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Nachdruck verboten!

16 Fortsetzung.

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Vornan von Klothilde von Stegmann.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)

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Dreizehntes Kapitel.

Es war Abend geworden. Edele stand vor dem großen Ankleidespiegel und prüfte mit erstaunten und ungläubigen Augen ihr Spiegelbild, das ihr aus dem glänzenden Rahmen entgegenblickte.

,Bin ich das wirklich?" fragte sie fast erschrocken und sah an dem neuen Ballkleid herab, das Made­moiselle für sie in dem elegantesten Modesalon Baden-Badens ausgesucht hatte.

Celia lachte:

Ja Sie sind es wirklich, Kind, mit Haut und Haar-' schauen Sie sich nur richtig an. Habe ich zu viel gesagt, daß Sie die Schönste sein werden?'

ließen.

** Das Meldeamt für den Arbeits­dienst Gießen ist für Aufnahmen am Freitag,

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schlagskarte für 10 Pfennig losen, die für seine Reiseunkosten keine fühlbare Erhöhung be- deutet, aber vielen Hunderten von Müttern und Kindern ebenfalls Ferienwochen ermöglicht. Dieses kleine Opfer zu Beginn der Sommerreise und die große Hilfe für ärmere Volksgenossen wird ein fegensreicher Anfang des eigenen Urlaubs fein.

Gründung der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine.

Am Montag trafen sich wie man uns be­richtet die Saardeutschen im Saale des Bürger­hofes zur Gründung der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine. Herr A. Thum, der vom Bund der Saarvereine, Sitz Koblenz, zum Ortsgruppenleiter bestimmt wurde, führte den Vor­sitz. Zum Propagandawart wurde Herr Paulus, zum Kassenwart' Herr Ermantraut ernannt. Dann umriß der Ortsgruppenleiter in kurzen Zügen die Zwecke und Ziele der Saaroereinigung. Die Hauptaufgabe soll darin bestehen, sämtliche abstim­mungsberechtigten Saardeutschen, die zur Zeit in Gießen wohnhaft sind, zusammenzuschließen, um dann gemeinsam, Schulter an Schulter, für die Rückkehr ihrer Heimat zum Mutterlande zu kämp­fen. Anmeldungen, auch von Nichtsaardeutschen, sind an Herrn A. Thum, Weserstraße 29, zu richten.

Braune Messe in Butzbach.

Die Arbeiten für die B r a u n e M e s s e in B u tz- b a ch kommen nunmehr zum Abschluß. Die Gestal­tung der Ausstellung, die in den Händen des Ar­chitekten Lippert liegt, geht planmäßig vor sich. An Hand der einlaufenden Meldungen wird die Pla­nung vorgenommen. Nach den bisherigen Entwürfen steht fest,' daß sich die Ausstellung in sehr vorteil­hafter Weise, die von dem bisher üblichen Schema abweicht, präsentieren wird. Der Eingang der Aus­stellung sowie die Anlagen der Plätze werden eine besonders schöne Ausgestaltung erfahren. Im Mit­telpunkt steht das B a u g e w e r b e h a u s, an das sich ein kleines Ausstellungs-Restaurant mit Garten anschließt.

Gretzener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n, 28. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klasse S 10llt, Klasse A 10, Klasse B 9^, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte 71/;, Wirsing, das Pfund 15, Weiß­kraut 15, Gelbe Rüben, Bund 10, Rote Rüben, das Pfund 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25 bis 30, (gelb) 25 bis 30, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15, Rha­barber 8, Kartoffeln (alte), das Pfund 5 Pf., der Zentner 4,80 bis 5 Mark, neue, das Pfund 10 bis 15 Pf., Himbeeren 40, Kirschen 20 bis 25, Heidel­beeren 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 50, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 25 bis 30, Oberkohlrabi 8 bis 10, Suppengrün 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 25, Radies­chen, Bund 8 bis 10 Pf.

Bornotizen.

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Erscheinung.

