungen über meine diesbezüglichen Beweggründe geäußert worden, daß ich mich veranlaßt sehe, rein sachlich bie Ereignisse darzustel - len, wie sie sich tatsächlich abgespielt haben.

Wie bekannt, hatte bie in bas Bunbeskanzleramt eingebrungene Truppe, nachbem Herr Dollfuß verwunbet worben war und drei wei­tere Mitglieder der Regierung, sowie etwa 150 Be­amte gefangengehalten wurden, gedroht, daß diese Gefangenen erschossen würden, wenn die bas Gebäude umlagernben Truppen unb Schutz- korpsmannschaften basfelbe angreifen sollten.

Nach mehreren Stunben, während derer von Re­gierungsseite mit der eingedrungenen Truppe ver­handelt worden war, stellte Minister N e u st ä t ° ter-Stürmer, der den Befehl außerhalb des Gebäudes führte, ein kurzfristiges Ultimatum, nach dessen Ablauf der Angriff auf das Bundeskanzler­amt erfolgen würde.

Knapp vor Ablauf dieser Frist wurde ich aus dem Bundeskanzleramt von dem Befehlshaber der eingedrungenen Truppe, der sich als Hauptmann Friedrich vorstellte, telephonisch angerufen. Er teilte mir mit, daß eine Vereinbarung mit den Re­gierungsvertretern abgeschlossen worden sei, laut Der, um keine Menschenleben mehr zu opfern, die gesamte Truppe, der die österreichische Staatsange­hörigkeit bereits aberkannt worden fei, mit zuge- fichertem freien Geleit unter militärischer Bedeckung aus Oesterreich abtransportiert unb an eine Grenze gebracht werben müsse, für bie sie bie deutsche ge­wählt hätten. Friedrich fügte hinzu, daß bie Aus­führung bes Abkommens noch deswegen unmöglich fei, weil feine ßeute fürchteten, auf ber Fahrt ober vorher niebergemacht zu werben, ynfolgebeffen bat mich Friebrich, baß ich mir bie Zufage bes freien Geleits für ben Abtransport von bem zustänbigen Minister bestätigen ließe.

Ich habe dies zunächst nicht zugefagt und er­klärt, daß ich mit den gesamten' Vorfällen nicht das geringste zu tun habe und mich nicht damit befassen könne. Darauf bestätigte Herr Fey, einer der im Bundeskanzleramt ge­fangengehaltenen Minister, mir telephonisch die getroffene Abmachung und wiederholte seinerseits die bereits von Fried­rich vorgebrachte Bitte, daß ich sofort vor das Bundeskanzleramt komme und mir die von dem dort Befehl führenden Minister Reustädter - Stürmer getroffene Ab­machung bestätigen lasse, weil hiervon die Durchführung derselben abhänge.

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