Edele!" flüsterte seine Stimme, als spräche sie in einem Traum, den man durch eine laute Be­wegung, durch ein lautes Wort verscheuchen könnte. Da leuchteten auch Edeles Augen auf:

Malte!" rief sie jauchzend, und ehe der vor Freude noch Gelähmte eine Bewegung machen konnte, flog die Frühlingswolke aus Duft und Weih auf ihn zu, fühlte er den zarten, leichten Mädchen­körper sich mit zutraulicher Innigkeit in seine Arme schmiegen, fühlte ein weiches Lippenpaar auf seiner Wange dann ergriff Edele die Hände des Jugendgespielen und sah ihn mit ihren goldbraunen Augen glücklich an:

Malte, mein lieber guter Malte daß ich dich wiedersehe!"

Und daß ich dich wiedersehe, Edele, liebe, kleine Edele!" flüsterte Malte, immer noch wie im Traum. Warum hast du nie, nie mehr an mich gedacht? Warum hast du all die Jahre geschwiegen? Ich bin umgekommen vor Sehnsucht, vor Angst ich habe alles versucht, aber nie habe ich dich erreichen können."

Ich geschwiegen?"

Mit Erstaunen sah Edele den Jugendfreund an:

Ich habe dir doch geschrieben, Malte, immerfort, wenn ich vor Herzeleid und Einsamkeit auf dieser abscheulichen Insel bei dieser bösen Miß Crab nicht mehr aus und ein wußte. Lange Briefe habe ich dir geschrieben. Malte! Hast du nicht einen einzigen bekommen?"

Nicht einen einzigen, Edele! Dabei habe ich gewartet wie ein Irrsinniger und habe dir auch über die Adresse des ausländischen Bevollmächtigten, der Swanebloe verwaltet, geschrieben. Hast du auch diese Briefe nie in die Hände bekommen?"

Edele schüttelte den Kopf.

Ich habe geglaubt, du hättest mich vergessen, Malte!"

Da sah er sie mit einem unbeschreiblichen Blick an:

Ich dick vergessen, kleine Edele? Ich werde dich nie vergessen, so lange ich lebe. Aber was ist aus

Bezirksführer der Gruppe Hessen, die auch bte Kreise Wetzlar, Marburg, Kirchham und Ziegen- hain umfaßte, fand er reichliche Betätigung für den Schutz der deutschen Ostgrenzen, ine Sammlung der ostdeutschen Landsleute und die Vorbereitungen der Volksabstimmungen in West- und Ostpreußen und in Oberschlesien. Für seine Verdienste erhielt er qemeinfam mit Oberregierungsrat Fnedr. Welk­te r und dem Apotheker Wronka in Großen- Linden den Schlesischen Adler 2. Stufe verliehen.

** Unfall bei der Arbeit. In einer der Werkstätten des Gießener Bahnhofs ereignete sich gestern ein Unfall. Der etwa 50 Jahre alte $abm schlosser Otto Gans von hier erlitt wahrend seiner Ar­beit leichte innere Verletzungen, die seine Ueber uhrung in die Chirurgische Klinik notwendig erscheinen

Tageskalender für Donnerstag. Ortsgruppen Gießen-Mitte und Gießen-Süd: 20.30 Uhr, Cafe Leib, Versammlung-, Redner: Pg. Siebert (Darmstadt). NS.-Frauenschaft Gießen-Ost: 20.30 Uhr, Geschäftsstelle Kaiserallee 52, Zusammenkunft sämtlicher Zellen- und Blockfrauen. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Das Lied vom Glück".

Versammlung der Deutschen Ar­beitsfront. Am Samstag, 30. Juni, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine Versamm­lung der Deutschen Arbeitsfront statt, in der Pg. Dr. Nüß (Berlin) über das ThemaSoziale Rechtsschutz- und Haftpflichtschäden-Unterstützungs- kasseFakulta" sprechen wird. Das Erscheinen ist allen Mitgliedern zur Pflicht gemacht. (Siehe heu­tige Anzeige!) ________________

Sie riß sich aus ihren Gedanken und zwang sich i ein freundliches Lächeln auf die Lippen.

Edele kam zurück ihr Partner ging, lebhaft plaudernd, neben ihr und verbeugte sich ehrerbietig, ehe er sich wieder auf seinen Platz zurück begab.

Herrlich ist das Leben, Mademoiselle!" klang Edeles junge Stimme jubelnd.Aber Tanzen ist doch das Schönste. Ich könnte nie davon genug be­kommen: mir ist, als tanzte ich mir den ganzen Kummer dieser Jahre auf der Insel Wight vom Herzen."

Und sie sah mit glänzenden Augen vor sich hin, indessen ihre Schultern und Füße unwillkürlich den Takt aufnahmen, im Rhythmus eines neuen Tanzes, den die Kapelle soeben intonierte.

Aber doch werden Sie heute wohl genug be­kommen, Kind!" mahnte die Begleiterin.Es ist gleich sechs Uhr. Und wenn Sie heute abend zu der großen Tanzkonkurrenz in den ,Badener Hof' gehen wollen, müssen Sie sich unbedingt vorher ausruhen. Sie sollen doch die Schönste sein und da muß man frisch sein."

Die Schönste?" fragte Edele träumend.Bin ich denn wirklich schön, Mademoiselle? Ich weiß es nicht; aber ich denke oft, wenn ich die strahlenden, eleganten Frauen ringsum sehe, daß ich doch noch ein schrecklich dürftiges, junges Ding bin."

Ueberlassen Sie die Entscheidung darüber, wie Sie sind, getrost den Herren, Edele! Ihre Triumphe in diesen drei Wochen in Baden-Baden werden Ihnen ja am besten gezeigt haben, was auf die Männerwelt Eindruck macht ich glaube, Ihre Jugend dürfte kein Hinderungsgrund sein."

Sie seufzte unhörbar. Glückliches Menschenkind, das nicht ahnte, welch kostbares Gut die Jugend n?ar daß sie alles bedeutete: Glück, Reichtum und Erfolg! Niemand wußte das besser als Celia. Aber dies Wissen brachte die Jugend nicht zurück.

werden gestellt heim benö

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war machtlos, Edele zu schützen. Gegen Liewen gab es keinen Schutz. Man mußte froh fein, wenn man selbst noch existieren durfte.

Wie eine duftige Frühlingswolke schwebte Edele die Treppe von ihrem Hotelzimmer hinunter und achtete nicht darauf, daß ihr entgegen ein junger Mann im Abendanzug kam, der bei ihrem Anblick stutzte, dann regungslos stehenblieb, so daß er ihr beinah den Weg versperrt hätte. Ein Lächeln auf den Lippen, gintz Edele weiter da hörte sie plötzlich eine halblaute Stimme, die wie fragend ihren Namen rief.

Erstaunt wandte sie sich um da stand der junge Mann, ein schlanker, blonder Mensch mit einem schönen männlichen Gesicht: graue, warme Augen strahlten, als sähen sie eine überirdische

einen höheren Blickpunkt gestellt wird, droht in einem solchen Uebergangszeitalter allerdings eine gewisse Gefahr, nämlich die, daß fie Modesache werden könnte.

Wenn daher heimatkundliche Studien aus irgend­einem Zweig der Geschichte und Naturforschung einer streng wissenschaftlichen Kritik standhalten sol­len, dann ist daraus zu achten, daß in der For- chungsrichtung selbst schon eine auf dgs Großziel gerichtete Grundnote gewahrt wird und bereits in ihr eine verführerische Vereinseitigungstendenz von vornherein ausgeschaltet wird. Im Sinne von Volkstum und Heimat, Blut und Boden, Herkunft und Lebenszuwachs hat also auch die Heimatfor- schung in erster Linie darüber zu wachen, daß allen Folgerungen aus speziellen Studien innerhalb ihres Bannbereiches mit letztmöglicher Blickweitung bei allen Formen eine gründliche Vororientierüng so­wohl über die historischen, als auch zeitgleichen Ver­hältnisse voraufzugehen hat. Die pflanzliche und tierische Erforschung eines Landschaftsraumes, sowie die Erkenntnisvermittlung durch die Lehre hat unter dem Gesichtswinkel zu erfolgen, daß Tierwelt, Pflanzenleben und der dazu gehörige daseinsbe­reitende landschaftliche Lebensraum keine zufallsge­gebene Tatsache ist, sondern daß diese aus drei Grundelementen bestehende Lebensgemeinschaft unter dem Einfluß mannigfaltiger von außen her wirkender Kräfte der Vor- und Jetztzeit ein außer­ordentlich intim ineinander übergreifendes System

Der Nationalsozialistische Lehrerbund im Kreise Gießen hielt gestern nachmittag im Saal des Cafe Leib eine Versammlung ab, zu der auch die Mit- > glieber des Reichsbundes für Volkstum und Heimat eingeladen und erschienen waren. Musik des NSLV.- Orchesters leitete die Versammlung ein.

Schulrat Nebeling

begrüßte die Teilnehmer. Er erinnerte zunächst an den Tag des Abschlusses des Versailler Vertrages, qab aber der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Ver­hältnisse ändern möchten. Der Führer habe klar gesagt, daß die Zeit der Diktate vorbei fei. Der Nationalsozialistische Lehrerbund wolle in der Ver­bindung mit dem Reichsbund für Volkstum und Heimat' dazu beitragen, daß die Grundlagen des Volkstums wieder erneuert werden, die bisher von volksfremden Elementen zerstört worden seien. Die Zerstörung dieser Grundlagen unseres Volkstums sei es allein gewesen, die den Versailler Vertrag überhaupt ermöglichte. Heimat und Polkstum müß­ten neu an die Volksgesamtheit herangetragen wer­den. Heimat und Volkstum seien identisch mit den Begriffen Blut und Boden. Alle Arbeit gelte dem Ziel, den deutschen Menschen zurückzuführen zur Quelle seiner Kraft. Wenn nun, so führte der Redner weiter aus, Ruhe im deutschen Lande herrsche, so dürfe das für den Kritiker und Nörgler kein Anlaß fein, an Kleinigkeiten zu deuteln. Ins­besondere der Erzieher dürfe nie auf der Seite jener mißliebigen Volksgenossen stehen. Er müsse in erster Linie erkennen, daß diese unsere gegenwärtige Zeit einzig dastehe in der deutschen Geschichte, daß in der Gegenwart der deutsche Traum der Jahrtau­sende Erfüllung finde.

Im Anschluß daran hielt

©r. Karl Rudolf Fischer-Gießen

einen Vortrag über das Thema: Neue Wege derHeimatforschung. Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen:

Im Leitgang und Nachhall der großen weltan­schaulichen Grundthesen von Volkstum und Heimat, Blut und Boden ist im Dritten Reich die Heimat­forschung in eine neue gehobene Stellung gekom­men. Wenn sich auch bei Angelegenheiten der exakten Forschung nicht erwarten läßt, daß sie ihrem Endziel im Sinne einer unbedingten Lö­sungsfindung nunmehr über Nacht nahe seien, so ändern sich zum mindesten doch die Problemstellung und die Methodik, Nahziel und Endziel und der Weg zu ihnen. Von diesem richtunggebenden Haupt­nenner aus werden die beiden Exponenten der wissenschaftlichen Betätigung Forschung und Lehre in gleicher Weise beeinflußt. Dem letzte­ren Faktor, der Lehre in ihrer Ausstrahlungsweite ins Volk hinein, wohin sie ausgewertet und auf

Neue Wege -er Heimatforschung

Eine Versammlung des NSLB. des Kreises Gießen.

Geschehens auf allen Fronten tns Volk zurückzu» tragen. Die Forschungsrichtung ist man hat je nach deren Entwicklungsgrad vier Forschungs­stufen und damit Erkenntnisgrade zu unterschei­den folgende:

1 Die niedrigste Stufe der Lebensraumforschung ist die Feststellung des einfachen Artenbestandes im einzelnen Lebensraum:

2 die nächste Stufe hat den Grad der Verbunden- heit mit dem jeweiligen Lebensraum einer Art zu untersuchen; , , x.

3. die weitere Entwicklung der Forschung hat dis Klärung der Frage zu erbringen:Warum leben nur diese Formen hier?";

4. kommt dann das vergleichende Lebensraum­studium, dem die Ausgabe zufällt, die Be­ziehungen aller Lebensräume untereinander ab» zuleiten und allgemeine Gesetzmäßigkeiten für den Naturhaushalt auszukundschaften.

Ts ist nur bann möglich, so fuhr der Redner u. a. fort, die mannigfaltigen, intimen und nach bestimmten Gesetzen organisch geordneten Be­ziehungen und Zusammenhänge des Natur- und Heimatlebens nach außen hin sichtbar, überzeugend und beweiskräftig darzustellen, wenn man die Mög­lichkeit hat, sich in die der gleichen Richtung lau­fenden Ergebnisse der benachbarten Forschungsreihe als eine Art der Grundverbindung 3U eigen zu machen. Ein wirklich produktiver Fortschritt in der Heimatforschung kann nur durch Zusammenschluß aller der Darstellung und dem Verständnis des gegenseitigen Angepaßtseins des Menschenlebens und der Tier- und Pflanzenwelt an den bodenstän­digen Lebensraum und die Umwelt dienenden Er» kenntnisguellen in dem geschilderten Sinne vorbe­halten bleiben. Sind wir so weit, dann werden auch die einzelnen Zweige der Heimatforschung wirk­lichen Nutzen voneinander haben und nicht mehr wie seither, fremd und unerkannt nebeneinander herlaufen und sich zerarbeiten, statt gemeinsam aus­zubauen. Hessen-Rheinsranken ist in der Lage, seit den programmatischen Richtlinien des in Sachen der Heimatforschung außerordentlich rührigen Mi­nisterialrates Ringshausen von sich sagen zu können, baß die Belange der hessischen Heimat- schung einen neuen und mustergültigen Aufschwung zu nehmen versprechen. Wir erforschen und schützen unsere Natur, so schloß der Redner, um unsere Heimat zu erhalten und erhalten unsere Hei­mat um unseres alten deutschen Vaterlandes willen. (Lebhafter, anhaltender Beifall!)

Der Geschäftsführer des Reichsbundes für Volks» tum und Heimat in der Landschaft Rheinfranken,

Professor Or. Spiiger-Oarmstadt

sprach sodann über die Aufgaben des Reichsbundes für Volkstum und Heimat. Er wies darauf hm, daß die Kultur der vergangenen Jahre nicht unse­rem Wesen entsprochen habe. Der Reichsbund wolle, daß alles Schlechte hinweggefegt, und auf das Gute zurückgegriffen werde. Die Sache des Reichsbundes für Volkstum und Heimat habe einen besonderen Aufschwung durch die Zusammenarbeit mit der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" gefunden. Der Reichsbund habe dadurch Gelegenheit, m die Breite zu wirken. Weitere Vertiefungsmöglichkeit fei gegeben durch die Zusammenarbeit mit den Dietwarten der Deutschen Turnerschaft. Es müsse so weit kommen, daß es keine sportliche Veranstal­tung mehr ohne eine volkskundliche Darbietung gebe. Enge Verbindung müsse auch mit der Deut­schen Angestelltenschaft gewonnen werden. Alle Arbeit werde auf lange Sicht geleistet. Die Heimat­forschung werde eine planmäßige Gestaltung er­fahren. Wenn alle mithelfen würden, dann könne das Werk nicht mißlingen. (Lebhafter Beifall!)

In seiner Schlußansprache wies

Schulrat Tiebeling

darauf hin, daß unsere Schularbeit nicht immer im Rahmen des Lehrplanmäßigen bleiben dürfe, daß die Schule nicht nur Schleußensystem sein dürfe, sondern Schule zur Gestaltung und Heranführung des jungen Menschen an das wirkliche Leben. Hei-

erhalten hat.

Man muß sich nach neuen Möglichkeiten umsehen, wenn es gilt, alle der neuaufblühenden Heimatsor- schuna und ihrer Lehre dienenden Kräfte dahin­gehend zusammenzufassen, daß eine in allen Teilen vollwertige Gesamtschau des heimatlichen Natur­lebens und Volkswesens zustandekommt.

Wir müssen bei der zukünftigen Forschung soweit kommen, daß es gelingt, zur Feststellung einer ein­wandfreien Gesamtschau auf organisatorischem Wege alle Fachspezialisten so in den Forschungsapparat einzugliedern, daß es jedem als sein Beitrag zu einer bestimmten Aufgabe zufällt, aus dem reichen Schatze seiner speziellen Kenntnis für einen bestimm­ten zur Diskussion gestellten Punkt dasTypische" aufzuzeigen, aus dem typischen das vermittelnde Bindeglied zum Nachbarfach zu vermitteln und so aus der gleichzeitigen Verbindung aller einzelnen Bereiche einen wohlgeordneten und gesetzmäßig in seinen gegenseitigen Äbhängigkeitsbeziehungen iden­tifizierbaren Zusammenhang zu finden. Träger der Heimatforschung und der Heimatlehre zu sein sind jene berufen, die volksnahe genug und in der Lage sind, den lebendigen Kontakt mit der lebenden Na­tur wieder herzustellen, von dort aus in der Man­nigfaltigkeit die Einheit zu erkennen und von hier die Eindeutigkeit und Unteilbarkeit des natürlichen

ielen halb auf die zarten Mädchenschultern das Ganze war wie aus dem Bild eines altenglischen Malers hervorgestiegen.

Nun sind Sie zufrieden mit meiner Wahl, Edele?" fragte Mademoiselle Celia.

Statt einer Antwort fiel ihr Edele stürmisch um den Hals und küßte die Ueberraschte innig:

Zufrieden? Ach, Mademoiselle, ich bin glücklich und ich weiß gar nicht, womit ich Ihre Güte und die Güte dieses unbekannten Gönners und Vormunds verdient habe. Wenn er doch endlich einmal sein Inkognito lüften würde, damit ich weiß, wem ich diese glückliche Wendung meines Lebens zu danken habe. Das alles verdiene ich ja gar nicht."

Ein Gefühl der Scham und des Mitleids wallte in dem Herzen der Französin auf:

Seien Sie froh, Edele, und denken Sie nicht weiter nach!" sagte fie leise.Manchmal ist es gut, nichts zu wissen."

Edele sah' sie erschrocken an:

Sie sagen das so merkwürdig, Mademoiselle?" Celia zwang sich zu einem Lächeln.

Merkwürdig? Das war nur so eine allgemeine Betrachtung, die aber nicht die geringste Beziehung auf Sie hat, mein Kind! Aber sehen Sie nur, Ihre Locken sind in Unordnung geraten das kommt von der stürmischen Umarmung. Schnell, lassen Sie sich das Haar noch einmal von Fanny richten, ich gehe inzwischen schon hinunter und warte in dem Lesezimmer auf Sie!"

Eilig ging fie hinaus. Da hätte sie durch ihre Unbesonnenheit beinah Edeles Mißtrauen geweckt.

' Und Edele mußte doch unbefangen bleiben, bis i Liewen sich einstellte.

Für den Tag hatte Liewen feinen Besuch an» gesagt. Celia seufzte auf, diese kleine, unschuldige > Edele war ihr beinah lieb geworden und wenn ) sie an das Schicksal dachte, dem Edele entgegenging, stieg etwas wie Haß gegen Liewen auf. Aber sie

deinem Leben geworden? Wer sorgt für dich? Wieso kommst du hierher und in all dem Luxus?" Unruhig sah er sie an, die wie eine kostbare Blüte vor ihm stand. Sein Herz preßte sich zu- ammen, stockend kam es über seine Lippen:

Edele, bist du vielleicht verheiratet?"

Aber seine angstvolle Spannnung löste sich unter ihrem unbefangenen Lachen:

Ich verheiratet? Dummer, lieber Malte, ich bin ja noch ein halbes Kind wen hätte ich denn heiraten fallen? Nein, ich fange ja erst an zu leben."

Ihre Augen bekamen einen durstigen Schein, den Malte mit wiedererwachender Sorge sah. Schön war Edele geworden schön wie ein Traum schön wie ein Märchen aber darum auch gefahr» bet wie ein Märchen, das sich in die harte Wirklich­keit verirrt hat.

Wie lebst du aber, kleine Edele?" fragte er.

Da kam ein nachdenklicher Ausdruck in Edeles Augen:

Wenn ich das wüßte, Malte? Irgend etn un­bekannter Gönner sorgt für mich und hat mich plötzlich aus der Einöde dieser englischen Pension hierher in Glanz und Luxus bringen lassen, mir eine reizende Gesellschaftsdame gegeben, die über unbegrenzte Mittel zu verfügen scheint, und die mir jeden Wunsch erfüllt. Mehr weiß ich nicht."

Ein unbestimmter Verdacht tauchte in Malte auf das war eine eigentümliche Geschichte, die Edele ihm da erzählte. Wie kam es, daß sie so plötzlich heimlich von Swanebloe fortgebracht wor­den war, und daß niemals ein Brief aus der Heimat sie ereicht hatte, wie auch keiner ihrer Briefe angelangt war? Irgend jemand hatte ein Interesse daran, Edele zu isolieren. Daß dieser un­bekannte Jemand das alles nur aus reiner Menschenfreundlichkeit tat, war beinah unglaublich. Das Leben war nicht so, wie es sich in Edeles Köpfchen und im Märchen malte. Im Leben war es meist so, daß für jede Gabe einmal eine Zahlung gefordert wurde und was für eine Zahlung man einmal von Edele fordern würde, das mußte er herausbekommen. Vielleicht war sie in Gefahr, und der Himmel hatte ihn sie endlich finden lassen, um ihr zu helfen.

Höre, Edele wo können wir uns ungestört sprechen?" fragte er hastig.Ich muß wissen, wie es dir inzwischen ergangen ist. Du sollst mir alles, alles sagen magst du, Edele?"

Und ob ich das mag, mein fieber, guter Malte! Wie oft habe ich mich danach gesehnt, einem Men- 1 schen mein Herz ausschütten ^zu können. Aber nun ist es ja gut, du bist ja da."

Es durchschauerte den jungen Mann heiß, wie sie ' diese WorteDu bist ja da" sagte. Lag in diesen , Worten eine unbewußte Liebe? Jedenfalls doch em unbeirrbares Vertrauen. Und dies Vertrauen wollte } er nicht enttäuschen.

(Fortsetzung folgt.)

Mit zufriedener Miene betrachtete auch sie Edele.

Edele trug ein Kleid ganz aus weichstem, weißem Seidentüll gefertigt. Es hatte einen runden, tiefen Ausschnitt, der von einem kleinen Fichu in feinsten Tüllrüschen abgerundet war. Das Oberteil war sehr eng und unspannte knapp die zarte Büste, und in der Taille lag ein breites Moireband in zartestem Blau, das, rückwärts zu einer großen Schärpe ge­drungen, in weichem Fall*herabalitt. Der Rock, um )ie Hüften noch eng, erweiterte sich zu den Füßen hin immer mehr und glitt in Hunderten von winzig kleinen, quer abgenähten Rüschen wie Schaum- geriesel auf die zierlichen, lichtblauen Seidenschuhe hinab. Wie um diesen Traum von Duft und Blüten noch wirklicher zu machen, waren einige lichtblaue Blumen, wie vom Winde geweht, in die Falten des Kleides gesteckt, und ein Tuff blauer Blüten hielt den tiefen Ausschnitt des Fichus zusammen. Edeles blonde Locken waren halb offen frisiert,

** Evangelische kirchliche Nachrich­ten. Als Landesführer der Inneren Mission für das Gebiet der evangelischen Landeskirche Nassau- Hessen wurde Direktor Pfarrer Röhricht (Darm­stadt) vom Reichsführer bestätigt.

** Ernennung. Der Kanzleigehilfe an der Kasse der Landesuniversität Gießen Konrad K ö - n i g wurde mit Wirkung vom 1. Juni an zum Kanzlisten ernannt. .

** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Sei­nen 75. Geburtstag feierte dieser Tage bet guter Gesundheit der Reichsbahnoberassistent i. R. Hans G r i s e e, Am Riegelpfad 26. Der aus Ostpreußen stammende verdankt seine Körperfrische neben einer stets reichen Betätigung auch der ausgezeichneten militärischen Schulung der Vorkriegszeit. Als nach dem Friedensschluß die Abwehrorganisationen der östlichen Grenzlande entstanden, beauftragte ihn der ,

damalige Oberregierungsrat Friedrich W elckerid lenst Gietz en i mit den Vorbereitungen dazu in unserer Stadt. Als 129. Ium, geschlossen.